Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1929)
- Date
- 1929-05-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 232 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 14. V. 1929 hat unter dem Eindruck des Gesehenen seinen Standpunkt ge* ändert. Er hat sich auch im Lande eingehend mit verschiedenen Problemen, besonders wirtschaftspolitischen, die sein besonderes Interesse erregten, beschäftigt; eine öffentliche Aeußerung darüber behält er sich für später vor, bis er noch manche konkrete praktische Einzelheiten geklärt hat. Aber schon Max Warburgs Verhalten in Palästina zeigt, wie das wirkliche Leben des Landes auf bisher Fernstehende und sogar Widerstrebende wirkt, wenn sie mit objektivem Blick und ohne Voreingenommenheit daran herangehen. Dies ist die große Chance der Jewish Agency. ♦ Ueber das Aktionsprogramm der Agency ist also noch nichts zu sagen. Es gibt eine Reihe von Vor* schlagen und Plänen, aber nichts Definitives. Erst der Council selbst wird darüber beschließen können. Und doch ist dies auch für den Zionistenkongreß von großer Bedeutung, weil davon viele Fragen abhängen, zu denen der Kongreß Stellung־ nehmen muß, z. B. das Budget. Man hat ja in den letzten Jahren gelernt, daß das Budget bei uns keine Frage der Ausgabenverteilung, sondern vor allem der Ein* nahmen ist. Der Bericht der Joint Survey Commission fordert bekanntlich ein Budget von einer Million Pfund jihrlieh. Wie verlautet, gedenkt die Exekutive einen Budgetvorschlag über £ 750000 auszuarbeiten, natürlich nur als Event u a 1 Vorschlag; daneben wird es auch einen Vorschlag geben müssen, der auf den bisherigen Einnahmen basiert und alle bereits bestehenden finanziellen Verpflichtungen berück* sichtigt. Das £ 750 000-Budget, das sich an den Bericht der Experten (unter Ausschaltung des Bodenkaufs-Budgets) anlehnt, soll so gedeckt werden, daß Amerika mindestens £ 500000, die anderen Länder £ 250 000 aufbringen. In den Beiträgen der nichtamerikanischen Länder wäre damit vor* läufig keine große Aenderung vorgesehen, während Amerika seinen Anteil am Budget mehr als verdoppeln müßte. Die Durchführbarkeit dieses Budgets hängt also von Amerika ab. Für den Fall des Zustandekommens der Agency bestehen verschiedene Vorschläge bezüglich der Aufbringung des amerikanischen Anteils. Manche sind dafür, im Herbst in Amerika eine große einheitliche Kampagne für alle jüdischen Hilfszwecke zu machen. Das Joint Distribution Committee hat seine letzte Drei-Jahres-Kampagne dieser Tage abgeschlossen. Das Kolonisationswerk in Rußland wird von nun an nicht mehr vom Joint finanziert, sondern durch die bekannte Anleihe, für die bereite 9 Millionen Dollar bereitgestellt wurden (wobei betont werden muß, daß diese Gelder lediglich dem Ausbau der europäisch •russischen Kolonien dienen, wäh• rend an dem Experiment von Biro Bidschan in Sibirien der Joint gänzlich unbeteiligt ist). Der Joint wird nun im Herbst sein Programm festsetzen, wobei für Rußland mir noch Posten für Erziehung und medizinische Hilfe in Frage kommen, ferner die Bedürfnisse der anderen Judenheiten Osteuropas, für die der Joint bisher gearbeitet hat, in gewisser Hinsicht berück* sichtigt werden sollen; dann soll — immer nach diesem Pro* jekt, das noch keineswegs beschlossen wurde — die vereinigte Kampagne für diese Zwecke des Joint und zu• gleich für die Palästina-Bedürfnisse der Jewish Agency stattfinden, in diesem Rahmen int die Aufbringung von 3 M i 1 tf 01r«tr-׳D-oii«sr ,f-fir■ PsUniiq^.. wyMphea. 