Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 35-36 (8.5.1929)
- Date
- 1929-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Doppelnummer 0,40 Qotdmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15* Meinekestrafe 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. AiulMdMbomOTMjt» werden in der WSH/une der eintelnen Linder berechnet. Anzeigen *V erwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H.,BerlinWl5,Meinelestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165-70, Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Fttr OeMerretcb: Posnpeikamenami Wien, Konto Nr. 156030. FflrTediedsosIowekei: PoueperkaMetumt Prag, Konto Nr. 59410. Für Polen: Poeteparlfaaeenmu Werschau, Konto Nr. 190709. Redak tions Schluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nommer^V36j Berlin, 8. V. 1929 Aorelgenprela: 8 genp. Nonpareillereile 030 G.~M.Stellengesuche 0,25 G.'M?* AardgeudilQfit Diesatag ttadPralteg.iiacltMlttaci 4 Uhr תרפ״ט כ״ח ניסן׳ XXXIV. Jabrg. Per Zionismus erstrebt fOr das JDdlsehe Volk «He Schäftung einer öffentlich. rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Grofle Palästina - Debatte im llnierüaus London, 5. Mat. (J. T. A.) Die letzte Sitzung des englischen Unterhauses, in der das Budget des Kolonialamtes behandelt wurde, gestaltete sich zu einer großen Auseinander- Setzung über die Palästina-Politik der englischen Regierung. Als erster ergriff das Wort Commander Kenworthy, der sich an die Konservativen wandte und von ihnen als Gesamtpartei und -fraktion eine klare und korrekte Stellungnahme zu Palästina und dem jüdischen Aufbau in diesem Lande verlangte. Wohl, fuhr Kenworthy fort, nahmen die Führer der Konservativen von jeher eine solche Stellung ein, es gäbe aber eine Anzahl konservativer Deputierter, die keine Gelegenheit Vorbeigehen lassen, ohne böswillige Anwürfe gegen die Palästina-Politik zu schleudern. Es sei min höchste Zeit, mit dieser Inkonsequenz aufzuhören. Wurde doch die Balfour-Deklaration sowohl von den Konservativen als auch von den Oppositionsparteien akzeptiert. Aus den gleichen Gründen ist es für die Regierung durchaus notwendig und folgerichtig, eine freundlichere Beziehung zu dem jüdischen Siedlungswerk und den jüdischen Siedlern herzustellen. Die Juden haben zehn Millionen Pfund ln Palästina investiert; Gelder, die unter alt und jung, arm und reich, unter den Juden der englischen Dominions und Amerikas, wie unter den verarmten Juden Polens, Rumäniens und anderer Länder aufgebracht wurden. Palästina koste England nichts mehr; das Land bestreitet aus eigenem die Ausgaben der englischen Garnison und der Luftstreitkräfte und trägt zu einem großen Teile zum Unterhalt der transjordanischeu Grenzmacht bei. Es ist das einzige Land unter den Nachfolgestaaten der einstigen Türkei, das sein Teil der alten türkischen Staatsschuld zahlt. Im Lande herrscht Ruhe und Ordnung. Handel und Industrie entwickeln sich dank den Bemühungen der Juden, die danach streben, ihr altes Nationalheim mit Glanz aufzubauen. Diese Bestrebungen verdienen mehr Förderung und mehr Sympathie, als ihnen bisher zuteil geworden ist. Am wichtigsten ist die Bodenfrage. Die jüdischen Kolonisten sind gezwungen, Boden zu Marktpreisen zu erwerben und mn Anfang an hohe Steuer».,»» entrichten. Kenworthy fragte, ob die Böden von Beisan schon definitiv den Beduinen gegeben wurden und ob noch die Möglichkeit besteht, der Zionistischen Organisation Beisan- Böden, sowie