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Jüdische Rundschau · 1929-04-19 · Heft 31 (19.4.1929) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 31 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31, 19. IV. 1026 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 197 Die zweite Generation in PaUUtina In der letzten Nummer der Beilage der ״Jüdischen Rundschau" ״Aus der Welt der Frau“ entwickelte Helene Hanna Thon ein umfassendes Programm für Kinderfürsorge, welches sie, als das ureigenste Gebiet der Frau, auf dem nächsten Kongreß zur Diskussion zu stellen gedenkt, um der Waad Leumi zu veranlassen, auch dieser Seite des Aufbaus genügende Aufmerksamkeit zu schenken. Die Fra^e der Verwurzelung der zweiten Generation im Lande, ist die Frage von Sein und Nichtsein der palistinensischen Kolonisation. Wenn wir jedoch vernehmen, daß bereits viele junge Palästinenser an europäischen und auch eine gewisse Anzahl an amerikanischen Universitäten studieren, abgesehen davon, daß eine eigene Universität bereits im Lande vorhanden ist, so fassen wir uns beim Kopf und fragen: Wie wird es, oder wird es möglich sein, diese vielen Tausende dem Lande zu erhalten? Welche Möglichkeiten haben diese jungen Leute, im Lande ihre ökonomische Existenz zu finden? Werden sie nicht geradezu gedrängt, sich in den fremden Ländern, in die sic ihr Studienaufenthalt gebracht hat, zu verankern, vorausgesetzt, daß diese sie atifnehmen können und wollen? Und diese jungen Palästinenser sind vielleicht noch nicht einmal unter so ausgesucht guten Bedingungen erzogen worden, wie sie Helene Hanna Thon für die nächste Generation postuliert. Sie lieben trotzdem ihr Land und wollen dahin zurückkehren. Ist jedoch alles geschehen, um ihnen dazu zu verhelfen? Ein Land muß der jungen Generation vor allem die Gewähr bieten, daß es ihr gegönnt sein wird, dort ihr Brot zu verdienen. Ohne diese Aussicht nützt die beste Erziehung nichts. Im Gegenteil vielleicht. Wenn der junge gebildete Palästinenser keine Aussicht hat, sich im eigenen Lande durchzusetzen, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als irgendwo in der Welt ein jüdisches oder nicht jüdisches Zentrum zu suchen, wo er die primitivsten Bedürfnisse eines Menschen befriedigen kann: essen, wohnen, sich kleiden und Nachkommensebaft zeugen. Seit vielen Jahren wohne ich in der kulturell so hochstehenden Schweiz. Die Fremden empfinden es als Hochgenuß, in diesem so sauberen und gepflegten Ländchen einige Wochen verweilen zu dürfen und preisen es in den höchsten Tönen. Wenn man jedoch nicht nur die Sonntags-, sondern auch die Werktagsseite des Lebens kennt, so sieht man, daß nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Frauen auf dem Lande, die, wenn auch ziemlich begütert, schwere Arbeit verrichten, haben durchaus nicht immer Gelegenheit, ihre Kinder in Kinderkrippen, unter der Aufsicht gebildeter Kranken- Pflegerinnen zu versorgen. Sie nehmen sie mit aufs Feld, und lassen sie am Boden, im Kinderwagen oder in einem Schubkarren liegen, die größeren frei herumlaufen. Es gibt Gegenden in Graubünden und Wallis, wo die Kinder nur im Winter zur Schule kommen, den Sommer über aber mit Viehliiiten beschäftigt sind. In Wallis gibt es große Gebiete, wo den gebärenden Frauen nicht einmal eine Hebamme zur Verfügung steht, wo sie infolge vieler Geburten schwer leiden und eine Dreißigjährige wie eine Fünfzigjährige aussieht, vor lauter Sorgen und Entbehrungen. Unsere Sozialpolitikerinnen lese 11 keine sozialistischen Zeitungen, welche die Arbeitslosigkeit in England und ihre verheerenden Folgen auf Jung und Alt schildern, ohne daß das reiche England in der Lage wäre, diesen Mißständen abzuhelfen, trotz vieler ehrlicher Anstrengungen. ^'*'*־Wir ■Sind'' nöch ,«eit 'davon' enfftrot,*״® curäfta ..