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Jüdische Rundschau · 1929-04-24 · Heft 32-33 (24.4.1929) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 32-33 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32/33, 24. IV. 1929 JUEDfSCHt RUNDSCHAU Seite 209 Was wird ans der ztonlsflstken Organlsadei? Von Gerhard Holdheim 1. Die Politik einer Erweiterung der Jewish Agency fand bei dem größten Teil der Befürworter ihre fast ausschließliche Begründung in der Notwendigkeit einer schnellen Erleichterung und Beschleunigung des Palastinawerks. Daß darüber hinaus die verantwortliche Teilnahme von Nichtzionisten an der politischen und kolonisatorischen Leitung mittelbar den weg ebnen könnte für eine Verlebendigung der zionistischen Idee und eine Regeneration der Zionistischen Organisation — wer diesen Oedanken aussprach, wurde gewöhnlich als Doktrinär abgetan und milde belächelt. Den meisten erscheint die Agency-Poli ik als dira necessitas. In Wahrheit aber ist es als ein Glück für die zionistische Bewegung anzusehen, daß der enge Rahmen, in dem sich bisher die Arbeit bewegte, nunmehr gesprengt wird und die Zionistische Organisation für die Aufgäbe ihrer eigenen geistigen Konsolidierung wieder Freiheit gewinnt. Bas Grundübef war, daß ein politisches Gebilde, das für die Durchführung einer gigantischen kolonisato ischen Aufgabe nicht prädestiniert war, unerwartet in eine Verant- Wörtlichkeit hineingetrieben wurde, die es seiner ganzen Struktur nach nicht tragen konnte. Wenn als ständiges Argument gegen die Erweiterung der Jewish Agency angeführt wurde, daß hierdurch die Zionistische Organisation zerstört und ihres Inhalts beraubt würde, so können wir entgegnen, daß Ursache und Wirkung ver• wechselt wird. Die Heranziehung neuer Kräfte wird die Schädigung der Zionistischen Organisation nicht zur Folge haben (im Gegenteil), sondern sie ist gerade notwendig, weil die Zionistische Organisation in ihrer Aktionskraft durch eine ihrem Wesen inadäquate und unorganische Entwicklung bereits gelähmt ist. Bis zur Erreichung der poli ischen Palä• stinaforaerung konnte die Zionistische Organisation als Spre eher und Treuhänder des gesamten jüdischen Volkes eine be rechtigte Funktion erfüllen, ohne dabei sich in innerpolüischen Kämpfen aufzureiben. Mit dem Augenblick aber, wo die Rea lisierung begann und der Aufbau Erez Jisraels nicht nur un vergleichlich stärkere Kräfte erforderte, sondern auch die Aus tragung notwendig divergierender ökonomischer und knltu reller Interessen unvermeidlich machte, mußte sie um Pali atlnas und ihrer leitenden Idee willen mit allen erdenkbaren Mitteln die Entlastung von einer untragbaren Kompetenz zu erreichen suchen. Diese ״Souveränität“ des ZIanistenkongresses, deren Verlust durch die Bildung der neuen Agency ln so bewegten Worten von der heutigen Opposltion beklagt wird, ist meiner Ueberzengung nach eine der Hauptursachen des derzeitigen Zustandes der Zionistischen Organisation. Dadurch, daß der Kongreß sich mit allen Details der Politik und der Kolonisation belasten mußte und nicht nur die Wahlen, sondern auch die Budgetierung der kleinsten Posten nach Parteigesichtspunkten vor sich gingen, wurden die Gegensätze bis zur Unerträglichkeit verschärft und eine Atmo- Sphäre geschaffen, die die Einheit der Organisation ständig in Frage stellte. Wir können über diesen höchst unerfreulichen Status ohne Scheu vor der Öffentlichkeit deshalb mit allem Freimut sprechen, weil wir von der potentiellen Kraft sehen, daß ein neues umfassenderes politisches Gremium die Stelle der zionistischen Instanzen in Zukunft einsamen wird. Indem