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Jüdische Rundschau · 1929-05-31 · Heft 42 (31.5.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 42 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42, 31. V. 1920 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 263 Vor der Einigung der Arbeiterparteien (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AO Te!-Awiw, den 23. Mai 1929. Seit 'Jahren und Jahren gehört das Projekt der Einigung der beiden großen Arbeiterparteien im Lande, der ״A c h d u t h Awodah“ und des ״Hapoel Hazair“, zu den schwebenden Fragen. Man hat in der Tat so lange darüber geredet, bis man an seiner Ausführung zu verzweifeln begann. Aber jetzt scheinen die Verhandlungen, die seit Jahren immer wieder angeknüpft und immer wieder unterbrochen werden, Früchte tragen zu wollen. Beide Parteien haben in ihren ״Moazoth“ (Parteirat) zu PefSach die Vereinigung beschlossen und den Parteileitungen Vollmacht zum Abschluß der Vcr- Handlungen erteilt. Seit nahezu zwei Monaten arbeiten Kornmissionen an der Klarstellung der Bedingungen der Fusion. Die Ausarbeitung eines gemeinsamen Prog r a m m s war nicht einfach, und so hat man sich einer glatteren Abwicklung der Unterhandlungen zuliebe auf die Festlegijng der großen Richtlinien beschränkt. Außer der Programinfrage sind noch eine Reihe anderer Probleme zu lösen: die Uebernahme der Presse beider Gruppen durch die neue Partei und ihre entsprechende Umwandlung und die innere Organisation und die Einleitung einer Fusion der Arbeiterföderationen im Cialuth. Es scheint, daß alle diese recht schwierigen Aufgaben einer befriedigenden Lösung entgegengehen. Innerhalb des Hapoel Hazair wird jetzt ein Refcrendum vorbereitet, das die Beschlüsse der Parteileitung be- .«tätigen soll. Nach Abschluß der Umfrage wird dann eine gemeinsame Konferenz beider Parteien stattfinden, die die Fusion öffentlich proklamiert. Da alle diese Vorbereitungen Zeit erfordern, wird dieser letzte Akt erst nach dem Kongreß stattfinden können. Jedoch steht bereits jetzt der Weg zur Kooperation offen. Die Wahlen zum Kon gr'eß werden gemeinsam durch» geführt werden, so daß der linke Flügel einheitlicher auftreten kann, als es bisher möglich war. Konflikt Im Stadtrat von Jerusalem Die jüdischen Vertreter im Stadtrat von Jerusalem haben ihren Rücktritt angedroht, da trotz der wiederholten Interpellationen von jüdischer Seite ln der bisherigen Politik keine Aenderung eingetreten ist. Die jüdischen Beschwerden richten sich insbesondere gegen die vollständige Uebergehung jüdischer Arbeiterund Unternehmer bei der Vergebung städtischer Arbeiten, sowie bei Anstellung neuer Kräfte in der Stadtverwaltung. (Ziko.) Die englischen Wahlen Wenn dieses Katt in die Hände der Leser kommt, sind die Wahlen bereits vorüber. Es liegt außerhalb des Rahmens dteses Blattes, über die allgemeine politische Bedeutung dieses Wahlkampfes zu sprechen. Was die jüdischen Interessen, 1'nsbesondere Palästina, betrifft, so sind wir in der günstigen Lage, daß in .dieser Frage drei großen Parteien einig sind, so «jafl sjAHn.'den große» :y'n»ep;•dfr ändern wird, wenn die gegenwärtige Regierung diirch eine andere abgelöst wird. Die Palästina-Frage hat diesmal im Wahlkampf überhaupt keine Rolle gespielt, während in früheren Wahlkämpfen die Gegner der Palästina-Sache diese besonders demagogisch ausbeuteten, offenbar weil