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Jüdische Rundschau · 1929-05-31 · Heft 42 (31.5.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 42 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 282 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 41. 31. V. 1029 1 nach Rußland zustande zu bringen — etwa der Experten- Kommission der Agency in Palästina vergleichbar —, die aber nicht nur die wirtschaftlichen Bedingungen auszuforschen, sondern auch mit der russischsen Regierung über die politische und religiöse Emanzipation zu verhandeln hätte, solche Versuche scheiterten an dem Widerstand insbesondere der europäischen assimilatorischen Kreise, deren Interesse am Krimvverk rößtentcils durch ihre leidenschaftliche Palästina-Konkurrenz estimmt ist. Das gleiche galt wohl nie so für die Männer des Joint und gilt heute, nach ihrem Bündnis mit Palästina, erst recht nicht. Für sie nun aber sollten die Zionisten die neue Nachbarschaft benutzen, um den Gedanken der vorenthaltenen, doch zu verwirklichenden nationalen Emanzipation der russisehen Juden ihren Partnern vom Joint nahe zu bringen und mit ihrer Hilfe in direkte Verhandlungen darüber mit der russischen Regierung einzutreten. Man kann sich für die Erhebung dieser Forderung kein legitimeres und kein sichtbareres Forum denken als den 16. Zionisten-Kongreß. III. Eines der Hauptbedenken gegen die Erweiterung der Agency lag darin, daß durch die Aufteilung in 50 0/0 zionistische und 50 0/0 nichtzionistische Sitze der propagandistische Plan der Zionistischen Organisation von vornherein gelähmt werden würde, da er ja doch selbst bei starkem Anwachsen der Schekel- Zahlen, nie einen Machtzuwachs innerhalb der eigentlichen Leitung erreichen könne, ebensowenig wie umgekehrt ein Mitgliederschwund unmittelbare Machtverringerung bedeuten würde. Dies Argument wäre richtig, wenn sich nicht der zionistischen Propaganda neue Ziele böten, deren Erreichung auch nach Erweiterung der Agency die Macht Verhältnisse andern könnte. Das vornehmste dieser Ziele ist der jüdische Weltkongreß; er sollte bereits vom nächsten Zionistenknngroß als eine der spezifisch zionistischen Forderungen innerhalb der Jewish Agency proklamiert werden. Wir haben uns für den Augenblick damit abgefunden, daß die meisten unserer neuen Partner Notabein sind, deren Führerstellung keineswegs auf demokratischen Wahlen beruht, wenn vielleicht auch, gerade in Amerika, dieselben Menschen aus derlei Wahlen hervorgehen würden. Wir haben uns abgefunden, weil Palästina nicht warten kann und weil wir vom guten Willen und von der aktiven Hilfsbereitschaft der nichtzionistischen Freunde des Aulbaue® überzeugt sind. Aber wir haben keineswegs für alle Ewigkeit oder auch nur für die nächsten Jahre darauf verzichtet, unsere innere Ueberzeugung vorzutragen und an die jüdischen Massen heränzutragen, daß Palästina nur von einer tiefverwurzelten jüdischen Volksbewegung aufgebaut und nur von deren gewählten Vertrauensmännern auf die Dauer verwaltet werden kann. Diese Ueberzeugung muß ihren propagandistischorganisatorischen Ausdruck in der Forderung nach dem jüdisehen Weltkongreß finden: ihn werden wir vorzubereiten und, wenn es nötig sein sollte, zu erkämpfen haben; auf ihm werden wir die Majorität zu erringen versuchen, und dann wird auch der eherne Prozentsatz der Fifty-fifty sich sprengen lassen. Denn selbstverständlich wird die Wahl der neuen Jewish Agency eine der wichtigsten Aufgaben dieses Kongresses sein. IV. Unter den Bedingungen, die erst auf Grund der ersten Berliner Aktionskomitee-Sitzung