Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 43 (4.6.1929)
- Date
- 1929-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43. 4. VI. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU «eite 271 Die preu&isdien Klein-Gemeinden Enquete des Bevölkerungspolitischen Ausschusses des Preußischen Landesverbandes. Der Bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat auf eine Anregung von Dr. Felix A. Theilhaber im zweiten Halbjahr 1028 eine Enquete bei den dem Verbände angeschlossenen jüdischen Gcmeinden veranstaltet, die sehr aufschlußreiches Material über den Aufbau der jüdischen Bevölkerung erbracht hat. Die Ergebnisse sollen zur Unterlage von Maßnahmen der Bevölkerungspolitik dienen. Neben 23 größeren jüdischen Gemeinden beantworteten die Enquete weitere 40 Gemeinden mit 500 bis 200 Juden, 80 mit 200 bis 100 Juden und 460 mit weniger als 100 jüdischen Einwohnern, insgesamt 603 preußisch-jüdische Gemeinden. Dr. Felix A. Theilhaber hat die Ergebnisse der Enquete ln einer Schrift verarbeitet, die in einem Sonderheft ״J ü d Dp h e Bevölkerungspolitik“, herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden, nebst einem Referat, das Dr. Theilhaber auf der bevölkerungspolitisehen Tagung des Preußischen Landesverbandes gehalten hat, erscheinen wird. Die Enquete sollte u. a. den Altersaufbau der preußischen luden erfassen, und zwar in Orten unter 1000 Juden. Bei der Durchsicht aller 600 Gemeinden geht die schwächere Besetzung der jugendlichen Altersklassen bis 20 Jahre gegenüber den geschlechtsreifen deutlich hervor. Nur einige Orte bilden eine Ausnahme, ln Gemeinden bis 200 jüdischen Seelen gibt cs gleich viele 20- bis 40jährige, wie 40- bis 60jährige. Da ursprünglich vor 30 Jahren noch eine höhere Geburtenziffer auf dem Lande war, so ist der UeberfluB durch die Abwanderung verloren gegangen. Eine Beobachtung bietet auch für die Fachleute eine große Ueberraschung: nicht nur in der Stadt, sondern gerade aut dem Lande und in der Kleinstadt, ja gerade hier, wird erst spät geheiratet. Diese späte Eheschließung betrifft nicht nur die Männer, sondern auch in hohem Maße die Mädchen. Vor dem 25. Jahr gibt cs überhaupt fast keine Männer und nur in wenigen Ausnahmen Jüdinnen, die heiraten. Im Alter von 25 bis 30 Jahren waren von jüdischen Männern 72,5 0/«, also etwa drei Viertel, unverheiratet (auf dem Lande: 75,6 ״/<>), mit 30 bis 35 Jahren noch 42 0/0 (in den Kleingemeinden bis 200 Juden: 41 0/0). Verwitwete und Geschiedene wurden den Verheirateten zugerechnet. Einige Beispiele: In Butzweiler ist von 14 Mädeben im Alter von 32 bis 35 Jahren kein einziges verheiratet, von den acht Männern einer. In Gelsenkirchen unter 25 nur zwei. In Rhannen (Rheinprovinz) ist von 10 Juden und Jüdinnen im Alter von 20 bis 35 Jahren kein einziger verheiratet. Die Beispiele lassen sieh vervielfachen. In Wittlich wurden unter 37 Personen von 20 bis 35 Jahren keine einzige verheiratet angetroffen. Von allen 63 weiblichen Personen über 20 Jahren waren 36 ledig. Die Auswirkung der verspäteten Eheschließung muß noch in Erscheinung treten. Neben einer allgemeinen Spätehe des Mannes stellt sich auch die bei der Jüdin ein. 40 0/0, also fast die Hälfte der gezählten Jüdinnen im Alter von 25 bis 30 Jahren, waren noch ledig, wobei gerade hier die Großstädte einen etwas niedrigeren Prozentsatz aufweisen; in den Kieingemeinden waren genau 47 0/0 der Altersklassen 35 bis 30 Jahre unvermahlt. Damit ist die Hälfte der Jüdinnen erst nach dem 27. Lebensjahr verheiratet. 