öder"ht Amerika sogar, den Idealstaat zu haben, wo für die Bedürfnisse aller Kinder in der großzügigsten Weise, wie es Helene Hanna Thon verlangt, gesorgt werden könnte von seiten der Gemeinschaft. Wenn letzteres möglich wäre, so hätten wir ja den Zukunftsstaat, von dem seit Jahrhunderten und Jahrtausenden die Idealisten träumen. Frau Thon verlangt unter anderem, daß für geistig Minderwertige Spezialklassen eingerichtet werden. Dieses Postulat ist in der Schweiz seit langem verwirklicht. Hingegen ist erst seit kurzem in Zürich ein Privatverein am Werke, um diesen Minderwertigen die Möglichkeit zu geben, auch späterhin ihr Dasein fristen zu können. In anderen Städten bestehen zwar bereits entsprechende Anstalten, doch durchaus nicht überall. Kinderarbeit gibt cs auch in der Schweiz in der Heim- Industrie, auch müssen die Kinder ärmerer Arbeiterfamilien auf verschiedene Art miterwerben helfen. Bei den Bauern bilden sie einen Arbeitsfaktor, mit dem man ernstlich rechnet, denn ohne ihn vermag die Bauernwirtschaft nicht zu existieren. Wollen wir aus Palästina ein wirkliches Land und kein künstliches Treibhaus machen, so müssen wir Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit schaffen. Wie sich die bisherigen Chaluzim zur Hälfte aus Intellektuellen rekrutierten, so müssen auch die jungen Palästinenser bereit sein, aufs Land zu gehen und überallhin, wo es Arbeit gibt, wenn auch noch so primitive. Sie sind es sicherlich zum Teil, aber die Arbeit ist es, die fehlt. Darum heißt es seitens der Gemeinschaft: alie Mittel zu Aufbauzwecken bereitzuhalten. Wenn wohlhabende und wohlmeinende Personen charitative und charitativ-soziale Zwecke verfolgen, so ist es ihre Pflicht und ihr gutes Recht. Unsere Gemeinschaft jedoch als solche, die zu so großem oder zum größten Teil auf Unterstützung aus dem Auslande angewiesen ist, die muß ihre Mittel produktiv anlegen. Sie muß auch die jüdische Arbeit ermöglichen und schützen. Die heute in übergroßer Anzahl im Auslande studierende palästinensische Jugend, hinausgetrieben, weil die Erwerbsmöglichkeiten für den Bauer, Handwerker und Arbeiter so begrenzte sind und der gesetzliche Schutz dieser Arbeit fast vollständig fehlt, diese soll dem Lande erhalten werden, aber nicht durchweg als Intellektuelle, sondern als handarbeitende Chaluzim und Chaluzoth, wenn es nottut. Man könnte unsere palästinensischen Verhältnisse mit den indischen vergleichen, wie sie in dem Buche ״Mutter Indien“ v on Meyo, einer Amerikanerin, geschildert ־werden. Dort haben die Engländer Universitäten für die Eingeborenen eingerichtet, nebst Volks- und Mittelschulen. Das Resultat war nicht glänzend. Für die Arbeit in den städtischen Kanzleien gibt es übergenug Bewerber, aber niemand ־will Landwirtschaft studieren und aufs Land gehen, mit den Bauern auf dem Lande leben und sie lehren, fortschrittlich zu wirtschaften. Kolonistensöhne, die studieren, und Kolonistentöchter, die Klavier spielen, den ganzen Tag Bücher lesen oder in der Stadt Bürostellcn versehen, darf sich Palästina noch nicht leisten. Nicht durch Wohltaten, sondern durch Opfer muß die junge Generation an das Land gekettet werden. Aber diese Opfer sollen nicht nutzlos sein, nicht Vergeudung jugendlichen Lebens bedeuten. Betty Ostersetzer. Innerhalb