'Es״ Ist naheliegend, daß von zionistischer (ebenso wahrscheinlich von antizionistischer) Seite Bedenken gegen dieses Vorgehen erhoben werden können. Aber diese Frage kann wohl definitiv nur unter Berücksichtigung der speziellen amerikanischen Verhälfnisse beurteilt werden. Me Sicherung eines Budgetbeitrags von 3 Millionen Dollar aus Amerika würde jedenfalls eine gewaltige Ausdehnung der Palästina-Arbeit und, was noch wichtiger ist, ein systematisches und ruhiges Arbeiten ermög• liehen. Die amerikanischen Herren haben sich nicht für berechfigt gehalten, der Exekutive in Palästina bindende Versprechunge n bezüglich der Höhe der von Amerika zu leistenden Summe abzugeben, aber das Eine kann wohl gesagt werden, daß sie sich von der Notwendigkeit einer s t a - b i I e n, von Zufällen unabhängigen Finanzwirtschaft überzeugt haben. Eine der wichtigsten Fragen ist die Leitung der Palästina-Arbeit nach Konstituierung der Agency. Die strikte Durchführung des Fifty-Fifty-Prinzipes würde er* fordern, daß der nichtzionistische Teil die gleiche Zahl von Mitgliedern der Exekutive stellt wie der zionistische. Diese Vorstellung hat im allgemeinen wohl bisher vorgeherrscht, ob* wohl jeder fühlte, daß eine solche Konstruktion zu formalistisch ist und schwere Gefahren birgt. Denn bei der Leitung der Palästina-Arbeit kommt es auf Vertrautheit mit den Bedingungen, auf Erfahrung und Kenntnisse, kurz auf die persönl ich e Eignung der berufenen Menschen an, nicht auf ihre Zugehörigkeit zu dieser oder jener Gruppe. Es scheint, daß diese Ansicht auch in den maßgebenden nichtzionistischen Kreisen vorherrscht. Felix Warburg tritt auch in der Arbeit des Joint dafür ein, daß die Leitung in den einzelnen Ländem den Repräsentanten der dortigen Juden anvertraut werde; der Joint hat für Europa nur noch zwei amerikanische Beamte. Analog wären zur Leitung in Palästina mit den Verhältnissen vertraute Menschen zu berufen, und das können wohl Zionisten sein, wenn die nichtzionistische Agency-Hälfte es für richtig hält, diesen das Mandat für die ausführende Arbeit zu geben. Das Fiftv-Fiftv-Prinzip ist anwendbar nur auf kontrollierende, nicht auf ausführende Körperschaften. Ob die nichtzionisti- «eben Amerikaner selbst eine Persönlichkeit Vorschlägen werden, ist noch nicht bekannt; der Name eines Experten, der genannt wurde, ist bisher nicht mehr als ein Wunsch, da der Betreffende von seiner (in Palästina kolportierten) ״Kandidatur“ noch gar nichts weiß. Die entscheidende Verantwortung für die Leitung des Palästina-Werkes dürfte also nach wie vor auf die Zionistische Organisation fallen. Aber all dies wird erst in den nächsten Wochen klar werden. * Die Einberufung des Councils der Agency durch die Zi3nistische Organisation ist der einzige Gegenstand der A.-C.- Sitzung. Damit beginnt die Transformation, die seit fünf Jahren unterwegs ist. Es bedarf der Anspannung aller zionistischen Kräfte, um diesen bedeutungsvollen Schritt zu einem guten Ende zu führen. Palästina wartet. Reval, 10. Mai. (J. T. A.) Der Staatspräsident Est- I a n d s , R e i, empfing den Delegierten des Keren Hajessod, Dr. Alexander OoIdstein, in längerer Audienz und gab ihm gegenüber seiner tiefsten Sympathie für den Palästina- Aufbau und der Idee des Jüdischen Nationalheims Ausdruck. Querschnitt Von unserem palästinensischen Korrespondeten. A.Q. Tel-Awiw, 23. April 1929. Pessach dieses Jahres ist für Palästina eine außerordentliche Zeit, Im Lande herrscht eine Atmosphäre des Uebergangs und der Erwartung. Die Periode der ״vierten Aiijah“ ist endgültig vorüber und das jüdische Palästina wendet sich der ״fünften Einwanderung“ zu und beginnt sieh auf sie vorzubereiten. Während des Monats April kam die fortschreitende Entwicklung und ihre Richtung zu einem besonders prägnanten Ausdruck. Die Ausstellung des Nahen Ostens brachte jedem Besucher den Stand unserer Wirtschaff und ihre Entwicklung während der letzten Jahre eindringlich zum Bewußtsein. Der Besuch der englischen Ingenleure im Lande, die die letzten Pläne für den Haifaer Hafen• bau festsetzten, läßt die Ausführung dieses lang erwarteten Projektes endlich wirklich aktuell erscheinen. Die Ankunft Dr. Weizmanns und der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency eröffnete eine Reihe von Besprechungen, die den Aufbau der Agency vollenden und damit eine neue Periode der Palästinaarbeit einleiten sollen. Eine der wichtigsten Fragen, die heute das Land beschäf• tigen, ist