50 ״/« der weiblichen jüdischen Personen sind also von der Mutterschaft im ersten Jahrzehnt ihrer Gebär* reife ausgeschlossen und gelangen erst in der zweiten Hälfte ihrer Fruchtbarkeitsperiode zur Ehe. Aber auch von den 30» bis 35jährige« sind noch 27,5 ס/יי unvermihlt, von den 35- bis ~ 40 jährigen Wjfttrrtö 0/0.״ ־״ J ' -־ ־י' 'י' ’ ־ ־־־ Die Auszählung nach geschiedenen Personen hat für die Kleingemeinden keine nennenswerten Ziffern ergeben, männliehe Personen sini fast gar nicht vertreten, was auf eine stärkere Wiederverhefratung der geschiedenen Männer deutet. Wichtig ist für die Bevölkerungsentwicklung die ständige Wanderbewegung der deutschen Juden. Für die kleine* ren Orte bedeutet die Wanderbewegung vornehmlich eine Ab* Wanderung, die stellenweise zur langsamen oder schnelleren Auflösung führt. So bemerkt z. B. die Gemeinde Gronau in Hannover, daß sie noch vor 30 Jahren 100 Seelen und jetzt nur noch 17 zählt, von denen lediglich vier erwachsene Männer sind. Solcher Beispiele gibt es viele. In der Gemeinde Fraustadt wohnten 1839 noch 565 Juden. Heute nach fast einem Jahrhundert, zählt die Gemeinde trotz Zuzugs aus Posen und Oberschlesien nur ein Fünftel dieser Zahl. Der RückgangderBevölkerung wirkt sich naturgemäß für das kulturelle Leben der Gemeinde aus. Die Veranstaltung von Gottesdiensten wird vielfach recht schwierig, die Schulen können kaum mehr unterhalten werden. Von den 600 ausgezählten Gemeinden haben nur die zehn größten so viele Kinder, daß bei einer Einschulung aller, jeder Schuljahrgang über 20 Kinder zählen würde; bei nur zei Orten kamen über 40 Kinder auf den einzelnen Jahrgang. Auch bei einer Reihe von Gemeinden über 500 jüdische Seelen ergab sich eine Zahl von drei bis fünf Kindern pro Jahrgang. Die Zahl der Jugendlichen wird stellenweise nur durch die Zuwanderung ausländischer Juden einigermaßen groß erhalten. So erwähnt Rabb. Dr. Posner von Kottbus, das zu den Orten mit genügendem Nachwuchs zählt, ausdrücklich den Kinderreichtum der Ostjuden. Unter den 45 bis 55 jüdischen Müttern waren fünf Eingewan* derte, die 34 Kinder hatten, während die übrigen 18 deutschen Mütter nicht wie diese je sieben Kinder, sondern je drei bzw. insgesamt 55 aufwiesen. Für Kiel bemerkt Rabb. Dr. Arthur Posner: Hier ist die relativ große Kitiderzahl nur den sögenannten Ostjuden 2u danken! Der Einfluß der Ostjuden auf die Erhaltung vieler jüdischer Gemeinden Preußens ist bisher noch lange nicht bekannt gewesen. Die Mischehe wird vielfach in der Auszählung berührt In der Dortmunder Aufstellung findet man 149 Mischehen, an denen die Männer 01 mal, also zu drei Fünfteln, beteiligt sind. Aus diesen Mischehen stammen 21 Kinder vom jüdischen Vater und 10 von jüdischer Mutter, die in jüdischem Glauben erzogen wurden. Neben diesen 149 Mischehen wird die Anzahl der Mischehen von aus der Gemeinde ausgetretenen Juden noch auf 165 bis 70 geschätzt, so daß neben den ermittelten 701 jtidischen Ehen (mit 1402 Personen) die etwa 315 Mischehen (mit 315 jüdischen Personen) 22,5 0/0 der