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Jüdische Rundschau · 1929-06-18 · Heft 47 (18.6.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 47 (18.6.1929)
Date
1929-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47, 18. VI. 1029 JUEDISCHE RUND5CHAU Seite 299 f. I; Der Zionistenkongreß soll das Recht haben, festzustellen, welche zur Entscheidung kommenden Fragen von grundsätz־ lieber nationaler Bedeutung sind. In diesen Fragen muß der Kongreß die zionistischen Vertreter im Council zu einer einheitliehen Stimmenabgabe verpflichten. Gegnerschaft, die gegen diese Forderung von misrachistischer und revisionistischer Seite geäußert worden ist, läßt sich kaum mit der unerschütterlichen Verbundenheit mit der Zionistischen Organisation vereinbaren, die sich auch dann bewähren muß, wenn einmal ein Mehrheitsbesehltiß des Kongresses gegen die eigene Gruppe ausfällt. Gew iß kann nur eine Konzentration aller zionistischen Kräfte eine Stärkung der Zionistischen Organisation herbeiführen. Dieser Zusammenschluß muß die ganze Zionistische Organlsation umfassen. Er 9011 nicht nur wieder in der Zusammensetzung der leitenden Organe mm Ausdruck kommen, insbesondere tut eine Erneuerung der zionistischen Landesverbände not. Das vom vorigen Kongreß angenommene Organisationsprinzip des Territorialverbandes hat sich in den verflossenen zwei Jahren nicht durchgesetzt. Ein lockerer Zusammenschluß der bestehenden zionistischen Verbände durch gemeinsame Kommissionen ist tatsächlich kein zur Vereinigung treibendes Moment und bedeutet nicht den Zusammenschluß aller Zionisten zu einer arbeitsfähien Landesorganisation. Der organisatorische Aufbau der Z. V. . D. (in der Bisher aus völlig unverständlichen Motiven unter allen zionistischen Gruppen lediglich die Poale Zion-Partei sich nicht an der gemeinsamen zionistischen Arbeit beteiligt) kann anderen Ländern als Vorbild dienen. Durch eine Organisationsreform soll überall ein solcher Umbau der Landesorganisationen erfolgen, daß die Föderationen, unbeschadet ihres autonomen Zusammenschlusses zur Durchführung ihrer Sonderaufgaben, als Fraktionen Teile der Landesorganisation werden. Wir wollen uns jedoch nicht der Täuschung hingeben, daß es organisatorische Maßnahmen wären, die das ziel einer Kräftiung, Verbreiterung, Erneuerung der Zionistischen Organisation erbeiführen können. Die Zukunft der zionistischen Bewegung wird nur durch die Erzeugung eines zionistischen Nachwuchses, durch zionistische Erziehung der jüdischen Jugend verbürgt. Die Jugend soll den Aufbau Palästinas als ihre eigene Aufgabe und ebenso die Fortführung der zionistischen Arbeit überhaupt als ihren Beruf ansehen; sie muß in die zionistische Bewegung hineinwachsen, sie muß aber vor allem von einem zionistischen Ideal beseelt sein, das sie in ihrem eigenen Leben verwirkliehen kann. Daher soll die Erziehung des Nachwuchses auf das nationale Ziel, das die Arbeiterschaft in Palästina verwirklicht, gerichtet sein. Sie soll das Werk fortführen, das die Pioniere der Bewegung in Palästina begonnen haben. Die Jugendhewegung wird nicht zionistisch sein, wenn sie nicht chaluzisch ist. Wir fordern daher, daß der Kongreß der Hechaluz-Bewegung die Möglichkeit einer breiten Entfaltung gewährt. Dies ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung des jüdischen Volkes für die größeren Arbeitsmöglichkeiten, die wir durch die Erweiterung der Jewish Agency in Palästina erstreben. Die Erneuerung der zionistischen Bewegung verlangt noch eine Auseinandersetzung nach einer anderen Seite hin: gegen den Revisionismus. Nicht als ob der Einsatz aller Kräfte gerade gegen die unbedeutende revisionistische Organisation (in anderen Ländern dürfte sie kaum bedeutender sein als in Deutschland) das Entscheidende wäre; erhält doch die revisionistische Gruppe ihr Gesicht besonders dadurch, daß sie, wie jede solche Opposition, eine Sammelstätte aller