der im Rahmen der Weltausstellung für modernen Handel in Brünn im Sommer 1929 geplanten Exposition ״Die modemeFrau“ soll, wie die l.T. A. erfährt, eine Sonderschau ״Die moderne jüdischeFrau“ veranstaltet werden. Die jüdischen Frauenorganisationen in Mähren erhielten die Aufforderung zur Beteiligung an einer solchen Ausstellung, in deren Rahmen neben der allgemeinen jüdischen Frauenbewegung besonders das Wirken der W i z o und H a d a s s a h in Palästina und in der Oaluth dargestellt werden soll. Die ״Zeitschrift für die Geschichte da* Juden in Deutschland" ln dm nächsten Tagen wird die erttc Wammer der ״Zeitschrift fftr die Geschichte der Juden in Deutschland" erscheinen. Nachstchender Aufsatz würdigt die Bedeutung dimer Publikation. Red, Seit dem Aufhören der (Geigerschen) Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland Ist mehr als ein Vierteljahrhundet vergangen. Die Welt bat seitdem ihr politisches Antlitz verändert und hat sich auch geistig gewandelt und mit ihr auch die jüdische Welt. Ehe Juden — als solche — haben keinen Krieg geführt, trotzdem hat die realistisch-ethische Anschätzungsweise — früher schienen das Gegensätze zu sein — auch die jüdische Weit und die speziellen jüdischen Probleme fortgestaltet Auch in den jüdischen Zusammenhängen gibt es jetzt einen ״Wiederaufbau , eine allgemeine Regsamkeit, und die Besonderheit des Falls liegt nur darin, daß man sich in jüdischen Kreisen um den Aufbau von Positionen bemüht, die schon vor dem Kriege im Verfall waren — ein Zeichen, wie weit die Regenerationskräfte hinausgreifen über die politischen Zusammenhänge, die sie wachgerufen haben. ״Erwecker neuen Lebens“ hat es früher auch gegeben. Die preußische Geschichte erscheint seit Friedrich dem Großen In anderem Licht als vorher, ebenso die französische seit Napoleon. Man könnte ebensolche Gestalter und Umgeslalter aus dem Geistes- und Wirtschaftsleben nennen, und es brauchten gar keine menschlichen Individuen, es könnten erst recht ״Ge- Schichtskräfte“ (Entdeckungen neuer Länder, Verschiebung von Verkehrswegen usw.) sein. Es ist eine Eigentümlichkeit der * «?v* * BAUMSPENDE״ £ע^%;תרומות עצים AMERIKA STIFTET DEN BODEN DEUTSCHLAND STIFTET DIE BÄUME FÜR DEN EINSTEIN-WALD "'1y •e ־־ ״*׳ '•־,'»״ BAUMSPENDE?T-^־תרומות עצים jüdischen Geschichtsliteratur, diese gestaltenden Faktoren des Geschichtslebens vernachlässigt zu haben. Denn das ist leider geschehen. Wenn man Grätz oder auch Dubnow liest, wird man sich von Blatt za Blatt — zu Unrecht! — bewußt, wie die jüdische Geschichte unveränderlich bis zu unseren Tagen von gelehrten Uebungen wechselnden Grades bis zu Austreibungen und Verfolgungen wechselnder Häufigkeit und Intensität dahinrollt. Es ist schon nicht ganz leicht, ־־'־* ־־“־ ־- “'־־ -1— ־’- nierten mann oder Juden erfährt. Und doch gibt das alles zusammen noch nicht entfernt ein wirkliches und überzeugendes Bild von dem jüdisehen Leben in der Vergangenheit, denn wenn man dann zu den Schriften nicht jüdischer Historiker greift, dann findet man da Dinge in das Zentrum der Betrachtung gerückt, die bei den jüdischen Autoren kaum gestreift sind, nämlich die bürgerliehe Erwerbstätigkeit der Juden. Es ist nun aber nahezu unmöglich, die in dieser Richtung laufenden Darlegungen christlicher Gelehrter mit den aus jüdischen Darstellungen gewonnenen Bildern zu einem Gesamtbild zu vereinigen. Fast durchgehend findet man auf der einen Seite ein stark idealisiertes, auf die anderen ein stark materialisiertes Bild, und beide von so fühlbarer LebensunwirklicF1ke.it, daß