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Jüdische Rundschau · 1929-05-31 · Heft 42 (31.5.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 42 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42, 3t. V.!Q2Q_JÜEPISCHE RUNDSCHAU_ sdte 26! ' Zum XVI. Zionistenkongreß Misradii Von AlexanderAdier, Berlin. Vor einem Kongreß hat jede Partei die Pflicht, sich und der zionistischen Welt die Grundsätze wieder klar vor Augen zu ,stellen, die ihre Existenzberechtigung ausmachen, die die Fortführung ihrer Arbeit zur Notwendigkeit erheben. Sie kann sich auch die Frage vorlegen, ob die Gründe von einst, derentwegen sie ins Leben trat, noch heute stichhalten, oder ob etwa im Laufe der Zeiten ihre Ziele bereits erreicht sind, und sie zugunsten anderer Konstellationen, anderer Ideen, zurücktreten, sich auflösen kann. Was brachte den Misraehi zum Entstehen? Es gab eine Zeit in der Geschichte des Zionismus, in der es nur Allgemeine Zionisten gab. Es war nur eine kurze Zeitspanne. Gesetzestreue Juden in nicht unbeträchtlicher Zahl hatten sich beim ersten Auftreten Herzls ihm angeschlossen, rückhaltlos, enthusiastiseh, sich ganz der Idee hingehend, die ihnen nichts Fremdes, die aber in dem neuen Gewand, in das Herzl sie gekleidet hatte, ihnen bald besonders teuer war. Sie waren Allgemeine Zionisten. Die Idee des die gesamte Judenheit umspannenden Volksganzen, getragen von der Sehnsucht nach Rückkehr des Volkes in das Land der Väter, in dem aufs neue entstehen sollte, was uns verloren gegangen war: jüdisches Leben, verschönt und gehoben durch jüdisches Gesetz, diese Idee hatte sie mächtig gepackt. In den feurigen Trank ihrer Begeisterung, ihres Höffens, ergoß sich abkühlende, abschwächende, ernüchternde Wirklichkeit, als die ״Kulturzionisten“ ihr Programm offenbarten, das in offenem Gegensatz zu der bisherigen Auffassung von jüdischer Kultur stehend, ein neues, dem wahrhaft jüdischen fremdes Kulturideal schaffen wollte und auf Kongressen die Minorität — obwohl sie im Namen der Mehrheit des Volkes sprach — nichtachtend bei- Seite schoben. Enttäuscht, aber nicht abgeschreckt wurden sie. Die Idee der Einheit des Volkes hatte viel zu fest Wurzel in ihrem Innern geschlagen, als daß sie an Trennung auch nur hätten denken können. Sie schlossen sich zusammen und gründeten den Misraehi, um in geeinter Phalanx das durchzusetzen, was sie als Einzelne, in der Allgemeinheit Versprengte, nicht hatten erreichen können. So glaubten sie auch große Massen der Gesetzestreuen zur Mitarbeit an den Gesamtheitsaufgaben heranziehen zu können. Nur eine Frage kann es für uns geben: ist alles erreicht worden, was man erstrebte, oder nicht? Wenn ja — dann könnten wir ruhig zurücktreten in die Reihen der Allgemeinheit, wenn nein — dann haben wir weiter an der Aufgabe, die wir uns stellten, zu arbeiten. Leider ist mit Nein zu antworten. Wir haben viel erreicht. Ein Schulwerk steht neben dem allgemeinen, unserer Auffassung jüdisch unzulänglichen, da, das der Stolz der Besten unter uns ist. Es wächst, es ringt seinem gegnerischen Bruder Jahr auf Jahr mehr Boden ab, es gewinnt an Einfluß im Lande, es zwingt aucbJ *seine ■ •OeglW .5•aif•־ Bewühdehaig.