Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 53 (9.7.1929)
- Date
- 1929-07-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53, 9. VH. 1929 JUED1SCHE RUNDSCHAU Säte 339 cs auch in Zukunft großer Anstrengungen bedürfen wird, um neben der Arbeit am Palästinawerk den Aufgaben im Oaluth gerecht zu werden. Wenn wir von den Oaluthfunktionen der Organisation sprechen, so denken wir an Propaganda, Jugendbewegung, Kulturarbeit, Landespolitik und Gemeindearbcit. Untersuchen wir zunächst, wie weit zur Verstärkung dieser Positionen zentrale Einwirkung der Exekutive möglich und notwendig ist, und inwieweit diese Aufgaben durch die Verbände zu lösen sind. Wenn es schon auf den ersten Blick einleuchtet, daß die Oaluthaiifgaben überhaupt zentraler Einwirkung in geringerem Maße zugänglich sind als die Palästinaarbeiten, so gilt dies — und daran ändert sich durch die Erweiterung der Agency nichts — in erster Linie von der Landespolitik und Gemeindearbeit. Sie scheiden auch in Zukunft völlig aus dem Arbeitsbereich der Exekutive aus, ohne dadurch in ihrer Bedeutung gemindert zu werden. Die lokale Färbung der Gemcindepo'itik tritt so klar hervor, daß ihre Zentralisierung kaum jemals gefordert worden ist. Aber auch für die Landes- Politik gelten noch immer die Erwägungen, die zur Annahme der bekannten Resolution des XII. Kongresses führten, nach der ,,die politische Arbeit in den Oaluthländern, die ein integi ierender Teil der ganzen Zionistischen Arbeit ist, bloß in der Kompetenz der Landes- und Sonderverbände liegt, die auf diesem Gebiete selbständig und von der Leitung der allwcltliehen Zionistischen Organisation unabhängig sind“. Auch nach der Erweiterung der Agency sprechen gute Gründe dafür, den politischen Charakter der Zionistischen Weltorganisation als einer interterritorial-nationalen Palästina-Auf bau-Organisati 311 nicht verwischen zu lassen. Nicht die Zionistische Weltorgamsation und durch ihr Medium die deutschen oder amerikanisehen Zionisten sind es, die in Polen oder Litauen den Kampf um die nationalen Rechte der jüdischen Minorität führen, sondem die polnischen und litauischen Zionisten. Wenn hier von einer Einwirkung der Exekutive gesprochen werden kann, so nur in dem Sinne, daß sie mehr als bisher auf zweckmäßigere Verteilung der Arbeitskräfte dringen und völlige Aufsaugung der Zionistischen Energien durch Landespolitik verhindern muß. Zugleich ist es eine Aufgabe der Weltorganisation, prinzipiell klarzustellen, daß Landespolitik ,und Qemeindearbeit wichtige Waffen im Kampf um nationalen Fortschritt im Galuth sind und auch als Schule des Lebens für praktische Bewährung nationaler Gesinnung von großer moralisch-erzieherischer Bedeutung sind oder jedenfalls sein können. Zentrale Einwirkung ist möglich und notwendig auf dem Gebiete der Propaganda, der Jugendbewegung und Kulturarbeit, und es ist erfreulich, daß diese Erkenntnis seit dem letzten Kongreß Fortschritte gemacht hat. Noch in Basel stießen Anregungen der Exekutive, die in dieser Richtung lagen, auf den fast einmütigen Widerspruch der Organisation®- Kommission und auch in den Beiträgen zur Enquete wird gelegentlich die Ansicht vertreten, daß in dieses autonome Reich der Verbände die Exekutive keinen Zutritt habe. Gibt es denn, fragt man, eine Propaganda für den Zionismus schlechthin, und ist die Exekutive einer aus verschiedenen Richtungen zusamrnengesetzter Organisation berechtigt, einen ״allgemeinen“ Zionismus zu propagieren? Was die Exekutive propagieren dürfe, sei die Forderung der Propaganda. Im übrigen täte sic am besten, die propagandistischen Arbeiten der Verbände in gerechter proportioneller Verteilung finanziell zu subventionieren. Wenn in radikaler Umkehrung dieses Standpunktes heute in einem Kongreßprogratntn ״zentrale Propaganda der Exckutive“ gefordert wird, so wird mit Recht hinzugesetzt: ״Diese