Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 53 (9.7.1929)
- Date
- 1929-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 338 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, 9. VII. 1929 ein ge führte konstitutionelle Regime noch in seinen Anfängen stehe und daß man noch einige Zeit abwarten müsse, bis man ein Urteil darüber abgeben könne. In der Sitzung von Sonnabend, den 6. Juli, gab der Vertreter der britischen Mandatarmacnt der Kommission einige ergänzende Auskünfte über die Erweitern ngderjewi sh Agency und über ihte Beziehungen zu der palästinensischen Regierung; über die öffentlichen Finanzen und besonders über die Hilfsquellen der Stadtverwaltungen; über die wirtschaftliche Gleichberechtigung; über den Handel mit geistigen Getränken. Bezüglich der Munizipalitäten erinnerte der Oberkommissar daran, daß früher die Einnahmen der Munizipalitäten von städtischen Akzisen gespeist wurden, die aber dann abgelöst sind durch eine Auflage auf die Einfuhrzölle. Da dieses System nicht als befriedigend angesehen wurde, hat es die Regierung durch ein S ti b v e n t i o n s -S y s t e m ersetzt. Aber auch diese neue Methode hat die Munizipalitäten nicht befriedigt. Die Mandatarmacht sucht jetzt einen Weg, um die Wünsche der Munizipalitäten zu erfüllen. Zu der wirtschaftlichen Lage des Landes bemerkte der heglaubigte Vertreter der Mandatarmacht, daß wenn auch eine Passivität der Handelsbilanz, d. h. ein Ueberschuß des Importes über den Export (Einfuhr 6.770.81$ Pfund; Ausfuhr 1,487.207 Pfund) festzustellen ist, dieses Manko in hohem Maße dadurch kompensiert wird, daß die jüdischen Gemeinden des Auslandes Geld nach Palästina schicken und daß ein sehr entwickelter Touristenverkehr Gelder ins Land bringt. lieber die Vermehrung der Einkünfte aus Zöllen befragt, erklärte der Oberkommissar, daß diese Vermehrung einerseits auf die Erhebung von Einfuhrzöllen, andererseits auf die Zunähme der kommerziellen Tätigkeit zurückzuführen ist. Auf Ersuchen der Kommission gab Sir John Chancellor auch einige Erklärungen betreffend die Tote - M e e r-K 0 n - Zession ab und sagte, es hätten sich vor 8 Jahren mehrere Konzessionäre um die Konzession bemüht, und daß diese nach Prüfung den Herren Tulloch und Nowomejski, die die meisten Garantien boten, schließlich gegeben wurde, ln den vergangenen Jahren hat die Mandatarmacht die Einzelheiten des Projekte» mit den Konzessionären geregelt. Die Kommission befaßte sich sodann mit der Verwaltung Transjordaniens, mit den Fragen der Einwanderung, des Einwohner-Statuts, der Steuern und des Unterrichtswesens. Rcvisionisten-Krawalle in der Assefath Niwcharim Sie obstruieren die Wahl für den Council der Agency. Tcl-Awiw 5. Juli (J.T. A.). Am Mittwoch, den 3. Juli trat in Tel-Awiw, vom Waad Leumi einberufen, die Assefath Haniwcharii» (Nationalversammlung der Juden Palästinas) zu einer außerordentlichen Tagung zusammen, um sechs Mitglieder und zwölf Stellvertreter als die Vertreterschatt der Juden Palästinas Im Council der Jewish Agency zu wählen. Gleich nach der Eröffnung kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Revistonisten undMitgUedem der Vereinigten Arbeiterpartei, die eine solche Dimension annahmen, daß Po- 1 i z e 1 dngreifen und die Sitzung unterbrochen werden mußte. Der erste Zwischenfall ereignete sich bei einer Polemik zwischen Jabotinsky und dem Vorsitzenden der Assetah Dr. Thon. Jabotinsky bezeichnete das geplante Verfahren für die Wahl des Präsidiums als Betrug. Dr. Thon geriet in Erregung und rief Jabotinsky zu, er solle sich schämen, solche Ausdrücke zu gebrauchen. Die