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Jüdische Rundschau · 1929-06-28 · Heft 50 (28.6.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 50 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 28. VI. 1929 I Seite 310 ihrer ganzen Person für eine Idee einstehen und in dieser unbedingten Treue zu ihrem eigenen Weg trotz allen Schwierigkeiten Realitäten schaffen, die Eigenleben und Bestand haben. Erez-Israel vermag es, Menschen zu hekehren. Die Versammlung hat auch bewiesen, daß die von den zionistischen Führern in Deutschland seit Jahren unter großen Widerständen verfolgte Richtung, das Prinzip einer loyalen Bündnispolitik zwischen Zionisten und Nichtzionisten im Interesse konkreter Zusammenarbeit, unabhängig von den Differenzen der Gesinnung und der Auffassung des gesamten Judenproblems, sich bewährt hat. Was schon durch die Gründung des neutralen Keren 11ajossod begonnen wurde, hat in den Vorbereitungen für die Erweiterung der Agency eine weitere Bestätigung erfahren. Es ist ein Erfolg, in dem wir Befriedigung und Erinutigung finden dürfen. Die Agency-Konferenz ist im wesentlichen eine Vor- Sammlung von Nichtzionisten. Die Ansprachen des Abends waren Kundgebungen nichtzionislischer Persönlichkeiten, die ihre Anschauungen vortrugen. Umso erfreulicher ist es, daß besonders in den praktischen Ergebnissen, zu denen diese Redner gelangen, kaum wesentliche Unterschiede zu der zionistischen Auffassung vorliegen. In der gesinnungsmäßigen Grundlegung, in der Charakteristik des Zieles, in verschiedenen Einzelheiten sind natürlich Unterschiede vorhanden; wäre dies nicht der Fall, dann brauchte man nicht von der Kooperation zweier Gruppen zu sprechen. Der Agency-Gedanke ist darauf aufgebaut, daß innerhalb der Agency die Anschauungen jedes Teiles respektiert werden und in der praktischen Arbeit die größtmögliche Einigkeit angestrebt wird. Bekanntlich sind nicht alle Gruppen des deutschem Judentums im Initiativkomitee vertreten. Der Ceotralverein und die Liberale Vereinigung haben die Beteiligung abgelehnt. Dennoch sind führende Mitglieder beider Organisationen in das Komitee eingetreten, und es ist erwähnenswert, daß nicht weniger als 15 Mitglieder des IlauptYorstandas des G.-V. dem Agency- Komitee an gehören. Die G.-V.-Jugend war auf der Ver- Sammlung nicht nur vertreten, sondern hat sogar durch aktive Teilnahme an den Verhandlungen ihr starkes Interesse erkennen lassen. Gegen die Fern gebliebenen wurden keine Anklagen laut, aber mehrere Redner gaben der Zuversicht Ausdruck, daß im Zuge der begonnenen Entwicklung auch die heute noch Widerstrebenden von der Sache Palästinas ergriffen werden. Die Wahl der nichtzionistischen Vertreter erwies sich als ziemlich schwierig, weil die Zahl der Kandidaten größer war als die Zahl der zu besetzenden Stellen. Das wählende Gremium umfaßte verschiedene Richtungen und Schichten, und es wurden Ansprüche angemeldet, die nicht alle befriedigt werden kannten. Besonders wird man bedauern, daß die Bemühungen der Jugend, einen ihrer Ee- Käsentanten unter den Ha iptdelegierten zu haben, erfolgj sind. Doch erhielten die Jugendverbänae. uwf es'ist zu hoffen, daß auch'dadurch ihre aktive Mitarbeit innerhalb der Agency ermöglicht wird»!Vota allen Einschränkungen gelang es aber der Wahlkommission, deren Vorsitzender Max Warburg war, nicht, eine Liste zur Besetzung der Deutschland zugebilligten sechs Sitze zustande zu bringen. Nach langen Beratungen fand die Kommission keinen anderen Ausweg, als an Stelle von sechs Kandidaten sieben vorzusehlagen in der Hoffnung, daß der Council dem deutschen Judentum sieben Vertreter zubilligen wird. Sollte dies wider Erwarten nicht der Fall sein, dann müßte einer der Delegierten zurücktreten. Wenn das deutsche Judentum durch das Ausmaß seiner moralischen und materiellen Unter- Stützung