Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 44 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 44. 7. VI. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 275 Labour im Ami Zionismus and englitdie Parteien — Ueber^riffe der Polizei — Vereinigte zionistische Arbeiterpartei RW, Berlin, 5. Juni. Das hervorstechende weltpolitische Ereignis der letzten Woche, der Regierungswechsel in England, ist natürlich auch für den Zionismus von großem Interesse. Die Zio* * nistische Organisation als Jewish Agency ist als solche natürlich streng neutral im englischen Parteikampf; aber sie hat mit der englischen Regierung als Mandatarmacht Palästinas zusammenzuarbeiten, und es kommt viel darauf an, daß die leitenden Personlichkciten der englischen Politik für das palästinensische Problem und dessen eigenartige Verbindüng mit der Judenfrage entsprechendes Verständnis besitzen. Bisher hat, über allem Wechsel von Regierungen hinweg, dieses Verständnis nicht gefehlt. ־So sehr wir auch in vielen Fällen mit konkreten Maßnahmen der Mandatarmacht und insbesondere der palästinensischen Administration unzufrieden sind, so müssen wir doch anerkennen, daß die große Linie der britischen Politik in bezug auf das jüdische Nationalheim in Palästina unverändert geblieben ist. Es gab Zeiten, wo diese Politik einem schweren Ansturm von Gegnern standhalten mußte und wo auch innerhalb englischer Regierungskreise Zweifei laut wurden. Diese kritischen Tage — insbesondere des Jahres 1922 — haben um so mehr bewiesen, daß die zionistische Konzeption in der maßgebenden Mehrheit der englischen politischen Welt fest verankert ist; sie vermochte damals über alle Widerstände zu siegen. Seitdem kann man wohl sagen, daß keine irgendwie bedeutungsvolle Gruppe gegen die Politik des jüdischen Nationalheims als solche angekämpft hat. Die führenden Männer aller Parteien haben sich unzweideutig zur Unterstützung des Zionismus verpflichtet. Nicht alle werden dies vielleicht mit so viel Wärme und innerer Ueberzeugung tun wie etwa Lord RobertCecil, den wir gerade in Berlin zu empfangen die Freude hatten; nicht alle können natürlich auch mit dem abgeklärten Weitblick des alten Lord B a 1 f o u r, dessen kürzlich gemeldete Erkrankung sich hoffentlich als schnell vorübergehend erweisen wird, den überzeitlichen Wert der jüdischen Auferstehung erfassen. Aber aus menschlichen, kulturellen und politischen Gründen sehen wir auch solche englische Politiker, die sich noch nicht in die Sache vertiefen konnten, auf unserer Seite. Ramsay Macdonald war selbst in Palästina und bat in seiner bekannten Broschüre seine Bewunderung für den Zionismus und die jüdische Arbeiterbewegung ausgesprochen. Auch andere Führer der Arbeiterpartei waren in Palästina, und erst kürzlich hat in London ein Bankett für den der Arbeiterpartei angehörenden Nationalökonomen Prof. Tawney stattgefunden, bei dem sehr starke Worte der Unterstützung des zionistischen ׳Stehens gefallen sind. WirhabenFreunde unter den Führern der fortschrittlichen Partei ebenso wie unter den Konservativen, die in England nicht einfach als reaktionäre Partei bezeichnet werden können. Ein interessantes Beispiel lieferte erst vor kurzem die Kolonialdebatte im Unterhaus, bei welchem Abgeordnete der Arbeiterpartei, Wedgwood und Kenworthy, sieh mit großem Temperament für eine kräftigere Unterstützung des Zionismus einsetzten, während der Vertreter der Regierung, Unterstaatssekretär Ormsby-Gore, einer der ältesten konservativen Freunde des Zionismus, in seiner Antwort betonte, daß jede Regierung zweifellos ihr möglichstes tun muß, um die Bestimmungen des Mandates und der Balfour- Deklaration durchzuführen. Daß die Palästina-Frage in England kein Partei-Kriterium ist, sondern