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Jüdische Rundschau · 1929-06-07 · Heft 44 (7.6.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 44 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 274 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nf. 44, 7. VI. 1929 das charakteristisch jüdisch ist. Wir glauben daher, daß wir durch unsere jüdische Arbeit, die schon durch ihre Unterstei־ hing unter den Völkerbund im Zusammenhang steht mit einer anderen Konjf2#on internationaler Zusammenarbeit, nicht nur den Juden hds , sondern auch etwas zur kulturellen Bereiche• rung der Wei’ beitragen werden. Lord Robert Cedi dankt zunächst den Vorrednern für ihre Begrüßungsworte und fährt fort: ״Ich freue mich sehr, durch meine Anwesenheit hier zum Ausdruck zu bringen, daß ich ein Oberzeugter Förderer des Zionismus bin. Einer der Redner hat hier angespielt auf die große Versammlung in Albert Hall im Jahre 1920. Manche von Ihnen kennen vielleicht diesen Riesensaal, der mehr als lOOW Menschen faßt. Ich habe an vielen Versammlungen verschiedenster Art in Albert Hall teilgenommen, aber keine von all diesen war irgendwie zu vergleichen mit jener großen zionistischen Kundgebung. Die Begeisterung, die damals den überfüllten Saal erfüllte, war ganz anderer Art als alles, was ich an dieser Stätte — oder auch sonst irgendwo in der Welt — jemals gesehen habe. Das war für mich der Beweis für das, was ich schon früher gewußt hatte, nämlich für die ungeheure innere Kraft des Zionismus und für die großen Hoffnungen, die er für das jüdische Volk — oder wenigstens große Teile dieses Volkes — bedeutet. Mein erstes Zusammentreffen mit dem Zionismus war an einem Nachmittag, als ich während des Krieges im Auswärtigen Amt tätig war. Man ersuchte mich, Dr. W ei zmann zu empfangen, von dem ich zwar gehört hatte, den ich aber noch nicht kannte. Ich werde nie den tiefen Eindruck vergessen, den Dr. Weizmann damals auf mich machte, durch seine ganze Persönlichkeit und durch seine einfachen und doch so überzeugenden Worte. Ich kann aufrichtig sagen: Niemals im Leben hatte ich ein Gespräch, das so unmittelbar auf mich wirkte. Ich erinnere mich an ein Wort von ihm, das mir stets im Gedächtnis geblieben ist als einer der Aspekte des Zionismus, obwohl Ich natürlich weiß, daß dies eben nur ein einzelner Gesichtspunkt ist und nicht die Hauptsache. Dr. Weizmann sagte mir: Wie die Dinge heute liegen, hat ein Jude immer sich selbst zu erklären, er hat als französischer, englischer, deutscher usw. Jude immer sein Judentum zu erklären; aber wenn man ein Jüdisches Nationalheim hat, wenn es ein Land gibt, wo Juden als Juden leben, dann würden die Juden der Welt begreiflich sein, ohne daß man etwas erklärt, so wie es bei anderen Völkern ist, die in ihrem natürlichen Leben sich der Welt darbieten, so daß man ihre Existenz auch dann versteht, wenn ihre Angehörigen in anderen Ländern leben und sogar dort Staatsbürger sind. Diese Bemerkung Dr. Weizmanns hat mir die Situation mit einem Schlage erhellt und einen tiefen Eindruck bei mir Unterlassen. Nun möchte ich noch auf eine andere Seite der Sache zu sprechen kommen, die mir besonders naheliegt. Man hatte während des Krieges die Errichtung der jüdischen Nationalen Heimstätte Ins Auge gefaßt, aber man wußte noch nicht, in welcher Welse sie verwirklicht werden soll. Als nun der Augenblick der praktischen Durchführung nahte, da gab es viele Diskussionen, wie die politische Gestaltung Palästinas sein 6011.Es gab Vorschläge, Palästina amerikanisch zu tpachen oder französisch, oder englisch, oder aber es einem internationalen Kondominium zu unterstellen, aber jeder der Vorschläge stieß auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Da