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Jüdische Rundschau · 1929-06-21 · Heft 48 (21.6.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 48 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 302 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 21. VI. 1929 flusses, der zur Lösung der Galuth-Aufgaben einzusetzen ist So war es schon zu Herds Zeiten und so ist es heute, wo die Prärogativen von dem politischen auf wesentliche Teile des kolonisatorischen Arbeitsgebietes ausgedehnt sind. Die praktische Nutzanwendung dieser theoretischen Erörierung führt zur Lösung zweier Kernprobleme. Wie soll in Zukunft die Exekutive der Zionistischen Organisation aussehen? Welches sind die zukünftigen Aufgaben des Kongresses? Keine Exekutive der Zionistischen Organisation wird die zu ihrer Führung notwendige Autorität besitzen, wenn die zionistische Welt nicht fühlt, daß in ihrer Hand die Leitung der Politik und des Palastinawerkes liegt. Ist zwar die Souveränität der Zionistischen Exekutive auf diesen Gebieten in Mitbe- Stimmung verwandelt, so ist auch diese Position eine sehr starke. Aber eine Exekutive der Zionistischen Organisation, die auf die Galuth-Aufgaben beschränkt ist, ist zu einem Schattendasein verurteilt. Ueberschattet von der Agency- Exekutive, wird sie auch in ihrem spezifischen Arbeitsbereich wirkungslos bleiben. Nun schwebt eine so radikale Trennung von zionistischer Exekutive und zionistischen Mitgliedern der Agency-Exekutive wohl niemandem vor. Aber der richtigen Lösung, die Identität dieser beiden Gruppen verlangt, steht ein anderer Vorschlag gegenüber, nach dem etwa sechs Mitglieder der Zionistischen Exekutive den zionistischen Teil der Agency-Exekutive bilden, während weitere zwei Mitglieder der Zionistischen Exekutive, außerhalb des Agency-Verbandes stehend, mit der Führung der Galutligeschäfte betraut sind. Auch diese Lösung ist falsch. Wir haben nach ihr zwar formell eine Zionistische Exekutive von neun Mitgliedern, in der Praxis wird aber eine Scheidung zwischen den sechs Inhabern der Doppelstellung und den drei in ihrem Prestige und Einfluß geminderten Organisationsverwaltcm eintreten. Sehr bald wird das schwache Dreierkollegium als die eigentliche Organisations-Exekutive empfunden werden, und damit die Zionistische Organisation als ein außerhalb der Agency stehender Galuthverband für hebräische Sprachbewegung und Kulturarbeit. Es kommt aber gerade jetzt darauf an, will man die Zionistische Weltorganisation erhalten, sie mit allen Mitteln, und dazu gehören gerade die Mittel der Formgebung, im Bewußtsein der Zionisten als führend eOruppe im Agency-Verbande zurGeltung zu bringen. Nichts ist falscher, als die Vorstellung, man könne die Zionistische Organisation dadurch stützen, daß man die Oaluthaufgaben scharf als das eigentliche Reich des Zionismus abgrenzt. Die Sechs-pltts-drei-Lösung ist auch dann falsch, wenn das Dreierkollegium durch Besetzung mit Persönlichkeiten von überragender Bedeutung zu einem starken Bollwerk ausgebaut wird. Selbst sie werden nicht das Manko ihrer Losgdöstheit von Politik und Palästina gutmachen können. Dafür wird die ohnehin nicht geringe Gefahr rivalisierender Tendenzen zwischen Palästinasektion und Qaluthgruppe der Zionistischen Exekutive nur verstärkt werden. Die Forderung lautet, daher: ,Alle Mitglieder der Zionistischen Exekutive müssen Mitglieder der Agency-Exekutive sein. In anderem Zusammenhänge wird ausgeführt werden, wie innerhalb der Zionistischen Exekutive die organisatorische Arbeit zu stärken ist. Aber Palästina muß klar als Funktion der Zionistischen Organisation empfunden werden. Damit ist Wesentliches bereits über die Ausgestaltung des Kongresses vorweggenommen worden. Der Kongreß kann durch Einschaltung galuthzionistischer Verhandlungsgegenstände ausgebaut werden, obschon die meisten Vertreter dieser Forderung sich von den Schwierigkeiten nicht einmal Rechenschaft zu geben scheinen. Eine Hauptaufgabe des Kongresses bildet aber auch in Zukunft die Behändlung der Palästina-Politik in allen ihren Verzweigungen. Sie findet einen absolut ausreichenden praktischen Ausdruck in der Kritisierung abtretender und der Instruierung neu erwählter Vertreter in den Organen der Agency, wie in der Ausarbeftung eines Budgetvorschlages der Zionistischen Organisation an den Council der Agency. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Personenaus wähl in Zukunft noch größere Bedeutung gewinnen wird, als sie schon in der Vergangenheit besaß. Die zionistisehen Vertreter in der Agency werden ein erhebliches Maß an Handlungsfreiheit haben müssen. Das ist kein Nachteil. Die Praxis der Kongresse, Führer zu wählen und ihnen die Marschroute im einzelnen vorschreiben zu wollen, war ohnehin unleidlich. Die bisher geübte Vorzensur wird ohne Schaden für die Sache, ohne Beeinträchtigung des Interesses am Kongreß und gewiß ohne Verletzung demokratischer Grundsätze in wesentlichem Umfange zur Nachzensur werden müssen. Aber man soll uns nicht einreden wollen, es habe unter diesen Umständen keinen Zweck, über Palästina auf dem Kongreß überhaupt zu sprechen. Der Kongreß behält seine große Bedeutung als oberste Instanz, vor der jeder Zionist verantwortlich ist und auf der der Wille der Zionistischen Organisation festgesteilt wird, auch wenn man sich klar darüber ist, daß es keine rn e c h a - nischen Mittel gibt, diesen Willen im Agency-Verbande zur Geltung zu bringen. Kongreßbeschlüsse sind für die zionistisehen Vertreter in der Agency eine Richtlinie, sie können sie aber nur so weit binden, daß sie in der Lage sein müssen, vor dem nächsten Kongreß Abweichungen zu verantworten. Im Council der Agency muß die Abstimmung im allgemeinen eine freie sein, andernfalls konsolidiert man die starre Scheidüng zwischen Zionisten und Nichtzionisten, die in der An- Wendung auf praktische Aufgaben sinnlos isf und das Fiftyfiftv-Prinzip zum Hemmschuh parlamentarischer Entscheid«!- gen macht In Ausnahmefällen, wenn es sich um Lebensfragen des Zionismus handelt, ist die Anwendung des Fraktionszwanges denkbar. Aber die Ausübung des Fraktions- Zwanges ist jedenfalls nur möglich, nachdem ihr im Council eine Debatte vorangegangen ist. Die Abstimmung kann also in diesen seltenen Ausnahmefällen nur durch Beschluß der Zionistischen Council-Mitglieder gebunden werden. Man kann es niemandem zumuten, mit uns in eine Arbeitsgemeinschaft einzutreten, wenn unsere Ansicht noch vor erfolgtem Meinungsaustausch festgelegt ist. Im übrigen wird man sich, wie sonst in der Agency- Politik gegenüber Nichtzionisten, so in diesem Falle gegenüber!Zionisten auf den — Zionismus verlassen müssen. Die Debatten der beiden letzten Sitzungen des Aktionskomitees lwbcn bewiesen, in wie hohem Maße sich der Zionismus als MrfaiodfiKie geistige Macht erweist, wenn es gut io Verbandlungen mit Nichtzionisten elementare Grundsätze des Zionismus zu vertreten. Es ist wahr: der Kongreß wird in Zukunft mehr durch seinen Geist als durch Gesetzgebung das Schicksal Palästinas beeinflussen. Und er wird doch ein Kongreß des Palästina* Aufbaues bleiben. Soviel über einige Kernfragen der Agency-Erweiterung. Die besonderen Aufgaben der Zionistischen Organisation, sowie einige Einzelfragen werden in weiteren Artikeln behandelt werden, die, ebenso wie der vorliegende, die persönliehe Meinung des Verfassers zum Ausdruck bringen. Blamenfelds Polen-Reise Eines der wichtigsten Erfordernisse der zionistischen Bevvegung, wenn sie nicht erstarren soll, ist der dauernde innige Kontakt zwischen allen ihren Teilen und Gruppen. Die Eigenart des Zionismus als Weltbewegung bringt es mit sich, daß seine einzelnen Gruppen sich geographisch und kulturell unter verschiedenen