Revisionisten und Ihre Freunde nahmen erregt gegen den Vorsitzenden Stellung und forderten, daß Dr. Thon den Präsidentenstuhl verlassen solle, was Dr. Thon schließlich tat. Nunmehr geriet die Mehrheit der Versammlung ln Erregung. Jabotinsky und seiner Anhängerschaft wurde vorgeworfen, daß sie nur zu dem Zweck gekommen wären, die Wahl von Delegierten für den Agency- Council zu verhindern. Kurz nach diesem Zwischenfall brach ein neuer Tumult aus, als der Arbeiterführer Ben Gurion und der Revisionist Benyamini gleichzeitig zu sprechen begannen und ein Redner dem anderen nicht den Vorrang geben wollte. Arbeiterparteüer und Revisionisten stürzten aut einander los. Da der Tumult nicht aufhören wollte, mußte die Sitzung unterbrochcn werden. Die herbeigerufene Polizei trennte die Streitenden. Um Mitternacht hielt der Waad Leumi eine Sitzung ab, um zu der Lage Stellung zu nehmen und über Maßnahmen zur normalen Durchführung der Session zu beraten. Am Donnerstag, den 4. Juli, trat die Assefath Haniwcharim wieder zusammen. Sofort nach Beginn der Sitzung kam es zu einem neuen Tumult, als Jabotinsky bei der Forderung beharrte, daß die Versammlung allein berechtigt sei, sich ihre Tagesordnung festzusetzen und daß der TagesordnungsbescWuB des Waad Leumi einen Eingriff in die Souveränität der Assefath bedeute. Schließlich wurde mit 72 gegen 26 Stimmen beschlossen, an der vom Waad Leumi gegebenen Tagesordnung festzuhalten. Diese Tagesordnung enthielt an erster Stelle die Wahl von Vertretern der palästinensisehen Judenheit für den Council der Jewish Agency. Die Redner der Revisionisten behaupteten nun, daß der Waad Leumi eine ungesetzliche Existenz führe. Jabotinsky erklärte, die Wahl des Präsidiums sei rechtswidrig durchgeführt worden. Schließlich wurde ein neues Präsidium aus folgenden Personen gewählt: Dr. Thon, Mejuchas, Ostrowsky, Remez, Mossinson und ein Jemenit. Die Assefath Niwcharim wählte dann zu Mitgliedern des Council: Bialik, die beiden Arbeitervertret^ Isaac Ben-Zwi und J. Aronowitz, Rabbi Uz 1 e 1, den Präsidenten der Jerusalemer jüdischen Gemeinde Joseph Meyuchas und den Kolonisten aus Rechowoth Miller. Die Versammlung wählte ferner 12 Stellvertreter, darunter D. J. Thon, Kalvarisky, Rabbi Schapiro, Schuchowitzky, Rachel Katznelson, Ada Pishman und Frau Azarjahu. Kongreßwahlen De Hauptwahlkommission für die Kongreßwahlen in Oesterreich teilt folgendes Wahlergebnis mit: Ein Madat erhielt die Wahlliste der Allgemeinen Zionisten, ein Mandat die gekoppelte Liste des Arbeitenden Palästina und ein Mandat die Liste der demokratischen Zionisten. (Das Resultat wird von den Radikalen, die zwei Mandate bean- Sprüchen, angefochten. A. d. R ). Von den drei Mandaten, die aut die bulga rische n Z1onisten entfallen, eroberten die Allgemeinen Zionisten bei den soeben durchgeführten Wahlen zum 16. Zionistenkongreß zwei Mandate, die vereinigten Arbeiterparteien ein Mandat. Die Revisionisten, die kein Mandat erhielten, wollen das Ergebnis der Wahlen anfechten. Bei den Wahlen in Palästina wurden etwa 13 000 Stimmen abgegeben. Nach der bisherigen Zählung entfielen auf die vereinigten Arbeiterparteien 5852, auf Misrachi 1075, auf Revisionisten 1558 Stimmen; etwa 1500 Stimmen werden bezüglich Buer Gültigkeit angezweifelt. Nach der Agency- Konferenz Die Sitzung des Initiativ-Komitees für die Jewish Agency in Deutschland nat in der jüdischen und nicht jüdischen Oeffentlichkeit große Aufmerksamkeit gefunden. Die Tagespresse, ״Berliner Tageblatt und ״Vosslsche Zeitung“, veröffentlichten ausführliche Berichte. Besonders interessant Ist die Aufnahme, die dieses Ereignis in der jüdischen Presse gefunden hat. Die ״C. V.