׳-'"-EiM«:i: AAeRefsehäftnenrten wir mit Stölit dle:Unse*,er die In ÜemselbcB harte« Kampf wie die Brudergemeinschaft im anderen Lager den Boden mit ihrer Hände Arbeit erobert, die ihren Mann steht auf dem Baugerüst und in der Werkstatt —, und die durchdrungen ist von jüdischem Geist, wie wir ihn uns besser nicht wünschen können. Rabbanim und Schochtim wirken auf schwierigsten Posten für Tradition, für geistigen und kulturellen Aufbau im Gleichschritt mit dem ökonomischen unter Hingabe ihrer ganzen jüdischen Persönlichkeit. Wir haben viel erreicht. Aber es ist noch nicht genug. Noch gibt es organisierten Widerstand gegen die Forderungen des legitim Jüdischen. Noch kann nicht jeder Jude teilhaben an allen Einrichtungen des Jischuw, weil ״das Gesetz“ nicht Riehtlinie ist für das Entstehende. Noch kann nicht, wie die Vorgänge In Sichron Jaacob uns lehren, jeder Vater seine Kinder in dem Geist erziehen lassen, der einzig die Unsterb- Iichkeit unseres Volkes bewirkt hat. Wir können unsere Arbeit noch nicht der Allgemeinheit überlassen, weil sie nicht so arbeitet, daß die Früchte ihrer Tätigkeit allen gemeinsam zugute kommen können. Noch beteiligt sich nicht die Majorität der orthodoxen Juden am Aufbau Erez-Israels. Ebenso wie die zionistische Partei noch nicht im jüdischen Volk aufgehen kann, weil dieses in seiner Gesamtheit noch nicht die zionistische Theorie von der Verpflichtung eines jeden Juden zu nationaler Arbeit anerkennt, weil es unmöglich ist, daß die neue Jewish Agency ohne die dauernde Anstachelung und Anfeuerung von seiten der mit ihrer ganzen Persönlichkeit für Volk und Land eintretenden Zionisten dauernde fruchtbringende Arbeit leistet, — ebenso ist es noch nicht so weit, daß der Misraehi auf seine Sonderexistenz innerhalb der zionistischen Bewegung verzichtet. Noch gilt es für uns, die Zionisten anzufeuern, ihrer Pflicht der Tradition unseres Volkes gegenüber nachzukommen, noch haben wir die Massen der gesetzestreuen Judenheit zur Erkenntnis ihrer religiösen Verpflichtung zum nationalen Judentum zu bringen. Nach rechts und nach links haben wir noch die gleichen Aufgaben zu erfüllen, wie vor 30 Jahren, da wir uns parteimäßig zusammenschlossen. Innerhalb des Zionismus sind wir parteimäßig misraehistisch gebunden und orientiert; diese Feststellung trifft uns nicht als Vorwurf, denn es war vom ersten Tage unserer Existenz an unsere Absicht, es zu sein, — wenigstens wenn man Wahrung der Ueberlieferung, der religiösen und nationalen, innerhalb der das gesamte Volk repräsentierenden Zionistisehen Organisation als etwas ״Parteimäßiges“ überhaupt ansprechen kann. Auf jeden Fall orientieren w i r uns nicht nur an wirtschaftlicher und ökonomischer Notwendigkeit beim Aufbau unseres Landes, auch nicht nur an den Forderungen nationaler Regeneration im ausschließlichen Geiste neuzeitlicher Auffassung. Wir gehen in unserem Werben um die Seele unseres Volkes bewußt nicht von dem Zustand aus, der heute im Judentum ist, sondern von dem Zustand, der sein sollte. Unser jüdisches Ideal in umfassendster Form ist Ausgangspunkt aller politischen und wirtschaftlichen Erwägungen, die wir anstellen, nach ihm wollen wir das Volk formen und das Land aufbauen. Wir können und wollen nicht an wirtschaftliche Fragen objektiv herantreten, wenn man unter Objektivität verstehen muß, daß legitim jüdische Forderungen aus unseren Wirtschaftsfragen überhaupt auszwschalten sind. Als falsch erscheint es uns, wenn man mit parteimäßiger Ein- Stellung an Fragen des jüdischen