es kein Wunder ist, wenn der Leser diese herausfühlt und schnell ermüdet. Wer hat sich nicht oft gewundert, warum man selbst unter zionistischen Akademikern, die das Interesse und das Rüstzeug durchaus mitbringen, so erstaunlich wenige S'bt, die bei der Lektüre von Grätz oder Dubnow durchhalten. ie Vorzüge beider Werke sind doch wahrlich groß genug, und es sind die — einzigen! Der Grund liegt z.T. sicherlieh in dieser Einseitigkeit, die unbefriedigt laßt —, gerade so unbefriedigt läßt wie die bloß wirtschaftsgeschichilichen Darstellungen der christlichen Gelehrten. Nun ist natürlich diese unselige Zweiteilung kein Zufall. Den jüdischen Gelehrten haben an Studienmaterial — Quellen — meist nur jüdische Berichte zur Verfügung gestanden, oder sie haben sich dieser doch mit besonderer Vorliebe bedient, einesteils weil sie durch Vorbildung — meist rabbinisch darauf hingewiesen waren, andererseits weil die nichtjüdischcn Historiker sie doch nicht lesen können. Diese hebräischen Quellen handeln sehr wenig von außcrreligiöseu Angelegenbeiten und fast gar nicht von der bürgerlichen Tätigkeit der Juden. Dagegen sind fast alle jüdischen Quellen, die von der letzteren handeln (Registraturen der jüdischen Gemeinden, jüdische Geschäftsbücher) bis zum 17. Jahrhundert infolge der Verfolgungen verloren gegangen. Daher sind wir über die bürgerliche Tätigkeit der Juden fast nur aus christlichen Quellen unterrichtet, und das sind zum großen Teil Quellen polemischen, also nicht objektiven, Charakters. Das ist vielen christlichen Autoren auch zum Bewußtsein gekommen, aber sie haben von dieser Erkenntnis zu wenig Gebrauch gemacht. Zwischen dem Bild von dem frommen, zu unrecht von einer sündhaften Mitwelt verfolgten, und dem wucherischen, in ungerechter, aber begreiflicher Empörung bestraften Juden klafft eine Lücke, die wir vorerst nicht ausfüllen können. Erst wenn wir sie ausgefüllt haben werden, werden wir ein befriedigendes und überzeugendes Bild von der jüdischen Vergangenheit besitzen. Dafür gibt es nun aber eine unerläßliche Voraussetzung: man kann die jüdische Geschichte weder allein aus sich selbst erfassen -־ wie die meisten jüdischen Autoren es tun —, noch allein aus den wirtschaftlichen Zusammenhängen der ״Wirts- Völker“, wie es von den christlichen Gelehrten zumeist geschieht. Der Tunnel durch den Berg muß von beiden Seiten gegraben werden. Das ist ein großes Stück Arbeit, aber wenn sie erfüllt ist, wird eine segensreiche Wirkung von ihr ausgehen. Beträchtlich gefördert wird solche Arbeit durch eine Zeitschrift wie die vorliegende, die zur Aussprache dient, und für größere und kleinere Arbeiten die Punlikationsmöglichkeit und die wirtschaftliche Voraussetzungen schafft. Nichts wirkt stärker gemeinschaftsbildend als wirkliche Kulturleistung: von der Wirksamkeit der jüdischen Propheten (vor 21/2 Jahrtausenden) zehren wir noch heute, die ״deutsche Wissenschaft“ begründet und erneuert immer wieder das deutsehe Ansehen und Selbstbewußtsein. Die jüdischen Kultur- Ieistungen waren in Deutschland vor ■dem Kriege stark zurückgegangen, und nur darum war damals der Defaitismus unter den deutschen Juden so groß. Aus diesen Gründen ist die ״Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ nicht eine Sache von ein paar Gelehrten. Nicht bloß der Wissenschaft zuliebe wenden alle Kulturstaaten große Summen für gelehrte Z.wcke auf. Die Juden haben nicht etwa weniger, sondern sehr viel mehr Anlaß dazu, es — gemäß ihren Kräften — auch zu tun. Dem Selbstbewußtsein und dem Anseben bei den