-Ze i tu n g‘‘ veröffentlicht einen Artikel von D. Friedrich Brodnitz, der in vorbildlicher Objektivität über den Verlauf der Versammlung berichtet. Der Verfasser stellt fest, daß der C. V. als solcher eine Beteiligung an der Jewish Agency abgelehnt hat, daß jedoch 15 Vorstandsmitglieder des C. V. als Privatpersonen ihren Beitritt vollzogen haben. Er teilt ferner mit, daß ״ln einer Vollkonferenz eine Anzahl jüngerer, dem C. V. nahestehender Mitglieder, beschlossen, Dr. L u d w i g T i c t z für eine Delegiertenstelle vorzuschlagen.“ lieber die Vorgänge bei der Wahl schreibt Brodnitz: ״Bei den Wahlen der Delegierten und ihrer Stellvertreter hielten sich die zionistischen Mitglieder des Komitees vollständig zurück. Von den nichtzionistischen Mitgliedern war ein Teil zum erstenmal in den Kreis der Palästinafreunde eingetreten, während ein anderer Teil seit Jahren bereits im Rahmen des Keren Hajessod mitgearbeitet hat. Es war verständlich, daß gerade eine Gruppe der Neuhinzutretenden ihren Einfluß auf die Zusammensetzung der Delegierten geltend machen wollte, und insbesondere von der jüngeren Generation wurde dieser Wunsch geäußert... Die Beratungen des Wahlausschusses datierten 11/3 Stunden und gestalteten sich angesichts der vielen zu berücksichtigenden Richtungen und Menschen nicht einfach.... Obwohl allseitig anerkannt wurde, daß die üjngere Generation einen Anspruch auf eine besondere Vertretung habe, gelang es nicht, den von dieser Gruppe Vorgeschlagenen in die Zahl der Hauptddegiertcn, die sowieso schon auf 7 erhöht wurde, aufzunehmen. Wenn es auch schließlich gelang, mehrere stellvertretende Delegiertensitze mit Jüngeren zu besetzen, so bleibt es doch bedauerlich, daß neben Dr. Leo Baeck kein Vertreter der jüngeren, dem C. V. nahestehenden Generation in die Agency gewählt werden konnte. Hoffen wir, daß die weitere Entwicklung der Dinge auch hier einen Ausgleich schaffen wird.“ Brodnitz stellt weiter fest, daß ein Delegierter und fünf stellvertretende Delegierte dem Hauptvorstand des Centralvereins angehören, und zitiert schließlich Blumenfelds Worte, daß ״gemeinsame Arbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten nicht zugleich auch mit Gesinnungskompromiß verbunden sein muß“, und daß die zionistische Organisation gewillt ist, den Vertrag mit den Nichtzionislen als ein ״aufrichtiges und echtes Bündnis“ zu halten. * Einen interessanten Kontrast zu diesem Bericht bildet ein Artikel der ״Jüd.-liber. Ztg.“, der wohl ein Meisterstück journalistischer Verdunkelung genannt werden kann. Wir haben natürlich nichts dagegen, daß die Jüdisch-Liberate Zeitung antizionistisch ist und daß sie auch gegen die Bildung der Agency, bezw. gegen die Beteiligung von deutschen Juden, Stellung nimmt. Jeder hat das Recht, auf seine Meinung. Aber was hier geschieht, ist nicht Meinungsäußerung, sondern ein — sagen wir — Jonglieren mit Tatsachen. Die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ nennt aus der Mitgliederliste des Initiativ-Komitees nur die wenigen zionistischen Namen (die sich darin finden, weil bekanntlich Präsidium und Zentralkomitee des Keren Hajessod korporativ dem Initiativ-Komitee angehören und der Keren Hajessod als neutrale Organisation Zionisten und Nichtzionisten umfaßt). Es wird der Anschein erweckt, als ob die Zionisten des Initiativ-Komitees, eine ververschwindende Minderheit, *inen ungebührlichen Einfluß aut die Wahl der nlchtzionlstisclien Vertreter genommen hätte. Um dies den Lesern einreden zu können, wird wohlweislich verschwiegen, daß die