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Jüdische Rundschau · 1929-05-17 · Heft 38 (17.5.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 38 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 238 JUED1SCH E RUNDSCHAU Nr. 38, 17, V. 1929 eben Sinn kann es also haben, dieser Organisation die Lebensmöglichkelt abzusprechen, wenn der Council der Agency geschaffen ist? Wer wirklich dieser Ansicht ist, müßte die Konsequenr ziehen, die ein großer Teil der Revisionisten unter Führung von Jabotinsky ziehen wollte, und aus der sinnlos gewordenen Zionistischen Organisation austreten. Diese Konsequenz wird jedoch niemand ziehen. Alle Zionisten werden weiter Mitglieder der Zionistischen Organisation bleiben. Auch diejenigen, die behaupten, daß ihr jede Eigenkraft und jedes Eigenleben in Zukunft fehlen muß. Wie ist es in Wahrheit um die Organisation bestellt? Die Zionistische Organisation hat im Laufe der letzten zehn Jahre das Bewußtsein ihrer Einheit tatsächlich verloren gehabt. Partelenbildung, politische Differenzierung, war die Parole. In der Propaganda versuchte man mit Hilfe der Sonderanschauungen Erfolge zu erzielen. Sozialistische Gruppen sagten antizionistischen Sozialisten, auch wir sind Sozialisten, wir sind ebenso gute Sozialisten wie ihr, ihr findet in Palästina die schönste Verwirklichung sozialistischer Lebensideale. Niemand braucht sich bei dieser Methode über die Enttäuschungen der so Gewonnenen zu wundern. —- Hier in Deutschland sind etwa Toller und Holitscher charakteristische Erscheinungen für so gewonnene Freunde. — Man hätte sagen müssen: wir zionistischen Sozialisten zeigen euch den Weg zum jüdischen Volk, mit dem ihr auf Gedeih und Verderb ver* bunden seid. Innerhalb dieses Volkes kämpfen wir einen schwereu, von manchen Erfolgen und vielen Mißerfolgen begleiteten Kampf. Wir brauchen Kampfgenossen, die erkannt haben, daß der jüdische Sozialist seine Arbeit für die Umgestaltung des Lebens nur innerhalb der existenten jüdischen Volksgesamtheit in Palästina durchführen kann. — So sprachen einmal die doch gewiß sozialistischen Arbeiter der zweiten Alijah, solche Zionisten sind heute noch die bekanntesten Führer der palästinensischen Arbeiterschaft. Im Galuth ist diese Gesinnung in Vergessenheit geraten. Der Mlsrachi braucht tn diesem Zusammenhang nicht aus* führlich behandelt zu werden, well er im Grunde eine zionistische Paralielorganisation darstellt. Er sieht aus wie das deutsche Zentrum, hat sogenannte linke und sogenannte rechte Elemente in seinen Reihen und ist übrigens auch weltanschau- /ich nicht weniger differenziert als die übrige zionistische Welt- Der Begriff religiös ist vieldeutig, leh sehe in den Reihen de» Misrachi neben dem konfliktlosen Orthodoxen den frommen Antiorthodoxen und zwischen beiden unüberbrückbare weitanschauliche Gegensätze. Aber auch der Misrachi wird eint antizionistische traditionelle Judenheit nicht dadurch über* zeugen, daß er ihr klar macht, welche Rolle Palästina in der jüdischen Vergangenheit gespielt hat und wie Erez-Israel untrennbar mit jüdischer Religiosität verbunden ist. Er muß diese Welt davon überzeugen, daß jetzt der Augenblick gekommen ist, Erez-Israel gemeinsam mit dem ganzen jüdischen Volk aufzubauen. Auch seine wirkenden Argumente sind die national-politischen Grundlagen des ״allgemeinen Zionismus“. Der Differenzierungsprozeß der