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Jüdische Rundschau · 1929-05-08 · Heft 35-36 (8.5.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 35-36 (8.5.1929)
Date
1929-05-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 222 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 35/30, 8. V. 1629 gemeinsamer Aktionen von Juden und Arabern zu begrüßen, macht sich im Jischuw eine starke Tendenz geltend, jede Kooperation zu verpönen. Ein Beispiel bieten z. B. die Protestaktionen der Stadtverwaltungen wegen der Aufhebung der städtischen Autonomie, wobei das jüdische Tel-Awiw stets getrennt marschiert, oder, noch charakteristischer, die Diskussionen anläßlich der Einladung an die Angestellten des Magistrats Tel-Awhvs, sich an einer Beamten fragen gewidnieten Sitzung der Beamten sämtlicher Stadtverwaltungen zu beteiligen. Die Einladung war sogar in hebräischer Sprache geschrieben, und ihre Annahme ist doch für jeden unbefangenen Menschen selbstverständlich. Trotzdem griff der ״Doar Hajom“ die Tel-Awiwer Beamten mit außergewöhnlicher Schärfe an, weil sie sich mit arabischen Kollegen über Standesfragen besprechen. Ueberall wittert man nationalen Verrat. Hier steckt freilich unter dem nationalen Schleier auch ein gut Teil soziale Antipathie; den Kreisen des ״Doar Hajom“ ist jede gewerkschaftliche Organisation unsympathisch, und sie wollen sie durch nationale Denunziation verhindern. Aber sogar linksstehende Zeitungen besprachen den Fall im Tone der Entschuldigung. Als ob cs nicht zu begrüßen wäre, daß allmählich Brücken gebaut werden und die Isolierung der beiden Völker voneinander sich mildert. Palästina ist ein Land von zwei Nationen, und diese dürfen nicht zu zwei feind• liehen Lagern werden. Wir Juden müßten bei jeder Gelegenheit diesen Wunsch zeigen. Statt dessen gibt es viele Ungeschicklichkeiten und Taktlosigkeiten. Eine Unhöflichkeit geradezu ist es, wenn die große Ausstellung in Tel-Awiw nur hebräischenglische Tafeln und Aufschriften hat, während die dritte Landessprache fehlt, obwohl sehr viele Araber die Ausstellung besuchen, und wohl auch besuchen sollen. Gerade hier, wo durch jüdische Initiative eine Veranstaltung entstand, die das ganze Land repräsentieren soll, wäre es gut gewesen, dies auch äußerlich 5m dokumentieren. * Es verlohnt auch noch einmal kurz auf den Konflikt wegen der Böden von Infiat bei Chedera zurückzukommen, der durch die ausführlichen Presseberichte der Oeffentlichkeit bekannt geworden ist Wese Böden, die den Kolonisten von Chedera gehören, waren seit 40 Jahren an Beduinen verpachtet. Jetzt wollen die Kolonisten sie selbst in Bebauung nehmen, aber die Beduinen verlangen, daß man sie nicht einfach verjagt Nach einem alten Gesetz ist nicht nur das Eigentum, sondern auch der tatsächliche Besitz des Bodens geschützt und die Regierung hat daher in diesen Tagen entschieden, daß die zirka 500 Dunam, über die die Beduinen Pachtverträge haben, ihnen zunächst verbleiben sollen, während ein großer Teil des strittigen Landes beiden Parteien entzogen bleibt, bis das Gericht entschieden hat Die Zeitung ״Dawar“ war mutig genug, auszusprechen, daß den Beduinen nach Recht und Billigkeit ein gewisser Anspruch auf Entschädigung zusteht und de schlug vor, daß die Kolonisten den jüdischen Bodenkäufer Hankin als Schiedsrichter annehmen. Diese Stellungnahme wurde von der bürgerlichen Oeffentlichkeit mit größter Entrüstung aufgenommen. Allen voran schrie wieder der ״Doar Hajom“ über nationalen Verrat Als ob es nicht darauf ankäme, einen ausgebrochenen Konflikt zwischen Grundherren und Pächtern in gerechter Form beizulegen, sondem als ob bt einer 'Rechtsfrage ..