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Jüdische Rundschau · 1929-06-13 · Heft 45-46 (13.6.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 45-46 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 284 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45/46, 13. VI. 1929 Nr 45/ des Jischuw, vor allem im Jerusalemer ״Doar Hajom“ wird die Erziehung des Volkes zur Wehrhaftigkeit als das eigentliche nationale Ideal gepriesen. In breiten Schichten des Volkes macht sich schon jetzt eine Glorifizierung eines Kriegsheldentums geltend, die notwendigerweise besonders bei der Jugend zur Nachahmung anreizen muß. Man kann nicht einmal behaupten, daß diese Vorstellungswelt auf einen bestimmten bürgerlichen Kreis oder gar auf den Revisionismus beschränkt ist, sondem man merkt ihre Spuren in allen Schichten, besonders auch unter einem Teil der Arbeiter. Man wird nicht leugnen können, daß auch dieser Nationalismus kein ״reiner“, sondern ein ganz bestimmt determinierter ist. Wenn also 1. B. der holländische Zionist F. Bernstein in seiner kürzlich erschienenen Broschüre ״Der zionistische Gedanke auf Irrwegen“, mit der er der Wiederherstellung der ״reinen“ Herzischen Ideologie dienen will, sich gegen die Interpretierung des Zionismus durch ihm wesensfremde Ideen wehrt und dabei unter anderem als Beispiel folgendes anführt: ״Man hat Zionismus mit Fortschrittlichkeit identifiziert; aber man verlangt z. B. auch, daß der jüdische Nationalismus alles ablege, was etwa im Moment unsere in Deutschland lebenden Gesinnungsgenossen im deutschen Nationalismus ablehnen, zu dessen besonderen Trägern sie durch besondere deutsch-innerpolitische Verhältnisse im Gegensatz stehen“ — so beruht dies auf einem fundamentalen Irrtum. Denn nicht aus deutsch-innerpolitischen Gegensätzen kommen wir zur Verurteilung des Hakenkreuzlertums, sondern aus einer Bewertung, die ganz unabhängig ist von deutscher Politik; es sei denn, daß wir als Juden, die überall in der Welt das Opfer des meist mit Antisemitismus verbundenen Nationalismus sind, ein feineres Empfinden für die Inhumanität dieser Haltung haben. Wir wollen nicht, daß wir, sobald wir zum erstenmal in dieselbe funktionelle Situation versetzt werden, in der etwa die Deutschen uns Juden gegenüber sind, auf Grund unseres Nationalismus in derselben Weise reagieren Darum darf jüdischer Nationalismus nicht sein, wenn er nicht anderes ist als selbstgefällige Ueberhebung und Unduldsamkeit gegen andere, besonders Heldentum gegen den Schwächeren. Nicht weil wir die Opfer waren, sondern aus objektiven Maßstäben der Humanität haben wir die Haltung der antisemitischen Nationalisten — übrigens nicht nur Deutschlands, sondern auch Polens, Un* gams, Rumäniens usw. — verabscheut; und es wäre eine kuriose Ironie der Geschichte, wenn unsere Befreiung nur den Effekt hätte, uns zu demselben Typus zu machen, der früher der Gegenstand unserer Ablehnung war. Bernstein mag mit vielen Beispielen, die er gegen die ideologische Mischung anführt, recht haben, in diesem einen Punkt hat er bestimmt nicht recht. Denn der Nationalismus ist nicht eine zufällige Beigabe, er ist der K e r n des Zionismus, und er wird es in noch höherem Maße, sobald eine Verwischung der Ideologie durch bloße praktische Palästina-Arbeit nicht mehr möglich ist. Manche stellen sich z. B. vor, daß innerhalb der neugebildeten jüdischen Einheitsfront der Agency der Zionismus so etwas wie einen nationalistischen Flügel darstellen wird. Der Zionismus würde also dann die Rolle spielen, die in anderen Völkern bzw. in den Parlamenten die ״nationalen“ Parteien innehaben. Viele Zionisten jedoch werden eine solche Funktion des Zionismus für sich entschieden ablehnen. Darum ist die Frage des jüdischen Nationalismus heute die aktuellste im Zionismus, und an ihr müssen sich die Geister scheidea Sie ist viel wichtiger als die meisten anderen Dinge, um die der innetzionistische politische Tageskampf geht Vielleicht ist es am Platze, gerade an diesem Festtag, wo wir der geistigen Berufung unseres Volkes vor dem ersten Einzug nach Palästina gedenken, an dieses Problem zu rühren, das seinem Wesen nach kein theoretisches und kein politisches, sondern ein sittliches ist; aber auch eins, worin die ganze Rechtfertigung unseres Tuns beschlossen liegt. R.W. Der neue Kurs in der Berliner Gemeinde (Von unserem Gemeinde-Berichterstatter.) ln der Sitzung der Repräsentantenversammlung am 6. d. M. gelangte der Etat der Berliner Jüdischen Gemeinde für das Jahr 1929 zur Beratung. Die ganze Sitzung war mit der Generaldebatte über den Etat ausgefüllt. Zum ersten Male in der Geschichte der Berliner Jüdischen Gemeinde leitete der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, unser Gesinnungsgenosse Georg K a r e s k i, nach der Berichterstattung durch den Liberalen Rosenthal, der namens des Etatsausschusses gesprodien hatte, die Generaldebatte durch eine großzügige Programmrede ein, in der sowohl die bisherigen Leistungen der neuen Gemeindeverwaltung Umrissen wie auch das Programm der zukünftigen Arbeit gekennzeichnet wurde. Die Rede Kareskis war nüchtern und sachlich. Sie verzichtete auf Weitschweifigkeit und Darlegung von Prinzipien. Tatsache um Tatsache wurde erwähnt, und diese Daten sprachen beredter als es die schönsten ideologischen Darlegungen vermocht hätten. Was ist von all den Unkenrufen, die die Gegner der Zionisten in der Gemeinde ausgestoßen haben, in den zwei Jahren der unter zionistischer Führung stehenden Verwaltung durch Tat- Sachen bekräftigt worden? Nichts! Die Finanzen der Gemeinde sind in Ordnung, der Steuersatz der Zensiten ist von 15 °/0 auf 10 0/0 ermäßigt worden, der Aufgabenkreis der Gemeinden hat sich erweitert, zahlreiche Institutionen sind neu geschaffen, viele Neubauten in Ausführung begriffen, das Wohlfahrtswesen ist auf neue Grundlagen gestellt, die Stellung der Beamten ist neu geordnet, und die Grundlagen für weitere segensreiche Einrichtungen im Dienst der jüdischen Allgemeinheit sind gelegt worden. Weite Kreise der jüdischen Bevölkerung sind zur Mitarbeit herangezogen, eine Fülle von Qemeindekommissionen in innige Verbindung mit der Gemeindeverwaltung gesetzt, der Ausbau des Schulwesens ist in Angriff genommen. Auf allen Gebieten der Gemeindearbeit weht ein neuer Geist, Judentum ist wiederum für Zehntausende von Berliner Juden lebendige Wirklichkeit, die Sozialpolitik und Jugendarbeit integrierender Bestandteil der Gemeindearbeit, die Bevölkerungspolitik Gegenstand ernster Erwägungen und Maßnahmen, ln den Fragen der Gesamtorganisation des preußischen und deutschen Judentums spielt die Berliner Jüdische Gemeinde eine führende Rolle. Zäh ■und voll von innerem Pathos wird diese Arbeit geleistet, ohne daß dabei die Träger dieser Leistungen von einem Qefühl der Selbstzufriedenheit sich einschläfern ließen. Im Gegenteil, man betrachtet alles Geleistete als den Anfang eines Anfanges und ist sich dessen bewußt, daß noch unendlich mehr zu leisten ist. Mit diesen Worten schloß Kareski seine Ausführungen. In der Generaldebatte mußte der Führer der liberalen Fraktion Prof. Türk im Anfang seiner Rede uneingeschränkt, im weiteren Verlaufe verklausuliert, die vollbrachten