Wahlkommission, die die Vorschlage erstattete, aus den Herren Dr. Baeck, Dr, Blau, Dr. Brodnitz, Dr. Horowitz, Alfred L iss er, Dr. Mayersberg und Max Warburg bestand. Nur der in deutsch-jüdischen Dngen völlig Unbewanderte kann verkennen, daß hier die bedeutendsten Richtungen innerhalb des nichtzionistischen Judentums durch prominente, in ihrem Urteil gewiß selbständige Nichtzionisten vertreten sind. Die ״Jüdisch-Liberale Zeitung" dreht und windet sich, die Zusammensetzung des Initiativ-Komitees zu bagatellisieren und nachzuweisen, daß dieses nicht für das deutsche Judentum repräsentativ ist. Unsere Feststellung des ״repräsentativen Charaicters“ der Versammhing, die natürlich bedeutet, daß alle irgendwie wichtigen Strö* mungen, Gruppen und Schichten des deutschen Judentums in würdiger Weise in dem Komitee vertreten sind, deutet die Liberale Zeitung als eine Verherrlichung des Notabeln-Systems und fährt fort: ״Wie bei diesem Notabeinsystem bereits in der ersten Sitzung Schwierigkeiten persönlicher Art überwunden werden mußten, sei mit den Worten der Jüdischen Rundschau wiedergegeben: ,Die Wahl der nichtzionistischen Vertreter erwies sich als ziemlich schwierig, weil die Zahl der Kandidaten größer war, als die Zahl der zu besetzenden Stellen‘.“ Die Komik dieser Bemerkung zeigt die ganze Verlegenheit der Antizionisten. Die Schwierigkeiten bei der Auswahl der Kandidaten sind natürlich darauf zurückzuführen, daß jede Richtung ihren Anspruch anmcldete, also z. B. Orthodoxe, Sozialisten, Hilfsverein, große Gemeinden usw. Die Wahlkommission hatte das schwere Amt, diese Ansprüche zu einem gerechten Ausgleich zu bringen, wobei, wie wir aus dem Bericht von Brodnitz erfahren, z. B. die Jugendgruppe leider nicht mehr unter den Hauptdelegierten berücksichtigt werden konnte. Wir sehen in der Tatsache der vielen Kandidaturen einen Beweis für die Stärke, mit der sich der Palästinagedanke im deutsehen Judentum durchgesetzt hat, so daß alle maßgeblichen Gruppen darauf Wert legen, dabei zu sein und in der vordersten Linie aktiv bei der Gestaltung des Schicksals des jüdischen Nationalheims mitzuwirken. Die Naivität, mit der die Liberale Zeitung den repräsentativen Charakter der Konferenz bestreiten will, indem sie die Darstellung der ״Jüdischen Rundschau“ über den Ueberfhiß an Kandidaten zitiert, ist wirklich mitleiderweckend. * Der Frankfurter ״Israelit“ hingegen beglückwünscht die polnische ״Agudas Jisroel“ zu einem Manifest, das diese anläßlich des Eintrittes einer Reihe orthodoxer Führer in das polnische Initiativ-Komitee der Jewish Agencv erlassen hat. Darin heißt es: ״Die Agudas Jisroel " die aut der Wache steht, um die Interessen des religiösen Judentums zu schützen und zu hüten im dolus wie in Erez-Israel, wird jeden Schritt von einzelnen Orthodoxen, an der Agentur-Arbeit Anteil zu nehmen, ohne einen Beschluß der Aguda-Weltzeirtrale-, nicht bloß als Disziplinlosigkeit betrachten, sondern als eine Aushöhlung der Fundamente der selbständig organisierten Orthodoxie, als eine Erschwerung des Kampfes für die Heiligkeit von Erez- Israel und als eine Erniedrigung der Autorität der גדילי התירה יהיראה unserer Zeit, Sollten sich trotzdem einzelne finden, die an dieser Arbeit auf eigene Verantwortung feilnehmen, so erklären wir kategroiseh, daß diese Männer unter keinen Umständen die Oe* samtheit der Orthodoxie vertreten und daß ihr Anteil, vom gesellschaftlichen Standpunkt aus, keinerlei Bedeutung hat.