Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 50 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50, 28. VI. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 321 1 Lipsky über Kongrefifragen Am kommenden Sonnlag, dem 30. Juni, findet in Detroit, Michigan, die diesjährige Convention (Jahreskonferenz der amerika• nischen Zionisten) stall. Louis Lipsky, Präsident der Zionisti• sehen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Welt• exekutive, ist bekanntlich in Palästina erkrankt und konnte infolge• dessen nicht nach Amerika zurückkehren, um an der Convention teilzunehmen. Er hat jedoch aus Palästina eine ausführliche Polschaft an die Convention gesandt. Herr Lipsky, der gegenwärtig vor dem Zionistenkongreß zur Erholung in der Schweiz weilt, stellt uns den nachstehenden Abschnitt aus seinem Schreiben an die Convention zur Verfügung. Die Erreichung der jüdischen Einigkeit in bezug auf Palästina macht zweifellos eine gründliche Nachprüfung unserer Methoden zionistischer Propaganda erforderlich. Es ist klar, daß wir uns nicht ablenken lassen dürfen zu dem Vergnügen bloß intellektueller Auseinandersetzung. Unser Interesse liegt darin, für unsere Ideale und Prinzipien, wie sie sich iin Werken ausd rücken, das Verständnis und die Unter* Stützung aller Juden zu gewinnen. Wir haben kein besonderes Interesse an bloßen Worten oder Dogmen. Die Taten, die jemand tut, sind ein treueres Spiegelbild dessen, was in seiner Seele vorgeht, als die Worte, die er gebraucht. Ich wage zu behaupten, daß die Zeit der hitzigen Wortgefechte über die zionistischen Ziele zu Ende ist. Derartige Debatten würden uns im jetzigen Zeitpunkt nur in blinde Parteileidenschaft und Vorurteile hineintreiben, sind aber von keinem praktischen Wert. Die neuen Gruppen kommen zu uns mit gutem Willen und in voller Uebereinstimmung mit dem Hauptziel unserer Be* wegung. Wir wollen Ihnen mit demselben guten Willen und Aufrichtigkeit entgegenkommen. Wir treten jetzt ein in eine Epoche des Friedens und des Wohlwollens. Wir wollen das Beste daraus machen. Manche Zionisten aber fürchten, daß die neue Politik irgendwie die Autorität der Zionistischen Org a n i s a t i o n untergraben wird. Diese Furcht ist darauf gegründet, daß die Zionistische Organisation aufhören soll als die Verkörperung der zionistischen Ziele zu fungieren und daß die erweiterte Jewish Agency ihren Platz einnehmen wird. Das ist eine unbegründete Furcht. Die Zionistische Organisation bleibt die Trägerin des zionistischen Ideals. Sie ist Wachferin der jüdischen nationalen Interessen. Ihre Vollmacht hat sie von keiner außenstehenden Stelle erhalten, sondern nur von ihrem eigenen inneren Willen zur Tat. Daran ändert eine Teilung der Verantwortlichkeit nicht das geringste. Nichts wird so sehr zur Erhöhung des Prestiges und des Einflusses der Zionistischen Organisation in Palästina und im Cahith beitragen, wie die Heranziehung von Mitarbeitern, die imstande sind, unsere Position ln Palästina zu verstärken. Nicht durch ausgeklügelte Verträge mit scharfsinnigen Klau* sein, die jede Eventualität voraussehen wollen, ist das Ansehen der Zionistischen Organisation zu schützen. Der Schutz unserer Interessen als Organisation liegt in unseren eigenen Händen. Wir müssen nur weniger an Worten kleben und mehr die Tatsachen achten. Schützet die Autorität des Zionistenkongresses dadurch, daß Ihr weniger über das Budget und mehr über disziplinierte Unterstützung der vom Kongreß gewählten Leitung redet! Der Respekt für die Autorität des Kongresses ist in der letzten Zeit nur eine