Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 48 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sdte 306 JUEDISCHC RUNDSCHAU Nr. 48, 21. TI. 1929 * 1. Ich habe beatulandet, daß Sie in *eibstveralindlichem Tone in Ihrem Wahlaufruf verbreiten, dio Rundschau führe einen ״Kampf gegen die Alijah“. Wetm Sie die Forderung, in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenunterstützung, deren Last durch Jahre hinaus jede zionistische Aufbauarbeit, jede Kolonisation und daher auch jede fundierte Alijah unmöglich machte, eine Vergrößerung des Unglücks durch neue arbeitslose Einwanderung zu vermeiden, als ,,Kampf gegen die Alijah" bezeichnen, dann hätten sie recht. Ich erkläre nach wie vor, daß Ihre Darstellung in dieser Frage eine Irreführung über den wirklichen Sinn der An- «chauung der ״Jüd. Rundschau" ist. 3. Die ״arbeiterfeindliche Haltung des Linken Zentrums." In dieser summarischen Form muß ich Ihre Behauptung nach wie vor für falsch erklären. Die Einwendungen, die wir gegen manche Eracheinungen der von der Arbeiterschaft geführten Politik erhoben haben, entsprangen nicht einer spezifisch arbeiterfeindlichen Ein- Stellung, sondern kritisierten wirtschaftliche Tendenzen, die sogar innerhalb der Arbeiterschaft lebhaft diskutiert und kritisiert werden. Gänzlich unbewiesen ist Ihre Behauptung, daß der deutsche Zionismus einen ״Kampf gegen die Kwuzah" führe. 3. Die Ansiedlung deutscher Chaluzim. Hier ging mein Vorwurf dahin, daß Sie eine irreführende Darstellung der Ansiedlungsaktion überhaupt geben. Es muß Sie doch bedenklich stimmen, daß alle Beschlüsse der Ansiedlerngsfragen einstimmig sowohl im Geschäftsführenden Ausschuß als auch im Landesvorstand gefaßt worden sind. Sie können nicht jede Phase der Diskussion, in der von den verschiedensten Seiten her Bedenken geäußert wurden, als Dokument für die Beurteilung unserer politischen Linie nehmen. Gewiß gab es gegen die Anwendung des K. K. L,-Prinzips Bedenken, die sich in einer rein juristischen Sphäre bewegten. Würde der K. K. L. Boden zur Verfügung haben, wären solche Lieberlegungen von vornherein überflüssig gewesen. Im übrigen ist die Anwendung des K, K. L.-Prinzips einstimmig akzeptiert worden. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß Sie Ihrer Sache besser gedient hätten, wenn Sie Ihre Anschauungen und Ihr Programm positiv dargelegt hätten, das ja auch Wert und Bedeutung behalt, ohne daß es durch Haifawahrheiten illustriert zu werden brauchte. Dr. Siegfried Kinowitz. Die ״Freilassung“ der deportierten 150 Zionisten Jerusalem, 11. Jtaiti. (J.T. A.) Die Moskauer Mittelfünf, daß die Sowjetregierung 150 deportiert gewesene Zionisten freigelassen hat, veranlaßt das palästinensische Hilfskomitee für die gefangene« russischen Zionisten zu einer Kundgebung, in der darauf hingewiesen wird, daß die ״sogenannte Freilassung“ sieh unter sehr schikanösen Umständen vollzog. Die meisten der angeblich Freigelassenen hatten die gesamte dreijährige Deportationsstrafe in peinigender Isolierung vefbüßt, um später näher an Orte der Zivilisation gebracht zu wenden. Aber auch nach Verbüßung der Oesamtstrafe wurde den Zionisten nicht etwa die volle Freiheit wiedergegeben, sondern es wurden ihnen bestimmte Pütze im Inneren Rußlands zum Aufenthalt zugewiesen. Nur denjenigen, die öffentlich ihre zionistische Ueberzeugung abgeschworen haben — es waren dies weniger als 2 0/0 der Gefangenen —־ sowie den Arbeitsinvaliden und geistig Gestörten wurde die gänzliche Freiheit