eine Frage individueller Anschauungen, ergab sich gerade aus dieser Debatte. Zwei Freunde des Zionismus standen einander gegenüber, und es war höchst interessant, dieser für das Unterhaus sicher nicht alltäglichen Auseinandersetzung zu folgen. ״Ebenso wie der der Opposition angehörende Vorredner“, so erklärte Ormsby-Gore, ״war auch ich, lange bevor ich mein jetziges Amt übernahm, ein eifriger und überzeugter Zionist; und Sch erkläre dies auch heute, ohne Miß%׳erständnisse zu befürchten. Freilich beruht mein Zionismus auf gänzlich anderen Gründen als der von Wedgwood. Er sieht die Hauptsache darin, daß das jüdische Volk unsere Ideen, westliche Kultur und Freiheitsbegriffe, nach dem Osten bringt; ich hingegen sehe es mehr im Sinne von Dr. Weizmanns Ausspruch, daß Palästina so jüdisch sein solle wie England englisch, d. h., daß die Juden dort eben in erster Linie Juden sein sollen usw.“ (Die Einzelheiten der Rede wurden bereits in früheren Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ mitgetcilt). Das Londoner Organ der Exekutive ״The New Judaea“ macht zu dieser Debatte einige sehr beachtenswerte Bemerkungen. Das Blatt würdigt das energische Eintreten Wedgwoods für eine stärkere Unterstützung des Zionismus durch die palästinensische Administration, aber wendet sich zugleich gegen Wedgwoods Auffassung von der Rolle der Juden als Pioniere der englischen Kultur. Wedgwood hatte den Ausspruch eines Schriftstellers zitiert, der gesagt hat: Das britische Reich ist in hohem Maße durch das schottische Volk aufgebaut worden, das die britische Kultur in alle leeren Teile der Welt gebracht hat. Wedgwood fügt hinzu, daß die Juden jetzt die Rolle dieser Schotten übernehmen, indem sie britische Kultur nach dem Osten tragen, und daß darum England beim Aufbau ihres Volkstums helfen müsse. Er beschwerte sich über den ungenügenden Unterrieht der englischen Sprache in palästinensischen Schulen und fragte: ״Warum sorgen wir nicht dafür, sie die einzige Sprache zu lehren, in welcher sie jemals zur Stufe der Selbstverwaltung werden aufsteigen können? — Mit Recht betont ״New Judaea , daß diese Auffassung für uns Zionisten unannehmba r ist, und daß Ormsby-Gores Erwiderung dem zionistischen Oedanken viel näher komme. Man müsse sich hüten, einen Zusatnmenhang zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Ausführungen Wedgwoods zu konstruieren, etwa in dem Sinn, daß die Unterstützung der Administration uns nur dann in entsprechendem Ausmaß zuteil würde, wenn wir uns als Pioniere der englischen Kultur benehmen. Das Blatt bedauert, daß der bewährte Freund des Zionismus, Col. Wedgwood, der ein so eifriger Befürworter einer aktiven ״Vorwärts-Politik“ in Palästina ist, auf der anderen Seite einem Ideal, das geradezu Die Wahlen zum XVI. Zionisienkongre* Bekanntmachung Nr.6. 1. Die Frist für die Einreichung der WahlvorschlSge (vgl. Bekanntmachung Nr. 2) läuft am 12vJunI ab. Jeder Wahlvorschlag muß mindestens von 100 wahlberechtigten und in dem betreffenden Wahlkreis wohnhaften Schekelzahlern eigenhändig unterschrieben sein. Bei der Emreichung der Wahlvorschläge sind Erklärungen der Bewerber beizufügen, in denen sie sich bereit erklären, auf diesem Wahlvorschlag zu kandidieren. Ferner sind die Erklärungen der zuständigen Keren Haiessod-Büros beizufügen, aus denen hervorgeht, daß die betreffenden Bewerber ihrer Keren Hajessod-Verpflichtung nachgekommen sind. •% Ein Wahlvorschlag für einen Wahlkreis aarf nicht mehr als 12 Kandidatermamen enthalten, Wahlvorschläge für die Reichswahlliste nicht mehr als 24 Namen. 