Phrase für den Kampf geworden, ohne jede praktische Bedeutung. Man sagt, der Zionistenkongreß habe Autorität, in Wirklichkeit ist da» eine Fiktion. Denn was geschieht gewöhnlich auf dem Kongreß? Uebcr die meisten Fragen wird einfach die geschlossene Abstimmung der Parteien registriert. Ke Parteien und Fraktionen erklären aber auch noch nach gefallener Entscheidung ihre abweichende Meinung von gefaßten Beschlüssen. Die Praxis ist, der Exekutive während ihrer Amtsdauer kein Vertrauensvotum zu geben: aber das Vertrauen wird nicht einmal im Moment der Wahl ausgesprochen. Die imglückliche Exekutive muß gewöhnlieh vom Anfang bis zum Ende ihrer Amtszeit auf dieser unsicheren Grundlage arbeiten. Und wenn der Kongreß geschlossen ist, dann verwenden die Parteien und Fraktionen ihre beste Zeit darauf, nicht den leisesten Schatten eines Zweifels zu lassen, daß sie sich von allen zionistischen Pflichten mit Ausnahme derer, die ihre Partei ihnen auferlegt, für befreit halfdn. Man spricht soviel über das Recht des Kongresses, das Palästina-Budget festzustellen. Seit 1021 fanden in der Budgetkommission des Kongresses hitzige Diskussionen statt. Die Parteien boten alle ihre Leidenschaft und Stimmkraft auf, um ihre Forderungen durchzusetzen, aber da offenkundig niemals genügend Oeld für alle Bedürfnisse vorhanden war, mußte man Kompromissen zustimmen. Nachdem sie in dieser Weise an der Aufstellung des Budgets mitgewirkt haben, wandten sich die Parteien sofort den Sammlungen für den eigenen Parteifonds zu, den sie dazu benützten, das Gleichgewicht, weldies das Kongreßbudget hergestellt hatte, zu vernichten. Eine interessante Diskussion geht gerade jetzt vor sich über die Frage der Rückkehr zu dem alten System einer Koalitions-Exekutive. Von dieser erwartet man die Wiederherstellung demokratischer Prinzipien in der Verwaltung. Aber wenn schon eine demokratische Verwaltung aus Parteivertretern sein soll, warum sollte man diese nicht zu einer wirklichen machen, indem man innerhalb einer solchen Verwaltung auch eine Kontrolle der Palästina-Fonds der Partei en, die mit steigendem Eifer und Erfolg gesammelt werden, einführt? Darüber spricht man gar nicht. Weiter: cs ist gar nicht ungewöhnlich, daß die Parteien, deren Führer in Palästina fest verwurzelt sind, durch die Presse, durch öffentliche Versammlungen, Parteiräte *usw. einen Druck auf die Exekutive ausüben, um sie zu veranlassen, Dinge zu tun, für welche der Kongreß ihr keine Ermächtigung gegeben, oder welche der Kongreß dadurch, daß sie im Budget nicht vorgesehen wurden, stillschweigend abgelehnt hat. Solcher Art ist der Respekt für die Autorität des Kongresses ln der Bewegung. Eine Organisation, die sich rühmt, auf demokratischen Grundlagen zu ruhen, sollte sich auch um das Problem der Organisations-Einkünfte kümmern. Aber ohne irgendeinen Protest zu finden, wurde die oberste Behörde der Zionisfischen Organisation zum großen Teil durch Gelder erhalten, welche nicht von der Zionistischen Ortsgruppe beigesteuert wurden. Der Schekel hat niemals ausgereicht, das Organisationsbudget der Zionistischen Exekutive zu decken, ln den Anfangszeiten des Zionismus haben führende Persönlichkeiten aus eigener Tasche die Defizite gedeckt, heute werden gleichfalls nur weniger als 50 «/» des Budgets der Exekutive durch die Einginge des Schekels und des Goldenen Schekels gedeckt. Der Rest muß aus anderen Quelles herbeigeschafft werden. Mit anderen Worten, es ist gewiß unsere Pflicht, die Autorität der Zionistischen Organisation zu stärken, was auch in unserer Macht steht. Aber man