des Palästina-Werkes sein erhöhtes Interesse an der Sache bekunden wird, dann wird es sich zweifellos auch das Recht erwerben, mehr Repräsentanten in die leitenden Organe zu entsenden, als ursprünglich vorgesehen. Die gewählten Delegierten sind wenigstens zum Teil bereite als eifrige Förderer des Palästina-Werkes bekannt. Daß Direktor Wassermann und Dr. Baeck in der deutschen Delegation der Agency nicht fehlen dürfen, war von vornherein klar. Besonders freudig wird man auch die Wahl von Dr. Kahn begrüßen, der bereits dem Präsidium des Keren Hajessod angehört und bei seiner letzten Palästina-Reise seine herzlichen Beziehungen zum jüdisehen Aufbauwerk enger geknüpft hat. Dr. Kahn ist nicht nur als europäischer Direktor des Joint mit den amerikanischen Agency-Partnem in Fühlung, sondern er ist auch als Repräsentant der Kreise des Hilfsvereins der deutschen Juden anzusehen, dessen leitender Sekretär er viele .Jphro war. Von Wichtigkeit ist auch die Tatsache, daß zwei deutsche Großgemeinden durch repräsentative Persönlichkeilen in der Agency vertreten sind: Berlin durch den früheren Vorsitzenden Kommerzialrat Gerson Simon und Frankfurt durch Justizrat Blau, der auch als langjähriges Mitglied des Verwaltungsrats der ICA Erfahrung in Angelegenheiten des Weltjudentums besitzt. Schließlieh wurden noch zwei wichtige weltanschauliche Sonder- Strömungen bei der Zusammensetzung der Delegation berücksichtigt: in Rabbiner Unna hat das konservative deutsche Judentum gewiß einen überaus würdigen Vertreter, und in Stadtkämmerer Asch gewinnt die Agency nicht nur einen neuen Mann sozialistischer Richtung, sondem auch einen Mitarbeiter von anerkannter Wirtschaft«- politischer Begabung. Infolge der langen Dauer der Kommissionsberatung konnten wegen der fortgeschrittenen Zeit die zionistischen Begrüßungsreden von Blumenfeld und Kisch nur in ganz verkürzter Form gehalten werden. Es kam aber darin zum Ausdruck, daß die Zionistische Organisation die neuen Partner aus Deutschland herzlich begrüßt, und daß sie von dem engen Zusammenarbeiten beider Teile bedeutende Fortschritte der nun gemeinsamen Palästina-Sache und tönen Segen für die Zukunft des Judentums erwartet. Der Verlauf des Abends Wassermanns ErSflnungs-Rede Meine Damen und Herren! Der Aufbau von Erez-Israel als Aufgabe der gesamten Judenheit wird seit langen Jahren in allen Kreisen diskutiert, denen es ernst ist um jüdische Zukunft und um das Forschen nach dem Sinn des Judentums. Die gesamte Vergangenheit des jüdischen Volkes ist von dem Gedanken der Rückkehr nach Zion erfüllt. Es gibt keinen Festtag, cs gibt kein Gebet, in dem nicht die Erfüllung jüdischer Sehnsucht, die Hoffnung auf die Erneuerung unserer Tage mit Zion und Erez-Israel verbunden ist. Wir sind gewürdigt worden, in einer Zeit zu leben, ln der diese uralte, allen Juden gemeinsame Sehnsucht konkrete Gestalt annimmt. Die Anfänge der Kolonisation Palästinas liegen fast 50 Jahre zurück. Schon vor dem Kriege gab es ein höchst beachtliches Siedlungswerk, schon damals war in Palästina die hebräische Sprache zu neuem Leben erblüht; aber für die allgemeine jüdische Welt ist das Problem der Mitarbeit am Palästinaaufbau erst seit den Tagen der Balfour-Deklaration zu einer Angelegenheit von unmittelbarer Bedeutung geworden. Dem Präsidenten der Zionistischen Organisation, Herrn Dr. Weizmann, meinem verehrten Freunde, und seinen Mitarbeifern ist es nicht leicht geworden, die Judenheiten der Welt von der Notwendigkeit einer organisierten Kooperation mit den Zionisten zu überzeugen. Das jüdische Palästina machte schwere Jahre durch, entwickelte sich trotzdem in überraschender und wunderbarer Weise, aber die Judenheiten standen der direkten Teilnähme am Palästinaaufbau betrachtend und abwartend gegenüber. Die feinsten Früchte bedürfen einer langsamen Reife, und