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Jüdische Rundschau · 1929-06-13 · Heft 45-46 (13.6.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 45-46 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 286 JÜEDISCHE RtmiJSCHÄÜ Nr. 45/46, 13. VI.!920 Die Finanzpolitik der Palästina-Exekutive Erklärungen Sachers. — Die Schuld von £ 400 000 auf £ 255 000 vermindert-Das Budget des nächsten Jahres. (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AG Tcl-Awiw, den 4. Juni 1929. Unter den verschiedenen Vorwürfen, die der Palästina-Exekutive gemacht wurden, hörte man häufig über den Mangel an ״Kontakt“ sprechen. Die Mitglieder der Exekutive vor der ״Sacher-Regierung“ standen in dauerndem Verkehr und enger Fühlung mit weiten Kreisen des Jischuw. Viele von ihnen waren häufig als Versammlungsredner anzutreffen, man sah sie bei den verschiedensten Gelegenheiten; sie versäumten es selten, ihre Handlungen vor der Oeffentlichkeit zu begründen. Mit der neuen Besetzung der Exekutive auf dem letzten Kongreß änderte sich das Bild. Der Kontakt zwischen Exekutive und Jischuw wurde geringer. Zwar hat sich M is s S z old stets bemüht, Verbindungen herzusteilen und eine Brücke zii der öffentlichen Meinung des Landes zu finden, aber es gelang ihr nicht, die Tatsache zu verwischen, daß man die Exekutive als etwas ״Außenstehendes“ empfand. Vor allem blieb die zentrale Figur der Exekutive, Harry Sacher, für viele nur ein Name oder eine Art Symbol. Er ist während seiner Amts* zeit kaum je öffentlich aufgetreten. Und diese für Palästina ungewohnte Art der Arbeit hat fraglos viel dazu beigetragen, däß Sacher bis heute im Lande nicht populär geworden ist. Palästina war gewöhnt, mit seinen Führern auf einem sehr familiären Fuß zu stehen und konnte sich mit einem plötzlichen Wechsel nicht leicht abfinden. Jetzt, kurz vor dem Kongreß, hat Sacher zum ersten Male über seine Arbeit berichtet. Vor einer durch den Keren Hajessod einberufenen Pressekonferenz sprach er über die Finanzpolitik der zionistischen Exekutive, der das Fazit der zwei letzten Jahre darstellt und zugleich die Perspektive für die Zukunft enthält. Dieser Bericht, der jeder propagandistisehen Zutat entbehrte (auch etwas Ungewöhnliches für Palästina!) und hauptsächlich Ziffern sprechen ließ, gibt die Möglichkeit, zu überblicken, was in den letzten zwei Jahren erreicht worden ist. ״Als die jetzige Exekutive im Oktober 1927 mitihrer Arbeit begann, betrugen die Schul• den zusammen mit denen des Keren Hajessod gegen £ 400000. ...Am 30. September 1929 werden die Schulden schätzungsweise £ 255 000 betra* gen,sodaßdieSchuldummehrals£ 144000 verringert worden ist.“ In diesen zwei Sätzen aus dem Bericht sind die wichtigsten Resultate der Exekutive zusammengefaßt Um sie richtig einschätzen zu können, mutt man noch in Betracht ziehen, daß die E i n n a h m e n des Keren Hajessod ira Laufe der Berichtszeit nicht die erwartete Höhe erreichten. Zwei weitere Aktiva der Exekutive sind die Herabsetzung der Administrationsspesen in Jerusalem und die Abzahlung der Schuld von £ 20000 an die Lehrer und Beamten, die vor kurzem durchgeführt wurde. 4« den- Debatten, die jetzt während der CKohgrei *orbereitungen über die Politik der Exekutive geführt werden, taucht häufig die Frage auf: ״Was hat die Exekutive während dieser zwei Jahre getan? Was hat sie aufgebaut? Welchen neuen Antrieb hat sie der Arbeit gegeben?