Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 38 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38, 17. V. 1820 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 241 Feste und Sorgen Die Touristensaison ~* Veranstaltungen aller Art — Die neue Einwanderung — Ungedeckte Kosten — Klein-Ansiedlung in der Pflanzungs-Zone — Vor neuen Problemen. RW, Jerusalem, 28. April*), Der Spätregen (Malkosch) hat in diesem Jahr mit unge* wohnlicher Heftigkeit eingesetzt, es regnete und hagelte zwei Tage lang. Für die Landwirtschaft ein Segen, vielleicht für manche ihrer Zweige des Outen Sogar zu viel. Das Jahr verspricht gute Ernten, wenn nicht noch zuletzt die Heu* schrecken kommen, gegen die die Regierung einen sehr ener* gischen und bisher erfolgreichen Kampf führt. Es ist also in jeder Beziehung ein gutes Jahr, sowie das vergangene ein schlechtes war. Die vielen Touristen aus aller Welt, nicht zuletzt aus Deutschland, lernen diesmal Palästina von seinen besten Selten kennen, voll von Hoffnungen und guten Aus* sichten. Auch die Natur selbst trägt zur Hebung der Stirn* mung bei; es ist fast fortgesetzt kühl, und der heißen Tage waren in diesem Jahr bisher nur ungewöhnlich wenige. Dieser Peßach ist ein richtiger Frühling, ein Erwachen aller Lebens* kräfte, in dem klassischen Lande der Auferstehung. Der Touristenverkehr ist sehr stark, und dank den Bemühungen des Palestine & Egypt Lloyd (״DEL“), der sich durch seine Präzision und Gewandtheit einen wachsenden internationalen Kundenkreis schuf, sehen jetzt auch die Teilnehmer der großen Mittelmecr-Qesellschaftsreisen wenigstens einen Teil des jüdisehen Palästina, das auf Christen und Juden gleich stark wirkt. Zionistische Touristen kommen aus allen Teilen der Welt, so daß sich hier im Lande jetzt schon in loser Form fortgesetzt eine große Begegnung der einzelnen Splitter der Judenheit voll* zieht; Palästina erweist seine zentripetale Kraft, das jüdische Nationaiheim ist heute schon das stärkste konkrete Bindeglied zwischen den Zerstreuten. Durch die Sitte der Palästinareisen ist ein neues Element des Aufbaus eines neuen und lebendigen jüdischen Gefühls entstanden, das mit der Macht des wirkliehen Erlebnisses weiterwirkt. * Die Veranstaltungen sind so zahlreich, daß es unmöglich ist, auch nur einen Teil davon mitzumachen. Ueberall gibt es Feste, Jubiläen, Versammlungen, Konzerte, feierliche Akte. In dieser Woche in Jerusalem allein drei Einweihungen: Die Grundsteinlegung des Keren Kajemeth-Hauses auf dem Hügel von Rechavia (neben dem Kloster Ratisbonne, am Eingang des Viertels), die provisorische Einweihung der National* Bibliothek und die Eröffnung des Nathan und Lina Strauß- Gesundheitszentrums. Am Sonntag, an weichem den Gästen und Touristen das neue Bibliotheicsgebäude auf dem Scopus gezeigt wurde, fand dann das Konzert MartcäU im; Amphi• theater der Universität statt, mit großer Auffahrt und riesiger Beteiligung, an diesem herrlich gelegenen Punkt mit dem Blick auf das Tote Meer, die Wüste und die Berge Moabs von ganz phantastischer Wirkung. In Tel-Awiw ist die Ausstellung noch immer das Zentrum aller Arten Veranstaltungen. Man rüstet jetzt zur Feier des Söjlhrigem Jubiläums, am 5. Mai iit die Konferenz der Industriellen und die Propiganda-Veranstäl• tu«g für Tozereth Haarez (Inlands-Produkte). Wie kürzlich die Lehrer ihr 25. Jubiläum feierten, so jetzt in Putsch Tlkwa die Arbeiter' ein VierMjaMÄuhifefT seit de!