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Jüdische Rundschau · 1929-06-28 · Heft 50 (28.6.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 50 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 320 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. SO, 28. VL 1029 der Präsident der Großloge B'nai Brith, gewählt. Der Prager Oberrabbiner Dr. Heinrich Brody wies in seiner Ansprache darauf hin, daß die religiösen Kreise sowohl in der donistisehen Organisation als auch in der Jewish Agency eine entsprechende Vertretung ihrer Forderungen und Wünsche besitzen, ersuchte jedoch mit Rücksicht auf die Absenz gewisser orthodoxer Kreise die eben gewählten Vertreter, dahin zu arbeiten, daß auch diesen Gruppen die Teilnahme an der Jewish Agency ermöglicht werde, um das Bild der Vereinigung des gesamten Judentums für den Palästinaaufbau zu vervollständigen. Ungeteilte Zustimmung der gesamten Konferenz fand die Aufforderung des Vertreters der ״Liga für das arbeitende Erez- Israel“ an die beiden Delegierten, in der Jewish Agency für die sozialen Forderungen der jüdischen Arbeiterschaft einzutreten. Die Resolution der Palästinakonferenz der tschechoslowakischen Juden lautet: In Anbetracht dessen, daß 1. das vom Rate des Völkerbundes am 24. Juli 1922 ratifizierte Palästinamandat die Bildung einer Jewish Agency Oüdischen Vertretung! als einer Körperschaft öffentlichen Rechtes vorsieht, welche die Interessen des Judentums in bezug auf die Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina wahrzunehmen hat, daß ferner 2. die Zionistische Organisation als diese Jewish Agency anerkannt und zugleich auf gefordert wird, im Einvernehmen mit der britischen Regierung Schritte zu unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die am Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina mitzuarbeiten bereit sind, daß feiner 3. durch Vereinbarung zwischen der Zionistischen Organisation und den amerikanischen Nichtzionisten eine Plattform gefunden wurde zur Erweiterung der Jewish Agency durch Hinzuziehung solcher Juden, die der Zionistischen Organisation nicht angeschlossen sind, und daß 4. eine Palästinakonferenz der tschechoslowakischen Juden durch die Zentralkommission des Keren Hajessod für die tschechoslowakische Republik einberufen und vön den die Judenheit dieses Landes repräsentierenden Körperschaften und Organisationen beschickt wurde — beschließt die am 23. Juni 1929 in Prag versammelte Palästinakonferenz der tschechoslowakischen Juden: 1. Die Judenheit der tschechoslowakischen Repnblik beteiligt sich gemäß den zwischen der Zionistischen Organisation and den amerikanischen Nichtzionisten vereinbarten Grundsätzen und Richtlinien an der Schaffung des Councils der Jewish Agency. 2. Die tschechoslowakische Judenheit entsendet gemäß ihrer Anzahl in den Council der Jewish Agency zwei Dele- - giert« und vier Ersatzdelegierte. 3. Die Konferenz bittet die Vertreter der tschechoslowakisehen Judenheit im Council der Jewish Agency, der Schaffung des nationalen Heimes in Palästina ihre besten Kräfte zu widmen, und erwartet, daß ihr Wirken in der Jewish Agency den Juden dieses Landes einen ehrenvollen Platz unter den Förderern dieses gesamtjüdischen Werkes sichern wird. 4. ln der Erkenntnis der historischen Bedeutung des Aufbauwerkes in Palästina appelliert die Konferenz an die tschechoslowakischen Juden, alle Unterschiede der politisehen, religiösen und sozialen Einstellung hintanzusetzen und diesem Werke jede moralische und materielle Förderung zu gewähren, das eine Quelle berechtigten Stolzes für die gesamt« Judenheit ist. Agency-Konferenz der polnischen Juden Warschau, 35. Juni. (J. T. A.) Am Sonntag abend wurde in Warschau die Gründungsversammlung des Initiativkomitees für die Jewish Agency in Polen abgehalten. Dem Initialivkomitce gehören an: Oberrabbiner