Zionistischen Organisation war kein Zeichen der Stärke. Er entstand, weil unser Werk lange dauert und well es für Zionisten im Galuth noch schwerer ist tls für Jude» in PaUitin», den Oedanken der nationalen Oe- Samtverantwortung ln fein«» zionistischen Leben zubewihren. > Man sehe sich die Ergebnisse dieser sogenannten Differenzierung ln den meisten europäischen Lindem außerhalb Deutschlande an. Seit Jahren beschäftigen sich zionistische Gruppen kaum noch mit der Eroberung der Judenheit für den Zionismus, sondern fast ausschließlich mit dem Kampf gegeneinander. Man grenzt sich ab so gut es geht und Jede zionistische Öesinmiflgsnüance versucht, sich auch organisatorisch darzubieten. Gerade in den Ländern jüdischer Massensiedlung mit den stärksten zionistischen Voraussetzungen hat man alles getan, um sich gegenseifig zu diskreditieren. Und unmerklich ist die einheitliche nationale Basis, von der allein "Sus zionistische Wirkungen zu erzielen sind, schwach geworden. Von der Erörterung der Frage, ob die gegenwärtige Leitung gut oder schlecht Ist, kann keine zionistische Wirkung auf die Judenheit ausgehen. Die Zugehörigkeit zu einer Volksgemeinschaft ist nirgnds abhängig von der Güte der zufällig herrschenden Gruppe. £» ist unwahr, daß die innere Stärke der zionistischen Idee durch die Jewish Agency-Poiltik berührt worden ist. Niemand ist oder wird Zionist um einet Exekutive willen oder einer polifischen Opposition zuliebe. Man ist Zionist aus Notwendigkeif und der Zionismus überkommt de« jüdischen Menschen wie ein Elementarereignis, wenn es sich nämlich um echten Zionismus handelt. Und dieser echte Zionismus kann mir solange leben, wie er weiter zu wirken vermag. Da man den erreichbaren Kreis gewonnen hatte und da der neue Gegner fehlte, blieb nichts anderes übrig als sich aneinander zu reiben und die Schuld für alle unschönen und peinlichen Erscheinun* gen dem angeblich falschen politischen Kalkül einer fernen Leitung zuzuschieben. Es kommt somit darauf an, der zionistischen Weit eine neue Wirkungsmöglichkeit auf die Judenheit zu eröffnen. Das ist der eigentliche Sinn der Erweiterung der JewLsh Agency. Nur Zionisten, die sich noch niemals mit dem Keren Hajessöd beschäftigt haben, können fragen, ob dann die neuen Partner auch die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen werden. Es gibt ehrliche Versprechungen, es wird ernste Verpflichtungen geben. Aber ich möchte auch diese Verpflichtungen nicht höher einschätzen als materielle Verpflichtungen, die bisher von Zionisten übernommen worden sind. Die Schulden an Palästina sind leider immer Holschulden. Die Mitglieder des jüdischen Volkes müssen in ihren Wohnungen besucht werden, wenn man von ihnen Geld haben will. Wir hatten die Kraft, von den uns bisher erreichbaren Juden Geld abruholen, und wir werden die erhöhte Kraft haben müssen, getragen von unserem reinen und unverfälschten Zionismus, neue Menschen zur Hergabe großer Mittel zu veranlassen. Es wird keine Entlastung der zionistischen Geber ein treten. Diejenigen Zionisten irren sich, die glauben, daß ihre Leistungen für den Keren Hajessöd nach der Erweiterung der Jewish Agency sinken dürfen, und daß andere an ihrer Stelle zahlen werden. Aber neue große Zahler kommen hinzu, und wir werden mit vereinten Kräften das bestehende Werk konsolidieren und die notwendige neue Großkolonisation in die Wege leiten. Versagen