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Jüdische Rundschau · 1929-06-13 · Heft 45-46 (13.6.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 45-46 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 288 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 45/46, 13. VL 1929 Die achtmonatliche Arbeitsbilanz der Frauen- Arbeitsgemeinschaftfür Palästina. CF.A.P.) In ihrer Arbeitsschlußsitzung vom 6. d. M. überblickte die F. A. P. die Ergebnisse ihrer nunmehr achtmonatliehen Tätigkeit. Am 15. Oktober 1928 durch Beschluß einer Versammlung von Vertreterinnen der Jüdisch-Nationalen Frauenvereinigung als deren Nachfolgerin ins Leben gerufen, hatte sich die F. A. P. die Aufgabe gesetzt, die organisatorische Zersplitt e ru n g , die in Berlin auf dem Gebiete der Paliistinaarbeit der Frauen bestand, zu beenden, alszentraleOrganisation, die Frauen verschiedenster Richtungen, Zionistinnen und Nichtzionistinnen, auf Grund des Wizo-Programms zusammenzuschließen, durch eine intensive Werbe- und Bildungstätigkeit den Palästinagedanken in weite Kreise zu tragen und die Leistungen der Frauen für Erez-Israel zu steigern. Trotzdem die Tendenzen und Methoden der neuen Organisation zunächst auf allerlei Gegnerschaft stießen und ihre finanzielte Fundierung eine sehr unsichere war, kann doch mit Befriedigimg festgestellt werden, daß es ihr gelungen ist, einen tüchtigen Schritt ihrem Ziel entgegen zu tun. während bisher die Mitglieder eine wenig gestaltete und nur zu geringem Teil aktive Masse darstellten, wurden sie nun durch die Gründung von Bezirksgruppen in sieben Stadtteilen Berlins übersichtlich gegliedert und durch eine Fülle von Selbstverwaltungsaufgaben, die ihnen nun zufielen, zu stärkerer Mitarbeit herangezogen. Durch das gesteigerte Mittun und Mitdenken an den Problemen ihrer Organisation, wurde aber das Interesse der Frauen in viel höherem Maße geweckt und eine enge Verknüpfung und ein tieferes Verständnis für ihre Mitverantwortung am palästinensischen Aufbauwerk und dessen allgemeinen Problemen erzielt. In nicht weniger als 32 eigenen größeren Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen haben sich die Mitglieder der F. A. P. mit der Frauen- und Wizo- Arbeit in und für Palästina, mit Berichten über Erez-Israel, mit zionistischer Ideologie, mit nationalen Erziehungsproblemen und jüdisch-soziologischen Fragen auseinandergesetzt. Fünf von diesen Veranstaltungen vereinigten die Frauen aus allen Bezirken und gaben ihnen Gelegenheit, ihre besten Führerinnen ersönlich kennenzulernen und ihren Standpunkt vertreten zu ören: Frau Vera Weizmann, Frau Goodman und Frau Sieff aus der Londoner Exekutive der Wizo, Henriette Szold und Irma Lindheim. Einmal führte sie die Persönlichkeit Martin Bubers und seine Erörterung des ״Gemeinschaftswillens unserer Zeit“ zu einer gemeinsamen Kundgebung mit allen anderen jüdischen Frauenverbänden Berlins zusammen. Die übrigen Veranstaltungen gingen von den einzelnen Bezirksgruppen aus und schufen durch ihre Regelmäßigkeit einen erwünschten und bisher entbehrten Treffpunkt für die Mitglieder und für neugewonnene Interessentinnen. In neun verschiedene« Studiengemeinschaften setzten kleine Gruppen, die zum Teil das 3. Jahr bestehen, unter der Leitung so sachkundiger Frauen wie Frau Elfriede Bergei- Gronemann, Jenny Blumenfeld, Klara Boschwitz, Mirjam Czuczka, Recha Freier, Helene Koigen, Dr. Maria Lewin, Dr. Maria Mayer und Else Nathan ihre seminaristischen Uebungen aus verschiedenen Gebieten jüdischer Kultur fort, mit stärkerer Betonung der jüdisch-politischen Probleme, insbesondere derjenigen der palästinensische« Gegenwart. In einer Reihe von Arbeitssitzungen mühten sich der Gesamtvorstand der F;A. P. und die Vorstände der