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Jüdische Rundschau · 1929-06-18 · Heft 47 (18.6.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 47 (18.6.1929)
Date
1929-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 29» JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 47, 18. VI. 1939 in der zionistischen Bewegung der Geist des Aufbaus erneut lebendig gemacht werden. Die Erweiterung der Agency kann nur verstanden und begriffen werden unter dem Zeichen unseres Expansionswiliens in Palästina. Die Agency kann nur fruchtbar werden, wenn eine vom Aufbauwillen erfüllte Zionistische Organisation in ihr das Instrument zur Verwirklichung des nationalen Heims sieht. Die Zionistische Organisation kann nur stark sein, wenn sie spürt, daß trotz aller weltanschaulichen Differenzen Zionismus die stärkste verbindende Macht im Juden• tum ist. Der zionistische Orthodoxe und der zionistische Linke muß das Bewußtsein haben, daß sie miteinander mehr verbunden sind als mit nichtzionistischen Gesinnungsfreunden. Auch dieses Bewußtsein ist ins Wanken geraten, jeder sieht sich nur als Teil, jeder glaubt, es komme für ihn nur darauf an, seine Macht und seinen Einfluß zu sichern. Bei dem Neuaufbau d u Zionistischen Organisation wird der Gedanke der Einhe't der Zionistischen Organisation auch in organisatorischer Form seinen Ausdruck finden müssen. Die Zionistische Organisation kann nicht bestellen aus Bündnisstaaten, von denen jeder aut seine Selbständigkeit pocht und die sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen haben. Es muß ein einheitlicher Organismus sein, in dem alle Mitglieder gleiches Recht und gleiche Pflichten haben. Die Zionistische Organisation wird eine doppelte Funktion zu erfüllen haben: Eroberung des Judentums für Palästina, Gestaltung des Palästinaaufbaus durch das Medium der Zionistischen Organisation. In den letzten Jahren dominierte die zweite Aufgabe. Das Leben der Zionistischen Organisation war ein ewiger Kongreßwahlkampf. Die erste vor- *ehmste Funktion wurde nur von wenigen Gruppen und Menschen erfüllt. Die Erweiterung der Agency bedeutet eine neue Phase zionistischer Auseinandersetzung. Sie bringt Gefahren, sie wird unsere Kraft auf harte Proben stellen müssen. Aber sie bedeutet die Ncueröffnung der Auseinandersetzung im Judentum, die bisher, da wir den Partner nicht fanden, so gut wie unterblieben war. Die Erweiterung der Agency birgt Tendenzen zwiespältiger Natur in sich. Sie wird eine einigende Wirkung auf die Organisation ausüben, die sich angesichts des nichtzionistischen Partners ihrer Zusammengehörigkeit stärker bewußt werden wird. Sie kann auch entgegengesetzte Wirkungen haben, da die Verlockung, mit nichtzionistischen Gesimrungsfreunden zu paktieren, für manche Gruppen sehr stark sein wird, und es mehren sich die Aeußerungen, die solchen Befürchtungen Nahrung geben. Der Misrachi lehnt jede Bindung durch Fraktionszwang ab. Ein Täl der Radikalen und Revisionisten überlegt, ob er sich an der Agency beteiligen soll. Die Zionistische Organisation kann in die Agency nur mit geschlossener Phalanx gehen. Dissentierende Gruppen, unfruchtbare Opposition, mangelnde Geschlossenheit sind die stärksten Gefahren, die uns in diesem Augenblick bedrohen. Die Oefahren der Agency kommen nicht von den Nichtzionisten, sondern kommen von de n Zionisten. In dieser Situation rufen wir zu einem starken Allgemeinen Zionlsmus auf, der das Kernstück der Zionistischen Organisation bildet und in seiner zentralen Bedeutung stärker als zuvor in Erscheinung treten muß, der innerhalb der Zionistischen Organisation die Dornenkrone auf sich nimmt, die Staatsmartei zu sein, die Partei, die nicht nach gangbaren Parolen sucht, sondern in jedem Augenblick bereit ist, hinter dem Werk zurückzutreten, die Gruppe, die ihre Erfüllung im Dienste am Werke sucht. Der Allgemeine Zionismus ist