wir, dann werden auch die anderen nichts zu leisten vermögen; gewinnen wir neue Kraft zur Arbeit, dann Werden wir noch in unseren Tagen die Verwirklichung des Baseler Programms erleben. Erneuerung der Zionistischen Organisation! Diese Parole ist untrennbar verbunden mit der Erweiterung der Jewish Agency, wenn diese Erweiterung wirklich erhöhte Palästinaarbett bedeuten soll. Wir haben nur die Wahl, bei einem fort* schreitenden inneren Zersetzungsprozeß auch die sich uns eröffnenden neuen Quellen ungenützt verströmen zu lassen oder in machtvoller Entwicklung des zionistischen Oesaratkörpers zugleich auch in der neuen Repräsentanz den außerhalb unserer Reihen stehenden Freunden eine sinnvolle Tätigkeit zu er* schließen. In diesem ,Augenblick dürfte kein Zionist sich geschlagen geben angesichts der Schwierigkeiten, die in den geplanten organisatorischen Maßnahmen stecken. Kein Zweifel, diese erweiterte fewlsh Agency birgt zahlreiche Gefahren in sich, Gefahren, die naturgemäß mit einem so ungewohnten Schritt verbunden sein müssen. Es Ist kein Kunststück, die möglichen und wahrscheinlichen Schwierigkeiten auszumalen; es kommt nur darauf an, was man sich selbst in der Arbeit zutraut und ob man an die Echtheit des jüdischen nationalen Lebens in Erez-Israel glaubt. Wer es für möglich hält, daß Galuthorganisationen die Kraft haben, ein antinationales Dasein in Erez-israel zu erzeugen, wer glaubt, daß nur eine richtige Fe rnleitung das jüdische Volk in Palästina zu seinem eigenen Leben führen wird, der muß nicht nur die neue Agency ablehnen, der verlegt auch den Schwerpunkt des nationalen Seins in die Zionistische Organisation und nicht nach Palästina, Er verwechselt Mittet und Ziele, Tendenz und Leben, Nationalismus und Nation. Die Zionistische Organisation wir einmal identisch mit dem, was man heute allgemeiner Zionismus nennt. Dieser all* gemeine Zionismus trug sie, repräsentierte sic und wirkte auf die jüdische Welt. Die letzten zehn Jahre waren ihm ungünstig. Und dennoch: Nach heute erfüllt er die wichtigsten Funktionen ira Oaluth, noch heute Ist eine Fortsetzung der zionistischen Arbeit ohne diesen allgemeinen Zionismus undenkbar. Er wurde nicht nur durch Gruppen rerrieben und geschwächt, seine alternden Mitglieder, denen es schwer wurde, dauernd als Zionisten im eigentlichen Sinne zu leben, setzten zinnistisehe Oaluthaufgaben praktisch an die erste Stelle. Politische Arbeit in Ländern und Gemeinden, deren Uebernahme gewiß auch zionistische Pflicht ist, wurde ausgespielt gegen einen sogenannten Pallstinazionismus, der in Wahrheit doch das ist, was allein den Namen Zionismus verdient. Man ging den Weg des geringsten Widerstandes, wandte die Hauptsorge den Nöten des Augenblick« in der umgebenden jüdischen Welt zu und benutzte Etez-Israel mehr und mehr nur als Argument für Tätigkeiten, die doch nach zionistischer Auffassung sinnlos werden, wenn unser zionistisches Ziel in Palästina nicht erreicht wird. Man kann verstehen, daß dieser ״allgemeine Zionismus“ sich keine zionistische Jugend schaffen kann. Er kann sich bestenfalls auf Wahlhelfer aus peripheren Gruppen stützen. Aber es gibt auch heute tausende von Zionisten, die wirklich allgemeine Zionisten sind und nur allgemeine Zionisten sein können, und zahlreiche, die in Gruppen und Fraktionen organisiert sind, sind im eigentlichen Sinne allgemeine Zionisten. Wir bedürfen