ein- *einen Bezirksgruppen um die Lösung organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten ihrer neuen Organisation, um die Methoden und Technik ihrer Werbe- und Erziehungsarbeit und um organisierte Mithilfe im Büro. Die Erfolge dieser unausgesetzten und ernsthaften Bemühungen zeichnen sich nun darin ab, daß der Mitgliederstand der F. A. P. sich in den vergangenen acht Monaten v e rdoppelt hat — sie zählt nun gegen 500 Mitglieder gegenüber 250 im Herbst 1928 — und daß ihre Eingänge aus den Mitgliederbeiträgen sich vervierfacht haben. •— Sie betragen nun über 6000 M. gegenüber 1500 M. im Herbst 1928. Außer diesen Leistungen für die eigene Organisation haben sich die Frauen in ganz ausgezeichneter Weise m diesem Jahre an der Arb e i t f ür d en Na tionalfond s beteiligt. Nach dem Bericht von Frau Stefanja Theilh a be r, die selbst an allererster Stelle vorbildlich wirkt, haben die Frauen durch Sammlungen bei verschiedenen Anlässen 6112 M. aufgebracht, für die Goldene Buch-Eintragung der F. A.P. von Frau Weizmann 320 M. gespendet und überdies den Hauptteil der Arbeit an dem N.-F.-Batl im vergangenen Dezember bestritten, der einen Reinertrag von 3000 M. gebracht hat. Die Verpflichtung zur Keren Kajemeth- Arbeit Ist auf der letztenWizo-Konferenz für alle ihr angeschlosscnen Frauengruppen statuiert worden. Sie wird in Zukunft von der F. A. P. noch viel bewußter vertreten werden müssen, als es in diesem ersten Werdejahr geschehen konnte, wo ihre Last eigentlich nur von einzelnen ihrer Mitglieder, wenn auch in glänzender Weise, getragen wurde. Durch die kürzlich erfolgte Vereinigung mit dem Kulturverband ist die erste Etappe zu einer Vereinheitlichung der Frauenarbeit in Berlin erreicht worden und die vor dem Abschluß stehenden Besprechungen mit der Berliner Zionistischen Vereinigung werden durch Einbeziehung der Ms dahin in ihrem Rahmen nur lose und wenig aktiv vereinigten Frauen in die F. A. P. die notwendige und ersehnte organisatorische Einheit vervollständigen. Hat auf diese Weise die F. A. P. In ihrer ersten Arbeite- Periode ihre organisatorischen Grundlagen schaffen können, so muß sie in ihrer nächsten darangehen, die finanzielle Sicherung ihres erforderlichen Verwaltungsapparats und ihrer Kontingent- Verpflichtung gegenüber dem Wizo-Werk voll durchzuführen. Dies ist möglich, wenn sie ihren Mitgliederstand aut tausend erhöht und gleichzeitig auch bei den neuen Mitgliedern die gleiche Staffelung der Beitragssätze erzielen kann•, wie sie in diesem Jahr erreicht werden konnte. Die Parole der F. A. P. für ihre nächste Arbeitsperiode lautet demnach klar und präzise: Jedes Mitglied werbe ein neues Mitglied — eine Parole, deren Durchführung im Bereich der Möglichkeit liegt und der alle Aktionen der F. A. P. im nächsten Arbeitsjahr zu dienen haben werden. Die bevorstehende Wizo-Konferenz mit ihrem reichen Tagungsprogramm, das die Erörterung organisatorischer Probieme in den Vordergrund stellt, die zu erwartende Konstituierung der Jewish Agency, die lebhafte Palästina-Debatte auf der eben abgelialtenen Tagung des Weltbundes jüdischer Frauen, in der die Vertreterinnen des Palästinagedankens ihren Appell ganz besonders eindrucksvoll zu vertreten verstanden — all das dürfte sich ais neuer und wertvoller Impuls in der Arbeit des nächsten Jahres auswirken. Ais Delegierte zur Wizo-Konferenz wurden von der Arbeitssitzung der F. A. P. vom 6. d. M. gewählt: Frau Dr. Marie Mayer, Frau Dr. Nadja Stein, Frau Bridschgi- Schimmer und Erna B a r f e 1 d als Ersatzdelegierte. N. St. Franeobttcher ״Nacht Uber Rußland“. Dem vor einiger Zeit erschienenen und hier besprochenen ersten Teil der Memoiren der Vera Figner folgt nun •— in Vereinigung mit diesem — der zweite Teil (Malik-Verlag, Berlin). Er umfaßt die Jahre, die auf die Freiwerdung aus Schlüsselburg folgen und bis in unsere Tage hineinreichen. Hier sowie schon früher sind Gefühlsausbrücne, soweit es angeht, Angriffe auf die gegnerische Seite, ja sogar auf die vielen Peiniger, die Vera Figner kennenlernte, wie nicht bald einer, aufs strengste vermieden. Aber daß und wie diese Frau für die einmal richtig erkannte Wahrheit bis in die letzte Konsequenz und in jedem Augenblick ihres Lebens eingestanden hat, macht ihr Leben — über alle Parteimeinungen hinweg — für immer zu einem menschlichen Vorbild. Die Jahre nach Schlüsselbürg bilden eine Kette verzweifelter Anstrengungen, sich in eine durch 22 Jahre veränderte Welt in tätjger Anteilnahme wieder zurückzufinden. Es gelingt nicht alles, was bei dem hohen Flug ihrer Lebensziele dieser Frau Ausgang zum Kampf gewesen. Aber es bleibt noch immer viel an gütiger Fürsorge für den unterdrückten Teil der Menschheit, der Legion ist nach wie vor. Maria Waser, Wende. Roman eines Herbstes. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Mit viel Verständnis und der Gabe zu sprachlicher Gestaltung ist hier das Problem der alternden Frau aufgerollt. Die Heldin des Romans, glückliche Gattin und Helferin ihres Mannes, Mutter zweier wohlgeratener Kinder, erlangt in der Abgeschledenheit die innere Sammlung, nach der sie sich längst sehnt. Hier findet sie in gütigem Verzicht sich selbst wieder, erkennend, daß es Abend wird und auch der Rest sinnvoll und schön sein kann. Dieser Prozeß ist verwoben mit einer zarten Liebesgeschichte, die in ihren Einzelheiten immer wieder zum Verzieht drängt. Das Buch ist frei von falscher Sentimentalität und in schöner Sprache geschrieben. Die Briefe der Franziska Gräfin zu Reventlow. Vor einiger Zeit sind die ״Gesammelten Werke“ der Gräfin Reventlow herausgekommen (bei Albert Langen, München). Sie haben — besonders in den Tagebüchern — Wesen una Bedeutung der Gräfin Reventlow so ganz lebendig zum Ausdruck gebracht, daß die neuerschienenen Briefe notgedrungen in etwas fahlerem Licht erscheinen müssen. Wertvoll ist in diesen Briefen vor allem Jie in den ״Gesammelten Werken“ fehlende Schilderung der ersten Zeit der Jugend mit dem so schwer auf der jugendlichen Seele lastenden häuslichen Milieu, schließlich die Flucht. Auch der Schlußteil gibt Aufschluß über bisher Unbekanntes: die Jahre nach der stürmischen Münchener Zeit (geschildert in den Tagebüchern und ein köstliches Dokument aus dem Vorkriegsmünchen der Wedekind, Huch u. a.), Abklärung und Resignation, deren Melancholie gesteigert wird durch das Erlebnis des Krieges, dem diese Frau verzweifelnd gegenüberstand, bangend um den einzigen Sohn, der dem sinnlosen Treiben nicht geopfert werden sollte. So fern die Gestalt dieser Frau jüdischer Art erscheint: im tiefsten führen gemeinsame Fäden zu gemeinsamen Zielen. M a. W e. IIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIinillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH Heinrich Mann’s geistiger RechensciiaHsberich( H einrich Mann hat Aufsätze, Vorträge, Briefe aus den Jahren 1921—1928 zu einer ChronikderGedan kx n u n d Vorgänge vereinigt, die unter dem Titel ״Siebenjahre“ im Verlage von Paul Zsolnay erschienen ist. Mit Recht bezeichnet sich das Buch als großen geistigen Rechenschaftsbericht der Epoche. Sei es, daß Heinrich Mann das geistige Bild der Inflationszeit gibt, sei es, daß er sich gegen Zensur und Justiz wendet, immer zeigt er jenes Maß von kritischem Blick und kultureller Verantwortung, das ihn immer wieder als einen Vorkämpfer der zu allen Zeiten stark bedrängten Freiheit des Geistes erscheinen läßt. In allen diesen Jahren hat Heinrich Mann offenbar die Wandlung der Jugend und die Entwickhing der