verheirateten jüdischen Personen betragen dürften. Die Ergebnisse der Enquete gelten im allgemeinen nur für die preußischen Juden in Orten unter 1000 Juden; das Fehlen der großen Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Köln usw. läßt einen Rückschluß auf Großgemeinden im allgemeinen nicht za. Musik Kwartin S’wulun Kwartin hat hier in Berlin zum erstenmal konzertiert (in der Philharmonie), und unsere Juden haben ihn tatsächlich ״auf Händen getragen“. Kwartin ist 55 Jahre. Er ist in Nowo-Archangelsk geboren, hatte viel um seinen Beruf zu kämpfen und wirkte endlich seine zehn glücklichsten Jahre im Tabaktempel in Budapest. Seitdem lebt er in Amerika. Kwartin ist wohl der ״süßeste Sogger“, den es gib*. Seine Stimme, ein wundervoll schmiegsamer Tenor, — heute mit Baritonklang — der alle Koloraturen mit Leichtigkeit ausführt, schmeichelt sich in die Volksseele ein, wie kaum noch eine Kantorstimme auf Erden. Wenn Rasumni der größte verzauberte Künstler gewesen ist, so ist er der volkstümlichste Chasan. Wenn er seine Worte in einfältiger Inbrunst immer von neuem wiederholt (ein schlechter Nachahmer Kwartins oder vielmehr ein Am-Hoorez auf eigene Faust wiederholte Dow Id ben Jischai und machte schließlich lischai ben Dowid daraus), wenn er seine kindlichen Oj, Oi’s zum geliebten Vater im Himmel hinaufsendet, wird jedes Publikum zur Gemeinde und jeder Konzertsaal zum Gotteshaus. Tatsächlich schüttelte sich das ganze Publikum, als wäre es in der Synagoge. Ein Recitaiivist großen Stils, wie etwa Pinkassowitscn ist er nicht, ein sonnenheller Dramatiker wie der ״Chossid Rosenblatt mit dem Borth“ ist er auch nicht - aber seine populäre Natur, seine frauenhafte Intimität mit Gott, sein Krächz und Aechz, seine herrlichen Anfänge, seine göttliche Eintönigkeit, sind von einem solchen Schmelz, daß wir uns freuen, diesen vielleicht populärsten aller Chasanim kennengelemt zu haben. Arnold Nadel. Schallplatte!! von der Mailänder Scala Uns Juden kann nicht Südliches fremd sein. So ist es kein Wunder, daß gerade wir die sensibelsten Aufnahmeorgano für di« strömendc, metallisch-feurige Kraft der italienischen Opernmusik besitzen. Zwischen zwei Polen liegt die Musik, die den musikalischen Mensehen Europas fesselt (und vielleicht ewig fesseln wird): der ©ine Pol ist B a c h, der andere — nicht Mozart, sondern Verdi. Mozart, weit größer als Verdi, hat die Linie des absolut«! Gosanges zwar ru letzter, himmlischer Vergeistigung, aber doch nicht zu so radikaler Ueberspitzung geführt. Verdi dagegen hatte 08 schon mit Musik-Nerven zu tun, die durch Wagner verdorben waren. Er mußte schwerere Geschütze auffahren. Immerhin hatte er von der Romantik und auch von seiner Rasse her die Vorbedingungen dazu, der Absolutheit des Ausdrucks menschlicher Affekte durch den menschlichen Gesang Schöpferkraft zu verleihen. So scheint es, daß die allbezwingende, suggestiv-dämonische Macht der Oper erst seit• Verdi zu datieren ist — nicht seit Mozart. Vielleicht auch war dieser Spätere nötig, um den Früheren in allen Höhen und Tiefen erfühlen zu Können. Vergleicht man — was sehr nahe liegt — den italienischen Gesang mit dem jüdischen, so scheint der Letztgenannte zu kurz zu kommen. Ein so befreites, so ungebrochenes Aussichherausaingen —- das haben