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Jüdische Rundschau · 1929-07-12 · Heft 54 (12.7.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 54 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 348 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 12. VII. 1929 Au* dem Geist einer Musik muß ihre Form wachsen, solange dieser Geist auf dem Boden der Volksseele lebendig lebt und wuchert, wobei die verschiedensten Einflüsse schadlos mitspielen dürfen. Unmittelbar aus diesem Geist heraus kann einzig die nationale Form so entstehen, daß sie als Kunstmusik den Volkscharakter repräsentiert und die Menschheit bereichert. Kein Volk hat sich seinen musikalischen Geist in seiner vitalen Urkraft bewahrt wie wir, aber bei dieser jahrtausendlangen Konservierungsarbeit ist seine vitale Fortentwicklungskraft naturgemäß erstarrt. Wir sind daran, diese fanz äußerliche Kruste abzulösen. Die glühende Urkraft, die ervorbricht, wird der musikalischen Seele des jüdischen Volkes vielleicht auch einmal eine hochentwickelte Kulturform zeugen. Oskar Baum, Prag. . ״Nationale“« ffldische Mnslk In dem Vierteljahrhundert der ersten Phase jüdischer Musik hatten wir oft und oft dem Vorwurf zu begegnen, daß es widersinnig sei, heute etwas ״Nationales“ schaffen zu wollen, wo doch die Kunst auf dem Wege ist, ״international“ zu werden. Abgesehen davon, daß hier meistens Kunst mit Politik, Nationales mit Chauvinismus verwechselt wird, ist das Wort ״National“ in der oft gebrauchten — mißbrauchten — Form in der Kunstbetraclrtung gänzlich ungeeignet und muß daher Verwirrung zeitigen. Die Kunst ist in der tiefsten Bedeutung des Wortes national. Die Seele einer Nation, der wahrste Ausdruck eines Volkes ist die Kunst. Die nationale Gebundenheit der Kunst, ganz besonders der Musik, hat jedoch nicht den geringsten Berübnuigspunkt mit dem ״Nationalen“ in der Politik. Chauvinlstische Politik trennt, die nationale Musik einigt. Sie verbindet die verschiedenen Elemente und Temperamente des dgwnen Volkes und besitzt in sich die eigene Kraft, auch zwischen verschiedenen Nationen eine Brücke zu bilden, sie einander näher zu bringen. Die Musik (Kunst) kann national sein und international wirken. (Nur die durchschnitt- Hebe Begabung wird durch das einseitig ״Nationale“ beschränkt; das Talent, das Genie aber vermag national zu schaffen und international verstanden und empfunden zu werden.) Das Entscheidende jedes Erlebnisses, aas im schöpfensehen Menschen zum Kunstwerk wird, ist seelisch und geistig zutiefst im Volkstum verwurzelt. Im Volkstum jedes Kunstlers sind die organischen Wesenszüge und die Umrisse seiner Werke begründet Selbstverständlich darf das ״Nationale“ — stets ״Volksmäßig“ nicht ״völkisch“ gemeint — in der Kunst weder Selbstzweck noch Endziel sein, sondern bloß Urelement, da® im Künstler wirkt und zum Kunstwerk führt. Das Ursprüngliche in uns ist die Quelle alles Schöpfertums. Somit ist der wahre Künstler stets Repräsentant seiner Nation, der als Mensch international denken und handeln kann. Auch die ״jüdische Musik“ bedeutet uns keine nationale Abschlj'eßung, vielmehr eine internationale Weitung. (Nicht Nachahmung, sondern Neubildung!) Es handelt sich uns nicht unt die Üeberlegenheit über ein anderes Volk, sondern — aus notwendiger, endlicher Selbsterkenntnis — um die Erhaltung und Wahrung der jüdischcn Besonderheiten int Khmstschaffefl, um dias Recht auf ein produktives Gestalten der jüdischen Seinsart und um Respektierung