Unzufriedenen ist, auch wenn diese kaum eine gemeinsame Gesinnung einigt (man denke nur daran, daß sich der seit langem persönlich verärgerte Rabbi Dr. Oaster, der vor einigen Jahren Jabotinsky nach dessen eigenem Bericht den englischen Behörden als verantwortungslosen Schwätzer charakterisiert hat, jetzt dem Revisionismus angeschlossen hat!) Nicht als ob die Bekämpfung der revisionistischen Opposition gegen die Erweiterung der Jewish Agency und gegen den bisherigen außenpolitischen Kurs der Ztonistisehen Organisation das Wesentliche wäre; denn würde es sich nur um diese mehr oder minder opportunistische, durch gegenwärtige Konstellationen motivierte und mit ihnen oder durch ihre Stabilisierung natürlich schwindende Opposition handeln, so könnten wir schon angesichts ihrer offenkundigen allgemeinen Ablehnung durch die zionistische Bewegung beinahe darüber himveggmien. Es kommt uns vielmehr darauf an, gegen die revisionistische Geisteshaltung in der zionistischen Bewegung überhaupt unsere Stimme zu erheben. Wo der Revisionismus beginnt, sich eine Ideologie auszuborgen und sie in die jüdische Jugend infiltriert, wo er, wie in Palästina, mit reaktionärer Politik in das tagtägliche Leben eingreift, da setzt unsere schärfste Gegnerschaft ein. Die jugenderzieherischen Tendenzen des Revisionismus führen zu einer verachtungsvollen ״Hundertprozentigkeit“, zu einer formal nationalistischen Uebersteigerung, zu intolerantem Chauvinismus. Scheinbar anknüpfend an Herzische Traditionen wird ein militaristischer, der faschistisehen Konjunktur gemäßer ״Tel Chaj“־Geist in einer alinungslosen Jugend gezüchtet, der zu einer Verwilderung der nationalen Moral führt, über die sich wahrscheinlich manche ihrer eigenen Führer täuschen. Auch die revisionistische Forderung vom ״Primat des Nationalismus“ gegenüber der sozialen Bewegung bedeutet keineswegs lediglich unbedingte Anerkennung des nationalen Gedankens; diese unserer Arbeiterschaft durch eine neue Partei zu predigen, wäre ebenso müßig wie verletzend; diese Forderung des Pnmats soll lediglich die Entleerung der der nationalen Bewegung von allen sozialen Inhalten verdecken und, ähnlich wie bei anderen Völker»,die rückschrittliche arbeiterfeindliche Haltung des Revisionismus verkleiden. Die Stärkung und Entfaltung einer von idealistischem chaluzischetn Geist erfüllten Jugendbewegung ist die Kraft, die wir dem Revisionisinus entgegensetzen müssen. III. Palästina-Kolonisation. Alle unsere Anstrengungen sind darauf gerichtet, unsere Kolonisation in Palästina zu vergrößern und unser Werk auf allen Gebieten ständig wachsen zu lassen und zu vertiefen. Wir wissen, daß die Verantwortung hierfür in erster Linie bei uns selbst liegt, denn es ist die Aufgabe des jüdischen Volkes, das jüdische Aufbauwerk zu vollbringen. So abwegig es ist, in einer geradezu manischen Art alle Intensität aut die Forderungen an andere, an die Regierung, zu konzentrieren, so richtig ist es, daß ohne eine entschiedene Förderung unserer Arbeit durch die Administration des Landes unsere Tätigkeit gehemmt ist und unsere Mittel nicht ihrem Zweck entsprechend verwendet werden können. Eine kluge und besonnene zionistische Politik hat in Zukunft noch vieles durchzusetzen und kann noch vieles erreichen. Wir wünscheen, daß die bisherige Grundeinstellung unserer politischen Arbeit wirksam bleibt und hoffen, daß der Regierungsantritt der Labour Party in England der Durchsetzung unserer Forderungen, die sich fast alle aut die Erlangung von Arbeitsmöglichkeiten und die Verbesserung von Ar- Beitsbedingungen beziehen, günstig ist• In diesen Zusammenhang gehören auch die Fragen unserer arabischen Politik. Trotz der bedeutungvollen und häufig nach außen hin taktisch verwerteten Initiative, die die Hitachduth auf dem ersten Karlsbader Kongreß durch die von Martin Buber vorgetragene Eiklärung über unseren Willen zu einer jüdisch-arabischen Verständigung