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Jüdische Rundschau · 1929-05-14 · Heft 37 (14.5.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 37 (14.5.1929)
Date
1929-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 37. 14. V. 1929 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 235 Eine Gedächtnisfeier für Gregor Itelson Vor dr«i Jahren starb in Berlin der Philosoph Gregor Itslson an den Folgen eines Unberfalli eines Hakenkreuzlen, der ihn während eines Spaiierganges als Juden schwer beschimpfte und ihm mit einem Knüttel schwere Verletzungen am Kopfe boibrachte. Der rohe Ueberfall hat den Gelehrten nicht nur physisch gebrochen, sondern ihn Buch seelisch tief niedergedrückt, ln diesen Tagen hat »ich eine Gruppe persönlicher Freunde des Verstorbenen zusammengetan, um die Erinnerung an Itelson wach zu halten. Am dritten Todestage Itelsons, dem 9. Mai, fand im Gutmann-Saale eine Itelson-Gedächtnisfeier statt, die von zahlreichen prominenten deutachjüdischer! und russisch-jüdischen Gelehrten und Persönlichkeiten des Verbandes russischer Juden in Berlin sehr stark besucht war. Staatsrat Jakob Teitel brachte als Vorsitzender di® große menschliche Persönlichkeit Itelsons in Erinnerung. Professor Dr. Franz Oppenh e i m e r gab der Klage der Gelehrtenwelt darüber Ausdruck, daß es Itelson nicht vergönnt war, sein großes Werk der Logik zu voll- •den. Schon seine zwei berühmt gewordenen Formeln der Logik und Mathematik, die er vor Jahrzehnten auf dem Internationalen T’hilosophen-Kongreß vertrug, sichern ihm die Unsterblichkeit. Itelson gehört zu den größten Gelehrten aller Zeiten und Länder. Wenn man die Persönlichkeit charakterisieren könne, so hat Itelson den höchsten Grad erreicht; die freie Persönlichkeit. Ein dem Denken und dem Höchsten geweihtes Leben ist dem Stoß eines Rohlings zum Opfer gefallen. Aber dieses Loben wird in die ferne Zukunft leuchten. Dr. Emanuel L a s k e r , der frühere Weltschachmeister und hervorragende Denker, gab persönliche Erinnerungen an Itelson, den großen Reformator der Logik. Der Dichter Arno Nadel las Gedichte zum Andenken an den Verstorbenen. Professor David Koigen gab einen Umriß von Itelsons Philosophie. Der Philosoph Dr. M. Schwarz ergänzte diesen Umriß durch eine Darstellung der Itelsonsehen Definitionen der Logik und Mathematik, die dem philosophisehen Denken neue Wege öffneten. Zum Schluß gab Dr. Alfred Klee eine eindringliche Schilderung von Itelsons jüdischer Persölllichkeit und führte aus, daß nicht nur die menschliche Persönlichkeit Itelsons in ihrer Reinheit und Hoheit jüdisch war, sondern daß auch seine Philosophie des Allumfassenden, Allgegenwärtigen in ihrem Kern die jüdische Achduth-Idee hatte. Es sei zu bedauern, daß das geistig hochstehende russisch-jüdische Element noch nicht in das deutsche Judentum findringt und daß sein Beispiel nicht, stärker wirkt. Dr. Teitel forderte zum Schluß die Freunde Itelsons auf, zur Errichtung eines Denkmals, das Itelson auf seinem Grabe errichtet werden soll, beizutragen. — Schöne musikalische Darbietungen umrahmten die Feier. Konzert Lazare Saminsky In der Singakademie fand unter Mitwirkung des B e r - liner Sinfonie-Orchesters und der Sängerin Nina Sokolova-Sosntzkaja das Eröffnungskonzert der ״I n - ternat tonal Poly hymnia“ unter Lazare Saminsky statt. — Diese neugegründete Institution, dessen Leiter Saminsky ist, macht es sich zur Aufgabe, unbekannte moderne, insbesondere jüdische Autoren aufzuführen und ihren Kompositionen zum Druck zu verhelfen. Als erstes Werk spielte man: Fugi bei Sonnen- Untergang des jungen amerikanischen Juden Bernard Rogers. Es ist ein zartes, naturhaftes werk; durchsichtig in der Konstruktion und in seinem Impressionismus etwas an Grieg und Mahler erinnernd. Ein wenig orientalisch im Melodischen. Mit leisen programm-musikalischen Anklängen: Signale über einer dämmerige« Landschaft. Was darauf folgte, war zweifellos der Höhepunkt des Abends; Lieder «us 4ep russischen Orient; von Saminsky mit äußerster Dezenz bearbeitet und für wenige, charakteristische Instrumente gesetzt Das Wertvollste dieser herrlichen — und übrigens für den Interpreten äußerst dankbaren Gesänge war eine Schir-Haschirimweise der georgisehen Juden. Nina Sokolowa-Sosnizkaja (übrigens keine Jüdin), Besitzerin eines lieblichen Soprans, sang diese Lieder ganz wunderschön; großlinlg und einfühlsam. Danach gab es eine Suite aus dem historischen Drama ״Die Rose und das Kreuz“ von Alexander Krein. Hiermit wurde zum erstenmal ein Orchesterwerk dieses Komponisten in Deutschland aufgeführt. Es handelt sich um ein früheres Opus, das trotz großer Schönheiten lange nicht so stark und originell Ist wie etwa die Musik zur ״Nacht auf dem alten Markt“. Den Schluß des Konzertes bildete die vierte Sinfonie von Lazare Saminsky, ein dreisitziges, kompliziert gebautes Werk, dessen Gestaltungsziele jedoch beim erstmaligen Hören der Erkenntnis erhebliche Schwierigkeiten bereiteten. — Saminskys kompositorische Absichten scheinen auf starke Dynamik, orientalische Koloristik, lyrische Ekstase, schwungvolle Tnerrrtik zu gehen. Um der Veranstaltung ganz gerecht zu werden, muß man in Betracht ziehen, daß das amerikanische Publikum in seiner Entwicklung zur modernen Musik hin noch bei weitem nicht so fortgeschritten ist wie das europäische. Die ganz besondere Form des amerikanischen Musik-Impressionismus für die das Werk von Rogers typisch sein soll, hält heute etwa bei Mahler. Dazu gesellt sich der — in Amerika besonders ursprüngliche — Einfluß des Jazz und die Abneigung gegen Intellektualismus in der Musik. Statt dessen ist man dort mehr für Naivität, Frische, Unbekümmertheit. Man mag zu dem, was an diesem Abend geboten wurde, stehen, wie man will — Saminskys Einstellung und Absich• ten entspringen unbedingt einem ernsten, idealistischen Müssen. All das, was er bis jetzt für die neue und auch für die jüdische Musik getan hat und das, was er weiterhin dafür zu tun gedenkt, ist in höchstem Maße verdienstvoll und dankenswert. Alice Jacob-Loewenson. Jüdisches Jahrbuch 1929. (Scherbe! & Co. Verlag, Berlin- Charlottenburg 4•) Der literarische Teü des Jüdischen Jahrbuches wird durch einen Aufsatz eingeleitet, der das verflossene Geschäftejahr der Berliner Jüdischen Gemeind« behandelt. Es folgt eine ausgezeichnete informatorische Darstellung über den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden: a) Gründungsgeschichte, b) Verfassung, c) bisherige Tätigkeit. Ein Aufsatz über ״Die jüdische Frau in der Wohlf a hr t s p f 1 0 g e“ bietet wertvolles Material. In einer erschöpfenden Abhandlung über ״Die Mischehe“ beleuchtet Univ.-Prof. Dr. 11 a n a u e r ־ Frankfurt a. M. in 8 Teilen dieses für die Gegenwart und Zukunft der jüdischen Gemeinschaft so wichtige Problem. Diese Abhandlung erhält besonderen Wert durch bisher unveröffentlich!