die wirtsctuiftspolltischen Gegensätze alsdann vorwiegend in den Organen der erweiterten Jewish Agency ausfefochtcn und wahrscheinlich versachlicht werden, gewinnt er zionistische Kongreß die Chance, wieder zu einem Forum zu werden, das die zionistisch bedeutungsvo’ien Probleme zur Klärung bringt und der Bewegung zu neuem Aufschwung verhilft. Die Tatsache, daß der Zionistenkongreß seine Monopol- Stellung in den Aufbaufragen verlieren wird, betrachte ich als den Beginn einer Reinigung und Neubelebung des zionistischen Lebens. Aber die Gefährlichkeit, die darin liegt, daß neue, zionistisch unerprobte, sogar als ausgesprochen nichtzionistisch sich deklarierende Männer in der zukünftigen Agency entscheidend vertreten sein werden? Nun, ich muß offen bekennen, daß, wenn überhaupt Oe fahren zu sehen sind, sie für mich nicht in politischer, sondern in sozial-ökonomischer und kultureller Rieht uh g liegen. So überzeugt ich davon bin, daß die zionistische Linke infolge der Verstärkung der Gegenfront schweren Kämpfen in der Agency entgegengeht, so wahrscheinlich es ist, daß auch der religiös-freiheitliche Zionismus durch die zumindest für Palästina meist konservativen Notabein der anderen Fifty in harte Bedrängnis kommen wird — so wenig bin ich in Sorge, daß die Grundpfeiler der zionistischen Politik in Erschütterung geraten können. Durch den Bericht der Joint Palestine Survey Commission (der zwar In Wirtschaftlicher, aber nicht in politischer Hinsicht anfechtbar war) und neuerdings durch die amerikanische Konferenz, die sich fast ganz auf den Boden der A. C.-Beschlüsse stellte und in großer Palästina-Begeisterung verlaufen ist, könnten nunmehr die letzten Zweifel geschwunden sein. Mögen sich diese Nichtzionisten in ideologischer Hinsicht und in der Intensität ihres Palästinawillens von uns noch so sehr unterscheiden, — von ihrer Loyalität sollten wir überzeugt sein. Es wäre eine schwere Schädigung unserer Sache, wollten wir in die Assoziation mit offenem oder heimlichem Mißtrauen eintreten. Die entscheidende Garantie bilden die lebendigen Kräfte der zionistischen Bewegung und des arbeitenden Erez Jisraei, gegen die keine Bürokratie auf die Dauer regieren kann und zu denen wir wirklich etwas mehr Zutrauen naben sollten. Die Bildung einer erweiterten Jewish Agency wird wahrscheinlich ä la longue organisatorische Veränderungen und Umgruppierungen im zionistischen Lager zur Folge haben. Es ist durchaus möglich, daß Gruppen und Sonderverbände, die bisher der Zionistischen Organisation angehört haben, in dem Augenblick sich von ihr zurückziehen werden, wo (auf dem Wege über den weltjüdischen Palästina-Kongreß) eine andere Plattform für die Mitarbeit am Aufbau Palästinas gegeben ist. Ich glaube, daß es der Genesung der Zionistischen Organisation nur dienlich sein kann, wenn sich bei aller Gegensätzlichkeit der Weltanschauungen und politischen Meinungen immerhin ein Minimum von ideologischer Einheitlichkeit herausentwickeln würde. Die Zukunftsaufgabe der Zionistischen Organisation liegt meines Erachtens darin, daß sie sich zur straff organfslerten Partei entwickelt und nicht mehr den unberechtigten Ehrgeiz hat, das ganze jüdische Volk repräsentieren zu wollen. Ich wiederhole, da ich nicht mißverstanden werden will: Auch in Zukunft sol’en Sozialisten, Bürger'iche, Orthodoxe gemeinsam der Zionistischen Weltorganisation angehören, und der Weg einer Sektenbildung wird mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Mit dem Augenblick aber, wo das Baseler Programm seinem Sinne nach auch von Nichtzionisten anerkannt worden ist und die Möglichkeit, am Aufbau