soll nicht das Gespenst der erweiterten Jewish Agency beschwören und damit die Zionisten nur nlederdrücken und sie übersehen lassen, welche Macht auf dem bevorstehenden Züricher Kongreß in ihrer eigenen Hand liegen wird. Unsere Delegierten am Kongreß sollten von der Amerikanischen Zionistischen Organisation Instruktionett in diesem Sinne mitbekommen. Sie sollen für Disziplin und Ordnung eintreten. Sie sollen in bezug auf die RechtederPartelenliberalsein,aberfordern, daß auf die Rechte und auf die Pflichten der Parteien in gleicher Weise Nach druck gelegt wird. ÜfeBB irifl ■ff WmtmwK 4fcWI■ nl#ll«KE99 Wie bei den fetzten Kongressen wird auch dieses Mal wieder ein vollständiger Verhandlung! - Bericht in der offiziellen Kengrefi-Seitang erscheinen. Wir legen den größten Wert darauf, daß möglichst alle Leser der ״Jüdischen Rundschau“ die Kongreßzeitung bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Kongreß teünehmen können, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Der Bezugspreis für die Kongreßzeitung beträgt M. 3,25. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß unsere Leser nicht nur unserer Abonnementseinladung Folge leisten, sondern uns darüber hinaus in den ihnen nahestehenden Kreisen bei der Propagierung der Kongreßzeitung unterstützen und um Abonnements aufgeben werden. Ferner werden folgende Publikationen des Kongresses erscheinen: Berichte der Exekutive, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth an den Kongreß (in hebräischer, deutscher und englisches Sprache), kurz nach dem Kongreß das stenographische Protokoll seiner Verhandlungen (in deutscher Sprache). Ein Generalabonnement auf die Kongreß-Zeitung und die obigen Publikationen kostet zusammen 13,15 M. (statt 17,20 M. bei Einzelbezug) und ist ebenfalls direkt bei unserer Expedition zu bestellen. VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU“ BERLIN W18, Melnek.slraBe 10 Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für das arbeitende Palästina Warschau, 24. Juni. (J;T.A.) Im Riesensaale des Kaminski-Theaters hat die erste Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina in ganz Polen bei An- Wesenheit von 820 Delegierten, die 30 000 Wähler in 285 Städten vertreten, begonnen. Emile Vandervelde und Gattin wohnten der Konferenz bei. Nach Eröffnungsansprachen der palästinensischcn Arbeiterführer Ben-Zwi und Sprinzak sprach Frau Vandervelde über das neue Palästina, woraufhin Vanderfelde eine längere Ansprache hielt, in welcher er mitteilte, das Zentralkomitee der jiddischen Arbeiterpartei ״Bund“ habe ihm in einem Schreiben zum Vorwurf gemacht, daß er als Führer der internationale an einer Konferenz teilnimmt, die vom sozialistischen ״Bund“ als der Entwicklung des Sozialismus abträglich angesehen wird. (!) Vandervelde erklärte, er trete hier nicht als Delegierter der Internationale, sondern als Privatmann auf und als ergebener Freund Palästinas und des sozialistischen Aufbaus, der sich dort mit Hilfe der jüdischen Arbeiterschaft vollzieht. Nach den Reden von Herrn und Frau Vandervelde sprachen Vertreter der verschiedenen Organisationen, auch wurden Begrüßungsansprachen der palästinensischen Histadruth, sowie der Führer der französischen Arbeiterschaft Leon Blum und Renaudel verlesen. Herr Ben-Zwi hielt ein groDangeiegtes Referat über die jüdische Arbeiterschaft in Palästina. In das Präsidium wurde gewählt Ben-Zwi, Sprinzak (Palästina), Dobkin, Grünfeld, M. Oordon, Ben-Ami Oordon, Tiger (Warschau), Schmetterling, Kohen (Lemberg), Bornhak (Krakau) und Dr. Grossfeld. Polizei-Inspektor