wir Juden wohl nie gekonnt. Was uns daran hindert — traditionelle Vorliebe für eine gewisse monstone und nach Moll gewandte Melodieführung, Hemmnisse durch dio kehlige Schwere unserer Spraeben — all das hängt auch wieder mit unseren Werten eng zusammen. Mit der Bindung an die Urquellen unseres Gewordenseins: an religiöse Inhalte und an unser Golut-Schicksal. Für alle diejenigen, die das Berliner Gastspiel der Mailinder S c al,a nicht hören können, gibt es einen Ersatz: die Grammophonf«Seilschaft ,.Fonotima'' (Linastroem) bat eine Reihe ausgezeichneter lat.ten von. Mitgliedern der Scala herausgebracht. Der vielgerühmte Aureliano Pertile ist — teils als Solist, teils in» Ensemble — achtmal vertreten. In den Opern: Troubadour, Tosca, Aida, Rigoletto, Madame Butterfly, — Ebenso kann man andere Sänger der Scala hören: Wanda Bardone, Giulio Fregosi, Irene Minghini-Cattaneo, Rosetta Pampanini, Tancredi Pasero sowie Chor und Orchester der Scala. AH dies« Herrlichkeiten sind in die Platten 0.8900—05 und o—3goo hineingesungen und hineingcspielt. Aber auch sonst hat die Schallplattenproduktion für Liebhaber der Oper vielleicht am reichhaltigsten vorgesorgt. Aus der Fülle des Gebolenen seien besonders einige Homokora-Elektro-Platten hervorgehoben, die Michael Gitowsky-Besitzer einer geradezu fürstlichen Baßstimme — mit Arien aus ״Jüdin“, ״Eugen Onegin“, ״Boris Godunow", ״Don Carlos“ und ״Simon Boccanegra“ besungen hat (4—8936, 4—805g, 4—8917) sowie zwei Arien aus ״Tosca“ (Peter Raitacheff 4—8859), Al i ce J acob Loe wen son. Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tschecho- Slowakei. Unter dem Vorsitz des Obmannes Prof. Dr. S. St e i nherz fand ln Prag die Hauptversammlung der bereits 1300 Mitglieder zählenden Gesellschaft für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei statt. Erste Publikation der Gesellschaft ist ein Jahrbuch in deutscher und tschechischer Sprache, das auf 450 Seifen Publikationen erster Fachleute enthält. Die Veröffentlichung von Geschichtsquellen, besonders die der sogenannten Judenkonsignation in Böhmen aus dem Jahre 1724, ferner eine Auswahl geschichtlich wertvoller Nachrichten aus dem Werke des Isak Or Sarua (13. Jahrhundert) und die Ausgabe des auf Böhmen bezüglichen Teiles der Chronik des David Gans, werden vorbereitet. Im Museum für tschechoslowakische Volkskunde in Pilsen wurde eine Abteilung jüdischer volkskundlicher Ausstellungen stücke eröffnet. In dieser Abteilung sind in erster Linie Gegenstände des jüdischen Ritus und der jüdischen Volkskunst untergebracht. Vom Keren Kajemeth. Herr Dr. Georg Wollstein, stellvertretender Leiter der Organisationsabteilung des Keren Kajemeth Lejisrael in Jerusalem, wurde vom Hauptbüro in die mitteleuropäischen Länder entsandt. Einer Einladung der deutsehen Sammelstelle Folge leistend, hat er seine Tätigkeit in Deutschland begonnen und schon ln den ersten Tagen seines hiesigen Aufenthaltes mit großem Erfolg in den Städten Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Darmstadt und Wiesbaden gearbeitet. Herr Dr. Wöllstein wird sich einige Wochen in Deutschland aufhalten und später die übrigen mitteleuropäischen Länder bereisen. Die Frankfurter orthodoxe Rabbinerfrage. Die Frage der Nachfolgeschaft von Rabb. Dr. S. Breuer im