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Jüdische Rundschau · 1929-06-13 · Heft 45-46 (13.6.1929) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 45-46 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45/40, 13. VI. 1820 JÜHDISCHE RÜWDSCRÄÜ Seite 281 Austrag kommen und entschieden wird, in weichem Ausmaße die verschiedenen Anschauungen auf da* Arbeitsprogramm und auf die Leitung der Arbeit Einfluß erhalten. 6. Organisatorische Stellung der Jugendverbände, Chaluzorganisationen usw. Die Konsolidation der zionistischen Kräfte muß durch die — nicht bloß formal organisatorische, sondern praktisch reale ך- Einbeziehung der Mitglieder der Jugendverbände usw. in die Organisation gekrönt werden. Die Gegenleistung der Zionistischen Organisation für den Entschluß, der hier gefordert wird, muß die Anerkennung und Förderung der Speztalorganisationen durch die Zionistische Weltorganisation und ihre Olieder bilden, für die sich mannigfache Formen denken lassen. 7. FinanzierungderOrganisationund Schekel. In dem Zeitpunkt, in dem mit der Erweiterung der Jewish Agency dfer Keren Hajessod zum Agency-Fond wird, ist die Organisation in noch weit stärkerem Maße als bisher au( die Organisationsbeiträge der Zionisten angewiesen. Träger der politischen Rechte innerhalb der Weltorganisation, insbesondere des Wahlrechts, muß in Zukunft statt des ״Schekel-Zahlers" das ״Mitglied der Zionistischen Organisation“ sein, das seinen regelmäßigen Beitrag an die Organisation entrichtet. Der Mindestbeitrag wird etwa in Höhe des doppelten Schekelbeitrges festzusetzen sein. Um die unfruchtbare Methode zu beseitigen, die gegenwärtig dazu zwingt, auch von den organisationsergebensfen Zionisten den winzigen Schekelbetrag gesondert zu erheben, muß grundsätzlich zugelassen und erreicht werden, daß der Keren Hajessod von Zionisten in deren K.-H.-Beiratg zugleich den Organisationsbeitrag miterhebt. Die Sonderaktionen zur Erlangung von Organisationsbeiträgen, insbesondere die dem Kongreß vorausgehende Aktion, können sich dann auf die mehr peripheren Zionisten beschränken. in der Naehmittagssitzung referierte Dr. Georg Laudauer über Fragen der AnsiedlungdeutscherCha- I u z i m in Palästina. Es wurden hier die AntrSge des G.A. einstimmig .angenommen. f. Der Landesvorstand hält es für erforderlich, daß die Ansiedlung deutscher Chaluzim auf Boden des KKL. erfolgt. Sollte der KKL. zurzeit keinen geeigneten Boden zur Verfügung stellen können, so soll der zu erwerbende Boden dem KKL. unter angemessenen Bedingungen übertragen werden. II. Der Landesvorstand hält es für erforderlich, daß der Ansiedlungsplan dem Kolonisation sdepartment der Zionistisehen Exekutive zur Begutachtung vorgelegt wird. Die Durchführung der Ansiedlung soll gemeinsam mit den Koloirisations- Instanzen der Zionistischen Organisation erfolgen. III. Anpassung der Zinsen- und Amortisationsbedingungen an das Schema der Zionistischen Exekutive. IV. Eigenarbeit des Siedlers. Im Bedarfsfälle nur jüdische organisierte Arbeit, d. h. Beschäftigung von Arbeitern unter den Bedingungen, wie sie bei der Vermittlung von Arbeitern durch die Arbeitsämter üblich sind. V. Der Landesvorstand ermächtigt- ־den׳. G. A., im ׳ Rahmen dieser Richtlinien die Verhandlungen