dem Jewish Agency-Abkomraen eingefügt wurden, befand sich auch ein Punkt über die Pflege der hebräischen Kulturarbeit. Trotzdem wir keinen Augenblick daran zweifeln, daß es sich hier nicht nur um ein formales Zugeständnis der Amerikaner handelt, sondern daß sie — wie ,etwa auch aus einer Rede Louis Marschalls hervorging — eine wirkliche Herzensneigung für die Wiederbelebung des Hebrä- Ischen haben! so wird es trotzdem gut sein, mit einem mögliehst umfangreichen und gesicherten kulturellen Besitzstand in die neue Partnerschaft einzutreten. Deshalb sei es erlaubt, in dJtsep J&sämfcfÄaflge noch einmal kurz auf den Vorschlag zurückzukoihmett; den ich bereits vor einigen Monaten mit ausführlicherer Begründung der zionistischen Öffentlichkeit unterbreitet habe: die gefährdetste Position unseres palästinensischen Schulwerkes — die vier hebräischen Lehrerseminare — solle durch ein systematisches Abkommen der Exekutive mit den großen jüdischen Gemeinden der Diaspora sowie mit den hebräischen Kultur- und Schulorganisationen gestärkt werden, derart, daß ein Teil der Lehrer, die später für die Diaspora bestimmt sind, ihre Ausbildung ganz oder zusätzlich in Erez- Israel erhalten: als Gegenleistung übernimmt die Diaspora einen Teil des Seminarbuagets. Vielleicht findet die Erziehungskommission des Kongresses die Zeit, sich ausführlicher mit den Details dieses Vorschlages zu befassen und ihn zu verwirklichen. V. Schon in letzter Zeit hat sich durch das Ueberwiegen des amerikanischen Einflusses eine Gefahr bemerkbar gemacht, die nach Bildung der Agency vermutlich noch wachsen wird: wir meinen die Gehaltsgestaltung öffentlicher jüdischer Funktionäre in Palästina. Aus diesem Grunde wird die alte, immer wieder vorgebrachte und Immer wieder verschobene Forderung nach einem zionistischen Beamtenrecht für den kommenden Kongreß zu einer besonders dringenden Aktualität. Die hohen Gehälter einzelner Funktionäre, insbesondere sogenannter ״Spezialisten“, und noch insbesondere solcher, die aus den angelsächsischen Ländern stammen, sind die Kehrseiten des uns fehlenden Beamtenrechtes. So lange der zionistische Beamte oder der der Jewish Agency nicht, nach einiger Probezeit, eine w׳enn auch bescheidene, so doch gesicherte Existenz vor sich sieht, die bestimmte Aufstiegsmöglichkeiten bietet und möglichst durch eine Pensionierung abgeschlossen werden kann, so lange wird man diejenigen Kräfte, deren Beruf nicht sowieso schon zum Idealismus verpflichtet (Lehrer), nur gegen unverhältnismäßlg hohe Gehälter bekommen können. Das Wort ״unverhältnismäßig“ bezieht sich hier nicht auf die Gegebenbeiten Englands oder Amerikas, für welche die betreffenden Summen relativ klein sein mögen, sondern natürlich ffuf Palästina. Und auch hier sind wir weit davon entfernt, der oberflächliehen und sehr oft aus trübsten Instinkten oder Interessen gespeisten Abneigung gegen die Beamtenschaft nachzugeben, die sich in der zionistischen Oeffentlichkeit nicht selten breit macht. Wir wissen genau, daß unser Werk ohne eine sachkundige, pflichttreue und anständig bezahlte Beamtenschaft nicht gedeihen kann. Wir meinen aber allerdings, daß die Uebertragung der Gehaltsmaßstäbe des reichen Amerikas auf das arme Palästina ein doppeltes Unglück bedeutet: einmal ein finanzielles, zweitens, und dies ist wichtiger, ein moralisches. Noch für Jahre hinaus werden wir, mehr oder minder, im Stadium der Sanierung und der Konsolidierung leben müssen. Dieses an und für sich schon so schwierige Experiment kann nur gelingen, w enn das Beispiel von oben gegeben wird