heute einer Konzentration der Kräfte. Niemandem kann daran gelegen sein, daß der allgemeine Zionismus verschwindet. Ein aktionsfähiger Gesamtzionismus ist ohne ihn undenkbar, und auch alle Gruppen müssen wünschen, daß er das große Reservoir ist, das neue Zionisten aufnimmt, und aus dem auch für die zionistischen Sondergruppen durch ständigen Zufluß neuer Menschen eine Erneuerung möglich ist. Der Augenblick der Erweiterung der Jewish Agency ver* langt heute eine Zionistische Organisation, die fähig ist zu einheitlicher nationaler ^erteff'׳ etp Verlebendigung und Verstfrlung d*i Kein*» *aih deti'*lch\'41te ׳Olttp^leruB* gen scharen können. Der Sogenannte Differenzierungsprozeß Im Galuth hat nirgends zu befriedigenden Ergebnissen geführt. Ueberall erhofft man neues Kraftgefühl und neue zionistische Sicherheit von einer Konzentration der zionistischen Kräfte. Es ist gelungen, den Teil der allgemeinen Zionisten, der auch «ach dem Kongreß als linkes Zentrum weiter bestand, davon zu überzeugen, daß man im gegenwärtigen Augenblick gemeinsam an der Verbesserung und Vereinheitlichung der Zio* nistischen Organisation mitzuarbeiten habe. Die Erforderlichkeit eines starken Zionismus, der in seiner Basis ״stam" zionistisch ist, soll heute allen klar werden, denen an der Zukunft der Zionistischen Organisation, was auch immer geschehen mag, gelegen ist. Unser Tun in den nächsten Monaten verdient in der Tat das Adjektiv ״entscheidend“. Auf dem vorigen Kongreß mußten wir alle Anstrengungen machen, um durch Konsolidierung des Bestehenden eine Voraussetzung für neue Expansion zu schaf* fen. Wir habet» das damals erstrebte Ziel nicht erreicht, und es ist ein schwerer Nachteil für uns, daß wir mit vielen un* fertigen Siedlungen und auch sonst mit großen Belastungen ein neues Bündnis eingehen. Dennoch müssen wir heute ange* sicht* einer völlig neuen Situation in unserem Programm den Erwartungen Rechnung tragen, die wir mit der Erweiterung der Jewish Agency verbinden: Die Kooperation mit neuen Kreisen verlangt eine starke Zionistische Exekutive, die bei der überwältigenden Mehr* heit der Zionistischen Organisation volle Autorität genießt und hinter die nach Ihrer Wahl sich alle Zionisten zu stellen haben. Alle Kräfte der Organisation müssen im gegen war* tigen Augenblick in ihr vertreten sein, die bereit sind, eine Oesamtverantwortung für die ganze zionistische Bewegung zu übernehmen und unbedingt für die Aufrechterhaltung der Einheit der Zionistischen Organisation einzutreten. (Man muß hoffen, daß auch diejenigen Führer des Misrachi, die auf der letzten Berliner A. C.-Sitzung erklärten, daß nach Bildung des Councils der Jewish Agency für sie eine neue organisatorische Situation geschaffen sei, die sie völlig unabhängig mache von der Zionistischen Organisation, ihre Meinung revidieren oder durch andere Repräsentanten des Misrachi ersetzt werden. Die erhoffte taktisch günstigere Situation gegenüber der Agudah wird auch dadurch nicht erreicht Werden. Und was die Linke betrifft, so wird ihre klare Verbundenheit mit der Zionistischen Organisation voraussichtlich im Cöuneil der Jewish Agency noch deutlicher in die Erscheinung treten als auf dem Zionistenkongreß.) Die politische Arbeit der Zionistischen Organisation hat bei klarer Anerkennung der großtn Bedeutung eines guten Einvernehmens mit der Maodatarmacht darauf gerichtet zu