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Jüdische Rundschau · 1929-05-08 · Heft 35-36 (8.5.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 35-36 (8.5.1929)
Date
1929-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35/36, 8. V. IS29 JUEDISCH-E RUNDSCHAU Mm 225 Erkfflerangen an Brenner Zar 8. Wiederkehr seines Todestages. Von Simon Ernst, Tcl-Awiw. Zutn erstenmal begegnete ich Brenner Im April 1920, ein Jahr vor seinem tragischen Ende. Als ich in sein Zimmer eintrat, ergriff mich ein seltsames Gefühl. Mitten in höchster Unordnung und stürmischem Durcheinander der Möbel und Bücher stand Brenner vor dem Schreibpult und schrieb ipit unheimlicher Schnelligkeit. Ich wagte nicht, ihn im Schaffen zu unterbrechen, im selben Augenblick trat Joseph Luidor her■; ein, der Märtyrer-Genosse von später. Sie unterhielten sich nachher über das bekannte Buch von Jari-Polieskin ״Träumer und Kämpfer“. Wir gingen dann mit Luidor zusammen und gierig hörte ich dessen Erzählungen über den großen Freund; Brenner. Der seltsame Zauber dieser Persönlichkeit lag in der seelischen Ausstrahlung, die alle nicht nur ihm persönlieh Nahestehenden, sondern auch die zufällig in seine Gesellschaft geratenen Fremden zu ergreifen pflegte. Der in seinem Innersten zerwühlte und in ständigen Vulkanausbrüchen der Auflehnung und der Liebe lebende Brenner wirkte beruhigend auf die gewöhnlicher» Sterblichen in seiner Umgebung. Er wußte andere zu Hoffnungen zu beflügeln, während er selbst seelisch hoffnungslos der weit und sich gegenüber stand. Er vermochte in vielen anderen den Willen zum Glauben wachzurufen, während er nicht einmal den Sinn dieses Wortes recht zu verstehen wußte. Obwohl er der größte Leugner in Religiönssachen, ja das Sinnbild von ״Aptkoiress“ war, war der Eindruck, den er auf den Führer der Agudath Jisroel, Jacob Mälkow, machte, derart gewinnend, daß dieser seinem Andenken eine hebräische Broschüre widmete ״Nach dem Ableben der« Heiligen“. Er schrieb darin, daß Brenner zwar der grimmige Feind der jüdischen Orthodoxie in seinen theoretisehen Anschauungen war, aber ein Heiliger und ״lebender Schmerz“, dem also alles zu verzeihen sei. Im Auslande ist Brenner nur als Erzähler bekannt. Nur hier im Lande ist seine Persönlichkeit erzieherisch wach und wirksam. Dort war er der Erzähler, hier erzählt man vielleicht noch mehr von ihm. Charakteristisch ist die folgende Geschichte. Brenner erhielt einmal vom Verlag Stibel mehr als 100 Pfund auf einmal. Nun stöhnte er unter der ungewohnten Last des Geldes. Er sann darauf, möglichst bald das Geld loszuwerden und verteilte es unter den Schriftstellern, doch so, daß jeder nur ein ... Autorenhonorar zu bekommen glaubte. Denn zur Beschönfguttg der Unterstützung wurde von Brenner eigens ein Sammelwerk (״Rewiwim“) herausgegeben. Brenner selbst geriet bald von neuem in die gewohnte bittere Not. Als Zweiflergeist ging er durch die jüdische Welt. Doch als Sirkin Ihn» den Vorschlag machte, in die jüdische Presse einzutreten, um endgültig vom Existenzkampf befreit zu werden, — war Brenners Antwort die eines inbrünstigen Gläubigen; nur galt sein Kultus der hebräischen Sprache, den» Werkzeuge der nationalen Wiedergeburt. Und der Kritiker aller zionistischen Taten mußte — symholfsch, ewig bedeutsam — die fehlende Voraussicht, die sich so unendlich tragisch am 1. Mai 1921 rächte} mit seinem Blute büßen. ' * Rltnalmordbetze in Hemel Berlin, 30. April. (J. T. A.) Wie aus Kowno telegraphiert wird, hat der Memeler Staatsanwalt Tostädte gegen den jidischen KaufmannS'chocftar'in^Me111eF,Äitklä®־wegen-Mör-* des erhoben. Dt«s? Angelegenheit, die seit drei Wochen dte