Aufgabe verlangt Zusammenschluß aller Zionistischen Gruppen unter Zurückstellung des Gruppenwettbewerbes und der PartefauseinandereetzuBgen“, und Dr. Siegfried Moses, der Haupt• Vertreter der Forderung einer Umgruppierung der Oganisation in Territorialverbände und Interterritorialverbände glaubt, daß erst, wenn alle Zionisten eines Landes ohne Untershied der kongreßpolitisclicn Richtung in einer Einheitsorganisation (Terri• torialvcrband) zur gemeinsamen Bearbeitung aller im Galuth zu lösenden Aufgaben zusammengefaßt sind, die Exekutive diese Arbeiten von zentraler Warte aus überwachen könne. Nun scheitert die radikale Vereinheitlichung der Organisation nach dem Vorschlag deutscher Zionisten (hierüber wird in dem Schlußartikel noch zu sprechen sein) in der Praxis an dem Widerstand großer Kongreßgruppen, und sie wird jedenfalls auf dem 16. Kongreß nicht aurchzusetz.cn sein. Aber der Gedanke der Vereinheitlichung und Zentralisierung ist im Vordringen begriffen. Für ״Zurüdcstellung des Gruppenwettbewerbes und der Parteiauseinandersetzungen“ ist wachsendes Verständnis vorhanden, und die Zeit für eine intensivere zentrale Einwirkung der Exekutive ist reif. Sie muß damit beginneu, eben diese Tendenz der Vereinheitlichung durch Zurückdrängung störender Parteikä'mpfeunterEinsetzungihrerganzenAutorität zu fördern. V. Nichts ist einfacher, als aut dem Papier Idealprogramme atifzustellcn, aber es wird Zeit vergehen müssen, bis manche von den brauchbaren Einzelanregungen zur Enquete ausgeführt sind. Doch auch ohne daß, wie ein Mitarbeiter fordert, alle Zirkulare der Exekutive von geschulten Fachpsychologen geschrieben werden, sind Verbesserungen denkbar. Hält man sich in dem Rahmen des mit den verfügbaren Mitteln und Menschen Ausführbaren, so sind folgende Maßnahmen erwägenswert: a) Bei der Exekutive ist ein besonderes Propagandadeparfement einzurichten, das der Leitung eines Mitgliedes der Eexkutive untersteht und mit einem erstklassigen Sekretär zu besetzen ist Aufgabe des Departements ist es, vor allem die Tätigkeit der Verbände aut dem Gebiete der Propaganda und die Entwicklung der Jugend- Bewegung zu überwachen. Es muß erreicht werden, daß sich, was heute nicht der Fall ist, jeder Verband für die Lösung der!hm obliegenden Propagandaautgabcn der Exekutive verantwortlich fühlt. Die Verbände sind zu rege!- mäßiger Berichterstattung an die Exekutive anzuhalten. Obschon die Verbände grundsätzlich die Entscheidungen über propagandistische Maßnahmen selbst treffen, so ward das Departement gelegentlich, besonders zu den schwächeren Verbänden, Redner und Organisatoren entsenden. Das Departement wird die technischen Propagandaeinrichtungen der Verbände inspizieren und modernisieren, es wird dafür sorgen, daß die Erfahrungen eines Verbandes allen übrigen zugute kommen. In sein Aufgabenbereich fällt die Organisierung zentraler Propagandaaktionen nach dem Muster der ״Ijaraktion“. b) Ke Verbindung zwischen Exekutive und Verbänden ist durch weiteren Ausbau der internen und externen Informationen, durch Reisen von Mitgliedern der Exekutive noch enger zu gestalten als bisher. ״Presse-Revue" und ״Jugend-Presse. Revue“ sind auszugestalten und in noch weiterem Umfange zu verbreiten. c) Anzustreben ist die Einrichtung eines Pressebüros sowie die Herausgabe eines in drei Sprachen (hebräisch, englisch, deutsch) geschriebenen Zentralorgans der Bewegung. d) Die Exekutive sollte in verstärktem Maße die Herausgäbe von Informations- und Propagandaliteratur fördern. Die Herausgabe von Information?