Lebens herantritt, deren Forderungen nicht auf dem Boden jüdischen Geisteslebens erstanden sind. Unsere Einstellung aber kennt nur Forderungen, die Lebensintcressen, allerdings geistiger Art, unseres Volkes berühren und die uns, und mit uns einem großen Teil der Judenheit, Voraussetzungen für jedes jüdische Gemeinwesen sind. Eine Pflanze, die nur Licht, aber keine Luft bekommt, geht zugrunde — die Luft des Judentums ist sein Gesetz, das Licht noch so klug und modern ausgeklügelter Wirtschaftlich* keit allein kann unser Volk nicht zu neuem Leben führen. Deshalb brauchen wir unsere parteimäßige Bindung und Orientierung, denn der allgemeine Zionismus hat dieses Grundprinzip noch nicht erkannt Nur das Bestehen einer starken misraehistischen Organisation ermöglicht es uns, an weitere Kreise der traditionellen Judenheit heranzukommen, deren Erfassung für das Gelingen unseres Werkes lebensnotwendig ist, weil es Menschen sind, die von Jugend auf gewohnt sind, ihrer jüdischen Ueberzeugung Opfer zu bringen. Es sind zum großen Teil Menschen, die mit gläubiger Naivität dem gesamten Fragenkomplex des Judentums gegenüberstehen. Menschen, denen das Judentum sich präsentiert als etwas Gegebenes, das hinzunehmen ist in seiner Ganzheit als etwas Selbstverständliches, ohne Prüfung. Es gibt andere, die nach dem tiefen Sinn unseres Gesetzes fragen, denen ״das Wort“ nicht den gleichen Wert hat, wie der Geist, den es vermittelt. Aber beide fühlen gleichermaßen die Verpflichtung zur Wahrung unserer Volkstradition, ob dem einen die Traditionsbildung der Vergangenheit angehört, während sie bei dem anderen sich auch noch in der Zukunft fortsetzt — das ist keine unüberbrückbare Kluft, die sie voneinander trennt. Ihre Anschauungen mögen vielfach voneinander abweichen, aber von der Welt des einen führen Brücken zu der des anderen — die stärkste dieser Brücken ist die im jüdischeu Gesetz verankerte Einheit unseres Volkes, das Verantwortungsbewußtsein des Juden gegenüber der Gesamtheit. Mit zäher Beharrlichkeit werden wir gerade in den Tagen einer Kongreßwahl an die unserer national-religiösen Anschauung heute noch fremd Gegenüberstehenden im Lager der Orthodoxie herantreten und sie auf Grund der Erfolge einer 30jährigen Misrachiarbeit innerhalb der zionistischen Volksgemcinschaft zu uns herüberziehen. Diese Erfolge des Misraehi in seiner Mitarbeit im zionistischen Aufbauwerk sind seine durchschlagenden Argumente, nicht die national-polifische Grundlage des allgemeinen Zionismus. Der traditionelle Jude muß sehen und erkennen, daß keine Gefahr für seine Anschauungen über die geistigen Grundlagen des Judentums in der Verbindung mit dem Zionismus bestehen, er muß erkennen, daß der Zionismus ihm die Durchsetzung jüdischer Forderung, wie er sie versteht, ermöglicht, daß er durch den Zionismus einwirken kann auf die Gesamtheit der Juden, die Erez-lsrael zu ihrer Heimat machen , — 4!s..sJ!k|, diejiaöon^lspolftischea f^nrndlggen» djexi» Tfad|-~ tfonsjudeit interessiefett. Ste sind*,gegeben durch die Arbeit des Misraehi, niemand schafft sie, wenn nicht er. in was Daß es Parteien mit stark und klar voneinander differenzierten Programmen im Zionismus gibt, ist eine nur zu begrüßende Tatsache. Es wäre kaum möglich, Hunderttausende von Juden aus allen Lagern und allen Ländern zusammenzufassen und gemeinsame Ziele verfolgen