jüdenl»# In Memel in größer Erregung halt. Am 6. April wurde das bei der Familie Schochar bedienstet gewesene Dienstmädchen in seiner Kammer tot auf gefunden. Der herbeigerufene Arzt stellte Gasvergiftung fest, wobei (Be Kriminalpolizei nach einer Untersuchung diese Feststellung für glaubwürdig befunden und die Leiche freigegeben hat, die auch beerdigt wurde. Wenige Tage später erstatteten die Verwandten des Dienstmädchens, von Antisemlten auf ge hetzt, eine Strafanzeige wegen Ritualmordes. Der Staatsanwalt Tostädte beantragte hierauf eine Voruntersuchung, wobei sämtliche Angehörige der betreffenden jüdischen Familie, darunter die siebenjährige Tochter von dem Untersuchungsrichter ״über die Ermordung des Dicnstmädchens aus rituellen Gründen zum jüdischen Osterfest“ vemotnmen wurden. In Memeler Gesellschaftskreisen konnte man es nicht begreifen, wie ein so widersinniges Verfahren wegen Ritualmordes durch Gas eingeleitet werden konnte. Man hoffte, daß die Voruntersuchung ein schnelles Ende nehmen und nicht in eine Anklageerhebung ausmünden würde. Die Jetzige Ankiageerhebung durch den Staatsanwalt Tostädte, dessen Verhalte» scharf kritisiert wird, hat die Erregung in Memel gesteigert. ♦ Aus Memel neu eingetroffene Nachrichten besagen, daß zwar die jüdische Bevölkerung noch immer unter dem Druck der Ritualmordhetze gewisser Elemente steht, daß aber in die Justizkreise die Besinnung einzukehren'beginnt. Die Kriminalpolizd hat der memellänaischen Presse eine Mitteilung zugehen lassen, in der erklärt wird, daß die in Stadt und Land umherschwirrenden wilden Gerüchte über einen jüdischen Ritualmord an dem Dienstmädchen Martha Jakumeit in keiner Weise begründet seien, sondern daß die Jakumeit an den Folgen einer auf einen Unglücksfall zurückzuführenden Gasvergiftung gestprben sei. Die Staatsanwaltschaft hat die Exhumierung der Leiche angeordnet und gleichzeitig der Presse eine Erklärung übergeben, daß nach den bisherigen Untersuchungen ein V e rbrechen als ausgeschlossen erscheint. Prof. Dr. Loehr von der Evangelischen Theologischen F|Jcultät der Universität in Königsberg hat ein Gutachten abgegeben, dat ebenfalls der memelländischen Presse zugeleitet worden sei und in welchem Loehr betont, daß die Behauptung eines jüdischen Ritualmordes in das Reich der Fabel zu verweisen ist, da den Juden grundsätzlich der Genuß irgendwelchen Blutes verboten ist. Das Gerücht von einem Ritualmord wurde über das ganze memelländische Land verbreitet, und es setzte eine Hetze gegen die Juden ein? die jenseits der memelländischen Grenze, in dem litauischen Städtchen Krott Ingen,zupogromartigen Ausschreitungenführte. Die Ritaalmordhebe In Mauas Der bayerische Kultusminister Dr. Goldenberger wandte sich in der Sitzung des Haushaltsausschusses des Bayrischen Landtags sehr entschieden gegen die nationalsozia- Hstische Ritualmordhetze in Unterfranken, die im Zusammenhang mit der bisher unaufgeklärten Ermordung eines kleinen Knaben in Manau getrieben wird. Der Kultusminister teilte mit, er habe durch Erlaß an die Schulbehörden angeordnet, daß in den oberen Klassen die Schulkinder über die Grundlosigkeit der Ritualmordlegende aufgeklärt werden. Jm Namen der Bayrischen Volkspartei billigte der Abgeordnete St a n g diesen Erlaß und führte aus, die Ritualmordlegende sei 700 Jahre alt, aber bis heut« habe sich nicht die Spur eines Beweises für sie ergeben. Ein nationalsozialistischer Abgeordneter führte aus, es gäbe im Judentum noch heute gewisse Richtungen, die dem Aberglauben des Ritualmordes huldigen. Daraufhin erhob sich Kultusminister Dr. Goldenberger und gab die folgende Erklärung: Jm Kultusministerium