niiiHiiilBiiniipiitiiinmnitttiiniiBiiiiiiiiijiinmiiiiHiimiimiiiimiiiiiiHHiiHmiimiiimimiiiiniiiminiiiiii Dl« nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ wird des Feiertages wegen am 24. Mai als Deppelsttmaaer erscheinen. IMHiHMiMHNIWttlMliilMn sein, die im Mandat enthaltenen Bestimmungen zugunsten der jüdischen Heimstätte in ihrer vollen Bedeutung zu realisieren. Ungeachtet aller Differenzen innerhalb der zionistl* sehen Welt muß in Fragen der äußeren Politik eine einheitliehe Haltuiyf erstrebt werden. Jedem Versuch zionistischer Gruppen, auswärtige Politik auf eigene Faust zu betreiben, ist aufs schärfste entgegenzutreten. Wichtigste Aufgabe ist die Durchführung der Erweiterung der Jewish Agency In Form der von uns stets ver* tretenen echten Bßndnlspoiltik: Arbeitsgemeinschaft ohne Gesinnungskompromiß. Stärkung der nationalen Zuversicht und de* gemeinsamen Verantwortungsgefühls in der Zioni* sflscheti Ötganisation als Grundlage der gemeinsamen Arbeit mit allen Tellen der Judenheit. Es kann keinesfalls darauf verzichtet werden, daß in der Konstitution der Agency alle für uns erheblichen Bestimmungen des Mandats ausdrücklieh anerkannt werden. Die Forderungen, daß der Präsident der Zionistischen Organisation als solcher zugleich auch Präsident der Jewish Agency Ist, daß die Grundsätze der nationalen Bodenpolitik, des Selbstbestimmungsrechts der Siedler, der jüdischen Arbeit, der Vergrößerung der Immigration, der hebräischen Sprache und Kultur anerkannt werden, sind unabänderliche Voraussetzungen für das abzuschließende Bündnis. *— Die Behauptung, daß es uns nicht gelingen wird, diese und eine Reihe anderer vom A, C. beschlossener Forderungen bei Gründung der Jewish Agency durchzuletzen, entsprechen nicht den Tatsachen. Die Kolonisationspoiitik in Erez-israel soll auf eine schnelle Expansion unseres Siedlungswerkes gerichtet sein. Eine regelmäßige und zahlenmäßig möglichst umfangreiche Einwanderung soll durch neue wirtschaftliche Voraussetzuugen garantiert werden. Die Mittel werden durch die an die Erweiterung der Jewish Agency anschließende Tätigkeit erwartet. Sinn der Jewish Agency ist eine neue Periode nationaler Großkolonisation in Palästina. Die Kolonisationsarbeit ist in vernünftiger Weise den zur Verfügung stehenden Mitteln anzupassen. Aber bei allen Berechnungen sind nationale Notwendigkeiten, die menschliehen Qualitäten der Siedler und die Idealistische Grundlage der zionistischen Bewegung als entscheidende Faktoren zu berücksichtigen. Die Konsolidierung der bestehenden Siediungen bleibt die notwendige Voraussetzung für eine auf größere Ziele gerichtete Kolonisationsarbeit. Von fundamentaler Bedeutung ist und bleibt die Arbeiterschaff in Palästina. Di« Kolönisationsinstanzen müssen daher mit den Organen der Arbeiterschaft ebenso wie mit den Organen aller produktiven Kräfte des JischuW zusammenwirken. Die Bestrebungen der Arbeiterschaft, gerechte Arbeitsbedingungen für den jüdischen Arbeiter zu schaffen, sollen als wichtigste Voraussetzungen für das Gelingen der jüdischen Siedlung in Palästina unterstützt werden. Auf die Forderung jüdischer Arbeit darf niemals verzichtet werden. Als wirksamstes Mittel zur Durchführung dieser Forderungen sind Arbeitersiedlungen (Schechunoth Owdim) In möglichst großer Zahl zu errichten. Für das gesamte Slediuugswfirk gelten die Grundsätze des Selbstbestimmungsrechts der Siedler