Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-04-30 · Heft 34 (30.4.1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 34 (30.4.1929)
Date
1929-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653094--20731-2678746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 216 Nr. 34.30. TV. 1029 JUEDISCHE RUNDSCHAU ) Der Archäologen-Kongreß in Berlin Die neuen Ausgrabungen in Palästina. Auf dem Internationalen Archäologen-Kongreß, der vorige Woche in Berlin eine Tagung abhielt, hielt Professor Su ke n i k von der Hebräischen Universität in Jerusalem ein viel beachtetes־ Referat über den Stand der neuesten Synagogen-F orschung in Palästina. Es handelt sich — so führte er in der Einleitung aus — um ein Oebiet, auf dem die bahnbrechende Arbeit von deutschen Gelehrtengeleistetwurde. Es war die Expedition der ״Deutschen Orient•Gesellschaft“, die in den Jahren 1905 und 1007 unter der Leitung von Kohl und W a t z 1 n g e r elf Synagogen in Galiläa teilweise ausgmb, wobei es gelang, die Orundform der antiken palästinensischen Synagoge festzustellen und viel von der alten Synagogen-Or* namentik zutage zu bringen. Die Hebräische Universität in Jerusalem beabsichtigt, in der nächsten Zeit eine vollständige Freilegung der alten Synagogen vorzunehmen. Vorläufig sind nur zwei der von Kohl und Watzinger teilweise freigelegten Synagogen völlig ausgegraben; die bekannte Synagoge von Kapernaum (Teil Hum) und die Synagoge von C11 o r a z i n (Kcraze). Die Ausgrabung der Kapernaum-Svnagoge haben die Franziskaner beendet. Deren Bauzeit verlegt Orfali in das erste Jahrhundert. Wichtigere Resultate haben sich bei der völligen Freilegung der Synagoge von Chorazin ergeben, die das Antiquitäten-Departement der Palästina-Regierung vorgenommen hat. Professor Sukenik wandte sich der Tätigkeit der ״JtidischenArchäoIogischenGesellschaft“in Jerusalem zu, die sich mit dem neuen Svnagogen-Fund bei Tiberi as befaßt hat. Die Ruine dieser Synagoge wurde beim Wegebau nahe Tiberias entdeckt. Die Bauform ist die bei allen Synagogen Palästinas übliche Basilikaform. Von besonderem Interesse sind Reste des Thoraschreins mit klein-architektonischen Bildwerken wie Säulchen und kleinen Türen mit Marmorbelag. Außer dem sei eine steinerne Menorah erwähnt, die erste ihrer Art, die man in einer antiken Synagoge entdeckt hat. Ein ganz neu entdeckter Svnagogen-Typ ist eine Synagoge bei Jericho, die im letzten Kriegsjahre aufgefunden wurde, als eine Bombe auf dem türkischen Lager nahe Jericho in einen Hügel einschlug und die Engländer tags darauf Teile eines Mosaikfußbodens mit einer aramäischen Inschrift freigelegt fanden. Diese Synagoge wurde nach dem Krieg von den Dominikanern ausgegraben, wobei reicher dekorativer Zierrat ans Licht gebracht wurde. Auch diese Svnagoge ist im Basilika-Stil angelegt und ist von Vorplatz, Hof und Seitengebäude umgeben. Am bemerkenswertesten ist der Mosaikboden des Mittelschiffs; er weist yerschiedene Abbildungen von Vögeln, Tieren, Früchten und dergleichen auf. Der Innenkreis umschließt das Mittelstück: eine figürliche Darstellung der Sonne, die auf einem Viergespann einherfährt. Um dieses Mittelstück sind in Kreistorin die zwölf Sternbilder angeordnet. In den vier Ecken sind Figuren angebracht, die die vier Jahreszeiten symbolisieren. Hebräische in- Schriften erläutern den Sinn der Darstellungen. Die Bilder sind leider fast nur in den Umrissen enthalten. Wir haben hier dieselbe Erscheinung, die man auch in anderen antiken Synagogen beobachten konnte: offenbar haben die Juden in einer späteren Periode der Bilderstürmerei alle figürlichen Darstellungen zerstört oder gänzlich entfernt. Oberhalb