Sumpfböden Im Norden von Gali- 1 i a zu übergeben, die die Zionisten durch Melioration in fruchtbares Land umwandeln würden. Kenworthy forderte Verständnis und Gerechtigkeit gegenüber den jüdischen Forderungen bezüglich der Klagemauer in Jerusalem und erhob gegen die englische Beamtenschaft in Palästina den Vorwurf, daß sie gegen die Juden gestimmt sei. Man müsse diese englischen Beamten dahin belehren, daß sämtliche Parteien des englischen Parlaments in dem Ent- Schluß einig seien, daß die Balfour-Deklaration in Ihrem Geist und ihrem Wortlaut zu verwirklichen sei und daß alle aus dem Palästina-Mandat resultierenden Verpflichtungen strikte zu erfüllen seien. Nach Kenworthy ergriff Oberst Wedgwood das Wort uni unterstrich die Notwendigkeit, die Bestrebungen der Juden, ihr Nationalheim unter der englischen Flagge aufzubauen, in vollem Maße auszunutzen. Die Freundschaft zwisehen England und Amerika könne nicht besser befestigt werden als durch die Freundschaft mit dem jüdischen Volke in der ganzen Welt. Wedgwood kritisierte scharf das ungerechte Steuersystem in Palästina, insbesondere die Zehentsteuer und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die britische Regierung entschlossen sei, Palästina in ein freies, sich selbst verwaltendes Land gleich allen Ländern des britischen Imperiums umzuwandeln. England hat unter der arabischen Intelligenz in Palästina keine Freunde. Will nun die Palästina-Administration, daß die antienglischen Stimmungen auch unter den übrigen Tellen der Bevölkerung Platz greifen sollen? Wedgwood berührte die Fragen der Anleihe und der Krediterleichterung für jüdische Kolonisation und fragte das Kolonialamt, ob man deshalb keine Krediterleichterung schafft, weil man befürchtet, daß dies dem Lande zu viel jüdische Immigranten zuführen werde. Eine solche Stellungnahme sei durchaus falsch. Palästina würde weit mehr prosperieren, wenn die Bevölkerung doppelt so groß sein würde, als sie heute ist. Die jüdische Einwanderung bringt auch den Arabern großen Nutzen. Wedgwood klagte darüber, daß die britische Administration die Fragen der englischen Sprache und Bildung mit Gering- Schätzung behandelt, obwohl doch zahlreiche Länder in Asien und Afrika nur dank der englischen Bildung eine Selbständigkeit erlangt haben. Palästina wird solange nicht ein selbständiges Land sein, als dort nicht die englische Sprache allgemein verstanden wird. Die Rede Ormsby-Gores Unter größter Aufmerksamkeit des Hauses erhob sich der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby-Gore, um auf die Darlegungen von Kenworthy und Wedgwood zu ant- Worten. Ebenso wie Colonel Wedgwood heute, begann Ormsby-Gore, war ich, lange bevor ich mein Amt antrat — und auch heute noch — ein überzeugter und eifriger Zionist, wenn auch aus anderen Gründen wie Colonel Wedgwood. Er sieht die Sache so an, daß das jüdische Volk im Begriffe ist, unsere Ideen, unsere westliche Zivilisation und unsere Freiheitsliebe noch einmal nach dem Osten zu tragen. Ich sehe sie im Sinne von Dr. W e i z m a n n an. Wenn der zionistisdie Führer einmal sagte, er wünsche, daß ״Palästina ebenso jüdisch werde, wie England englisch ist“, so war dieser Ausdruck vielleicht etwas unglücklich gewählt, und er wurde ihm falsch ausgelegt; ich glaube, daß Herr Dr. Weiztnann damit sagen wollte, daß die jüdische Zivilisation in Palästina weder englisch, noch französisch, noch araerikanisch, noch polnisch, noch spanisch oder sonstwie, sondern rein