sie auf den latenten Antisemitismus der Wählermassen spekulierten. Kandidaten aller drei Parteien bemühen sich auch diesmal wie gewöhnlich um die Gunst der jüdischen Wähler. Ehe letzte Nummer des Landoner ״Jewish Chronicle“ ist ein interessantes Beispiel für die Art englischer Wahlagitation, die uns fremdartig anmutet. Eine ganze Reihe von Kandidaten fordern in Inseraten zu ihrer Wahl auf, wobei die persönlichen Vorzüge der einzelnen angepriesen werden. Mehrere konservative Kandidaten versprechen, sieh für eine ״gute Behandlung aller Glaubensbekenntnisse und Nationalitäten“ einzusetzen. Oft wird an ganz persönliche Instinkte appelliert, z. B. empfiehlt sich der liberale Kandidat eines Londoner Wahlbezirks (mit Photographie) folgendermaßen: ״Mr. Reginald Myer, Sohn des seligen Grenviile Myer, Verwandter des Ri. Hon. Sir Herbert Samuel und Schwiegersohn des ersten Lords Swaythling, diente während des Krieges als Leutnant der Lufttruppe usw.“ Die beiden Kandidaten von Liverpool versichern, daß sie die Balfour-Deklaration unterstützen. — Die jüdische Wählerschaft ist auf alle drei Parteien verteilt, wobei, da es in England persönliche Wahlen und keine Listenwahl gibt, auch in den einzelnen Wahlkreisen individuelle Momente bei der Entscheidung für einen Kandidaten mitspielen. Irma Lindheim über zionistische Fragen Frau Irma Lindheim, die bekannte Führerin der Hadassa, äußerte sich in einem Gespräch mit dem Berliner Ita-Vertreter über verschiedene zionistische Fragen. Sie erklärte zunächst, daß sie auf dem Hamburger Frauenkongreß über J e w i $ h Agency sprechen wird. Mrs, Lindheim ist eine warme Anhängerin der Idee der Jewish Agency (ihre seinerzeitige oppositionelle Haltung war eine rein lokal-amerikanische Angelegenheit und hat nichts zu tun mit den Fragen der Weßorganisation — A. d. R.). Frau Lihdheim, die im Herbst wieder für ein Jahr nach Palästina geht, beschäftigt sich sehr mit der Frage der künftigen Kolonisation. Unsere Hauptsorge müsse sein — so betont sie —, daß die großen Chancen des Orangenbaues nicht nur einzelnen privaten Kapitalisten zugute kommen, sondern dem nationalen Werke. Demgemäß interessierte sich Frau Lindheim besonders für ein großzügiges Projekt von Joschua H a n k i n, das die Oründung einer ganz großen Pflanzungsgesellschaft vorsieht, bei welchem die Aktien-Besitzer beschränkte Gewinne erhalten, während der gesamte Reingewinn ebenso wie das Anlage * Kapital für die Ausdehnung der Kolonisation, insbesondere die Ansiedlung kleinerer Einzelsiedler in der Pflanzungszone verwendet wird. In politischer Hinsicht gehört Frau Lindheims Interesse vor allem der Araberfrage. Frau Lindheim, die in Palästina mit vielen Arabern aller Schichten Fühlung genommen hat, ist eine entschiedene Anhängerindes Gedankens einer jüdisch-arabischen Verständigung. Es fibt für sie einen einzigen Weg der Lösung: freundschaftliches usammenleben, freundschaftliche Zusammenarbeit am Aufbau eines zukunftsreichen Landes. Viele und sicher nicht die schlechtesten Menschen auf beiden Seiten glauben an diese Lösung, und darum wird sie kommen. Es gilt nur, die Gesinnungea der palästinensischen Bevölkerung beider National!