zu lassen, wenn die einzelnen Richtungen nicht die freie Entwicklung ihrer Prinzipien im Rahmen der Gesamtorganisation als Körperschaften anstreben könnten. Diese Differenzierungen sind nicht entstanden, weil unser Werk zu lange dauert und die einzelnen Richtungen — gleichsam durch geduldverlängernde Gesellschaftsspicle — beschäftigt werden mußten, um über die lange Zeit des Wartens hinwegzukommen. Diese Anschauung von der Bildung der Parteien bagatellisiert nicht nur die Partei, sondern auch den ganzen Zionismus. Weil es den Richtungen ernst war um ihre Mitarbeit im Zionismus, weil sie mit ganzem, ungeteilten Herzen mitarbeiten wollten, schlossen sie sich zu Parteien zusammen, um Postulate durchzusetzen, die ihnen das Leben des Volkes erst lebenswert erscheinen ließen. Das trifft sowohl auf die linksgerichteten Parteien zu, als auch auf den Misraehi. Diese fest in sich gegliederten Parteien mit scharf abgegrenzten Programmen haben ihre Daseinsberechtigung, ihre Anhänger die Verpflichtung, sie zu erhalten, ihre Arbeit kann nicht willkürlich eingestellt werden, weil eine neue politische Konstellation entstanden ist, die Konzentration der Kräfte verlangt. Die politischen Aufgaben, die wirklich Aufgaben der Allgemeinheit sind, können im Rahmen der zionistischen Partei absolut einwandfrei dureligeführt werden, und zwar ebensogut von einer Gemeinschaft der,verschiedenen zionistischen Parteien, als von der Gemeinschaft nicht parteimäßig gebundener Zionisten, denn die Abweichungen in der innerjüdischen oder innerzionistischen Gedankenwelt liegen auf einer ganz anderen Ebene wie die politischen Forderungen, die heute etwa eine Konzentration der Kräfte verlangen. Es ist sehr anerkennenswert vom ״Linken Zentrum“, wenn es sich auflöst, weil es meint, dadurch der Konzentration der Kräfte zu dienen oder die Vereinheitlichung der Zionistischen Organisation zu fördern. Hätte das ״Linke Zentrum“ ein Programm gehabt, das seine Anhänger weltanschaulich untereinander ver• band, dann hätte es sich aus solchen taktischen Erwägungen heraus gar nicht auflösen können — und dürfen. Aus diesem, Mangel an innerer Gebundenheit aber die Forderung zu konstruieren, daß auch andere, in sich gefestigte. Richtungen ihre Eigenexistenz aufgeben sollen, ist ungerechtfertigt. Der Misraehi wendet sich seit annähernd 30 Jahren und heute wieder an alle Juden, denen die Durchsetzung nationaler, wirtschaftlicher, ökonomischer und kultureller Forderungen für das jüdische Volk nicht genügen können, wenn sie nicht mit solchen traditioneller, jüdisch-gesetzlicher, religiöser Art auf das engste verknüpft werden. Wendet sich an alle diejenigen, die in Erez-lsrael neben der Heimat für das jüdische Volk auch diejenige für den jüdischen Geist sehen, die Heimat für den jüdischen Geist, der aus diesem Volk etwas ganz anderes gemacht hat, als alle anderen Völker es geworden sind. D>as ist unser Programm für alle bisherigen Kongresse und bleibt es auch für die Kongresse der Zukunft, ist auch unser Programm für die neue Jewish Agency. Um es durchzuführen fordern wir die gesetzestreue Judenheit auf, in dem Bewußtsein, daß es eine Gesetzesforderung ist, ein nationaler Jude zu sein, sich uns anzuschließen, Schekel zu kaufen und bei der Kongreßwähl für die Listen des Misraehi einzutreten. Aber auch an die weiten Kreise innerhalb der zionistischen Reihen, denen das ״Wie“ des Aufbaus, was seine innerjüdische Haltung anbelangt, wesentlich erscheint, wenden wir uns mit der Forderung, den Misraehi bei der Kongreßwahl zu unterstützen, damit es nach innen und außen klar wird, daß das jüdische Volk sein äußeres Leben einrichten will, wie alle anderen Völker, für sein inneres Leben aber seinem Schöpfer und seinem Schicksal dankbar ist. שלא שם חלקנו כחם וגורלנו ככל חמתם. Aufgaben des Kongresses Ein Beitrag zur Diskussion. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. I. Auch die entschiedensten Anhänger der erweiterten Jewish Agency, zu denen der Schreiber dieser Zeilen sich zählt, und gerade sic, werden die Aufgabe zu prüfen haben, welchen Veränderungen der Zionisten-Kongreß unterliegen wird, nach• dem ihm, mit der vollendeten Bildung der Agency, sein Budget- Recht ganz oder zum größten Teil genommen werden dürfte. Wenn dem Kongreß sein Budgetrecht geschmälert wird: was bleibt ihm? Zum mindesten das, was er besaß, bevor er ein wesentlich ins Gewicht fallendes Budgetrecht ausüben konnte: das Ohr der jüdischen Welt als Ausdruck ihrer öffentliehen Meinung. Besinnen wir uns: die ersten Kongresse gingen durchaus nicht von der Lage Palästinas aus, sondern von der Lage der Weltjudenheit in allen Ländern ihrer Wohnsitze. Und dieser Gesichtspunkt ist auch jetzt noch richtig, trotz aller Veränderungen, die das Bild inzwischen erfahren hat, und trotz der selbstverständlich viel konzentrierteren Aufmerksamkeit, die Palästina heute verlangt; er ist vor allem richtig für die Zionistische Organisation, weniger allerdings für die Jewish Agency, die viel spezifischer auf den Palästinaaufbau allein zugeschnitten ist. Daraus ergibt sich schon ein entscheidender und möglicherweise höchst fruchtbarer Differenzpunkt zwischen den Zionisten und ihren neuen Verbündeten. Der Kongreß sollte dem dadurch Rechnung tragen, daß er sich selbst wiederum zum Brennpunkt des jüdischen Schicksals und zum gesammelten Ausdruck der jüdischen öffentlichen Meinung macht. Er sollte zu Nordaus altem Brauch zurückkehren, die Lage der jüdischen Welt in einem Generalreferat darzustellen, nach welchem entweder die Vertreter der einzelnen Länder, oder aber teilweise die in sie zu längerer Arbeit entsandten Keren Hajessod- oder Keren Kajemeth-Delegierten die Lage mehr im Einzelnen zu schildern hätten, natürlich immer unter stärkster Berücksichtigung der Palästina-Verbundenheit und der zionistischen Organisationsarbeit in dem betreffenden , Lande. Damit würde der Zionistenkongreß wieder der einzige Ort werden, an dem das Gesamtschicksal des ganzen jüdisehen Volkes eine öffentliche Tribüne besitzt Der Wert läge zweifellos nicht nur darin, Vergangenes festzustellen und . Oegeniwärtfgef 4u; Wtisie»n,,.f«td#»*Wc#H.et«sJart#tr?»l».»& künftiges gestalten zu helfen. Auch der so notwendige Zusammenhang zwischen zionistischer Landespolitik und der Konzentration auf Palästina käme durch solche Referate in seiner Polarität zur Darstellung: bei Ländern, in denen, wie zum Beispiel in Polen und neuerdings in der Tschechoslowakei, diese Beziehung besonders zugespitrt ist, dürften sich vielleicht zwei Referate empfehlen: nach dem einheimischen Führer sollte der Delegierte der Keren Hajessod-Zentrale sprechen. Aber diese, für die zionistische Arbeit unmittelbar fruchtbaren Konsequenzen