äußeren Bedingungen entwickeln müssen, so daß die Gefahr einer Entfremdung naheliegt, wenn nicht ein dauernder Gedankenaustausch erfolgt. Es ist daher außerordentlich zu begrüßen, daß der Präsident der Z. V. f. D., Kurt Blumenfeld, Gelegenheit hatte, Polen zu besuchen und dort in mehreren zionistischen Versammlungen seine Anschaumigen über das Wesen der heutigen Judenfrage, über zionistische Propaganda und unsere Haltung in der erweiterten Jewish Agency zu entwickeln. Blumenfelds Reise war eine Durchbrechung der Isolierung, eine Auffrischung des zionistischeu Blutkreislaufs, und alle Berichte bestätigen, daß seine Ausführungen eine tiefe Wirkung im polnischen Zionismus zur Folge gehabt haben. Die Anregungen, die aus einem solchen Zusammentreffen sich ergeben, können zweifellos für die zionistische Arbeit und Propaganda nutzbar gemacht werden. Blumenfelds Reise, die er im Auftrag der Exekutive unternahm, war eine Tat im Dienste des Zionismus, im Dienste der zionistisehen Propaganda, der Gewinnung der jüdischen Volksmassen für das Verständnis des allumfassenden Judenproblems. Leider ist die Parteizersetzung innerhalb der Zionistischen Organisation schon so weit gediehen, daß viele Zionisten außerstände sind, eine solche zionistische Tat, die zugleich ein Wagnis ist, um ihrer selbst willen zu würdigen. Vielmehr vermögen manche Zionisten auch dies nicht anders als durch ihre Parteibrille zu betrachten. Nicht was Blumenfeld gesagt hat, nicht ob seine Darlegungen richtig oder falsch sind, wird untersucht, sondern man fragt, welcher Partei innerhalb des Zionismus er dienen wollte. Man kann sich nicht mehr eine zionistisehe Arbeit vorstellen, die etwas anderes ist als Parteimanöver. Und da dies vorauszusehen war, so muß doppelt anerkannt werden, daß Blumenfelds Entschluß, die Einladung von ״Et Liwnot“ anzunehmen, eine mutige Tat war. Ungeachtet dessen, welche Verdächtigung folgen werden, hielt er es für nötig, die Gelegenheit zu einer wichtigen zionistischen Arbeit nicht ungenützt zu lassen. Eine andere Gruppe, etwa der radikale ״Al Hamischtnar“, hat Blumenfeld nicht eingeladen. Blumenfeld ging dennoch zu der öffentlichen Versammlung der Radikalen, erhielt dort nicht das »Wort, und man lehnte auch sein Anerbieten auf Teilnahme an der Weltkonferenz der Radikalen ab. Es ist bekannt und auch aus den bereits veröffentlichten und jedem Leser zugänglichen Programmen ohne weiteres ersichtlich, in welchen Punkten zwischen der polnisehen Gruppe Et Liwnot und dem Allgemeinen Zionismus in Deutschland programmatische Differenzen bestehen. Einig sind jedoch die beiden Gruppen vor allem in der Frage der Unter- Stützung der Weizmannschen Jewish Agency-Politik. Wenn die Gruppe Et Liwnot Blumenfeld eingeladen hat, so wußte sie was sie tut; sie hat verstanden, daß wir zugrunde gehen, wenn wir jede unserer zionistischen Handlungen nur aus dem allerengsten Parteiaspekt bestimmen lassen. Wie immer man zu den Ansichten von Et Liwnot oder zu den Ansichten von Blumenfeld im einzelnen steht, — in dem Augenblick, wo diese eine zionistische Aktion unternehmen, die endlich die Oedheit der tausendfach abgeleierten Innerzionistische Polemik durchbricht, verdienen sie die Anerkennung und Unterstützung der Zionisten aller Parteirichtungen. Es heißt nicht Verzicht auf das eigene Programm, sondern es ist nur ein Gebot primitivster Fairness, eine zionistische Leistung auch dann anzuerkennen, wenn zufällig ihr Träger einer anderen Gruppe angehört als man selbst Dies angesichts des heute von uns veröffentlichten Berichtes unseres polnischen Korrespondenten auszusprechen, scheint uns mit Rücksicht auf manche naive oder auch böswillige Mißdeutungen eine leider nicht überflüssige Notwendigkeit. Wirtschaftlicher Palästina-Aufbau Eine Versammlung der Palettine Economic Corporation New York, 14. JunL (J. T. A3 In einer