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Jüdische Rundschau · 1929-06-28 · Heft 50 (28.6.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 50 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 318 JUED1SCHE RUNDSCHAÖ Nr. 50, 28. VI. 1029 Man wird aber das Bewußtsein haben, sich in den Dienst einer großen Idee gestellt zu haben und Mensehen das Leben wieder lobenswert zu machen, die bisher mißachtet, getreten wurden. Nichts darf geschehen, was den Enthusiasmus der Pioniere, der Kolonisatoren, mindert. Enthusiasmus und wirtschaftliche Einsicht gepaart, müssen auf der einen Seite, Hilfsbereitschaft mit Anerkennung des Enthusiasmus aut der anderen Seite helfen, Wirtschaftliehe Schwierigkeiten zu überwinden. Es darf nicht hemmungslos fortgeschritten werden, es darf aber auch nicht das Materialistische jetzt das Ausschlaggebende sein. Es muß eine Synthese gefunden werden zwischen den jüdischen Kolonisatoren und denjenigen Juden, die sich finanziel! beteiligen sollen; aus den Stadtinenschen wurden Bauern, aus den Kapitalisten müssen fürsorgende, mit ihrer Erfahrung helfende, nicht das Erträgnis von heute auf morgen erwartende Geldgeber werden. Es muß eine Kooperation werden, nicht in der Art, daß man einen Blankokredit verlangt und von den Geldgebern noch Dank dafür erwartet, daß sie das Geld los werden, sondern es muß eine weit ausschauende Kolonisationspolitik von den Geldgebern und den im Lande Arbeitenden gemeinsam betrieben werden unter Beobachtung auch der Erfahrungen, die in anderen Kolonien gemacht wurden. Das Endziel muß sein, ein gesundes Unternehmen ins Leben zu rufen, in dem, wenn auch erst für spätere Zeit, aber schließlich doch, wirtschaftliche Werte geschaffen werden, die einer großen Idee dienen und einen wirtschaftlichen Dauerwert mit eigenen entsprechenden Erträgnissen haben. Unter diesen Voraussetzungen erscheint die Agrarfrage lösbar und eine größere Einwanderung möglich. Wenn England als Mandatarstaat seine Aufgabe richtig erfassen, nicht eine ״divide ct impera“-P01itik zwischen Arabern lind Juden verfolgen wird, aber auch nicht von den klaren Abmachungen abweicht, — indem es etwa, wie in manchen Kreisen propagiert wird, aus dem Mandatarstaat einen Dominion-Staat machen ־will, — wenn auf der anderen Seite die Juden der Balfour-Deklaration und deren Auslegung gewisseniiaft nachleben werden, so kann man zur starken Entwickiung des Jüdischen Nationalheims in Palästina in der heutigen Staatsform Vertrauen haben, und ich hoffe, daß auf der heutlgen Basis alle Beteiligten für lange Zeit arbeiten werden, indem man es der Zukunft, der Selbstentwicklung überläßt, welche neuen Staatsformen sich vielleicht einmal herausbliden werden. Die Zionisten haben häufig die Juden, die ihr Vaterland nicht verlassen wollten und auch sonst manche Bedenken gegen die eingeschlagene zionistische Politik hatten, verächtlich als ״Assimüanten“ bezeichnet. Trotz aller Anfeindungen, die wir Juden in unserem Vaterlande von den Antisemiten erleiden, darf man nie versuchen, in uns die Selbstachtung und die Liebe zu unserem Vaterlande zu mindern. Wir dürfen nie erlahmen im Kampf gegen den Antisemitismus und dürfen und müssen glauben, aaß diese die Welt verpestenden Irrlehren, die nur dazu dienen, den wahren Grund vorhandener Widersprüche zu verschleiern, wieder verschwinden. Wir alle dienen der Entwicklung der Erde, insbesondere des Landes, in dem vrir leben, dessen Kultur und