das Problem der Einwanderung, Sie drängt An die Zionistischen Gruppen und Schekelvertrauensleute! Nur noch 2 WOChen d a u a rt die Schekel-Aktion zum XVI. ZIONISTENKONGRESS Es fehlt noch der größt« Teil der KONGRESS-SCHEKEL. Setzt die Schekelarbeit mit verstärkter Energie fort I Werbt neue Mitglieder für die Zionistische Organisation! DIE LANDES-SCHEKEL-KOMMISSION sich überall auf, sowohl in den Kolonien wie in den Städten, wo die Erstarkung und Entwicklung der Wirtschaftseinheiten deutlich wird. Bei einem Besuch der Fabriken, die in den letzten Jahren im Lande Boden gefaßt haben, bei einer Fahrt durch die neugepflanzten, bzw. neugekauften Orangengebiete, bei dem Besuch der Ausstellung, die anmutet wie ein farbiger und vielgestalteter Rechenschaftsbericht, überall steht man vor der Frage: wie wird es jetzt weitergehen? welche Steigerung der Produktion brauchen wir, um neue und sichere Existenzen zu schaffen? Und das Finale jeder Unterhaltung mit einem der zahlreichen Touristen, die nerkommen, um «idt ein Bild Sbtt dp Land ,zu - »achett! ,ist die-■Träfe, def l»inigt1tjon, Die nationalen Institutionen bemühen sich zurzeit, eine Ant* wort für das Problem zu finden und zu untersuchen, wieviel unbemittelte Einwanderer das Land im Laufe der nächsten zwei Semester wird aufnehmen können. Die allgemeine Arbeiter- Organisation hat an Hand ihres Zahlenmaterials einen Plan ausgearbeitet, aus dem sich ergibt, daß sofort 4000 neue Zertifikate angefordert werden sollen. Die Exekutive hat vor einigen Tagen in einer Sitzung mit Vertretern der Arbeiter diesen Plan besprochen und ist entschlossen, in nächster Zeit sich wegen neuer Einwanderungserlaubnisse an die Regierung zu wenden. Wie groß die Zahl der Zertifikate sein wird, steht noch nicht fest, es scheint jedoch, als oh die Exekutive nur einen Teil des Planes der Arbeiter fürs erste übernehmen wird. Die Arbeitsquellen liegen in den Plantagen, zum Teil auch in der Stadt und in öffentlichen Arbeiten. Der Hafenbau wird nach den Erklärungen der Regierung erst im September beginnen und kommt wahrscheinlich als sofortige Arbeitsquelle, das heißt für das nächste Halbjahr, kaum in Betracht. Das Fazit der Situation ist, daß die Periode der fünften Aiijah bereits begonnen hat. Die Einwanderungsziffern werden in dennächsten Monaten langsam steigen. Die Berechnung der ״wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes“ ist heute gewissermaßen die Resultante zwischen dem ungestümen Drangen der Arbeiterorganisation und dem Vorsicht!- en Abwägen der Zionistischen Exekutive, die sich eifrig emülit — viele meinen zu eifrig —■ aus den Fehlern in der Zeit der vierten Aiijah zu lernen. Die Fehler der vierten Aiijah! Die Ausstellung mutet geradezu wie ein Versuch an, einmal eindringlich zu beweisen, daß die vielgeschmähte vierte Aiijah nicht nur Bedrängnis und Unglück mit sich gebracht, sondern auch wichtigen neuen Unternehmungen den Weg geebnet hat. Hier kommt deutlich zum Ausdruck, wie eine Reihe von Werken, denen es gelang, die Stürme der letzten Jahre zu überstehen, positive Werte geschaffen und der städtischen Kolonisation neue Wege gewiesen haben. In dieser Ausstellung kommt eine neue Kraft zur Geltung, die vor vier Jahren noch nicht vorhanden war: der Verband der Industriellen. An einer großen Anzahl der Verkaufsstände sieht man das gleiche Plakat: ״Mitglied des palästinensischen Industriellenverbandes“. Er umschließt heute Produzenten verschiedenen Kalibers, von ganz kleinen bis zu den ״großen“ mit mehreren Hundert Arbeitern und beginnt im Lande Gewicht zu haben. Zurzeit der früheren Ausstellungen gab es wohl Industrielle, aber keinen Industriellenverband. Unterdessen hat sich diese Gruppe des Jischuw zu organisieren begonnen, und wo früher nur verstreute Einzelne waren, beginnt sich bereits ein gegliedertes Kollektivum zu organisieren. Es ist das ein charakteristischer Zug, der den Beginn einer modernen industriellen Entwicklung Im Lande kennzeichnet. Eine Entwicklung, die nicht nur die Produktion des Landes modernisieren muß und wird, sondern auch einen großen Teil der Unternehmer, nämlich jenen, der aus kleinen und unentwickelten Produktionsverhältnissen kommt und Mer langsam sich an höher entwickelte Arbeitsmethoden, Organ!