2. In sämtlichen Wahlorten sind unverzüglich Ortswahl- Kommissionen zu bilden, die gemäß § 4 der Wahlordnung (Bekanntmachung Nr. 4) zusammenzusetzen sind. Eine Ortswahlkommission muß mindestens aus drei Mitgliedern bestehen. Die Adresse der Ortswählkommission und die Namen ihrer Mitglieder müssen der HWK. unverzüglich, spätesens aber bis zum 13. Juni, schriftlich mitgeteilt werden. Die Orfswahlkommission hat die Wahllokale und die Wahlzeiten für den 23. und 24. Juni fcstzusetzen und dafür zu sorgen, daß Wahllokale, Wahlzeilen und Wahlvorschläge den wahlberechtigten Schekelzahlern ihres Ortes mindestens dreiTagevorderWahlin ortsüblicher Weise oder durch Veröffentlichung in der ״Jüdischen Rundschau“ bekanntgegeben werden. Falls die Bekanntgabe ausschließlich durch Veröffentlichung in der ״Jüdischen Rundschau“ erfolgt, hat die Ortswahlkommission die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß die Veröffentlichung spätestens in der am 18. Juni erscheinenden Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erfolgt. Bisher sind folgende Orte zu Wahlorten erklärt worden: Wahlkreis I: Allenstein, Aschersleben, Berlin, Braun• schweig, Bremen, Dessau, Emden, Erfurt, Eydtkuhnen, Frankfurt a. O., Gotha, Halberstadt. Halle, Hamburg, Hameln, Hannover, Insterburg, Jena, Kiel, Königsberg, Köthen, Kottbus, Landsberg, Lübeck, Magdeburg, Nordhausen, Osnabrück, Rostock, Stettin, Stolp, Waltershausen. Wahlkreis II: Aachen, Augsburg, Bamberg, Beuthen, Bielefeld, Bochum. Bonn, ßonzlau, Breslau, Chemnitz. Darmstadt, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düren, Düsseidort, Elberfeld, Eschwegc, Essen, Frankfurt a. M.. Freiburg, Gelsenkirchen, Gießen, Gleiwiiz, Görlitz, Gr.-Strehlitz, Hamborn, Hanau, Heidelberg, Hindenburg, Jülich, Karlsruhe, Kassel, Koblenz, Köln, Konstanz, Leipzig, Liegnitz, Mainz, Mannheim, Marburg. München, M.-Gladbach, Nürnberg, Oberhausen, Oppeln, Pforzheim, Plauen, Ratibor, Rodges, Saarbrücken, Waldenburg, Wiesbaden, Würzburg, Zwickau. Die Hauptwahlkommisslon für dieWahlen zum XVI. Zionfstenkongrefj in Deutschland Rosenblüth. den Kern des Zionismus bildet, verständnislos gegenübersteht: dem Ideal eines Palästina, in welchem der jüdische Geist auf allen Zweigen des menschlichen Lebens den Ihm gemäßen Ausdruck in dem natürlichen. uncriäfÜRhen Gewand der hebräisehen Sprache finden wird. Wir haben dieses Beispiel angeführt, um zu zeigen, daß die inneren Fragen des Zionismus gewissermaßen interfraktioneller Diskussionsstoff auch im englischen Parlament sind, während in der politischen positiven Grundeinstellung Einigkeit besteht. Wir hoffen, daß Männer wie Wedgwood, Kenworthy und andere, sobald die Regierung ihrer eigenen Partei am Ruder ist, den Einfluß haben werden, um die Forderungen bezüglich der Haltung der palästinensischen Administration, die sie seit langem in der Oeffentlichkeit vertreten, auch in der Praxis durchzusetzen. Im allgemeinen haben wir wohl mit dem Prinzip der Kontinuität der britischen Politik in allen Fragen des Weltreichs, unabhängig von Regierungswechseln, zu rechnen. * Die palästinensische Verwaltung bedarf wahrhaftig einer gründlichen Reform in verschiedenen Zweigen, einer der wichtigsten ist das Polizeiwesen. Die Vorgänge, die sich am letzten Lag b’Omer am Grabe des Schimon Hazaddik abgespielt haben, müssen in der ganzen zivilisierten Welt Unwillen Hervorrufen. Wir gehören gewiß nicht zu denen, die bei jedem kleinen Anlaß in die große Protest-Trompete blasen. Aber es ist eine Tatsache, daß die Jerusalemer Polizei bei jedem harmlosen ^nlaß, bei jeder Volksbelustimin״, mit einem ungeheuren Aufgebot zur Stelle ist und sich meist nicht daran genügen läßt, durch ihre bloße Anwesenheit abschreckend auf Missetäter zu wirken, sondern ihren Betätigungsdrang auch anderweitig an unschuldigen Opfern stillt. Die englischen Polizisten scheinen auf ״orientalische“ Methoden gedrillt zu sein und halten es für ihr