-, Apst-lld mgs- und Propagandaliteratur ist der im Rahmen der verfügbaren Mittel denkbare, wesentlichste zentrale Beitrag zur Förderung der Jugendbewegung und Kulturarbeit^ und es sei in diesem Zusammenhang auch auf die bereits beschlossene Herausgabe der ״Zionistischen Bibliographie“ verwiesen, deren Aufgabe es sein wird, über Neuerscheinungen der jüdischen und nichtjüdischen Literatur, die von direktem oder mittelbarem zionistischen Interesse sind, fortlaufend zu berichten. Die literarische Produktion der Exekutive sollte grundsätzlich vor allem den Bedürfnissen der um zionistische Ausbildung und Erkenntnis bemühten Jugend an gepaßt sein. Der Schwerpunkt von Propaganda, Jugendbewegung und Kulturarbeit wild naturgemäß nach wie vor in den Lindern liegen, und man soll sich vor künstlicher Ueberzentralisiemng hüten, wo Dezentralisierung bis in die Lokalgruppe hinein ihre natürlichen Rechte fordert. Die Finanzierung der hebräischen Schulen in Polen ist sicher ein ernstes Problem, aber es wird nicht dadurch leichter, daß man für ein Tarbuth-Sekretariat in London erhebliche Summen ausgibt Das Problem muß gelöst werden, wie andere, weniger dringliche Aufgaben der Zionistisehen Bewegung. Aber Zentraiisieningsfo. derungen als Ausdruck lokaler Hilflosigkeit müssen stets Mißtrauen begegnen, und es läßt sicli nicht leugnen, daß der Schrei nach der Exekutive nur ein Zeichen dafür ist, daß an Ort und Stelle nicht alles geschieht, was möglich und nötig ist. Vor allem gilt dies für Intensivierung der Propaganda und Jugendarbeit Es ist gut, wenn sich nach Erweiterung der Agency die Zionistische Organisation auf sich seihst besinnt, und wenn man, statt die ,,Stärkung der Organisation“ zu fordern, an ihr zu arbeiten beginnt. Und man soll sich vor Augen halten: Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in den Ländern. R6G. Ober Judentum Die Religion in Geschichte und Gegenwart, dieses große im Verlag J.C. B. Mohr (Tübingen) gegenwärtig in zweiter Auflage erscheinende Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, ist nunmehr beim Buchstaben K angelangt, so daß die letzten Lieferungen auch die Aufsätze über Judentum enthalten. Zum erstenmal wurden bei dieser Auflage auch prominente jüdische Mitarbeiter aus dem Kreise der liberalen Theologie herangezogen. So kommt es, daß wir in der Enzyklopädie zwei in ihrer Sachlichkeit und Objektivität sowie in der gegliederten Konzentration des nesigen Stoffes vorbildliche Artikel über Judentum finden. Ueber das Judentum bis zur Neuzeit (135—1780) gibt Professor E1 b o g e n einen Ueberblick, bei dem er sich aut einen Raum von etwa 10 Spalten beschränken mußte, wobei sowohl politische und soziale Geschichte, als auch Gemeindcorgamsation, sowie Religions- und Geistesgeschichte, in Altertum, Mittelalter und Neuzeit, behandelt werden. Elbogen skizziert auch den Kampf zwischen Rationalismus und Kabbala, ohne freilich in diesem Rahmen auf deren religiöse Problematik eingehen zu können, und führt uns an die Schwelle der Neuzeit, wo die Welt des Talmudismus im Zerbröckeln war, noch ehe die eigentliche Aufklärung cinsetzte. Den Abschnitt ״Neue Zeit und Gegenwart“ der mit der Aufklärurigsepoche beginnt, hat Dr, B a 11 c k geschrieben. Er schildert darin — natürlich in der gebotenen Kürze — die Wirkungen der Emanzipation, die eine Generation schuf, welche in der Entscheidung für das Neue einen Bruch mit der Vergangenheit sah, bis eine neue Anknüpfung an die Geschichte gelang. Im Rahmen der Darstellung der verschiedenen Strömungen des neuzeitlichen Judentums findet auch der Zionismus seinen Platz, von dem gesagt wird: ״Er ist hervorgegangen aus der Enttäuschung der Emanzipationskämpfe und dem Zweifel an der Ideologie, die diese trug: seine Forderung eines nationalen Wertes und eines Zusammenschlusses durch Sprache und Land bedeutet den letzten Ausdruck des Gesehichtsbewußtseins in dem das neue Judentum angehoben hatte• Er vereint mannigfaltiges Suchen, vom Radikalismus Ms zur Orthodoxie; er hat auch mannigfaltigen Widerspruch gefunden, die Verwurzelung in der Heimat ist darin ihrer Tiefe gewiß geworden.