« Tabellen sowie durch ein außerordentlich umfangreiches Quclleninaterial. Des 200. Geburtstages Moses Mendels« sohns (6. September *939) ist durch Wort und Bild gedacht worden. Der literarische Teil des Jüdischen Jahrbuches igag schließt mit einer Würdigung des zu früh verstorbenen Sanitätsrat Dr. Gustav ßradt, de» Mitbegründers und Vorkämpfers der Akademio für die Wissenschaft de» Judentums. Der zweite Teü ״Organisationen und Vereine" hat gegenüber dem vorigen Jahrgang insofern eine Verbesserung erfahren, als die Adressen von Vorstandsmitgliedern, die sich häufig verändern, fortgelasscn sind. Dieser Teil gewinnt hierdurch an Uebersichtlichkeit. Der dritte Teü behandelt wie in den früheren Jahrgängen dl« ״Organe und Einrichtungen der Berliner Jüdischen Gemesaden“. הקומרס הציוני העושרדעשר 16. ZIONISTENKONGRESS Mitteilung Nr. I Errichtung des Kongreßbüros. Das Büro des XVI. Zionislenkonjp-essps hat seine Tätigkeit bereits aufgenommen. Als Leiter des Kongreßbüros fungiert Dr. Hugo Herrmann, als sein Stell- Vertreter Dr. Franz Kahn, als Generalsekretär Dr. Fritz Ullmann. Die Adresse des Kongreßbüros lautot bis zum 25. Juni 1929: Brünn, Lehmstätte 17, Tschechoslowakei; Telegrammadresse: Yesod Brno. Ab 35. Juni lautet, die Adresse: Zürich, Postfach Bahnhof; Telegrammadresse: Ongrczion Zürich. Bankverbindung: Schweizer Bankverein Zürich. Rudolf Masse-Code. Publikationen des Kongresses. Anläßlich dieses Kongresses werden wie schon in früheren Jahren folgend« Publikationen erscheinen: a) Bericht.« der Exekutive, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth an den Kongreß (in hebräischer, deutscher und englischer Sprache), 1») wahrend des Kongresses täglich die K o n g r e ß /,« i t 11 11 g als das ausschließliche offizielle Organ dos Kongresses (in deutscher Sprache), c) kurz nach dem Kongreß das stenographische Protokoll seiner Verhandlungen (in deutscher Sprache), Bezugspreise. a) Bericht der Exekutive ( hebräisch, deutsch oder englisch) Fr». 3.70. Bericht des Keren Hajessod (hebräisch, deutsch oder englisch) voraussichtlich Frs. 3,—. Bericht des Keren Kajemeth (hebräisch, deutsch oder englisch) voraussichtlich Frs. 3,—. b) Kongreßzeilung komplett (zirka 13 Nummern') einschließlich Postvorsand Frs. für Abonnenten in der Schweiz Frs. 3,50. c) Protokoll des Kongresses Frs. 7,50. Pässe und Visa. Auch diesmal werden die Kongreßteilnehmer Begünstigungen in bezug auf die Erlangung des Schweizer Einreisevisum» erhalten. Eine ausführliche Mitteilung hierüber wird demnächst folgen. Quartierbestellung. Das Kongreßbüro wird den Kongreßleilnelimem auf Wunsch Quartiere vorher besorgen. Nähere Mitteilungen über die Art der Bestellung werden folgen. Gastkarten. Die Eröffnungssitzung des Kongresses findet im Züricher Stadttheater statt, die weiteren Beratungen dos Kongresses dagegen im Kongreßsaal des Vereinshauses ״Zur Kaufleuten". Der Kongreß erhält hier einen seinem Charakter als parlamentarische Beratungskörperschaft angemessenen Rahmen. Wie in jedem Parlamentssaal wird aber hier die Zahl dar für Pressevertreter und Gäste verfügbaren Plätze erheblich geringer sein als bei früheren Kongressen. Es wird sich daher empfehlen, Gaslkarten sehr bald zu bestellen. Die Bestellungen werden in der Reihenfolge des Einlaufes erledigt weiden; sollte aber die Zahl der Bestellungen über die Anzahl der verfügbaren Plätze sehr weit hinausgehen, so wird das Kongreßburo die Bestellungen aus jedem Lande dem betreffenden zionistischen Landesverband zur Kenntnis bringen und dieser wird gemäß der Zahl der auf das betreffende Land entfallenden Plätze bestimmen, welche Plätze zu berücksichtigen sind. Im vorhinein werfen nur Permanenzkarten zum Kongreß abgegeben; da die Zahl der Plätze im Züricher Stadttheater größer ist als im Kongreßsaal, wird eine weitere Zahl von