bereit, die Verantwortung für die von Bim eingeleitete Agency-Politik, die jetzt in das Stadium der Verwirklichung tntt, in vollem Ausmaße zu übernehmen. Wir hoffen, daß sich in diesem Augenblick die Zionistische Organisation erneut zu einheitlicher Aktion zusammenfindet in der Erkenntnis, daß das Basler Programm, Balfatar-Deklaration, Mandat, Erweiterung der Agency nur Phasen in einem großen Prozeß sind: der Errichtung der jüdischen Nationalen Heim• stätte in Palästina. Radikale Zionisten (Liste 4) Von Dr. Nachutn Goldmann. Der XVf. Kongreß leitet, darüber sind sich alle Gruppen weiterte J. A., die zweifellos von der großen Majorität des Kongresses beschlossen werden wird, verschiebt sich der gesamte Rahmen des Palästina-Aufbaus. Diese grundlegende Aenderung der Situation, über deren Auswirkungen niemand sich noch volle Rechenschaft abgeben, und deren Konsequenzen niemand heute bereits überschauen kann, bedeutet naturgemäß auch die Notwendigkeit einer Umstellung der Politik und Taktik aller zionistischen Parteien. Sie bedeutet dies in erster Reihe auch für die radikale Gruppe, deren Kampf in erster Reihe bisher der Erweiterung der J. A. in der geplanten Form galt, und die sich naturgemäß als Bestandteil der Zionistischen Organisation dem Willen des Kongresses beugen und die er* weiterte J. A. als fait accoropli betrachten muß; die soeben In Warschau stattgefundene Konferenz der radikalen Oruppe hat beschlossen, sich an den Organen der erweiterten J. A. zu beteiligen. Es wäre sinnlos zu glauben, daß die radikale Oruppe damit auch nur irgendwie ihre Existenzberechtigung verloren hätte. Unser Kampf gegen die erweiterte Agency war für uns nur der Ausdruck des Kampfes für jene Prinzipien, die wir als die Basis des wahren Zionismus erachten. Niemals — dies sei hier in diesem Augenblicke ausdrücklich noch einmal festgestellt — haben wir den Gedanken der Heranziehung nichtzlonistischer Juden zur Mitarbeit am Palästina-Aufbau bekämpft. Was wir bekämpften, war die geplante Form der Heranziehung, die wir als unzionistisch mH undemokratisch betrachten: unzionistisch, weil sie nichtnationale und anti* nationale Juden in Zukunft über die zionistische Politik, die nur auf der Basis des nationalen Oedankens geführt werden kann, mitbestimmen läßt; undemokratisch, weil sie an Stelle von wahrhaft demokratischen Wahlen auf der Basis der Ver* antwortung der Gewählten vor den Wählern in erster Reihe Notabein Heranzieht. Nachdem die Erweiterung in ihrer jetzigen Form von der Majorität der Bewegung gebilligt wird, verschieben sich die Ziele unseres Kampfes. Im Vordergrund desselben kann nicht mehr das Prinzip der Erweiterung selbst stehen, sondern die Formen, in denen die neue Agency konsti* tuiert werden soll. Um diese Formen geht der eigent* liehe Kampf bei den Wahlen zum Kongreß und wird die eigent* liehe Auseinandersetzung auf dem Kongresse gehen. Wir haben immer erklärt, daß gefährlicher noch als die erweiterte Agency der Oeist ist, von dem die Majorität der Bewegung in ihrer jetzigen Politik sich leiten läßt, ein Geist, der bereit ist, aut elementarste zionistische Forderungen zu verzichten und einen Abbau der zionistischen Ideologie und der Grundprinzipien früherer zionistischer Politik zur Folge hat. Dieser unser Vor* wurt richtet sich in erster Reihe gegen jene Repräsentanten des sogenannten ״allgemeinen1‘ Zionismus, die unter der demoralisierenden Wirkung der Kompromiß-Politik gegenüber den nichtzionistischen Partnern bereit sind, jede Forderung derselben anstandslos zu bewilligen, auch wenn es aut Kosten wichtigster zionistischer Prinzipien geht. Es muß leider festgestellt werden, daß gerade die Vertreter des deutschen ״all* gemeinen“ Zionismus, die in früheren Jahren Träger und Wahrer der zionistischen Ideologie gewesen sind, in dieser Hinsicht mit am weitesten gegangen und zu gehen be* reit sind. Alle Verbesserungen in der Konstiuition der Agency, die Insbesondere auf der Sitzung des Aktions-ComWs hn vorigen Sommer und teilweise auch in den späteren A.