kam die Idee des Völkerbundes, und man erkannte, daß sich hier eine Lösung darbot, die ganz anderer Art ist als alle die früher erwähnten Vorschläge, und die eine Durchführung des Planes möglich macht ohne den Nachteil der Verbindung der jüdischen Heimstätte mit einer einzeinen Macht Es entstand die Idee des Mandatsystems. Diese Lösung aller Schwierigkeiten war eine sehr glückliehe. Der Zionismus in seiner jetzigen politischen Stellung ist eine der Früchte der Idee des Völkerbundes, eines der konstruktiven praktischen Resultate des Völkerbundgedankens. Palästina zögt, daß der Völkerbund nicht eine akadänische Idee ist, sondern ein praktisches Instrument der Völkerpolitik von größtem Wert. Gerade dies möchte ich besonders betonen, weil es sehr wichtig ist, daß die Menschen erkennen, daß der Völkerbund nicht nur ein Traum von Idealisten oder ein künstliches Gebilde ist, sondern ein wohlersonnener, reiflich überlegter Plan praktischer Politik. Ich habe also ein doppeltes Interesse am Zionismus: erstens um seiner selbst willen, zweitens als ein Beweis dafür, daß die Idee des Völkerbundes richtig ist und sich bewährt hat, und daß sie geeignet ist, ein neues Stadium der Weitgeschichte im Zeichen der Völkerverbindung heraufzuführen. Ich danke Ihnen nochmals herzlich für diesen Empfang und möchte zum Schluß nur noch versichern, daß ich inn״rhalb der Grenzen meiner persönlichen Kräfte und Möglichkeiten stets auch weiterhin ein Anhänger der zionistischen Idee und ein aufrichtiger Förderer der zionistischen Sache sein werde.“ (Lebhafte Akklamation.) / Verschiedene Farben - gleiche Brüder In der ehemaligen österreichischen Armee galt ein Wort: Gleiche Kappen, gleiche Brüder. Für die rassenantisemitische Studentenschaft mancher europäischer Nationen ist eine Variante dieses Spruches angebracht: ungleiche Farben — gleiche Brüder. Fast in derselben Zeit spielten sich 1n Wien und in Lemberg judenfeindliche Vorkommnisse ab, bei denen Hetzer und Angreifer hakenkreuzlerische deutsche und chauvinistische polnische Studenten waren. Es ist bekannt, daß es wohl kaum erbittertere Gegner auf der Welt gibt als den deutschen und polnischen Chauvinismus. Abgesehen jedoch von der gegenseitlgen Feindschaft sind beide Spezies in ihrer Denkart und Empfindungsweise einander gleich wie ein Ei dem anderen. Im Judenpunkte aber können sie geradezu identifiziert werden. Historische Wahrheit gebietet jedoch festzustellen, daß die deutschen Hakenkreuzler, die Erfinder der antisemiäsehen Ideologie sind, die den akademischen Judenhassern in anderen Ländern gefehlt hat. Die Deutschen handeln eben im Namen einer ״Idee“, während die polnischen Hakenkreuzler bis zur Utbernahme der deutsch-chauvinistischen Rassentheorie ihren Antisemitismus primitiv, ohne ״wissenschaftliche“ Durchbildung, betätigten. Die deutschen Hakenkreuzler sind somit die Lehrmeister der polnischen, ungarisehen, rumänischen und der anderen Adepten des Hakenkreme•. Die Verfassung der Jewisn Agency Ein Interview mit Felix Rosenblüth Die Verfassung ist aufgebaut auf der Balfour-Deklaration und dem Palästina-Mandat. —־ Die vom Zionisten-Kongreß formulierten Grundprinzipien des Aufbaus sind in ihr verankert. — Ein Council, ein Adminlstrauve-Comq^ttee und eine Exekutive. — Keren Hajessod, da» Finanzinstrument der Agency. — Beide Telle tragen Budget-Verantwortung. — Im Auflösungsfalle wird die Zionistische Organisation in den Status der Jewish Agency zurückversetzt. Nach dem Abschluß der A.-C.-Sitzung hatte der Vertreter der J, T.A. Gelegenheit, Herrn Felix Rosenblüth, Mitglied der Exekutive, über den Verlauf und das Resultat der Sitzung zu befragen. Herr Rosenblüth erklärte, daß die Exekutive von dem Verlauf der Sitzung sehr befriedigt ist. Die Exekutive hat Gelegenheit gehabt, mit den Führern aller Gruppen der Bewegung, die die Repräsentanten im A.