“ Es wird von den Fragesteilem meistens übersehen, daß die Herabminderung der Schuldenlast (in einer Zeit, wo die Eingänge gering waren und unregelmäßig einliefen!) das Wichtigste ist, was der Kongreß von der Exekutive verlangte. Daß die Exekutive für die Durchführung dieser schwierigen Arbeit gewählt wurde und daß zunächst nichts anderes ihr Ziel sein konnte. Eine Beurteilung der Finanzpolitik muß von der Voraussetzung ausgehen, daß die Balancierung der Finanzen das Hauptziel dieser Politik sein mußte. Und unter diesem Gesichtspunkt ergibt sich, daß wir ein beträchtliches Stück vorwärtsgekommen sind. Große Summen sind abgezahlt, der Kredit der Organisation wieder hergestellt, die steigende Unzufriedenheit unter den Beamten und Lehrern beschwichtigt worden. Es war das eine Arbeit, die undankbarer war als jede andere. Nach aller Mühe kann man Waschtrog, wie Palmenwilder, wie Adlerflügel; teils wie Säuglinge, die nach der Mutterbruat verlangen. Sie riehen, stoßen an den Berg und schmiegen sich an, um Liehtlau aus ihm zu saugen. Ich stehe und kann nicht satt werden vom Schauen. Das Meer hat sich beruhigt. Wieder ist Ruhe über das Meer gebreitet, göttliche• Schweigen. Die Zeit des Sonnenunterganges ist nahe. Der Sinai, rcinflankig und goldkronig, strahlt im Lichte der unter- ״ebenden Sonne, jede Hippe für sich, gleich kleinen Palästen. Alles überzieht sich mit einem Rot eigner Art, Purpurrot des Ifohepriesters irn Stiftszelt, Rot, dessengleichen nicht in den ßarhanahen der Griechen und. Satgmalien der Römer vorkarn. Der Himmel ist durchsichtig und tief, wie ihn Moses in seiner Sterbestunde sah. Die Menge hat sich verlaufen, auch der Kapitän ist gcgangen, auch der Mullah, nur ich stelle und stehe. My• scheint, die Wellen haben begonnen, ihr Abendlied zu singen .... vielleicht das ״אז ישיר״ das Moses sang. Im Westen ein Gürtel von Edelsteinen und Streifen von Smaragden, eine trauervollo Dämmerstunde, Dämmerung der Ekstase, der Hingabe an Gott. ,,Seelenfreund, Allerbarmer". Später glänzte eine Nacht aus lausend Augen vom Sommerhimmel herab. Ein Sternenfunke glitzerte und zeigte mir zum letzten Male die Krona des Sinai, wie ein Blitz, der sich durch Wolkenketten hindurchgestohlen hat. Die Laufbahn eines Juden. Berliner Zeitungen heben hervor, daß die friedliche Einigung zwischen den Gläubigerstaaten und Deutschland in Paris im wesentlichen der Initiative eines Juden zu verdanken ist, der nicht der Sachverständigen-Konferenz angehörte, aber trotzdem hinter den Kulissen in Paris eine ^roßo Rolle ©spielt hat. Es ist dies David Sarnoff, der Vizepräsident er Radio Corporation von Amerika. Die Laufbahn Sarnoffs legt Zeugnis ab von den gewaltigen menschlichen Energien, die in der Ostjudenheit schlummern. Geboren 18g I in Uzlian, Rußland, lernte er zuerst in einer Jeschiwa zu Wilna, kam mit seinen Eltern als achtjähriger Knabe nach den Vereinigten Staaten. Mit 15 Jahren trat er als Botenjunge in eine der großen Telegraphen-Gesellscbaften ein und kam später als Hilfstelegraphist zur Marconi-Gesellschaft. Er war der Telegraphist, der bei dem Untergang der Titanic bis zum Schluß an der drahtlosen Station ausharrte und Hilferufe aussandte. Nach seiner Qpckkehr nach New York ging er wieder zu Mareoni zurück. Seit igss ist er Generaldirektor der größten Gesellschaft