jüdisch und dazu noch palästinensisch-jüdisch, sein solle, und daß es das zionistische Ziel sei, die physischen, geistigen und wirtschaftliehen Bedingungen für das Heranwachsen von einer jüdisehen Generation nach der anderen im Lande der Väter zu schaffen. Und so glauben die Juden, und so glaube auch ich, daß im Laufe der Zeit ein Volk der Denker und Dichter in Palästina entstanden sein wird, und daß ein Menschentyp emporwachsen wird, der die Literatur, die Religion und das [lenken der Welt ungeheuer bereichern wird. Nicht die große Zahl wird es tun, sondern die Qualität; die höhere Qualität wird diesem Volke die wirkliche Freiheit bringen. Und wenn Colonel Wedgwood fragt, warum die Regierung nicht mehr für die englische Er- Ziehung der Juden tut, so erwidere ich, daß es die Quintessenz des zionistischen Ideals ist, ihr Volk von hebräischer Tradition und hebräischer Sprache durchdringen zu lassen. Die Kontrolle des jüdischen Unterrichts muß soweit wie möglich A n g c - legenheit der Juden bleiben. Colonel Wedgwood hat gesagt, die Politik der drei Parteien und ihrer Führer im Parlament sei in dem Mandat eingezirkelt und daß das Mandat die wirkliche Basis sei, auf der wir Palästina verwalten sollen. Ich bin sicher, daß jede Regierung alles, was in ihren Kräften steht, tun wird, um die Verwirklichung des zionistischen Ziels der Politik und der Ideale des Zionismus zu erleichtern, wie dies in den Bestimmungen des Mandates und der Balfour-Deklaration festgelegt ist. Commander Kenworthy hat die Frage der Klage* »8» ז*"יg diese׳, ung1las«ge; Episode 'selmel/vergessen Heft wurde. Die Klagemauer besteht aus einem Untergrund von großen Steinen, die zweifellos die Mauer des Herodes- oder des Nehemia-Tempels darstellten. Darüber sind kleinere Steinschichten, die aus der Römerzeit stammen sollen, und darüber wieder eine Reihe im Mittelalter aufgelegter Steine, die von Suliman herrühren sollen, der die Heilige Stadt im 16. Jahrhundert wiedererbaut hat. Ich verstehe es, daß die Stätte vor der Mauer, die zweifellos Teile des alten jüdischen Tempels enthält, Gegenstand jüdischer Verehrung ist. Die Spitze der Mauer, die moslemisch ist, ist und war keine Streitangelegenheit. Alle diese Fragen sind in Palästina äußerst delikat und schwierig. Besonders in der Stadt Jerusalem werden die Leidenschaften leicht entflammt, Mißverständnisse entstehen sehr bald; ich meine, man sollte diese nicht wieder aufs Tapet bringen. Ich wurde über den Plan der Eisenbahn von Haifa über den Jordan südlich des Toten Meeres und weiter nach Persien gefragt. Das muß eine Frage der Zukunft bleiben. Jetzt bauen wir schon den Haifa-Hafen. Wenn für die Eisenbahn die Finanzierung gefunden sein wird, wird sie gebaut werden, und Haifa wird ihr Mündungshafen sein. Ich bin, schloß Ormsby- Gore, mit der Schilderung, die hier von der Palästina- Administration gegeben wurde, nicht einverstanden. Bezüglich der Bodenfrage bestehen Schwierigkeiten darin, daß viel von dem Boden Palästinas syrischen Effendis gehört, die eine türkische Konzession gerade für dieses Gebiet haben. Bevor diese Schwierigkeit nicht aus dem Wege geräumt ist, kann das, was Wedgwood verlangt, nicht erfüllt werden. Die Verwaltung steht mehreren einander widerstreitenden Interessen von höchst chaotischer Natur gegenüber. Es scheint aber als sicher festzustehen, daß sich in diesem Jahre eine Gelegenheit argeben wird , das jüdische Siedlungsland zu vergrößert* Es bleibt bei aller