ergriffen hat, ist jahrelang weiter nichts geschehen. Wir erstreben in Palästina ein vertrauensvolles Zusammenleben und Zusammenarbeiten aller Schichten der Bevölkerung und wünschen, daß die Zionistische Organisation dieser Lebensfrage unserer Bewegung in Zukunft die größte Aufmerksamkeit zuwendet. Auch die Arbeiterbewegung hat da manche Anfänge geschaffen, die weiter ausgebaut werden müssen. Wenn wir auf zionistischer Seite oft in der arabischen Frage eine den Waren Blick trübende und die für Entschlüsse notwendige Entschiedenheit dämmende Aengstlichkeit beobachten, so ist dies darauf zurückzuführen, daß wir heute in Palästina noch klein sind und als eine Minderheit immer die Gefahr der Majorisierung befürchten. So zeigt sich wieder, daß eine intensive Verstärkung unserer Kolon isat ion sa r be it, die unsere Basis breiten und unsere Position ansehnlicher macht, in den Fragen der Außenpolitik der Regierung gegenüber wie in der Frage der jüdischarabischen Verständigung ein wirksamer Antrieb zu einem Weiterkommen sein wird. In der erweiterten Jewish Agency wird der Nachdruck auf dauernde Vergrößerung unserer Arbeit gelegt. Zu diesem Zweck müssen die Einnahmen des Keren Hajessod gesteigert werden und neue Methoden der Finanzierung, insbesondere der Gedanke der Anleihe, müssen darüber ninaus zur Realisierung gebracht werden. Vor allen Dingen soll ein frischer Zug durch unsere seit Jahren stockende Kolonisationstätigkeit gehen. Neue Kolonisation auf allen Gebieten soll das Zeichen der neuen Aera sein. Auch diejenigen, die glaubten, den Begriff der Konsolidierung in einen Gegensatz zur Fortsetzung der Kolonisationstätigkeit stellen zu können, haben im Laufe der letzten zwei Jahre begreifen müssen, daß hier ein grtitidsätzlicher Irrtum vorlag. Nicht die neue, ״wirtschaftliche“ Budgetpolitik hat ja die Arbeitslosigkeit verschwinden lassen; sondern die Inangriffnahme großer Arbeiten durch die Regierung und der Beginn einer neuen Siedlungstätigkeit, diesmal durch das Privatkapital, insbesondere in der Orangenzone, haben die brachliegenden Arbeitskräfte der Chafuzfm aufgenommen. (Noch größer war, wie wir sehen, der Irrtum, daß eine Aenderung der Administration in Palästina ifhter Aus- Schaltung der Arbeiterschaft von der Verwaltung unseres Aufbauwerkes eine Stärkung des Vertrauens der jüdischen Welt zur zionistischen Arbeitsfähigkeit und damit auch steigende Eingänge unserer Fonds zur Folge haben würden. Nicht Personen sind hierfür entscheidend, sondern die Wirkung des zionistischen Gedankens und die Intensität der zionistischen Arbeit im jüdischen Volk. Hiervon hängt es ab, ob unsere Geldmittel sich vermehren und ob unsere Arbeit sich konsolidiert.) Kolonisation also ist es, die die Konsolidierung herbeiführt. Keiner wünscht sehnlicher als unsere Siedler, als die Arbeiterschaft selbst, die Vollendung der begonnenen Siedlungspunkte. Diese muß also in der bevorstehenden Periode mit alter Energie durchgeführt werden. Die Kraft, die bisher den Vorstoß des jüdischen Volks in neue produktive Tätigkeit getragen und die jüdische Jugend in unseren Siedlungen wieder mit dem jüdischen Boden verbunden und so die Grundlagen zu einer nationalen Wirtschaft gelegt hat, diese Kraft war die Initiative unserer Arbeiterschaft. Wir verlangen auch in Zukunft die Anerkennung dieser Initiative, ihrer Organisationen und der von ihnen geschaffenen Institutionen. Wenn der neue Abschnitt unserer wirtschaftlichen Tätigkeit charakterisiert ist unter anderem durch das Einströmen des privaten Kapitals, so sind wir uns dessen bewußt, daß eine großzügige Betätigung der Privatinitiative, wie durch den Ankauf riesiger Bodenflächen in der Orangenzone und ihre Verwertung in privatkapitaüstischem Interesse, nur dann zugunsteif unseres nationalen Wirtschaftsaufbaus wirksam sein wird, wenn sie ihren Ausgleich findet in einer dichten Besiedlung dieser kostbaren Böden durch