des eigenen Schaffensbedürfnisses. Joachim Sttitschewsky, Wien. י Volkslieder and Volkslledersammluogen Alexander Satajewitsch: Tausend Lieder des kirgisischen Volkes. (Russ. Staatsverlag, Moskau.) Dieser unendlich reiche, vielfältige Liederschate ist geeignet, zu ganz neuen Erkenntnissen über das Wesen des Volkslieds zu verhelfen: wir finden hier — im Gegensatz zu den uns vertrauten, mitteleuropäischen Volksliedertypen — unregelmäßigen Periodenbau, Taktwechsel, andersartige Tonsysteme, verblüffend aparte Zusammenhänge von Lied und Instrumentalbegleitung. Einige von diesen Volksweisen wurden überarbeitet von Doliwo-Sobotnitski-Lobatscheff innerhalb einer drei Serien umfassenden Veröffentlichung von Volksmelodien aus dem russischen Orient, die gleichfalls im Russischen Staatsverlag erschienen ist. — Im Gegensatz zu obigem Werke, das nur die Meiodien mit größter Exaktheit aufzeichnet, handelt es sich hier um sehr feschmackvolle Konzertbearbeitungen von Volksliedern, die verwandten iulturkreisen angehören. Darunter ist auch ein schönes jüdisches Wächterlied. Lothar Windsberger und Karl Wolfskehl verbanden sich zu einer Publikation: ״Fremder San g". Zwölf europäische Volkslieder für Singstimmo und Klavier (B. Schott Söhne, Mainz und Leipzig). — Ein Slreifzug durch die Buntheit des europäischen Volksgewimmels. Ehe Lieder sind von sehr ansprechender Gesanglichkeit. Die Bearbeitungen sind in all den Partien gut, wo sie sich streng an das thematische Material der Melodien halten. Anderes mutet jedoch wieder allzu üblich an. Von dem amerikanisch-jüdischen Komponisten Louis Gruenb e r g erschienen in der universal-Edition Wien interessante Bearbeitun gen von zwanzig Negro-Spirituajs, deren Texte hekanntlich auch Stoffe aus dem alten Testament benutzen. — Aber auch sonst stehen uns diese schönen, melancholisch-monotonen Negerlieder sehr nahe. Die beste Sammlung deutscher Volkslieder aus allen guten Epochen ist heule wohl unstreitig ״Der Musikant‘' von Fritz Jöde. (Verlag Georg Kallmeyer, Wolfenbüttel-Berlin.) Meist sind hier nur die Melodien aufgezeichnet. Wo es überliefert ist oder sonstwie gerechtfertigt erscheint, gibt es zweite Stimme oder Instrumentalbegleilung oder Anleitung zu Ilcigenspielen und Volkstänzen. Der Anhang bringt eine Auswahl herrlicher, einurul mehrstimmiger vorklassischer und klassischer Kunstlieder, die volksmäßigen Charakter haben. Sibn jidische Folks-Lieder, bearbeitet far gemischten Chor von Leon Zelman (Verlag Przytulsky, Lodz). Die Lieder sind teilweise recht klangvoll für drei bis vier Chorstimmen gesetzt, wenngleich stellenweise zu unfrei nach den Regeln der abendländischen Harmonielehre und ohne Rücksichtnahme auf die eigentümlichen Erfordernisse jüdischer Volkslieder. — Immerhin ist hier doch manche Partie des Chorsatzes recht gelockert und musikhaft. Von Joel Engel, dessen Lieder ja jetzt fast schon so beliebt und verbreitet sind wie riehtitre Volkslieder, erschienen neuerdings im Russischen Staatsverlag, Moskau zwei Duette, die auch von einem zweistimmigen Chor gesungen worden können. Sie sind wegen ihres volkstümlichen Charakters und ihres aktuellen Textes sogar besonders prädestiniert dafür. Um in diesem Zusammenhang das neue Bundoslied des Makkabi (Jüd. Rundschau Nr. 49) zu erwähnen: Hier wäre mm wirklich einmal Gelegenheit gewesen, ein gutes, volkstümliches Lied entstehen zu lassen. Anstatt dessen wird ein aus Banalitäten konstruiertes Machwerk zu unverdienten Ehren erhoben, das