“ — Des weiteren wird die besonders in der Jugend bemerkbare Renaissance des Judentums geschildert, die ״nicht zum wenigsten" auch dem Zionismus zugehört. Auch der Beginn des Aufbaus der Nationalen Heimstätte, sowie die Gründung der Universität Jerusalem, werden erwähnt. Im Abschnitt ״Statistik“ ist die dein American Jewish Year Book entnommene Ziffer von HO 000 für die Judenschaft Palästinas entschieden zu niedrig gegriffen. Die Zahl beträgt sogar nach der offiziellen Statistik, die gewiß noch hinter der Wirklichkeit zurückbleibt, ca. 160 000. Den zwei hier erwähnten Artikeln schließt sich als dritter großer Beitrag eines jüdtsehen Gelehrten der Artikel ״Jüdische Philosophie“ von Professor Guttmann an. Dieser Artikel gibt einen Ueberblick beginnend von Philo und Saadja bis zu Hermann Cohen. Die jüngere Generation erhält nur einen abschließenden Satz, obwohl ein Hinweis aui Buber und Rosenzweig wohl angezeigt gewesen wäre. Im übrigen gibt der Artikel eine knappe Charakteristik der wichtigsten philosophischen Gestalten und Systeme vor allem des Mittelalters. Von kleineren Artikeln erwähnen wir den über ״Jüdische Jugendbewegung" von Elbogen, in dem wir freilich eine wenigstens kurze iaeologische Charakteristik vermissen, ״Jüdische Seminare“ von Elbogen, sowie eine Reihe von Beiträgen christlicher Autoren. Gerhard Kittel schreibt über ״Judentum und Christent um“, wobei abgesehen von den geschichtlichen Zusammenhängen und einer starken Bejahung des Alten Testaments, die unüberbrückbare grundsätliche Gegensätzlichkeit festgestellt wird, die vor allem durch die Auffassung der Person Jesu gegeben ist. Leider wird in dem Autsatz die Haitung des modernen Judentums nicht dargesteÜt, wohl aber ist in der Literaturausgabe Baeck, Claude Montefiore, Klausner und das ״Judentum und Christentum“ betitelte Sonderlieft der Zeitschrift ״Der Jude“ angeführt. Der Artikel ״J11dentum vom Exil bis Hadrian“ stammt von dem christlichen Theologen Eissfeldt. Dieselbe Lieferung enthält auch unter dem Schlagwort ״Israel“ eine Darstellung der jüdisehen Geschichte bis zum Ende der Königszeit, terner Artikel über Judenmission, Juden-Christcntum usw. Schließlich sei an dieser Stelle, wo die Artikel nicht mehr als bloß genannt werden können, noch die große Darstellung des Islam von H. H. Schaeder und die kürzere über ״Islamische Philosophie“ von Horten hervorgehoben. Die R. G.Q., die in Lieferungen zu M. 3,60 (je 6 Bogen), erscheint ist ein Nachschlagebuch von größtem Wert für alle religionsgeschichtlich interessierten Gebildeten. Fassdation Konferenz Ende Juni d, Js. fand in Berlin eine Konferenz der Verfreter der jüdischen Genossenschaftsbewegung der verschiedenen Provinzen Rumäniens unter Vorsitz von D! Bernhard Kahn und Dr. Louis Oungre statt. Es best;den in Rutnänien 89 jüdische Genossenschaften mit ungefähr 70 000 Mitgliedern. Die Konferenz beschloß die Schaffung eines ״Zentralkomitees“ der jüdischen Kooperativen aller vier Provinzen Rumäniens. Das provisorische Exekutivkomitee besteht aus den Herren N. N. Roitmann und J. Pagis aus Beßarabien lind Singer aus Alt-Rumänien, — Vom 29. Juni ab nahmen auch die Vertreter der jüdischen Kreditgenossenschatten der Ostslowakei und Karpathorußlands an der Konferenz teil. iPillH m0M;?XYyS>-$J Heinrich Loewe Zu seinem 60. Geburtstage am 11. Juli Zu Prof. Heinrich Loewes, des einstigen Redakteur• der ,Jüdischen Rundschau“, 60. Geburtstag darf auch unsere Redaktion als Gratulantin nicht fehlen. Wir schließen uns der großen Schar seiner zionistischen Freunde an, die diesem Pionier des deutschen Zionismus zu diesem Tage Ihre Sympathien und Glückwünsche mwenden. Nachstehend geben wir einer Würdigung aas der Feder eines Mitkämpfers jener Generation Raum. Red. In Niederdcutschland geboren (11. Juli 1860 in Gr.