־' j^'eiW )®jäfiPr'tift eine ganze Reihe der heutigen Arbeiterführer ins Land brachte. Die Teilnahme aus dem ganzen Land war sehr groß, auch über die Arbeiterkreise hinaus; über den Verlauf wird berichtet werden, hier ist der Ört für bloße Aufzählung. Auch der Makkabi hat seinen ״Kinuss“ in Tel-Awiw, eine Art Sportlieber und turnerischer Vorführungen. Man hat den Eindruck, in einer richtigen ״Season" drinzustehen. Dazu kommt noch, daß die Anwesenheit der mit der Jewish Agency verbundenen Persönlichkeiten stark auf die Stimmung wirbt. Manchmal scheint es, als ob Touristik und Feierlichkeiten dem Leben hier ihren Charakter geben. Das ist aber nur Fassade, Peßach- Rummel, allerdings in diesem Jahr ein sehr gelungener. * Es Ist eine glückliche Fügung der Situation, wenn die Durchreisenden, die notwendigerweise oft nur oberflächlich Betrachtenden, ohne weiteres günstige Eindrücke mitnehmen können. Es kann nicht stets so sein, das wissen wir am besten. Denn das jüdische Nationalheim ist nicht um der Touristen willen da, es ist keine Ausstellung und kein Museum, es ist ein Stück pulsierenden, schaffenden Lebens und hat seine eigenen Sorgen. Die verantwortlichen Faktoren, denen seine Entwicklung anvertraut ist, haben die wirklichen Problcme im Auge zu behahen. Wie soll die Arbeit Weitergehen? Wir geben uns nicht zufrieden mit dem Erreichten, wir wollen vorwärts; keine Idylle, sondern größere Leistung, die notwendig neue Erschütterungen bringt. Im Zentrum aller Erwägungen steht jetzt die Frage der neuen Einwand e r u n g. Auch in vorsichtig abwägenden Kreisen rechnet man damit, daß im kommenden Halbjahr die Nachfrage nach jüdischen Arbeitskräften das Angebot übersteigen wird. Die Zionistische Exekutive hat über 2000 Zertifikate von der Regierung allgefordert•*). Aus dieser Erneuerung der Einwanderung und den damit verbundenen Problemen entsteht für die Exekutive eine Reihe von neuen Verpflichtungen, die nicht vorgesehen waren. Die Exekutive hat in den letzten zwei Jahren alle Energie darauf verwandt, ihren eigenen Apparat und ihre Finanzwirtschaft In Ordnung zu bringen, und sie hat mit unerbittlicher Strenge jede Uebernahme neuer Verpfliehtungen, deren Deckung nicht gesichert war, abgelehnt. Durch dieses höchst unpopuläre Verhalten hat die Exekutive ihren Kredit wieder hergestellt und die das gesamte zionistische Werk bedrohende Gefahr der administrativen Zerrüttung abgewendet. Im JLschuw hat man für die unverrückbaren Prinzipien einer gesunden Finanzwirtschaft und für das Zwingende eines solchen Vorganges noch wenig Verständnis, weil man noch mehr in den Kategorien der Philanthropie als in denen einer Öffentlichen Wirtschaft denkt. Die Exekutive hatte also einen schweren Stand, zumal sie keine Persönlichkeit besitzt, die durch ihre enge Fühlung mit dem Jischuw zu ihrem Interpreten geeignet wäre. Und doch Ist nur durch diesen Prozeß der unbedingten Finanz-Sanierung auch die Vorbedingung für die jetzt durchzuführende größere Alljah geschaffen worden. Denn so sehr sich die wirtschaftliche Entwicklung in Palästina jetzt von dem unmittelbaren Einfluß der Zionistischen Exekutive loszumachen strebt, soviel auch voti Privatpersonen •) Wegen Raummangels verspätet. **) Inzwischen bewilligt, s, 1. Seite der heutigen Nummer, BODENBESITZ 5698: 210.000 DUNAU. DURCH DEN ERWERB DER HAIFA'BAY 3««9: 250.000 D U N A M. WIR WOLLEN HEHR LAND! GROSSE ftODENKÄUFE STEHEN BEVOR» HELP T MIT ZUN DRITTEN HUNDERTTAUSEND! und privaten Gesellschaften gearbeitet wird, die Organisierung und Weiterführung der Alijah und speziell der Arbeiter- Einwanderung liegt in der Hand der Exekutive und ist abhängig von deren Aktionsfähigkeit, Die Exekutive übernimmt für die Arbeiter-Einwanderung nicht nur moralische, sondern materielle Verantwortlichkeit, und diese hat nur dann einen Sinn, wenn die Exekutive als materiell verläßlich erscheint. Heute kann sie wieder an diese Aufgabe herangehen. Trotzdem aber gibt es noch Schwierigkeiten. Für die Organisierung einer Alijah von 2000 Menschen sind erhebliche Mittel erforderlich, die bisher nicht vorhanden sind. Die Exekutive