mit den Siedlern bzw. mit der Exekutive zum Abschluß zu bringen. Die Sitzung fand ihren Abschluß mit einem außerordentlieh informativen Bericht von Herrn Motzkin über die Bewegung der nationalen Minoritäten. Motzkin gab dem Wunsch Ausdruck, daß die zionistische Bewegung sich sehr viel stärker als bisher mit dieser zentralen Frage befassen möge. An der Sitzung nahmen folgende Mitglieder des Landesvor- Standes teil: Adler, Ascher, Bileski, Buchholz, Feuerring, Foerder, Grünstein, Sali! Hirsch, Jacobsohn, Kanowitz, Landauer, Levinsohn, Lichtheim, Löwenstein, Moses, Naftali, Noack, Rabin, Rosenblüth, Samuel, Wolfheim, Wolfsberg. Aas den Gemeinden (Von unserem Berichterstatter.) Duisburg. In einer öffentlichen Versammlung der Zionistisehen Vereinigung sprach R.-A. Simon über jüdische Gemeindearbeit. Der Anlaß war dieser: Wie im vorigen Jahre, so lehnte es auch diesmal die Repräsentanz ab, den C.-V. zu subventionieren, weil man allgemeine Steuergelder nicht einem Verein zuwenden könne, der beschlossen habe, einen bestimmteil Teil der Juden zu bekämpfen. Darauf legten ein vor Jahresfrist von der nichtliberalen Mehrheit zum 1. Vorsitzenden des Vorstands gewählter Liberaler und die beiden liberalen Repräsentanten ihr Amt nieder, wie sie es vorher angedroht hatten für den Fall, daß die andern, wie immer, ihrer Ueberzeugung gemäß stimmen würden. Derselbe Vorsitzende hatte noch ln derselben Sitzung rühmend hervorgehoben, daß die Zionisten objektiv und sachlich das ganze Jahr hindurch gearbeitet hätten. Die Zionisten waren es, die den von den Liberalen in den Etat eingesetzten Beitrag für den K. K. L. strichen, weil dieser zwar niemanden bekämpfe, aber von der Zionistischen Organisation verwaltet werde, in einer nichtöffentlichen liberalen Versammlung und in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ wurde die Ablehuung des C.-V.-Beitrags und die ungerechtfertigte Amtsniederlegung unter Entstellung der Tatsachen gegen die Zionisten ausgebeutet. R.-A. Simon gab deshalb eine ausführliche Darlegung der Vorgänge und schilderte im Anschluß daran die erfolgreiche Arbeit der Gemeindeverwaltung. Die Versammlung dankte ihm durch lebhaften Beifall. In der Diskussion verkiindete der Vorsitzende des liberalen Gemeindevereins, R.-A, Dr. Sally Kaufmann, der für seine Person den Austritt einzelne r aus der Gemeinde verwarf, die Liberalen hätten eine Kotnmission eingesetzt, um ihren Gesamt austritt aus der Gemeinde und die Gründung einer Sondergemeinde zu erwägen. — Ein Gegenbeispiel: Die Nachbargemeinde Düsseldorf bewilligte einen Beitrag für den C.-V. und für den Parteifonds der Verein!- gung für das liberale Judentum, also zwei unstreitig die Zionisten stark bekämpfende Parteiorganisationen, lehnte dagegen die Subventionierung des Keren Hajessod, einer niemanden befehdenden Einrichtung, ab. Die überstimmten Zionisten drohten nicht, legten nicht ihr Amt nieder, verließen die Einheitsgemeinde nicht. Für Zionisten ist cs nichts Ungewohntes, überstimmt zu werden. Sie unterwarfen sich der Mehrheit und arbeiteten als Minorität weiter. Die jüdische Kultusgemeinde in W ien hat auch in diesem Jahre wiederum einen Betrag von 15000 Schillingen *־׳«• den Keren Hajessod In ihr Budget eingestellt. Die Wahlen «um XVL Zlonbtenkongrc* Bekanntmachung Nr. 7. 