Erwägung, Gesetz und Ordnung bestellen zu lassen und Unruhen zwischen den verschiedenen Elementen hintanzuhalten, unsere Pflicht und unser Wunsch, die Verwirklichung der höchsten zionistischen Ideale und die jüdische Siedlung in Palästina zu fördern. Die mit der Verwaltung betrauten Personen haben sich mit schwierigsten Problemen zu befassen, aber ich bestreite durchaus, daß ihre Gesinnung der Politik der Regierung oder des Mandates irgendwie feindlieh ist. Diese Menschen sind vollkommen loyal und gerade der Typ, den man dort nötig hat. A.-C.-Sitzung im Mai Berlin, 3. Mai. (J. T. A.) Seitens der Zionistischen Exekutive in Palästina ist der Wunsch zum Ausdruck gekommen, noch in der zweiten Hälfte des Mai eine Sitzung aes Aktions-Comites der Zionistischen Organisation stattfinden zu lassen. Leo M o t z k i 11, dem dieser Wunsch übermittelt wurde, hat in Berlin Beratungen mit den deutschen und mehreren durchreisenden auswärtigen A.-C.-Mitgliedern gepflogen. Es kam einmütig — auch mit den Stimmen der A.-C.-Opposition — der Wunsch zum Ausdruck, in der zweiten Hälfte des Mai eine A.-C.-Sitzung abzuhalten. Leo Motzkin begibt sich nach London, u!n gemeinsam mit den Mit- Gliedern der Exekutive den genauen Zeitpunkt und den Ort er A.-C-Tagung festzusetzen. Palästina -׳ Glossen RW, Jerusalem, 18. April 1929. Das palästinensische Judentum ringt noch um Festigung seiner materiellen und kulturellen Position, aber es steht schon mitten im Uebergang aus dem künstlichen Produkt eines politischen Willens zu einem natürlich wachsenden und atmenden Organismus. Das Volk hat seine Sprache wiedergefunden, das ist ein großes Ereignis der Geschichte, und das Künstliche, Forcierte, das ihrem Gebrauch noch anhaftet, verschwindet bei der zweiten Generation. Der hebräische Lehrer ist es, der dieses Wunder bewirkt hat, und es war nur gerecht, wenn in diesen Tagen, anläßlich des 25jähfig«ri Jubiläums des Lehrerverbandes, der Dank der jüdischen Oeffentlichkeit für die Lehrer manifest wurde. Am deutlichsten zeigte sich das in der großen Festversammlung am 16. April, die als Abschluß der dreitägigen ״Pädagogischen Konferenz“ eine große Zahl von Lehrern und deren Freunden vereinigte. Der große Saal war gedrängt voll; unter den Gästen waren auch Felix und Max Warburg und Dr. Cyrus Adler, die mit Dr. Magnes erschienen waren und hier die Macht des neuerstandenen Hebräisch erfühlen konnten. Die Versammlung war imposant, der Reden waren viele, und zum Schluß wurde um 2 Uhr nachts an der Klagemauer eine Totenfeier für die verstorbenen Lehrer zelebriert. Aber diese eindrucksvolle Demonstration gab doch auch zu denken. Die Lehrer haben große Verdienste um die Erweckung des Hebräischen, aber nun ist die Sprache da, und nun entsteht die Frage, was zu lehren ist in dieser Sprache. Die Zeit, wo Sprache Selbstzweck war, ist vorbei; das Leben fordert sein Recht. Wir wollen in unserer Sprache reden, um in ihr unsere Gedanken und Gesinnungen als Menschen zu äußern, ohne uns in der — für andere Völker selbstverständlichen — Tatsache des bloßen Sprache-Redens zu bespiegeln. Das wird oft vergessen, in all den Reden an die Lehrer war viel die Rede von nationalen Pflichten, aber kein einziger Redner sagte ein menschlich warmes Wort über die Pflicht der Erziehung selbst, über die Verantwortung der Menschenbildung und das Ziel einer höheren Menschlichkeit. Statt dessen hörte man Worte eines fanatischen Chauvinismus, die an dieser Stelle am allerwenigsten