anderen wird die Erfüllung dienen, die Unterlassung schaden. Es soll — innerhalb der Möglichkeit — dafür gesorgt werden, daß auch der gebildete Laie, der für 10,— RM. im Jahr die Zeitschrift abonniert, etwas für Ihn Genießbares vorfindet. Es soll möglichst jedes Heft einen größeren Aufsatz allgemeinen oder zitsammenfassenden Charakters bringen. Dr. Raphael Straus. Flr den Palästina-Aufbau Brief aus Ratibor. Am 14. April wurde im hiesigen Central-Theater, vorm. 11 Uhr der Palästina-Film ״Frühling in Palästina“ vorgeführt, der einen außergewöhnlich tiefen Eindruck auf alle Zuschauer machte. Außer einem großen Teil der hiesigen Gemeinde waren Vertreter der Behörde, der Presse, der Geistlichkeit und der Schulen anwesend. Am Nachmittag veranstaltete das lokale Komitee der neutralen Keren Hajessod einen Tee-Nachmittag. Die Zuhörer lauschten den Ausführungen des als Redner erschienenen Rechtsanwalt Dr. Ludwig Foerder, Breslau, der in längeren inhaltlich wie rhetorisch ausgezeichneten Ausführungen die Notwendigkeit der Mitarbeit auch der deutschen Juden am Palästina-Werk darlegte. Der Redner ging auf die Lage Palästinas in den letzten zweitausend Jahren ein, und hob das Verdienst des Zionismus an der planmäßigen Besiedlung des Landes hervor. Aus der Utopie sei eine Rea- Iität geworden, heute sehe es in Palästina schon erheblich anders aus als noch vor wenigen Jahren. Man könne auch im Hinblick auf die Prognosen hervorragender Autoritäten (Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Ministerialdirektor Dr. Schaffer, Handelsredakteur Felix Pinn er) durchaus hoffmmgsvoll gestimmt sein. Der Redner ging dann auf die notwendige Einstellung des deutschen Judentums und die jedes einzelnen deutschen Juden ein. Der deutsche Jude vergebe seiner deutsehen Einstellung nichts, wenn er sich an dem einzigartig grandiosen Werke des Hlnbringens von hunderttausendea Juden in das vor zweitausend Jahren verlassene Land der Väter, beteiligte. Kleinliche Bedenken hätten auszuscheiden, so insbesondere der unsinnige Gedanke, man schaffe Geld ins Ausland. Der Redner schloß unter Hinweis auf den Central-Verein, insbesondere mit dem Manne, der ihn gewissermaßen repräsentierte, Direktor Holländer, mit der Aufforderung, am Aufbau von Erez-Israel mitzuarbeiten. In der anschließenden regen Diskussion sprachen Rechtsanwalt Steiner, stud. jur. Kurt Frankel, Dr. Felix Heinaon. An die Diskussion und den Vortrag anschließend sprach wirkungsvoll der Sekretär des Keren Hajessod, Ing. Hütterer aus Beuthen, der mit einen» aufmunternden Appell zur Zeichnung seine Stellung als Palistinenser zum Galuth präzisierte. Der Erfolg der Nachmittags- Veranstaltung waren größere Zeichnungen für den Keren Hajessod von Nichtzionisten und einem auswärtigen Zionisten. Die gelungene Veranstaltung wurde von Dr. med. Felix Böhm, dem Vorsitzenden des fokalen Komitees des neutralen Keren Hajessod geleitet und mit Dank an die Vortragenden und DiskussionsraJner geschlossen. — J. P. Nene jfliHsehe Mnsik Im Jung-jüdischen Verein in Königsberg Mali Frau Alice J acob-Lö wensobn einen Vortrag Ober ״Neue jüdisch« Musik". Die Rednerin ging von der Jahrhundertwende ans und datierte das Erblühen einer neu« musikalischen Eigenkultur der Juden von der Entstehung der ersten zionistischen Kongresse aus. Die Tendens, eine eigen-jüdische Musikkultur zu schaffen, knüpft sich ersUich an die Wirksamkeit de« verdienstvollen Joel Engel, der, von Rußland kommend, sein beben als Musikerzieher in Palästina beschloß. (Probe am Klavier: Kinderlieder). Beispiele