Palästinas mitzuwirken, durch die Existenz anderer Gremien in absehbarer Zeit gewährleistet sein wird, ist keine Notwendigkeit mehr vorhanden, daß alle Zionisten gerade in der Zionistischen Organisation sich zusammenRnde». Um es kurz zu sagen: Die Entwicklung der Zionistischen Organisation soll nach meinem Wunsch so vor sich gehen, daß für ausgesprochene politische, wirtschaftliche und kulturelle Reaktionäre kein Platz mehr in ihr Ist. Judenstaatler, Orthodoxe, Verehrer der kapitalistischen Wirtschaftsordnung — ja; aber keine Nationalchauvinisten, keine kulturfeindliehen Klerikalen, keine prononzierten Antisozialen. Alle diese Gegensätze sollen sich hinfort in der Jewish Agency bzw. in dem zu schaffenden jüdischen Welfparlament abspielen; die Zionistische Organisation braucht um ihrer Schlagkraft und ihrer Arbeitsfähigkeit willen eine weitgehende Einneit'ichkeit. Dadurch daß unser Kongreß in Zukunft befreit sein wird von den Qualen einer ihm inadäquaten ״Souveränität" und die Kämpfe um Politik und Wirtschaft vor einem anderen Forum zum Austrag und zur Entscheidung kommen, haben wir die Möglichkeit wiedergewonnen, eine inner'ich geschlossene und aktionsfähige Oruppe innerhalb des jüdischen Lebens zu werden. Aber wird es denn möglich sein, die politischen und Ökonomischen Kämpfe vom Kongreß auszusctialten, da doch die zionistische Fifty vom Kongreß gewählt wird und all die Gegensätze, die sich bisher bei der Exekutivbildung und beim Budget austobten, nunmehr bei der Wahl der zionistischen Mitglieder jür die Agency-Exekutive sich bemerkbar machen werden? II. Das Fifty - Fifty ־ Abkommen zwischen der Zionistischen Organisation und den Nichtzionisten trägt deutlich provisorisehen Charakter. Daß der keineswegs einheitlichen Zionistisehen Organisation und den noch weniger einheitlichen zukünftigen Partnern mechanisch die gleiche Anzahl von Sitzen garantiert wurde, Ist nur dadurch erklärbar und zu rechtfertigen, daß der neuen Jewish Agency die demokratische Basis wm₪mm₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪mm₪₪m Auf Deinen Schekel kommt es an! Wir brauchen ieden, Mann für Mann! noch fehlt. Das Ziel ist der weltjüdtsche Pallstina-Kongreß, zu dem jeder Jude, der sich zum Palästinaaufbau auf der Basis der Balfouraeklaration bekennt, wählberechtigt ist, und welcher dann seinerseits eine Exekutive zu wählen hat, die als Jewish Agency zu fungieren haben wird. Für den Uebergangszustand müssen wir uns nolens volens mit der getroffenen Regelung ablinden. Unsere Pflicht ist es nur dafür Sorge zu tragen, daß die Delegierung der zionistischen Agency-Hllfte nicht zum Zankapfel unter den Kongreßparteien wird und der ganze Kongreß von diesem Kample sein Oepräge erhält. Daßdle zionistischen Wahlen zum Council und Standing Committee (die etwa unserem Kongreß und Aktions-Comite analog sein werden) automatisch auf Grund des Stärkeverhältnisses der Kongreßparteien vor sich gehen werden, dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen. Aber auch bei der Besetzung der zionistischen Hälfte der Agency - Exekutive darf unter keinen Umständen auf die riügelgruppen verzichtet werden. War schon auf dem letzten Kongreß die Bildung einer Hügellosen Exekutive ein verhängnisvoller Fehler, so hatte eine solche Maßnahme so lange noch einen politischen Sinn, als die Zionisten in der Exekutive unter sich waren. Da aber eine Homogenität in der künftigen Agency gar nicht in Frage kommen kann, außerdem die unberücksichtigten zionistischen Oruppen sich gegen die Ausschaltung mit Recht noch stärker als bisher wehren würden, kann nur eine zionistische Agency- Exekutive