1. § 3 Absatz 2 der Wahlordnung lautet: ״Wahlberechtigte Schekelzahler, die ihren Wohnsitz an Orten haben, die nicht zu Wahlorten erklärt sind, können ihr Wahlrecht während der Wahltage an einem beliebigen Wahlort ausüben." Die Fassung dieser Bestimmung hat zu Mißverständnissen Anlaß gegeben. Selbstverständlich können auch Wahlberechtigte, deren Wohnsitz ein Wahlort ist, ihr Wahlrecht an einem beliebigen Wahlort ausüben, falls sie sich während der Wahltage aufReisen befinden. In affen Fällen, wo Wahlberechtigte außerhalb ihres ständigen Wohnsitzes wählen, sind folgende Bestimmungen sorgfältig zu beachten: a) der Wähler hat die auf seinen Namen lautende Schekelquittung für das Jahr 5680 vorzulegen, b) der Wähler hat sich über seine Person auszuweisen, c) die Ortswahlkommission (bzw. Wahlleitung) hat die Schekelquittung einzufordern und sie zugleich mit dem im verschiossenen Kuvert abzugebenden Stimmzettel — (beides wiederum im geschlossenen Kuvert) — zusammen mit dem Wahlprotokoll an den Kreiswahlvorstand zur Weiterleitung an die Hauptwahlkommission einzusenden. (Diese Kuverts werden erst in der abschließenden Sitzung der Hauptwahikommission geöffnet.) 2. Zu Wahlorten wurden ferner erklärt: Wahlkreis I: Deutsch-Eylati, Schwedt a. O., Spandau, Wesermünde. Wahlkreis II: Heilbronn, Herford, Herne, Militsch. Die Hauphvahlkommtuion für die Wahlen zum XVI. Zionisienkongrefj in Deutschland Rosenblüth. Kongre$wahlen in Berlin Bekanntmachung der Berliner Zionistischen Vereinigung. A. Es wird auf die Wahlordnung!angewiesen, die die Hauptwahlkommission für die Wahlen rum XVI. Zionisten-Kongreß in Nr. 43 der ״Jüdischen Rundschau" vom 31. Mai 1939 erlassen hat. B. Für die Wahlen in Berlin werden darüber hinaus folgende Bestimmungen erlassen: Groß-Berlin bildet einen Stimmbezirk. Der Stimmbezirk ist eingeteilt in acht Wahlbezirke: Wahlbezirk I Nord-West und Vororte: ״ II Charlottenburg, Wilmersdorf, Halensee, Grunewald; . III Westen, Süd-Westen, Schöneberg u. Vororte; IV Centruin; ״ V Osten, Nordosten und-Vororte; VI Norden und nördliche Vororte; ״ VII Süden und südliche Vororte; ״ VIII Neukölln und Tempelhof. S 1. Die Wahlen finden am 93. und 94• Juni in verschiedenen Stadtgegenden (s. unten) statt. Jede Wahlhandlung wird von einem dem Hauptvorstand der B. Z. V. ernannten Wahlvorstand geleitet. 5 3. Die Wahl ist geheim. Jeder Wähler muß persönlich im Wahllokal ewtshamen. Er nennt der Wahlkommission seinen Namen und seine Adresse und empfängt einen Stimmzettel, den er persönunzulässig. Stimmzettel, die dieser Bestimmung nicht entsprechen, lieh io die Wahlurne legt. Als WajtJlegitimatipn gilt;dje aui dpn Namfcii lautende Sgh**>'lqu i 1111 nrg״J ü r das- J ahr* ößfig. Der Wahlvorstand hat das Recht, darüber hinaus eine Legitimation zu verlangen. Der Schekelverkauf in oder vor dem Wahllokal ist verboten. Auf dem Stimmzettel muß der Wähler die Ordnungsnummer und mindestens den Namen des an erster Stelle stehenden Bewerbers eines Wahlvorschlages vermerken. Di« Veränderung einer Liste ist unzulässig. Stimmzettel, die dieser Bestimmung nicht entsprechen, sind ungültig, es sei denn, daß die Wahlleitung einstimmig der Ansicht ist, daß der wirkliche Wille des Wählers unzweifelhaft erkennbar ist. Wähler, die den Schekel entrichtet haben, Jedoch nicht mehr im Besitze einer Schekelquittung sind, müssen sich über ihre Person ausweisen und erhalten, falls sich ihre Schekelzahlung aus der Wählerliste erweist, die Wahlberechtigung. $ 3. Gesinnungsgenossen, die nicht im Besitze einer Schekelquittung sind und sich im Zweifel über ihr Wahlrecht befinden, können im Büro der B. Z. V., Meinekestr. 