- täten dauernd in diesem Sinn zu beeinflussen und auch Gelegenheiten zum gegenseitigen Keunenkroen der Völker zu schaffen. Offener Brief an Herrn Rechtianwalt Dr. Ernst Emil Schweitzer, Berlin Sehr geehrter Herr Schweitzer! Man schickt mir die Nummer 19 der Jüdisch-Liberalen Zeitung und macht mich auf eine Kampagne aufmerksam, die Sie dort mit der Ueberschrift ,,Todesstrafe und Judentum“ gegen die Zionisten im allgemeinen und gegen mich dm besonderen führen. Man bittet mich, hierzu Stellung zu nehmen. Bisher war ich der Ansicht, es gäbe immerhin noch einige Themen, die selbst der fanatischste Bekämpfer des Zionismus nicht als Kampfmittel benutzen könne; zu diesen hätte ich z. B. auch das von Ihnen behandelte Thema gerechnet. Nun, Ihr Artikel hat mich eines Besseren belehrt, würde cs sich dabei nur um meine Person handeln, so würde ich von einer Erwiderung abgesehen haben. Sie richten aber Ihre Angriffe gegen die Zionisten im allgemeinen und geben mit Ihrem Artikel ein Schulbeispiel dafür, zu welch absurden Ergebnissen in der Hitze des Kampfes unzulässige Verallgemeine• rungen führen können. Da diese Art der Polemik neuerdings überhand nimmt, halte ich mich doch zu einer Stellungnahme für verpflichtet. De Verbindung ״Todesstrafe und Zionismus“ stellen Sic auf eine seltsame Weise her. Sie knüpfen an ein persönliches Erlebnis aus dem Jahre 1912 an. Damals hat sich bekanntlieh der Juristentag in Wien in eingehenden Verhandlungen mit der Todesstrafe beschäftigt; in der entscheidenden Sitzung der Abteilung ergab sieh schließlich bet einem Stimmverhältnis von 159:158 nur eine Stimme Mehrheit für die Beibehaltung der Todesstrafe. Wie ist diese eine Stimme Mehrheit zustande gekommen? Dies habe ihnen, so führen Sie aus, damals der jüdisch-liberale Rechtsanwalt X. kurze Zeit nach der Tagung berichtet. Rechtsanwalt X., ein Gegner der Todesstrafe, habe zur Abstimmung den Ihm bekannten jüdischen Assessor Y. geholt in der selbstverständlichen Annahme, daß Y., ein Zionist aus einem konservativ - jüdischen Hause, mit ihm gegen die Todesstrafe stimmen würde. Hierbei habe jedoch X. eine ״herbe Enttäuschung“ erlebt; denn Y. habe ״das geistige und ethische Erbe des Judentums verleugnet“ und für die Beibehaltung dev Todesstrafe gestimmt. Dese Abstimmung des Y. — so schreiben Sie — hätte Sie gar nicht so sehr in Erstaunen gesetzt; und nun folgen zwei Sätze, die so schön sind, daß ich sie doch wörtlich zitieren möchte: ״. . . . De damalige Stellungnahme des Assessor Y. erklärte sich daraus, daß die deutschen Zionisten in der Zeit vor dem Kriege vielfach gerade ihren Ehrgeiz darein setzten, sich möglichst in allen Fragen der Lebensanschauung den damals in Deutschland herrschenden konservativen Stromungen anzupassen. De Tatsache, daß man im Gegensatz zu den Gedanken des deutschen Nationalstaates einen eigenen spezifischen Nationalismus vertrat und dadurch Gefahr lief, Widerstand bei den herrschenden Schichten zu finden, suchte man dadurch auszugleichen, daß man sich möglichst sonst auf politischem una kulturellem Gebiet den herrschenden Strömungen anzupassen suchte.“ Nach einem Loblied auf den jüdischen Liberalismus, der allein nach Ihrer Meinung — im Gegensatz zum Zionismus — die Verbindung mit dem Humanitätsgedanken nicht verloren habe, kommen Sie dann zu folgender Formulierung: ״So erklärt sich die an sich widersinnige Tatsache, daß ein junger Führer des Zionismus, ein Mann von strengster itidilther:׳Ejz|ehp&A0Illem^ Jür|ster1tage ־das geistige »Td yt b־?־t% י dt רן um r #e ne«!