-C.* Sitzungen erkämpft worden sind, wunden gegen die Stimmen der Vertreter des offiziellen deutschen Zionismus Im A.-C. durchgesetzt. Ein bezeichnendes Beispiel nur aus der letzten A.-C.-SJtzung vor zwei Wochen sei erwähnt: Wir beantragten die Aufnahme der Balfour-Deklaration und der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina als conditio sine qua non in die Präambel der Agency-Konstitution. Die überwältigende Majorität des A.-C. sah die Berechtigung dieser Forderung ein und stimmte ihr zu. Zu den ganz wem* gen, die dagegen stimmten, gehörten leider auch die deut* sehen Vertreter im A.-C., die, päpstlicher als der Papst, aus Angst vor dem Widerspruche der Marshall-Oruppe; bereit waren, auf diese Selbstverständlichkeiten zu verzichten; viel* leicht der Höhepunkt auf dem Weg der Preisgabe zionistischer Grundsätze, aut dem sich der offizielle deutsche Zionismus zn den letzten Jahren verrannt hat. Die wesentlichsten Forderungen bezüglich der Konsti* tu tion der erweiterten J. A., für die wir auf den letzten A.-C.*Sitzungen kämpften und auf dem Kongresse weiterkämpfen werden, sind bezeichnend« Symptome für den unzionistischen und undemokratischen Geist, der die bedingungslosen Anhänger der Erweiterungspolitik und unter ihnen wieder an erster Stelle die deutschen ״allgemeinen“ Zionisten beherrscht. Ich erwähne diese Forderungen hier in erster Reihe wegen ihrer symptomatischen Bedeutung. Wir bekämpfen das Prinzip der ״praxies", d. h. das Recht der Stimmübertragung und Stimmhäufung für einzelne Mitglieder der Agency, weil wir in ihm eine grobe Verletzung elementarster demokratischer und parlamentarischer Grundsätze erblicken; es stellt de facto die Uebertragung aktienrechtlicher Grundsätze aut die politische Körperschaft der erwei־ terten J. A. dar. Wir fordern kategorisch die konstitutionelle Sicherung des Rechtes der Z. O. durch Be- Schluß des Kongresses aus der erweiterten J. A. wieder auszutreten, wodurch dieselbe als auf* gelöst zu gelten habe und die Z.O, ־wieder In den Status der Jewish Agency zurückversetzt würde. Jahrelang hat man die zionistische Oeffentlfchkeit und die Kongresse angesichts der von allen zugegebenen Gefahren der Erweiterung damit beruhigt, daß man sagte, die Erweiterung werde ja aut Grund des bekannten Kongreßbesehlusses zunächst nur als Provisorium für drei Jahre erfolgen, in welcher Zelt man die Möglichkeit haben werde, zu sehen, wie die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten sich auswirken würde. Bekanntlich hat die Marshall-Oruppe das Provisorium abgelehnt. Was jetzt geschieht, bedeutet die faktische Unauflöslichkeit der erweiterten f. A.; denn wenn, wie das A.-C. beschlossen hat, eine qualifizierte Majorität des Councils der J. A■ erforderlich sein wird, um ihre Auflösung zu beschließen, so bedeutet dies, daß selbst wenn die gesamte Z. O. sich überzeugen sollte, daß die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten das Aufbauwerk gefährdet, daß die erwartete Steigerung unserer finanziellen Mittel ־sich als illusorisch erweisen sollte und die Z.O. demzufolge aus der erweiterten J. A. austreten will, wir dazu nicht mehr in der Lage sein werden, solange nicht ein erheblicher Teil, ein Drittel öder die Hälfte der Nichtzionisten, ebenfalls der Auflösung^ zustimmt. Ganz abgesehen von den Gefahren einer solchen Politik, In dieses von allen zionistischen Gruppen als riskant empfundene Experiment hineinzugehen, ohne die Möglichkeit zu naben, es wieder zu annullieren, bedeutet dieser Beschluß auch ein unbezweifelbares Unrecht gegenüber der Z.O. Denn die nichtzionistischen Gruppen werden jederzeit die Möglichkeit haben, wegzugehen, indem sie einfach sich nicht mehr an den Organen der Agency beteiligen. Wir