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Jüdische Rundschau · 1929-07-16 · Heft 55 (16.7.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 55 (16.7.1929)
Date
1929-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,25 Goldmark / ■i JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark, ^11»13ו1זו»0ז»ממ0^8יי^בג wafrdext m der WahmjiR dar ewrel1*«a Lander berechnet. Ammigmpmi*'. 8 gmtp. Nonp*reille1r«ile 0.50 G.-M- Stellengesuche 0.25 G-M Nummer 55 | Berlin, 16. VU. 1939 Redaktion Verlag und Anzeigen *Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinWlS, Meinekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. Aaxei«;ensch!luA: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschiaß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck-Konten: Berlin 173 92, Bas«•] V 9355, Belgrad 680 \2, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danrig 1973, Haag 140 470. Prag 59410, Su־«s»burgl64 30, Warschau 190 708, Wien 156 OKI. Bank-Konten: DarmsticUor und NationalHank, Depositen-Kasse Berlin, Kurfüretendamm 52; Ban ca de E«t, Cematiti (Rumänien); Anglo Palestine Co. 1a Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. ח, תמוז* תרפ״ט | xxxiv. jahrg. Der Zionismus erstrebt für das {Qdlscha Volk die Schäftung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baselar Progrant nt.*« Otto Warburg 70 Jahre In aller Kürze B i a 11 k ist in Berlin eingetroffen, um wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes Aerzte zu konsultieren. * In Paris fand in diesen Tagen die Jahresversammlung des Rates von Hias-ICA-Emig direkt (HJCEM) unter dem Vorsitz von Dr. Oskar Cohn statt. Der Vorsitzende teilte mit, daß die jüdische Auswanderung sich auf jährlich 35—40000 Persanen stabilisiert hat, trotzdem sei die Emigranten-Fürsorge infolge der bestehenden Einwanderungssperre in den meisten Ländern viel schwieriger geworden. Das Budget für das kommenden Jahr wurde ratifiziert und Dr. James Simon zum Vorsitzenden für das kommende Geschäftsjahr gewählt Das zwischen den drei Organisationen bestehende Abkommen läuft am 30. März 1930 ab, wird jedoch bis 1933 verlängert werden. * Unter der rumänischen Judenschaft herrscht größte Empörung gegen den von der Regierung Maniu dem Parlament vorgelegten Gesetzentwurf über die O r g a ni - sation der jüdischen Gemeinden Groß-Rumän i e n s, der ohne Mitwirkung der Juden zustande kam. Das Gesetz stellt es jeder beliebigen Gruppe frei, eine jüdische Gemeinde zu bilden, wodurch ein Chaos Im jüdischen Leben entstünde, ln ganz Rumänien fanden Protestversammlungen statt, jüdische Deputationen erschienen bei Regierung und Regentschaftsrat, die jüdischen Deputierten des Parlamentes warnten in Reden die Regierung vor ihrem Schritt In manchen Städten wurde sogar eine offizielle ״jüdische Trauer“ proklamiert Auch der Rat zur Verteidigung der jüdischen Minderheitsrechte beabsichtigt einen Protest gegen das erwähnte Gesetz. * Die Herren David Breßler, Mitglied der Exekutive des , American Joint Distribution Committee in New York, und Joseph C. Hy man, Generalsekretär des New Yorker Büros des Joint Distribution Committee, haben in Berlin mit Vertretern des Joint und des Agro-Joint die laufenden Arbeiten besprochen und begaben sich am 10. Juli auf eine vierwöchentliche Tour in die osteuropäischen Gebiete. Wahlen •;״■.״■...