Geschichte die unserige ist. Sprachgemeinschaft, Schicksalsgemeinschaft, aufopfernde Hingabe an unser Vaterland schließen die dem Vaterlande Angehörenden zu Kampfgenossen zusammen und sollten sie zu Kameraden machen. Je verschiedener die Kampfgenossen sind, desto verschiedener sollten auch die Ergänzungsmöglichleiten sein. Schön ist es, und vor allem leichter, in ganz gleichartigem Kreise zu leben und zu wirken, schwerer und reizvoller für viele jedoch, in einem Lande zu wirken, in dem sich die Verschiedenartigkeit der Anlagen betätigen kann. Die Abstammung und der Glaube dürfen deswegen nicht geleugnet werden; sie sollen stoiz erhalten und zur Schau getragen werden, denn die Endleistung des Vaterlandes wird auch durch ihre Mitwirkung erhöht, und in diesem Dienste sich ganz auszuwirken, gibt nächste Befriedigung und Glück. Für den, der das Vaterland liebt, gibt es nur die Frage: Was nützt meinem Lande?, nicht: wie habe ich es in meinem Lande am besten? Aber auch der, der aus Ueberzeugung und Liebe in seinem Vateriande lebt, kann und muß den Bestrebungen seiner Stammes- und Glaubensgenossen nicht gleichgültig gegenüberstehen. Das Palästina-Werk ist von mutigen Pionieren begönnen, kamt vielen Unglücklichen Glück bringen und ein Ursprungsland werden für viel Neues, Lebenswertes, für die Juden Ehrendes. Das Werk ist begönnen, die Zelt ist günstig. England hat ein Interesse daran, in der Nähe des Suezkanals einen freundschaftlich gesinnten Mandatarstaat zu verwalten; der in den verschiedensten Ländern in rohester Weise wütende Antisemitismus treibt viele Juden ins heilige Land. Dabei ist es gleichgültig, wie der Antisemitismus sich äußert, er verletzt in jeder Form. Ob die Juden in Pogromen getötet werden, ob sie von Schulen, Universitäten und Aemtern ausgeschlossen werden, die Form ist gleich; verständlich ist, wenn viele solchen Ländern den Rücken kehren. Dazu kommt der Abschluß Amerikas gegen neue starke Einwanderung, dazu das Weltfiasko, das nicht nur zum Weltkrieg führte, sondern die ganze Ohnmacht der jetzigen Weltführung erst zeigt in dem Kampf um den Weltfrieden nach dem Kriege. Die deutschen Juden sollten daher unter voller AufrechteThaltung ihres Deutschtums es sich zur Ehre anrechnen, in die Agency sechs Delegierte und zwölf * Ersatzmänner, zu deren Ernennung sie aufgefordert sind, zu entsenden. Sie helfen an einem heroischen Versuche, ohne im geringsten ihrem Deutschtum Schaden zuzufügen. Nachdem die Juden der ganzen Welt in dieser Agency <׳e!־treten sein werden, ist es für uns Deutsche von großer Bedeutung, auch Vertreter in ihr zu haben. Der Einfluß der deutschen Juden bei dem früheren Hilfswerk in Palästina war immer ein außerordentlich großer. Das Technikum ist zum großen Teile von deutscher Seite aus gefördert worden. Die Biram-Schule, viele der Wohitätigkeitsanstalten, verdanken ihren Ursprung Deutschland. Viele Gedanken, die heute in Palästina wirken, sind der Sehnsucht deutscher Juden ent- Sprüngen. Es wäre vom historischen Standpunkt ein nicht zu rechtfertigender Fehler, wenn von deutscher Seite in die Agency keine Vertreter entsandt würden. Deutschland und Palästina sind die reichsten Länder, die reichsten Länder nämlich an Problemen, wobei ich Deutschlands Reichtum in dieser Beziehung für noch größer halte, als den Palästinas. Die Deutschen, die in den letzten Jahren gewohnt sind, unter schwerem Drucke, unter schwierigen Verhältnissen zu arbeiten, werden am besten