können es nicht, da sonst die anderen allein die J. A. darstellen würden. Unsere Forderung sollte, so mußte man flauben, von jedem Zionisten, dem noch wahrhaft an der laehtstellung der Z.O. und an der Autorität des zionistlsehen Kongresses gelegen ist, als selbstverständlich empfunden werden. Und es ist im höchsten Grade kennzeichnend für die Verzichtstimmung innerhalb weiter Kreise der Organisation, daß die Majorität und unter ihnen wieder die Führer des offiziellen deutschen Zionismus in vorderster Reihe, diese unsere Forderung bekämpfen. Eine andere wesentliche Forderung, מוט die wir kämpfen, betrifft den Charakter der Konstituierung der nichtzionisti* sehen Vertretungen in der Agency. Die früheren Kongresse haben gefordert, daß die Wahlen der Nichtzionisten demokratisch zu erfolgen haben. Was aber jetzt f«schiebt, ist ein Hohn auf jede, auch die elementarste, Demo* ratie. In Amerika ernennt Herr Marshall die 44 amerikani* sehen Vertreter, in Deutschland, in Polen und anderen Ländem bestimmen kleine Komitees die nichtzionistischen Deiegierten. Dies stellt eine radikale Verleugnung aller demokratisehen Prinzipien dar, für die wir seit 40 Jahren im jüdischen Leben kämpfen. Mit welchem Recht werden wir in Zukunft für Demokratie in jüdischen Gemeinden und gegen Notabein* Wirtschaft kämpfen können, wenn unsere Gegner mit Recht darauf werden hinweisen können, wie völlig undemokratisch die Methoden der Wahl der nichtzionistischen Delegationen für die Agency erfolgt sind, denen wir zugestimmt haben? Was jetzt geschieht, bedeutet, wie Ich glaube, eine Verleugnung unserer ganzen bisherigen innerjüdischen Politik und eine Erschwerung unseres künftigen Kampfes im innerjüdischen Leben. Die fetzte Forderung, die ich hier noch erwähnen will, betrifft die Sicherung der Einheitlichkeit der Z. O. und der Autorität des Kongresses. Wir verlangen das Recht für de״ Kongreß wie auch für die zionistischen Vertreter In der J.A. in wichtigen Fragen das zionistische Votum zu binden. Wenn dieses Recht nicht gesichert wird, bedeutet dies die Gefahr eines Zerfalls der Organisation; dann würden die zionistischen Sondergruppen jederzeit die Möglichkeit haben, auch in grundsätzlichen Tragen mit nicht* zionistischen Gruppen zu stimmen, und damit die Einheitlichkeit der Z. O. endgültig zertrümmern. Wenn der Kongreß nicht die Macht haben soll, den Zionisten in der Agency bindende Direktiven, zu geben, verliert er jegliche politische Bedeutung, und es entfällt damit der Zwang für zionistische Gruppierun* gen, in Zukunft sich an Kongressen zu beteiligen. Al! diese Forderungen, gegen die leider die Führer des ״allgemeinen“ Zionismus in Deutschland kämpfen, zeigen — und deswegen habe ich sie hier erwähnt —, welche Gruppen heute wahrhaft für die Stärke der Z.O. und für die Sieherune der zionistischen Grundprinzipien eintreten. Man hört heute überall die Phrasen von der Stärkung der Organisation; aber die politische Physiognomie einer Gruppe wird nicht durch ihre Phraseologie, sondern durch ihre faktische politische Haltung bestimmt. Ich glaube, daß auch viele derjenigen Zionisten, insbesondere in Deutschland, — wo man immer Sinn fehabt hat für die Notwendigkeit einer starken Z.O. —, ie in der grundsätzlichen Frage der Erweiterung der J. A. selbst unsere Gegner waren, heute erkennen müßten, daß, wenn sie wahrhaft für eine starke Z. O. und für die Wahrung der wichtigsten zionistischen politischen Grundsätze eintreten, ihr Platz De» uns ist und nicht bei jenen ״allgemeinen“ Zionisten, die bereit sind, um jeder Forderung der Nichtzionisten willen auf wesentlichste zionistische Forderungen zu verzichten. Ich brauche nur weniges über unser politisches Pro* »ramm zu sagen; nicht weil dieser Fragenkomplex an Bedeutung verloren hat, sondern weil wohl eine Majorität der Bewegung heute von der völlig unbefriedigenden politischen Lage in