erschienen Vertretungen der jüdischen Gemeinde und der bayrischen Rabbinerkonferenz., und beklagten sich bitter über die Verhetzung in der Gegend von Manau. Es wurden auch ernste Befürchtungen für die Sicherheit der dortigen israelitischen Volksgenossen geäußert. Auf einen fragenden Zwischenruf der Nationalsozialisten: ,Volksgenossen?' erwiderte der Ministcr mit erhobener Stimme: ,Jawahl, sie sind Rcichsbürger, wie wir alle,' sind Volksgenossen, sind Deutsche! Als Unterrichts- und Kultusminister habe ich cs als geboten erachtet, an den Regierungspräsidenten von Unterfranken eine Weisung ergehen zu lassen, daß in den Volksschulen die Jugend über diese Hetzereien aufgeklärt werde. Erfreulicherweise sind sowohl die katholischen wie die evangelischen Kirchenbehörden in dieser Hinsicht schon verdienstvoll vorgegangen. Me Liebe zur Gerechtigkeit sollte verhindern, daß im zwanzigsten Jahrhundert solche Anschuldigungen gegenüber den israelitischen Volksgenossen noch erhoben werden.“ Die große AollpeBael-Kanpape in Rußland Moskau, 29. April. (J. T. A.) In diesem Jahre ist die kommunistische Antipefiacb-Kampagne in Rußland straff organisatorisch durchgeführt worden. In zahlreichen Städten Rußlands und der Ukraine fanden am 1. und am 2. Scdcrabend Umzüge jüdischer Kommunisten statt. In Kiew sollen sich laut Meldüng der jiddisch-kommunistischen Presse an einer solchen Demonstration einige tausend jüdische Arbeiter und Jugendliche beteiligt haben. In Tultschin nahmen 1500 Arbeiter an dem Antiseder-Umzug teil. Imposant sollen auch die Umzüge in Charkow und in Scliepetowke gewesen sein. In Moskau fanden öffentliche Umzüge nicht statt, hier veranstaltete man in verschiedenen Klubs einen sogenannten ״proletarischen Seder“ mit Propagandareden und Kunstdarbietungen. Die Zeitung ״Emes“ ermahnte die jüdischen Arbeiter, an den Peßachtagen zur Arbeitsstätte zu kommen; wer fernbleibt, stemple sich selbst zu einem Klassenfeind. Ungeachtet dieser! starken Kampagne wurde in den jüdisehen Familien das Pcßachfest traditionell beobachtet, die Synagogen waren von Andächtigen überfüllt. Die Moskauer Jüdische Gemeinde verteilte große Quantitäten Mazzoth und zahlreiche Geldunterstützungen, ohne daß die Sowjetorgane diese Aktion irgendwie störten. In Krementsch ug haben die Frauen der jüdischen Arbeiter zum Protest gegen die Einstellung des Verkaufs von Koscherfleisch in den Läden der Konsumgenossenschaft den Hausfrauenstreik proklamiert. Sie erklärten, für ihre Männer!nicht mehr Mittagessen zubereiten zu wollen, wenn nicht bald mit dem Verkauf, von Koscherfleisch wieder befonnen wird. Ein schriftliches Ultimatum mit dieser Forerung wurde von mehr als hundert Arbeiterfrauen unterzeichnet. Zionistischer Gruppenverband Thüringen Am 21. April fand in Erfurt die 3. Gruppenverbandstagung unter Leitung von Dr. P e r i t z-Waltershausen statt. Dr. Walter Preu B, Tel-Awiw, sprach über ״Zionistische Wirtschaftspolitik in Palästina“. Ausgehend von dem Scheitern der 4. Alijah zeigte dpr Referent die Möglichkeiten der landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung, die Gefahren, die bei der zu er* wartenden Entwicklung entstehen können, und die Wege zur Verhütung dieser Gefahren, Insbesondere behandelte Dr. Rreuß״di«; Zuka#lts»«isfehteri .de! Jß«ngen-Terrains. -zwischen,;. Aussprache.®!,- tMe-ri^'-Äerttfert1 Gelegenheit gab, auf viele . Spezialfragen einzugehen, — w-•.•••■ ■-״ - . .