Rabbinat der ״Israelitischen Religionsgesellschaft“ ist durch eine neue Wahl gelöst worden. Rabb. Josef J. Horovltz ln Hunsdort (Tschechoslowakei) wird zum Rabbiner gewählt werden, da er zu der an! den 23. Juni anberaumten Wahl als einziger Kandidat aufgestellt wird. Konrasl Bnrdach zum 70. Geburtstage (29. Mai 1929). In diesen Tagen, da die gesamte gelehrte und ein guter Teil der ungelehrten Welt sich anschickte, den 70. Geburtstag Konrad Burdachs zu feiern, des Mannes, der eine bestimmte Epoche wissenschaftlichen Forschens in sich vollendete und zugleich eine neue Epoche begann, da ziemt es auch uns Juden, dieses bedeutenden Forschers zu gedenken, dem auch wir für die Geschichte unserer Vergangenheit und besonders für die Erhellung der Zusammenhänge zwischen jüdischer Kultur und dem Geistesleben der Umwelt im deutschen Mittelalter manch wertvollen Aufschluß verdanken. Die beiden Bände seiner Gesammelten Schriften zur Geschichte des deutschen Geistes, die unter dem bescheiden-stolzen Titel ״Vorspiel“ in den letzten Jahren (bei Nicmqyer in Halle) in trefflicher Ausstattung erschienen sind, enthalten nicht bloß die Studie über den Ursprung der Sage vom König Salomo und seinem Kampfe mit den Dämonen, deren Entstehungsgeschichte mit ihren ungelösten Rätsein seit Jahren sein Interesse erweckt hat; hier finden wir auch Burdachs wiederholte und sehr aufschlußreiche Versuche zur Ergründung der Zusammenhänge zwischen der Sage von Longinus — dem römischen Soldaten, der nach anderen Fassungen der Volkssagc ein blinder Jude war — und dem ,,Judenspieß“, wie noch der Volksausdruck des Mittelalters ״mit dem Judenspieß laufen“ ihn kennt. Dabei entrollt Burdach ein packendes Bild von deutschem Judcnlcbcn im Mittelalter; das vermeintliche ״Judenturnier“ in Weißenfels enthüllt sich seiner Vermutung als eine gewaltige internationale Zusammenkunft der Juden, die der Verhütung der drohenden Judenschuldentilgung unter König Wenzel galt. In diesen inhaltsreichen beiden Bänden vermissen wir einen der schönsten Aufsätze Butdachs, den mancher von uns seit Jahren bewundert: die Akademie-Abhandlung ״Faust und Mose s“, die in seiner unübertrefflichen Art den Tod Faustens am Ende des zweiten Teils der Tragödie an alte Legenden von Moses Tode an knüpft. Die Abhandlung ist längst vergriffen und schwer zugänglich; es wäre ein ״Ziel aufs innigste zu wünsehen“, wenn diese Worte des Dankes einen Neudruck von Burdachs ״Faust und Moses“ atiregen könnten. Abs des Gemeinden Köln. Am 2. Juni tagte in Köln unter dem Vorsitz des Herrn Blumenau der Ausschuß des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden. Es waren Vertreter vieler rheinische r Gemeinden erschienen. Herr Felsenthal (Düsseidorf) sprach in dem einleitenden Referat über die schweren Gefahren, die durch den immer häufiger vorkommenden Austritt aus der örtlichen Gemeinde herbeigeführt werde. Das stärkste Motiv sei die Steuerflucht Sodann erwähnte er die Bemühungen zur Einführung des Frauenwahlrechts, die im Rheinlana bisher an dem Widerstand der Regierung gescheitert seien. Schließlich beschäftigte er sich mit Gemeindebeamtenfragen. Dr. Epstein (Duisburg) schilderte das in vielen Gemeinden Preußens durch mißbräuchliche Anwendung der lex Lasker um sich greifende Treiben. Der Austritt