Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 31 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3!, 10. IV. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 193 Das Wehrbuch Teil A (Unterstufe). Leitfaden für den Wehranterricht itn Aufträge des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens herausgegeben von Jacob Ledermann. Im Philoverlag 1929. Ein Leitartikel der C. V.-Zeitung■ vom 8. März 1929 von Jacob Ledermann forderte die Aneliederung eines Jüdischpolitischen ‘ Lehrganges, eines ״Wenrunterricnts“ an den jüdisehen Religionsunterricht ״Aus der Jugend“, so begründete Ledermann seine Forderung, ״sollen uns dereinst die Kämpfer erstehen, die den ewigen Kampf, den Kampf einer religiösen Minorität, nach uns fuhren. Sie sollen begeistert und begeisternd dort in die Bresche springen, wo böser Wille, meist aber mangelnde Erkenntnis dem Judentum Schaden zufügen und Unehre antun wollen“. Dem Wehrunterricht soll ein ״Wehrbuch“ als Lehrbuch zugrunde liegen. Dies Lehrbuch ist — schnell folgt dem Wort die Tat — soeben erschienen. Aus dem Vorwort das sich an Eltern und Lehrer richtet, erfahren wir, daß ״es in seiner Erkenntnisvermittlung dem kindlichen Geist in der Behandlung der Probleme psychologisch angepaßt ist“ und daß der dem Verständnis der Kinder von 13—14 Jahren entsprechenden Unterstufe eine Oberstufe folgen soll, auf die man um so gespannter sein darf, als sie den in der Unterstufe gebotenen Stoff ״reichhaltiger und vertiefter“ bieten wird. Tatsächlich hält die Unterstufe alles, was der Artikel in der C. V.-Zcitung versprochen hatte. Die Sprache ist einfach, eindringlich, zu Herzen gehend, der Stoff klar gegliedert, leicht verständlich. In aufschlußreicher Weise werden auf wenigen Seiten wichtigste Probleme besprochen: ״Sind wir Deutsche oder Fremde?“ — ״Waren die Juden Drückeberger im Weltkriege?“ — ״Gibt es eine jüdische Rasse?“ — ״Etwas vom Hakenkreuz“ — ״Juden itn Flugzeug, im Luftscniff und im Unterseeboot“ und anderes. Erzählungen, Gedichte, Feldpostbriefe, statistische Tafeln, wirkungsvolle Bilder führen die kindlichen Leser immer wieder von der grauen Theorie zum Stoff, zu den Vorgängen, d. h. zum Leben selbst. Für ein jüdisches Kind, das an Hand seines Wehrbuches in ernsthafter Arbeit zwei Jahre Welmiuterricht hinter sich gebracht hat, gibt es kein jüdisches Problem mehr: jede Frage, die ihm gestellt wird, die es sich selbst stellen könnte, ist, wie sich das gehört, klar und eindeutig beantwortet. Die Seele des jungen Juden, der gelernt hat, daß wir Deutsche sind und nur Deutsche, daß eine Jahrtausende alte jüdische Siedlung in Deutschland ein jüdisches Heimatrecht auf deutschem Boden begründet hat, der die Namen unserer jüdischen Fliegerhelden auswendig weiß, der die Behauptung vom jüdischen Drückebergertum im Weltkrieg mit einer Statistik der jüdischen Kriegsauszeichnungen widerlegen kann — sie wird, wie Ledermann schön sagt, ״entgiftet von sich einnistenden Zweifeln, innerlich frei von einer Not, die sie spürt“. Das Wehrbuch und der Wehrunterricht werden eine jüdisehe Jugend schaffen helfen, wie unsere Zeit sie braucht, ״die in Stürmen stehen kann, hart und ehern“: ״Boykott und völkisehe Rassetheorie fressen sich immer weiter“, meint