des Zodiakus schließt sich eine weitere Darstellung an, die man nur dank einer guterhaltenen hebräischen Inschrift deuten konnte. Von rechts und link® schreiten zwei Löwen auf eine in der Mitte befindliche Figur jru, von der nur Reste beider Hände erhalten sind. Die Inschrift zeigt den Namen Daniel, offenbar handelt es sich um eine Darstellung Daniels In der Löwengrube. Im 5üd*eil des Baues zeigt der Mosaik die Darstellung eines Tboraschreins, flankiert von zwei siebenarmlgen Leuchtern. In den Jetzten Monaten, wHghtete Professor Sukenik weiter. Ist eine zweite Synagoge dieses Typs entdeckt worden, die der Referent im Aufträge der Hebräischen Universität ausgegraben hat. Auch diese Svnagoge ist zufällig ans Tageslicht gekommen, als man in der jungen jüdischen Siedlung Bet h Alpha unweit Beisan Drainage-Arbeiten vorn ahm. Hier hatten wir das Glück, auf ungewöhnlich gut erhaltene Funde zu stoßen. Die freigelegte Fläche ist 28 m lang und 14 m breit. Auch hier ist die Basilikaform gewahrt. Zwei Reihen von je fünf Pfeilern teilen die Synagoge in die übrigen drei Stücke. Längs der Wände ziehen sich steinerne Bänke. Von großem Interesse ist eine Apsis, die auf der Südmauer der Synagoge ausladet und zweifellos als Standplatz des Thoraschreins diente. Eine spätere Hinzufügung ist ein stufenartig erhöhtes Podium (Bima) in der Nähe der Apsis. Die Richtung der Synagoge zeigt gegen Süden, ist also Jerusalem zugewandt, wie alle Synagogen, die nördlich Jerusalems aufgefunden wurden. Der ganze Komplex ist mit Mosaiken ausgelegt, das Hauptmosaik des Mittelschiffs ist außerordentlich bilderreich und vielfarbig. Es Ist in drei Felder geteilt und von einem Rahmen umgeben, der eine verschlungene Weinranke darstellt, in deren Verschlingütigen sich Abbildungen von Menschen, Tieren, Vögeln, Fruchtkörben usw. finden. Bei der Aosis im Südteil zeigt das Mosaik- Feld die Wiedergabe eines Thoraschreins, seiner Oeräte und Verzierungen. Im Mittelpunkt ist der Thoraschrein als ein giebelartiges Gebäude dargestellt. Seine Front weist zwei Flügeltüren aus, die in je vier Felder geteilt sind. Jedes der vier Felder zeigt Nachbildungen von Schnitzornamentik. Ueber den Türen trägt eine Leiste drei Vasen. Oberhalb der Vasen sieht man eine Cotiche, über der vom Giebelvorsorung herab die Ewige Lampe hängt. Auf den Akroterien steh! je ein Vogel — wahrscheinlich die Cherubim der Bibel. Zu beiden Seiten des Thoraschreins stehen zwei siebenarmige Leuchter, bei denen man zwei Widderhörner, sowie Abbildungen von Thora rollen in Theken sieht, aus dem die Umbilici herausragen. Ritueü^Feststräußc und Zitrusfrüchte (Lulaw und Ethrog) finden sich unter den Abbildungen. Unterhalb der Leuchter flankieren zwei brüllende Löwen den Thoraschrein. Strlucher und Vögel füllen den freien Raum. An dieses Feld schließt sich das rechteckige Feld des Zodiakus an, das hier den Mittelpunkt des ganzen Mosaiks bildet. Im Zentrum sieht man die figürliche Darstellung der Sonne mit einem Strahlenkränze auf dem Haupte auf einem vierspännigen Wagen thronend. Die freien Stellen sind mit Halbmond und Sternen bedeckt. Konzentrisch zu dem kreisförmigen Mittelstück sind die zwölf Sternenbilder angeordnet. Das Jahr beginnt, wie aus den Inschriften klar ersichtlich ist, mit dem Widder — dem Sternbild des ersten Frühlingsmonats. Besondere Erwähnung verdienen folgende Bilder: 1. Das Bild der ״Zwillinge“, die eng verbunden gleich siamesischen Zwillingen dargestellt sind. 2. Die ״Jungfrau“, die mit Ohrringen und anderem Schmuck behängt auf einem Thronsessei sitzt. 