“ Die Aguda-Bürokratie hat offenbar die Vertretung des orthodoxen Judentums gepachtet Weiteres zur zukünftigen Aufgabe der Zionistischen Organisation Von Felix Rosen bl üth, London. I. ln einem früheren Artikel (Jüdische Rundschau Nr. 48) wurde dargelegt, daß die Erweiterung der Jewish Agency eine Chance nicht nur für das Aufbauwerk in Erez-Israel biete, sondern auch für Belebung und Befestigung der Zionistischen Organisation, ״Zwischen Galuth und Erez-Israel besteht in dieser Periode des Aufbaus eine natürliche Wechselwirkung. Zionistische Entwicklung iin Galuth ist in hohem Maße abhängig von palästinensischer Zuversicht, Durch die Reihen der Zionisten im Galuth geht ein Aufatmen, wenn Immigration neu einsetzt, wenn neue Schöpfungen in Erez-Israel jüdischen Besitzstand mehren und festigen. Das ist der rechte Augenblick, uni den lang vernachlässigten Aufgaben der Propaganda, des Ausbaues erzieherischer und kultureller Positionen, der Stärkung der Jugendbewegung erneute Aufmerksamkeit zuzuwenden“. An diese Ausführungen mögen jetzt einige weitere (ebenfalls persönliche) Meinungsäußerungen angeknüpft werden. Ueberpiüft man die Vorschläge zur ״Stärkung der Organisation“, wie sie im Rahmen der von der Exekutive veranstarteten Enquete und in der Kongreßdiskussion gemacht wurden, so kann man sie in drei Gruppen einteilen. Ideologische Neuorientierung, Umbau der Organisation und schließlich Regenerierung der Galuthfunktionen der Zionistischen Organisation; mit diesen Schlagworten kann die Tendenz der Reformvorschlage ungefähr gekennzeichnet werden. Von ideologischer Neuorientierung braucht im folgenden kaum gesprochen zu werden. Soweit man hierbei an erste Begründung und letzte Zielsetzung denkt, bleibt die Position, die im ״synthetischen“ Zionismus geschaffen war, grundsätzlich unberührt, wenn auch ihre Klärung und Befestierforderlich ist, ine Aufgabe erster Ordnung, die vor allem der Exekutive obliegt, ist es, den radikal-nationalen Charakter der zionistischen Bewegung innerhalb der Jewish Agency zu wahren. Starres Beharren auf überkommener Terminologie ist nicht ausreichend und vielleicht nicht immer gesund. Der Bewegung könnte eine geistige Auffrischung durch Umprägung ihrer Gedanken in neue, noch nicht zur Schablone erstarrte Worte gewiß nicht schaden. Aber entscheidend ist, daß keine Konzessionen prinzipfeller, ideologischer Art gemacht werden. Die Grenze zwischen Nichtzionismus und Zionismus ist gedanklich klar, und sie kann nur verschwinden, wenn Nichtzionisten das zionistische Programm akzeptieren. Die Grenze ist klar, und doch werden Führerqualitäten notwendig sein, um in der neuen Arbeitsgcmcinschaft die geistige Freiheit des Zionismus zu wahren, und, noch mehr, sein ideelles Uebergewicht zur Geltung zu bringen. Im übrigen sind von der ideologischen ״Krise“ nur die befallen, die nicht zu erkennen vermögen, daß mit der Erweiterung der Jewish Agency der Kerngedanke des Zionismus, die Idee der nationalen Heimstätte in Palästina, einen gewaltigen Sieg errungen und der Palästinabewegung die alljüdische Weite verliehen hat, zu der Theodor Herzl noch nicht Vordringen konnte. Der Zionistischen Organisation fällt, wie Dr. Weizmann in seiner Kundgebung zum 16. Kongreß sagt, die Rolle zu, ״auf’Grund ihrer Tradition und Erfahrung, der Begeisterung und Ueberzeugungstreue, welche sie in die Gcmeinschaft einbringt, die Triebkraft und Sclirittmacherin“ der weiteren Entwicklung zu sein. Die nationale Renaissance- Bewegung im Galuth aber kann prinzipiell nicht dadurch gefährdet sein, daß alle Juden am Aufbau Erez-Israels mitwirken. Es ist nicht wahr, daß die Erweiterung der Agency zu Kompromissen im Galuth zwingt. Wenn Zionisten, die ihre Unklarheit dadurch bekunden, daß sie quantitative