«.׳,priori _ nationale Momente entscheiden dürften! Es Ist zu hoffen, daß die Angelegenheit die bereits eine ganze Literatur von Memoranden und Darstellungen erzeugt hat schließlich doch durch Abfindung der Araber beigelegt wird. Nicht sie selbst ist uns hier wichtig, sondern die Denkungsart, die sie enthüllt hat. Unser Nationalismus muß ja darin bestehen, unser eigenes nationales Denken zu kontrollieren und uns nicht zu Sklaven nationaler Selbstsucht und eines hemmungslosen Egoismus zu machen, sondern uns die wahre innere Freiheit zu sichern, die Ideen-Politik an Stelle enger Interessen- Politik ra führen gestattet. Die konstituierende Versammlung der Agency Jerusalem, 5. Mai. (J.T.A.) Wie der J.T.A. aus zuständiger Quelle mitgeteilt wird, wird die konstituierende Versammlung der Jewish Agency wahrscheinlich schon am 15. August in Zürich stattfinden, und zwar unmittelbar nach dem 16. Zionistenkongreß. Um die Zionistische Exekutive in die Lage zu versetzen, die notwendigen Schritte für die Einberufung der Agency ergreifen za können, wird das Aktions- Comitee der Zionistischen Organisation noch im Monat Mai d. J., wie schon mitgeteilt, in London oder in Berlin zusammentreten. Diese A.-C.-Tagung wird ln erster Reihe das Abkommen zwischen der Zionistischen Exekutive und den Nichtzionisten bezüglich der Jewish Agency zu beraten haben. Würde die Beratung erst dem Kongreß überlassen bleiben, so könnte die Agency nicht vor mitte September zusammentreten; dies wäre aber ein sehr ungünstiger Zeit- Punkt, da viele Amerikaner zu dieser Zelt nicht mehr in Europa wellen werden, während für eine Tagung am 15. August eine sehr große Beteiligung erwartet werden könne. Eine Herbst-Tagung der Jewish Agency würde auch §jne Verzögerung der Kampagne zugunsten der zionistischen Fonds in Amerika mit sich bringen. In zweiter Reihe wird sich das Aktions-Comitee bei einer Maitagung mit der Einwanderungsfrage zu befassen haben. Die Zionistische Exekutive hat bei der Palästina-Regierung um die Gewährung von 2800 Einwandererzertifikaten angesucht. Die wirtschaftliche Lage In Palästina hat sich nun in einem solchen Maße gehoben, daß die Zionistische Exekutive die Zeit für gekommen erachtet, die Einwanderung im großen Stile wieder aufzunehmen. Da aber der Exekutive die Tür eine vergrößerte Einwanderung und für eine Obsorge zugunsten der Einwanderer notwendigen Summen fehlen, wird das Aktions-Comitee über die Schritte zur Aufbringung der notwendigen Fonds zu beraten und zu beschließen haben. (Soweit die JTA.-Meldung. Die Skizziernng der Tagesordnung der nächsten A.-C.-Sitzung scheint uns in der vorliegenden Darstellung ungenau. Wir geben jedoch die Meldung unter Vorbehalt einer späteren ausführlichen Darstellung wieder. Red.) Felix M. Marburg Ober die Jewish Agency I erusa 1 e m , 28. April. (J.T. A.) Felix M. Warburg empfing den Vertreter der t.T.A. und sprach sich ihm gegenüber über die Zukunft der Jewish Agency aus. Er stellte fest, daß über die Arbeit und die Aufgaben der Jewish Agency zwischen Zionisten und Nichtzionisten ein völliges Uebereinkommen erreicht wurde und daß hierüber völlige Uebereinstimmung herrscht. Der Präsident der Zionistischen Organisation wird gleichzeitig der Präsident der Jewish