• sation usw. gewöhnen muß. Daß dieser Prozeß bereits im Gange ist, zeigt die Ausarbeitung eines Kollektivvertrages durch den Industriellenverband, der augenblicklich zur Diskussion steht. Ueber den Vorschlag und seine einzelnen Paragraphen wird noch manches zu sagen sein. Die Tat- Sache als solche aber, daß heute bereits ein Verband besteht, der sich an diese Aufgabe heranmacht, ist von großem Interesse. Auf der anderen Seite zeigt die Ausstellung eine rasche und vorteilhafte Entwicklung verschiedener Institutionen der Arbeiter. Da ist in erster Linie zu nennen der schöne und interessante Ausstellungsraum der ״Tnuvah“ (Verkaufsgenossenschaft für die Produkte der landwirtschaftlichen Arbeiterbetriebe). Hier werden ernsthafte und erfolgreiche Versuche schlossenen Flaschen abgefüllt,* Gemüse und Früchte in geschlossenen Pappkartons usw., alles das sind Neuerungen, die von umwälzender Bedeutung sind, sowohl vom Standpunkt der Hygiene wie auch der Verkaufsfähigkeit der Ware. Als zweites sind eine Reihe von städtischen Kooperativen zu nennen, die Qualitätsware liefern (verschiedenster Art) und die Erzeugnisse der Arbeiterinnenfarmen. Bei all diesen Einzelheiten sieht man eine vernünftige und überlegte Anpassung an den inneren Markt, die Gutes hoffen läßt. Die Ausstellung scheint bisher nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt zu haben. Im Gegenteil. Für Tel-Awiw und für die zahlreichen Touristen und Besucher aus allen Gegenden des Landes bildet sie einen Treffpunkt. Am Abend ist alles überfüllt, die Pavillons, die Restaurants; der Tanzplatz und die Orcnesterbühne sind dicht umlagert. Die Nachbarländer zeigen größeres Interesse, als zu erwarten stand. Und es ist von Bedeutung, daß auch die Regierung hier noch manches zu lernen hat. Verschiedene Departements widmen den Produkten und Fabriken eingehendes Interesse, und man bekommt den Eindruck, daß manche Abteilungen hier zum ersten Mal einen richtigen Begriff davon bekommen, was hier im Lande versucht und geschaffen wird. Die Messe macht Propaganda bei der Regierung, die es vielleicht sehr nötig hat, sich richtig zu orientieren. Und dasselbe gilt für einen Teil des Publikums, der hier zum ersten Mal Dinge im Lande hergestellt sieht, von deren Existenz er vielleicht nichts wußte. Diese Ausstellung ist ein Rückblick und ein Ausblick zugleich. Und Rückblick und Ausblick charakterisieren heute alles im Lande. Die verschiedenen Konferenzen und Besprechungen, die heute überall stattfinden, bilden sämtlich einen Uebergang. Das gilt selbstverständlich in erster Linie für die wichtigen Zusammenkünfte, die heute liier in der Agency-Frage stattfinden. Es läßt sich heute noch nichts über ihre Resultate mitteilen. Aber ganz. Palästina erwartet mit Spannung die Ereignisse der nächsten Wochen und hofft auf ein beschleunigtes Arbeitstempo. Die Neuerungen, die sich vorbereiten, bringen Prozesse, die hier Jahre hindurch im Gange sind, einem Abschluß entgegen. So sind unter den Arbeiterparteien, der Achduth Awodah und dem Hapoel Hazair, die Beratungen über eine Vereinigung der beiden Lager mit erneuter Energie aufgenommen worden. Am letzten Samstag fanden parallele Beratungen beider Gruppen statt, die die Vereinigung zum Thema hatten. Sie waren außergewöhnlich stark besucht. Es scheint, daß dieses Mal die Vereinigung, die seit Jahren auf der Tagesordnung steht, durchgesetzt werden wird, obwohl eine kleine, aber gewichtige Gruppe sie nach wie vor bekämpft. Die Schaffung einer großen Einheitspartei ist die Frucht der Erkenntnis, die mehr und mehr das Lager der Arbeiter durchdringt, daß heute über ideologische Grenzen hinweg eine durchgehende Einheitsfront des linken Flügels