״ -• Das An Siedlungsprojekt deutschcrChaluzlm in Palästina war Gegenstand einer ausführlichen Diskussion, die ihren Niederschlag in der folgenden, in der Nachmittagssitzung angenommenen Resolution fand: ״Der zionistische Gruppenverband Thüringen billigt die Haltung der Herren Dr. Noack und Dr. wolfbeim im Landesvorstand in der Frage der Ahsiedlung deutscher Chaluzim in Palästina. Der Z. G. V. Th. nimmt Kenntnis von dem Ansiedlungs- Projekt. Die Ansiedlung soll unbedingt auf N.-F.-Boden erfolgen. Die Forderung der Selbstarbeit soll durchgesetzt werden. Sollten sich in Erez-israel sachlich begründete Einwände gegen das Prinzip der Selbstarbeit ergeben, so ist bei der Notwendigkeit zeitweiliger Hilfsarbeit die Verwendung organisierter Arbeiter als Mindestforderung durchzusetzen.“ Der Vorschlag, eine Palästina-Reise-Lotterie zu veranstalten, wurde einer 3 köpfigen Kommission zur Durchberatung übergeben. Die Kommission soll auf dem nächsten Gruppenverbandstag Bericht erstatten. — Die im Winter eingeleitete PAF-Sammlung wurde zu Ende geführt. Obwohl bereits im Januar 2%,— RM. eingingen, erbrachte die Nach- Sammlung auf der Tagung noch 285,— RM. Zionistischer Grnppenyerband für Bayern und Württemberg Sonntag, den 26. Mai 1929 findet in Mönchen, Herzog Rudolfstraße 1 (Lessingsaal), ein Gruppenverbandstag statt. Nähere Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Seminar für Propagandisten in Berlin Am 20. und 21. April fand in Berlin ein Propagandaseminar statt, a 11 dem eine große Anzahl jüngerer Propagandisten teilnahm. Die Veranstaltung wurde eingeleitet mit einer Dar- Stellung von Dr. K a n o w i t z über den Stand der zionistisehen Argumentation, in der er versuchte, die Entwicklung des deutschen Zionismus im Wandel der Argumentation aufzuzeigen. Während in der Vorkriegsgeschichte hauptsächlich die Darstellung der subjektiven Judenfrage, das jüdische Persönlichkeitsproblem im Vordergrund standen, handle es sich jetzt darum, die Entwicklungstendenzen in der Galuth und demgegenüber die Möglichkeiten jüdischer Entwicklung in Palästina darzulegen. Die Ausführungen des Referenten wurden in sehr ausführlicher Weise von Kurt B1 u m e n f e I d ergänzt, der hauptsächlich die Auseinandersetzung zwischen politischem und praktischem, zwischen nationalem und philanthropischem Zionismus in den Anfängen der Bewegung schilderte. Die zweite Sitzung war einer Aussprache über das Problem Zionismus und Orthodoxie gewidmet, die durch Dr. Wolfsberg eingeleitet wurde, der an Hand eines sehr ausführlichen literarischen Materials die zentrale Stellung Erez-Israels für die religiöse Vorstellungswelt des Judentums darstellte. Die EHskusston beschäftigte sich im wesentlichen mit der Auseinandersetzung mit der Agudah. In der dritten Sitzung wurden die heute im Vordergrund der Auseinandersetzung stehenden Probleme in Form von Dialogen erörtert. Man behandelte im wesentlichen Fragen des jüdischen Liberalismus und des jüdisyhen Sozialismus. Die Veranstaltung wurde von allen Teilnehmern als ein außerordentlicher Fortschritt in der Heranbildung neuer Trägcr der Propaganda begrüßt Diese Seminare werden fortgesetzt werden. New York, 3. Mai. (J.T.A.) Der hebräische Schriftsteller S. B. Schwartzberg ist gestern in New York verstorben. Ortsgruppen Berlin. Verein ehern. Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Mittwoch, den 15, Mai, abends 8 Uhr, spricht Herr Dr. Israel Auerbach in der Aula der Hochschule über ״Die Juden in der Türkei“. — Gäste willkommen. Nürnberg-Fürth* Am 18. April sprach Frau Anna Feuchtwanger, Fürth, Cher monistische Erinnerungen. Die Rednerin, die, aus völlig assimilierter Umgebung stammend, von sich au» nun Zionismus gekommen ist, verstand es, in interessanter und packender Weise die heroische Zeit der Bewegung um die Jahrhundertwende aus eigenem Erleben zu schildern. Die Romantik des damaligen Zionismiis