das problemreiche Palästina verstellen und a!1 seiner Entwicklung mithelfen können. Unsere Aufgabe in einer so komplizierten Zeit ist, eine einfache Formel zu finden; wir müssen in die Agency eintreten, um mit Rat und Tat zu helfen. Wir müssen dm Einigende In den Vordergrund rücken, uns nicht an Reden begeistern, sondern still und gründlich arbeiten. Es wird für die nächsten Jahre vielleicht eine weniger gerluschvolle, aber dafür wertvollere Arbeit sein. Wir müssen vor allem Land erwerben, vieles, was in Palästina heute noch nicht organisch zusammengefaßt ist, zusammenfassen, damit auf demselben Gebiete nicht so viel nebeneinander gearbeitet wird. Auch dort gilt das, was sich heute überall im Wirtschafts• leben durchsetzt: Zusammenfassen vieler Gebilde, die auf gleichem Gebiete arbeiten, um durch Zusammenarbeit ein besseres Ergebnis zu erzielen. In Palästina, wo das Jüdische Nationalheim unter Rücksichtnahme auf die heiligen Stätten und die übrigen in Palästina lebenden Stämme und Fremden geschaffen wurde, könnte ich mir auch die Schaffung eines allen Religionen gemeinsamen Friedensgedankens vorstellen, so daß das Wort ״Pax vobiscum“ einen wahren Wirküchkeitswert wiedererhält Dieser Frieden hat unter uns Juden zu beginnen. Mögen wir in vielem verschiedener Ansicht sein una ehrlich für diese kämpfen, die Grundempfindung muß Liebe, die Grundauffassung gegenseitige Achtung sein. Wir müssen als Realpolitiker gemeinsam an der Entwicklung von Frez-Jisroel arbeiten, in dem uns unsere historischen Rechte zuerkannt sind. in ehrlicher schwerer Arbeit müssen wir durch friedliehe Durchdringung, durch eine penetration pacifique, dieses Recht festigen. Es ist nicht wahr, daß ein Jude nur entweder dem Vateriande oder Palästina dienen kann; wie die Liebe zum Vater und zur Mutter verschiedenartig ist, ist die Liebe zum Vaterlande uneingeschränkt, wenn auch daneben die Liebe zur Mutter eine tiefe ist. ln diesem Sinne: Schalom! (Lebhafter Beifall). Vorsitzender Wassermann: Sie haben schon durch Ihren Beifall Herrn Warburg ihren Dank zum Ausdruck gebracht. Auch ich sage namens des Keren Hajessod unserem bisherigen Feinde Max Warburg unseren herzlichsten Dank (Heiterkeit und lebhafter Beifall). Der Vorsitzende verliest sodann die eingelaufenen Begrüßungen und zwar einen Brief von Dr. Weizmann, Telegramme von Louis Marshail und Felix Warburg und einen Brief von Einstein. Welzmanns BegrBßnngsschreiben Von Dr. Weizmann, dem Präsidenten der Zionistischen Organisation, ist an Direktor Wassermann folgendes Schreiben eingetroffen: Sehr geehrter Herr Präsident! Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, die Konferenz des Initiativkomitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland, die unter ihrem Vorsitz in Berlin Zusammentritt, auf das herzlichste zu begrüßeri. Ich bin überzeugt, daß diese Konferenz den besten Weg finden wird, um bereits für die Gründungsversammlung der erweiterten Jewish Agency am 11. August in Zürich eine Vertretung des deutschen Judentums zu sichern. Die Zionistische Exekutive, die vor fünf Jahren die Initiative zur Erweiterung der in Artikel 4 des Palästina-Mandats völkerrechtlich geschaffenen Jewish Agency ergriffen und in dieser Zeit in vielen Ländern mit verschiedenen jüdischen Gruppen Verhandlungen geführt hat, legte stets den größten Wert darauf, daß gerade das deutsche Judentum, das eine große und stolze Tradition und einen maßgebenden Einfluß innerhalb der