wiedergegeben. Die Demolierung der Poscner Synagoge Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde in Posen richtete an den Stadtpräsidenten RatajsW das folgende Schreiben: ״Es ist Ihnen bekannt, dafi die Jüdische Gemeinde. Posens Schweres durchzamachen gehabt hat. Man hat alle Fenster• scheiben in unserem Gemeindehause eingeschlagen, man hat unsere Synagoge demoliert, man hat in den jüdischen Geschäftsläden die Schaufenster zertrümmert; mat hat Polens Namen im Inlande wie im Auslande Schaden zugefügt. Mit Ungeduld haben wir, als die traurigen Geschehnisse vorüber waren, einem Ausdruck des Mitgefühls seitens des Magistrats von Posen entgegengesehen, ein solcher ist nicht erfolgt. Wir erlauben uns deshalb, an Sie dieses Schreiben zu richten in der Annahme, daß die erwartete Geste seitens des Stadtpräsidenten endlich doch erfolgen wird.“ Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, hat der Magistrat von Posen beschlossen, auf Rechnung der Stadt die den jüdischen Institutionen zugefügten Schäden wiedergutzu machen. Die jüdischen Kleinhändler des Distriktes Posen wandten sich an den Zentralverein der jüdischen Kleinhändler in Warschau mit der Bitte, bei der Regierung dahin zu Intervenieren, daß ihnen anläßlich der gegenwärtig in vielen Städten des Distriktes Posen stattfindenden Jahrmärkte und Messen der nötige polizeiliche Schutznicht vorenthalten bleibt. Es sei wiederholt vorgekommen, daß aut den Jahrmärkten jüdische Kleinhändler mißhandelt und ihre Waren vernichtet wurden. Der Zentralverband der Kleinhändler hat beim Innenministerium vorgesprochen und dort die Zusicherung erhalten, daß an die Wojwodschaft Posen entsprechende Weisungen ergehen werden. * Die nationaldemokratische Presse in Warschau und in ganz Polen, die seit den Lemberger Geschehnissen eine ununterbrochene antijüdische Hetze führt und täglich Legenden über angebliche Ueberfälle seitens ״jüdischer Provokateure“ auf Christen und christliche Institutionen verbreitet, setzt sich nunmehr für die Proklamierung einer Parole für w i r t - schaftlichen Boykott der Juden ein. In einer auf Initiative des ״Christlichen Vereins der arbeitenden Jugend“ stattgefundenen Protestversammlung der christlichen Berufsvweüfigütigen gegen die ״jüdischen Provokationen in Lemberg“ wurde eine Resolution angenommen, in der die Juden als die Feinde der katholischen Religion Und des polnischen Volkes hingestellt werden. Die Bevölkerung wird aufgefordert, ihren Bedarf an Waren nur bei christlichen Erzeugern und Händlern zu decken. Aufljfldlsche Ausschreitungen ln Krakau Krakau, 17. Juni (J.T.A.) Von Studenten geführte Gruppen überfielen im Krakauer Jordan-Park die jüdischen Spaziergänger und mißhandelten sie schwer. Sie hielten allen Passanten elektrische Lampen vor das Gesicht, und wo sie glaubten, es mit Juden zu tun zu haben, zogen sie unter den Rufen ״Dies für Lemberg!“ Knüppel hervor und schlugen auf die Passanten los. Greise, Frauen und Kinder wurden nicht Geschont. Mehrere Stunden lang wüteten die Huligans in dem ark. Etwa 50 jüdische Spaziergänger erlitten Verletzungen. Keiner der Huligans wurde verhaftet. Fünf Juden im südafrikanischen Parlament Bei den jüngst durchgeführten Wahlen für das südafrikanische Parlament wurden von den bisherigen sieben jüdischen Parlamentsmitgliedern fünf wiedergewählt, nämlich Sir Emest Oppenheimer, Eli Buirski, Emile Nathan und Charles P. Robinson, die auf der Liste der Südafrikanischen Partei kandidierten, sowie M. Kentridgo, der