3. Das Abbild der ״Wage“, das einen Mann zeigt, der in seiner Rechten eine Wage hält. 4. Der ״Schütze“, der in der Linken einen Bogen Hält. 5. Der ״Wassermann", der das Wasser aus einer Zisterne schöpft. In den vier Feldern des Rechtecks, das den Zodiakus umspannt, sind vier Darstellungen der׳ Jahreszeiten angebracht, die durch geflügelte Genien versinnbildlicht werden. Am künstlerischsten ist das Bildnis des Herbstes. Die Gestalt trägt ein Diadem, Ohrringe und Schmuck behäng, der hauntsäehlieh aus Smaragd, Amethyst und Topas besteht, zu deren Wiederfabe man Glaswürfel verwendet hat. Bemerkenswert ist, daß ie Genien blondes Haar tragen. Out erhaltene hebräische In- Schriften finden sich neben jeder Abbildung. Das anschließende Feld ist einer Darstellung der Opferung Isaaks gewidmet und zeigt einen Aufmarsch aller beteiligten Personen von links nach rechts. Links stehen die beiden Jungen Diener mit dem aufgeziiuatea Esel. Der Diener rechts von dem Tier hält in der rechten Hand die Zügel, in der Unken eine Peitsche. Neben ihm sieht man einen Widder, der an einem Busch angebunden ist. Ueber dem Widder findet sich ein Zitat aus dem Alten Testament, das aüf den biblischen Vorgang hindeutet. Eine ausgestreckte, von einem Strahlenkranz umgebene Hand symbolisiert das Eingreifen Gottes und weist auf Abraham, der sich nach ihr umwendet, um den Rut Gottes zu vernehmen. Ueber der Hand führen einige hebriische Worte den himmlischen Befehl an. Abraham selbst ist als ein älterer, bärtiger, wohlbeleibter Mann dargestellt, dessen langer Mantel bis auf den Knöchel herabfällt. In der Rechten hält er ein langes Messer. Die Linke faßt den Sohn Jizchak, der nackt in sehr heilen weichen Farben als junges Knäblein mit gebundenen Händen dargestellt ist. Rechts steht der Opferaltar mit lodernden Flammen. Zu beiden Seiten der Mitteltür trägt das Mosaik Bilder eines Löwen und eines Stiers. Zwischen den beiden Tieren wurden zwei Inschriften — die eine in aramäischer, die andere in griechischer Sprache — gefunden. Die griechische Inschrift enthält die Namen der beiden Handwerker Marianos und seines Sohnes C ha nina , die das Mosaik legten. Die leider zum Teil zerstörte aramäische Inschrift gibt die Zeit der Anlage des Mosaik an, sowie die dafür verausgabte Geldsumme und die Namen der Stifter mit den üblichen Segens* formein. Von alledem hat sich noch folgendes erhalten: ״Dieses Mosaik wurde im Jahre .... der Herrschaft des Kaisers Justinus gelegt“ usw. Sukenik vermutet, daß es sich um Justinian I., 517—523, handelt, 80 daß wir es also mit einer Synagoge aus dem Ende des ersten Viertels des 6. Jahrhunderts 1t. Chr. zu tun haben. Die aus der ganzen Welt versammelten Archäologen folgten mit gespanntem Interesse den Ausführungen Professor Sukeniks. Me Altertümer von Beth Alpin Anfang April besuchte Mr. Richmond, der Leiter des Departments für Altertümer, In Begleitung von Dr. Sukenik die Ausgrabungen der antiken Synagoge in Beth Alpha. Mr. Richmond, der lebhaftes Interesse für die wichtigen Funde zeigte, versprach, daß die Regierung einen Schutzbau über der Fundstätte errichten werde, tun das Mosaik und die übrigen Altertümer nicht zu gefährden. (Ziko.) * Nach dem ״Dawar“ bearbeitet das Regierungs-Department für Altertümer ein genaues Verzeichnis aller historischen be* deutsamen Stätten Palästinas. Das Verzeichnis soll etwa 3000 Orte umfassen und wird in Anlehnung an die große archlo* logische Karte verfertigt werd״n, die vom Palestine Exploration Fond herausgegeben wurde. Der Liste wird eine Beschreibung der aufgeführten Altertümer beigegeben werden. (Ziko.) Von der Touristen-Saison Zu den Pessachtagen sind einige führende lettische Sozialdemokraten in Palästina eingetroffen, um sich über die Lage