die ihn b e a r b e i t e n d e n Menschen. Und wenn dies gerade im Hinblick aut die Pflanzungskolonien heute schon weit über die Kreise der Arbeiterschaft hinaus begriffen wird, so haben wir durchzusetzen, daß in allen Zweigen unserer Tätigkeit die j ü d i sc h e A r be i t als das Fundament unserer Kolonisation anerkannt wird. Wir verlangen nationale Bodenpolitik, nationale Siedlungstätigkeit und nationale Kontrolle der Privatinitiative durch die Kolonisationsinstitute der erweiterten Jewish Agency. Am Vorabend des Kongresses hat sich in Palästina die Einigung der Arbeiterparteien vollzogen. Beide Arbeiterparteien gehen dort bereits mit einer einheitlichen Liste zu diesem Kongreß. Noch müssen manche (historisch begründete) Hemmungen in der Diaspora überwunden werden, um die beiden Weltverbände ln den Ländern des Galuth auf den gleichen Weg zu bringen. Wir sehen in der Einigung in Palästina mehr als eine aktuelle Parteiangelegenheit: sie bedeutet den Zusammen- Schluß aller arbeitenden Elemente, um den Sieg der Idee einer arbeitenden jüdischen Gesellschaft, einer wiederbelebten hebräisehen Kultur in Palästina zu erkämpfen; sie bedeutet eine Kon- Zentrierung der Kräfte, um den Pioniergeist im Zionismus autrechtzuerhalten, um die zionistische Bewegung instandzusetzen, auch weiter die Aufgaben des Pioniertums zu erfüllen; sie bedeutet eine Aufforderung an die jüdische Welt, die geeinte Front des Arbeitszionismus zu verstärken. Der Verwirklichung dieses Zieles des arbeitenden jüdischen Palästinas dient das Programm und die Arbeit der Hitachduth. Zur Entscheidung für dieses Ziel ruft sie bei den bevorstehenden Kongreßwahlen auf. Revisionisten (Liste 6) Von Richard Lichtheim. Das Ziel des Revisionismus ist die Erneuerung der zionistisehen Bewegung als der nationalen Bewegung des jüdischen Volkes zum Zwecke der territorialen Lösung der Judenfrage. Die Erkenntnis Herzls bestand darin, daß die Judenfrage in allen ihren Teilen nur gelöst werden kann, wenn das jüdische Volk sein eigenes Territorium erhält. In diesem Sinne ist Zionismus das Streben nach dem Judenstaat — auch wenn mit Rücksicht auf äußere politische Umstände das offizielle Programtn nicht fordert, daß ein souveräner Judenstaat in Paläsffna errichtet wird. Die Verwirklichung des Zionismus ist vielmehr auch denkbar in der Form eines Gemeinwesens, das unter dem Schutze einer Großmacht steht. Aus diesen Erwägungen wurde zur Zeit der Türkenherrschaft als Ziel des Zionismus die Schaffung einer ״öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte“ in Palästina proklamiert. Diese Formel eignete sich in ihrer Allgemeinheit auch für geänderte politische Verhältnisse. Sie kann auch in Zukunft beibehalten werden, wie immer die äußeren politischen Umstände sich gestalten. (Mandatsystem oder britisches Dominium.) Unverändert aber bleibt die Vorstellung der t e r ri t o - rialen Lösung der Judenfrage, d. h. die Schaffung einer freien, sich selbst verwaltenden nationalen Gemeinschaft, die in ihrem Lande (Palästina einschließlich Transjordaniens) die Mehrheit der Bevölkerung bildet. Die jüdische Majorität In Palästina ist keine neuerdings aufgestellte Forderung, sondern eine selbstverständliche Voraussetzung für die Verwirklichung des Zionismus. Zionismus will Ueberwindung der Galuth, wenigstens für einen Teil der Judenheit, also gerade Beseitigung des Zustandes, daß die Juden überall in der Minoritat sind. Zionisten, welche behaupten, daß die Erreichung der Majorität in Palästina für die Verwirklichung des Zionismus unwesentlich sei, widersprechen damit der grundlegenden HerzIsehen Idee der territorialen Lösung der Judenfrage. Infolge der politischen Schwäche und Planlosigkeit der zionistischen Leitung konnte sich in den letzten Jahren eine Riehfung im Zionismus breitmachen, welche diese politische Grund- Vorstellung ignorierte und die wahren Ziele der Bewegung durch einen falschen