•* nete und für die Todesstrafe stimmte, während ein Vertreter jener Richtung, die nach zionistischem Dogma vom jüdischen Standpunkt nur als negativ zu werten wäre, durch seine Abstimmung der Ethik und Geschichte des Judentums gerecht wurde.“ Sie wollen es mir bitte nicht verübeln, wenn ich die groteske Unrichtigkeit dieser Verallgemeinerungen für sich selbst reden lasse, ohne mich mit ihrer Widerlegung aufzuhalten. Wann und wo, so frage ich, haben je deutsche Zionisten ihren Ehrgeiz darein gesetzt, sich möglichst in allen Fragen der Lebensanschauung den damals in Deutschland herrschenden konservativen Strömungen anzupassen? Sie kannten doch unseren Breslauer zionistischen Kreis. War auch nur einer unter uns, auf den diese Behauptung auch nur im entferntesten zuträfe? Aber Sie haben ja wohl jenes Erlebnis auch nur deshalb zum Ausgangspunkt Ihrer Betrachtung gemacht, um dem erstaunten Leserkreis mitteilen zu können, kner Y., der für die Todesstrafe gestimmt habe, sei heute ״Ministerialdirektor in einem preußischen Ministerium“; er habe nach dem Kriege als Sozialdemokrat in der Verwaltung eine sehr schnelle Karriere femacht und als Sozialdemokrat würde er heute sicher gegen ie Todesstrafe stimmen. Mehr Mut, Herr Schweitzer! Sie dürfen mich ruhig beim Namen nennen, denn bekanntlich gibt es ja in Preußen nur einen jüdischen oder gar zionistischen Ministerialdirektor. Nun muß ich Ihnen aber leider einen großen Schmerz bereiten. Alle Ihre Schlußfolgerungen aus jener angeblichen Ab- Stimmung des Y. fallen in sich zusammen, weil jener Y., der Zionist aus konservativ-jüdischem Hause, gar nicht für die Beibehaltung der Todesstrafe gestimmt hat. Ja, ich muß Ihnen noch etwas für Sie viel Peinlicheres mitteilen: Jener Assessor (er war übrigens damals erst Referendar), der fm letzten Augenblick zur Abstimmung geholt wurde und mit dem Sie anscheinend den Y. verwechseln יnennen wir ihn Z. — war damals und ist heute noch liberaler Jude und steht dem Zionismus etwa so gegenüber, wie der von Ihnen als leuchtendes Beispiel angeführte Rechtsanwalt X. Vielleicht wird Ihnen dadurch endlich deutlich, daß jene Abstimmung weder mit der Ethik des Judentums noch mit liberalem oder zionistischem Judentum das mindeste zu tun hatte. Mein Freund Z., der wie Sie wissen, heute ein sehr angesehener und wegen seiner juristischen und charakterlichen Eigenschaften gleich geachteter Rechtsanwalt in B. ist, wird für seine damalige Auffassung, die Todesstrafe könnte noch nicht entbehrt werden, wahrscheinlich sehr beachtliche Gründe anführen können. Nun gestatten Sie aber auch mir, die Mora! aus dieser Geschichte zu ziehen. Ich will nicht ln ihren Fehler verfallen und in unzulässiger Verallgemeinerung sagen, Ihr jeder tatsächlichen Unterlage entbehrender Angriff gegen die Zionisten sei wieder einmal ein typisches liberales Erzeugnis. Ich will nicht einmal den doch gewiß nicht unberechtigten Vorwurf einer ganz ungewöhnlichen Leichtfertigkeit in publizistischen Dingen gegen Sie erheben. Sie würden sich wahrscheinfleh damit zu verteidigen suchen, nadh 17 Jahren sei ein solcher Irrtum, eine Verwechslung zwischen Y. und Z. immerhin erklärlich, zumal beide auch heute noch eng befreundet seien und daher leicht verwechselt würden. Ich begnüge mich mit der Feststellung, daß Sie es nicht für nötig gehalten haben, durch einen einfachen Telephon-Anruf bei dem Ihnen bekannten Herrn Rechtsanwalt X. sich die Richtigkeit Ihres Erinnerungsbildes