am Plätze warffkd|gl> zeugen, der die waltren und aktuellen Probleme verbirgt Was ist die Aufgabe des Lehrers? Nicht die eines zionistischen Propagandisten im Golus. Er hat nicht Nationalisten Zu erriehen, sondern er hat Bildung und menschliche Werte zu vermitteln; die Jugend, die ihm anvertraut ist, Ist so gut und wissenshungrig wie jede Jugend, und es genügt nicht, wenn die Lehrer sie zu Kämpfern für Sprache und ז Land erziehen. Vor allem aber muß diese palästinensische Jugend wissen, daß sie im Lande mit einem zweiten Volk, einem alten Kulturvolk, zusammenlebt, und daß sie dieses ernste reale Problem zu bewältigen hat. Kein einziges Wort wurde dariiber gesprochen, statt dessen aber hörte man reichlich die alte Phraseologie von der Erneuerung des Königreichs Davids. Dies alles ist nur so erklärlich, daß eben die repräsentativen Mensehen — Ussischkin, der Festredner des Abends, ist nur der Prominenteste und schärfst Konturierte, aber nicht der einzige dieser Prägung — ihre innere Attitüde noch ganz auf politische Propaganda eingestellt haben, während das Leben heute seine eigenen Forderungen stellt. Die Loslösung des wirklichen Lebens von der theoretischen politischen Konzeption ist ihnen noch nicht ins Bewußtsein getreten. Zu einer zionistischen Versammlung konnte man vor Jahren vielleicht so reden, zu Lehrern der neuen palästinensischen Jugend darf man es nicht. Nationales Selbstbewußtsein braucht nicht zu nationaler Selbstgefälligkeit zu führen, und man muß nicht die Klagemauer über Akropolis und Forum erheben, um die jüdische Lebensberechtigung darzutun. Daß in der Fest- Versammlung kein einziger von dem mehr als ein Dutzend Rednern sich gegen diese geistige Flaltung wandte und ihre Gefahren aufwies, zeigt die ganze Tiefe des Problems, das in den nächsten Jahren, mit fortschreitender Entwicklung des Volkes, akut w׳erden muß. Bei allem nationalen Radikalis• tnus und entschiedener Bekämpfung levantinisclj-assimilaiorischer Tendenzen, muß doch das Bewußtsein unserer Situation im Lande und der Notwendigkeit eines Zusammenlebens der beiden Staatsvölker klarer werden, w׳enn wir uns in diesem Lande auf die Dauer die Bedingungen des Aufbaues des nationalcn Heims erhalten wollen. Es ist nicht Liebe zu den Arabern, sondern einfache Erkenntnis unserer menschlichen und politischen Lage, die uns fordern läßt, daß wir ein erträgliches und gerechtes Verhältnis als wichtigsten Zukünftsfaktor befrachten. Wir Zionisten haben, noch vor der Bestätigung des Palästina-Mandats, die bekannte Interpretation des Churchill’schen Weißbuches, wonach in Palästina kein jüdischer Nationalstaat (der alle Palästinenser zu ״jüdischen“ Staatsbürgern machte) entstehen soll, sondern ein Staat mit zwei gleichberechtigten Nationen, durch unsere Unterschrift feierlich akzeptiert. Die Tatsache, daß trotzdem noch heute viele Zionisten, ja vielleicht die Mehrheit, die Selbstverständlichkeiten dieser Weißbuch-Interpretation ablehnen, zeigt die Größe der pädagogischen Auf• gäbe, die auf diesem Gebiet noch vor uns steht. Das Weiß buch gibt die einzige mögliche Handhabe zur Lösung de« Problems. Aber auch in der Praxis des Alltags muß sich die Annäherung vollziehen. Aeußerlich sind die Beziehungen de! Völker heute gebessert, die Sicherheit ist eine vollkommen« (ohnedies waren die früheren Ueberfälle auch meist höchst unpolitischer Natur), es gibt auch schon vereinzelt konkrete Berührungspunkte der Interessen. Statt aber die Möglichkeit