Kulturzionismus zu ersetzen strebte, der bald als ethisch-religiöse Friedensbewegung, bald als soziale Reformbewegung auftrat. Hinter solchen scheinbar höchst idealen Tendenzen verbarg sich allzu häufig nur die Furcht und die Unfähigkeit, gegen die Widerstände und Gefahren, der jede nationale Bestrebung in der Realität begegnen muß, anzukämpfen und die Wirklichkeit im Sinne der zionistischen Forderung umzugestalten. Gegen diese Entartung des zionistischen Denkens erhob sich der Revisionismus und stellte die grundsätzlichen Forderungen der Bewegung von neuem auf. Zugleich versuchte er, die Einzelheiten eines wirtschaftlichen und politischen Programms m entwickeln, das der jetzigen Situation entspricht. Dabei mußte der Revisionismus in entschiedenen Gegensatz zu der zionistischen Leitung treten, welche einerseits die Zer- Störung der gedanklichen Grundlagen des Zionismus zuließ, und sich andererseits als unfähig erwies, für die Politik und Wirt- Schaft der Bewegung deutliche Richtlinien zu finden. Der Revisionismus mußte den politischen Pessimismus der Leitung ebenso bekämpfen, wie die Planlosigkeit auf dem Gebiet der Wirtschaft, die es verschuldet hat, daß wir heute, 10 Jahre nach dem Kriege, noch immer keine zionistische Wirt- Schaftspolitik haben und an veralteten, längst als verfehlt erkannten Methoden festhalten. Die Grundsätze des revisionistischen Kongreß-Programms sind folgende: A. Zionistische Organisation und Jewish Agency. Die revisionistische Union hat von Anfang an die Erweiterung der Jewish Agency nach dem Fifty-fifty •System bekämpft. Die durch dieses Verfahren der Leitung angerichteten Schäden sind außerordentlich groß und heute nicht mehr gutzumachen. Die Zionistische Organisation wurde verkleinert una geschwächt, ihr Selbstbewußtsein gebrochen und ihr Prestige geschädigt. Dem hohen Preis, welcher gezahlt wurde, entsprechen in keiner Weise die bisherigen Resultate der ErweiterungspoÜtik. Die Schwierigkeiten und Gefahren, welche sich aus der Konstruktion der erweiterten Agency für die Zukunft ergeben müssen, werden heute auch von 901chet1 Zionisten anerkannt, die früher der Leitung auf ihrem Wege blind gefolgt sind. Die in letzter Zeit besonders in Amerika erzielte Gewinnung neuer Kräfte für die Palästinaarbeit hätte sich nach unserer Auffassung auch auf anderem Wege erreichen lassen, ohne daß das Gebäude des Zionismus erschüttert und seine weitere Existenz bedroht wurde. Die endgültige Entscheidung in der Agentyfragc wird auf dem bevorstehenden Kongreß fallen. Die Ansicht der revisionistischen Union, die sie auf dem Kongreß und nach dem Kongreß in der geeigneten Form und am geeigneten Ort zur Geltung bringen wird, ist in der folgenden Resolution niedergelegt, die von der Weltkonferenz der Union angenommen wurde: ״Die Union ist bereit, die Vereinigung aller Kreise des jüdisehen Volkes zur verantwortlichen Teilnahme an dem Aufbau des jüdischen Palästina gut zu heißen unter der bindenden Bedingung, daß die volle Souveränität eines demokratisch gewählten Kongresses gewahrt wird, dem allein das Recht zusteht, die ganze Körperschaft der Jewish Agency zu wählen, und vor dem die Gesamtheit der Mitglieder der Jewish Agency die ungeteilte Verantwortung zu tragen hat.“ B. Politik. 1. Kolonisationsregirae. Für die Durchführung des zionistischen Programms ist die aktive Teilnahme der Staatsgewalt in Palästina unentbehrlich. Der Revisionismus fordert daher ein Kolonisationsregime, d. h. die Umwandlung der jetziganisation die jüdische Einwanderung und Kolonisation aktiv fördert. Die Schaffung einer Bodenreserve, die Reform der Steuer-, Zoll-, Verkehrs- und Handelspolitik entsprechend den Bedürfnissen des aufblühenden jüdischen Gemeinwesens, Verkehrserleichterungen im fnnern und mit dem Auslande, Ent- Wicklung der Absatzmöglichkeiten, Standardisierung der Ausfuhrwaren, Förderung der Kulturen durch Versuchsstationen, Ausstellungen, staatliche