hat alle Mittel festgelegt; sie kann nicht mit Geldern, die den Lehrern und Beamten gehören, andere Aktionen finan* zieren. Es gilt nun, dieser Kalamität Herr zu werden; gewiß denkt auch der zurückhaltendste Mann In der Exekutive nicht daran, eine Alijah, die wirtschaftlich möglich ist, zu verneinen. Aber es wäre auch falsch,!unbedenklich den bequemsten sich bietenden Ausweg zu benützen und wieder in die alte Methode des Schuldenmachens zu verfallen. Die erforderlichen Mittel müssen also in außerordentlichem Wege beschafft werden, ohne daß das normale Budget leidet. Dieser Moment der Erneuerung der Alijah, die das überzeugendste Zeichen der Üeberwindung der Krise ist, wurde von der ganzen Bewegung ersehnt, fast verzweifelte man Schon an seinem Kommen; nun er da ist, nun der ganze Palästina-Aufbau einen neuen Ruck bekommt, sich größere Perspektiven eröffnen und auch der Ungläubige, der Skeptiker, durch die Macht׳ der Tatsachen überzeugt wird, kann die Bewegung nicht gleichgültig bleiben. Ein wichtiger Schritt vorwärts steht bevor, aber er kann nur mit Anteilnahme der mit dem Werk verbundenen weiteren Kreise der Judenheit getan werden. In welcher Weise. die Exekutive dies durchzufühM*—gedenk*, -ist*• «oeJs~mcbt-.be־ kannt. Aber es ist notwendig, die Bedeutung dieser Frage schon heute zu erkennen. Die neue Einwanderung soll in erster Reihe den natürlichen Arbeitsbedarf der inzwischen gewachsenen ünd erstarkten Wirtschaft decken; jede Vergrößerung der Betriebe, jede Ent* stehung neuer Betriebe erzeugt Bedarf an Arbeitskräften, und die Reserven des Inlands bzW. der letzten Einwanderung sind aufgezehrt, mit Ausnahme von Elementen, die den für sie passenden Platz nicht finden können, oder aber untauglichen. Die Expansion auf dem Gebiet der Pflanzungen scheint ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben. Alle statistischen Angaben sind Schnell überholt. In der letzten Zeit sprach man allgemein von 70000 Dunam Pflanzungen, wovon die Hälfte jüdisch ist; nun wird versichert, daß die heutige Ziffer bereits an 00000 heranreicht, davon 45 000 in jüdischem Besitz. Auch Viteles, dtr Verfasser der vorzüglichen, von uns bereits besproehenen Monographie über die Orangenkultur ln Palästina, der noch in seiner Broschüre 70000 Dunam berechnet, glaubt jetzt bereits 90000 erreicht, ln der Umgebung von NesS Zionah und Rehoboth hat sich das Land verblüffend verändert. Rehoboth ist ein großes Zentrum geworden, nicht nur ausgezeichnet durch Landschaft und Klima, sondern in blühender wirtschaftlicher Entwicklung; sein Areal ist um 8000 Dunam gewachsen, die neuen Örangengärten erstrecken sich weit nach Süden, gegen die südlichen Kolonien Oederah und Ekron hin, die durch dieses Beispiel vielleicht endlich auch aus ihrer Lethargie und ihrer kümmerlichen Existenz erweckt werden werden. Der Vater dieser aufsteigenden Entwicklung, die stärkste Energie des Ortes, ist der bekannte Kolonist und Schriftsteller Mosche Smilanski, ein Mann, dessen Name in der ganzen Umgegend populär ist und respektiert wird. In Rehoboth hat auch ein Teil der jüngsten Einwanderer Aufnähme gefunden, darunter beinahe die ganze neue Alijah aus Deutschland. Diese Einwanderer finden Arbeit in der Kolonie, der Arbeitslohn beträgt 171,4 Piaster pro achtstündigem Arbeitstag (3,50 M.), und zugleich beginnen sie .sich selbst einzurichten 1md ihre Zukunft vorzubereiten. Der 03danke der Arbeitersiedlung am Rande von Kolonien gewinnt immer mehr an Durchschlagskraft. Er wird besonders cnergisch vertreten von dem neuen Kolonistenorgan ״Bustenai“, dessen Herausgeber Mosche Smilanski selbst ist; dabei wird unterschieden zwischen ״Kleinanaiedlung“ und ״Hilfswirtschaft“ (Mesehek Eser), weiche den jüdischen Arbeiter in dieselbe Position versetzt wie