Gastkarten, die nur für die Eröffnungssitzung gelten, an den Schaltern des Kongreßbüros in Zürich ausgegeben werden. Auch solche Kongreßteilnehmer also, die eine Pemianenzkarte nicht, bestellen wollen oder nicht erhalten können, werden noch die M.glichkcit haben, eine Eintrittskarlo zur Eröffnungssitzung in Zürich zu erwerben. Die Preise der Gastkarten sind wie folgt festgesetzt: Permanenzkarten I. Kategorie Frs. 80,— ״ II. —,50 ״ ״ ״ III. 35 ״ ״,— Stehplatz 10 ״,— Bestellungen auf Gastkarton sind »o bald als möglich, spätestens aber bis zum 30. Juni 1939 direkt an das Kongreßbüro zu richten; gleichzeitig ist der entfallende Geldbetrag an den Schweizer Bankverein, Zürich, für Rechnung des Büros des XVI. Zionistenkongresses zu überweisen. Ordnerdienst. Das Kongreßbüro wird diesmal von der Einrichtung eines Ordnerdienstes in der Art, wie er in früheren Jahren gebandhabt wurde, vollständig absehen. Anmeldungen um Aufnahme als Ordner beim Kongreß sind daher vollständig zwecklos und werden vom Kongreßbüro nicht beantwortet. Begünstigungen für jugendliche Kongreßteilnehmer. Um der zionistischen Jugend trotz der Abschaffung dos Ordnerdienstes eine entsprechende Gelegenheit zur Teilnahme am Kongreß zu bieten, trifft das Kongreßbüro folgende Bestimmungen: Mitglieder zionistischer Jugendorganisationen, die am Kongreß feilnehmen wollen, melden sich beim Kongreßbüro bis spätestens 1. Juli >939 an. Die Anmeldung erfolgt, nicht durch die einzelnen Mitglieder, sondern durch die betreffende Organisation (Verein, Gruppe) und muß enthalten: a) die Namen der Mitglieder, welche am Kongreß Icilnehmen wollen, mit Angabe des Alters jedes einzelnen, b) die Erklärung, daß sie tatsächlich Mitglieder der betreffenden Organisation sind, c) die Angabe, an welchem Tage sie in Zürich eintreffen und an welchem Tagt» sie Zürich wieder verlassen wollen. Den so angemeldeten jugendlichen Kongreßteilnehmern stellt das Kongreßbüro zur Verfügung: a) entsprechende Schlafsäle, in welchen das Nachtlager sehr billig oder ganz kostenlos gewährt wird (voraussichtlicher Höchstpreis Frs. 0,50 pro Person und Nacht), b) einen ausgiebigen, dabei »ehr billigen Mittagstisch (Voraussichtlichor Höchstpreis Frs. 1,50), c) eine bestimmte Anzahl unentgeltlicher Eintrittskart(» *um Kongreß (voraussichtlich 100), über deren Verteilung von Tag zu Tag die Führerschaft der jugendlichen Kongreßteilnehmer in Zürich selbst entscheiden ■wird. Büro- und Personalanforderung. All• zionistischen Körperschäften, welche vom Kongreßbüro die Bereitstellung von Raumen für Konferenzen oder für Bürozwecke oder die Beistellung von Büropersonal wünschen, mögen schon jetzt möglichst genaue Mitteilungen über ihre Erfordernisse an dis Kongreßbüro richten. IltllinilllllllllllllllllimilllllllUIIIIIIIIIIHIIIIItlllinilllltlllltlllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIllllllillHIIIHIHnilllllllHIIIIHItlWHHIIllH Durch den neuen vier tan Teil erfährt das Jüdische Jahr• buch 1939 eine wesentliche Bereicherung. Hier sind in alphabelischer Reihenfolge die wichtigsten Adressonangaben der jüdischen Gemeinden in ganz, Deutschland zusammengestellt. Wir können das Jüdische Jahrbuch igag, das wieder vorzüglich ausgestattet ist und auch schöne Abbildungen enthält, bestens empfehlen. t s. Die Ausgrabungen im Emek Im Anschluß an den Bericht über den Vortrag Prof. Sahen ikt auf dem Berliner Archäologenkongreß, über den wir seinerreit amjährlich Milteilung gemacht haben, veröffentlichen wir nachstehende Darstellung: RW, Beth Alpha, Anfang April. Das Emek Jesreel, das für