■.:י " We' das ztöhlÄcfie fentralbüro in London meidet, sind bei der Exekutiv« bereits die W e 11 w׳ a h 111 $ t e n eingetroffen, denen bekanntlich auf Grund der sogenannten Reststimmen in den ehtgtijjfri Ländern eine Anzahl von Mandaten zufaßen. Die Liste der ״A11 g e m e i n e n Z i ס o i s t e n“ besteht aus 12 Namen, an ihrer Spitze stehen die Herren Dr. Georg Haipern, Isaak Naiditsch und S. Schocken. Bevollmächtigter dieser Liste ist Dr. Bileski, Berlin. Die Liste des ״Misrachi“ zählt 22 Namen, an ihrer Spitze stehen die Herren Daniel Sirkis, Herrmann Strack. Der Sonderverband ״P o a I e Z i o 11“ schlägt 43 Kandidaten vor, mit David Bloch, D. Ben Burion lind 1. Ben Zwi an der Spitze. Vertreter dieser Liste ist Ing. Reich, Warschau. Die ״H i t a c h d u t h“ nennt 40 Kandidaten, mit Elieser Joffe, Joseph Aronowitz und Martin Buber an der Spitze. Bevollmächtigster dieser Liste ist N. Twersky. Die ״Radikalen Zionisten“ reichten eine Liste mit 22 Namen ein. Ais Spitzenkandidaten sind die Herren Isaak Grün bäum, Dr. Soloweitschik und Nahum Goldmann aufgestellt. Vertreter dieser Liste ist Dr. Soloweitschik. Die Weltwahlliste der ״R e vision ist en“ zählt 26 Namen, mit den Herren Dr. Soskin, 1. Trions und Dr. Z. Tiomkim an der Spitze. Bevollmächtigter dieser Lister ist M, Großmann. Die Berechnung der Weltwahlliste auf Grund der restliehen Mandate erfolgt in einer Sitzung der Weltwahl-Kpmmission, die für den 16. Juli einberufen worden ist. Sie unterliegt der Ueberprüfung durch das Kongreßgericht. Als Kommissär für die Weltwahlliste fungiert Herr Dr. L. Lauterbach. * Die Wahlen in Rumänien ergaben das folgende vorläufige Resultat: Gewählt wurden mit 1700 Stimmen 3 Allgemeine Zionisten (Dr. Adolf Bernhardt, Frau Selma Margulies und Landesrabbiner Senator Dr. Nlemirower), ein Radik a 1 e r mit 1100 Stimmen (D,r. S. J. Stern) und ein A r b e i t e r- Vertreter mit 780 Stimmen (Adv. I. Lerner). Der sechste Sitz wird einem Radikalen oder einem Revisionisten zufallen. In der englischen Provinz wurden 3 Allgemeine Zionisten (Simon Marks, Frau Israel Sieff und Montague Burton) und ein Misrachist (Rabbi I. j. Unterman-Liverpool) gewählt. Die Wahlen in London ergaben als Resultat drei Mandate für die Allgemeinen Zionisten (Dr. Eder, Leopold Sehen und Morris Myer), ein Mandat für die Mjsrachisten (Michael Schiff) und ein Mandat für die Revisionisten (Seifert). Die Wahlen in Südafrika ergaben das folgende Resultat: Gewählt wurden 6 Allgemeine Zionisten, unter ihnen Herr Ochberg, ein Vertreter der Hitachduth und ein Revisionist (LI Klempman). Ueber Polens. S. 354. Budget ״Vorlage der Exekutive Die Zionistische Palästina-Exekutive hat eine Budget-Vorläge über £ 750.000 für das kommende Arbeitsjahr ausgearbeitet. Zu den Besprechungen zwischen der Exekutive und den inoffizidien Mitgliedern des Budget-Komitees wurde, wie J. T. A. meldet, eine vollkommene Ueber einstimm u n g erzielt. Die Hauptschwierigkeit ergab sich bei Fest- Setzung der Budgets für die Kulturarbeit der Arbeiterschaft (Waadath hatarbuth). Die Exekutive hat diesen Posten gestrichen und der Kongreß wird darüber zu entscheiden haben. Die Feier bei Kroll Es ist das Schlimme mit den sogenannten Wahrworten, tfaß man leicht geneigt ist, ihnen Allgemeingeltung zuzuerkennen. So heißt es: ״Viel Feind, viel Ehr“.!Woraus man leicht den Schluß ziehen könnte: ״Viel Freund, viel Unehr“. Das aber ist in den allermeisten Fällen falsch und absolut unzutreffend im Falle von Professor Otto Warburg, dessen auf den 26. Juli fallender 70. Geburtstag seinen in Berlin weilenden Verehrern und Freunden Veranlassung war Yum ׳ Ausdruck zu bringen, in welchem Maße Otto Warburg sich der ungeteilten Verehrung und Liebe aller Zionisten erfreut, die in diesem Manne die Verkörperung schlichtester Vornehmheit erblicken. Kennzeichen der Vornehmheit ist, daß man von sich das Höchste verlangt, ohne es die anderen merken zu lassen. Und das gerade trifft bei Otto Warburg zu. Diese Eigenschaft, gepaart mit unvergänglicben Leistungen für die Sache des Zionismus, haben