Recht, vielleicht schon wegen Unkenntnis der Landessprachen, mit dem Stock Ordnung zu schaffen. Es wird uns berichtet, daß der Zwischenfall dadurch entstand, daß ein Polizist eine alte Frau und ein Kind verprügelt hat. Ein Student der Hebräischen Universität, der Sekretär des Studentenverbandes, stellte den Polizisten zur Rede, worauf dieser den Polizeioffizier Duff, den Organisator des Jom Kippur- Ueberfalls bei der Klagemauer, zu Hilfe rief. Duff begann nun ohne weiteres den Studenten zu schlagen und ließ den Blutenden dann noch obendrein abführen. Mit Recht hat die Studentenvereinigung in ihrer Protestresolution das Verhalten der Polizei gegen dieLandesbevölkerung überhaupt verurteilt. Wenn auch in diesem letzten Fall die Juden die Betroffenen sind, so handelt es sich doch hier nicht um eine spezifisch jüdische Angelegenheit, sondern um ein brennendes Problem des ganzen Landes. Es darf nicht geduldet werden, daß die Organe, die für Ordnung zu sorgen haben, sich als die Herren der Bevölkerung benehmen und mit den Allüren blindwütiger Junker dreinschlageru Hier ist ein Gebiet, das sich der Untersuchung seitens eines neuen, der Arbeiterpartei angehörigen Kolonialministers dringend empfiehlt. Die Loyalität gegenüber der eigenen Beamtenschaft darf nicht so weit gehen, daß offenkundiges Unrecht, das die Gefühle der Bevölkerung gegen die herrsehende Macht nur aufreizt, von den maßgebenden Instanzen gedeckt wird. * Gleichzeitig mit dem Regierungsantritt der Arbeiterpartei haben wir auch in der innerzionistischen Arbeiter- Politik ein wichtiges Ereignis zu verzeichnen: die Vercinigung der beiden großen jüdischen Arbeiterparteien in Palästina. Hier ist ein Prozeß zum Abschluß gebracht worden, der schon seit vielen Jahren auf der Tagesordnung stand. Viele Hindernisse standen der Vereinigung entgegen: die Verschiedenheit des ideologischen Ur- Sprungs der beiden Parteien, deren eine mehr von der Seite des materialistischen Sozialismus kam, während die andere aus dem nationalen Kampf des jüdischen Arbeiters um seinen Arbeitsplatz in Palästina und von der Ueberzeugung, daß die nationale Wiedergeburt nur durch persönliche Verwirklichung der Rückkehr zur Arbeit bewirkt werden könne, ihre Existenz herleitet. Allmählich vollzog sich im Leben Palästinas eine gegenseitige Anpassung, und wenn auch die ideologischen Unterschiede noch nicht völlig verschwunden sind, so kann man doch sagen, daß die Trennungslinien heute nicht mehr so scharf zwischen den Parteien, als quer durch die Parteien verlaufen. Der Zwang des gegenwärtigen Augenblicks, der den Arbeiter Palästinas vor ernste und akute Probleme des Existenzkampfs gestellt hat, hat alle Nuancen zurücktreten lassen vor dem Wunsche, ein mächtiges Instrument der Arbeiter- Politik zu schaffen, das, ungeschwächt durch innere Reibungen für die nationalen und sozialen Ideale des jüdischen Arbeiters in Palästina eintreten kann. Die Vercinigung der Arbeiterparteien, deren Plattform wir an anderer Stelle wiedergeben, hat nicht nur für Palästina lokale Bedeutung, sondern wird sich auch in einer Veränderung der Struktur der ganzen Zionistischen Organisation auswirken. Es ist sicher ein Zeichen des Fortschritts, wenn an die Stelle kleiner Parteien große treten; es erleichtert auch die parlamentarische Prozedur; es muß nur dafür gesorgt werden, daß die Entwicklung zur einheitlichen Massenpartei die palästinensische Arbeiterbewegung nic'.i gänzlich in die Linie politischer Uniformierung abdrängt, sondern daß gerade die geistigen Impulse, die das gesamte zionistische Denken befruchtet haben, im Lager der Arbeiterbewegung eine freie Entfaltungsmöglichkeit behalten. Bürgerlicher Zionismus Itn ״Haarez beschäftigt sich M. G. (Mosche Glücksou) mit den Auseinandersetzungen