absolut nichts Jüdisches, aber auch nichts Frisches, Neues, Männliches hat. — So etwas erscheint dann eines Tages in einer Lieder-Sammlung unter der Marke eines ״jüdischen Volksliedes“ und diskreditiert das ganze Genre. Im übrigen leidet dieses Lied unter den gleichen Mängeln wie die meisten derartigen künstlich-gemachten ״Volkslieder". Der palästinensische Komponist Rosowsky hat leider eine Anzahl derartiger Produkte in sein neues Liederbuch ״M i s im r a t h haare:" (Haschomer Hazair, Warschau) aufgenommen, wobei cs ihm eben mehr darauf ankam, daß die Lieder im Lande entstanden sind, als daß sie irgendwelchen Kunstwert besitzen. So eine Zusammen- Stellung ist für den Kenner ^ewiß »ehr interessant. Dem Laien jedoch wird dadurch notgedrungen die Urteilsmöglichkeft genommen, da er ja auf diese Weise aufgefordert wird, die schlechten wie die guten Lieder als ״tozereth haarez" in sich aufzunehmen. — Die wertvolleren dieser Lieder werden, da ihre musikalischen Elemente ungewohnter und komplizierter sind, durch dieses Buch kaum ins Volk eiagehen. Mau wird sich auf dio bekannteren, einfacheren, euzopäisierten Lieder stürzen und sich damit begnügen. Bedenklich ist ferner, daß hier auch musikalisch minderwertige Lieder wegen ihrer dickaufgetragenen nationalen oder chaluzischen Tendenz abgedrückt wurden. Das ist keine Volkserziehung. Man muß solche Lieder, wenn sie schon im Umlauf sind, wieder schleunigst zu dopopularigieren suchen, indem man sie durch Nichtaufuahmo in neues! Lieder- Sammlungen von der Bildfläche verschwind«! läßt. Uebrigens können wir uns wirklich ein Beispiel nehmen an Sammlungen wie der obenerwähnten von Satajewitscli, die wirklich eine vorbildlich saubere, musikwissenschaftliche Arbeit darstellt, der wir bis heute nur die Sammlungen von A.1* Z. Idelsohn an die Seite zu stell«! haben. Volkslieder an! Schallplatten Die bis jetzt aufgenommenen ostjüdischen Volkslieder haben die üblichen Fehler: konventionelle, kompromißhafte, willkürliche Bearbeitungen, die auf den Konzerteffekt berechnet sind, anstatt den volksmäßigen Gehalt und die objektive musikalische Grundlage zu erfühlen und respektvoll zu berücksichtigen. — Da es aber (auf Platten) noch nichts Besseres gibt, dienen solche Aufnahmen immerhin der Erhaltung wertvollen Volksgutes und eigenartiger Interpretation. Letzthin sang S. Stramer auf O- 2837a, 2841, A 199165b und A 199172b einige jiddische Lieder. Viel sauberer wurden schon nichtjüdische Volkslieder aufgenommen, wenngleich die russischen Volkslieder, von Dajos B6la aufO — 2176 sehr schön gespielt, viel zu salonhaft aufgemacht sind. Viel echter klingen solche Lieder, wenn sie von den großen Volkschören gesungen werden. Da gibt es prächtige Platten mit russischen, ukrainischen und wendischen Volksliedern, z. B. bei Odeon O — 2427 (Männerehor des Großrussischen Balalaika-Orchesters W. H. B. unter Leitung von A. Du bato f f), auf HomocordElectro4—3119—20 (Kuban-Kosakenchor, Dirigent: L. Leonid Iwanoff), auf Homocord 40 368 (Ukrainisches Sing-Quartett ״Dnipro“), sowie auf Beka B — 6164/65 hochinteressante alte wendlscheLieder, gesungen von einer Mädchengruppe aus Ouhrow im Spreewald. — Von Solo-Interpretationen seien noch die von Michael Gitowsky gesungenen, und vom Ber- Hner Sinfonie-Orchester begleiteten russischen Volkslieder auf Homocord Electro 4—2873 und 4—3142 als besonders gelungen empfohlen. Auf der Grenze zwischen Volksmusik und Schlager bewegen sich die portugiesischen Volkslieder aut