Professor Warburg in der ganzen zionistischen Welt nur Freunde und keinen einzigen Gegner gewonnen. So daß man in bezug auf ihn sagen kann: ״Viele Freunde, höchste Ehre“. Die Vorbereitungen zum Zionistenkongreß und der Umstand, daß Warburgs Geburtsdatum in die Zeit der Sommerferien fällt, bewirkten, daß die zu seinen Ehren beabsichtigte Feier bereits am Jl. Juli veranstaltet wurde. Kennzeichen dieser Zusammenkunft war die Intimität, welche alle Teilnehmer zusammenschloß. Die Feier zauberte die Stimmung aus der Heroenzeit des Zionismus hervor. Ein Gefühl der Herzlichkeit und menschlichen Verbundenheit stellte sich sofort ein, als Kurt Blumenfeld, als erster Redner, betonte, daß die Feier nicht so sehr dazu bestimmt sei, Professor Warburg, der sich in seiner Bescheidenheit so wenig aus Ehrungen macht, zu feiern, sondern vielmehr ein Anlaß für die Teilnehmer darstellte, sich daran zu erinnern, was für einen wertvollen Besitz die zionistische Welt in Professor Warburg ihr eigen nennt. Mit wundervollem Verständnis unternahm es Blumenfeld, das Wesen Professor Warburgs zu umreißen, der, wie selten ein Führer der zionistischen Bewegung, den Sinn für das Gegenstündliche mit Romantik und dazu mit dem Gefühle für höchste Pflichterfüllung verbinde. Namens des Keren Kajemeth würdigte Max W ollsteiner Warburgs Verdienste für den nationalen Bodenfonds, in dessen Direktorium Warburg Jahrzehnte lang gewirkt hat. Warburg ist der Initiator der Oelbaumspende. Wollsteiner erinnerte daran, daß das zionistische Geburtstagskind des tl. Juli, der sechzigjährige Professor Heinrich Loewe, der Spender des eisten Oelbaumes gewesen ist. Als Juden und Zionisten wollen wir an Otto Warburg eine Ehrenschuld abzahlen, indem wir mithelfen an der Schaffung des seinen Namen tragenden Botani sehen Gartens in Palästina, der diesen Namen für alte Zelten im Gedächtnis des Landes bewahren soll. Dr. Arthur Hantke betonte, daß Warburg für sich das Verdienst in Anspruch nehmen könnte, die zionistische Bewegung schon vor Jahrzehnten aus der Stimmung mittelalterlicher Romantik in die Neuzeit gegenständlichen Wirkens geführt zu haben. Der 70. Geburtstag bedeutet bei Warburg, der wie ein Fünfzigjähriger aussieht und jung an Leib und Seele ist, nur den Anfang frischen Schaffens und neuer Unterndaniwges, welche er solange zu leiten pflegt, Ws de Eigen• leben gewonnen haben und von Helfern weitergeführt werden können. Dr. Alfred Klee erinnerte an den ungeheueren Eindruck auf die jungen Zionisten, als vor ungefähr 30 Jahren Otto Warburg, damals schon Universitätslehrer, sich dem Kreis der jungen Zionisten anschloß. Seine Persönlichkeit war die Synthese der großen politischen Konzeption Theodor Herzls und der praktischen Palästinaarbeit. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, daß Otto Warburg ein zionistischer Selfmademan gewesen sei. Im Hause seines Schwiegervaters, Gustav G. Cohens in Hamburg, eines der ersten Zionisten in Deutsch- ]and, hat er die tiefsten Eindrücke empfangen. Allerdings habe dann Warburg, der schon vor 30 Jahren große kolonisatorische Erfahrungen in Asien und Afrika gemacht hatte, sofort erkannt, welche Möglichkeiten Palästina für die Judenkolonisation bietet. In allen Aemterti, die Otto Warburg in seinem Leben bekleidet hat (er war nach Herzl und David Wolfsohn der dritte Präsident dur Zionistischen Organisation) bildete er das ausgleichende, das Vertrauen aller Richtungen genießende Element. Unter herzlichem Beifall der Versammlung beglückwünschte der Redner die Tochter Gustav G. Cohens, Frau Professor Warburg, als eine der vornehmsten und verehrtesten Gestalten des zionistischen Kreises. Dr. Alexander Goldstein stattete Warburg den Dank