Mitgiled der Arbeiterpartei ist. Morris Alexander, der seit 21 Jahren dem Parlament als unabhängiger konstitutioneller Demokrat angehörte, wurde nicht wiedergewählt Der über 70 Jahre alte Sir David Harris, der durch mehrere Perioden dem Parlament angehört hatte, hat diesmal auf eine Wiederwahl verzichtet. Briefe an die Redaktion Berichtigung Berlin, 18. Juni Sehr geehrte Redaktion! ln der Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der Z. V. f. D. vom 6. Juni stellte Dr. Nachum Goldmann den Antrag, daß nur eine Nummer der ״Jüd. Rundschau“ den Wahlen ewidmet sein soll und daß infolgedessen, da den einzelnen arteien die Möglichkeit der Antwort genommen ist, alle persönlichen Angriffe in diesen Artikeln selbstverständlich unterbleiben sollen. Alle Gruppen haben sich an diese Abmachungen loyal gehalten. Eine Ausnahme macht nur der Antragsteller. Ich begnüge mich mit der folgenden tatsächlichen Richtigstellung zu einem Artikel in der vorigen Nummer: Dr. Georg Halpern, bekanntlich ein Allgemeiner Zionist und kein Radikaler, hatte auf der Sitzung des A.-C. beantragt, die Aufnahme der Balfour-Deklaration und der ״historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina“ in die Präambel der Jewish Agency-Konstltution als conditio sine qua non zu erklären. Für diesen Antrag stimmten auch sämtliche Aljge* meine Zionisten mit Ausnahme von Dr. Bileski-Berlin und einem außerdeutschen Mitglied. Selbstverständlich stimmten diese Herren nicht deswegen dagegen, weil sie ״päpstlicher als der Papst aus Angst vor dem Widerspruch der Marshall-Gruppe“ bereit waren, auf diese Selbstverständlichkeiten zu verzichten. Sie waren vielmehr der Ansicht, daß bei der Deutlichkeit der Präambel im übrigen, insbesondere auf Grund der Tatsache, daß die wiederholte Erwähnung des Palästina-Mandates auch die Balfour-Deklaration einschließt, die Erweiterung der Agency nicht etwa deswegen scheitern dürfe, weil unter allen Umständen der Wortlaut der Balfour-Deklaration noch einmal zitiert werden müßte. Sie waren daher für den Wunsch der Exekutive, ihr in diesem Punkte Verhandlungsfreiheit zu geben, wobei selbstverständlich yar, daß die wörtliche Erwähnung der Balfour-Deklaration — die ja tatsächlich auch von der Marshalf- Gruppe zugestanden worden ist — mit aller Kraft erstrebt werden müsse. Ich habe mich demonstrativ der Stimme enthalten, weil ich es für einen Unfug hielt, immer wieder Beschlüsse des A.-C. herbeizuführen, die nur eine selbstverständliche Verpflichtung der Exekutive unterstreichen und deren Annahme immer ein verstecktes Mißtrauen gegen die nationale Zuverlässigkeit unserer zionistischen Exekutive beinhaltet. Das ist die Sache, über die man vielleicht verschiedener Meinung sein konnte, die aber als einen ״Höhepunkt auf dem Wege der Preisgabe zionistischer Grundsätze“ wohl nur jemand bezeichnen kann, der anderes Material nicht mehr zur Verfügung hat. Kurt Blumenfeld. , * ״Oie aktuell« Frage“ Sehr geehrte Redaktion! In einem Artikel mit obiger Ueberschrift (Nr. 45/46 Ihres Blattes) waren Sie so freundlich, einen Satz aus meiner kürzlich erschienenen Broschüre ״Der zionistische Gedanke auf Irrwegen“ zu zitieren. Sie bezeichnen es dabei als einen fundamentalen Irrtum, daß ich die besonderen Anforderungen, die Sie an einen ״geläuterten“ jüdischen Nationalismus stellen, auf den Einfluß innerdeutscher Verhältnisse zurückführe. Nun liegt es in der Natur der Sache, daß Einflüsse, aus denen heraus eine gewisse Oeiste&haltung entsteht, immer