10, in der Zeit vom 17. bis 91. Juni von 9 bis 51/a Uhr Auskunft erhalten, ob sie in der Wählerliste stehen. S 4. Schekel Zahler, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, haben kein Wahlrecht. Der Wahl verstand ist berechtigt, in Zweifelsfällen von den Wählern einen Ausweis über ihr Alter zu verlangen. $ 5. Die Wahlen finden am 93. und 94• Juni *u folgenden Zeiten und in folgenden Wahllokalen statt; Sonntag, den 23. Juni, vorm- 10 bis a Uhr: Beth Hamndrasch, NW, Klopstockstr. 25; Kartell jüdischer Verbindungen, Bleibtreustr. 50 (Gartenhaus); Jüdische Gemeinde, Rosenstr. 3/4; Kottbusser Klause, Kottbusser Damm 90 (Eingang Birkner- Straße 13/1/ן) . Sonntag, den 23. Juni, nachm. 4 bis 7 Uhr: Kartell jüdischer Verbindungen, Bleibtreustr. 50 iGarlenhaus); Unionsäle, Greifswalder Str. 222; Deutscher Hof, Luckauer Str. 15; Jüdische Mädchenschule, Kaiseratr. 30. Montag, den 24. Juni, 12 bis 8 Uhr: Konditorei Telschow, Potsdamer Platz (Ecke Links 11.; Kottbusser Klause, Kottbusser Damm 90 (Eingang Birknerstraße 13/14); Jüdische Gemeinde, Rosenstr. 3/4; Kartell jüdischer Verbindungen, Bleibtreustr. 50 (Gartenhaus). Jeder Gesinnungsgenosse, der in den oben angeführten acht Wahlbezirken Groß-Berlins wohnhaft ist, hat das Recht, die persönliehe Wahl in jedem angegebenen Wahllokal auszuüben. S 6. Laut Beschluß des XV. Zionisten-Kongresses isfcdie schriftliche Wahl abgeschafft. Der Hauptvorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung. Dr. Werner Bloch. Breslau. Die Wahlen zum 16. Zionistenkongreß finden in Breslau im Büro der Breslauer Zionistischen Vereinigung. Karlstr. 15, Sonntag, den 23. Juni, von 9 bis 13 Uhr und Montag, den 24. Juni, von 9 bis 18‘/1 Uhr statt. Wahlberechtigt sind alle Schekelzahler, die das 13. Lebensjahr beendet haben. Der örtliche Wahlvorstand: Jacobsohn. Dr. Piuczower. Kongreßwahlen in Frankfurt a. M• Wahlzeiten und Lokale: Sonntag, den 23. Juni, vorm, von 9—1 Uhr: Unterlindau 21; naenm. von 3—7 Uhr: Suppenanstalt, Theobaldstraße 5. Montag, den 24. Juni, vorm, von 11—3 Uhr: Untertinda« 21; nachm. von ß—7 Uhr: Uateiliadan 21. ..■״■ ׳ ■׳ ׳ ״Season 1929" (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AG Tel-Awiw, den 28. Mai 1929. Palästina hatte dieses Jahr seine erste richtige ״Konzert* saison". Eine ganze Reihe von großen Künstlern besuchte das Land, teils im Anschluß an Aegyptenreisen, teils direkt von hier aus eingeladen. Nun ist es selbstverständlich, daß man gute Konzerte hat, wenn Künstler von Weltruf zur Verfügung stehen. Was aber durchaus nicht selbstverständlich ist und für alle, die das geistige Leben Palästinas während der letzten Jahre kennen, eine freudige Ueberrascbung bedeutete, ist die Tatsache, daß sich hier in Palästina ein verständnisvolles Publikum herauszubil* den beginnt. Noch vor vier und fünf Jahren war