noch einmal bestätigen zu lassen, bevor Sie den Artikel schrieben. Und ich begnüge mich weiter damit, zu konstatieren, daß die Qualität Ihrer stachligen Angriffe gegen den Zionismus sich in den letzten 17 Jahren nicht geändert hat. Damals pflegten wir Sie gerade wegen dieser StacMichkeit mit Jener Hystrfc Grotei Gray, jenem sagenhaften hinterindischen Stacheltier aus der Leier Christian Morgen- Sterns zu vergleichen, das ebenso nutzlos wie Sie ״seine Stacheln jung und alt“ zu verschießen pflegte. Nun, die Hystrix läßt der Dichter wenigstens in Erkenntnis ihres unzwcckmäßigen Verhaltens die Konsequenzen ziehen und drückt das so aus: ״De Hystrix aber geht hinweg An Leib und Seele wüst, Sie sitzt Im Dschungel im Versteck Und büßt.“ Darf ich Ihnen empfehlen ein Gleiches zu tun? Hermann Badt. Racheakt eines Jüdischen Studenten Antwerpen, 26. Mai. (J. T. A.) Der aus Jerusalem stammende jüdische Student Mordechai Schapi ro, Besucher der landwirtschaftlichen Hochschule in Gembloux, brachte im Verlauf eines Streites dem christlichen Studenten Michelson drei Messerstiche bei. Michelson wurde in schwermletztem, aber nicht lebensgefährlichem Zustande in das Krankenhaus gebracht; Schapiro stellte sich selbst der Polizei, die ihn dem Staatsanwalt in Namnr überantwortete. Michelson ist der Anführer einer Gruppe antisemitischer Studenten, von denen mehrere als ehemalige Offiziere der Armeen D c - nikin, Koltschak und Petljura sich aktiv an Judenpogromen beteiligt haben und die sich nun zu einer antisemitischen Gruppe zusammenschlossen, die die jüdischen Studierenden der landwirtschaftlichen Hochschule unablässig verfolgte. Die russischen Studenten erklärten, die Juden hatten Rußland okkupiert und die cchtrussischen Leute aus Rußland vertrieben. Der Gruppe gehören auch polnische Nationalisten und rumänische Cuzisten an. Die in Gembloux studierenden zwanzig jungen Juden, die sich als Chaluzim für Palästina vor bereiten, hatten unter den antisemitischen Verfolgungen sehr viel zu leiden. Schapiro selbst, der das Hebräische Gymnasium und das Lehrerseminar in Tel- A w i w absolviert hat, wollte sich in Belgien zum Landwirt ausbilden. Seinen Unterhalt verdiente er sich als Bahnarbeiter. Unter der belgischen Judenheit hat die Tat Schapiros einen niederdrückenden Eindruck gemacht, um so mehr, als die heigische Presse ohne jedes Verständnis für die tieferen Hintergründe des Falles, Michelson, als das tragische Opfer eines ״kommunistenfreundlichen P a 1 ä s t i n a j u d c n“ hinstellt. Mordechai Schapiro wurde nach den ersten Verhören gegen eine Kaution von 20000 Francs in Freiheit gesetzt. Der Dekan der landwirtschaftlichen Hochschule, der eine sehr gute Meinung von Schapiro hat, ersuchte die Behörden, Schapiro die Gelegenheit zu geben, in diesem Monat seine Abschlußprüfung zu machen. Nach polizeilicher Darstellung hat sich der Vorfall wie folgt zugetragen: Schapiro kam mit Michelson in einen Wort■ Wechsel, wobei Michelson dem Schapiro das Schimpfwort ״teiger käuflicher Jude“ zurief, ■woraufhin Schapiro seinen Gegner angriff. Die jüdischen Studenten mißbilligen zwar jeden terroristischen Akt, sie erklären aber, daß sie zufrieden seien, daß durch diesen Zwischenfall endlich die antisemitischen Treibereien, unter denen sie soviel zu leiden hatten, entlarvt und vielleicht in Zukunft verhindert würden. * De Tat des Studenten Schapiro kann