Agency sein, es könne aber auch eine andere Persönlfchkeit zum Präsidenten der Jewish Agency gewählt wer- Iden, wenn diese drei Fünftel aller Stimmen auf sich vereinigt. Wohl ist das Arrangement getroffen worden, sagte Warburg weiter, daß der große Rat und die administrativen Körperschaften der Agency zur Hälfte aus Zionisten, zur anderen Hälfte aus Vertretern nichtzionistischer Körperschaften zusammengesetzt sein sollen, ich stelle es mir aber vor, daß diese Einteilung nur für die Anfangsperiode Geltune haben werde; in Zukunft sollte die persönliche Befähigung das einzige Kriterium für die Uebernähme eines Amtes sein. Bevor ich nach Palästina gereist war, fuhr Warburg fort, bin ich in Cannes mit Baron Edmond de Rothschiid und Lord Melchett zusammengetroffen. Baron de Rothschild bewies ein starkes Interesse für alle Einzelheiten der Lage und der Arbeit in Palästina und gab der Hoffnung Ausdruck, die erweiterte Jewish Agency werde das Werk in Palästina verstärken. Im Verlauf der weiteren Unterredung äußerte Warburg, er habe in diesen Tagen viele Teile Palästinas besucht und tiefe Eindrücke empfangen. In ganz Palästina ist ein bemerkenswerter Fortschritt zu verzeichnen. Das größte Guthaben der palästinensischen Judenheit sind jene unsichtbaren Hilfsquellen, die aus verschiedenen Ländern fließen, indem jeder Jude, der Verwandte in Palästina hat, diesen seine Hilfe angedeihen läßt. Diese unsichtbaren Hilfsquellen stellen ein Gewebe dar, das mit zahllosen feinen Fäden alle Teile der Welt an das Land Palästina knüpft und das eine große Kraftquelle für Palästina bedeutet. Der Idealismus der Juden Palästinas und die grenzenlosen Opfer, die nicht allein die Kolonisten, sondern auch alle Elemente des Landes dem Werke des Aufbaus bringen, haben mich tief bewegt. Warburg führte als Beispiel die beiden Brüder Pollac an, die als die Eigentümer der großen Zementfabrik ״Nescher“ wie Eremiten leben und roße Summen konstruktiven Zwecken widmen. Er wies auf en Fall des Architekten Green hin, der sofort nach dem katastrophalen Erdbeben, das zahlreiche Häuser zerstörte, aus eigener Kraft und eigenen Mitteln, ohne ein Entgelt zu verlangen, die Häuser reparierte und in erstaunlich kurzer Zeit die meisten beschädigten Gebäude wieder bewohnbar machte. Das erste Jewish Ageocy-Badge! Jerusalem, 3. Mai. (J.T.A.) Am 29. April fand in Jerusalem eine gemeinschaftliche Sitzung der Mitglieder der Zionistischen Exekutive Palästinas, Dr. Weizmanns, Felix M. Warburgs und Julius Simons, statt Gegenstand der Verhandlungen war die Festsetzung der allgemeinen Riehtlinien für das erste Jahresbudget der Jewish Agency, das sich auf eine Million Pfund belaufen soll. Während der Sitzung wurde mitgeteilt, daß die amerikanischen Führer der Jewish Agency ihre Bereitschaft erklärt haben, die Quote von 60 ¥0 des Gesamtbudgets — wie in dem Budgetplan vorgesehen — in den Vereinigten Staaten sicherzustellen. (Nähere inzelhelten sowie eine Bestätigung dieser Nachricht stehen noch aus. Red.) * Jerusalem, 28. April. (J.T.A.) Felix M. Warburg hielt mit Dr. Bernhard Kahn, Mohl, Viteles, Julius Simon und Singer eine Besprechung über die Palästina- Arbeit der amerikanischen Palestine Economic Corporation ab. Es wurde festgestellt, daß die Arbeit in befriedigender Weise vorwärts geht. Felix M. Warburg verläßt in diesen Tagen Palästina und schifft sich am 25. Mai an Bord der ״Berengaria“ nach New York ein. New York, 2. Mai. (J. T. A.) Felix