f&r diohtiow Telegraphie, der American Kam Corporatjon. auf keine neuen Unternehmungen, keine neue Siedlung, kein neues Projekt hinweisen. Aber es muß ganz klar sein, daß ohne diese Arbeit des ״In-Ordnung-Bringens“ jede neue Expansion ausgeschlossen ist und daß dieser mühevolle Kampf unter den schwierigsten Umständen und oft gegen scharfen Widerstand durchgerungen werden mußte. Ganz abgesehen von der lieber• Windung der Krise, dem Abebben der Arbeitslosigkeit, einem wirtschaftlichen Aufstieg in Stadt und Land, hat die Zionistische Organisation in den zwei letzten Jahren bewiesen, daß sie in der Stunde der Not Maßregeln finden kann, um die undankbare und schwere Aufgabe der Sanierung zu übernehmen und damit den Weg für eine weitere Expansion freizumachen. Noch wichtiger als die Abschätzung der jetzt zu Ende gehenden Periode ist die Aussicht in die Zukunft. Sacher hat in der ihm eigenen Sachlichkeit die Gelegenheit seines öffentlichen Auftretens benutzt, um an Hand von Zahlen darzustellen, Was wir in den nächsten zwei Jahren zu erwarten haben. Wir haben in der nächsten Periode mit einem Budget von £?50 000 zu rechnen. In diesem Betrag ist sowohl das Budget der Hadassah wie der Jerusalemer Universität, der Administration wie der Schuldentilgung eingeschlossen. Für die eigentliche Arbeit der Exekutive bleiben also etwas über £ 400 000 übrig. Von diesen bleiben nach Abzug der Ausgaben der verschiedenen Departements £ 188 000 für Kolonisation. Ein Betrag, der noch nicht genügt, um das Konsolidierungsprogramm für die Siedlungen in Gänze durchzuführen. Die Exekutive hat im Gegensatz zu früheren Berechnungen und nach Einschätzung der mannigfachen Konsolidierungsarbeiten, die zur Linderung da- Arbeitslosigkeit durchgeführt wurden, einen sehr viel niedereren Betrag für Konsolidierung der Siedlungen errechnet als vorher angenommen war. Es werden heute für diesen Zweck noch £ 275000 be• nötigt, von denen nach den vorherigen Angaben im Laufe des Jahres 1929/30 nur ein Teil zur Verfügung stehen wird. Es ergibt sich also, daß bei einem Budget von £ 750000 für das nächste Jahr keine Neukolonisation begonnen werden, sondern nur die Konsolidierung der bestehenden Siedlungen fortgesetzt werden kann. Das Jahr 1931/32 würde den restliehen Betrag der Konsolidierung liefern und bereits einen!Anfang von Neukolonisation erlauben. Altes selbstverständlich unter der Voraussetzung, daß die bestehenden Siedlungen ״fertig gemacht“ werden müssen, bevor neue Unternehmungen begönnen werden. Diese Aussichten, sowohl das Budget selbst wie seine Verteilung, werden vielleicht manchen enttäuschen. Denn es war in den letzten Monaten ein etwas sprunghafter Optimismus zu spüren, der auf den Abschluß der Agency-Verhandlungen und den Beginn der Einwanderung zurückzuführen war. Man sprach von einem Budget von einer Million Pfund und lebte sich in die Illusion hinein, daß der Zionistischen Organisation ein betrachtlieh er Teil ihrer Last abgenommen weiden würde. Diese Illusionen sind nun gewissermaßen offiziell zerstört worden. Das Budget, das in Jerusalem nach sorgfältigen Diskussionen mit Felix Warburg entworfen wurde, kann nicht höher als £750 (XX) festgesetzt werden. Und es muß ganz klar sein, daß wir dieses Budget nur sichern können, wenn der Keren Hajessod mit größter Energie von den Zionisten gestützt und dadurch sein Erfolg