die Zionistische Bewegung bisher nur einen aktuellen Gefühlswert darstellte, der Ort der größten kolonisatorischen Ruhmestat des Zionismus, dieses einst verpestete Tal, das heute die größte zusammenhängende Kette aufblühender jüdischer Siedlungen bildet, voll (andschaftlicher Reize und voll soziologischer Probleme, ist mit einem Schlag auch ein Gegenstand archäologischen Interesses geworden. Zwar gab es auch schon früher die berühmten Ausgrabungen von Meggido im westlichen Tal, und am östlichen Rand des Emek, ln Beth Schau (Beisan), der Stadt der Schaustellung des toten Saul, wurden auch mehrere Schichten von Altertümern in einem Hügel freigelegt. Aber diese Orte liegen peripher und in der weiten Ebene selbst hat man nach Resten der Vergangenheit nicht geforscht. Vor einigen Monaten jedoch wurde in Beth AI p h a, auf dem Wirtschaftshof der vorwiegend von deutschen und tschechoslowakischen jüdischen Siedlern bestehenden Kvvuzah ״Chefzibah“, beim Graben eines Abflußkanals des Kuhstalles, der Grundriß einer alten Synagoge entdeckt, die gegen Süden, nach Jerusalem gerichtet w׳ar; ihr Mosaik-Boden ist in geradezu verblüffender weise erhalten. Er zeigt eine ganze Reihe von Gestalten und Bildern und vor allem vollständig leserliche hebräische und griechische Inschriften. AbgebikJet sind in etwas primitiver und künstlerisch sicherlich nicht vollkommener Darstellung die Opferung Isaaks u. ä., besonders bemerkenswert ist jedoch der zentrale Kreis der Sternbilder mit dem Sonnenwagen in der Mitte. Die Mosaiken beweisen, daß zu jener Zeit das Bilderverbot in der jüdischen Synagoge noch nicht galt. Die Inschriften gestatten eine ziemlich genaue Feststellung des Datums, es handelt sich um einen Bau aus dem 5. Jahrhundert nach Christi. Damit ist nicht nur erwiesen, daß damals an jenem Ort eine volkreiche Nieder- Iassting war, sondern auch, daß die historische Verknüpfthcit des Volkes mit dem Boden in überraschender Weise zu Recht besteht Ueber anderthalb Jahrtausende hinweg grüßt die neuen Siedler, die den Boden urbar zu machen kamen, das Werk ihrer Vorfahren, zum Ruhme Gottes erbaut. Die Zeit schrumpft zusammen und die Ewigkeitsaspekte dessen, was heute in Palästina geschieht, werden offenbar. Beth Alpha ist ein Zielpunkt für Wanderungen aus dem ganzen Land geworden. Das Dorf liegt etwa 1% Stunden vom Bahnhof Schatta entfernt, die Straße ist schlecht, die Autozufahrt ist infolge der durch die übermäßigen Regenfälle des letzten Winters beschädigten Weg;e sehr erschwert. Trotzdem kommen die Autos mit Gästen, Schulkindern, Touristen. Auch der Antiquitätendirektor der Regierung, Mr. Richmond, hat den Ort bereits besucht. Der Archäologe der hebräischen Universität, Dr. Sukenik, der die Aus• grabungen geleitet hat, hielt in mehreren Städten Palästinas Lichtbilder-Vorträge, die große Aufmerksamkeit fanden. Da Dr. Sukenik jetzt beim Archäologenkong reß in Ber- IIn ist, so wird wohl auch das Berliner Publikum Gelegenheit bekommen, Genaueres über die Entdeckungen zu hören und zu sehen. Die Siedler von Beth Alpha aber hoffen, daß die Entdeckung der Altertümer, für die ein kleines Schutzgebäude gegen Regen und Sonne errichtet werden muß, ihnen zu einer anständigen Straße verhelfen wird. Ein Gedächtnisbuch und mehr als •in <3ediehtni»bueb sind di• nachgelassenen Reden und Aufsäti# des verstorbenen Basaler Rabbiners, Dr, Arthur Cohn, die sein Berliner Sohn, Rabbiner Dr. Heinrich S. Cohn, unter dem Titel ״Von Israels Leben und Lehre" soeben berausgegeban hat. (Der Verlag Rimon, Basel, gab dem Buch, das 500 