und wenn man nichts von den Massen des Volkes verlangt, das man nicht selbst zu leisten bereit ist. Der Abbau schlecht bezahlter Beamter kann nur durch mittelmäßig bezahlte Leiter erfolgen, niemals durch (für die Verhältnisse des Landes) höchstbezahlte, soll nicht die gesamte Atmosphäre unheilbar vergiftet werden. Es ist vielleicht denkbar, daß wir eine solche Forderung nicht rein idealistisch begründen können —- obwohl der Freiherr vom Stein nach Preußens Niederlage von 1807 sich mit einem minimalen Gehalt begnügte, um das Land wieder aufbauen zu helfen, und obwohl auch Cuno und Rathenau keine Erhöhung der deutsehen Ministergehälter verlangten, als sie Reichsposten übeT* nahmen und wenn auch nur teilweise und zeitweilig, ihre Rieseneinnahmen aus der Wirtschaft entbehren mußten. Aber eben deshalb muß ein Beamtenrecht geschaffen werden, das auch ohne den Appell an übertriebene Opferbereitschaft einen moralisch tragbaren Ausgleich der Gehälter ermöglicht. Ich höre einen Einwand: gerade unsere leitenden Minner, insbesondere auch die Experten, müssen repräsentieren uha werden es ln den kommenden Jahren, nach Eintritt des rcpräsentationsfreudigen Nichtzionisten Amerikas noch kostspieliger tun müssen. Die Antwort ist: repräsentieren wir mit unserer Armut! Jedermann kennt unsere Finanzlage, am besten unsere neuen Freunde; wir werden sie mit keiner Fassade verschieiern. Und warum auch? Man hilft uns jetzt nicht, weil wir so viel Geld haben, sondern weil wir trotz unserer geringen Mittel Erstaunliches aufbauten. Lassen wir, auch in der Art unserer Repräsentation, jeden falschen Schein; kehren wir, auch hierin, zu dem Geiste des großen Lehrers ehrlicher Sachlichkeit, zum Geiste Achad Haams, zurück, und seien wir ganz, die wir doch sind: Wortführer eines armen, aus tausend Wunden blutenden Volkes, das aus einigen Sparpfennigen sich sein Land aufbauen will. Vielleicht wird diese Art aer Repräsentation, die sich gleichfalls mit der Preußens zwischen 1806—1813, ja, wenn aucn später aus anderen Gründen, seit der bjs 1840 vergleichen ließe, einen größeren Eindruck auf die übrige Welt machen als die zum Teil bisher von uns betriebene oder doch für notwendig gehaltene, die über unsere Verhältnisse ging. Aus allen diesen Gründen sollte der Zionisten-Kongreß mit der Schaffung eines genauen Beamtenrechtes die Jewish Agency vor die vollendete Tatsache einer den palästinensischen Verliältnissen angepaßten Lebensordnung stellen und außerdem in Verhandlungen darauf hinwirken, daß dieser Maßstab später auch von den nichtzionistischen Funktionären der Agency eingehalten werde. VI. Zwar haben nichtzionistische Experten unser Land bereist, seine Probleme studiert und über sie Berichte erstattet, aber die eigentlichen Experten fn der kommenden praktischen Arbeit werden doch wohl wir selbst stellen, denen die ununterbrochenen Erfahrungen im Lande und die durch kein anderes Ziel abgelenkte Hingabe zur Seite stehen. Ganz besonders gilt dies von dem schwierigen Gebiete der palästinensischen Landespolitik, und hier insbesondere von der Araberfrage. Es ist gewiß lächerlich, wenn einige Vertreter des jüdischen Liberalismus in Deutschland bei den Vorverhandlangen über die Bildung der deutschen Agency plötzlich die Araberfrage entdecken und ihre humanitäre Lösung als Vorbedingung der Mitarbeit aufstellen. Auf der anderen Seite aber müssen wir selbst mit sehr viel geklärteren Anschauungen über dieses Gebiet, als wir sie bisher formulieren konnten, vor unsere neuen Partner hintreten. Unser Einfluß in der Agency, der ja zunächst