-Wanzleben, Provinz Sachsen), aus einer rein deutschen Umgehung und Erziehung hervorgegangen, wurde Heinrich Loewe gleich nach Beendigung seiner Studien, ein deutscher Pionier des modernen Zionismus, denn unter den deutschen Juden zählt Loewe (Dr. H einrich Sachse )zu den vereinzelten vor Theodor Herzl, die die Entwicklung und Ausbreitung der nationaljüdischen Idee, die man Zionismus nennt, hervorriefen. Schon damals (1894—96) hatte der junge Loewe folgende Worte geschrieben :״Beansprucht auch der Zionismus nicht ohne Grund, das ganze jüdische Volk umfassen zu wollen, um damit aus einer Partei zum Gesamtvolke zu werden: einstweilen ist er noch Partei, und ist sich bewußt, daß er nur eine Partei innerhalb des Judentums ist, wie die anderen alten Parteien; wenn auch unendlich viej lebenskräftiger“! ״Der Zionismus ist zum ersten Male im modernen Judentum eine Partei, die nicht in religiösen Differenzen sich bekundet und doch im eminenten Sinne jüdisch ist." ״Bis zum Auftreten der national-jüdischen Bewegung gab es nur Glaubensrichtungen und keine Volksparteien im Judentum. So widersinnig es auch ist, religiöse Differenzen rissen die Judenheil in Gruppen, die sich um so feindlicher bekämpften, je weniger grundsätzliche Unterschiede gerade auf dem Gebiete aes Glaubens existierten. “ Heinrich Loewe hat seit mehr als 30 Jahren häufig Palästina zu Studienzwecken durchreist, vor fünf Jahren auch Amerika, er war als einer der ersten Zionisten Deutschlands, vor und zusammen mit Herzl einer der eifrigsten Rufer im Friedensstreite. Seit einem Menschenalter galt sein Hauptstreben der hebräischen Universität und der NationalbibÜothek in Jerusalem, und es war ihm vergönnt, beide Institute erstehen zu sehen. Außer einer Reihe von Werken: ״Die Sprache der Juden“, ״Juden in der katholischen Legende”, ״Schelme und Narren mit jüdischen Kappen“, ״Rest evom alten jüdischen Volkshumor“, ״Jüdisch dVolksarbert im Lande Israel”, ״Juden' tum und Orientale“ und viele anderen Druckschzriften, die teil* weise mehrere Auflagen erfuhren, war Loewe vielfach Schriftleiter bei verschiedenen Zeitschriften, so 1894 bis 1895 ״Jüdische Volkszeitung“, 1895—96 ״Zion”, 1902—03 ״Jüdischer Student“, von 1902—1908 ״Die Jüdische Rundschau“ u. a. m. Auch als Meister der Rede hat Loewe manche große Versammlung beherrscht. Schon 1892 dichtete Heinrich Loewe nationaljüdisehe Lieder, die in seinem ״Liederbuch für Jüdische Vereine‘‘, (Erste Auflage 1894) mit erschienen sind. Darunter hat Loewe das herrlichste hebräische Gedicht ״Mein Ideal“ meines früh verblichen Jugendfreundes M. Mane (starb 1886) trefflich übersetzt. Der zweite Vers lautet: ״O wer gab’ mir Adlersfülgel Mir, auch mir, dem Wurme, Daß ich frei und ohne Zügel Flieg’ im wilden Sturme: Wollte fliegen hin gen Morgen, Wo Halevis Laute Seine Seufzer, seine Sorgen Seinem Land vertraute. Wo seid ihr, ihr heilgen lüfte? Meine Knie wanken: Deine reinen Himmelsdüfte Heilen mich, den Kranken.“ (Das Gedicht, worin der sieche Dichter- und Künstterjüngling seine Sehnsucht nach Zion ausspricht, wurde viel später auch von Rabbiner Emil Bernhard Cohn ins Deutsche übertragen.) Professor Dr. Loewe ist seit 22 Jahren Universitätsbibiiothekar in Berlin. Er ist als führendes Mitglied der jüdischen Volkspartei Mitglied des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden una der Repräsentantenvemmmlung der jüdischen Gemeinde Berlin. Ferner ist Loewe Präsident der Montefiore- Loge und der Soncino-Gesellschaft und Redakteur der Monumenta Hebraica (Erstdrucke der hebräischen Literatur) in Berlin, Noch viele Jahre freudigen Schaffens und Wirkens, mögen dem Jubilar im Kreise der Seinen vergönnt sein! Memel Leon Sch ein haus. * Von der Jüdischen Volkspartei wird uns mitgeteilt: Es war ursprünglich beabsichtigt, den 11. Juli mit einem Bankett zu Ehren Heinrich Loewes zu feiern. Mit Rücksicht auf die Ferienzeit wird jedoch diese Veranstaltung bis nach Schluß der großen Sommerferienzeit zurückgestellt.