garantiert wird. Die kurzfristigen Anleihen, die während def! Expansionszeit det Ketemisat(dn kontrahiert worden ‘ilpdl verlangen sofortige Rückzahlung im Laufe '־der nächsten fcwCi Jahre, so daß die Zeit der ״Konsolidierung“ auch im finanzpolitischen Sinne heute noch nicht vorbei ist. All das klingt etwas nüchtern. Andererseits geht aus den genannten Ziffern auch der Fortschritt der letzten Zeit und die Möglichkeit eines Aufstiegs hervor. Wie Sacher ausdrücklich betonte, bedeutet eine Schuld von einigen Hunderttausend Pfund wenig für eine Organisation, die auf eine dreivtertel Million Pfund regulärer Einnahmen im Jahre rechnen kann. Die Komplikation liegt allein darin, daß wir es mit kurzfristigen Anleihen zu tun haben, die jetzt beglichen werden müssen. Nach diesen zwei Jahren der Schuldendeckung und Konsolidierung jedoch werden jährlich £ 400000 für Neakolonisation zur Verfügung stehen, und das bedeutet die Möglichkeit einer großen Expansion, wie wir sie bisher nicht gekannt haben. Im Budgetentwurf der Exekutive ist kein Posten für Bodenkäufe vorgesehen. Sacher hat angedeutet, daß außerhalb des regulären Budgets Gelder für diese Zwecke aufgebracht werden sollen, weil ohne Bereitstellung genügender Bodenflächen keine rationelle Kolonisation durchzuführen ist. Es ging aus seinen Ausführungen nicht klar hervor, ob es sich um Käufe des Keren Kajemeth außerhalb seiner Sammlungen oder um private Erwerbungen handelt. Es wäre wichtig, diesen Punkt aufzuklären, weil gerade heute in Palästina ein Ueberhandnehmen größerer Privatkäufe an Boden zu spüren ist, das vom Standpunkt einer gesunden Bodenpolitik Bedenken erregt. Aus dem Bericht der Exekutive und dem von Leib Jaffe erstatteten Bericht über die Lage des Keren Hajessod geht demnach folgendes hervor: Wir haben vom nächsten Jahre an mit einem beträchtlich größeren Bttdget zu rechnen als bisher. Die Tilgung eines Teiles der Schulden und die Besserung der wirtschaftlichen Lage im Lande gibt gute Perspektiven. Es muß jedoch vollständig klar sein, daß heute der Weg zu einer großen Neukolonisation noch nicht frei ist und daß der finanzielle Erfolg auch unter der Aegide der Agency zu einem hohen Maße von der Stärke und Aktivität der Zionisten abhängt. Wenn wir imstande sind, das vorgeschlagene Budget zu sichern,so werden wir nach einem, spätestens nach zwei Jahren, an eine große Kolonisation herangehen können, für die Jahr um Jahr beträchtliche Summen zur Verfügung stehen. Der Außenhandel Palästinas Die nachstehende Tabelle zeigt die Aufstellung über Import und Export für die einzelnen Quartale der Jahre 1927 und 1928. Die Ziffern zeigen auch quartalsweise die Gesamttendenz des Außenhandels im Jahre 1928 gegenüber 1927: Rückgang des Exports und Zunahme des Imports. I m port Ex port 1927' 1928 1927 1928 1 590213 1568952 721392 639845 1479318 1510 ®)I 349951 244223 1371860 1709029 325335 252541 1743063 1982 236 50308! 