Lelstungen anerkennen. Auch der mittelparteiliche Redner Rabbiner Weisse sowie der Konservative Moritz A. Loeb konnten nicht umhin, die von liberaler Seite angegriffene, von zianistischer auf das entschiedenste vertretene Schulpolitik gutzuheißen. Wie überhaupt das Kernstück der zionistischen Arbeit in der Berliner Gemeinde das Schulprogramm ist. Von zionistischer Seite sprachen: Dr. Klee, Goslar und Wa ldmann. Alle drei durchaus im zionistischen Geiste. Besonderen Eindruck machten Goslars Ausführungen, der in vielen Einzelheiten ein System darlegte, wie man das Judentum in Deutschland aus der Stimmung von Resignation hinausführen und zu einem werbenden Faktor bei der Erfassung und Intensivierung des jüdischen Lebens machen könnte. * Nachstehend geben wir den Verhandlungsbericht über die denkwürdige Sitzung wieder: Rosenthal (lib.) trug den Ausschußbericht vor. Aus ihm ergibt sich: Der Etat schließt in Einnahmen und Ausgaben ab mit 11026000 RM. gegenüber knapp 10000000 RM. im Etat- ן jahr 1928. Der Steuerelngarg übertraf im letzten Etatjahr den Voranschlag um eine halbe Million RM. An den Erhöhungen der Anschläge sind vor allem die Kapitel ״Gemeindeverwaltung“ (Gehälter) und ״Krankenhaus“, daneben die Zinsen tür die Anleihen für Bauten beteiligt. Hierauf entwickelte der Gemeindevorsitzende Kareski das allgemeine Programm der Gemeindearbeit auf der Grundlage des Etats: Die Befriedung im Kampfe der Jüdischen Gemeinde- Parteien hat die Vorstandsarbeit befruchtet. Es herrscht wieder allenthalben Vertrauen zur Solidarität der Gemeindeverhältnisse, wie u. a. die neuen großzügigen Stiftungen beweisen. An positiven Leistlingen sind zu buchen: Bau der beiden neuen Synagogen und des Altersheims, Uebernahme des Friedens- und des Grunewaldtempels, sowie von Tempeln der Vorortgemeinden, Berufung bedeutender Rabbiner und Kantoren, Ausgestaltung des Gemeindeblattes, Schulhausneubau, Ausgestaltung der jüdischen Volksschule, der Bibliotheken und besonders der jetzt immer mehr bekannt werdenden Kunstsammlung, Gründung des statistischen Büros, Reorganisation des Kaschruth-Wesens, Errichtung des Beth-Din, Um- und Ausgestaltung des Wohlfahrts- und Jugendamtes, Gründung eines Ledigenheims, Uebernahme der Arbeiten und Aufgaben zahlreicher Privatorganisationen und günstige Grundstückkäufe. Die Röntgeneinricntung im Krankenhaus und die Poliklinik in der Linienstraße entsprechen modernsten Bedürfnissen. Die Besoldungsverhältnisse der Gemeindeangestellten sind jetzt in zufriedenstellender, großzügiger Weise geregelt. Die Gemeinde unterstützt die Jugendbewegung in ihren geistigen und sportlichen Bestrebungen. Sie ist die Hauptträgerin der Landesverbands- und der kommenden Reichsverbandsarbeit, und über Deutschlands Grenzen hinaus bekundet die Gemeinde bei jeder Gelegenheit ihre brüderliche Solidarität mit allen Jugendgemeinden und jüdischen Interessen in der Welt. Dabei wird sparsam bewirtschaftet und eine Erhöhung der Steuerquote (10 0/0) wira nicht in Betracht gezogen. Motto der Gemeindearbeit ist: Sparsamkeit in der Verwaltung, Vermeidung unproduktiver Ausgaben, aber Einsetzung aller Kräfte für die Aufbauarbeit am Judentum! Zu lösen bleibt das schwere Problem der religiösen Indifferenz von etwa 50 <0/י der Berliner Juden, die Behebung der jüdischen Bildungsmängel der Jugend, die Errichtung eines Tuberkulosenheims, Schulbauten, Synagogenrenovierungen, Bau eines Gemeindehauses und eines zweiten Hospitals. Der Kreis der Mitarbeiter im Ehrendienst der Gemeinde muß wachsen. Das Ziel aller Arbeit bleibt: Die Lösung der jüdischen Aufgaben unserer