schwerer zu ״beweisen“ sind, und ich glaube gern ihrer Versicherung, daß es nicht gerade «kr deutsche Radau-Nationalismus allein war, der Ihnen den ״primitiven“ Nationalismus verleidet hat. Aber Sie selbst sagen ja, daß wir doch vor allem nicht denen ähnlich werden wollen, dk wir jetzt (als unsere Feinde) ablehnen. Ihre allgemeine Bewertung ist also nicht unabhängig von den Erfahrungen der Tagesgeschichte, aber das ist auch nicht so wichtig und nicht darauf kommt es mir an. Indessen habe ich in der von Ihnen erwähnten Broschüre an anderer Stelle auch die prinzipielle Frage erörtert und habe mich mit der Abgrenzungsmöglichkeit zwischen ,,gutem“ und ״schlechtem“ Nationalismus verhältnismäßig ausführlich befaßt. Ich hätte großen Wert darauf gelegt, und es hätte, glaube ich, auch verdeutlichend gewirkt, wenn Sie diesen Teil meiner Erörterungen angegriffen hätten, denn diese Untersuchung hat die zionistische Diskussion bis jetzt gemieden, ebenso wie eine Reihe von anderen Fragen, die ebenfalls in meiner Broschüre besprochen sind. Es war mir nämlich durchaus nicht darum zu tun, hi jeder Beziehung ״Recht zu haben“, und ich will sogar nicht einmal der Wiederherstellung der I;reinen“ Herzischen Ideologie dienen, an die mich keinerlei zionistische oder hekienverehrerische Sentimentalität bindet. Ich glaube allerdings, daß Herzls Analyse des Judenproblems den wertvollsten Teil seiner Darlegungen bildet, aber ich habe meinen Standpunkt nicht auf seine Autorität gestützt, sondern ich habe ihn durchweg aus den jüdischen Notwendigkeiten und Nöten — den materiellen und den seelischen — heraus entwickelt. Ich versuchte zu zeigen, daß der Gegensatz der ״reinen“ Herzischen Ideologie, nämlich die ״Evolution“ des zionistischen Gedankens, in so merkwürdiger Weise dem fortschreitenden Abbau des zionistischen Zieles gedient hat, wie man es sich nicht besser vorstellen könnte, wenn die Ideologien nur geschaffen wären, um den Abbau akzeptabel zu machen. Darum habe ich mich — wenn auch mit der notwendigerweise gebotenen Kürze — mit all diesen Gedankengängen auseinandergesetzt und meine Broschüre bietet in dieser Beziehung jeden gewünschten Angriffspunkt; aber auf diese prinzipiellen Erörterungen hin möchte ich auch angegriffen werden. Mir ist das Lieber als die indirekte Einreihung meiner Auffassungen in revisionistische Einstellungen, die mich an sich nicht stört, obschon mich von den Revisionisten wichtigere Dinge trennen als deren martialische Leidenschaften, die ich zudem wahrscheinlich noch aus anderen Gründen ablehne als Sie; aber gerade weil in der politischen Diskussion die Begriffe Schlagworte werden, ehe sie untersucht, und die Gedanken Losungen, ehe sie überhaupt begriffen worden sind, habe ich eine Diskussion hervorrufen wollen über dasjenige, was wir aTs zionistisches Ziel zu betrachten haben und warum wir das tun müssen. Dazu «rollte ich Material liefern, weil mir diese Selbstbesinnung schon seit Jahren dringend nötig scheint, jetzt aber dringender als Je. Ich bin nämlich durchaus Ihrer Ansicht, daß die politische Situation im Zionismus diese Selbstbesinnung in einer besonders dringenden Weise erfordert. Und zwar nicht in erster Linie zwecks Abgrenzung von Zionisten gegen Nichizionisten, sondern weil diese Abgrenzung, statt selbstverständlich zu sein, erst ausgeklügelt werden muß! Gibt es denn eiv-- Hezeichnenderes für den Abbau der zionistischen Zielsetzung, als die Verlegenheit, in der wir uns jetzt befinden, um den Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten festzustellen? Die Zionistische Organisation soll gestärkt werden, da ein organisierter überzeugungstrcuer Zionismus nötiger als je ist, um den zionistischen Charakter der Palästina-Arbeit zu sichern, aber um den sichern zu können, nruß man doch erst wissen, was der Zionismus in Palästina erreichen will. An der nötigen Kraft wird es dem Zionismus in der erweiterten Agency gewiß nicht fehlen, aber in welchem Sinne soll er sie anwenden, wenn er kein scharf umrissenes ZW im Auge hat? Die Gefahr der erweiterten Agency liegt denn auch keineswegs auf nichtzionistischer Seite, sondern an dem Umstand, daß viele führende Zionisten nicht .wissen, was ihr ZkmisaMS «reichen muß, um eine Lösung des Judenproblems zu schaffen. Deshalb handelt es sich jetzt nicht darum, eine neue Diskussion über das Wesen des jüdischen Nationalismus zu entfesseln, sie kann nur zu schärferer weitanschaulicher Differenzierung innerhalb des Zionismus führen, ungerechnet die politischen Gefahren, die es mit sich bringt, das Recht auf eine normale Existenz des jüdischen Volkes davon abhingen lassen zu wollen, ob der j Mische Nationalismus bestimmten sittlichen Anforderungen entspricht, für die ich eine objektiv einwandfreie Norm erst noch nachgewiesen sehen möchte. Aber wohl handelt es sich darum, sich nunmehr scharfe Rechenschaft davon zu geben, was der Zionismus zu leisten hat, wenn er das Judenproblem lösen will; zp dieser Diskussion will meine Broschüre auffordem, und dazu will sie Material liefern. ' Ich habe gerade in bezug auf den geläuterten Nationalismus und die Auswüchse des Nationalismus noch viel auf dem Herzen, aber ich will von der Gastlichkeit Ihres Blattes keinen allzu groben Mißbrauch machen und dank« ihnen für die Aufnahme dieser Entgegnung. Mit Zionsgruß und vorzüglicher Hochachtung F. Bernstein. Rotterdam, den 16. Juni 1929. *** Zu dieser Zuschrift bemerken wir nur, daß der Hinweh auf einen Bern stein sehen Satz in unserem Artikel in Nr. 45/46 keineswegs eine Auseinandersetzung mit dem übrigen Teil seiner Broschüre ersetzen sollte, die vielmehr demnächst «folgen soll. ״Sorgen des Technikums“ S. Izkovltch, Dipl.-lng., Haifa P.O.B 145 Haifa, den 1Z Juni 1929. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Bertte. Sehj geehrter Herr Redakteur! In der Nummer vom 28. Mal Ihrer werten Zeitschrift erschien ein Artikel unter der Ueberschrift ,Sorgen des Technikums“. Es bestände sonst für mich kein Amaß, zu dem Artikel Stellung zu nehmen, wenn nicht mein Name, als Mitglied des Kuratoriums des Hebräischen Technikums in Haifa, darin mit wenig schmeichelhaften Bemerkungen erwähnt worden wäre. Die persönliche Disqualifikation, di« meinem Fremde und Kollegen am Kuratorium, Herrn Aleinikoff, und mir gilt, wirkt im Zusammenhang mit dem im übrigen ruhte und besonnen gehalterten, obwohl sichtlich einseitig beeinflußten, Aufsatz gewollt und beziehungslos. Im Interesse der richtigen Information der öffentlichen Meinung halte ich es für angebracht, einige Erklärungen zu mein«• Person hier abzugeben und gleichzeitig damit die Entscheidung der Zionistischen Exekutive, die mich zum Mitglied des Kuratoriums ernannt hat, verständlich zu machen. Als Diplom-Ingenieur der Münchener Technischen Hochschule habe ich mich im Jahre 1906 in Palästina niedergelassen. Im Jahre 1908 habe ich die Maschinenfabrik Athid in Haifa begründet und geleitet, die mit ihren 65 Arbeitern und 15 An- . 