Prof. Dr. S c h o r, der Direktor der Disconto-Bank Dr. Henryk Ascbkenasi, Dr. Janusz Karcnl, Dr. Samuel Goldflamm, der Präsident des Vcrbandes der Kaufleuto Stadtrat T r u s k e r, Stadtratsvizeprüsident M6i 1 e 1, Waclaw Wawelberg, Stadtrat und Präsident der jüdisehen Gemeinde von Bendin Fürstenberg, Adv. Maurici Endelmann, Prof. Marian Eiger von der Wilnaer Universität, Präsident der Krakauer Jüdischen Gemeinde Dr. Raphael Landau, Dr. Emil Paraei-Lamberg, Frau Dr. K 1 af t e n (Präsidentin des Frauenbundes), der Präsident des polnischen Rabbinerverbandes Rabbi Lifszytz- Kalysz, Rabbiner Horovitz- Lemberg, Rabb. B a 1 sa tn - Stanislau, der Präsident der Polen-Loge der Bnei Brith Dr. A d 1 e r-Krakau, der Präsident des jüdischen Handwerkerverbandes Abg. R a 11 n e r , die Großindustriellen Borris E i 11 n g o n und J a r o c z y n s k 1 aus Lodz und zahlreiche andere prominente Persönlichkeiten der Judenheit Polens. Der Präsident der zionistischen Agency-Kommission Herr Lew i t e hielt die Begrüßungsansprache, woraufhin Dr. G o 1 d f 1 a m m, zum Vorsitzenden gewählt, ausführte, es sei ein erhebender Moment, da alle Schichten der jüdischen Gesellschaft Polens sich im Zeichen des Aufbaus Palästinas zusartimenschließen. Stadirat Kindes schilderte die Entstehungsgeschichte der Jewish Agency, der Präsident des Rabbinerverbandes Rabbi Jescheskiel Lifszytz erklärte, daß durch Schaffung einer Jewish Agency zum Aufbau Palästinas zahlreiche auch nicht religiöse Elemente fester an das Judentum gekettet werden, indem sich ein neues Feld der Vereinigung aller Kräfte des jüdischen Volkes für den Aufbau dos historischer! Vaterlandes eröffnet. Es sprachen noch Abg. Dr. Reich, Abg. Farbstein, Adv. Endelmann, Sladtrat Trusker, Dr. Raphael Landau. Nach einer eingehenden Diskussion wurde eine Resolution angenommen, in der die Entstehung der Jewish Agency warm begrüßt und beschlossen wird. 12 Vertreter der polnischen Judenheit in den Council der Jewish Agency zu entsenden. Ilavrmkonferenzen in Warschau, Krakau und Lemberg werden die Wahl der polnischen Agency-Vertreter vollziehen. Agency-Konferenz in Bukarest _ Am 30. Juni findet in Bukarest der Kongreß der Gemeinden Altrumäniens statt, der zwei Vertreter für den Council der Jewish Agency zu wählen haben wird. Allgemein wird erwartet, daß der Präsident der Bukarester jüdisehen Gemeinde, Eli B e r c 0 v i c i und der Präsident der Union rumänischer Juden, Dr. W. F i 1 d e r m a n n, gewählt werden. Emile Vandervelde in Köln Von unserem Berichterstatter. Der Prövinrialausschuß Rheinland-Westfalen des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. hat am 15. Juni einen Vortragsabend in Köln im große« Saal des Kasinos veranstaltet, wo der ehemalige belgische Staats minister Emile Vanderv e I d e und seine Gattin über Palästina und das Jüdische Aufbauwerk sprachen. Die Veranstaltung war ausgezeichnet besucht, unter den Teilnehmern bemerkte man auch den Ober- Wägermeister von Köln, Dr. Adenauer. Herr Alfred Leonhard T i e t z leitete die Veranstaltung und begrüßte Frau und Herrn Vandervelde. Er wies auf die wachsende Beteiligung der Judenheit am Aufbauwerk in Palästina, die sich durch die Erweiterung der Jewish Agency dokumentiert, hin, der schon der Keren Hajessod vorgearbeitet habe. Aber auch bedeutende geistige Führer der nichtjüdischen Welt treten für dieses große jüdische Werk ein. Als solche Repräsentanten der Pro Palästina-Bewegung begrüße er Herrn und Frau Vandervelde. Sodann sprach Frau Vandervelde und führte besonders aus, welche Eindrücke sie als Frau und Aerztin in Palästina gewonnen habe. Besonders stark sei die Wirkung des HERZL TAG einfachen Und strengen Stils, der das palästinensische und vor allem das jüdische Leben im Lande charakterisiere, im Gegensatz zu dem Luxus des Ffemdenlandes Aegypten* das• sie