so war es vielleicht gut, daß man jahrelang Zeit hatte, den j Wert und den Sinn der geplanten Jüdischen Nationalen Heim- ן Stätte in Palästina zu durchdenken. Als Vorform des Werkes, das wir heute zu vollenden hoffen, wurde im Jahre 1920 auf der zionistischen Jahreskonferenz in London der Keren Hajessod geschaffen. In unermüdlicher Arbeit gelang es, außerhalb der Zionistischen Organisation stehende Juden dem Keren Hajessod einzufügen, und in diesen Jahren gemeinsamer Keren Hajessod-Tätigkeit hatten wir Gelegenheit, die Möglichkeiten eines Bündnisses zwischen Zionisten und Nichtzionisten zu erproben. In allen Ländern blicken wir jetzt auf 10jährige Erfahrungen zurück und siehe, überall ist es gut gegangen. Ueberall ist das gegenseitige Vertrauen von Jahr zu Jahr gewachsen. Man hat sich in der Arbeit verständigt, ist sich menschlich näher getreten uiid kommt in den gemeinsamen Sitzungen nicht mehr auf den Gedanken einer itio in partes. Die Grundlage unserer Palästinaarbeit ist das Palästinamandat, in dessen Präambel die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina festgestellt ist und dessen Artikel 4 den Weg für die Verwirklichung der Balfour-Deklaration weist. In diesem Artikel 4 wird als Vertretung der Judenheit für den Palästinaaufbau eine Jewish Agency eingesetzt. Diese Jewish Agency war bis jetzt die Zionistische Organisation allein. Im Artikel 4 des Mandats wird jedoch schon mit der Möglichkeit der Erweiterung der Jewish Agency durch Hinzutritt «derer jüdischer Kreise gepsehnet, und in Ausführung dieser Bestimmungen hat man Im Laufe der letzten Jahre die organisatorischen Voraussetzungen für ein echtes Zusammenarbeiten zwischen Zionisten und Nichtzionisten geschaffen. Die wichtigsten Bestimmungen dieser neuen Organisationsform sind Ihnen bekannt. Ich will hier nur auf folgende Grundlagen der Zusammenarbeit hinweisen: Das Gleichgewicht der Kräfte ist durch das sogenannte ״fifty-fifty-Prinzip“ gesichert. Spezialbestimmungen sorgen für die Durchführung dieses Prinzips. Die Organe der Jewish Agency sind: 1. Der Council, 2. Das Administrative Committee, 3. Die Exekutive. Der Counci 1 ist die oberste leitende Körperschaft der Agency und wird voraussichtlich aus 220 Mitgliedern bestehen. Von diesen werden 110 vom zionistischen Kongreß gewählt und 110 von den Judenheiten der einzelnen Länder. Von diesen 110 entfallen auf Amerika mit seinen heute nahezu 41/2 Millionen jüdischen Bewohnern 44, auf Deutschland 6 Sitze im Council. Für jedes , ordentliche Mitglied können zwei Stellvertreter gewählt werden. \ Die konstituierende Sitzung des Councils ist auf den 11. August nach Zürich einberufen. Das Administrative Comm itt ee soll aus 40 Mitgliedern bestehen, von denen wiederum je 20 von den zionistischen und von den nichtzionistischen Mitgliedern des Councils aus ihrer Mitte gewählt werden. Da der Council nur alle zwei Jahre Zusammentritt, übt das Administrativkomitee in der Zwischenzeit dessen Rechte aus. Die Verfassung sieht vor, daß das Administrativkomitee mindestens einmal im Laufe von 6 Monaten *Zusammentritt. Die Mitglieder der Exekutive, deren Zahl jedesmal festgesetzt werden wird, werden vom Council gewählt. Die Büros der Exekutive sollen in Jerusalem errichtet werden, doch wird sich auch in London unter der direkten Verantwortlichkeit des Präsidenten der Agency ein Büro befinden. Präsident der Agency ist der jeweilige Präsident der Zionistischen Organisation, es sei denn, daß der Council mit 8/4 Majorität etwas anderes beschließt. Der Entwurf der Verfassung wird demnächst publiziert werden und dann allen Mitgliedern des Initiativkomitees zugehen. Die Verfassung wird auf der konstituierenden Sitzung des Councils beschlossen werden.