bekanntlich zahlenmäßig festgelegt ist, wird vor allem an dem Maß an überlegener Sachkenntnis und Initiative abhängen, das wir investieren können. Auch hier werden gerade die Beschlüsse des letzten Vor-Agency-Kongresses von entscheidender Bedeutung sein: sie geben gleichsara eine letzte Gelegenheit, unser geistig-politisches Einlage• kapital noch zu erhöhen. Deshalb, aber nicht nur deshalb, ist es geboten, das der Kongreß einen wirklichen zionistischen Fachmann, etwa Dr. HansKohn, über die asiatischen Nationalbewegungen hört, in deren Geschichte der Zionismus ja zwangsläufig, mag er wollen oder nicht, eingebettet ist. In diesem Zusammenhang wären dann, wohl in der politischen Kommission, die aktuellen Fragen zu klären, insbesondere die Frage der palästinensischen Verfassung. Es ist sehr wahrschemlich, daß es für bindende Beschlüsse noch zu früh ist: nicht etwa deshalb, weil die Frage nicht drängend genug wäre, sondern deshalb, weil die zionistische Oeffentlichkeit und auch ihre führenden Repräsentanten von ihrer Wichtigkeit keineswegs genügend überzeugt und über ihre tatsächlichen sowie poutisch-moralischen Hintergründe nicht entfernt genügend aufgeklärt sind. Gerade einer solchen beginnenden Aufklärung aber würden die hier geforderten Auseinandersetzungen dienen. Und damit dienten sie sowohl einer echten jüdischen Landes- Politik «in •Palästina wie einer echten zionistischen Prestige* olltik gegenüber unseren neuen Partnern: wobei Prestige ier als Wahrung der eigentlichen inneren Ehre unserer Organisation verstanden ist. Diese Ausführungen sind, nicht absichtslos, vom Allgemeinen zum Besonderen fortgeschritten. Sie haben die O r u n daufgabedesKongresses nach Erweiterung der Agency von neuem gestellt, haben eine aktive Politik gegenüber Sowjetrußland verlangt, haben den ״Weltkongreß der jewish Agency“ gefordert, haben einen Vorschlag für die Lehrerausbildung erneuert, haben die Schaffung eines zionistischen Beamtenrechtes gerade in diesem Augenblick begründet und haben schließlich noch eine gründ- DER XVI. KONGRESS Wie bei den letzten Kongressen wird auch dieses Mal wieder ein vollständiger Verhandlung« - Bericht in der offiziellen Kongreft-leltHiig erscheinen. Wir legen den größten Wert darauf, daß möglichst alle Leser der ״Jüdischen Rundschau“ die Kongreßzeitung bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Kongreß tellnehmen können, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Wir werden demnächst eine direkte Abonnementsauftorderungan alle unsere Abonnenten richten und die Einziehung der BezugsgebUhren in Höhe von RM. 3,25 für die vorgesehenen 12 Kongreß-Nummern durch Nachnahme ank&ndigen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß unserer Abonnementseinladung Folge geleistet werden wird und bitten unsere Leser, uns darüber hinaus in den ihnen nahestehenden Kreisen bei der Propagierung der Kongreßzeitung zu unterstützen und uns Abonnements aufzugeben. Ferner werden folgende Publikationen des Kongresses erscheinen: Berichte der Exekutive, des Keren Hajessod und des Keren Kafemeth an den Kongreß (ln hebräischer, deutscher and englischer Sprache), kurz nach dem Kongreß das stenographische Protokoll seiner Verhandlungen (ln deutscher Sprache). Ein Generalabonnement auf die Kongreß-Zeitung und die obigen Publikationen kostet zusammen 13,15 M. (statt 17,20 M. bei Einzelbezug) und ist ebenfalls direkt bei unserer Expedition zu bestellen. VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU" SER LIN IV15, MeinnkastraBa 10 Postscheckkonto: Berlin Nr, 17302. liehe