DnB nach Dschenin versetzt Der Polizei-Inspektor Duff, der bei verschiedenen Gelegenheiten durch seine Haltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung unliebsames Aufsehen erregt hat, ist von Jerusalem nach Dschenin versetzt worden. (Ziko.) Ein• nnd Ausfuhr Palästinas im ersten Quartal 1929 Das ״Commercial Bulletin“ veröffentlicht eine Uebersiclit über die Einlind Ausfuhr Palästinas in dem ersten Quartal der Jahre 1928 und 1929. Nachstehende Tabelle enthält die End- Ziffern des Vergleichs. Eine Abnahme gegenüber dem Vorjahr ist beim Export von Durrha und Mais, Sesam, Orangen, Mandeln und Wein zu verzeichnen, während die Zunahme beim Import ln erster Linie auf die gesteigerte Einfuhr von Weizen und Weizenmehl, Vieh, Sesam, Holz für Orangenkisten, elektrischen Artikeln, Motoren, Maschinen, Petroleum und Benzin zurück zu führen ist. Eine stärkere Abnahme weist der Import von Textilwaren auf. 1. Quartal 1929 1. Quartal 1928 Gesamteinfuhr: £1818152 £ 1 570081 Oesamtausfuhr (einschl. £25 200 Q01dmünzen):£ 545 486 £ 640146 Aus der Aufstellung überden Import und Export Palästinas im ersten Vierteljahr 1929 ist ersichtlich, daß die Zoll-Einnahmen der Regierung während dieses Zeitraums £ 245 398 betrugen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren die Einnahmen aus den Zöllen mit £ 213830 um 13 0/0 geringer. _________ (Ziko.) Die Zionistische Exekutive hat auf Rechnung des k 0 m - menden Budgetjahres den Siedlungen der Neukolonisation Mittel für den Erwerb von Maschinen zur Verfügung gestellt. Es handelt sich in erster Linie um Dreschmaschinen und Traktoren zur Bodenbearbeitung. (Ziko.) *" .....— ' ... I— ... .11 ■— Koalition oder homogene Exekutive Von besonderer Seite. Die nachfolgenden Ausführungen stammen von einer zionistisehen Persönlichkeit, die der heutigen Palästina-Exekutive sehr nahe steht. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man ihre Anschauungen als die der Palästina-Exekutive betrachtet. Aus diesem Grunde glauben wir, daß diese Ausführungen Interesse verdienen, die den entgegengesetzten Standpunkt in der Frage der Koalition vertreten als die sonst bisher geäußerten Programme. — Red. In letzter Zeit, während der Kongreß näher rückt, wird der Ruf nach Wiederherstellung einer Koalitions- Exekutive wieder wach. Man muß sich wundem, daß zwei Jahre nachdem allentwegen anerkannt wurde, daß nur eine homogene Exekutive die Rettung bringen könne aus dem Sumpf, in den uns die Koalitionsexekutive hereingebracht hatte, die Lehren der Vergangenheit schon vergessen sind. Die jetzige Exekutive soll, nachdem sie in zwei Jahren schwerer Sanierungsarbeit den Boden gereinigt hat, auf dem eine neue konstruktive Arbeit angefangen werden kann, mit oder ohne Danksagung der Koalition Platz machen, die in kurzer Zeit das frühere System wieder hersteilen wird, das uns nahe an den Abgrund geführt hat. Der Wunsch nach einer Koalition ist vielleicht daraus zu erklären, daß man bestrebt ist, bei der Bildung der Jewish-Agency einen Ausgleich der von jener Seite zu erwartenden rein geschäftlichen Ansichten über den Aufbau herzustellen. Unserseits soll den Nichtzionisten eine Mischung von sachlichen und politischen Elementen entgegengestellt werden. Diese Ansicht ist durchaus verderblich. Sie trägt den Keim von Zwiespalt und Auflösung in sich. Beide Parteien werden sich als eine Art Aufseher über die andere Partei betrachten. Nur wenn der zionistische Teil der Agency-Exekutive in sachliche!