notwendig ist, um die Ideen eines arbeitenden Palästina gegen alle Angriffe zu verteidigen. Der Beginn einer neuen Periode in der palästinensischen Arbeit ist charakterisiert durch eine gesteigerte Bewegtheit, neue Projekte, neue Ideen. Sie alle kommen während dieses Pessachmonats zu einem besonders deutlichen Ausdruck. Hier werden heute Keime gelegt zu neuen Entwicklungen, die später in langer Arbeit ausreifen müssen und die neue Kräfte fordern, um sie zu leiten und zu kontrollieren. ,4 ־ . ,IMg;!Sr wlicjldiic PülUsttiiA Am 11. ds. Mts. fand in der Berliner Stadthaile eine stark besuchte Kundgebung der Liga fürdas arbeitende Palästina statt. Von Gesängen des hebräischen Chors umrahmt, der auch die Arbeiterinternationale in hebräischer Sprache vortrug, hielten der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Oscar Cohn sowie Dr. Georg Lu bin s ki, Dr. Walter Pr e u ß (Palästina), Fritz Naphtali und Ministerialdirektor Dr. Baat Ansprachen, in denen sie von der Aufgabe der Liga, den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina in sozialistischem Sinne zu beeinflussen, sprachen und um die Smypathien für die palästinensische Arbeiterschaft warben. Der Tenor aller Ausführungen klang in den Worten aus: ״Das jüdische Nationalheim wird sozialistisch sein, oder es wird nicht sein“. In einer eingelegten Pause traten viele der Versammelten der Liga für das arbeitende Palästina als Mitglieder oder Förderer bei. Die Versammlung war sehr gut besucht und folgte de• Ausführungen der einzelnen Redner, besonders des Delegierten der palästinensischen Arbeiterschaft, Dr. Walter Preuß, mit starkem Interesse. Aufsehenerregend waren die Mitteilungen Df. B a d t s in seiner Ansprache, daß die jüdischen Antizionisten in der Bckämpfung des Zionismus bei der Wahl ihrer Mittel skrupellos sind. So wurde durch Einflußnahme jüdischer Mitglieder der SPD verhindert, daß ein bereits angekündigter Vortrag Beil Lockers (Mitglied der Exekutive der zweiten Internationale) stattfinde; ferner machte ein Hörer eines sozialistischen Hoch- Schullehrers, in Unkenntnis, daß dieser Jude sei, dem Gelehrten unter Nennung einer vierstelligen Zahl das Angebot, eine Veröffentlichung zu schreiben, in der ausgeführt werden sollte, daß im Kriege von einzelnen Regierungen gegebenen Erklärungen (Balfour-Deklaration) gering zu bewerten seien. Dieses Angebot behauptete der betreffende Hörer im Namen des Zentral Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu machen. Der Hochschullehrer lehnte es ab, in den innerjüdischen Streit einzugreifen und machte von dem Vorfall Dr. Badt Mitteilung, der die Angelegenheit weiter verfolgen wird. Der Klarstellung der dem Vorfall zugrundeliegenden Tatsachen sowie der weiteren Entwicklung dieser Angelegenheit blicken wir mit begreiflichem Interesse entgegen. Arabisch-Jüdischer Streik Jerusa 1 e m, 6. Mai. (J.T. A.) Die beim Bau des von Rcckefellor gestifteten archäologischen Museums in Jerusalem beschäftigten arabischen und jüdischen Arbeiter sind in den Streik getreten, nachdem die Regierung beschlossen hat, die Löhne herabzusetzen und außerdem noch die Leistung von Ueberstunden zu verlangen. An dem Streik sind 75 Araber und 25 Juden beteiligt. Die Regierung zahlt für einen 91/2stündigen Arbeitstag 3 Schillinge. Mrs• M. Nlssim, eia prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Singapore, hat dem Keren Hajessod eine Spende in Höhe von 3000 Pfund für die Errichtung eines Schulhauses zur Verfügung gestellt. Das Schulhaus soll in einer jüdischen Kolonie oder einem anderen Orte. Palästinas errichtet werden und den Namen des verstorbenen Gatten von Frau Nissim tragen. Der Beitrag ist den Bemühungen von Herrn Dr. A. Bension zu verdanken, der als Delegierter des Hauptbiiros des Keren Hajessod zurzeit die Länder des mittleren Ostens besucht. Lion Feuchtwangerist in Palästina eingetroffen, wo er einige Zeit verbleiben und sich dem Studium des Landes und der jüdischen Aufbauarbeit widmen wiü.