ein Theater- oder Konzertbesuch im Lande durchaus kein Genuß. Nicht nur wegen der mittelmäßigen oder schlechten Leistungen. Auf die war man vorbereitet und hatte Verständnis dafür. Sondern vor allem wegen der äußeren Unordnung und dem unruhigen Gebaren des Publikums. Unpünktlichkeit war die Regel, die Räumlichkeiten waren ungenügend, und niemals war jene Ruhe und Stille zu erreichen, die wir von europäischen Konzerten und Theatern gewöhnt sind. Die erste große Revolution ging von der Oper aus, die ihre Vorstellungen pünktlieh begann und sich damit durchsetzte. Und mancher andere folgte diesem ersten guten Beispiel, so daß heute eine merkliehe Besserung zu spüren ist, was Pünktlichkeit betrifft Die lange Reihe von Konzerten in diesem Jahre war gewissermaßen eine Prüfung für die Entwicklung unseres palästinensischen Publikums, und man darf sagen, daß es sie so gut bestanden hat, wie man es nicht zu hoffen gewagt hatte. Alle Veranstaltungen waren gut besucht, obwohl zum Teil Eintrittspreise verlangt wurden, die für den palästinensischen Standard exorbitant waren. Das Publikum betrug sich durchaus ״europäisch" und bewies zum Teil einen ausgezeichneten Geschmack. Kurz, ein Konzert- oder Theaterbesuch, der noch vor vier oder fünf Jahren einer Qual ähnelte, wird heute schon zu einem Genuß. Selbstverständlich ist noch nicht alles so ideal, wie man es sich träumt, aber alles ist bereits auf gutem Wege. Einen bedeutenden Einfluß haben die verschiedenen Bauten gehabt, die in den letzten Jahren entstanden sind und einen guten Rahmen für die Konzerte abgeben. Besonders Tel- Awiw verfügt heute über eine ganze Reihe von Sälen, angefangen von dem hübschen intimen Theater ״Tai" (Teatron Arezjisraeli), in dem regelmäßig die Konzerte der ״musikalischen Gesellschaft“ und die Vorstellungen der ״Habimah“ stattfinden bis zu dem neuen großen Freilichtkino ״San Rena“, das vor kurzem mit viel Geschmack und Großzügigkeit am Meere errichtet wurde, Haifa und Jerusalem stehen m dieser Beziehung hinter Tel-Awiw zurück. Aber auch dort werden ähnliche Unternehmungen geplant. Bei der gegenwärtigen Stimmung kann es sogar des Guten zuviel werden! Die Schaffung der günstigen Atmosphäre hingt aber nicht nur von diesen äußeren Bequemlichkeiten ab. Der Fortschritt des Publikums hat seinen Grund in jener Beweglichkeit und Gelehrigkeit des Juden, die man überall auf der Weh beobachtet. Die Künstler und Lehrer, die sich hier um die Hebung des Geschmacks bemühen, haben empfängliche Schüler, die der Begeisterung kein Maß gehalten wird, ist selbstverstlndlieh. So kommt es denn, daß hier gelegentlich Sachen unternommen werden, für die wir noch keine Kräfte haben und für die wir noch nicht reif sind: Auch für diese Erscheinung hatten ^ir BCweife in der'letten'Saison. Die Anzahl der großen Konzerte war rein ökonomisch für das kleine Palästina kaum tragbar und manche Programme, wo z. B. einheimische Orehester eine bedeutende Rolle spielten, gingen über die vorhandenen Kräfte. Im ganzen genommen aber, haben die letzten Monate das palästinensische Publikum in einem sehr günstigen Lichte gezeigt, und man darf die Hoffnung hegen, daß das große Interesse und die rege Teilnahme an jedem künstlerischen Unternehmen, das die Juden überall