des zionistischen Aufbauwerkes zu orientieren. Es handelt sich um die Herren Jon Rait)es, den bekannte» lettischen Dichter, ehemals Unterrichtsminister von Lettland, und Dr. Libechltz, einen der Führer der lettischen Sozial* demokrafle. Am Anfang des Monats April kam eine Gruppe von 50 Italienischen Studenten nach Palästina, für die der itaUe* nlsche Konsul eine Tour durch Palästina organisierte. — In derselben Woche ist auch der Dampfer ״Mente Cervante“ der Hamburg * SQdamerlkanischan Schiffahrt« * Gesellschaft' mit 1200 Touristen aus Deutschland «Ingetroffen. Wese Touristen* fahrt, die wie im Vorjahre vom Palcstine.& Egypt Lloyd organisiert wird, bringt auch dieses Jahr die größte geschlossene Touristengruppe nach Palästina. (Ziko.) Synapgenbaa in der Schchnnat Borochow Am 14. April wurde in der Arbeitersiedlung Schchunat Borochow bei Tel-Awiw der Grundstein für die Errichtung einer Synagoge gelegt. Die Siedlung, die nach dem versterbenen Arbeiter-Pionier Borochow benannt wurde, ist von Mitgliedern der Arbeiterpartei ״Achduth Haawodah“ gegründet worden und gilt Infolge Ihres Aufbaus und ihrer Statuten als ״sozialistische Republik“. Der Antrag, eine Svnagoge zu er* richten, ging von einer Gruppe von älteren Einwohnern der Siedlung, Eitern der Siedler, aus, die in der Siedlung wohnen. Eine Befragim? alter Siedler über den Antrag ergab eine über* wiegende Mehrheit für die Errichtung einer Synagoge, so daß man an die Vorarbeiten gehen konnte. Der Boden für die Synagoge wurde vom Keren Kajemeth zur Verfügung gestellt, während eine Reihe von Baumaterialien von privater Seite gespendet wurden. Die Orundsteinleming fand in Anwesenheit vieler Rabbiner und Führer des öffentlichen Lebens statt. Me Mission!■ PaHstiwa London, 21. April. (J.T.A.) Der Missionsrat der Klr* ehen-Versammlung hat beschlossen, für den Sommer dieses Jahres eine Zusammenkunft zwischen dem Bischof von Jerasalem M c 1 n n e s und den Bischöfen von Salisbury, St. Albans, Peterborough und Leleester zu arrangieren, in der die Me* thoden der Arbeit der anglikanischen Kirche unter den Juden Palästinas erörtert werden sollen. Mh Defizit der Palästfna-Regfenng Jerusalem, 18. AprlL (J.T.A.) Offiziell wird mitge* teilt, daß das Budgetjahr 1928 mit £ 2.584.317 Einnahmen und £ 3.381.993 Ausgaben abgeschlossen hat; das Defizit beträgt demnach 797.676 Pfund und ist in erster Reihe durch Schulden- und Anleihetilgung in der Gesamthöhe von £ 829.178 zu erklären, ln den Ausgaben-Budget findet sich ein Posten von £ 193.243 für die transjordanische Grenzwacht. Der Jeschiwah ״Ez Chajim“ 3a Jernsalem Jerusalem, 18. April. (J.T. A.). Der Verein ״E z Chajim“, dem die Erhaltung von zwei berühmten palästinensischen Jeschiwoth und acht Talmud-Thora-Schulen mit mehr als 1300 Schülern obliegt, hat die feierliche Grundsteinlegung für ein ״on dem Verein zu erbauendes Wohnviertel vollzogen. Der Ertrag der zu erbauenden Wohnhäuser soll für die Erhal* tung der Erziehungs-Institutionen der Gesellschaft ״Ez Chajim“ verwendet werden. Auf diese Weise werden die leschiwoth und Talmud-Thora-Schulen für die Zukunft eine solid* Existenzbasis haben und nicht mehr auf zufällige Schenkungen angewiesen sein. Die Kosten für den Bau dieser Häuser wurden durch amerikanische Juden aufgebracht. Bei dem feierlichen Akt der Grundsteinlegung hielten der aschkenasisehe Oberrabbiner Kuk , der sephardisehe Oberrabbiner Jacob M eir und der Oberrabbiner der Aguda-Oemeinde S o r»n e n f e 1 d, sowie im Namen der Zionistischen Exekutive Herr Kajvarsky Ansprachen, in denen zum Ausdruck kam, daß aus den von ״Xz Chajim“ unterhaltenen Jeschiwoth im Verlauf von 44 Jahren viele