und die Jugend unserer schon dahingegangenon und noch lebenden Führer erstand vor unserem geistigen Auge, 6! »ei ihr auch an dieser Stella für den anregenden Abend herzlich gedankt. Marienbad. Sitzungen der Zionistischen Ortsgruppe jode» Die*»•- tag Abend Restaurant ״Walhalla“. Reeensburg. Im Verein für jüdische Geschieht® und Literatur »rach Frau Dr. oec. publ. Paula W einer, Ilegensburg, über ״Di« Juden iin Wirtschaftsleben Deutschland»“. Di» Rodnerin zeigte die Entwicklung der Juden im Wirtschaftsleben vom und 18. Jahrhundert bis zur heutiger» Zeit. In rein wissenschaMicher, mit reichliehen Belegen begründeter Darstellung wußte die Redner!« das jüdisehe Schicksal überzeugend aiifzuzeigen, wonach die Juden in vielen Gebiet«n Außergewöhnliches leisteten, ihre 1 ,mgebung maßgebend be- «influßlen und letzten Endes aus ihren Positionen hinausgedringt wurden. Reicher Beifall der zahlreich Erschienenen lohnte die fesselnden Ausführungen. ö Karlsbad. Sitzungen der Zionistischen Ortsgruppe jeden Donncrslag Abend Hotel ״Li tiko 1 n“, Egerslraßc (nicht mehr Rabl Glattaucr). Vermischtes Generalversammlung des Verbandes ״ORT“. Im Sitzung»- saale des Verbandes ״OR1 “ in Berlin wurde in diesen Tagen die Generalversammlung der Gesellschaft ״ORT“, Abteilung Deutsch-!and, E. V. abgehalten. Der Generalsekretär Dr. Michael Trank erstattete sodann der» Tätigkeitsbericht für das Jahr jga8. Ende 1937 bestanden bereits in zahlreichen Städten Deutschland* lokale Aktion»- Ausschüsse; namhafte Beträge konnten an die Zentrslverwaltung bzw. den Wiederaui'haufond» überwiesen worden. Erst Anfang 1938 war dlf Möglichkeit gegeben, ein« systematische Mitgliederwerbung im Reich® zu organisieren. Die Zahl der Mitglieder betrug Endo »933; 130; Ende rgsfj: 331: Endo 193a: agi; Ende 1936: 440; Ende igaj: 650; Endo 1938: 1400; gegenwärtig ca. 1600. Die Berliner und die Breslauer jüdischen Gemeinden setzten 1'n das Jahresbudget eine Subvention für ״ORT" ein. Dr. Brams o n dankt im Namen der Zentralverwaltung der Abteilung Deutschland besonders für die Organisiertrog der Au•־ Stellung und hob den Wert der finanziellen Arbeit für da» Budget» der Zentralverwaltung hervor. ״ORT“ müsse zur Massenbewegung werden. An der allgemeinen Aussprach® beteiligten sich Landgerichtsrat Stern, der die Gründung von Bezirkskomitees in den einzelnen Stadtteilen anregte, ferner Frau Rabbiner Dr. Eichelbacher, Ing. Leiwant, Frau Minna Schwarz, Dr. Rachmilewicz, Ing. Bar. Herr Grätz und Dr. Traüb gingen zum Schluß auf die Darlegungen der Diskussionsredner ein. Nach einstimmig erfolgter Entlastung dea Vorstandes wurde zur Wahl bzw. Wiederwahl de* Vorstand«» und der Revisionskommission geschritten. In der am 30. April statljpafttndenen Vorstands« tzuog wurden in den engeren Vorstand dar ״ORT"* Gesellschaft Abteilung Deutschland einstimmig «wählt: Herr Wllheim Grätz, Vorsitzender; Professor Dr. S. Frankfurt, Vizevorsitzendjpr; Wilhelm• AI»««** Sje^tsrafjMprj JJr,; %.,Ä|»l@wA|,. '•Slifwif**'; ,".biefari Geo1»geff,,Gtpl% D^.;(Marti»“ fesaor Stein, Geheim rat Stern, *Uandgerichtoat ''Stern,. Itettk■ ÄV Michael Traub, Frau Dr. Bruno Weil. Musikabend in der ״Schule der jüdischen Jugend“. In den Räumen der ״Schule der jüdischen Jugend" fand «in» VerMuaiü* Jung der Schüler statt, di® die Frag» ״Warum beschäftigen wir uns mit jüdischer Musik?