von keinem jüdischen * Standpunkt aus gebilligt werden. Sie ist ein persönlicher Akt eines gereizten Menschen, der sich rächen wollte. Auch im Falle Schwarzbart, der den Attamän Petljura erschoß, hat die jüdische Oeffentllcbkeit-, bei.alle! Ycturtdiltiftg,tiCT.,Pggfö|Pf״#ר, der Pogromanstifter es abgclehnt, in Schwarzbart ein legitimes ‘ Werkzeug jüdischer Vergeltung zu erblicken. Im Fall Scftapifo scheint es sich um eine Nachahmung der Tat Schwarzbarts zu handeln. Wir haben die Originattat verurteilt und müssen uns auch gegen ihre Nachahmungen aussprechen. Palästinas Mititäretat Wir haben in der Nummer 39/40 gegen einen Aufsatz <fes ״Israelitischen F am i lienblatte s“ Stellung genommen, der auf Grund der Kolonialdebatte im englischen Unterhaus die Meinung aussprach, die Beiträge ausländischer luden würden für englische militärische Zwecke verwendet. Wir haWfn nachgewiesen, daß diese Darstellung falsch ist. Durch mehrere Anfragen veranlaßt, möchten wir jedoch noch einen Irrtum aufklären. Palästina trägt zwar etwas über die Hälfte der Kosten des sog. transjordanischen Grenzkorps, aber keineswegs dieHälft c der Kosten der in Palästina stationierten englischen Fliegertruppe. Für diese Truppe wird vielmehr aus der britischen Staatskasse £ 306000 ausgegeben, während der palästinensische Etat nur mit £ 30500 belastet ist. Der palästinensische Beitrag macht etwas w c ־ niger als ein Zehntel der wirklichen Kosten aus. Die ZioDistenverloIpng In Rußlaad Jerusalem, 28. Mai. (J. T.A.) Auf der von Bialik geleiteten Konferenz, die den Aufruf gegen die Ver• foigung des Judentums und des Zionismus ir Rußland erließ, wurde eine Gesellschaft gebildet, derer Aufgabe es ist, die Welt auf das Martyrium des Judentums der Zionisten und der Hebraisten in Rußland durch Veröffent• lichung von einschlägigem Material aufmerksam zu machen ime die Judenheit zu bewegen, sich der nach Sibirien deportierter Zionisten und Hebraisten anzunehmen und ihnen zur Ucbcr■ Siedlung nach Palästina zu verhelfen. Ende der Chalnz-Kolonie ״Sangen*‘ M o s k a u, 27. Mai (J. T. A.) Das Präsidium des Moskauer Sowjets hat in seiner heutigen Sitzung die Chaluz-Kobnie ״Sangen“ (A ehren) für aufgelöst erklärt und eine Liquidationskommission eingesetzt. Dem Komzet wurde anheimgestellt, auf dem Boden ״Sangen“ eine neue jüdische Kommune zu gründen. Vor einem Monat wurde offiziell mitgeteilt, daß der Vorsitzende von ״Sangen“, Goldberg, seines Amtes enthoben wurde und unter der Beschuldigung konterrevolutionärer Tätigkeit vor Gericht gestellt werden soll. An seine Stelle wurde der Kommunist Groinow gesetzt. Daraufhin hatten die Mitgliederder Kolonie erklärt, daß sie die Kolonie verlassen wollen, sie ersuchten um die Ausfolgung von Pässen für P a 1 ä s t i n a an die Chaluzim. GeneSüdewaU ia Krakau Bei der am 26. d. M. vorgenommenen Wah! der Jüdischen Gemeinde in Krakau (Westgalizien) gelang es zum erstenmal, die bisherig^ assimitatorisch-agudis tische Mehrheit in der jüdischen Ciemeindestube zu brechen. Zionisten und Misrachi erlangten neun Mandate, die rein - assimilatorische Liste Dr. Rafael Landau drei Mandate. Zum erstenmal fanden die Wahlen auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes statt. Von einer Wiederaufrichtung einer schrankenlosen Herrschaft der Assimilation in Krakau kann keine Rede mehr sein.

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