M. Warburg, der gegenwärtig in Palästina well(, hat nach New York telegraphiert, daß er für die Aktion des Verbandes ORT zur Beschaffung von Maschinen, Werkzeugen und Rohstoffen für die jüdischen Deklassierten in Rußland den Betrag von 50 000 Dollar zur Verfügung stellt. ierusalem, 5. Mai. (J.T. A.) Felix M. Warburg »r. Bernhard Kahn sind aus Palästina abgereist. Chancellor Uber den Aufbau Jerusalem, 29. April. (J. T. A.) Oberkommissar Chancellor empfing den Direktor der J.T.A., Jacob Landau. Der Oberkommissar bezeigte ein großes Interesse für die Arbeit der Palästinensischen Telegraphen-Agentur und gab seiner Genugtuung über das Abkommen dieser Agentur mit Reuter in London Ausdruck. Durch dieses Abkommen, sagte Sir John Chancellor, werde Palästina in einem weit höheren Maße als bisher dem Weltnachrichtendienst an* eschlossen und werde nunmehr die Vorteile der Weltpresseienste von Reuter und J. T. A. genießen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs gab Sir John Chancellor der Hoffnung Ausdruck, daß die ln der zukünftigen erweiterten lewish Agency zu schaffende vereinigte Anstrengung des Judentums für Palästina dem Lande einen neuen Aufschwung geben wird. Ich bin, sagte der Oberkommissar, mit Felix M. Warburg zusammengetroffen, den ich kenne und der sich als Führer der Nichtzionisten für Palästina einsetzt. Ich zweifle nicht, daß die Mitarbeit einer so großen und erfahrungsreichen Wirtschaftspersönlichkeit In der Jewish Agency zur Konsolidierung und weiteren Stärkung des Aufbau- Werkes sehr viel beitragen wird. Die erste Bemühung der Jewish Agency wird es sein müssen, die jüdischen Siedlungen auf eine Stufe zu bringen, daß sie sich selbst erhalten können. Erst wenn ein solches Stadium erreicht sein wird, wird man sagen können, daß das jüdische Kolonisationswerk die Phase der Phiiantropie verlassen, eine effektive Wirtschaftliehe Stärke erreicht und das notwendige Tempo des Fort- Schritts eingeschlagen hat. <§ 20 Jahre Tel-Awiw Jerusalem, 5. Mai. (J.T. A.) Auf dem Ausstellungsgelände von Tel-Awiw versammelte sich am 2. Mai fast die gesamte Einwohnerschaft der Stadt zur Feier des 20. Jahrestages der Gründung der jüdischen Stadt Tel-Awiw. Der Bürgermeister Mayer Dizengoff hielt die Eröffnungsansprache. Er gedachte zunächst der bei dem Pogrom im Jahre 1921 gefallen en Juden und teilte mit, daß die Stadtverwaltung beschlossen habe, die neue Straße, die eine Fortsetzung des Rothschild-Boulevard ist, ״Keren Kajemeth-Boulevard“ zu benennen als Zeichen der Dankbarkeit für den Jüdischen Nationalfonds, der ein Haus und einen Geldbetrag als Darlehen für die Begründer von Tel-Awiw gestiftet hat. Nach Dizengoff hielt der Distriktsgouverneur eine Rede in hebräischer Sprache. Er überbrachte der Stadt Tel-Awiw die Grüße der Regierung und führte aus: Gewiß wurden in Tel-Awiw hie und da Fehler gemacht, aber alles in allem bedeutet Tel-Awiw einen großen jüdischen Erfolg; es symbolisiert den ewigen Glauben der jüdischen Rasse an ein Ideal. Es sprachen noch Miß Henrietta Szold im Namen der Zionistischen Exekutive, Dr. T h 0 n im Namen des Waad Leumi, Leib J a f f e im Namen des Keren Hajessod, Wilkansky im Namen des Jüdischen Nationalfonds, sowie ferner Vertreter der jüdischen Kolonien und der Histadrutli. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Prozession aller in Tel-Awiw Geborenen, die in Gruppen nach dem Geburtsjahr, jede Gruppe mit eigenem Banner, durch die Straßen der Stadt marschierten. Der Aelteste der Tel-Awiwer Jugend hielt im Mittelpunkt der Stadt eine Ansprache, in der er sagte, Tel-Awiw sei ein Zentrum für die freie Entwicklung der Jugend. Daraufhin händigte ihm der Bürgermeister Dizenf" über der Versammlung den Segen und ein Gebet, daß‘Gott seinen» Volke zur Erneuerung seines Lebens aufhelfen möge. Während des Gebetes brachen viele der Anwesenden in Tränen aus. Die Graadstelilegang des NationaUoodsbanses Jerusalem, 28. ApriL (J. T.A.) Dreizehn Vertreter großer jüdischer Organisationen und Institutionen legten den Grundstein zum Hause des Jüdischen Nationalfonds in Jeru- Salem, das als ein Monumentalgebäude gedacht Ist und später wahrscheinlich die zionistischen Hauptbüros beherbergen wird. Die 13 jüdischen Persönlichkeiten waren: M. M. Ussischkin für den Keren Kajemeth, Colonel F. H. Kisch für die Zionistische Exekutive, Dr. Thon für die Knesseth Israel, Leib Jaffe für den Keren Hajessod, Dr. Frank für die Rothschildsche Pica, Felix M. Warburg für das American Joint Distribution Committee, Louis Lipsky für die amerikanische Zionistische Organisation, Gelber für die kanadischen Zionisten, Mevuchas für die Jerusalemer jüdische Gemeinde, der Schriftsteller Mordechai Ben Hillei Hakohen für Tel-Awiw, Eliezer Yoffe für die zionistischeu Siedlungen, Schuchowiecki für die jüdischen Kolonisten, Dr. J. L, Magnes für die Hebräische Universität. M. M. Ussischkin hielt an die zahlreiche Festversammlung eine Anspräche, in der er der Hoffnung auf die nationale Einheit aller Teile Israels im Zeichen Palästinas Ausdruck gab. Er sagte, die Grundsteinlegung vollziehe sich im Zeichen einer dreifachen Heiligkeit: Heilige Stadt Jerusalem, heiliges Fest von Israels Befreiung, heiliges Ziel der Auslösung des Bodens Erez Israels durch den Nationalfonds. — Das Gebäude wird in zw ölf Monaten fertiggestellt sein. Eröffnung des Nathan Strans Gesundheitszentrums Jerusalem, 3. Mal. (J.T.A.) Oberkommissar Chancellor nahm am 29. April die Einweihung des N athan und Lina S t r a u s - Gesundheitszentrums in Jerusalem, dessen Grundstein am 2. März 1927 durch den früheren Oberkommissar Lord Plumer gelegt worden war, vor. Der Festakt wurde geleitet von Miss Henrietta Szold. Miss Szold hielt eine Ansprache, in der sie einen Ueberblick über die Hadassah- Tätigkeit in Palästina in den letzten zehn Jahren gab und das Werk der Menschenliebe von Nathan Straus rühmte. Sir John Chancellor sagte, er sei glücklich darüber, daß gemäß dem Beschluß von Nathan Straus, das Gesundheitszentrum allen Menschen ohne Unterschied des Glaubens offenstehen soll. Als ich, sagte er, die Gesundheitsstatistik Palästinas studierte, ersah ich, daß die Sterblichkeit der Araber die der Juden beträchtlich übertrifft. Der Grund der geringeren Sterblichkeit unter den Juden liegt in der ausgezeichneten Arbeit der Hadassah. Nunmehr wird das Straus-Gesundheitszentrum unter der Leitung der Hadassah dazu beitragen, auch den Gesundheitszustand der Araber zu verbessern. Im Namen der Bevölkerung ganz Palästinas spreche ich Nathan und Lina Straus die tiefste Dankbarkeit aus. Ihr Andenken wird in Ehren fortbestehen und von der Dankbarkeit der Menschen gekrönt sein. — Der Oberkommissar rühmte das große Gesundheitswerk der Hadassah in Palästina und schloß mit den Worten: Ich bin glücklich darüber, daß die Arbeit des Nathan Straus-Zentrums verbunden sein wird mit der Arbeit der Hadassah. Alle Gesundheitsinstitutionen sollten vereinigt sein zum Nutzen des ganzen Landes. Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Nashashlbi, würdigte ebenfalls das gfößft Werk von Nathan Straus. Es wurden Telegramme von Nathan Straus, Dr. Weizmann, Nahuni Sokolow, der amerikanischen Hadassah, Rev. John Haynes Holmes u. a. m. verlesen. An Nathan Straus und Lina Straus wurde ein herzliches Begrüßungstelegramm abgeschickt. In dem neu eröffneten Gesundheitszentrum ist gegenwärtig eine Ausstellung zu sehen, die die Leistungen der Hadassah in Palästina illustriert. Die VBiverslÜtskliBik Jerusalem, 5. Mai. (J.T.A.) Im Zusammenhang mit der 100 000 Dollar-Stiftung des amerikanischen Anwalts M o r i - son für Einrichtung eines Instituts für Augenkrankheit art der Hebräischen Universität zu Jerusalem erklärte Dr. M a g n e s in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter, daß nunmehr die Pläne für die Schaffung einer medizinischen Klinik an der Universität, die allen Einwohnern Palästinas ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens offen stehen soll, von der Universitätsbehörde und der ״Hadassah“ und dem amerikanisch-jüdischen Aerzte-Komitee ausgearbeitet werden. Jerusal cm, 29. April. (I.T.A. Im Regierungs-Hospital zu Jerusalem wurde das Röntgen-Institut eröffnet, Die Festansprache hielt der Oberkommissar Sir John Chancellor. Hu• and Aaswanderaag im Februar Jerusalem, 5. Mai. (J.T.A.) Wiesoeben vom Ein■ wanderungsamt mitgeteilt wird, sind im Monat Februar 1929 483 Personen, unter ihnen 378 Juden, in Palästina eingewandert, während 166 Personen, unter ihnen 104 Juden, das Land verlassen haben. Im Januar d. J. wanderten 481 Personen (352 Juden) ein, 173 Personen <89 luden) wanderten aus. im Dezember kamen 107 Juden nach Palästina, während 99 Juden das Land verlassen haben. Während des ■ganzen Jahres 1928 war die Zahl der Einwanderer und die der Auswanderer gleich, nämlich 2178. In den drei Krisenjahren 1926, 1927 und 1928 kamen 17971 Juden ins Land, 14614 Juden verließen es, so daß der Gesamtüberschuß der Einwanderung in diesen drei Jahren 3357 ergab. Mit Beginn 1929 ist eine sich steigernde Einwanderer- und eine fallende Auswanderer-Tendenz festzustellen. Der Baila-Balcnbau J erusalem , 3. Mai. (LT. A.) Die Palästina-Regierung hat einen Vertrag mit der Palestine Jewish Cdonisation Association über Pacht von PfCA-Bödet! mit Steinbrüchen in der Nähe von Athlit geschlossen. Von dort werden die Steine für den Hafenbau in Haifa genommen werden. Die Regierung pachtete auch Böden von der Athlit-Company, auf denen Hauser für die Steinbrucharbeiter errichtet werden sollen. Die Ruthenberg-Gesellschaft wird elcktrische Kraft für die Steinbruche liefern. Wieder eia Zwischenlall an der Klagemaner Jerusalem, 6. MaL (J.T.A.) Während der jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer zu Jerusalem am Freitagabend, dem 3. d. M., und am Sonnabendmorgen wurden die jüdischen Andächtigen von Moslems mit Steinen beworfen, von denen mehrere der betenden Juden getroffen und verletzt wurden. Der Schammes wurde schwer verletzt. Jerusalem, 2. Mai. (J. T. A.) Oberrabbiner K u k hat bei dem Distrikts-Gouverneur von Jerusalem dagegen Protest erhoben, daß die Moslems fortdauernd an der Klagemauer Bauarbeiten durchführen und dadurch den Status ejuo stören. Der Distrikts-Gouverneur verfügte, daß die Bauarbeiten an der Klagemauer sofort eingestellt werden.

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