großen öffentliehen Versammlung der Palestine Economic Corporation erstatteten Felix M. War barg, Dr. Cyras Adler und Julias Simon Berichte über Ihren kürzlichen Palästina-Besuch. Der Grundton Ihrer Ausführungen war, daß Palästina an der Schwelle neuer und großerwirtschaftlicher Ent- Wicklung steht. Der Präsident der Corporation, Bernard Flexner, der den Vorsitz führte, teilte mit, daß die Corporation mit einer Investierung von 125000 Dollar bei der Daed Sea Conecssion Company einen starken Impuls für die Realisierung der Konzession der Herren Novomejski und Tulloch zur Ausbeutung der Tote Meer-Salze gegeben hat. Richter Julian W. Mack teilte mit, daß seine Gruppe in einer im stillen durchgeführten Kampagne 280 000 Dollar aufgebracht hat, um die seitens der britischen Regierung von den Konzessionären geforderte Garantiesumme vollzumachen. Für das arbeitende Palästina Am 20. Juli 1929 wird in Berlin eine Weltberatung der Freunde für das arbeitende Palästina stattfinden, die der Vorbereitung des Weltkongresses für das arbeitende Palästina dienen soll.' Auf der Tagesordnung steht u. a.: 1. Einberufung des Weltkongresses für das arbeitende Palästina. 2. Jewish Agency-Fragen. 3. Finanztätigkeit der Histadrutb. Der Tagung, die im Dezember 1928 in Berlin stattgefunden und zur Gründung der Liga für das arbeitende Palästina in Deutsch- Iand geführt hat, sind entsprechende Veranstaltungen in anderen Lindern gefolgt. Bis zu der Konferenz werden noch Tagungen in Polen, Litauen, Lettland, Rumänien und Frankreich stattfinden. Berliner Jüdische Gemeinde und Jewish Agency Wie wir bereits gemeldet haben, hat der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde beschlossen, zwei Delegierte in das deutsche Initiativkomitee für die Jewish Agency zu entsenden. In der Sitzung der Repräsentantenversammlung am Mittwoch, dem 12. Juni, abends, in der zunächst die Beratung des Etats für das Jahr 1929 fortgesetzt wurde, machte der Vorstand vor Schluß der Sitzung Mitteilung von diesem Beschluß. Die Delegierten sind Direktor Klee mann und Kommerzienrat Oerson Simon. Dr. Ismar Freund begründet diesen Beschluß, wobei er vorausschickt, daß rechtlich eine Beteiligung der Repräsentantenversammlung an der Beschlußfassung nicht erforderlich sei. Es handelt sich um eine Schicksalsfrage des Gesamtjudentums, ja der ganzen Kulturmenschheit, nicht um eine Parteifrage. Die Berliner Gemeinde dürfe nicht fernbleiben. Den Nichtzionisten bietet sich eine einmalige Gelegenheit, sich und damit ihre Auffassung vom Judentum einzugliedern in die Aufbauarbeit am jüdischen Lande. Dr. Freund schildert den starken Eindruck, den er von den Leistungen in Palästina während seines Besuches im Lande empfangen hat. Auch, ja gerade, Nichtjuden sind erregt und erschüttert über das, was sich ihnen dort bietet. Dr. Freund rechnet es sich zur Ehre an, den Beschluß hier vertreten zu können. Nicht nur gilt es, eine Möglichkeit auszunutzen, sondern es gilt, eine historische Pflicht zu erfüllen, wenn die größte jüdische Gemeinde Mitteleuropas die jüdische Zukunft des jüdischen Landes und dessen Verbundenheit mit dem, Gesamtjudentum hier bekundet, wie sie es im Falle der Ica und ähnlichen jüdischen Aufgaben stets einmütig getan hat. Die Ausführungen von Dr. Freund rufen Bewegung im ganzen Hause hervor. Die Liberalen erklären, daß der Beschluß des Vorstandes ganz überraschend gekommen sei, und beantragen Vertagung der Angelegenheit. Schließlieh führen sie durch Verlassen des Saales Beschluß- Unfähigkeit herbei. Dr. Klee bedauert die Obstruktion der Liberalen In dieser gerade die Nichtzionisten betreffenden Angelegenheit. Die Frage wird wohl in der nächsten Sitzung der Repräsentantenversammlung noch eingehend erörtert werden. Fortsetzung der Etatberatnng Der Hauptteil der Sitzung der Repräsentanten Versammlung war der Spezialberatung der Etatvorlage gewidmet. Zunächst teilt der Vorsitzende mit, daß der Gemeindevorstand der Bewilligung von 1000 RM. für die hebräische Schulorganisation ״Tarbuth“ in Polen zugestimmt hat. Das Kapitel ״Kultus u. ä. Angelegenheiten“ schließt ab mit 1800000 RM., also 300 000 RM. höher als 1928. Der Friedhofsetat schließt in den Ausgaben ab mit 607000 gegen 533 000 RM. im Vorjahre. Das Kapitel ״Unterricht“ schließt in den Ausgaben ab mit 1394 000 RM. und erfordert einen Zuschuß von 103 700 RM. 1;Der, Referent, Prof. T|fk(, dauert: 499 geringen ,Zuschuß der Stadt (87ÖDÖ RM.)