im Lager der, bürgerlichen Zionisten in Palästina iiberdieaktuellen zionistischen Fragen. Er knüpft zunächst an das Referat von D. I s m o s c h i k auf der Konferenz der ״national-bürgerlichen Vereinigung“ über Ein- Wanderung und Kolonisation an. Ein Teil der in dem Referat zum Ausdruck gebrachten Ansichten sei ohne Zweifel auch anderen zionistischen Strömungen und Gruppen im Jischuw gemeinsam. Aber eine Reihe schwerwiegender unterschiede müsse zur Vermeidung von irreführenden Mißverständnissen betont werden. Ismoschik habe über die Einwanderung und die Rolle der Arbeiter eine Reihe schöner Worte gefunden. Gerade darum aber sei es doppelt bedauerlich, daß seine Analyse der zio« nistischen Arbeiterschaft so mangelhaft ausgefallen sei. Herr Ismoschik habe sich gegen jene Kreise der Linken ausgesprochen, die es vorzögen, daß Palästina ein überwiegend wüstes Land bleibe, als daß es Juden nach der alten kapitalistischen Methode aufbauten. Das sei eine große Uebertreibung. Vielleicht bedienten sich die Arbeiter mitunter einer wenig nützliehen Taktik, aber es lasse auf einen Mangel an jeder Fähigkeit zu objektiver Beurteilung schließen, wenn jemand an der zio« nistischen Treue und Verbundenheit dieser Schichten zweifele. Ebenso unberechtigt sei die Würdigung der Kwuzoth und ihrer ״kommunistischen“ Methoden. Es sei nicht richtig, daß sich die meisten Kwuzoth bereits aufgelöst hätten und der Rest nur noch durch ein Wunder bestehe und daß der Klassenkampf für ihr angebliches Fiasko verantwortlich sei. Niemand habe weniger mit dem Klassenkampf zu tun gehabt als die Kwuzoth, die ihrem Wese» nach isolierte Inseln darstellten, für die nicht der Klassenkampf, sondern eine klassenmäßige Neu- Schöpfung das Entscheidende sei. Man könne nach den Ausführungen von Herrn Ismoschik nur annehmen, daß er nicht nur die extreme antizionistische Linke von der Einwand erung ausschließen wolle, sondern darüber hinaus auch die Arbeiterschaft, die neben dem sozialistischen auch das zionistische Banner aufpflanze. Dieser Vorschlag bedeute eine große nationale Gefahr. Ein Konst-Museum für Palästina Herr J. S. Solomon, Inhaber der neuen Internationalen Kunstgalerie in London, die am 27. Mai feierlich eröffnet wurde, erklärte dem J. T. A.-Vertreter, er beabsichtige, eine Kunstsammlung nach Palästina zu senden, die einen Wert von 600 000 Pfund haben wird. Die Sammlung soll als ein Zeichen der Freundschaft zwischen dem britischen und dem jüdischen Volke so lange in Palästina verbleiben, als dieses Land unter britischer Fahne steht Das heißt: für unbegrenzte Zeit, denn er glaube fest an die Zukunft Palästinas als Siebentes britisches Dominion. Er werde über die ganze Welt verstreute wertvolle jüdische Kunst- Objekte sammeln und sie in einem in Jerusalem zu errichtenden jüdischen Kunstmuseum unterbringen. Es herrscht, fügte Herr Solomon hinzu, heute der Glaube, daß die Juden keine eigene Kunst, keinen eigenen Stil und keine monumentalen Kunstschätze haben, auf die sie stolz sein können. Meine Sammlung widerlegt diese Ansicht gründlich. Da gibt es eine Thorarolle aus dem vierten Jahrhundert, die die einzige ihrer Art aus einer so fernen Zeit ist. Sie ist mit goldenen und silbernen Ornamenten geschmückt. Diese Rolle wird eine der wertvollsten Schätze der Palästina-Sammlung sein. Das Gebäude der von Herrn Solomon geschaffenen International Art Gallery hat die Form eines jüdischen Tempels. Die äußeren Türen sind mit jüdischen Ornamenten in Bronze und Marmor geschmückt, auch die Innenwände sind von iüdisehen Ornamenten beherrscht, die biblische Themen zum vorwurf haben. In diesem Kunsttempel sind zahlreiche Gemälde mit jüdischen Sujets von Rembrandt, Van Dyk und der Italienisehen Schule untergebracht