3505(» 6184454 6770818 1899759 1487117 Perfide Reiseschilderang Im ״Berliner Lokalanzeiger“ (Abendblatt vom ן■ JuniK berichtet ein gewisser Kurt Faber über eine Palästina-Reise, die er offenbar mit einer der großen Reisegeselischäften unternommen hat, die in drei Tagen das ganze Land durchjagen. Er rühmt — mit Recht — die deutschen Templerkolomen, meint aber offenbar diese nur dadurch ins rechte Licht setzen zu können, daß er gleichzeitig das z i o n i s t i - sehe Aufbauwerk verunglimpft. Es wird darüber erfährt. Offenbar Rat Herr Faber, der die Anhänglichkeit der Palästina-Deutschen an ihr Volkstum preist, auch nichts erfahren, in welchem Jahr diese Kolonien, die er mit den zehn Jahre alten zionistischen Siedlungen vergleicht, gegründet wurden, und vielleicht auch nicht die Tatsache, daß manche dieser Deutschen ihr wirtschaftliches Prosperieren in der letzten Zeit der jüdischen Kundschaft verdanken. Aber nicht darüber soll hier gerechtet werden. Vielmehr verdient eine Ankreidung der letzte Teil dieses sonderbaren Reiseberichts, wo wörtlich folgende Geschichte erzählt wird: Da fuhren wir dieser Tage im Eisenbahnzuge und lauschten, ob wir wollten oder nicht, dem Gespräch, das ein eben erst aus Berlin zugereister Herr mit seinen Nachbarn führte. Ueberall auf den Feldern arbeiteten die Frauen mit eingeschlagenen Kopftüchern, die weithin in der Sonne leuchteten. — ״Ja, es ist doch etwas Schönes um die eigene Nation, und wenn man weiß, wo man hingehört“ sagte der Herr aus Berlin. ״Ja“, meinten die anderen. ״Und wenn man so sieht, wie hier der Jude von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schwer im Felde arbeitet —“ ״Ja“, sagten wieder die anderen. ״Und diese gesunde Luft, das ganze Milieu —“ ״Gewiß, gewiß —״ Einen Augenblick schauten sie alle gerührt zum Fenster hinaus. Da ließ sich plötzlich aus einer Ecke die Stimme eines langbärtigen Juden vernehmen, der bisher scheinbar gar nicht zugehört hatte. ״Sind das keine Jüd, werter Herr. Sind das deitschc Leit, wo sich rieft Kolonie Wilhelma.“ Einen Augenblick stockte das Gespräch. Dann redeten sie weiter, als ob sie etwas nachholen müßten, über Gegenwart und Zukunft dieses merkwürdigen Landes. Da strich plötzlich der Alte wieder seinen großen Bart und schaute sich um, mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldete: ״Bin ich gekommen mit fünfhundert Pfund, bin ich jetzt ein armer Mann. Ist es gut in Erez-Israel für zum Beten und für zu sein unter der Erde; ist es aber nicht gut für über der Erde zu machen ein Geschäft.“ Diese Erzählung ist selbst dann falsch, wenn sich die Sache wirklich so abgespielt haben sollte. Denn, daß ein solcher Jude, den es auch geben mag, für Palästina nicht charakteristisch ist, muß man sogar nach drei Tagen Aufenthalt begriffen haben. In diesem Frühjahr haben viele Christen Palästina besucht, Christen aller Nationalitäten und aller Bekenntnisse, darunter waren Menschen von wahrhaft humaner Gesinnung, die von dem Neuen, das sich hier unter Aufgebot großer idealer Kräfte vollzieht, die stärksten Eindrücke empfangen haben. Man braucht vielleicht nur an ein einziges Beispiel zu erinnern, an den Prediger der Community Church, John riaynes Holmes, der Jetzt in Amerika vor Christen und Juden über die neuen Bestellungen predigt, die sich zwischen Juden und Christen aus.: dem palästinensischen Werk ergeben werden. Jeder unvoreingenommene Besucher des Landes steht, wie Juden unter härtesten Bedingungen den von ihnen geliebten Boden bearbeiten. Diese Menschen und ihr Werk zu verspotten, diese Perfidie ist dem ״Lokalanzeiger“ des Herrn Hugenberg Vorbehalten geblieben, dem repräsentativen Blatt eines jeder Humanität und Seelenkultur baren Nationalismus, den cs sonst in der Welt nicht gibt. Vortrag Weisl über Arabien. In einem vom Berliner ״ßrith Trumpeldor“ veranstalteten Vortragsabend sprach Dr. Wolfgang von Weisl über ״Arabien von heute". Der Vortragende bezog nicht alle arabischen Linder ein, sondern beschränkte eich auf Arabien im engeren Sinne, d. h. die Arabische Halbinsel, deren Westküste er vor einigen Jahren besucht hat. Im. Gegensatz zu den bereits von der europäischen Zivilisation erreichten und umgeformten arabischen Gebieten wie Aegypten, Syrien, Palästina usw. sind die arabischen Staaten der Halbinsel, vor allem also Hedschas, Jemen und Assir, in einer noch halbnomadischen Verfassung, die in Aufbau und Grundbegriffen sich wesentlich von der europäischen Zivilisation unterscheidet. Weisl zeigte eine große Zahl von sehr guten und interessanten Lichtbildern, zu denen er mehr in Form einer feuillctonistischen Causerie Erläuterungen gab. Die Form der Wiedergabe persönlicher Reiseerlebnisse bringt es mit sieb, daß bei derartigen Vortragen die Person des Redners und seine subjektiven Eindrücke und Urteile sich stark in den Vordergrund drängen. Trotzdem wurde eine Fülle von interessantem geographischen, ethnologischen und kulturhistorischen Material geschickt und mühelos vor dem Hörer ausgebreitet. Das zahlreiche Publikum folgte angeregt und aufmerksam den Ausführungen Weisls. — Nach dem Vortrag kam cs zu einer unliebsamen Episode, deren Verlauf in dem allgemeinen Tumult nicht genau festzustellen ist, zumal die Berichte der Augenzeugen einander widersprechen. Eine Anzahl anwesender Araber forderte eine Diskussion und während der größte Teil des Publikums schon aufbrach, versuchten sie, in spontanen Reden aus der Mitte des Saals die Werturteile des Vortragenden über arabische Kultur richtigzustellen. Es scheinen sich auch andere Personen eingemischt zu haben; insbesondere scheint von gewisser deutschnationaler Seite die Gelegenheit zum Rrawnllieren und zur antijüdischen Aufhetzung der anwesenden Muslims (in der Hauptsache dürften es Aegypter und Inder gewesen sein) benützt worden zu sein. Gegen Weisl wurden beleidigende Acnßcrungen gebraucht, gegen die er sich mit Recht zur Wehr setzte. Andererseits aber muß man begreifen, daß anwesende Araber von starkem nationalen Empfinden durch die unernste Art des Vortrags sich verletzt fühlten. (Als national fühlende Juden müßten wir uns nur verstellen, wie uns zu Mute wäre, wenn wir in einer Ver- Sammlung säßen, wo ein Teilausschnitt des jüdischen Lebens etwa im Osten in dieser an sich wohl harmlosen, den Betroffenen aber doch durch die wohlwollende Ueberlegenheit des sich als ״Europäer“ gegenüber den Barbaren fühlenden Redners als geringschätzig erscheinenden Weise besprochen würden.) Es ist bedauerlich, daß es zum Schluß zu einem ziemlich scharfen Wortwechsel gekommen sein soll. Wir glauben, daß in einem solchen Fall ein jüdisches und zionistisches Publikum sich bosondere Zurückhaltung auferlegen und gegen eine anders denkende Minorität seine Ueberlegenheit nur durch Ruhe, nicht durch Niederschreien beweisen müßte. Der Konzessionär zur Ausbeutung des Toten Meeres, Ing. Novomejski, ist in Palästina eingetroffen. Im Juli wird er nach London zurückkehren, um die Dead Sea Concession Company zu konstituieren. Im Oktober d. J. wird mit den Vorarbeiten zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres begonnen werden.

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