Seiten faßt, «ine besonders schöne Ausstattung und schmückte es mit dem Bilde des Verfassers.) Neben den Predigten und den Beitrügen zur jüdischen Kultur- und Literaturgeschichte werden für ein breiteres zionistisches Publikum besonders diejenigen Arbeiten von Interesse sein, die aktuelle Probleme behandeln, und unter dem Titel ״Aus bewegter Zeit“ zusammengefaßt sind. Rabbiner Dr. Cohn hat bekanntlich bereits auf dem ersten Baseler Zionisten-Kongreß, dem er als Gast beiwohnte, die Forderungen des gesetzestreuen Judentums erhoben, und damals von Dr. Herz! die Zusicherung erhalten, daß der Zionismus niemals etwas tim werfe, das geeignet sei, ״irgendeine religiöse Richtung im Judentum in ihren Gefühlen zu kränken“. Daraufhin veröffentlichte Dr. Cohn dann einen viel beachteten (nun in dem Sammelband wieder abgedruckten) Aufsatz, ״Was lehrt uns der Zionistenkongreß"?, der als Leitartikel des ״Israelit“ _ erschien, eine bei aller prinzipiellen Abgrenzung sehr warme Würdigung der Zionsbewegung sowie ihrer leitenden Männer enthielt und die Orthodoxie aufforderte, geschlossen in irgendeiner Form an dem Aufbauwerk tcilzunahmen. Später hat Dr. Cohn seine Einstellung teilweise geändert, wenn er auch stets dem Protestrabbinertum, gegen das sich bereits der ersterwähnte Aufsatz wendet, meilenweit fern geblieben ist. Die Kämpfe des Misrachi gegen dio zionistische Kulturarbeit, die mit im Mittelpunkte des Baseler Kongress«! von 1911 standen, veranlaßen ihn, als ,,Forderung des Tages'' den Ruf zur organisatorischen Vereinigung aller gesctzestreucn Juden der ganzen Welt erscheinen zu lassen: er ist dadurch einer der unmittelbaren Mit- Legründer der Agudath Jisroel geworfen. Aber auch in ihrem Kreise hat er niemals seine national-religiöse Einstellung verleugnet, ist immer für friedlich« Zusammenarbeit mit anderen Organisationen eingrtreten, hat stets zur ״Einigung aller Thoratreuen" gemahnt, und konnte au» vollem Herzen den Beschluß von San Remo als die ״Rückkehr nach• Zion" in einer Festpredigt feiern. Dio vierte Abteilung des Werkes, ״In treuem Gedenken" iiherschrieben, bringt biographische Studien, von denen insbesondere diejenigen über Rabbi Israel Hildeshrimer auch wissenschaftlichen Wert haben. E. S. Jerusalem, 7. Mai. (J. T. A.) Die New Yorker Plantagen-Gesellschaft ״Achusa-Alef“ hat heute einen Vertrag über den Erwerb von 60000 Dunam Boden unterschrieben. Die Gessellschaft beabsichtigt, auf dem neuerworbenen Boden eine zweite Kolonie zu erbauen, auf der hauptsächlich Orangen gezüchtet werden sollen. Zionistischer Gruppenverband Oberschlesien Am 21. April fand nach längerer Pause ein Gruppenverbandstag in Reuthen statt, zu dem Vertreter der Ortsgruppen Beuthen, Hindenburg, Gleiwitz, Oppeln und Peiskretscham erschienen waren. Als Vertreter der Z. V. f. D. nahm Dr. M. Blleski- Berlin an der Tagung teil. Eingeleitet wurde der Gruppenverbandstag durch eine öffentliche Gedenkfeier für den verstorbenen Gg. Samuel Loebmann, bei der R.-A. Wunderlich -Oppeln in seiner Trauerrede darauf hinwies, daß das zionistische Leben des Verewigten ein Stück Geschichte der Z.V. f. D, wiederspiegle. Anschließend sprachen noch die Herren Rabb. Dr. Melchior- Beuthen und Rabb. Dr. Kaatz-Hindenburg. im Anschluß an diese Gedenkfeier sprach in öffentlicher Versammlung Dr. M. Bileski über: ״Die Zionistische Organfsation und die Erweiterung der Jewish Agency“. Die Nachmittagssitzung fand in geschlossenem Rahmen Statt. Aus den Berichten der Vertreter der einzelnen Orts-

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