Gesamtjudenheit besitzt, in würdiger Weise in der Agency repräsentiert ist. Meine Kollegen und ich wissen es daher als bedeutungsvolles Ereignis zu schätzen, daß es Ihren Bemühungen gelungen ist, die iilustre Versammlung zusammenzurufen, die nunmehr die Realisierung dieser Pläne in Angriff nehmen soll. Es ist vielleicht erlaubt, heute daran zu erinnern, daß auch der Zionistischen Organisation ein Teil des Verdienstes an diesem Ergebnis zufällt. Ich ineine damit vor allem unsere zionistischen Freunde in Deutschland, die in voller Loyalität und mit unermüdlichem Eifer bestrebt waren, die Erweiterung des Kreises der tätigen und mitverantwortlichen Palästina- Freunde zu vergrößern. Die Führer des deutschen Zionismus haben verstanden, daß eine ehrliche und aufrichtige Kooperation zwischen Zionisten und Nichtzionisten im Interesse des Aufbaus der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina moglieh ist, ohne daß ein Teil ein Opfer der Gesinnung oder Weltanschauung bringt, ln dem Respekt vor der gegenseitigen Ueberzeugung sehen wir die stärkste Garantie für die Möglichkeit eines reibungslosen Zusammenarbeitens. Wir Zionisten wissen auch, daß unsere Verantwortung für das Palästina-Werk durch die Erweiterung der Jewish Agency nicht vermindert wird. Das jüdische Aufbauwerk in Palästina steht bereits auf fester Grundlage. Nach einer vorübergehenden Stockung ist heute ein neuer allgemeiner Aufschwung des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens im Lande festzustellen. Palästina, an einem Brennpunkte des Weltverkehrs gelegen, beginnt die Aufmerksamkeit wirtschaftlicher Mächte auf sich zu lenken. Die Entwicklung geht rapide vor sich, und wir, die wir Palästina zum Einwanderungsland für möglichst viele Juden machen wollen, müssen alle urisere Kräfte aufbieten, um nicht zurückzubleiben. Die Arbeit ist aber erfolgverheißend, und der Bericht der Joint Palestine Survey Commission, der auch von Ihnen, Herr Präsident, unterzeichnet war, gibt auf Grund der eingehenden Gutachten erstrangiger Experten große Perspektiven für die Möglichkeiten einer Ausdehnung unseres Werkes. Das jüdische Leben in Palästina mit seinem freien Bauerntum, der jüdischen Arbeit in Landwirtschaft und Industrie, der hebräischen Er- Ziehung und der Eigenart seiner kulturellen Formen stellt schon heute einen Wert für das gesamte Judentum dar. Es ist eine Ehrensache für den jüdischen Namen, immer weitere Kreise, Juden und Nichtjuden, werden durch die Realität Palästinas für unsere Sache gewonnen, und wir hoffen, daß auch die Juden, die heute noch eine Zusammenarbeit für Palästina ablehnen, durch die Macht der Tatsachen allmählich überwältigt werden. Wir Zionisten, die seit Jahrzehnten ein verantwortliches Werk geführt haben, heißen aufrichtig und rückhaltlos alle willkommen, die in Zukunft mit uns arbeiten wollen. Herr Präsident, Sie werden gewiß bei Ihrer Konferenz Referate über die Verfassung und den Aufgabenkreis der Agency hören. Ich kann mir daher versagen, auf diese Fragen hier einzugehen. Der Zweck dieses Briefes ist lediglich, Ihre Konferenz zu begrüßen und der freudigen Erwartung Ausdruck zu geben, daß wir in Zürich auch die Delegierten des deutschen Judentums empfangen können. Ich hatte Tn den letzten Jahren öfter Gelegenheit, mit deutschen Juden zusammen zu arbeiten; Sie selbst, Herr Präsident, waren ja ein wertvolles und hilfreiches Mitglied unserer Survey Commission; und erst in den letzten