Palästina und von dem Mangel einer zielbewußten zähen politischen Leitung seitens unserer Exekutive überzeugt ist. Hier sei nur betont, daß, abgesehen von den konkreten politischen Forderungen, für die wir eintreten, und die, um « tez zu sagen, auf die Durchsetzung einer Politik der aktiven Förderung des Aufbauwerks durch die Mandatarmacht hinauslaufen, wir vor allem auch gegen die gefährlichen Ten* denzen einer Preisgabe der letzten politischen Ziele des Zjo* nismus kämpfen; gegen jenen falschen Achad Haamismus, der an Stelle des souveränen jüdischen Gemeinwesens in Palästina aut der Basis einer jüdischen Majorität das Ziel eines ״geistigen Zentrums“ proklamiert, der die Entpolitisierung der Bewegung erstrebt und auch im innerjüdischen Kampfe im Galuth auf eine Liquidation dieses Kampfes um die Nationalisierung des Volkes und um die Sicherung unserer nationalen Rechte im Oaiuth hinausläuft. Auch hier kann ich den Wortführern des offiziellen deutichn Zionismus den Vorwurf nicht ersparen, daß sie, in früheren Jahren die Bannerträjger der zionistischen politischen Ideologie, heute meist im Lager derjenigen ZU TO* den sind, die diese Ideologie faktisch liquidieren. Wir stehen in Palästina vor dem Beginn einer neuen Immigration und Kolonisation, und damit werden die Pro* biente des Aufbaus, die in den letzten zwei Jahren unter dem Regime der ״Konsolidierung“ in den Hintergrund getreten waren, wiederum von höchster Aktualität. Auch hier kann man dem offiziellen deutschen Zionismus die Anklage nicht ersparen, daß er seiner Vergangenheit und seinen Priä* zipien von ehemals untreu geworden ist. Seit Jahren führt der offizielle deutsche Zionismus eine Politik, die ihn faktisch in offenen Widerspruch und in eine Kampfstellung gegen die Arbeiterschaft in Palästina gebracht hat, und die eine Preisgabe der menschlichen und sozialen Prinzipien der Kolonisation darstellt, für die der deutsche Zionismus früher gekämpft hat Unter dem falsch verstandenen Schlagwort der ״RonsoU* dierung“ hat man auf dem vorigen Kongreß die Arbeiter* schaft aus der Exekutive hinausgearängt, und hat eine Leitung in Palästina gewählt, die den gesamten Jisehuw Im Lande antwortlich sind, hat die Bedeutung der Zionistischen Exe* kutive als der zentralen Leitung der Kolonisation und als der maßgebenden Autorität im Lande beseitigt, und dazu geführt, daß im inneren Leben des Jisehuw in den letzten Jahren unsere Exekutive kaum noch eine wesentliche Rolle spielt. Man scheint hierbei noch weitergehen zu wollen. Es ist gewiß charakteristisch und wird vielleicht für viele ״allgemeine“ deutsche Zionisten eine Ueberraschung sein, daß Kurt Blumenfeld soeben speziell nach Warschau gefahren ist, um an einer Konferenz der ״Eth Liwnoth“-Gruppe teilzunehmen, d. h. Jener extremen wirtschaftsreaktionären Gruppe, die offen die Liqui* dation der Z. 0. und der zionistischen Prinzipien des Aufbau- Werkes proklamiert, und die In früheren JaVen Blumenfeld und seine Freunde als Ihre schärfsten Gegner betrachtet haben. Dies zeigt, wohin der Weg geht. Vielleicht ohne es zu wollen, ist der offizielle deutsche Zionismus im Begriff, sich restlos einer Politik zu verschreiben, die in flagrantem Widerspruch zu seiner Vergangenheit steht, und die ihn seine historische Rolle des deutschen Zionismus, der Bannerträger der kämpferischen, zionistischen Ideologie zu sein, endgültig verlieren lassen muß. Wenn deutsche Zionisten heute noch an diese Aufgabe glauben, so stehen sie in unserem Lager und nicht in demjenigen des offiziellen deutschen Zionismus. Ich weiß, daß die Wortführer dieses Zionismus in ihrer Phraseologie noch die Traditionen von gestern zum Teil bewahren; aber das eine sagen und das andere tun, ist die schwerste Anklage, die man gegen eine politische Gruppe erheben kann. Die Haltung der Wortführer des deutschen ״allgemeinen“ Zionismus in den letzten Jahren