-C. sind, alle Fragen der Verfassung der künftigen Jewish Agency gründlich durchzuberaten und ihnen Einblick zu gewähren in die schwebenden Verhandlungen. Daß der Oeffentlichkeit bisher die Einzelheiten des Verfassungsentwurfes nicht mitgeteilt werden können, liegt nicht daran, daß es sich hier um irgendwelche Geheimnisse handelte, sondern es ist eine einfache Pflicht der Loyalität, ein Dokument, das eine Vereinbarung verschiedener Partner darstellen soll, erst dann zu veröffentlichen, wenn es von den Beteiligten approbiert worden ist Alle bisher von unautorisierter Seite in der Presse gebrachten Meldungen sind ungenau. Die allgemeinen Grundzüge der Verfassung, fährt Herr Rosenblüth fort, sind der Oeffentlichkeit ohnedies bekannt, da bereits auf den Kongressen und bei den vorhergehenden A.-C.-Sitzungen davon die Rede war, insbesondere gelegentlieh der Verhandlungen mit der Marshall-Gruppe. Nachdem die Zionistische Organisation sich mit der Marshall-Gruppe über die Prinzipien der künftigen Aufbauarbeit in Palästina geeinigt hat — das Marshall-Memorandum und die Beschlüsse der letzten A.-C.-Sitzung waren das letzte Stadium dieser Einigung — besteht nun die Hauptaufgabe in der Formulierung der Urkunde, die als die Basis der ganzen künftigen Agency-Arbeit dienen soll. Für diese Konstitution hat nun das A.-C. einen Entwurf beschlossen, der von der Exekutive in mehrmonatlicher intensiver Arbeit vorbereitet worden war. Die Verhandlungen, die bei dieser Gelegenheit mit denjenigen nichtzionistischen Gruppen, die bereits ihre Bereitschaft zum Eintritt in die Jewish Agency erklärt haben, vor allem also der amerikanischen und englischen, geführt wurden, zeigten, daß eine weitgehende Uebereinstimmung über diese Grundlagen herrscht, und nur wenige Punkte blieben noch für eine Diskussion offen. Ueber die wesentlichen Grundzüge der Konstitution ־"׳:/ befragt, erklärte Herr Rosenblüth: Die Konstitution ist — ich möchte dies gegenüber abweichenden Darstellungen ausdrücklich erklären — auf gebaut auf der Balfour-Deklaration, der Hervorhebung der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, und dem Palästina-Mandat, in dessen Artikel 4 ja auch die Bestimmungen über die Jewish Agency, enthalten sind. In Balfour-Dekiaration und Mandat wird auch das Ziel der jüdischen Palästina-Arbeit klar gekennzeichnet. Die jüdische Aufbauarbeit beruht auf einer Reihe von grundlegenden Prinzipien, die vom Zionistenkongreß formuliert wurden und denen auch die Nichtzionisten zugestimmt haben, 2. B. die Forderung der jüdischen Einwanderung, der jüdischen Arbeit, der hebräischen Sprache, des nationalen Bodenbesitzes und des Selbstbestimmungsrechtes der Siedler bei der Wahl der Siedlungsformen innerhalb der Grenzen wirtschaftlicher Betriebsführung. Alle diese Bestimmungen sind in dem Entwurf verankert. Nach dieser Zweckbestimmung der Jewish % Agency folgen dann in der Konstitution die einzelnen Paragraphen, die die formellen Bestimmungen über die Tätigkeit der Agency und ihrer Organe enthalten. Voraussichtlich wird die Agency drei Organe haben, einen Council, der in seiner nichtzionistischen Hälfte die direkt von den Lindern gewählten jüdischen Vertreter umfaßt and im allgemeinen einmal in zwei Jahren tagt, dann ein 40gliedriges Administrative- Committee, das in der Zeit zwischen den Plenartagungen des Council zweimal jährlich Zusammentritt, und drittens die Exektitive. Präsident der Jewish Agency soll, entsprechend einem Kongreßbeschluß, der Präsident der Zionistischen Organisation sein, doch kann von dieser Bestimmung abgegangen werden, wenn