Ledermann. ״Das jüdische Kind hört da und dort ein Wort, einen Vorwurf, die sich gegen sein Judenherz wenden ״. . . . ,Die jüdischen Kinder gehen jetzt zum Religionsunterri־׳ht‘, ruft ja der Lehrer. Und um die Weihnachtszeit, wenn die heiligen Lieder der anderen Gemeinschaft erklingen, fühlt es einen Zwiesoalt, den der Religionsunterricht nicht ganz löst. Das jüdische Kind will wissen, will seiner sicher werden, will sich wehren können — beileibe nicht gegen die heiligen Lieder, die singt es gewöhnlich mit — aber gegen die bösen Worte“, meint Lede’-mann. Das kindliche Erziehungsprodukt des Wehrunterrichts wird wehrhaft sein. Wenn seine Judennot am größten sein ״wirf, WHaUsieli ÖldlÄlm jener Beweise jüdischen Heldentums Im Weltkrieg stolz aufrichten, die sein Wehrbuch so zahlreich enthält. — Zu Nutz und Frommen unserer Leser bringen wir eine dieser Erzählungen zum Abdruck. Sie wird besser als jede Besprechung in den Geist des Wehrunterrichts und des Wehrbuches einführen: Jüdisches Heldentum. — Gefreiter Levy sprang vor *«inen niedersinkenden Hauptmann. ״Kompagnie, hört auf mein Kommando t Gedenket, daß wir Deutsche sind! Vorwärts!!“ Er reißt, yordringend, die schon weichenden Kameraden mit sich und bricht unwiderstehlich in die feindliche Stellung. Ein kurzes, erbitterte# Handpemenge. Levy, selbst blutend, bahnt den Seinen den Siegesweg durch Feindesmassen: die Russen fliehen! Da hört er, kampferschöpft an der Graben wand lehnend, eine schwache Stimme, jiddisch, zu sich emporflehen: ״Ihr »eid Jude — ich sterbe — benachrichtigt meine unglückliche Familie.“ Mild neigt *ich der Held za dem Sterbenden: ״Jude oder Nichtjude — Sie sind ein Mensch! Dem deutschen Krieger ist der besiegte Feind kein Feind mehr.“ Er notiert, ruhig im Granatenslurm, die Adresse des Verwundeten im besetzten Gebiet. Sein nächster Urlaub führt ihn in die armselige Hütte seines Glaubenscenossen aus dum Osten. Er tröstet die jammernde Frau, die weinenden Kinder, überreicht den freudig Uelrrrasrhten eine größere Spende. — Mehrere Monate später fiel Levy an der Westfront in den Argonnen. Es gelang, ihn kurz vor seinem Tode in den deutschen Graben zurückzuschaffen. Seine Augen leuchteten, als Oberleutnant Freiherr v. Brausewetter ihm das E. K. II auf die durchbohrte Brust heftete; sprechen konnte er nicht mehr. — Er war, obwohl ein Jude, doch ein Held, schrieb der Offizier der alten Mutter des Toten. — ״Wenn ich sechs Söhne hätte", sagte diese, als sie das Schreiben erhielt, ״mit Freuden würde ich sie auf dem Altar mein« geliebten Vaterlandes opfern". — Levy und seine Mutter werden ewige Vorbilder, das Schreiben Oberleutnants v. BrauseweUer wird ein ewiges Ruhmesblatt aller Deutschen jüdischen Glaubens sein. Furchtbar dem widerstehenden, voller Humanität dem unterlegenen Feind gegenüber — das ist deutsche und jüdische Art.