Generation! (Allseitiger lebhafter Beifall.) Dr. Klee* Rede Als erster Redner in der Generaldebatte charakterisiert Dr. Klee die Gemeindearbeit vom zionistischen Standpunkt aus. Diese ist Teil eines die jüdische Gesamtheit umfassenden politischen Systems. Die Zionisten der Gemeinde gelten aus von aem Grundsätze der Schicksalsgemeinschaft aller Juden der anzen Welt. Jüdisches Leid in der ganzen Welt ist unser Leid. Jüische Freude unsere Freude. Aus diesem Grunde soll sich die Gemeinde willig in den Dienst gesamtjüdischer Bedürfnisse stellen. Damit ist nicht gesagt, daß die Arbeiten und die Bedürfnisse in Berlin und in Deutschland zu vernachlässigen seien. Es handelt sich aber um die Betätigung des Geistes der roßartigen jüdischen Renaissance. Darum muß e Beteiligung am Palästinaaufbau auch für die Berliner Jüdische Gemeinde eine Aufgabe ersten Ranges sein. Ein Ansatz nach dieser Richtung ist die Schaffung eines Lehrstuhls der Berliner Gemeinde an der Jerusalemer Universität. Weitere Forderungen, besonders für den Keren Hajessod, werden seitens der Zionisten folgen. Besonders ausführlich unterstreicht Klee die Notwendigkeiten des Berliner jüdischen Geraeindelebens. Er fordert die Errichtung von Gemeindehäusern, von jüdischen Zentren und insbesondere den. Aufbau eines um - fassenden Schulwerks. Nur wenn es gelingt, ein großes jüdisches Schulnetz ins Leben zu rufen, wird man imstande sein, nachhaltige Erziehungsarbeit für die Erstarkung des Judentums zu leisten. In der sozialen Arbeit muß sich jüdischer Zedakah- Geist mit modernsten Arbeitsmethoden paaren. Es gilt überall ein jüdisches Milieu zu schaffen. Denn nur in einem solchen wird bewußtes Judentum erlebt werden. Am Schlüsse seiner formvollendeten Ansprache dankt Klee dem Gemeinde- Vorstände für seine vollbrachten Leistungen. Diesem Dank schließt sich Prof. Türk (lib.) an: Er bekennt, die Bewilligung eines Prunkbaus wie des der Synagoge in der Prinzregentenstraße und wohl auch in der Klopstockstraße sei ein Felder gewesen. Ein jüdisches Milieu sei zu begrüßen, aber die zugespitzte Formulierung Dr. Klees könne auf das Verhältnis zu der nichtjüdischen Umwelt ungünstig einwirken. Der Aufbau eines jüdischen höheren Schulwesens ist zu vermeiden. Vor der Schaffung von Einrichtungen wie das Beth-Din müsse die Repräsentantenversammlung gehört werden. Er appelliert an die jetzt herrschende Mehrheit, die Interessen der Liberalen nicht außer acht zu lassen, die einen integrierenden Bestandteil des Berliner Judentums bilden. Türk Im Schatten des Ewigen Schawuoth 5689. Man kann sich denken, daß erfolgreiche Ausgrabungen im Zweistromland und in Aegypten überraschenderweise komplette Jahrgänge der ״Times von Ninive“ und des ״Journal von Memphis“, die einen in Keilschrift auf Tontafeln, die anderen auf Papyrusrolten geschrieben, gerade aus der Zeit zutage fördern, als die Juden Mizrajim verließen und späterhin vor dem Berge Sinai standen — ich wette tausend gegen eins: in den ״Times von Ninive“ würde sich nicht einmal auf der letzten Seite in kleinster Keilschrift irgendeine Erwähnung dieser Ereignisse vorfinden. Das ״Journal von Memphis“ allerdings würae über den Auszug aus Aegypten, die vorangegangenen zehn Plagen und die Ueberschreitung des Sijrilfmeeres spaltenlange Berichte enthalten; aus begreiflichen Gründen, denn die Ereignisse des Judenauszuges und der Ueberschreitung des Schilfmeeres bedeuteten für Aegypten schwere Kata- Strophen für Dynastie und Land. Von den Vorgängen am Sinai aber hat wahrscheinlich die beruhigte Oeffentlichkeit Aegyptens gar keine Notiz mehr genommen, es sei