Fürsorge für das jüdische Schul- und Sanitätswesen entsprechend der jüdischen Steueiieistung, eine internationale Anleihe unter der Garantie der Mandatarmacht, militärische und polizeiliche Schutzmaßnahmen, die den Bestand der jüdischen Siedlungen garantieren, — das alles sind notwendige Einzelheiten der Politik eines solchen Kolonisationsregimes. Diese Forderungen stehen nicht nur im Einklang mit dem Mandat, sondern sie ergeben sich unmittelbar aus dem Wortlaut des Mandats, dessen tatsächliche Durchführung im geschilderten Sinn unablässig gefordert werden muß. Die zionistische Leitung hat in dieser Hinsicht versagt, weil sie von einem politischen Pessimismus beherrscht ist, der die Durchführung einer solchen Politik von vornherein unmöglich macht. Die Ansicht des Revisionismus, daß diese Forderungen durchführbar sind, gründet sich auf die Ueberzeugung, daß England die Verwirklichung des Zionismus will und die großen Vorteile erkannt hat, die sich für das britische Reich aus der Förderung des Zionismus ergeben. Wir können England gewiß nicht zwingen, aber wir können, auf die Balfour-Deklaration und das Mandat gestützt, immer wieder unsere Forderungen erheben, und wir werden sie durchsetzen, wenn wir selbst von ihrer Gerechtigkeit und Notwendigkeit überzeugt sind. 2. Volksvertretung in Palästina. Das Mandat anerkennt die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina. Das jüdische Volk ist demnach in Palästina nicht nur insoweit zur Kolonisation befugt, als es dort schon durch eine gewisse Zahl von Einwanderern vertreten ist; vielmehr hat die Gesamtheit des Volkes einen Anspruch auf Einwanderung und Kolonisation. Demnach würde die Errichtung pariamentarischer Institutionen int gegenwärtigen Zeitpunkt den Absichten des Mandats widersprechen, da die Schaffung solcher Einrichtungen vorläufig notwendigerweise ein schweres Hindernis für die jüdische Einwanderung sein müßte. 3. VerhältniszudenArabern. Allen Zionisten geineinsam muß das Bestreben sein, die Beziehungen zu den in Palästina wohnenden Arabern zu freundlichen und nachbarlichen zu gestalten. Es ist aber bis zur Erlangung der jüdischen Majorität notwendigerweise mit einem gewissen Widerstand von arabischer Seite zu rechnen, der um so heftiger sein wird, wenn der Zionismus zu erkennen gibt, daß er vor der Durchführung seiner eigenen Forderungen zurückschreckt, um keinen Widersnruch bei den Arabern hervorzurufen. Auch eine schwächliche, gleichgültige, oder gar zweideutige Haltung der Landesregierung kann den Widerstand der Araber ermutigen, und unter Umständen erst hervorrufen. Die Verständigung mit den Arabern ist eine ernste und wichtige Aufgabe unserer künftigen Politik, sie wird aber nur dann eine ernstgemeinte und fruchtbare sein, wenn es für alle Beteiligten feststeht, daß das Mandat seinem Wortlaut und seinem Sinne nach durchgefülirt wird. Mit einer unter dem Schutze der Mandatarmacht stetig wachsenden, starken jüdischen Siedlung wird das palästinensische Arabertum sich verständigen. Bis zur Erreichung dieser Verständigung muß unsere ökonomisch-politische Arbeit mit größter Bcschleunigung weitergehen, und die öffentliche Diskussion aller Verständigungsmöglichkeiten muß sparsam und mit Zurückhaltung geführt werden, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, daß die Zionisten selbst auf die Erreichung ihrer Ziele verzichtet haben. C. W i rtschaf t. Das Wirtschaf tsprogramm und das soziale Programm der Union der Zionisten-Revisionisten sind aufs engste mit dem politischen Programm der Union verbunden und in entscheidendem Maße von diesem beeinflußt. Die Schaffung des Kolonisationsregimes ist die Voraussetzung wirtschaftlicher Arbeit großen Stils. l.IntensiveLandwirtschaft. Die Grundlage einer gesunden landwirtschaftlichen Kolonisation besteht in der Ren- Labilität jedes Betriebes. .

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