kennzeichnet, auch hier im Lande gute Früchte tragen wird. Noch eine eigenartige Erscheinung ist der Erwähnung wert. Während man sonst die Künstler in der Regel nur spielen hört, kann man sie in Palästina auch reden hören, wie den meisten wichtigen Persönlichkeiten bereitete man auch den großen Künstlern im Lande Empfänge. Und da spricht man dann oft nicht nur von Musik, sondern auch von Palästina, der Kolonisation, dem Eindruck des Landes. Jeder, der hierher kommt, wird hineingezogen in die allgemeinen Interessen, vielleicht auch in die allgemeinen Sorgen. Und mancher von den jüdischen Künstlern, die uns hier besuchten, hat vielleicht zum ersten Male in seinem Leben Interesse für sein Judentum bekommen.... Und gerade bei ihnen haben wir, die wir im Lande leben und vielleicht seine Probleme oft schärfer sehen als seine Schönheiten, wieder einmal die i'iherwältigende Wirkung des Landes Palästina erlebt. Eine Italienische Zions-Dichtung (Angiolo Orvieto: II Vento di Sion.) Während vor kurzem die Italienische Judenheit mit dem zweibändigen Werke von Dante Lattes über den Zionismus einen wichtigen Beitrag zur Geschichte und Erkenntnis der zionistischen Bewegung geliefert hat, ist jetzt ein Gedichtzyklus erschienen, der Aufmerksamkeit verdient. Es ist der״Canzoniere“ des Angiolo Orvieto, der unter dem Titel 1״■ Vento di Sion“ von der Casa Editrice Israel in Florenz herausgegeben wurde. Der Held des Buches, Dattilo da Montolmo, der in Florenz zur Zeit der Hochrenaissance lebt, ist einer jener Juden, die in gleicher Weise an der Kultur ihrer christlich-italienischen Umweit teilnehmen wie sie gläubige und gesetzestreue Juden sind. Im Anfangsgedicht des Zyklus ״Wer ich bin“ nennt er David und Dante als seine beiden Leitsterne. Wir begleiten Montolmo durch die Geschicke der italienischen Juden seiner Zeit; von dem freiheitlichen, uneingeschränkten Leben, das ihnen zunächst in Toskana gewährt war, bis zu dem Ghetto, in das sie 1571 auf großherzoglichen Befehl eingeschlossen wurden. Italienisches und jüdisches geistiges Leben erstehen vor uns, wir hören ebenso von Marsilio Ficino und Poiizian wie von David Reubeni und Donna Benvenida Abravanel, der jüdischen Freundin der ersten Großherzogin von Toskana, von den Reben und Oliven Italiens wie von den Palmen Palästinas. Gerade diese Mischung ist es, die dem Werk seinen eigentümlichen Charakter verleiht. Beim Ton des Schofars erzittert das Herz Montolmos und er gedenkt der Verbannung seines Volkes; wenn ein Schiff in See geht, hofft er auf den Tag, an dem ein jüdisches Schiff mit jüdischem Steuermann sein Volk wieder in die alte Heimat führen wird, und die Gräber seiner Ahnen lehren ihn die noch in ihm wirkende Kraft der Gestorbenen, die mit der Sehnsucht nach Zion dahingegangen sind. Und dann hinwiederum: der süße Klang der toskanischen Sprache, die Kuppel des Doms, die die Florentiner Landschaft beherrscht, die Zypressen, Oliven und Weinhänge seiner Heimat fesseln ihn, daß er den Oedanken an sie nicht lassen kann. — So zeigt uns Orvieto in seinem Werke die Gestalt eines Juden, der glühend nach Zion strebt and dock auch mit ganzer Seele aq dam Laqde sein«* Geburt hingt, Offenbar ist Onrieto eiaer

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