• Hinsicht der stärkere ist, wird die Hinzuziehung der Nicht-Zionisten eine Verstärkung bedeuten. Sonst werden wir der Gefahr nicht entgehen können, von der anderen Hälfte kontrolliert und beherrscht zu werden. Eine solche Verbindung zweier Hälften verschiedener Natur: die eine basierend auf rein sachlichen Gesichtspunkten, die andere auf parteipolitischen, kann sich nicht behaupten. Für eine leistungsfähige ״Partnership“ ist Homogenität Vorbedingung, und für diese Homogenität ist wieder die innere Homogenität jedes der zu bildenden Teile erforderlich. In jedem Volk ist elneKoalitionsregierug die schwächste Regierungsform. In Zeiten großer Spannung, wie z. B. beim Ausbruch eines Krieges, wird allerdings eine Koalition aller Parteien geschaffen, aber eine Koalition ganz anderer Art: Alle Parteien stellen dann zeitweilig ihre Partei-Interessen zurück, um den großen nationalen Zweck zu erreichen. Das nennt man Burgfrieden. Was bei anderen Völker« Ausnahme ist, ist bei uns üblich: Die schwächste Regierungsform, die Koalition aller Parteien, ist Regel. Und statt der Selbstdisziplin, welche alle eigenen Partei-Interessen zurückstellen läßt, sehen wir bei unseren Parteien nur den festen Ent- Schluß, das Maximum an Partei-Interessen geltend zu machen. Die Folge ist innere Zersplitterung und äußere Ohnmacht einer solchen Koalitionsverwaltung. Wer Koalition sagt, sagt: Kompromiß. Wer Kompromiß sagt, sagt: etwas aufgeben, um etwas anderes zu erreichen. Das andere ist nämlich die Fiktion einer Homogenität, welche man erkauft mit etwas Verlust Viele Kompromisse heißt: wiederholt etwas aufgeben, wiederholt etwas aufgeben heißt: vieles aufgeben. Und vieles Aufgeben bedeutet einen großen Verlust. So ungefähr ist denn auch die geschichtliche Ent- Wicklung des großen Defizits, welches die jetzige Exekutive vorfand, als sie den Staatsreinigungsdienst auf sich nahm. Mit dem Finger könnte man die vielen Kompromißbeschlüsse weisen, die gefaßt wurden entweder auf dem Gebiete der Immigration oder des Budgets. Tausende und Abertausende von Pfunden sind in der Weise verloren gegangen. So wird auch die Entwicklung der Zukunft sein, wenn wir zu dieser schwächsten Regierungsforin zurückkehren. Was sich andere Völker aber leisten können, können wir uns nicht leisten. Eben weil wir keine Staatsmacht haben, können wir uns keine Verluste erlauben. Um eine Staatsaufgabe zu erfüllen, müssen wir solide Geschäftsmethoden imitieren. Und dazu braucht man eine hotnogene Verwaltung. Die Beweisführung, daß sich eine Exekutive, weil sie keine Staatsmacht hat und die Propaganda an den Idealismus weitester Kreise appellieren muß, auf alle Parteien stützen muß, hat sich als falsch erwiesen. Nur Erfolg schafft Erfolg. Nur Zutrauen in eine gute Verwaltung und eine gesunde Finanzpolitik appelliert an die Kreise der Geldgeber. Das jüdische Volk muß doch einmal politisch reif werden. Politische Reife ist nur zu erreichen auf dem Wege der Demokratie: Erziehung zur Verantwortlichkeit. Das Schaffen klarer Verantwortlichk ei ten ist eine notwendige Bedingung jedes gesunden politischen Lebens. Die Koalition vertuscht die Verantwortlichlceit. Eine parlamentarische Regierung, die auf einer Majorität beruht oder sogar auf einer Minorität, wenn die anderen Parteien die Leitung nicht auf sich nehmen können oder wollen, prägt die Verantivortlichkeit aus. In einer Koalition versteckt sich jede Partei hinter der anderen, und zwar bei uns links und rechts hinter dem Zentrum, das so zu einer Fassade wird den Spendern für den Aufbau gegenüber. Es wird hoffentlich auch bei uns einmal eine Labour-Regierung geben. Dann aber soll sie die voll« 1Vjecantw0Tj%UseiJ