vorher besucht habe. Sie schilderte den Fortschritt, den die jüdische Arbeit für manche noch primitiven Verhältnisse, insbesondere der Araber, in Palästina bedeute und ging dann näher auf die Bedeutung des Jüdischen Sanitätswesens ein, das Krankenhäuser geschaffen, einen hartnäckigen und erfolgreichen Kampf gegen aie Malaria und überhaupt für die Sanierung des Landes unternommen habe. Den Frauen, die sich solchen Aufgaben in Palästina widmen und dabei auf manche Bequemlichkeiten europäisehen Lebens verzichten, müsse man Hochachtung und Sympathie entgegenbringen. Emile Vandervelde knüpfte an das Wort Renan’s an, daß Palästina ״das größte und tragischste Land der Welt“ sei. Er lobte die Erhabenheit und Schönheit des Landes. Könne man auch sagen, Palästina sei ein hartes und nur unter Aufopferung erschließbares Land, so gilt doch: es ist d e r J u- •den eigenes Land. aNch einer Darstellung der gegenwärtigen Bevölkerungsverhältnisse und nach einem kurzen historisehen Ueberblick über die Entwicklung des Landes beantwortete Vandervelde die Frage, was alles im Laufe der wenigen Jahre nach dem Kriege geschaffen worden sei. Er habe eine gründliche Studienreise durch das Land gemacht, was er gesehen habe, sei das Auferstehen eines großen uralten Volkes, das Wiederaufleben einer für die Kulturgeschichte der Menschheit überaus bedeutenden uralten Sprache. Die Landwirtschaft ist die Grundläge des Werkes, moderne Städte seien entstanden, neue Häfen werden angelegt Es gibt bereits eine exportfähige Industrie. Dies alles war nur möglich durch eine intensive Zusammenarbeit der Judenheit und aller Bevolkerungskreise des Landes. Besonders bemerkenswert ist die Jugenderziehung der neuen jüdischen Gemeinschaft. Der Individualist und der Kommunist können dort in gemeinsamer Arbeit die Verwirklichung ihrer Ideale erstreben. Gewiß sind noch enorme Anstrengungen und bedeutende Geldmittel erforderlich, bis die aut den jüdischen Aufbau gesetzten Erwartungen verwirklicht sein werden. Aber der alles überwindende Idealismus der Juden, den der Redner auf Schritt und Tritt in Palästina gespürt habe, sei die Garantie, daß das Ziel der Bewegung erreicht werde. Zuerst müsse jedoch die ganze Judenheit zusammenstehen. Die geleistete Arbeit sei gigantisch und wenn die Judenheeit geschlossen sich für dieses Werk einsetze, werde nach seiner festen Ueberzeugung die Kraft vorhanden sein, dieses Werk fortzusetzen und zum Ziele zu bringen. Der Eindruck des Vortrages und der besonderen Rednerkraft Vanderveldes auf das erschienene Publikum war außerordentlich. In seinem Schlußwort dankte Herr Tietz dem belgischen Minister, der seine Sympathien für das jüdische Palästinawerk schon wiederholt zum Ausdruck gebracht hat. Die Kölnische Presse aller Richtungen hat ausführliche Berichte über die Vorträge gebracht. Keren Halessod-Etnnahmeii Im Mai 1929 Die Ueberweisungen an das Hauptbüro des Keren Hajessod betrugen im Monat Mai 1929 £ 28 304. Auf die einzelnen Länder verteilen sich die Eingänge folgendermaßen: Vereinigte Staaten £ 14 343.14.10; Südafrika 3000.0.0; Deuts ch! and 2244.12.5; Rumänien 1447.2.2; Polen 1 263.10.8; Singapore 1053.18.5; Tschechoslowakei 658.13.6, der Rest auf andere Länder. Die Ge- Samteinnahmen des Hauptbüros des Keren Hajessod bis zum 31. Mai 1929 betragen £ 3 836 679.1.8. (Ziko.) ln Paris verstarb nach einer Operation der Jaffaer Friedensrichter Dr. J i z c h a k N 0 f a c h. Wandernag zum Herzl •Grabe W i e n, 24. Juni. (J. T. A.) Am vergangenen Sonntag veranstalteten die Wiener Zionisten ihren traditionellen Massenitgerzug zum Grabe Theodor Herzls auf dem Döblinger Friedof. Alle Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung, besonders viel Jugend, schritten im Zuge, dessen Vorbeimarsch Stunden dauerte. Die aus Anlaß des internationalen Kongresses des PEN-Klubs In Wien