der Council mit Dreiviertel-Mehrheit dies beschließt, d. h. also, wenn außer der gesamten nichtzionistisehen Hälfte auch noch 50 0/0 der zionistischen Hälfte einer solchen Aendcrung zustimrnen. Der Keren Hajessod wird als das Instrument der Agency zur Deckung des jährliehen Palästina-Budgets erklärt, während der Status des Jüdisehen Nationalfonds (Keren Kajemeth) unverändert bleibt. Dadurch, daß der Keren Hajessod zum Finanzinstrument der Agency gemacht wird, kommt klar zum Ausdruck, daß die Verantwortung für die Aufbringung des Budgets in Zukunft von Zionisten und Nichtzionisten gemeinsam ge* tragen wird. —ne Streitfrage bildete eine Institution, die für uns Zionisten eine Neuerung bedeutet. Es handelte sich darum, daß die Amerikaner gefordert hatten, die Möglichkeit zu bieten, daß ein Mitglied des Council von mehreren abwesenden Mitgliedern ermächtigt werden kann, in deren Namen zu stimmen. Innerhalb des Zionismus hat man von einer solchen Einrichtung stets abgesehen, aber es kann nicht geleugnet werden, daß die Bewohner überseeischer Länder, besonders die Amerikaner, dadurch benachteiligt sind, da die meisten Sitzungen in Europa stattfinden. Es sei nur auf die bedauerliche Tatsache verwiesen, daß an der jetzigen A.-C.-Sitzung kein A.-C.-Mitglied aus Amerika teilnehmen konnte. Das A.-C. konnte sich der Ansicht nicht verschließen, daß die Forderung der Amerikaner angesichts der objektiven, ich möchte sagen geographischen Tatsachen eine gewisse Berechtigung hat. Um aber zu verhindern, daß zu viele Mitglieder des Council ohne äußeren Zwang von dieser Einrichtung Gebrauch machen, wurde bestimmt, daß eine Vertretung von Stimmberechtigten durch Kumulierung von Stimmrechten nur bei überseeischen Län* dern zulässig ist; also gilt diese Vergünstigung für Amerikaner, wenn die Sitzung in Europa, und für Europäer, wenn sie in Amerika stattfindet. Uebereinstimmung besteht auch darüber, daß im Faile der Wiederauflösung der erweiterten Agency die Zionistische Organisation in den Status der Jewish Agency im Sinne des Mandates zurückversetzt wird. Ueber die Voraus- Setzungen der Wiederauflösung und über gewisse Fragen der Exekutivbüdung schweben noch Verhandlungen. Dies sind die Bestimmungen der Konstitution, die Oeffentlichkeit am meisten interessieren dürften. Es ist seifetverständlich, daß der ganze Entwurf, nachdem er von der Gegenseite angenommen sein wird, noch der R a t i f i z i e - rung durch den Kongreß unterliegt. Trotzdem hat die Exekutive von dem A.-C. die Ermächtigung gefordert, den Council der Agency jetzt schon für August einzuberufen, da sonst die Abhaltung der Tagung unmöglich wäre. Die Exekutive verwahrt sich auf das schärfste gegen den von seiten der Radikalen Zionisten erhobenen Vorwurf, ihre Handlungsweise und die des A.-C. sei illegal. Die Exekutive ist vielmehr der Ansicht, daß diese Sitzung des A.־C.s, bei der die Zustimmung aller maßgebenden Führer sämtlicher zionistischer Fraktionen (mit Ausnahme der Radikalen und Revisionisten) zu der Einberufung des Councils erfolgt ist, keinen Zweifel daran zuläßt, daß die Exekutive berechtigt und sogar yerpflichtet ist, den Zusammentritt des Council der Agency so weit vorzubereiten, daß diese Tagung sofort nach der Ratifizierung durch den Kongreß, an der nicht zu zweifeln ist, vor sich gehen kann. mimnmi.... An der Wiener Universität hängen radikal-antisemitische Studenten ein Bildplakat aus, das ״niedere Rassen“ darstellt. Neben einem wulstlippigen Neger ist ein Jude abgebildet. Die jüdischen Studenten protestieren in «einer Eingäbe an das Rektorat gegen diese Verhöhnung. Der Rektor ordnet die Entfernung des Plakates an. Daraufhin überfallen die Hakenkreuzler ihre jüdischen Kollegen im