Homocord 9354, 9358 (Cantos populäres portuguezes, Orchestra direcao de Xaviec Roque). Die Aufnahmen des Münchener Schrammel-Trios (O — 2325), des Jodel-Doppelquartetts ״Edelweiß“. Bern (Columbia S 16). Die wiener Lieder, gesungen von Artur Fleischer (Homocord Electro 4—171) sind als amüsante volkskundliche Kuriosttäten zu bewerten. Alice Jacob-Loewenson. Nene indische Musik in Wien Auch die zweite Hälfte der Konzertsaison vermittelte «ine Reihe neuer Werke jüdischer Musik, von denen die allgemeine Musikkritik zwar wenig Notiz genommen hat, die beim jüdischen Publikum jedoch ein sehr starkes Echo weckten. Zunächst «erfreute die Aufnahme der Hebetischen Rhapsodie fftr Violonoellund Orchester ״Sehelomo“ von Ernest Bloch in das Programm eines philharmonischen Konzertes. Ein ursprünglicher, intensiver Ausdruckswille von tiefer extarischer Kraft klingt aus diesem Werke. Blochs große, erfinderische Potenz, seine Fähigkeit aufzubauen, die Themen zu verarbeiten, schwungvolle Steigerungen vorzubereiten, nicht zuletzt die differenzierte Instrumentierung, sichern auch diesem Werk trotz einiger Längen, einen starken Erfolg. Bei den Veranstaltungen des Vereins hörte man an instrumentalen Werken: Elegie für Klavierquintett von Lewin, Elegie für Streichquartett von A c h r o n (Uraufführung), in der die Widmung an Engel im Hauptgedanken durch die Gestaltung der drei Noten ENGEL zum Ausdrucke kommt, die ״Dybuk“-Musilc von Engel, die auch im Konzertsaal, losgelöst vom Bühnengeschehen, als Suite für Sextett ihre mitreißende Wirkung nicht einbüßt und die Variationeu über ein palästinensisches Tanzmotiv für Streichquartett von Israel Brandmann, einem jungen, vielversprechenden Musiker. Stärker als in diesen, klanglich fein differenzierten Variationen gelangt Brandmanns Talent In den drei uraufgeführten Liedern auf hebräische Texte von Bialik und Tschennichowsky — auf die ich ausdrücklich hinweise — zur Auswirkung. Besonders das ״Hachnissini Tochat Knofech“ (mit Bratsche) und das knappgefaßte ״Mikol pirchej mer bagon“ sind von echter Empfindung, formal schön abgewogen und unverkennbarem jüdischen Melos. Auf das weitere Schaffen dieses Komponisten, der jetzt an einer Symphonie ״Hechaluz“ arbeitet, darf man gespannt sein. Im gleichen Rahmen gelangten zwei der vor kurzem erschienenen ״Ornamente“ für Gesang und Klavier von Alex. Krein zur Erstaufführung. In diesen Gesängen ohne Text haben wir nun das Melos, das sich in den letzten zehn Jahren in der jüdischeen Musik herauskristallisterte in ausgereifter, unvermischter Form und Gestaltung, über dessen Wesen und Charakter keine Zweifel mehr bestehen können. Es bleibt mir nur noch, über das zweite Konzert des ״Wiener jüdischen Gesangvereins“ zu berichten. In diesem Programm interessierte — neben kleinen Chören von Engel und dem XIII. Psalm von Milner — hauptsächlich ein selten autgeführtes Werk von Mussorgsky, die 1877 komponierte Kantate ״Josua“, in der er in genialer Weise ein jüdisches Motiv verwertet, das er als Offizier in einem kleinen Städtchen auf einer jüdischen Hochzeit hörte und notierte. Bemerkenswert ist, daß diese Melodie auf dem Grabsteine Mussorgskys eingraviert wurde. Der erste Winter jüdischer Musik in Wien hat deutlich gezeigt, daß bei planmäßiger und intensiver Arbeit die Eingliederung jüdischer Musik in die allgemeine Musikpflege durchaus im Bereiche der Möglichkeit liegt. Der Erfolg ist nicht wcgzuleugnen, wenn auch der ״Verein zur Förderung jüdischer Musik“ noch nicht die starke Resonanz gefunden nat, die zu erwarten wäre. Auffallend, wie wenig Mitglieder sich aus den zionistischen Kreisen meldeten. Unsere Verantwortung und Bereitschaft für die jüdische Musik wird und muß noch wachsen. _ J. St. Die Carl Lindström A.