in Verbindung mit dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit. Der . Boden des Laudes soll tu großem. Miße in Gemeineigentum des jüdischen Volkes übergeführt werden. Es ist Aufgabe der Zionistischen Organisation, unäblässig dahin zu wirken, daß Zionisten mit ihren eigenen Mitteln in Palästina wirtschaftlich tätig sind und die jfidische Welt ständig anzuregen, sich wirtschaftliche Interessen in Palästina zü schaffen. Alle Bestrebungen, die dem Begriff der Jüdischen nationalen Heimstätte die quantitative Bedeutung nehmen wollen, sind abzulehnen. Die Lösung der Judenfrage kann nicht durch eine Zusammenfassung mehr oder weniger zahlreicher kultureller Institutionen erfolgen. Nur ein allseitig entwickeltes Leben eines auch zahlenmäßig erheblichen Teiles des jüdischen Volkes in geschlossener Siedlung im eigenen Lande kann in Wahrheit zu einem echten geistigen Zentrum für die jüdische Welt werden. Erst politische und Wirtschaftliche Kräfte von fühlbarer Bedeutung bilden eine natürliehe Basis für die Entwicklung der nationalen Kultur. Die Wirkungen zionistischer Politik sind entscheidend abhängig von dem Umfang der jüdischen Siedlung. Je mehr wir wachsen, um so mehr wächst auch die Aussicht, mit der arabischen Welt zu der ernsthaften, freundschaf fliehen und dauernden Verständigung zu gelangen, die wir als hohes menschliches und politisches Ziel erstreben; um so eher wird es uns auch gelingen, die große politische Welt, die Organe des Völkerbundes von der weltpolitischen Bedeutung unserer Arbeiten und Ziele zu überzeugen.-- * Mit solchen Forderungen soll heute der allgemeine Zionismus auftreten Und alle Gruppen davon überzeugen, daß die Existenz und das Leben der Zionistischen Organisation untrennbar mit der Entwicklung Von Erez-israel verbunden ist. Wenn im Zusammenhang mit der Jewish Agency-Politik das jüdische Palästina wächst, dann wird die Zionistische Organisation angesichts der neuen Möglichkeiten verjüngt und gekräftigt an ihr Werk gehen. Eine schwere, gefahrvolle, aber zukunftsreiche Periode liegt vor Uns. Wif können uns aber heute wieder vorstellen, wie wir die zionistische Aufgabe, die uns auferlegt ist, zu meistern vermögen. Der deutsche Zionismus hat seit dem Kriege in seiner großen Mehrheit die Parole der echten kompromißlosen Kooperatiorl für den Palästinaaufbau sich zu eigen gemacht. Der deutsche Zionismus wird in Zukunft eine wichtige Aufgabe zu erfüllen haben. Wir haben in den Jahren, in denen wir den Keren Hajessöd entwickelten, den Beweis erbracht, daß wir In wahrer Freiheit mit allen Juden zu arbeiten verstehen. Wir haben niemals auf den Kampf um den nationalen Zionismus mit der jüdischen Weit verzichtet, auch wenn wir gleichzeitig vertrauensvoll gemeinsam mit ihr für Palästina arbeiteten. Wir werdet! dieses Verhalten in der Jewish Agency ln erhöhtem Maße und mit gleicher Wirkung durchzuführen haben. Wir wissen, daß Zionist-Sein ein spezifischer Wert ist und daß wir uns als Zionisten in deT Welt zu behaupten haben. Es ist von höchster Bedeutung, daß die deutsche Landsmannschaft der allgemeinen Zionisten stark und geschlossen auftritt, um in dem Augenblick, in dem wir an die Erweiterung der Jewish Agency gehen, dafür zu sorgen, daß die Zionistische Organisation die Kraft und den Mut hat, die zionistische Zukunft herheizttführen. 104

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