den konkurrierenden Fellachen, dessen Familie seine kleine Wirtschaft bearbeitet, während er selbst auf Arbeit geht. Die Arbeiter Selbst begrüßen vielfach diesen Gedanken als eine Möglichkeit, schneller und ohne unbedingte Abhängigkeit vom Budget zu definitiver Ansiedlung zu gelangen. Ein Beispiel eines solchen Versuches ist die Die dritte Büchsenleening 111111<11il11l>1«1>111111111l1l111t111n1n11n11111l1l11111111i1tnl11i1n1n1111111n111tnn1in1mi1 mttfi Im Ma1 überall durrhgeführi und dm Ergebnis wxft Im Met überwiesen werden! Kwuzah ״Schiller“ (benannt nach dem gaüzischen zionistischen Schriftsteller Salomon Schiller) bei Rehoboth, die aus eigenst« Kraft eine eigene kleine Wirtschaft begründet hat — auf einem bis dahin völlig brachen Boden, der bei Beginn der Arbeit vor 11/u Jahren ganz entlegen war, heute aber mit der Kolonie bereits durch eine Reihe von neuen Pflanzungen verbunden ist. Etwa 40 Menschen, darunter seit kurzem fast die Hälfte aus Deutschland, bearbeiten 400 Dunam Nationalfonds-Boden, beginnen eigene Pflanzungen anzulegen, bewässerte Kulturen, Hühnerzucht usw. Da der bare Verdienst durch die Arbeit in der Kolonie den Lebensunterhalt deckt, vermag diese Gruppe sich hinaufzuarbeiten, ohne ständig auf die Hilfe des Keren Hajessocl-Budgets angewiesen zu sein. Natürlich wird ihr zu definitiver Ansiedlung trotzdem durch Kredite aus öffentlichen Mitteln geholfen werden müssen, aber der Versuch dieser Kwuzah zur Selbsthilfe ist ernster Beachtung werd und kann in Zukunft die Durchführung oder doch Vorbereitung der Ansiedlung neuer Gruppen sehr erleichtern, Dies ist besonders wichtig an der Schwelle einer neuen Alijah, die ohnedies weitgehend verbunden ist mit den Arbeitsmöglichkelten der neuen Pflanzungen. Dies ist nur ein Beispiel, das vermehrt werden könnte. Es soll zeigen, wie von allen Seiten das Problem angepackt wird, wie wir auch heute noch ständig lernen und eine Vielheit der Typen der Ansiedlung erprobt wird, wobei natürlich von der Tüchtigkeit der Siedler viel abhängt. Daß aber die Siedler aller Kategorien heut« genau wissen, sie bauen ihre eigene Zukunft und Existenz, ist ein psychologischer und ökonomischer Faktor von größter Bedeutung. * Das Vorwärtsschreiten und die Ausbreitung der jüdischen Siedlung ist eine sehr ernste Sache, bei der menschliche Exl* stenzfin und nationale Hoffnungen auf dem Spiel stehen. Es kann nicht immer Festesfreude herrschen, es können Rückschlage kommen und wollen ertragen sein. Die heutige Blüte beruht noch nicht auf festgegründeten Tatsachen, •ondern auf Hoffnungen. Das private Kapital, das jetzt So großzügig arbeitet, ist nicht im Lande entstanden, sondern kommt von außen; wir sind in einer Periode starker Investitionen, besonders fm Orangenbau. Ob dabei alle Berechnungen ln jedem Einzelfalle sich als richtig erweisen werden, steht noch dahin. Erst sechs Jahre nach Anlage einer neuen Pflanzung beginnt sie Frucht zu tragen, Rente abzuwerfen. Eine Fülle von Problemen wirtschaftlicher, finanzpolitischer und technischer Natur werden sich wohl im Laufe der nächsten Jahre noch ergeben, in Verbindung mit diesen begonnenen Pflanzungen. Die Leitung des Kolonisationswerkes muß dafür gerüstet sein, ebenso wie sie sich nicht einseitig festlegen und der allgemeinen Psychose erliegen darf. Das neu hereingeströmte Kapital hat es ermöglicht, die ohne Kapital zugeströmten Ein- Wanderer der letzten Jahre unterzubringen. Nun stehen wir vor einem neuen Anheben des Prozesses, der in stetigem Hin und Wider seinen allmählichen Ausgleich findet. Die neue Alijah soll beginnen. Die Zionistische Organisation bzw. die Jewish Agency als der Regulator des palästinensischen Fort« Schrittes wird auf den bevorstehenden Kongressen und Tagungen ihre Politik für die nächsten Jahre festzmetien haben. Brief au» Jugoslawien (Von unserem C. R.