ln Frage kommen, die alle namhaften Sondergruppen gebührend berücksichtigt. Darum soll die Wahl der zionistisehen Agency-Mitglieder nicht in einer Kampfabstirammig, sondem durch Nominierung der Vertrauensmänner der verschiedenen Gruppen nach Maßgabe der Kongreßstärke erfolgen. Hierunter soll nicht verstanden werden, daß jede vorgeschlagene Person nun auch bedingungslos vom Kongreß akzeptiert werden muß. Die Diskussion über die Frage der persönlichen Eignung muß vielmehr erlaubt und die Möglichkeit der Wahl eines anderen Vertreters der gleichen Parteirichtung im gegenseitigen Einvernehmen gegeben sein. Ferner ist selbstverstänalich, daß auch Personen, die nicht einer bestimmten Oruppe angehören, aber auf Orund Ihrer zionistischen und sachlichen Qualifikation das Vertrauen des Kongresses haben, der Agency-Exekutive angehören können. Mit einer Vorstellung muß man gründlich auf räumen: daß die Zionisten in der erweiterten Jewisn Agency geschlossen auftreten und abstimmen sollen. Das Ist eine Utopie und noch nicht einmal eine schöne. Schön ist diese Vorstellung deshalb nicht, weil die Arbeitsfähigkeit und die Atmosphäre des Vertrauens, die die Agency bitter nötig braucht, dann illusorisch gemacht würden, wenn die zionistischen Delegierten sich von vornherein fraktionell separierten. Eine Utopie aber ist der Versuch einer einheitlichen Regelung dadurch, daß sich weder der Misfachi noch die Arbeiterschaft und wahrscheinlich auch nicht die verschiedenen Gruppen der Stam-Zionisten zu einem Fraktionszwang zwingen ließen. Die Entscheidungen, die die Agency zu treffen haben wird, werden oft solche Gebiete betreffen, wo eine Einheitlichkeit unter den Zionisten gar nicht herzustellen ist. Die Jewish Agency wird dann, wie jedes Koalitionskabinett, ein Kompromiß suchen müssen, auf das sich die divergierenden Oruppen einigen, oder die Frage wird durch eine normale Abstimmung entschieden werden. Die Tatsache, daß dann die Ja- und Neinsager teils auf der zionistischen, teils auf der nichtzionistischen Seite zu finden sein werden, wird weder den Zionismus sprengen noch Palästina zum Schaden gereichen. Eine Gruppe, deren Vertreter auf der letzten A.-C-Sitzung sich gleichsam beklagte, daß die zionistischen Unterhändler in Amerika in sozial-ökonomischer Hinsicht ״zuviel" erreicht haben, wird in Wirtschafts♦ fragen mit gleichgesinnten Nicht-Zionisten stimmen, während es durchaus denkbar ist, daß die Arbeiterschaft bei wlrtsehaftspolitisch linksorientierten Nichtzionisten Unterstützung findet. Man soll also endlich die Fiktion aufgeben, daß eine Geschlossenheit der Zionisten in der Jewish Agency zu erzielen wäre. Die zionistischen Mitglieder in der Agency-Exekutive brauchen keineswegs identisch zu sein mit der Exekutive der Zionistischen Organisation. Diese Tatsache sollte sogar vom Kongreß prinzipiell erklärt werden. Es wäre ein Glück, wenn es einige zionistische Exekutivmitglieder flbe, die, unbelastet mit den politischen und kolonisatorischen ufgaben, frei wären für die wichtige Frage der geistigen Vereinheitlichung der Zionistischen Organisation» Tür Er• ziehungsarbeit und die mannigfachen Probleme der nationalen Politik. Die Frage der Zukunft der Zionistischen Organisation ist bisher in der Diskussion ausschließlich unter dem Gesichtspunkt ihrer Stellung und ihres Einflusses in der Agency behandelt worden. Völlig vernachlässigt hat man das mindestens so wichtige Problem, welche spezifischen Aufgaben der Zionismus als Parteigemeinschaft nunmehr haben wird. Es ist unmöglich, auf dem engen Raum, der hier zur Verfügung sieht, ein zionistisches Aktionsprogramm zu entwerfen. Nur soviel sei jetzt gesagt: Oberste Aufgabe der zukünftigen Kongresse wird es sein, die Zionistische Organisation zu einem lebensfähigen Gebilde umzugestalten und all die Kräfte zu sammeln und neuzugewinnen, die im Zionismus den Schwerpunkt ihrer Existenz erblicken. Der heutige Zustand der Losgelöstheit des zionistischen Lebens der verschiedenen Länder und Gruppen muß zugunsten einer stärkeren Zentral!