Erörterung der Araberfrage angeregt. Das sind gewjß verschiedenartige und zum Teil auch verschiedenwertige Dinge. Sie wurden gemeinsam vorgebracht, weil wir sie für spezifische Aufgaben gerade des kommenden Kongresses halten, die er nicht versäumen darf, soll dem Zionismus nicht Unheil erwachsen und an deren Vorbereitung unsere leitenden Instanzen also umgehend denken müssen. Nur dann kann, unseres Erachtens, aus der Jewish Agency sich einmal wieder dasjenige Gemeinschaftsorgan und -Symbol entwickeln, das einer unserer Führer voreilig schon jetzt für sie in Anspruch nahm, was sie aber durchaus noch nicht ist und nur durch uns, nur durch die Zionisten in ihr, je werden kann: der KDIJisrael. ErMInmg. in Nr. 38 der ,,Jüdischen Rundschau“ schreibt Blumenf eId in einem Artikel ״Allgemeiner zionismus“ unter anderem folgendes: ״Man muß hoffen, daß auch diejenigen Führer des Misrachi, die auf der letzten A.-C.-Sitzung erklärten, daß nach Bildung des Councils der Jewish Agency für sie eine neue organisatorische Situation geschaffen sei, die sie völlig unabhängig mache von der Zionistischen Organisation, ihre Meinung revidieren oder durch andere Repräsentanten des Misrachi ersetzt werden. Die erhoffte taktisch günstigere Situation gegenüber der Agudah wird auch dadurch nicht erreicht. Und was die Linke betrifft, so wird ihre klare Verbundenheit mit der Zionistischen Organisation voraussichtlich im Council der Jewish Agency noch deutlicher in die Erscheinung treten Ms auf dem Zionistenkongreß.“ Die in diesen Sitzen aufgestellte Behauptung einer Stellungnahme von Führern des Misrachi kann sich nach Lage der Dinge nur auf mich beziehen, da ich der einzige war, der von den misrachistischen Vertretern zu dieser Frage auf der letzten A.־C.-Sitzung Stellung genommen hat. Derbgemäß kann ich erklären, daß diese Darstellung völlig unzutreffend ist und weder dem Wortlaut noch der Tendenz meiner Darlegungen entspricht In einer Sitzung, deren Vertraulichkeit soweit ging, daß aer Präsident des A.-C. nicht einmal die eigens zu dieser Sitzung aus Amerika gekommene Mrs. Wise zuließ, habe ich Ausführungen darüber gemacht, wie sich nach meiner Auffassung das Schicksal der Zionistischen Organisation nach dem Zustandekommen der Agency gestalten wird. — Im Gegen! satz zu Herrn Blumenfeld halte ich mich an diese Vertraulichkeit gebunden und habe es deshalb trotz mehrfacher Aufforde• rungen von Männern, die in der A.-C.-Sitzung anwesend waren, abgelehnt, meine Ausführungen publizistisch wiederzugeben. Ich muß mich deshalb auf die Bemerkung beschränken, daß sie keinerlei Aehnlichkeit mit dem hatten, was Blumenfeld ihnen unterstellt. Das einzige, was entfernt daran an klingen könnte, habe nicht ich alleine gesagt, sondern ist von Vertretern samtlieber zionistischer Richtungen, die in der Debatte zu Worte kamen, ihren Ausführungen zugrunde gelegt worden, daß nämlieh eine Bindung der zionistischen Stimmen nach einer b®• stimmten Richtung hin im Council wenn überhaupt, so nur in Ausnahmefällen möglich sein wird und daß infolgedessen es sehr häufig י Vorkommen wird, daß in Fragen spezifisch 80• zialistischer Art die zionistischen Arbeitervertreter mit den nichtzionistischen, in Fragen spezifisch religiöser Art die Vertreter des Misrachi mit der nichtzionistischen Orthodoxie gemeinsam stimmen würden. An dieser Tatsache wird nichts eändert werden, ob man sich ihrer freut oder ob man sie edauert, sie liegt in der Natur der Dinge begründet, und es ist wesentlich gefährlicher, in die Agency zu gehen, ohne ein klares Bild von ihren Vorteilen und Gefahren zu haben, als sich und anderen klar zu machen, wie die organisatorische Situation nach dem XVI. Kongreß sich gestalten wird. Wenn diese Zeilen erscheinen, wird das A.