von Erich Walter Sternberg, Julius Wolfsohn , der Brüder Orägoire und Alexandre Krein sowie des jüngeren John Julian Krein zeigten die Einflüsse der Spätromantik und des Impressionismus. Nach diesen musikalischen Wanderungen durch Oesterreich und Frankreich wies Rednerin an Beispielen von Alexander Weprik, Josef Ach ron, Jacob Weinberg auf die Rolle der Russen, besonders hinsichtlich der Klaviermusik, hin. Das Aufblühen jüdischer Musik in Palästina wird vorwiegend in Zusammenhang mit dom Namen Mordochai Sandberg hervor gehoben. Eine Reihe weiterer Proben am Klavier und Grammophon gab Einblick in die feil» mißglückten, teils durch unbewußt starke assimilatorische Einflösse beeinträchtigten Versuche, liturgische Musik spezifisch jüdisch auszugestalten. Wahl jüdischer Themen oder Programme, Versuch«, die Urgründe der orientalischen Musik wiederzubeleben, helfen nicht über die Tatsache hinweg, daß unsere Uranfänge durch ihr Aufgehen in der abendländischen Kirchenmusik kaum noch geeignet sind, zur Grundlage neuer jüdischer Musik gemacht m Werden. _ Um so mehr war die Hingabe der Rednerm an die mit ausgezeichnetem pianistischen Können vorgetragenen zahlreichen Beispiele zu bewundem. Dr. Grete R ei chm a nn. Fiihrprlaßcr des Kadiraab Vom 3g. März 1<pg bis l. April igsg fand in Brieselang ein Führerlager des Kadimah statt. An der Tagung nahmen 135 Führer und Aeltere des Bundes aus alten Teilen Deutschlands teil. Das Führerlager in Brieselang stellt den Beginn einos neuen Abschnittes in der Entwicklung des Kadimah dar. Die erste Brieselanger Tagung im Jahre 1937 hatte die Einheit und das gemeinsame Ziel des Bundes geschaffen. Das jüdische Ziel, wie es zuletzt auf dem Bundestag von Königsee formuliert worden ist, ist heute im Kadimah überall anerkannt. Die geistige Auseinandersetzung auf diesem Führerlager fand die jüdische Forderung bereit® als gesicherten Besitz vor und konnte sich hier mit Ausführungsbestimmungen begnügen, die dem einheitlichen Willen nach Verwirklichung Rechnung tragen. Ein Minimalprogramm der jüdischen Bildung der Führer in hebräisch, jüdischer Geschichte, Gegenwart»- und Pallstinakunde wurde festgelegt und Institutionen für die Durchführung geschaffen. Das entscheidende Problem der Tagung war die Frage nach dem Weg, nach der Methode der Erziehung. Man war sich einig darüber, im Bunde ein einheitliches Erziebungssys tem. zu schaffen. In ernstem Meinungskampf standen sich hier zwei Riehhingen gegenüber. Die eine verlangt den jüdischen Scoutbund. Sie glaubt das Ziel des Kadimah mit den Mitteln der Pfadfinderei durch Gesetz und Verpflichtung erreichen zu können, die von dem englisehei» Vorbild Anregung empfangen haben. Die andere Meinung forderte ein freieres Erziehungsajrstera und Methoden, die stärker dem eigenen und dem jüdischen Geist entwachsen sei«. Auf Grund der zweitägigen Debatte im Plenum beschloß der Bundeirat, der Pfadfinderschaft die Möglichkeit einer Organisation innerhalb des Bundes zu geben mit Autonomie in der Frage des Gesetzes und der Verpflichtung. Der Name im Bundes Kadimah wurde geändert in: Kadimah, Bund jüdischer Jugend. Der Bundesrat wählte Hans Kaufmann »um Bundesleiter, der gemeinsam mit einem kleinen Kreis jüngerer Berliner Führer die Arbeit durchführen wird. In Arbeitsgemeinschaften beschäftigte sich das Führerlager mit folgenden Themen: Weltanscliauungsfragen, Bibel, ideologische Grstuit• fragen des Wcllpfadfindcrtums, Berufsfragen, Körpererziehung und Biologie.

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