beweist, daß diese Anklage leider zu Recht besteht. So verstanden, repräsentiert die radikale Gruppe mit viel größerer Berechtigung den wahrhaft ״allgemeinen“ Zionismus als jene, die sich legitim so nennen, Sie kämpft nicht nur in Worten, sondern in Taten für die politischen Endziele der Bewegung, für den nationalen Kampf im Galuth, für die zJdnttlienen Prinzipien bei der Gestaltung des Aufbaus, für die Stärkung und Er* neuerung der Z. O. Mit diesem Programm gehen wir in den Wahlkampf zum kommenden Kongreß; dieses Programm wird unsere Haltung aut dem Kongreß und unsere Politik in der erweiterten Agency bestimmen. Weil wir an das zionistische Gewissen und die zionistische Einsicht des anonymen Zionisten glauben, glauben wir an den Sieg unserer Bestrebungen. Hapo€l«Haza$r (Liste 4) Von Georg Landauer. 1. Jewish Agency. Nicht ln den formalen Entscheidungen über die Jewish Agency Hegt die Bedeutung des XVI. Kongresses; nicht der Kampf um statutarische Bestimmungen ist es daher, der die Haltung der Hitachduth in dieser Frage bestimmt. Nachdem die Politik der Erweiterung der Jewish Agency mit Erfolg Ws in ihr jetziges Stadium geführt worden ist, wünschen wir, daß die neue Jewish Agencv ein starkes und arbeitsfähiges In* strument der Palästina-Kolonisation wird. Sie soll eine großzügige Kolonisation betreiben. Sie soll neue, den bisherigen beschrank* ten Rahmen sprengende Finanzierungsmethoden finden. Jedoch unsere Mitarbeit wird es sein, die sie arbeitsfähig macht. Die Hitachduth hat von vornherein nicht verkannt, daß die Erweiterung der Jewish Agency gewisse Gefahren für den nationalen Charakter unseres Aufbauwerkes und insbesondere für die Zu• kunft der Arbeiterkolonisation mit sich bringen kann. Sie hat gleichwohl diese Politik bejaht und gleichzeitig für die natio* nalen Grundforderungen der Arbeiterschaft gekämpft. Das vom Aktions-Gomite bestätigte Weizmann-Marshall-Abkominen be* deutet die erfolgreiche Durchsetzung der gerade von ihr ver* tretenen Gesichtspunkte. Es bleibt unsere Aufgabe, innerhalb der erweiterten Jewish Agency dafür zu sorgen, daß, was als konstitutioneller Grundsatz anerkannt worden ist, auch in der Praxis der Palästinaarbeit verwirklicht wind. — Indem wir die Jewish Agency in ihrer heutigen Konstruktion bejahen, geben wir nicht unser Ziel auf: die Herbeiführung eines allgemeinen Zusammenschlusses der Judenhelt auf der Grundlage des zionistischen Programms mit einer voUcstümliehen demokratischen Repräsentation. Das System Fifty-Fifty, Zionisten-Nichtzionisten, die Repräsentation durch Notabein ist II. Die zionistische Bewegung. Von einem Irrtum gehen die Zionisten aus, die glauben, daß nach der Erweiterung der Jewish Agency die Zionistische Organisation ihrer Aufgaben ledig sei. Die Aufgabe des Zionismus 1m jüdischen Volk ist nicht erfüllt. Auch die Arbeitsfähigkeit <*«־, Jewish Agency wird von der Aktionsfähigkeit der Zionistwehen Organisation abhängig sein. Die Sicherung des natio* nalen Charakters des Palästinaaufbaus, die Gewinnung des Nach- Wuchses für die Bewegung bleiben Ihr Vorbehalten• Darum 8011 der XVI. Kongreß eine Zeit des Aufschwungs des zionistischen Gedankens, der Kräftigung und der Erneuerung der Zlonistisehen Organisation bedeuten. Wir dürfen nicht zulassen, daß das feste Band der Zionistischen Organisation durch unseren Eintritt in den Council der erweiterten Jewish Agency eine Erschütterung erfährt. Wenn es ertaubt wäre, daß nunmehr einzelne zionistische Parteien ihr Qruppemnteresse dem zionistischen Oesamtinteresse voranstellen und unabhängig von den Beschlüssen des Zionisten- Kongresses ihre speziellen Forderungen durch Verbindung mit ihnen nahestehenden nichtzionisfschen Gruppen gegen andere Zionisten durchzusetzen suchen, so wäre «erdings die Zukunft der Zionistischen Organisation auf ehe harte probe

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