große Rabbiner hervorgegangen sind. Der Obcrkommlssar Sir John Chancellor, der Gouverneur von Jerusalem Major KeithRoach und der Leiter des Unterrichtsdepart©׳ ments sandten Begrüßungskundgebungei». Prolesso Jerusalem W e 1 ß m a n n, der kritiker der ״B, Adolf Welßmann gestorben 24. April. (J- T. A.) Professor Adolf lervorragende Musiktheoretiker und Musikam Mittag“, ist kurz nach seiner Ankunft ln Palästina an einem Herzschlag im Alter von 57 Jahren verschieden. Professor Adolf Weißmann wurde in Beuthen, Ober- Schlesien, geboren, studierte zunächst romanische Philologie, in welchem Fache er es zum Studienrat brachte, widmete sich aber später ganz der Musikwissenschaft und der modernen Musikkritik und wurde in Deutschland führend auf diesem Gebiete. Er war eine zeitlang Musikkritiker des ״Berliner Tageblatts“, in den letzten zwölf Jahren übte er dieses Amt an der ״B- Z. am Mittag“ aus. Seine Musikbücher, wie ״Ber• lin als Musikstadt", ״Entgötterung der Musik", ״Musik nach der Weltreise“, ״Der Dirigent“, seine Monographien über Chopin und Verdi, fanden stärkste Beachtung. Professor Adolf Weißmann befaßte sich in den letzten Jahren viel mit jüdischer Volksmusik und der mo* dernen jüdischen Musik. Er stand seit zwei Jahren an der Spitze desBerlincrKomiteeszurFörderung des Musikwesens in Palästina. Vor kurzem hat Professor Weißmann im Rahmen eines von Dr. Bernhard Kahn und Gattin veranstalteten Abends für jüdische Musik einen Vortrag über die verschiedenen Epochen der jüdischen Musik gehalten, der auch in der Presse viel besprochen wurde. Die Beisetzung Adolf Weißmanns fand am Mittwoch, dem 24. April, mittags, In Haifa statt. Vom Berge Karmel herab zog sich der Trauerzug zum Hebräischen Technikum, wo Professor David Schorr im Namen des Komitees zur Förderung jfl* discher Musik ln Palästina in bewegten Worten von seinem Freunde ln hebräischer Sprache Abschied nahm. Vor dem Tech* nikunt sprach auch Realschuldirektor Biram. Am offenen Grabe sprachen noch Professor Weizmann und Hermann Struck, fm Trauergeleite sah man auch Vertreter der offizielten Körperschaften. Dr. Magnes, Bürgermeister D1 zengoff und der Verlag Ullstein in Berlin sandten Beiteidstelegramme, Professor Struck hatte vor der Bestattungsfeier die Totenmaske und eine Skizze von Adolf Weißmann angefertigt Adolf Weißmann, dessen plötzlicher Tod in Palästina die masikolisrhe Welt aufs tiefste erschüttert, hat gerade begonnen, sich dar Jüdischen Musik zuzuwenden, der er anfangs mit einer gewissen Skepsis gegenöbergestanden hatte. Auch nach außen hin fing er an, für dieses junge Gebiet Zeugnis abrulegen, wofür auch der Vortrag Ober ״Moderne jüdische Musik“ symptomatisch war (vgl. Bericht in der Musikheilage vom 5. 4. 9g). Wir jüdischen Musiker haben durch seinen Tod «nen besonderen Verlust erlitten, & braucht nicht betont zu werden, wie ungeheuer wichtig es für uns war, daß wir im Begriff waren, gerade die»• Feder und diese Stimme für uns au gewinnen: plt doch Weißmaim der Internationale der Musikschaffenden und Musikhörer alt der Reprüsentant —- nicht nur der Richter — erneuernder Musikbestrebung schlechthin. Was er für das Judentum in der Musik als charakteristisch ansah, die Doppelneigung zum Geistigen und zum Virtuosentum, das klinzt fast wie eine Selbstcharakteristik. In ihm war der Hang zum Intel-!aktuellen, zur Skepsis, zur Ironie mit heißer Liebe zum Artistischen, zum Neuen und Originellen aufs lebendigste vereint. Die Merkmale *eines Judentums waren evident: Pointierter aristokratischer StA, unerbittliche kritische Strenge, das Blitzartige und Ungebrochene *einsr impressionistischen Reaktion und Darstellung: die