aus der Ortsgemeinde erfolge nicht immer aus Steuergründen, vielfach unter anderen Vorwänden, sei aber natürlich ln jedem Falle verwerflich. Der Austritt aus dem Judentum sei viel seltener. Schlimmer als die Austritte seien die Austrittsdrohungen, die jede Betätigung der gewählten Gemeinde- Vertretung zu lähmen suchten. Noch schärfer äußerten sich über diese dem Judentum und seinen Einrichtungen bewiesene Respektlosigkeit und den Mangel an Verantwortungsgefühl die Herren Rabb. Dr. Rosenthal und Rabb. Dr. Kober (Köln). Rabb. Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) meinte, man habe in dem neuen Judengesetzentwurf nicht durchgegriffen, man hätte den Austritt aus der Ortsgemeinde einfach verbieten müssen. An der Diskussion beteiligte sich noch eine Reihe von Herren. Zum Schluß wurde eine von Dr. Epstein eingebrachte Resolution einstimmig angenommen, die den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden mit Rücksicht auf die Gefahren des Austritts bittet, alle Anstrengungen zur schleunigen Verabschiedung des ludengesetzes zu machen, die ferner die Gemeinden bittet, den Ausgetretenen die Benutzung der Gemeindeeinrichtungen zu versagen, und die jeden Austritt, gleichviel aus welchen Motiven, verurteilt. Die neue Synagoge ln der Prinzregentenstraße. Berlin. Der Rohbau der Synagoge in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf ist jetzt fertiggesteift und die innen- und Außenarbeiten werden mit Hochdruck betrieben, damit der Bau noch in diesem Jahre seiner Bestimmung übergeben werden kann. Der Innenraum, bei dessen Anordnung tragende Pfeiler mögliehst vermieden worden sind, bietet Platz für 2300 Personen, so daß auch in ihren Größenverhältnissen die neue Synagoge zu den größten Europas zählt. Die Frontlänge des Gebäudes mißt 60 Meter, die Gesamtfläche des Grundstücks 3300 Quadratmeter. Der Kuppelbau, der einen lichten Durchmesser von 37 Metern aufweist, übertrifft in seinen Ausmaßen sämtliche Berliner Kuppelbauten und ist auch etwas größer als die Berliner Domkuppel. Der Entwurf stammt von dem Baumeister der Jüdisehen Gemeinde Regierungsbaumeister Beer. Konferenz der Radikalen Zionisten Die Konferenz der Vereinigung der Radikalen Zionisten in Warschau am 9. und 10. Juni 1929 im Einstein-Saal des Jüdisch- Akademischen Hauses, Warszawa, Namiestnikowska 7, hat folgende Tagesordnung: ErsteSitzung: Sonntag 11 bis 3 Uhr. Eröffnung: Herr PodÜschewskl; Referate: a) Die Lage im Zionismus: Dr. M. Soloweitschik*Berlin; b) Die Lage in Palästina: Ingenieur R. Stricker-Wien und Dr. Nacbum Goldmann-Berlin; c) Probleme des XVI. Kongresses: Herr J. Grünbaum- Warschau. Zweite Sitzung: Sonntag Abend 8 Uhr. Generaldebatte. Dritte Sitzung: Montag vormittags 10y» Uhr. Das Programm der ״Vereinigung Radikaler Zionisten“: Referate: Ingenieur R. St ri ck e r - Wien; Dr. Mirjam Sc h eu e r - Tschechoslowakei; Dr. S t e r n - Bukarest. Debatte. Vierte Sitzung: Montag nachmittags 4 Uhr. a) Resolutionen; b) Wahlen; c) Aufstellung der Weltwahlliste für die Kongreßwahlen. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutzder Juden in Polen TOS, eine Schwestergesellschaft von OSE, ist auf der allgetneinen Landesausstellung in Posen durch einen eigenen Pavillon repräsentiert. Zahlt und sammelt den Schekel!