“ zum Gegenstand hatte. — An Hand von Schallplatten demonstrierte die Leiterin der dortigen Musikkurse (Alice Jacob Loewensott) Blüte und Niedergang in der abendländischen jüdisch-religiösen Musik. Danach wurde — unter Mitwirkung der Schüler — ein lieberblick über die bisherige Arbeit gegeben. Es wurden alt® Und neue jüdische Lieder mit deutschen, hebräischen und jiddischen Testen gesungen und mit Klavier, Geige, Fagott und Trommeln begleitet. Im S o m m 0 r - S e m i n a r , das am C. Mai, 8! י Uhr, begönnen hat, wird man sich mit unbekannteren ostjüdischen, insbesandero mit chassidischen Gesängen beschäftigen. Auch ein Floment a r k u r s ist vorgesehen. Jugendliche Teilnehmer sind willkommen, Vorkenntnisse nicht erforderlich. Gustav Landauer-Gedächtnisfeier. Das Deutsche Friedenslarteil veranstaltete aru 5. ds. Mts. vormittags in der Volksbühne «ine Gedächtnisfeier für Gustav Landauer. Dr. Helene Stöcker, Dr. Alfred Wolfenstein und Erich Mühsam sprachen ernste und würdige Worte über Landauers Leben und Werk. Während Helene Stöcker und Wolfenstein den großen Geist, den tiefen Menschen feierten, gedachte Eh rieh Mühsam, der als treuer Anhänger, Schüler und Kampfgefährte Landauer in langjähriger Freundschaft verbunden war, besonders des Kämpfers und Revolutionärs, der di® tapferen Worte — die sich nur zu bald an seinem eigenen Loben erfüllt haben — gesprochen hat: Keinen schöneren, keinen sinnvolleren Tod gibt, es als den, für sairao Idee* zu sterben. Paulin® N a>r d i, Alfred Beier]® und Paul B i i d t lasen aus Werken von Landauer. BUdt mit wunderbarer Disziplinierung des M orts: ein vorbildlicher Interpret Landauerscher Sprachkunst. Ein Sprechchor, der unter der Leitung Carl Vogts stand, beschloß die gutbesuchte und würdige Veranstaltung. Wolfgang E. Olienaorff. 25. Stiftungsfest der ״Maccabaea“. Am 34. Februar 1939 feiert® die Verbindung jüdischer Studenten ״Maccabaea“ Königsberg im K.J.V. ihr 35. Stiftungsfest. Hierzu waren aus dar Provinz, dem Reiche, aus Danzig und Riga eine größere Anzahl von Bundesbrüllen» nach Königsberg gekommen. Eröffnet wurde das Stiftungsfest am Sonnabendabend, dem 33. Februar, mit einem Festkonvent in den Räumer» des Verbindungsheims, Kleiner Domplatz 15 c. Bbr. Kurt Blumenfeld hielt, nachdem er zuvor in eindrucksvollen Worten der verstorbenen Bundesbrüder gedacht batte, ein längere» Referat über die gegenwärtige.Lage im deutschen Zionismus. Dann gab Bbr. Kano w i l z einen Bericht über die Kartellsituation. An die»«» sachliehen Teil des Abends schloß sich ein fröhliches Beisammensein an. Am Sonntag Vormittag fand vor einer breiteren jüdischen Oeffentliehkeit in dem voll besetzten Gebauhrsaal der Stadthallo ein Festakt statt. Nach den Begrüßungsworten des Erstchargierten hielten Bbr. Schloßberg und Bbr. Blumenfeld di« Festreden über die Entwicklung der ״Maccabaca“ und derer» Bedeutung für das jüdische Lehen Königsbergs und die Geschichte des deutschen Zionismus. Die wirkungsvolle Feier wurde durch gemeinsamen Gesang der Ilatikwah beendet. Ein gemeinsames Mittagessen vereinte darauf die Bundesbrüder und ihre Frauen im Gesellschaftsbaus des Tiergartens, Arr» Abend fand dort ein gelungener Ball statt. Abgeschlossen wurde das Fest durch eine Jugendversammlung am Montag Abend, in der Bbr. Känowit! über das Thema ״Jüdischer Lebenswille und jüdische Lebensgestaltung“ referierte. Das Hauptgewicht *einer manche neuen Gesichtspunkte aufzeigenden Ausführungen kg in einer Auseinander- Setzung mit der Haltung der ״Kameraden“ gegenüber dem Zionismus und dem Palästina-Aufbau. Auf jene gefeierten Tage noch• mals zurückblickend hat das 35. Stiftungsfest der ״Maceabaea" ii? Königsberg aller» Teilnehmern stärkste menschlich« und zionistisch« Erlebnisse und Impulse übermittelt. An dieser Stelle danken wi« allen Bundesbrüderr» und Freunden herzlich für die ■wref Vorbindüng zahlretcb übersandt« Glückwünsche.

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