denn, daß irgendein Leser in einer Zuschrift an sein Leibblatt von einem merkwürdigen Feuerschein auf dem Gipfel des Sinai Mitteilung gemacht hat. Diese im Scherzton gemachte Bemerkung will besagen: Zeitgenossen haben niemals eine Ahnung, was wesentlich und was unwichtig ist. Ich bin überzeugt, daß die Welt am Tage der Verkündung des Dekalogs an die Juden ganz andere Dinge im Kopfe hatte, die sie als viel wichtiger eingeschätzt hätte, wofern sie überhaupt auf den Gedanken gekommen wäre, diese Dinge mit dem ihr übrigens unbekannt gebliebenen Ereignis am Sinai zu vergleichen. Es ist schon denkbar, daß irgendein Ahasveros gerade an diesem Tage einen großen Baaltempel eröffnete. Eine Waschti überreichte wohl an jenem Tage dem Preisträger der Ruderregatta aut dem Euphrat einen buntgestickten Gürtel und ein Haarkünstler Sanherib ließ sich von einem Reporter über die neueste Mode der Bartkräuselung interviewen. Daß irgendwo in der Wüste ein kleiner Nomadenstamm von einem feuerspeienden Berge herab irgendeine Lehre empfangen hat, davon erfuhr die Welt gar nichts, und wenn man ihr auch darüber etwas erzählt härte, so hätte sie gar nicht darauf geachtet. Und trotzdem: wo sind die Spuren jenes Ahasveros, jener Waschti, wohin ist die Mode des Bartkrauseins, wo sind die Erinnerungen an Baaltempel und Aatartedlcntt ־־׳ welche Wirkung üben sie direkt oder uidirekt bis aut den heutigen Tag?. Die Lehre von Sinai aber wirkt machtvoll fort. Und ob man nun die Idee der soziale□ Gerechtigkeit, verkörpert im Sozialismus, oder die Idee des ewigen Friedens, embryonal ausgedrückt im Völkerbund, in Betracht zieht, beide Bewegungen sind direkte Nachkommen des Dekalogs, Fleisch von seinem Fleisch, und Blut von seinem Blut. Niemals haben die Juden die Macht der Babylonier, den Reichtum der Aegypter ihr eigen genannt, niemals haben jüdische Oberkönige über Länder und hunderte Provinzen geboten, niemals hat jüdisches Machtstreben soweit gegriffen wie Roms Arm, Tamerlans oder Dschingiskhans Weltbeherrschungsträume oder Spaniens Ländergier. Trotzdem aber ist mit Israels Beeinflussung der Weltkultur — man lese Strindbergs Historische Miniaturen! — nur vielleicht die Wirkung athenisch-hellenischen Geistes zu vergleichen. Wo liegt der Grund für dieses welthistorische Phänomen? In der Lehre? Zweifellos! Aber nicht nur in der Lehre allein, sondern in dem einzigartigen Schicksal des jüdischen Volkes, dem geophysischen Ausnahmscharakter Palästinas, das, zwischen den Großmächten Aegypten und Vorderasiens gelegen, durch die Extreme seines Klimas, seiner schneebedeckten Gipfel und subtropischen Depressionen — und all das räumlich nahe — das jüdische Wesen unvergänglich geformt hat. So sind die Juden seit jeher Blutzeugen der Gerechtigkeit (nebenbei ihrer einzigen Waffe) geblieben. Das Schicksal oder die Vorsehung 2wang sie, stärker als andere Menschengruppen das zu leben, was ihre Lehre lehrte und bewahrte sie davor, Grundsätze als leere Deklamationen, als konventionelle Lügen zu behandeln. Und da dieser Zustand seit den Zeiten König Davids, des letzten jüdischen Eroberers, andauert, so ist er in diesen nahezu dreitausend Jahren dem Judentum immanent geworden. Und dreitausend Jahre gelebter oder in einem Annäherungsgrade gelebten Lehre, wie er bei anderen Menschengruppen hinsichtlich deren offiziellen Lehren nie vorgekommen ist (lebensfremde kleine Sekten und Ordensbrüderschaften ausgenommen), wirken schon durch ihre Dauer als unnachahnüiches Beispiel. Daß die Lehre und ihre Befolgung solange zu bestehen, sich wohl zu wandeln und anzupassen, aber ln ihrem Grutidkem