unseres Vorschlages sind uns nicht einmal die wichtigsten. Im Vordergrund steht uns vielmehr die Er- Ziehung der jüdischen Welt zu ihrem eigenen Selbstbewußtsein, das, nach unserer zionistischen Ueberzeugung, folgerichtig zu nichts anderem als eben zum Zionismus führen kann. Um diesen neuen Anstoß zionistischer Propaganda, deren Notwendigkeit gerade jetzt ja von allen Kreisen der Bewegung erkannt und betont wird, noch stärker auszunutzen und noch besser zu unterbauen, sollte sich der Kongreß zur Aufgabe setzen,, die Volksarbeit der Fondsdelegierten einer syslematisehen Auswertung zuzuführen. Wir denken an ein großes Werk über die jüdische Gegenwart, das die Lage der Juden in allen Teilen der Welt unter großzügigen Gesichtspunkten und mit möglichst genauem Zahlenmaterial schildert. Wir haben bisher zur Erkenntnis des Judentums meist nur vertikal in seine Geschichte hineingeblickt: in die Tiefe der Zeiten. Die hori* zontale Ergänzung, der Blick iit die Weite des Erdenraumes, tut bei einem Volke, dessen Zerstreuung über die ganze Welt immer noch anwächst, nicht minder not. Hier sollten die Fonds einsetzen. Sie würden mit einem solchen Werk die betreffenden Referate der Zionistenkongresse vorbereiten und weiterführen: beide Maßnahmen aber zusammen wären, als ein geistiges ״Kibuz Galiuth“, ein unmittelbarer Dienst an der leibhaften Vereinigung aller Diaspora-Judenheiten, die wir in Erez-lsrael erstreben. II. Ein einziges Land würde bei dieser Uebersicht sicherlich nicht durch einen Keren Hajessod-Delegierten und vermutlich auch nicht durch einen Zionisten vertreten sein, der dort noch vor kurzer Zeit für unsere Bewegung gearbeitet hat: Sowjetr u ß 1 a n d. Dies zeigt schon, daß hier eine besonders geartete Aufgabe zionistischer Politik vorliegt, eine Aufgabe, der sie sich bisher in viel zu geringem Maße angenommen hat. Wenn der Zionistenkongreß wieder zum Vorkämpfer der recht verstandenen Emanzipation aller Juden werden will, dann darf er nicht mehr schweigend und tatenlos an dem Problem vorübergehen, daß die Juden in Rußland tatsächlich nicht emanzipiert sind. Es ist nun auffallend, daß die zionistische Politik zwar mit allen Mächten der Welt, vom Papst bis zur zweiten Internationale, verhandelt hat und verhandelt, bisher aber offenbar keinen Weg zu den jetzigen russischen Machthabern zu finden wußte. Die Schwierigkeiten mögen übergroß sein; sie sind durch das unkluge Verhalten einiger russischer zionistischer Politiker bei Gelegenheit der Gegenrevolution Denikins noch unnötig yermehrt worden. Trotzdem aber dürfen wir den vielleicht wichtigsten Teil unseres Volkes nicht tatenlos dem Untergang überlassen. Gibt es einen Weg, der wenigstens so viel Erfolg verspricht, daß er versucht werden sollte? Vielleicht weist uns gerade unsere neue Bundesgenossenschaff mit den amerikanischen Joint-Kreisen eine bisher ungenutzte Möglichkeit. Wie man weiß, geben diese Kreise viele Millionen Dollars für die an sich m. E. zweifellos unteTstiitzenswerte Krimkolonisation hin, und sie gaben sie bisher beinahe bedingungslos. Versuche einiger zionistischer und nichtzionistischer Schriftsteller, z. B. des Schreibers dieser Zeilen und des verstorbenen Dr. Paul Nathans, als Vorbedingung für weitere Gaben eine unparteiische jüdische Studienkommission

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