־ sierung revidiert werden. Die Zionistische Exekutive darf sich nicht mehr darauf beschränken, das organisatorische Band mit Mühe und Not aufrecht zu erhalten; sie muß entschlossen sein, die geistige Führung der Bewegung zu übernehmen. Die Fragen der Weiterbildung der zionistischen^ Ideologie, der dazu geschaffenen Ressort der Exekutive geklärt, es müssen Publikationen vorbereitet und Richtlinien ausgegeben werden. Eine vollkommene Zentralisierung der Propaganda ist aus erklärlichen Gründen eine Unmöglichkeit. Aber es geht nicht an, diese für die Gesamtorganisalion bedeutungsvollen Probleme den Landes- und Sonderverbänden allein zu überlassen. Für die Verbreitung des Zionismus in sozialistisch-jüdischen Kreisen, bei der Orthodoxie, in Amerika, bei den orientalischen Juden (um nur einiges zu nennen) muß die Leitung der Zionistischen Organisation die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Der Gedanke einer systematischen Schulung von Propagandisten muß bald zur Verwirklichung kommen. Die wichtigste Aufgabe der Exekutive auf dem Gebiete der Propaganda ist die Zionisierung der Jugend. Es braucht nicht gesagt zu werden, wie vollkommen gerade diese Aufgäbe vernachlässigt worden ist. Das bedeutet keinen Vorwurf gegen die bisherige Leitung. Unter der Last der politischen und wirtschaftlichen Aufgaben verbunden mit der ständigen Geldnot für die notwendigsten Bedürfnisse das Aufbaus war aber nicht die nötige Zeit vorhanden. Das muß und kann jetzt anders werden. Ein Spezialressort für Jugendarbeit muß die Verbindung mit den bestehenden Jugend verbänden (Chaluzorganisationen, Wanderbünden, Akademikern, Turnern, Pfadfindern usw.) aufnehmen und mit viel Energie und psychologischem Verständnis die Einordnung aller dieser Gruppen in die Zionistische Organisation zu erreichen suchen. Es wird schwer sein, diese Jugend, die durch die übersteifinden glaubt, von dem Primat der nationalen Idee und der Notwendigkeit der Vereinheitlichung überzeugen zu können. Die Bedingungen, unter denen die Jugend von 18 bis 25 Jahren aufgewaebsen ist, müssen denen, die für Jugendarbeit verantwortlich sind, deutlich vor Augen stehen. Es sind Menschen, deren Kindheit und Pubertätsjahre von dem Chaos des Weltkrieges und der Nachkriegswirren beherrscht waren, die ein normales Leben also gar nicht kannten und meist nicht nur in körperlicher, sondern auch in geistiger und seelischer Hinsicht unterernährt sind. Was den Zionismus anlangt, hatte diese Jugend eine ganz andere Situation vorgefunden als die Generation vor dem Kriege. Zionismus Ist diesen Menschen nicht zum Erlebnis geworden, das Ihr Leben umgestaltet und entscheidend beeinflußt hätte Sie wurden in eine Zelt hin• eingeboren, wo Palästina bereit* eine jüdische Realität w§r ua)d ״®e PidbleihlÄ'dtt"JudenftifA ihhöfnjeit melr hi»reicR«*i zum Bewußtsein kam. Die Zionistische Organisation, die um einstmals Symbol bedeutete für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes, wird von der Nachkriegsjugend nur als eine Behörde mit politischen und kolonisatorischen Aufgaben gekannt: ihre attraktive Kraft hat in erschreckender Weise durch die Parteigegensätze gelitten. Jetzt, wo die Zionistische