-G• hat sich eine Kulturabteilung angegliedert, die es sich zur Aufgabe macht, die Schallplatte, die bekanntlich in den letzten Jahren mehr und mehr an pädagogischer Bedeutung gewonnen hat, in den Dienat der Schule und der Volksbildung zu stellen. Die Abteilung gibt auch seit dem 1. Juli eine Zeitschrift heraus, deren erste Nummer wertvolle instruktive Beiträge von Ludwig Koch, Df. Hans Fischer und Prof. Hans Mersmann enthält und die — ebenso wie die Kulturabteilune selber — von Ludwig Koch geleitet wird. Die Zeitschrift• heißt: ״Kultur und Schallplatte“, t— Wir werden an dieser Stelle regelmäßig Ober den Inhalt dieser bedeutungsvollen Veröffentlichungen berichten. Leopold( Badl Leopold Badi, der im Alter von 71 Jahren starb, ist einer der vornehmsten Gestalten der Berliner Judenheit gewesen. Im Jahre 1905 trat er in die Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde ein und gehörte zu den eifrigsten Mitarbeitern sowohl der Repräsentantenversammlung, wie auch späterhin des Vorstandes, dessen erster Stellvertreter er lange Zeit war. Sein Hauptinteresse galt den Wohlfahrtsinstitutionen der Jüdisehen Gemeinde. Als Finanzdezement erwarb er sich unver- «Bliche Verdienste. Erinnerlich ist seine Haltung beim Empfange Weizmanus durch die Berliner Jüdische Gemeinde. Als bewußter Jude, dem jüdische Entwicklung auf allen Gebieten am Herzen lag, betrachtete es Badt als selbstverständlieh, im Präsidenten der Zionistischen Organisation einen Mann zu ehren, der für die Erhaltung des Judentums außerordentliches geleistet hat. Diese Stellungnahme Badts fand jedoch in den Augen seiner liberalen Parteigenossen keine Gnade. Sie zwangen ihn zum Verzicht auf die ihm liebgewordene Tätigkeit im Gemeündeleben. Leopold Badt erfreute sich wegen seiner Vornehmheit und der Bescheidenheit seines Charakters ungeteilter Hochachtung in allen Kreisen. Anläßlich seines 70. Geburtstages entzog er sich allen ihm zugedachten Ehrungen. Er war Mrtglied der Handelskammer und des Börsen-Vorstandes, in welchen Gremien er eine anerkannte Tätigkeit entfaltete. Am Dienstag, dem 9. Juli, fand in der Synagoge Oranienburger Straße eine von der Jüdischen Gemeinde veranstaltete Trauerfeier statt, in der Rabbiner Wiener, Kammergerichtsrat Wolf und Kommerzienrat Zielenziger sprachen. An die Feier schloß sich die Beisetzung Leopold Badts in der Ehrenreihe auf dem Friedhof in Weißensee an. Auch wir beklagen in dem Verstorbenen einen Mann, der für jüdische Dinge tiefes Verstandnis, ein warmes Herz und eine hilfreiche Hand hatte. Moritz Krause Am 6. Juli verschied in Frankfurt a. M. nach langem Leiden unser Freund Moritz Krause im Alter von 54Jahren. Sein Hingang bedeutet für den deutschen Zionismus einen sehr schweren Verlust. Aus einem Hause mit stärkster jüdischer Tradition hervorgegangen, hat K. die intensive Beschäftigung mit den jüdischen Ewigkeits- und Zeitfragen sehr schnell zum Zionismus geführt. Er gehört zu den ersten, die dem Rufe Theodor Herzls gefolgt sind. Die ersten Kongresse haben ihn als Delegierten gesehen; an der Gründung der Ortsgruppe seiner Ffeimat Posen hat er sich führend beteiligt. Lange ״ tiefes, jüdisches Wissen, seine zionistischen Erfahrungen, sein klarer praktischer Blick ihm viele Freunde und einen weitgehenden Einfluß geschaffen. Dank und Gedenken sind ihm gesichert. An seinem Grabe, zu dem ihm eine zahlreiche.Gefolgschaft das letzte Geleit gegeben hatte, sprachen Dr. Strauß für die U.O. B. B.