der russischen Zionisten ab. Für diese bedeutete Warburg eine Inkarnation des sanften Hillel. Seine Autorität wurde von ihnen in den verschiedenen jüdischen Parteikämpfen in Osteuropa als Hauptargument ins Treffen geführt. Goldstein schilderte dann die mit Professor Warburg und anderen zionistischen Führern gemeinsam durchgeführte Aktion in Amerika, wo man Warburg sofort den Titel :״DerCientlemanderZionistischen Organisation“ beilegte. Sammy Gronem^ann sprach in launiger Weise von dem , Gleichmut verlor. Unvergeßlich wind; ^rWirgs Wirken auf dem. kritischen Kongreß in Hamburg im Jahre 1909 bleiben, Sämtliche Reden fanden innerste Anteilnahme der ganzen Versammlung und lebhaften Beifall, der sich zur Ovation steigerte, als Professor Warburg selbst zum Schluß das Wort ergriff. Professor Warburg dankte den Rednern, deren allzu hohes Lob er ablehnen müsse. ״Ich werde“, sagte er, ״nie Zeit haben, Memoiren zu schreiben, weil ich immer etwas Neues machen werde.“ Warburg berichtete, wie er aus der Assimilationssphäre seiner Jugend zu jüdischen Interessen und zum Zionismus kam. Seine propalästinensische Tätigkeit begann er durch Eintritt in die Gesellschaft ״Esra“, Dann kam Herzls ״Judenstaat“ heraus. ״Obwohl ich vom Beginn der Bewegung Schekelzahler war, kam ich zum Zionismus erst wirklich, als Herzl seinen starren politischen Standpunkt aufgab und an praktische Arbeit in Palästina hcranging. Die Jahre 1905 bis 1910 waren die Gründerzeit im Zionismus, Mit lächerlich geringen Summen wurde angefangen, aber doch machte die Arbeit Fortschritte. Gar vieles habe ich in Angriff genommen, um es dann anderen abzugeben. Es hat mich immer gefreut, etwas an andere abgeben zu können, so auch, als ich die Führerschaft an Weizmann abgegeben hatte“. Warburg erinnerte an die tragische Zeit des Zionismus in den Kriegsjahren, als Menschen und Werke in Palästina an einem Haar hingen, und er und Hantke beim Auswärtigen Amt erwirkten, daß den Juden in Palästina Schutz gegen die Türken gewährt werde. Das Werk überdauerte die schwere Zeit. Warburg widmete sich nun der reinen praktischen wissenschaftlichen Arbeit an Versuchsstation und Universität. Seine Erfahrunegn haben in ihm die Ueberzeugung gefestigt, daß man zweifellos eine jüdische Landwirtschaft in Palästina aufbauen kann. Aber Palästina ist klein, der landwirtschaftliche Boden kann nur eine begrenzte Zahl Menschen absorbieren. Eine indusfrie* eile Entwicklung kann schon Menschen in größerer Zahl ins Land bringen. Warburg zeichnete ein Bild zukünftiger Ent- Wicklung und kam zu dem Schlüsse, daß die jüdische Arbeit sich nicht auf Palästina beschränken werde. Palästina wird das Arbeits Zentrum bleiben, von wo aus das Werk auf die Nachbarländer ausstrahlen wird. Ein Land wie Irak z. B. hat heute zwei Millionen Einwohner, wo es einmal Vierzig Millionen besaß. Wenn einmal — und das kann in naher Zukunft sein — die Probleme der Wassertechnik und der Klimaverbesserung gelöst sein werden, werden sich hier ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Wie die Universität sich schon heute zu dem Geiste» und Kulturzentrum des Orients entwickelt, so wird auch der landwirtschaftliche Aufbau Palästinas das Zentrum der Landwirtschaff für den ganzen Orient werden. Die Ansprache Warburgs machte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Man blieb noch lange gemütlich beisammen. * Prof. Warburg hat an die Z. V.f.D. folgende Zuschrift gerichtet * Berlin W, Uhlandstr. 175, 14. 7. 29. An die Zionistische Vereinigung für Deutschland! Ich fühle mich gedrängt, Ihnen meinen herzlichsten Dank I auszusprechen für das schöne Fest bei Kroll, durch das Sie

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