europäischen Verständigung mit besonderem Interesse verfolgt. Einen breiten Raum nimmt auch die Würdigung literarischer Erscheinungen ein. Es ist nur natürlich, daß Heinrich Mann an einer für das Bild gerade der Nachkriegszeit wesentlichen Erscheinung wie dem Antisemitismus nicht vorübergehen konnte. Er begnügt sich mit einer psychologischen Deutung. ״Man hält die jüdische Selbstironie für den Rest einer gedrückten Daseinsform. Auch der deutsche Antisemit hat in seinem Blut noch immer die einstige Benachteiligung des historischen Deutschlands. Er ist unter den deutschen Typen der mit dem hartnackigsten nationalen Gedächtnis. Sein Gedächtnis bildet, in ihm einen ,,Minderwertigkeitskomplex“. Er kann die Zeiten der nationalen Unterlegenheit nicht vergessen. Er braucht daher die Uebertonung des nationales Wertes, mögen andere ihn längst als selbstverständlich empfinden. Unentbehrlich ist ihm der Hali, und unentbehrlich die Nähe des Gehaßten, ein sichtbarer, täglich erreichbarer Gefährte, an dem er sich ausläßt, mit dem er um die Palme streitet. Denn Antisemitismus ist nicht nur die Ablenkung eigener innerer Nöte. Er ist auch der sehwierige Vollzug einer Arigieichung oder der bittere Verzicht auf sie.“ Das Kapitel über den Antisemitismus und seine Heilung läßt allerdings ein wirkliches Verständnis für die tieferen Ur- Sachen dieser Frage nicht ohne weiteres erkennen. Der umfangreiche Band gibt so ein lebendiges und zugleich kritisches Bild einer noch gar nicht abgeschlossenen Zeit, deren gesellschaftliche wie geistige Struktur eine fortdauernde Wandfung ihrer Grundlagen zeigte und noch zeigt. R. L. Fünf Fragen der österreichischen Bodenreform. Von Leopold Reinagl. Verlag Moritz Perles, Wien. *Unter diesem Titel veröffentlichte der langjährige Freund und Anhänger des Soziologen und Vorkämpfers des Genossenschaftssoziaiismus, Prof. Dr. Franz Oppenheimer, jüngst eine äußerst interessante Broschüre, die in ihren praktischen Vorschlagen naturgemäß in der Hauptsache den österreichischen Wirtschaftsverhältnissen Rechnung trägt, in ihren allgemeinen Tendenzen aber darüber hinaus auch das Interesse von Volks- Wirtschaftspolitiken! und auch das jener Zionisten verdient, die in der rationellen Ausnützung des Grund und Bodens die Grundläge einer gesunden Entwicklung des palästinensischen Aufbau- Werkes erblicken. Der Leitgedanke seiner Reform ist ״die wirtschaftliche Selbsthilfe des werktätigen Volkes auf dem Boden der Gleichberechtigung. Friede ist das Ziel, Vernunft der Weg.“ Aeußerst interessant ist seine Stellung zum heutigen Staat und vor allem zur Gemeinde, die er das ״sozusagen allgegenwärtige, unsterbliche, tausendfach bewährte demokratische Urgebilde menschlichen Zusammenschlusses“ nennt. Die klare Sprache dieser kleinen Schrift, wie die Klarheit der Gedanken machen die Lektüre zu einem Genuß. Hermann Kadisch. Im Verlag Stybel erschien Max Brods Roman ״Reubeni“ in hebräischer Sprache (Uebersetzer I. Lamdan). Derselbe Roman erschien auch in englischer Sprache im Verlag Knopf, New York, ebenso ״Tycho Brahes Weg zu Gott“. Außerdem wurde sein ״Zauberreich der Liebe“ in polnischer Uebersetzung im ״Nowy Dziennik“ veröffentlicht. Erziehung zur Wahrhaftigkeit Von Dr, Siegfried Kanowitz. Der deutsche Landesverband des ״H e c h a 1 u z“ versendet gleichzeitig mit seinem Informationsblatt einen Wahlaufruf des J. J. W. B. an seine Chawerim, in dem zu den Fragen des Kongresses Stellung genommen wird. Durch die Verbreitung dieses Wahlaufrufe* des J. J. W. B. durch die Leitung des Hechaluz, die ja auch gleichzeitig die Leitung des J. J. W. B, darstellt, identifiziert sich offenbar der Hechaluz mit den dort dargelegten Ansicht«!. Es wäre ja eine selbstverständliche Forderung, daß der Hechaluz