Maximal- Programme für Palästina aufstellen und gleichzeitig die Kon- Zentrierung der Energien auf Palästina beklagen, behaupten, daß bisher die nationale Bewegung außerhalb Erez-Israels durch die Agency-Politik geschwächt wurde, so verkennen sie die wahren Zusammenhänge. In Wahrheit ist es die Diskrepanz zwischen Idee und Wirklichkeit, die auch in der Galuth- Politik kritische Reaktionen hervorruft, die jedoch mit Agency und Bündnispolitik nichts zu tun haben. In Wahrheit war die nationale Bewegung im Galuth in ihren landespolitischen und kulturpolitischen Erscheinungsformen objektiv kaum jemals so stark wie jetzt. Subjektive Schwächegefühle haben hier wie in der Palästinabcwcgung ihren wahren Grund darin, daß die Wirklichkeit dem erstrebten Ideale nicht entspricht, ja daß das Ideal manchmal zu entgleiten scheint, nicht aber in der Ausdehnung des Palästinagedankens auf nichtzionistische Kreise des jüdischen Volkes. Im Gegenteil: der Sieg des Palästinagedankens muß zu einer Kraftwelle für die nationale Bewcgung auch im Galuth werden, wenn sich die Zionistische Organisation in dem neuen Bunde sittlich und geistig charaktervoll behauptet. III. Den Umbau der Organisation erstreben die wenigen radikalen Refonnvorschläge organisatorischer Natur, die die Enquete hervorgebracht hat, vor allem die Forderung, die Gliederung in Landes- und Sonderverbände durch die Einfei- Iung in Territorial- und Interterritorialverbände zu ersetzen. Hierüber und über andere organisatorische Fragen im engeren Sinne des Wortes soll eingehender erst in dem Schlußartikcl gesprochen werden. Nur ein Problem soll hier separat behan- Seit werden, weil es in engster Verknüpfung mit der Erweiterung der Agency steht. In der zionistischen Welt wird schon heute über Nutzen und Schaden des Gleichgewichtsprinzips gestritten, auf dem die Agency ruht. Während manche die F ifty-f ifty-Position mit allen Mitteln zum Bollwerk gegen nichtzionistische Einflüsse ausbauen wollen, fordern andere von Anfang an eine Politik zielbewußter Grenzverwischung. Das Ziel sei Aufsaugung der Nichtzionisten durch die Zionistische Organisation oder Verschmelzung von Zionisten und Nichtzionisten zu einer neuen einheitlichen Palästina-Organisation, in Wahrheit wird man, auch wenn man die Gleichgewichtsformel für eine Uebergangsmaßnahme und Ueberspanmmg des Fiftyfifty-Prinzips in der praktischen Anwendung für gefährlich und undurchfürbar hält, eine Politik ruhiger Beobachtung und vorsichtigen Abwartens, zum mindesten für die erste Zeit empfehlen müssen. Entschließt man sich später zu weiterer Annäherung, so wäre der erste praktisch denkbare Schritt, daß man den Kongreß als solchen in die Agency einbaut. Es ist erwägenswert, einen auf eine teste Bestand Ziffer von 200 bis 220 Mitgliedern begrenzten Zionistenkongreß zur zionistischen Sektion eines entsprechend vergrößerten Councils zu machen, der dann eine Art Welt-Palästinakongreß darstellen würde. Welche weiteren Perspektiven eine solche En(- Wicklung eröffnen würde, mag unerörtert bleiben. Sicher ist, daß sie die Stellung des Kongresses durch Aufhebung seiner Isolierung erleichtert. IV. Die Regenerierung der Gal u tn f unk ti on en der Zionistischen Organisation, gleichviel ob im Rahmen des bestehenden oder eines reformierten Systems der Föderierung, wird oder sollte das Hauptthema des 16. Kongresses bilden. Nicht, es sei wiederholt, weil man, wie Skeptiker meinen, nach der Erweiterung der Agency für den seines Inhaltes ״entleerten“ Zionismus eine neue Rechtfertigung suchen müßte, muß dieses Problem zur Diskussion gest« werden. Sondern, weil