- Wenn wir uns heute entschließen, die Repräsentanten der deutschen Judenheit in die erweiterte Jewish Agency zu wählen, so sind gerade wir uns der Bedeutung dieses Schrittes bewußt. Wir konnten hoffen, daß alle Teile der Judenheit unserem Werke beitreten, weil es sich nicht um eine Abmachung über die jüdische Stellungnahme der einzelnen Gruppen in den Ländern der Welt handelt. Wir müssen der Tatsache Rechnung tragen, daß in den Judenheiten der Welt und auch im deutschen Judentum keine einheitliche Auffassung über unsere jüdische Art herrscht. Es ist nicht Aufgabe der Jewish Agency, in diese innerjüdische Auseinandersetzung einzugreifen. Es bleibt jedem Juden und jeder jüdischen Riehtung überlassen, ihr Judentum in Deutschland oder in irgendeinem anderen Lande der Welt nach freiem Ermessen zu definieren. Aber da in dem Entwurf der Jewish Agency zwar kein Gegensatz, aber eine Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten festgestellt wird, so möchte ich im Anschluß an die dort gegebenen Definitionen die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit würdigen. Zionist im Sinne des Verfassungsentwurfs der Jewish Agency ist eine Person, die mit der Agency in ihrer Eigenschaft als Repräsentant der Zionistischen Organisation verbunden ist. Nichtzionist im Sinne dieser Verfassung ist eine Person, die in anderer Weise als infolge ihrer Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation mit der Agency verbunden ist. Der Begriff Nichtzionist umfaßt also den großen Teil der Judenheit, dem auch ich angehöre, der heute als gleichberechtigter Faktor in die Leitung des Palästinawerkes eintritt. Wir Nichtzionisten sind ja ganz gewiß weit weniger als die Zionisten einer Meinung, und man findet bei uns eine Musterkarte aller nur denkbaren Anschauungen Ober Judentum und Jüdisches Wesen. Mir kommt es heute darauf an, auch solche Nichtzionisten, die aufs entschiedenste die zionistischen Theorien für ihre Heimatländer ablehnen, davon zu überzeugen, daß sie mit vollem Herzen und unter vollster Wahrung ihrer Anschauungen in das gemeinsame Werk eintreten können. Alle Gesinnungsfragen, die uns bewegen, haben auch unsere amerikanischen Freunde beschäftigt. Louis Marshall und die anderen Führer der amerikanischen Judenheit, unter ihnen Männer, die noch vor wenigen Jahren extreme Antizionisten waren, haben rückhaltlos anerkannt, daß es eine heilige Mission Ist, in einheitlicher Form am Palästinaatifbau teilzunehmen, haben aber gleichzeitig betont, daß Einmütigkeit in der Palästinaarbeit nicht auch Gleichartigkeit der jüdischen Gesinnung bedeutet. Eine richtige Beurteilung des Lebens der Juden unserer Zeit zeigt uns, daß wir in anderer Weise die jüdische Wahrheit zu finden haben als es in der großen Vergangenheit unseres Volkes möglich war. Damals wurde uns die Lehre in einer Sprache gegeben, und sie wurde dann späterhin siebzigfach übersetzt. Wer dürfte daran zweifeln, daß wir heute den umgekehrten Weg zu gehen haben! Die Judenheit der Welt ist differenziert, und so werden wir dem Sinn unserer Zeit gerecht werden, wenn wir es zu ertragen verstehen, daß die jüdische Wahrheit unserer Tage in 70 Sprachen gegeben wird, in der Hoffnung, daß sie dort in Palästina in eine einzige Sprache übersetzt werden wird. Der Strom der Palästina-Entwicklung wird aus zahlreichen Quellen gespeist werden müssen. Wir sind weit davon entfernt, die bestehenden gesinnungsmäßigen Unterschiede zu bagatellisieren. Wir wissen, daß heute jüdische Gesinnungen verschiedener Art mit tiefem Ernst und mit starker Leidenschaft vertreten werden, und es scheint mir sicher, daß auch die Ziele jüdischer Entwicklung einen grundsätzlich verschiedenen Charakter tragen. Um so notwendiger brauchen wir heute die vereinigende Tat, die, wie jedes menschliche Werk, naturgemäß nicht als letzte Erfüllung zu betrachten ist, sondern die auch im besten Falle immer nur eine Voraussetzung für noch