weilenden jüdischen Schriftsteller mit Schalom Asch an der Spitze, nahmen an dem Zuge teil. Am Abend wurden in verschiedenen Teilen der Stadt zionistische Versammlungen abgehalten. Im ״Industriellen-Haus“ fand eine große Herzl-Akademie statt. Die Gedenkrede hielt Felix Salten. Arbeifckongre$ and Ligen für das Arbeitende Erez ״Israel Von G. Chan och, Palästina, dzt Berlin. Das Projekt eines Arbeitskongresses und der Organisierung von Ligen Tür das Arbeitende Erez-Israel ist zu einer realen Tatsache geworden. Es Ist möglich, daß die Vorbereitungen mehr Zeit in Anspruch nehmen werden, als vorausgesehen war und daß der Kongreß erst im kommenden Jahre stattfinden kann. (Im Laufe der nächsten Wochen weiden Tagim- . . Ligen in Berlin zusammentreten.) —. Die Vorbereitungen sind eine wichtige Etappe zur Verwirklichung des Kongresses. Die Tagungen in den Ländern werden mit der Werbung von neuen Menschen und Kräften verbunden. Manchmal vergleicht man den Gedanken der Konzentrie* rung von Kräften, die der allgemeinen Arbeiterorganisation in Palästina nahestehen, mit dem Gedanken der ״Agency*'. Die Erweiterung der ״Jewish Agency“ steht jetzt im Mittelpunkt des zionistischen Interesses. Jedoch die Meinung, die jetzt vielfach in Deutschland gehört wird, daß der Arbeitskongreß ein ״Gegengewicht“ zur ״Agency” sei, ist unserer Meinung nach grundlegend falsch. Es scheint uns, daß als erste Voraus- Setzung dieser ideologischen Klärung festzustellen ist, daß der Arbeitskongreß vor allem nicht ״gegen“ sondern ״für“ etwas kämpfen will. Die Kraft, die hier geschaffen oder gefestigt werden soll, kann nicht bedeutend sein, wenn sie nicht selbst neue Potenzen des Schaffens entwickelt, sondern nur eine Kon- Zentrierung des Kampfes gegen andere Kräfte bilden sollte. Es gibt nur einen Ausgangspunkt heutzutage für irgendwelche praktische Arbeit von Teilen der zionistischen Bewegung — und die Arbeitsbewegung ist ein Teil von ihr — und der heißt: Erneuerung des Zionismus in der Idee und in der Praxis. Dies ist die Grundlage für die Initiative der Arbeiterschaft in Erez-Israel in dieser Sache. Alle die populären Begriffe, die die Arbeiterschaft in den letzten 4—5 Jahren beherrschen: Innere und internationale Anleihe für eine große Kolonisation; Liquidation der Arbeitslosigkeit im Lande; Stärkung der Kräfte zur Bekämpfung der Krise (Ansiedlung der Koloniearbeiter, Stärkung der Kooperativen, Arbeitersied- Itmgen usw.), Alijali, und jetzt der Arbeitskongreß, alle diese Begrifffe, die teilweise verwirklicht von der gesamten Zionistischen Organisation oder angenommen worden sind, dienen nur als verschiedene Ausdrucksformen des einen hauptsäeh- Ikhem Strebens: Steigerung des Tempos zionistischer Verwirklichung und damit gleichzeitig Erneuerung der Bewegung. Möglich, daß infolge der übertriebenen Tendenz zur ״Wirtschaftlicnkert" — die herrschende Idee der augenblicklichen Periode in Erez-Israel — auch in der Arbeiterschaft mehr jene Forderungen hervorgehoben wurden, denen ein konkretes wirtschaftliches Werk zugrunde liegt, und demgegenüber die ideeilen und erzieherischen Werte zurückgedrängt wurden. Es ist zweifellos, daß alle diese Werte, die gebunden sind an den Gedanken der sozialen Vollkommenheit der zionistischen Verwirklichung, der die Arbeiterschaft beherrscht und auch ihre wirtschaftlichen Forderungen beseelt, nicht losgelöst als besondere Forderung eines Teiles oder Standes der zionistischen Bewegung bestehen, sondern daß sie auch im Wesen des Zionismus begründet sind. Jeder, der den Charakter und das Streben der Arbeiterbewegung im Lande kennt, weiß, daß auch die Forderungen auf Autonomie in Wirtschaft und Erziehung nicht auf dem Willen nach Absonderung und Schutz eigener Interessen beruht, sondern auf dem Streben, die Steigerung der freien selbständigen AtflKÄphire vö« wirlScWäftund Erziehunk