* Berichterstatter.) Zagreb, Mitte Mai 1929. Das Regime vom 6. Januar, das trotz der Flut von Cie» setzen und ‘Verordnungen in Wirklichkeit bisher keine einschneidende Veränderung weder zum Guten noch zum Bösen brachte, hat auch an der Lage des Judentums In Jugoslawien prinzipiell nichts geändert. Für die Zukunft jedoch sind vielleicht einige bedeutende Schritte zu erwarten, von denen auch das Judentum stark betroffen werden dürfte. So z, B. wird die Schulfrage neu geregelt, wobei alle Privatschulen, unter ihnen auch unsere Konfessionsschulen geschlossen werden sollen. Diese Schulen, die in vielen Gemeinden bestehen, bilden unter der fast ausnahmslos zionistischen Leitung ein wichtiges 8011werk gegen die Assimilation. Selbstverständlich ist es, daß diese Maßnahme nicht auf antisemitische Motive zurückzuführen ist. Sie folgt aus der allgemeinen Regierungspolitik, die eine je schnellere Vereinheitlichung der jugoslawischen Staatsnation anstrebt. Ebenso selbstverständlich ist es, daß Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen, um diesen Schlag gegen unser bescheidenes, aber lebenswichtiges Schulwerk abzuwehren. Hoffentlich wird der Gemeindebund, der unter zionistischer Leitung steht, seiner Pflicht genügen können. Das Regime und auch die jugoslawische Gesellschaft blieben in der Haltung den Juden gegenüber Ihrer Vergangenheit treu. Von Zeit zu Zeit tauchen antisemitische Gerüchte auf; manchmal verdichten sieh antisemitische Motive zu einer Tat von größerer Bedeutung, wie zum Beispiel dem seinerzeit erlassenen, bisher trotz vieler Proteste nicht widerrufenen Verbot des Eintritts von Juden in das Offizierskorps der Aviatik sowie der Heirat von Offizieren der Aviatik mit Jüdinnen. Doch darf die beständige und meistens aufrichtige Sympathie mit den jüdischen, insbesondere zionistischen Bestrebungen nicht verkannt werden, die sich in Erklärungen führender Männer Und in der Haltung der Presse ausdrückt. In letzter Zeit sind wir sogar Zeugen merkwürdiger Sympathiekundgebungen gewesen. In den Spalten der angesehenen Zagreber Tageszeitung ״Obzor“ veröffentlichte der maßgehend« Kunstkritiker Ljubo Bähte ein Lob atif Rembrandt, das in der Feststellung gipfelt, Rembrandt verdanke sein großes Schaffen nur dem Genie seiner — jüdischen Rasse! Zu derseihen Zeit hielt im Rahmen der Volkshochschule der Professor an der medizinischen Fakultät in Zagreb, H. Boris Zarnik, einen Vortrag ״Biologische Betrachtung der Judenfrage“, in dem er ausführte, nach den Blutgruppen herrsche zwischen aschkenasischen Juden und Kroaten eine merkwürdige Ueber- Einstimmung, die eine Rassenmischung durch Mischehen ratsam erscheinen lasse, um das kroatische Volk mit den wertvollen jüdischen Elementen zu bereichern. Während sich also das Regime vom fi. Januar in jüdischen Fragen bisher vollkommen neutral verhielt, hat es anfänglich für den Zionismus durch Verbot aller nationalen und religiösen Vereinigungen eine unklare Situation geschaffen. Mißverständlich wurden zionistische Vereine und Ortsgruppen in mehreren Städten der verschiedenen Gebiete aufgelöst, während mancherorts die Vereine von selbst ihre Arbeit einstellten. Allmählich wurde die offizielle Anerkennung der Zionistischen Organisation erwirkt Dies äußerte sich in der Bestätigung aller zionistischen Institutionen, deren Sitz bekanntlich nicht in der Hauptstadt Beograd, sondern in Zagreb liegt. Auch wurde die in Beograd am 41. März und 1. April abgehaltene Jahres- Konferenz von einem aktiven Minister begrüßt, was als neuer Beweis der positiven Haltung der Regierung gelten dürfte. Als sich also herausstellte, daß die Zionistische Organisation ungefährdet existiert und arbeitet und sogar ihre Konferenz