Monaten hatte ich die Möglichkeit, in Palästina außer mit Vertretern der amerikanischen Judenheit auch mit prominenten Persönlichkeiten des deutschen Judentums unsere Probieme durchzuberaten, und ich kann wohl sagen, daß die Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben, gute gewesen sind. Innerhalb der erweiterten Jewish Agency werden die deutschen tuden stets den Platz einnehmen, der ihnen kraft ihrer Bedeuing zukomart. Möge ihre Konferenz einen guten und harmonischen Verlauf nehmen und beitragen zum Gelingen der Jewish Agency- Idee, der Idee einer Zusammenfassung der jüdischen Kräfte für den Aufbau der Nationalen Jüdischen Heimstätte in Palästina. Auf Wiedersehen in Zürich! Mit herzlichen Grüße!» Ihr ergebener Ch. Weizmann. T elegramme der Herren Louis Mars hall und Felix Warburg, der Führer der amerikanischen Judenheit, die die größten Verdienste um das Zustandekommen der erweiterten jewish Agency haben. Telegramm von Louis Marshall (in deutscher Uebersetzung): ״Es ist außerordentlich wichtig, daß die deutschen Nichtzionisten sich der Agency anschließen. Für die Juden ist die Zeit gekommen, eine einheitliche Front zu bilden und alle kleinlichen Streitigkeiten zu vermeiden. Ich sende der Konferenz die herzlichsten Grüße und wünsche ihr den besten Verlauf.“ Telegramm des Herrn FelixWarburg (Uebersetzung): ״Ich bin hocherfreut, daß Sie das Präsidium bei dieser Konferenz führen, die die in unserem Kommissionsbericht gcmachten Vorschläge der Verwirklichung näher bringen Wird. Ich hoffe, daß die besten Ihrer Mitbürger bereit sein werden, die deutsche Gruppe in der Agency zu vertreten, und freue mich, die deutschen Vertreter in Zürich zu sehen. Beste Wünsehe und herzliche Grüße.“ Schreiben von Prof. Einstein: ״Sehr geehrte Herren und liebe Freunde! Leider kann ich bei Eurer ebenso erfreulichen wie wichtigen Zusammenkunft nicht anwesend sein, ich sende Euch herzliche Wünsche für das Gedeihen des gemeinsamen Palästina-Werkes. Die Judenheit hat dem Zionismus viel zu verdanken, in erster Linie aber ein neues Aufblühen des Gefühles für Würde und Gemeinschaft bei dem ganzen jüdischen Volke. Langsam ist in diesem das Bewußtsein von der Dankesschuld gewachsen, die es HerzI und seiner ergebenen Schar abzutragen hat, die das Erste und Schwerste an dem Werke getan hat. Heute ist es soweit, daß sich alle Juden zu der gemeinsamen Aufgabe bekennen. Mögen sie durch ihre Leistungen beweisen, daß im Judentum der Welt genug moralische Kraft und Hingabe zur Vollendung des großen Gemeinschaftswerkes vorhanden ist. Wenn ihr ernsthaft wollet, so wird es sein.“ A. Einstein. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung Beschlußfassung über die Resolutionen, erteilt der Vorsitzende dem Referenten Alfred Lisser das Wort. Alfred lisser: Wir sind heute hier zusammengekommen, um das deutsche Judentum einzufügen in die große Weltorganisation, die den Aufbau und die Entwicklung Palästinas, als der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk mit vereinten Kräften fördern will. Es muß jeden Juden mit hoher Freude erfüllen, daß die Kräfte der Gesamtjudenheit in immer steigendem Maße diesem Werk zugewandt sind, daß für alle — auch die Gegner und die noch abseits Stehenden — Palästina das zentrale Problem des Judentums ist, mit dem sie sich auseinanderzusetzen haben. Wir, die im Keren Hajessod seit einer Reihe von Jahren mit den Zionisten zusammen gearbeitet haben, freuen uns sagen zu