im ganzen Lande und der ganzen Bevölkerung herbeizuführen. Die palästinensische Arbeiterbewegung in ihrer Mehrheit sieht im Zionismus den Gedanken eines Aufbaues von jüdischem Staat, jüdischer Wirtschaft und Gesellschaft als letzte Synthese aller möglichen Einflüsse und Bewegungen von innen und außen, von Volk und Menschheit. Jeder Sozialist unserer Zeit weiß, daß die Verwirklichung des Sozialismus nicht im leeren Raum vor sich geht, sondern im Rahmen konkreter historischer Bedingungen von Volk und Land. Jüdischen, palästinensischen Sozialismus, d. 11. realen Sozialismus, als Gegensatz zu irgendeinem zionistischen Instrument zu denken, wäre absurd. ״Zionismus“ heißt bei uns, was bei anderen: Staat, Regierung und Wirtschaft. Sozialismus heißt bei uns nichts anderes wie vollkommener Zionismus, sowie etwa vollkommene Gesellschafts- und Regierungsformen in Deutschland. Die Arbeitsbewegung und die zionistische Jugend, die dje Erziehung[ des jüdischen Menschen zur Arbeit, zu zionistischer Verwirklichung und zur Errichtung planmäßiger sozialistischer Wirtschaft in der aufzubauenden Gesellschaft anstrebt: dies ist heute der vollkommenste und konsequenteste Zionismus, der die vollkommenste Lösung der Judenfrage in Erfz-Israel will. Wenn diese Bewegung jetzt durch den Arbeitskongreß ihre Peripherie vergrößern und ihre Kraft verstärken will durch Heranziehung neuer Kräfte aus den Reihen der Jugend der Arbeiter und der Intellektuellen, so ist dieses Streben vor allem Hereinziehung dieser neuen Kräfte in den Zionismus. Es scheint uns, daß aus der ge* ringen bisherigen Erfahrung schon festzustellen ist: Ein nichtzionistischer Sozialist, der dies bleiben will, wird dem Aufbau von Erez-Israel in keiner Organisierungsform von großem Nutzen sein. Dies heißt keinesfalls, daß man sich nicht an nichtzionistische Sozialisten oder Intellektuelle wenden soll, im Gegenteil: Hier ist die Front des Kampfes und der Arbeit. Jedoch gilt es, keineswegs das hauptsächliche Ziel zu verstecken oder zu vertuschen. Wenn dies der Geist der Bewegung ist, dann darf nicht die Propaganda für die Liga so geführt werden, wie es viele tun, indem man sagt, daß sich jetzt die kapitalistische Bourgeoisie organisiere und daher auch wir uns zum Kampfe gegen sie organisieren müssen. wenn auch die Agency in der Lage ist, in der ersten Periode (wir nehmen an, nur in der ersten Periode) die reaktionären Tendenzen in der Zionistischen Bewegung zu stärken, so hört doch der Zionismus in seiner Ganzheit und seinen Grundlagen nie auf, für uns die volkstümlichste und proletarischste!Bewegung• aller Bewegungen der Heutigen Menschheit zu bleiben, die Bewegung, die bestrebt ist, Arbeit und Boden den Arbeitslosen und Entwurzelten zu geben. Die ganzen überstürzten Prognosen einer neuen kapitalistischen Epoche im Zionismus und einer Mobilisierung der Bourgeoisie stehen nicht im Einklang mit der Würde der Idee und des Strebens der Arbeiterbewegung in Erez-Israel und die Propaganda in diesem Geiste kann mehr Schaden stiften als Nutzen bringen. Der Kampf gegen die reaktionären Kräfte im Zionismus sowohl gegen das ausbeutende Kapital wie gegen den chauvinistischen Revisionismus sind die ständige Aufgabe der Arbeiterbewegung, die von Fall zu Fall in verstärktem Maße zu erfüllen ist; aber nicht allein hierzu werden neue In* strumente geschaffen und nicht hierin kann der propagandistisehe erzieherische Inhalt des Zionismus bestehen, besonders gegenüber der Jugend, der die Gefahr einer fiktiven Radikalsterung auch ohnedies in hohem Maße droht Die Losung des jüdischen Arbeiterkongresses ist «ine positive Losung von tcrung durch die Kraft des Jüdischen sozialistischen Gedankens und Werkes. Ohne ein solches Ziel zweifle Ich, ob pian überhaupt den Kongreß-Plan gebraucht ■hätte.

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