Leidenschaft zur modern«! Musik (die j* ca einem großen Tlfl *U Schöpfung von Juden «!gesehen werde» kann), zur Oper (als direktester Verkörpermg des tmisiksllsehen Eros) und Insbesondere mr Mete#)• ■ ־1■ ‘י yt»:;’«nem*M»<hiÄ 'Ai11artjii)Äte,״Ra»»/1־i1|#’־:N*#0»'Tn der Musik“ (Jahrbuehrpsö der Üniversal-Bditwn, Wtenf *eigt Weißmanh die nationalen Charaktere der europäischen Musik und das ״Rassisehe“ in aeinem Einfluß auf jlaa musikalische Schaffen. Er betont darin auch den ״starken Zusatz an Judentum in der deutschen Musik“. Zu Weißmanns Judentum gehörte notwendigerweise oine stark au*- geprägte kosmopolitische Gesinnung, die es ihm schwer machte, über das anscheinend Begrenzende des Nationalen für die Kunst hinwegzusehen. Wenn hier der Stoff zu einem Konflikt lag, so finden wir doch in Weißmanns Schaffen schon die weitere Eben«, auf der er gelöst worden wäre. Sein letztes Buch ״Die Entgötterung der Musik"*) rechnet mit dem Zeitalter der Maschine ab, das jede Romantik vernichtet hat und weist auf eine Zukunft, die als Ueberwindung der Maschine neu« Romantik sein wird. Gegen die ״neue Sachlichkeit“ sieht er bereits etwas entstehen, ״was wir ats neue Menschlichkeit bezeichnen könnten“. Wir begreifen, warum er in diesem Moment nach Palästina gereiat ist und ahnen, was di« für ihn — und für uns — bitte bedeuten können. Alice Jacob-Loewenaon. Uppnmi Bloch - SO Jahre Am 2. Mai wird unser treuer Gesinnungsgenosse L i p p - mann Bloch in Breslau 80 Jahre alt. Wir haben vor einem Jahre, als er zugleich mit seinem 79. Geburtstage das Fest der goldenen Hochzeit begehen konnte, seine Persönlichkeit und insbesondere seine Verdienste um den Zionismus and um Erez- Israel gewürdigt Wir wollen das heute nicht wiederholen, zumal wir wissen, wie wenig das der großen Bescheidenheit dieser liebenswerten Persönlichkeit entspricht. Wir wollen heute nur die im virigen Jahre zum Ausdruck gebrachten Wünsche erneuern: Möge unser Jubilar uns noch recht lange in derselben körperlichen Frische und geistigen Regsamkeit erhalten bleiben und möge er weiter seine besondere Verbundenheit mit unserer Bewegung und dem Aufbau Erez-Israels sich bewahren und den nicht gerade geringen Bemühungen, einen immer größeren Teil seines tätigen Interesses anderen Bestrebungen zuzuwenden, denselben starken Widerstand entgegenstellen wie in jenen Tagen, als die anderen ihn, den heutigen Gemeindelltesten, wegen seines Zionismus noch ablehnten und verfehmten. Er war der Unsere, er bleibt der Unsere. s. Weltkongreß Ißdischer 4erz!e ia Jernsalem T e I - -A w I w. 20. April. (J. T. A.) Die Konferenz des Verbandes der jüdischen Aerzte Palästinas, die in Tel-Awiw abgehalten wurde, beschloß, für das Jahr 1910 einen Welt- Kongreß jüdischer Aerzte nach Jerusalem einzuberufen. Der Kongreß soll sich hauptsächlich mit Fragen der jüdischen Rassenhygiene beschäftigen. Tel-Awiw, 20. April. (J. T. A.) Die aus der Stadt Pinsk nach Palästina eingewanderten Juden haben beschlossen, einen Wald zu pflanzen zur Erinnerung an die beim Einzug des polnischen Militärs in Pinsle im Jahre 191® standrechtlich ergeflossenen 35 angesehenen ztetiis'ischen Persönli h'teiten. Die Erschießung der 35 Zionisten, die unter der r«kcW*4!zung kommunistischer Betätigung ohne vorangegangeees Verfallen und nur auf Grund irgendeiner aufgefundenen Liste vor sich ging, hat damals auf die gesamte polnische Judenheit einen niederschmetternden Eindruck gemacht *) Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Berlin and Uipii( *9*8. - Andere Titel «einer Schriften sind! Verdi, Chopin, D«ir virtuose. J3Ü6 PnoMMbuN» On

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.