!. Er wendet sich erneut gegen die Pläne zur Gründung einer höheren Schule (neunklassige Vollanstalt). Dr. Fleischer (lib.) tritt namens eines Teiles der Liberalen für die weltliche Schule mit all ihren Konsequenzen ein. Dr. Kollenscher (Vorstand) dagegen legt dar, daß eine jüdische Schule nie klerikalisiert sein könne, ja ״weitliehe Schule“ im besten Sinne ihrem Wesen nach sei. Die jüdische Vollanstalt werde kommen. Mit dem Ausbau der jüdischen Schulwesens steht und fällt die Schul- Verwaltung. Beim Kapitel ״Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamt“ betont Dr. Cohn als Referent die Bedeutung des A r b e i t s - nach weises und der Kleiderkammer als Kernstücke der Gemeinde-Sozialpolitik. Doppelt bedauerlich seien daher die hier geplanten Abstriche, deren Ablehnung er empfiehlt. Der Arbeitsnachweis entspricht nach Umfang und Leistung etwa dem einer Großstadt wie Dortmund! Und die Kleiderkammer ist ein wertvolles Aufnahmebecken für entlassene Strafgefangene. Zu stützen sei auch das Gemeindewerkheim. Drückend sei der Boykott jüdischer Arbeitskräfte am Arbeifsmarkt, der sogar von jüdischen Arbeitgebern geübt wird. Die Bedeutung gerade dieser Frage heben Dr. London (lib.) und Kareski (Vorstand) hervor. Auf Anfrage Rothenberg (V. P.) sagt der Gemeindevorstand die baldige Schaffung eines Gemeinde-Sportplatzes zu. Beim Kapitel ״Altersheim“ tritt der Referent Loesser für Schaffung eines zweiten Hospitals ein zür Unterbringung der 120 in nichtjüdischen Heifnen Untergebrachten, zur Entlastung des Krankenhauses und zur Befriedigung des allgemeinen Aufnahmebedürfnisses. Das Kapitel ״Krankenhaus“ schließt in den Ausgaben ab mit 1210.000 RM. Der Referent Rosenthal zeigt, daß die Gemeinde mit einem geringeren Pflegesatz als sogar die Stadt in ihren Anstalten gut auskomme. Dr. Fleischer (lib) tritt für Schaffung weitere Möglichkeiten zur Ausbildung jüdischer Krankenschwestern ein. Die Versammlung bewilligt 22 000 RM. für die Einrichtung der neuen Poliklinik in der Stadt. Politische Nachrichten Der palästinensischen Presse entnehmen wir eine Reihe von erfreulichen Nachrichten, die freilich bisher noch nicht bestätigt zu sein scheinen, aber dennoch als interessante Gerüchte verzeichnet werden sollen. Es wird gemeldet, daß die Regierung beabsichtigt, den vor zwei Monaten veröffentlichten Gesetzentwurf über die Beschränkung der Autonomie der Stadtgemeinden nicht in Kraft treten zu lassen. Bekanntllch wurde gegen dieses Projekt von der öffentlichen Meinung Palästinas, und zwar arabischer als auch jüdischer, heftig protestiert. — Eine andere Nachricht besagt, daß die Regierung dieSchuldderStadtTel-Awlwin Höhe von 30000 Pfund gelöscht hat — Eine solche Maßnähme wäre nur gerecht, da Tel-Awiw im Gegensatz zu anderen palästinensischen Städten von der Regierung nur in sehr geringem Maße subventioniert wurde, während arabische Stadtverwaltungen mit großen Beträgen unterstützt wurden. ״Doar Hajom“ meidet, daß der Polizeiinspektor Duff, der die Verantwortung für das brutale Vorgehen der Polizei bei der Klagemauer und jüngst am Lag b’Omer am Grabe Schimons Hazaddik trägt, versetzt werden soll, und zwar wird er angeblich dem Sträflipgslager bei Megido zugeteilt werden.

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