höhere, sittliche jüdische Zukunftsziele darstellt. Unsere Ziele sind vielleicht nicht die gleichen, wir sind verschiedener Meinung, welcher Weg zum rechten Ziele führt, aber schließlich einigt uns alle die Liebe zum Judentum und das Bestreben, dem Judentum zu dienen. Im konkreten Tun darf es somit keinen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten geben. Beide Teife schließen ohne Gesinnungs- Kompromiß einen Bund für ehrliche und ordentliehe Arbeit. Beide geloben, die vereinbarten Ver- , träge treu und ohne Hintergedanken zu halten und > sich gemeinschaftlich verantwortlich zu fühlen für die Arbeit der nächsten Jahre. Es gibt auf der Welt kein ewiges Bündnis, das durch Paragraphen gesichert werden kann. Auf die Dauer kann Gemeinsamkeit nur bestehen, wenn sie als äußere und innere Not- Wendigkeit von allen Teilen empfunden wird. Wir Juden haben das Glück, immer nur auf Freiwilligkeit beruhende Organisationen schaffen zu können. Diese Freiwilligkeit ist zugleich die beste Sicherheit für alle Beteiligten. Wir wollen das jüdische Palästina aufbauen, und natürlich möchte es jeder nach seinen eigenen Ideen aufbauen. Wir wollen uns dabei aber nicht der Täuschung hingeben, auch die Zionisten sollten das nicht, daß wir der Vormund des kommenden Palästinas bleiben können, wenn es seine Mündigkeit auf allen Gebieten des Lebens erreicht hat. Es scheint mir eine Pflicht zu sein, gerade in dieser Ver- Sammlung, in der die Repräsentanten der deutschen Judenheit gewählt werden, unserem zionistischen Partner einige Worte zu widmen. Wir Nichtzionisten wissen sehr gut, daß wir in der Arbeit für Palästina auf die Kraft und die Hingabe der zionistischen Welt niemals verzichten können. Erez-Israel und Pioniertum sind eng miteinander verknüpft und mehr noch als Geld braucht das Land die große Zahl geeigneter Menschen, die bereit sind, unter schweren Bedingungen ihr Leben für die Zukunft des Landes einzusetzen. Und niemand kann sich vorstellen, daß der Palästina-Gedanke in der Weit wächst und Macht gewinnt, wenn nicht zugleich die Ideale der zionistischen Bewegung immer wieder neue Geschlechter veranlassen, sich ganz mit Erez-Israel zu identifizieren. Wir haben in der Arbeit für den Keren Hajessod die zionistische Partnerschaft kennengelernt und werden in den Zeiten zwischen den Sitzungen des Councils und des Administrativkomitees auch in Zukunft die stärkste Gemeinsamkeit in der Arbeit für den Keren Hajessod finden müssen. Der Keren Hajessod bleibt der Fonds der Jewish Agency, und von der Er- Weiterung der Jewish Agency erwarten wir nicht nur eine neue Periode stärkster Begeisterung für den Gedanken des Palästinawerks, sondern auch den sichtbaren Ausdruck dieser Begeisterung und der persönlichen Verbundenheit aller unserer Freunde in der ständigen Mitarbeit und der persönlichen Anteilnähme am Keren Hajessod. Der Eintritt der deutschen Judenheit in den Council der Jewish Agency kann von Bedeutung für die gesamte jüdische Entwicklung werden. Die Jüdische Weit hat mit großer Spannung die Vorgänge im deutschen Judentum in den letzten Monaten verfolgt. Jede Nachricht über Eintritte in das Initiativkomitee der Jewish Agency hat lebendigen Widerhall erweckt. Wir hoffen, daß auch die noch beiseite stehenden Gruppen sich uns anschließen werden, und der Verlauf dieser Versammlung kann dazu beitragen, daß sehr bald die gesamte deutsche Judenheit ausnahmslos ihre Kräfte dem Aufbau der nationalen jüdischen Heimstätte widmet. Es war ein unerhörtes Ereignis, daß nach Jahrtausenden den Juden die Möglichkeit der freien Besiedlung von Erez- Israel gegeben worden ist, an uns liegt es, diesen günstigen Augenblick zu nützen, um jüdische Geschichte zu machen. Mete als je gilt das Wort: Im ejn ani li, tni li, w’im 10.ach6duHr,

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