'י־ ־־’ ’ י־, 'י ״ ״ י * * '* י" Nach dem Kriege hierher zürüdegekehrt, habe ich die ״Palestine Technical Supply Co. Ltd.“ geleitet, durch viele Jahre das führende maschinentechnische Büro In Palästina. In W«( MtigMed: d«j^enti־alausi?husse9 des Vereines der Ingenieure und Architekten Palästinas, und wir Ms Mai 1929 der Vorsitzende der Haifaer Abteilung dieses Vereines. Ob diese Voraussetzungen zur Bekleidung des mir übertragen«« Ehrenamtes genügen, können meines Erachtens nur die darin berechtigten Instanzen entscheiden. Indem ich Ihnen im voraus für die Veröffentlichung dieser Zeilen danke, bleibe ich Hochachtungsvoll Samuel Izkowicz, Dipl.-lng. *»* ln dem Artikel, auf den sich die vorstehende Zuschrift bezieht, hieß es: ״.... Etwa zu gleicher Zeit wurde auch das palästinensische Komitee, in welchem Ussischkin, Magnes, Kisch, Remez, Rosenfeld (Pica), Biram u. a. saßen, beseitigt und ein neues Komitee eingesetzt, welchem außer den beiden Direktoren die Herten Izkowicz und Aleinikoff angehörten. Die Lehrer waren mit dieser Neuregelung nicht einverstanden. Es wurde geltend gemacht, daß weder die Direktoren die wissenschaftliche und persönliche Eignung zur Leitung der Anstalt besitzen, noch das Komitee, dessen Mitglieder im Petroleumfach tätig sind, richtig zusammengesetzt sei. .... Die Frage, ob die von der Exekutive — offenbar in einem momentanen Notstand — anerkannte Leitung der Anstalt wirklich für ihr Amt geeignet ist, bedarf einer sorgfältigen und vorurteilslosen Prüfung.'׳ — Die ״J. R.“ hat also lediglich die Gründe angeführt, die von anderen gegen das neue Kuratorium geltend gemacht werden, und von sich aus lediglich objektive Untersuchung gefordert. Die Feststeilung, daß Herren heute in einem anderen als dem technischen Fachgebiet tätig sind, können wir nicht als Kränkung ansehen. Wir haben geflissentlich vermieden, alle persönlichen Angriffe gegen einzelne Mitglieder des Kuratoriums, die in anderen Zeitungen breitgetreten werden, zu erwähnen, sondern nur eine objektive Untersuchung gefordert, die sich natürlich auf alle Seiten der Angelegenheit beziehen muß. * Erklärung In einem Aufruf ״An die Zionistische Jugend in Deutschalnd“ herausgegeben von der Bundesleitung des J. J. W. B. findet sich u. a. folgender Passus: ״Eine Zerstörung der allgemeinen Arbeiterorganisation sollte durch den vom Misracni erzwungenen Austritt des Hapoel Hamisrachi aus der Histadruth Haowdim herbeigeführt werden“. Wir erklären hiermit, daß diese Darstellung vollständig unwahr ist Unsere Chawerim vom Hapodl Hamisrachi sina korporativ niemals Mitglied der Histadruth Haowdim gewesen. Eine Minorität von ca. 700 Chawerim versuchten vor etwa vier Jahren die Zusammenarbeit mit der Histadruth, sämtliche Chawerim aber haben die vorläufine Unmöglichkeit einer Zusammenarbeit eingesehen (man trug ihren primitivsten Forderungen wie Kaschrirth keine Rechnung) und sind im November 1927 freiwillig auf Grund ihrer eigenen Erfahruner mit der Histadruth wieder & den Poö! Hamisrachi eingetreten. Das Verhältnis zwischen unserem Poel Hamisrachi und der Histadruth hat sich mit dem ständigen Wachsen der Bedeutung unserer Arbeiterorganisation gebessert, gemeinsame soziale Institutionen und insbesondere der gemeinsame Kampf für die Rechte der Arbeiterschaft in Palästina verbinden sie miteinander. Wir bedauern, daß die in Erez-israel so notwendige Einheitsfront der arbeitenden Klasse «durch die sie stützenden Reihen der Chawerim in der Galuth geschwächt wird. Zentrale des Zeire Misrachi für Deutschland.