in Fragen der innerzionistischen Politik neutral ist und daß es seine Aufgabe sein müßte, Chaluzim aller zionistischen Gruppen und Kreise zu umfassen und auszubilden. Von diesem Idealbild bat sich der Hechaluz schon lange entfernt. Wir können es begreifen, daß der Hechaluz, dessen Mitglieder einmal einen Teil der paläslinensischen Arbeiterschaft sein wollen, deren Sorgen heute schon teilt, und werden es immer verstehen, daß im Hechaluz die GedankÄgänge der Arbeitsgemeinschaft Palästinas einen bestimmenden Einfluß haben. Es handelt sich also im folgenden um keinen Angriff gegen die politische Stellung des Hechaluz überhaupt, sondern wir wollen nur die Methoden des politischen Kampfes beleuchten, die leider auch in der zionistischen Jugendbewegung eingerissen sind. Bisher erschien uns Erziehung zur Wahrhaftigkeit und Befreiung von schablonenhaftem Denken ein Spezifikum für politische Ausein־ andersetzung innerhalb der Jugend zu sein. Leider haben wir schon öfter feststellen müssen, daß der Widerstand gegen die Verlockungen allzu leichter Demagogie auch in der zionistischen Jugend geringer wird, und auch der Hechaluz hat nach dieser Richtung schon oft das erlaubte Maß überschritten. In seinem letzten^ Rundschreiben beschäftigt sich der Hechaluz mit dem deutschen Zionismus, ״repräsentiert durch das Linke Zentrum". Es wird versucht nach zuweisen, daß sich im deutschen Zionismus immer mehr und mehr ״amerikanische“ Absichten durchgesetzt hätten. Ale Beweis führt man mit einer Selbstverständlichkeit, die in dem harmlosen Leser jeden Zweifel ausschließt, folgendes an: 1. Die von der ,Jüdischen Rundschau" geführte Kampagne gegen die Alijah (?1). Welcher unvoreingenommene Leser der ״Jüdischen Rundschau“ wird zu dem Resultat kommen, daß diese einen ״Kampf gegen die Alijah" führt? Wie könnten Zionisten überhaupt einen Kampf gegen die Alijah führen, ohne damit dem Sinn des Zionismus untreu zu werden. Gemeint ist offenbar die Tatsache, daß die ״Rundschau“ nach der Juli-Sitzung des A.-C. dafr. 1 1 ־'־ -י--“ — ׳ ־■ ° ״* J~n —~ -1י,׳• Schlüsse betreffs Anforderung von Zertifikaten gefaßt werden, die mit den realen wirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina in keinem Einklang ständen. Die ״Jüdische Rundschau" hat immer nur für die Erkenntnis gekämpft, daß eine nur aus demonstrativen oder innerpolitischen Gründen durchgeführte Alijah, deren Unterbringung in der palästinensischen Wirtschaft nicht gesichert ist, dem Zionismus und der Alijah selbst auf lange Sicht mehr schadet als nützt. Nun kann man gegen diese Ansicht polemisieren, und die Arbeiterschaft hat es im Laufe der letzten Jahre sehr oft getan. Aber nie und nimmer ist es erlaubt — selbst in der Hitze des politischen Kampfes nicht — aus dieser sehr wohl erwogenen, durch die Ereignisse im wesentlichen bestätigten Anschauung das Zerrbild einer ״Kampagne gegen die Alijah" zu machen. 3. Ebenso schief, unfundiert sind die weiteren Behauptungen, daß die Repräsentanten des deutschen Zionismus ״die Kwuzan, sowie die Arbeiterschaft in Erez-Israel bekämpfen“. Diese Behauptung entbehrt jeder Begründung. Man wird in keiner Aeußerung eines der heute leitenden deutschen Zionisten auch nur etwas ähnliches herausfinden, was nach einer ״Bekämpfung der Arbeiterschaft in ]Palästina aussieht, wenn auch natürlich manche Erscheinungen ebenso wie von den Arbeitern selbst kritisch betrachtet werden. Nach diesen einleitenden Wendungen, die heute schon fast zum eisernen Bestand jeder Auseinandersetzung mit linken Gruopen geworden sind, folgt nun eine Darlegung des Ansiedlungs- Projektes deutscher Chaluzim in Palästina, wo wir dem Verfasser nicht einmal mehr den guten Glauben zubilligen können. Es heißt dort: ״Bei Durchführung dieses Projektes sind die primitivsten Forderungen des nationalen Gedankens sehr wenig berücksichtigt worden.