Universitätsgebäude, schlagen sie blutig und befördern sie auf die Straße. Am Nachmittag desselben Tages dehnen die antisemitischen Studenten das Kampfgebiet vom geheiligten akademischen Boden auf die umliegenden Kaffeehäuser aus, in denen jüdische Studenten verkehren. Die Oeffentlichkeit protestiert gegen diese Uebcrfälle und weist auf die Schädigung des Fremdenverkehrs hin. Man ist bezüglich der hakenkreuzlerischen Rowdies bereits so weit, daß man nicht an ihre Einsicht oder an ihr Gerechtigkeitsgefühl zu appellieren wagt, sondern Argumente materiellen Nutzens gebraucht. In Le m b e r g zieht eine katholische Prozession am Schulgebäude des jüdischen Gymnasiums gerade während einer Schulpause vorbei, als die Jungen und Mädel in den Klassenzimmern bei geöffneten Fenstern herumtollen. Diese Aeußerung jugendlichen Uebermuts während einer Schulpause wird von den Teilnehmern der Prozession als Verhöhnung der christlichen Symbole gedeutet. Also: Zusammenrottung der katholischen Gläubigen und Versuch, das Oebiude zu stürmen. Die Polizei greift ein und stellt die Ruhe her. Am nächsten Morgen erscheint im antisemitischen ״K u r j e r P o r a n n y“ ein Hetzartikel gegen die Verhöhner der christlichen Religion. Sofort sammeln sich einige hundert polnische Studenten vor dem jüdischen Gymnasium; das Gebäude wird gestürmt; jüdische Passanten werden schwer mißhandelt; die Juden in den umliegenden Straßen befürchten einen Pogrom und schließen ihre Geschäfte; Verkehrs- und später berittene Polizei muß eingreifen. Am Abend überfallen die polnisehen Studenten die Redaktion des zionistischen Tagblattes ״Chwila“ und demolieren die Einrichtung. Tagelang steht das jüdische Lemberg unter dem Eindruck dieser Geschehaisse. Die deutschen Studenten in Wien und die polnischen in Lemberg stellen den Nachwuchs für zukünftige Beamte, Lehrer und Richter dar. Nach ihrer Lehrzeit an den Hochschulen ist anzunehmen, daß sie auch in ihrem weiteren Leben das betätigen werden, was sie mit der Milch ihrer Alma mater eingesogen haben. Der Lemberger ״M 0 r g e n“ berichtet über die Vorkommnisse in Lemberg unter der Schlagzeile ״״M i11 e 1 a 11 e r“. Man muß ernstlich befürchten, daß die zukünftigen Führer und Vertreter der Intelligenzberufe sowohl im deutsejien Oesterreich wie auch in Polen den Geist des Mittelalters nbch jahrzehntelang pflegen und hochhalten Das Aupste Viktoria-Hans auf Hem Oelberg Der Jerusalemer Korrespondent der ״ rechtsstehenden ״Hamburger Nachrichten“, Hans Rabe, beklagt es, daß das Auguste-Viktoria-Heim in Jerusalem, dieses Monumental-Gebäude am Oelberge, itn schönen Garten, in freier herrlicher Luft, durch Vernachlässigung dem allmählichen Verfall preisgegeben ist. Die durch das Erdbeben verursachten schweren Schäden sind noch nicht ausgebessert Im Jahre 1910 wurde die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Stiftung als Sanatorium und Genesungsheim unter Leitung des deutschen Johanniter-Ordens eingerichtet. Nach der Kriegszeit waren hier Geschäftszimmer der englischen Verwaltungsbehörden. Heute liegt das Grundstück verlassen da, die Pforten sind geschlossen. Hans Rabe findet den Vorschlag eines Geistliehen, eines klugen und klaren Kopfes, beachtenswert, der dahin geht, das Heim der hebräischen Universität anzugiiedern bzw. an diese zu verkaufen. Die medizinische Fakultät erfährt mehr und mehr ihre moderne Ausgestaltung. Als Klinik oder Krankenhaus, in Angliederung an diese Universität, würde das Viktoria-Heim eine neue Zukunft haben. Ehe an diese Universität berufenen reichsdeutschen Aerzte, meint Rabe, wären wohl die berufensten Vermittler, falls eine Lösung in diesem Sinne beschlossen würde.

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