Organisation wieder zu einer einheitlichen Partei mit ausgeprägter geistiger Physiognomie werden kann, wird es ihr möglich werden, erhebliche Kreise der heute autonom lebenden Jugend an sich heranzuziehen und ihr das Gefühl der Heimatlichkeit zu geben. Aber es handelt sich ja nicht nur um die Gewinnung und Vereinheitlichung der bestehenden zionistischen Jugendverbände. Die jüdische Jugend, die in nichtzionistischen Verbänden organisiert oder noch gar nicht jüdisch interessiert ist, gilt es zur Anerkennung der national-jüdischen Idee und zu zionistischer Bereitschaft zu erziehen, wir müssen uns klar darüber sein, daß in einem Augenblick, wo die Mi'.arbeit am Aufbau Palästinas auch von Nichtzionisten verantwortlich geleistet und offiziell anerkannt wird, daß man nicht Zionist zu sein braucht, um seine jüdischen Verpflichtungen zu erfüllen, eine erfolgreiche zionistische Propaganda unter Er* wachsenen noch schwerer sein wird, als sie es schon vorher war. Zumindest in Westeuropa, wahrscheinlich auch In Amerika, wird von Menschen über 30 Jahren nur eine kleine Anzahl von Intellektuellen für den Zionismus gewonnen werden können. Die ganze Zukunft der Bewegung hängt davon ab, ob wir uns einen Nachwuchs schaffen können, der unsere Ideale inmitten eines mehr oder weniger indifferenten Judentums vertritt. Denjenigen unter uns, die glauben, daß mit der erweiterten Agency die Zionistische Organisation ihren politischen Sinn verloren habe, braucht man nur die Nachwuchsfrage vor Augen zu halten, um den ausgesprochen politischen Wert einer starken Zionistischen Organisation zu demonstrieren. Die zukünftige Agency wird das sein, was die Zionisten aus ihr machen. Sie wird zu einer philantropischen Administration herabsinken, wenn die zionistische Bewegung erlahmt und der Pioniergeist einer auf Palästina eingestellten Jugend entschwindet. Davon ob es gelingt, eine neue eindeutig zionistische Generation heranzubilden, hängt die Richtung ab, in der sich das Palästinawerk entwickeln wird. Nicht dadurch, daß die Zionisten mit den Nichtzionisten die Verantwortlichkeit der Agency teilen, haben wir die Macht aus den Händen gegeben. Die Entmachtung der zionistischen Idee geschieht auf dem Wege über den Verlust eines adäquaten Nachwuchses. Das alles ist so klar, daß man sich schämt, es aussprechen zu müssen. Diese neue Jugend, deren Gewinnung und Erziehung oberstes Ziel sein muß, soll nicht nur unser künftiger Machtfaktor bei der Auseinandersetzung mit dem nichtzionistischen Judentum werden; sie soll im Interesse der Verjün״ung unserer Organisation möglichst bald auch die Macht im Zionismus zu ergreifen suchen. Kongreß, Aktions-Comi‘4 und fast alle Oremlen von Landes- und Sonderverbinden bestehen heute mit trauriger Ausschließlichkeit aus Veteranen der Bewegung. 40 Jahre ist heute schon für einen Exponenten des Zionismus ein jugendliches Alter. Vergegenwärtigt man sich die ers'en 25 Jahre der Bewegung, so wird ersichtlich, wie jugendlich damals die Organisation war und welche oft entscheidende Rolle Jugendliche zwischen 20 und 30 damals spielten. Wir müssen zu den Vorkriegstraditionen zurück und können das um so eher, als die Fragen der hohen Politik und der Wirtschaft, die viel Erfahrung. Wissen und Routine voraussetzten, auf unseren zukünftigen Tagungen hoffentlich nt ht mehr eine so ausschließliche Rolle spielen werden. Je mehr durch den Verlust der ״Souveränität" des Kongresses der Parteigeist schwindet und die Rolle des in allen Satteln gerechten Parteiführe» ausgespielt sein wird, um so stärkeren Einfluß kann

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