unberührt zu bleiben vermochte, läßt auch Schlüsse auf den lebensnahen Wert dieses Systems zu. 41 In Palästina versuchen Jetzt die Juden eine neue Gemeinschaff zu formen. Dieser Vorgang wird wegen der vicltausendjährigen Geschichte des jüdischen Volkes, wegen der die ganze Weit umspinnenden Nachrichtenübermittlung und auch wegen der Verstrickung aller Weltinteressen stärker beachtet als in der Antike das Ereignis der jüdischen Volkswerdung. Immerhin mißt man dem Rinasdmento der Juden noch lange nicht eine Bedeutung bei wie etwa einer Reparationskonferenz in Spa oder Paris. Wird ein Historiker nach Jahrhunderten auch mit Recht von den Zeitgenossen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sagen können, sie hätten das Wesentliche ihrer Zeit nicht gesehen? Und ist das, was in Palästina geschieht, so zukunftsträchtig und wesentlich wie die Ereignisse des Auszugs aus Mizrajim und der Gesetzgebung am Sinai? . . . Wer könnte sich in unseren Tagen vermessen, darüber etwas auszusagen? Moses Waldmann. Im Angesicht des Sinai Aus meinem Reisetagebuch. Von Nah um Sokolow. Alles ist in Licht und Sonnenglanz gebadet. Glühende Strahlen verströmen in der heißen Luft. Oben — Blau ohne Ende, das Blau des »Gottesthrones, Ringsum Helligkeit, eine blasse, blendende Lichtkrone, Speere und Lanzen weißen, saphimen Goldes, cherubsgleich, ähnelnd Schiffsmasten, die zitternd durchbrechend, hello Wolken gleich lichten, weißen Engeln. Für Augenblicke bringt eine vorübergehende Brise eine Wello starker, fast zuchtloser, wüster Hitze, wie Schnee aus Feuerfunken, weiß und brandig. Wüstensand, wie geheimnisvoller Traumbauch, treibt auf den tanzenden Strahlen vorüber, scharfe Körner wie Pfeilgeschosse peitschen schmerzhaft unser Gesicht, wie blinde, leichtfertige Spottreden, wie dem Ange verborgene Bienen, die wie Pfriemen stechen. Flammenglut und Farbenzauber — iri dieser vollkommenen, einheitlichen, prächtigen Farbensymphonio steigt ein rosa-zitternder Dunstglanz auf, fällt und zieht vorüber wie ein durchsichtiges Gewebe, das den ganzen Raum erfüllt. Noch nie habe ich ein solches Sprühen von Farben gesehen, so außer Rand und Band. Ich stand wie behext und betäubt in dieser ekstatischen, majestätischen Schönheit. Die Hitze ermüdet, lastet auf den Gliedern und erfüllt unser ganzes Sein — ist sie feucht oder trocken, äußerlich oder innerlieh, weiß ich es? Ein Matrose, ein alter Seefahrer, sagte mir kürzlich: Hier ist das Tor der Hölle. Die Passagiere schreiten schwerfällig auf dem Deck auf und ab, wie Menschen, die mit drückenden Lasten beladen sind. Von Zeit zu Zeit öffnen sie weit schließt mi kenntnis zt Namet ausführlich die Schafft fassenden dclt Kölle! gelungen, und den L׳ dener Seht Doch hand biete des 1 teil bereit, das wesen und er gla Ein verstau gegenwärt sich z. B. man viele in die jüdi: mußte. L Lebensnot Berliner J1 Rabb. neuen Gei Schaltung Schulpoliti Festtagen schildert < großstädti Moril vermittle als ander׳ und reinli Positioner Hans tung der hinaus die und in all zugehen, auf wir kerung zi Immer dr meinen ui wie veher verschied! verlangen ■׳'׳־־’§ . weist Go und in Fr und daß < ziehunget Verhältni b e n d e r ahmung sei vielfei daran de für die V meinde z zu allen die Wirk k e r u n f vieler Be fassende! Gemeind׳ Wal! Weltansc der Jahr batten g innerhalb Fazit 70 tismus u ziehungs wieder it Primat i u n d d e Auch aui schaft in noch leu Deutsch! seien eit vor iüd spreche den Mun allein an würzt rti nanen at late«, dei säuerlichscheuen Ein aus den 1 zu entde׳ Hitze zu Feuer. 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