-Logen, Dr. Millner für die zionistische Frankfurter Ortsgruppe und Dr. K o 11 e n s c h e r für die alten zionistischen und persönlichen Freunde. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Wettkonferenz der Wizc. Am Montag, dem 22. Juli 1929, 7 Uhr abends, wird im Kongreßgebäude des VI. Zionisten-Kongresses, ״Vereinshaus zur Kauffeuten“, Zürich, die V. Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen W.I.Z.O. feierlich durch die Präsidentin der Organisation, Lady Herbert Samuel, eröffnet. Bisher sind 56 Delegierte, darunter Vertreterinnen aus Kanada und Südafrika, an gemeldet. Palästina wird in diesem Jahre besonders stark vertreten sein. Tagesordnungder Konferenz: I. Eröffnungssitzung: 22. Juli, 7 Uhr abends. I. Eröffnung. 2. Begrüßungen. (9 Uhr Empfang für die Delegierten im Hause von Armand Dreyfuß.) II. Sitzung: 23. Juli, 9 bis 1,30 Uhr vorm. 3. Wahl des Konteren zpräsidiums. 4. Rechenschaftsbericht der Exekutive: a) Galuthbericht (Frau R. Goodmann), b) Palästinaberieht (Frau H. Samuel), c) Finanzbericht (Frau M. Marks). 5. Wahl des Resolutions-Ausschusses. 6. Debatte. — Kurze Darstellung über die Lage innerhalb der Föderationen durch die Delegierten. III. Sitzung: 23. Juli, 3—7 Uhr nachm. 7. Fortsetzung der Debatte. 8. Referat: ״Der Stand der Zionistischen Organisation“ (Herr Felix Rosenblüth, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation). 9. Referat: ״Zusammenarbeit mit neutralen Körperschaften und Gruppen“ (Frau Johanna Steiner). 10. Referat: ״Künftige Beziehungen der ״Wizo“ zur Zionistischen Weltorganisation“ (ein Mitglied der Londoner Wizo-Exekutive). IV. Sitzung: 23. J uli, 8,30—11 Uhr abends. 11. Debatte über die Referate 8, 9, 10. V. Sitzung: 24. J uli, 0,30—1,30 Uhr vorm. 12. Palästina-Fragen: Das Palästina-Council (Frl. Hedwig Gel ln er). 13. Debatte. (Eröffnet durch Frau Vera Weizmann.) 14. Neue Palästina-Projekte. (Ein Mitglied der Palästina-Exekutive.) 15. Debatte. VI. Sitzung: 24. Juli, 3-7 Uhr nachm. 16. Fragen der Organisation und Propaganda. 17. Debatte. 18. Das neue Budget (Frau Marks). 19. Debatte. VII. Sitzung: 24. Juli, 8,30—11 Uhr abends. 20. Wizo und Kontinental verband Zionistischer Mädchen- Vereinigungen (Dr. Henny Rapaport). 21. Debatte. 22. Diversa. 23. Resume der Exekutive. (Ein Mitglied der Londoner Exekutive.) 24. Wahl der Kommissionen. VIII. Sitzun g: 25. Juli, ab 9,30 Uhr vorm. 25. Sitzungeü der Kommissionen, keine Plenarsitzung. IX. Sitzung: 27. Juli, 9—1,30 Uhr vorm. 26. Berichte der Kommissionen. 27. Debatte über die Berichte der Kommissionen und Abstimmungen. 28. Wahl der Exekutive. 29. Schluß der Konferenz. Die Universität Hamburg wählte zu ihrem Rektor für dieses Jahr Prof. Dr. Ernst Cassirer, den hervorragenden Philosophen und Schüler Hermann Cohens. Cassirer ist auch Mitherausgeber der Gesamtausgabe von Hermann Cohens philosophisenen Werken, Er ist Mitglied des Kuratoriums der noch- Schule und des Vorstandes der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, sowie des Kuratoriums der Hermann Cohen- Stiftung bei fler, Akademie. Ernst Cassirer ist wohl der erste jüdische Geiehrte, der je in Deutschland die Würde eines Universitäts-Rektors bekleidet hat.;

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