können, daß diese gemeinsame Arbeit allen zur Freude gereichte, daß das gemeinsame Ziel uns enger aneinander schloß und über alle weltanschaulichen und politisehen Differenzen hinaus Freundschaft und vertrauen geschaffen hat. Niemand bedauert es mehr als das Präsidium des Keren Hajessod, daß es keine legitimierte Gesamtvertretung des deutschen Judentums gibt, die die berufene Stelle wäre, Vertreter in die Jewish Agency zu entsenden. Der ״Reichsverband der deutschen Juden“ existiert noch nicht, und so werden wir einen anderen Weg gehen müssen, um den weiten Kreisen des deutschen Judentums, die dem Palästina-Gedanken ihr Interesse zuwenden, Gelegenheit zu geben, in der richtigen Form an der Wahl ihrer Vertreter zur Jewish Agency teilzunehmen. Zum nachstmöglichen Zeitpunkt werden wir eine Palästina- Konferenz aller deutschen Juden einberufen, die in Anerkennung des Palästina-Mandats und der Balfour-Deklaration bereit sind, an der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte mitzuarbeiten. Wir hoffen, aäß diese Konferenz in naher Zukunft stattfinden wird, wir hoffen, daß bis dahin der Kreis unserer Freunde noch größer geworden ist, daß viele wertvolle Mensehen, deren bewußtes Judentum nicht anzuzweifeln ist, sich freimachen von Ressentiments und Bedenken kleiner Art und erkennen, daß es unsere, unser aller Sache ist, die auf dem uns allen heiligere Boden verhandelt wird. Lord Melchett hatte recht, als er bei der historischen Gründungsversammlung der Jewish Agency in New York sagte, daß in den Augen der nichtjüdischen Welt der Erfolg Palästinas allen Juden zum Stolz, ein Mißerfolg uns allen zur Schande gereiche. Die Juden der freien Republik jenseits des Meeres haben mit Begeisterung der Agency zugestimmt, sie besitzen nicht nur die äußere, sondern auch die innere Freiheit, um unbefangen in jüdischen Fragen Stellung zu nehmen. Auch die amerikanischen Juden können von Judenfeindschaft und antisemitischer Propaganda erzählen, aber sie haben die Nerven behalten und orientieren ihr Handeln nicht nach den Gegnern, sondern nach ihren jüdischen Interessen. Vielleicht liegt es daran, daß wir eine so viel längere Leidenszeit in Deutschland haben, daß so viele Juden unsicher und unfrei geworden sind, sobald jüdische Fragen an sie herantreten. Mein verehrter Freund Dr. Baeck hat an anderer Stelle einmal darauf hingewiesen, daß jetzt, wo im neuen Staat unsere äußere Freiheit nicht mehr gefährdet sei, wir unsere innere Freiheit zu bewähren haben. Dem, der sie besitzt, sollte es ein leichtes sein, die zwingende Verpflichtung anzuerkennen, die Palästina von ihm fordert. Erez-Israel ist eine Realität, wir haben nicht mehr zu fragen, ob es sein wird, es ist da, cs lebt, unser Blut pulst in seinen Adern, unsere Augen sind es, die hierher sehen und in unserer alten Sprache, die aus einer sakralen, dem Leben entfremdeten Sprache — o größtes aller Wunder — zu einer lebenden geworden ist, tönt es zu uns: ich suche meine Brüder! Es gibt nur eine Antwort hierauf, das schlichte הנני, hier bin ich. Meine Herren! Ich brauche hier keine Propagandarede zu halten und bin in den alten Fehler verfallen, zu denen sprechenzu »voll en,dienicht hiersind. Ich kehre zu meinem Referat zurück. Der Council der J e w i s h Agency ist auf den 11. AugustnachZürich einberufen. Die deutsche Judenheit muß auf ihm vertreten sei®, i® würdiget Form mit!den richtigen Mänaera,

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