-C. wieder in Berlin versammelt sein. Ich bin überzeugt, daß nicht ein Mit• f" ' ' _ wird, daß Blumenfelds Darstellungen weder mit dem Wortlaut noch mit dem Sinn meiner Rede irgend etwas gemein haben. Dr. Aron Barth. * Erwiderung Zu der Erklärung von Herrn Dr. Aron Barth liegt Heit! Anlaß vor. Herr Dr. Barth irrt sich, wenn er glaubt; daß ich nur ihn gemeint habe. Eine ganze Reihe von misrachistisehen Acußerungen schienen die gleiche Tendenz zu haben. Auch er hat allerdings Aeußerungen auf der letzten Sitzung des Aktions-Comitds gemacht, die allgemein in dem von mir angedeuteten Sinn verstanden wurden. Ich habe nach seiner Rede, die bei den engeren Gesinnungsfreunden von Dr. Barth lebhafte Zustimmung fand, sofort in Zwischenrufen laut protestiert. Die Rede rief ebenso wie die Rede von Rabbi Meier Berlin, in der er sich über die Stellung des Misrachi in der Jewish Agency äußerte, bei allen denen lebhafte Beunruhigung hervor, denen am Bestand einer einheitlichen Zionistischen Organisation gelegen ist. Vollends manche Worte von Prof. Pick waren reichlich eindeutig. Sollte rin Mißverstandnls vorliegen, so sind ihm merkwürdigerweise alle A.C.-Mit- P" Mitgliedern vorgelegt. Die Sitzung des A. C. war streng vertraulich. Zwei Tage nach der Sitzung erschien ein Artikel von Jizchak Orünbaum Im ״Haint“ unter dem Titel ״Der misrachistische Kaddisch“, In diesem Artikel wird die Rede von Herrn Dr. Barth in gleieher Art behandelt wie ich es in,meinem Artikel getan habe. Die Exekutive hat in der von ihr herausgegebenen Presse- Revue (Nr. 136 vom 8. Januar 1929) einen Auszug aus diesem Artikel gebracht. Damit Ist die Tatsache der Stellungnahme von Herrn Dr. Barth offiziell der Oeffentlichkeit übergeben worden. Es freut mich, daß Herr Dr. Barth anders verstanden werden will, als wir ihn verstanden haben und, wie ich überzeugt bin, verstehen mußten. Es ist erfreulich, daß mein Aufsatz Anlaß bot, dieses Mißverständnis aufzuklären. Ich selbst bin überzeugt, daß die Mehrheit besonders des deutschen Misrachi sich durchaus unlöslich mit der Zionistischen Organisation verbunden fühlt. Kurt Blume 11 feId. Der Btgh Commissioner in Halla und Umgebung Der High Commissioner trat am 16. Mai eine Reise nach dem Norden des Landes an. Er besuchte zunächst die Siedlung B e n j a m i n a und begab sich von dort aus nach S i c h r o n Jaakob. in beiden Siedlungen hielt er sich längere Zeit auf und empfing die Vertreter der Kolonien. Von Sich ron Jaakob reiste der High Commissioner nach Atlith, um dort die Steinbrüche zu besichtigen, aus denen das Material für den Hafenbau in Haifa genommen wird. In Haifa nahm der High Commissioner an der Eröffnung der neuen englischen Schule in der Nähe des jüdischen Viertels Herzliah teil. Er erwähnte in seiner Ansprache, daß er, als er vor vier Monaten den baldigen Beginn der Hafenarbeiten ankündigte, keinen Glauben gefunden habe. Es erfülle ihn daher heute mit Genugtuung, daß er bereits auf die lebhafte Tätigkeit an den Baustellen für den Hafenbau hinweisen könne. Von Haifa aus begab sich der High Commissioner nach Akko. Er hob dort bei einer Ansprachenervor, daß der Hafen*! bau in Haifa auch der Stadt Akko große wirtschaftliche Vorteile j bringen werde, wenngleich diese Stadt von dem durch die Natur I begünstigten Haifa überflügelt werden mußte. (Ziko.)

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