“ Das Projekt ist leider noch im Stadium der Vorbereitung. Die Durchführung hat noch gar nicht begonnen, es können also noch keinerlei nationale Forderungen unberücksichtigt מ —*־ י* ‘ ’ '"נ-:-J:~— ״״״. Zügen bekanntgegeben worden. Ueber die Bedingungen der Ansiedlung hatte eine Diskussion noch gar nicht stattgefunden. Bei der ersten Diskussion im Landesvorstand sind sämtliche Anträge, die den nationalen und sozialen Charakter der Ansiedlung betrafen, einstimmig verabschiedet worden. Alle Gruppen der Z. V. f. D. sind an dem Zustandekommen des Projektes beteiligt. Sämtliche dort aufgestellten Forderungen waren nicht spezifische Forderungen einer Partei oder einer Klasse, sondern waren selbstverständliche zionistische Prinzipien, die auch kampflos ihre Durchsetzung fanden. Die Frage des K. K. L. war nicht aus grundsätzlichen Gründen umstritten. Man suchte nur nach einer Form, das K. K. L.-Prinzip zu wahren, ohne die wirtschaftliche Freizügigkeit der Ansiedlungskandidaten zu gefährden. Was bleibt also von dem Vorwurf, daß ״die primitivsten Forderungen des nationalen Gedankens nur wenig berücksichtigt wurden"? Ebenso unrichtig ist es, daß man diese An- Siedlung ״als Anfang einer neuen Aera im Zionismus bewertete , ferner, daß man mit aller Deutlichkeit darauf abzielt, eine neue Richtung in die Tendenzen des Hechaluz herbeizuführen. Immer wurde von den maßgeblichen Instanzen der Z. V. f.D. das Ansiedlungsprojekt damit vertreten, daß man Chaluzim, die aus bestimmten Gründen in eine schwierige Situation gekommen sind, zur Ansiedlung verhelfen will. Der einmalige Charakter dieser Hilfsaktion, die sich übrigens nur auf zehn Ansiedler erstreckt, war immer deutlich betont worden. Alles Gerede von neuer ״Aera im Zionismus von neuen ״Tendenzen im Hechaluz" ist unsinnig. Die Z. V. f. D. bemüht sich, in ständiger Zusammenarbeit mit dem Hechaluz seine Fragen zu verstehen und ihm zu helfen, und es ist unverständlich, wie dieselben Menschen, die mit der Leitung der Z. V. f. D. im selben Hause täglich in allen großen und kleinen Fragen Zusammenarbeiten, sich zu solchen Aeußerungen versteigen können, die jeder realen Grundlage entbehren. Audi der unmittelbar bevorstehende Wahlkampf sollte Menschen, die sich als zukünftige Bürger einer besseren Welt fühlen, nicht zu solchen Handlungen verführen. Wir versagen es uns, den weiteren Text des Wahlrundschreibens zu untersuchen. Selbst wenn wir zugeben, daß die Terminologie, in der ״klassenbewußte Vertreter des Proletariats“ denken, von der der ״bürgerlichen" verschieden ist und daß man im guten Glauben vielleicht seinem Partner im ״Klassenkampf" vieles unterstellt, wovon dieser weit entfernt ist, so bleibt doch bei allen diesen Ausstellungen und Hälbwahrheiten ein Rest, der zu tragen peinlich ist. Der Hechaluz betont immer wieder, daß er an einer loyalen Zusammenarbeit mit der Z, V. f. D. interessiert ist. Er hält es ja auch nicht für kompromittierend, die organisatorische und finanzielle Hilfe der Z. V. f. D. in Anspruch zu nehmen. Niemals haben wir daraus den Anspruch abgeleitet, auf die Anschauungen des Hechaluz Einfluß zu nehmen. Wir verlangen von ihm und vom J.J. W. B. nur das, was wir von Menschen verlangen, die mit der Prätension auftreten, berufene Erzieher der Jugend zu sein: Aufrichtigkeit. In P r a g hat sich ein Komitee der ״L i g a f ü r d a s a beitendePalästina“ gebildet, dem u. a. angehören: Oskar Baum, Max Brod, Dr. Theodor Bartoschek, Üniv.-Prof. Dr, Fr. Krejci, Univ.-Prof. Emanuel Radi, der tschechische Schriftsteiler F. X. Saida, Dr. Felix Weltsch, Franz Regina Nack,

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