“ — Das ergreifende Finale dieser wahren Geschichte Ist selbstverständlich im Bilde wiedergegeben. — Eine große Anzahl patriotischer Gedichte unterstreicht den gewaltigen Eindruck des erzählenden Teils und widerlegt die dreiste Behauptung unserer antisemitischen Gegner, daß jüdisches Schrifttum im wesentliehen pazifistisch sei. Der alte Trutzgesang der kaiserlichen Marine ״Stolz weht die Flagge Schwarzweißrot“, der politisch bedeutsame ״Haßgesang gegen England“, das von eent deutscher Sentimentalität durcnschauerte Solda'enlied ״Annemarie“, das unsere wackeren Krieger von der stürmischen Küste der Nordsee bis zu den glühenden Wüsten Arabiens begleitete, sind — unsere Kinder werden es mit berechtigtem Stolz erfahren — ebenso Erzeugnisse jüdischer Dichtkuns* wie (ene den unvergeßlichen Geist von 1914 atmenden witzigen Verse in ihrer epigrammatischen Kürze: ״Jeder Schuß ein Russ׳, jeder Stof! ein Franzos’. . . .“ — So sieht das Wehrbuch aus oder vielmehr so müßte es aussehen, wenn es bereits erschienen wäre, und wenn es erfüllen soll, was der Ledermannsche Artikel von ihm erwartet. Wir sind gern bereit, auf Spott zu verzichten, Uebertreibungen preiszugeben, anzunehmen, daß literarischer Geschmack und politisehe Routine mildern, abbiegen, erträglicher machen wird, was, gemildert oder nicht, unerträglich bleiben muß. Geist von diesem Geiste aber müßte das Wehrbuch sein. — Die Redaktion der C. V.-Zeitung legte Wert darauf, in einer Vorbemerkung zu ihrem Wehrartikel zu betonen, daß die darin entwickelten Gedanken durchaus beachtlich seien. Sind die Führer des C. V. wütende Militaristen, vertritt die C.-V.-Zeitung die Ideologie des Stahlhelm? Ach nein, die Mitglieder des C. V. sind im allgemeinen friedliebende Leute. Sie lesen das ״Berliner Tageblatt“ und manche von ihnen sogar die ״Weltbühne“. Pazifismus liegt ihnen näher als Militarismus, und sie bedauern lediglich, daß pazifistische Juden so viel Risches machen. Wenn sie um die Sicherheit, die seelische Widerstandskraft ihrer Kinder antkemi ischen Angriffen gegenüber fürchten müssen, so zeugt das davon, daß sie sich selbst von Furcht nicht freigemacht haben. Am Beispiel des ״Wehr“-Artikel$ der C. V.-Zeitung ließe sich deutlich machen, wie sehr eine falsche und unsichere Haltung in jüdisehen Dingen die Sicherheit allen Problemen des Lebens gegenüber beeinträchtigt. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens haben ebenso wie die Zionisten Hajeks ״Schwejk“, Zweigs ״Grischa“, Remarques ״Im Westen nichts Neues" gelesen. Sie haben diese Bücher mit Verständnis, Anteilnahme, Zustimmung oder Ablehnung gelesen. Sie haben Kriegsfilme gesehen, haben bei den Stücken der Piscator-Bühne gezischt oder geklatscht, haben, die einen oder die anderen, der Neuaulführung von Shaws ״Helden“ beigewohnt. Wenn sie es nicht im Kriege gelernt hatten, so haben ihnen Presse, Buch, Film, Theater gezeigt, was es mit dem Heldentum auf sich hat, und daß man dem wahren Heldentum zu nahe tritt, wenn man es der Gefahr romantischer Verfälschung aussetzt. — Es ist ein grotesker Gedanke, daß der jüdische Religionsunterricht ausgerechnet dazu herhalten soll, jüdischen Kindern die Romantik des Krieges und jüdischer Kriegstaten in einem Augenblick näher zu bringen, in dem die christlichen Kirchen sich auf die Aufgabe jeder dem Judentum entstammenden Religion zu besinnen beginnen, Hüter des Friedens zu sein. Es ist unerträglich, daß die 12 000 jüdischen Toten, die der Weltkrieg auf deutscher Seite forderte, nicht einmal im Grabe ihre Ruhe haben sollen, daß sie für die jüdische Abwehr gegen uuiiiiuiiiiiininiiiiiuiimDuiiiiiuiiiitiuiuiiBnuitmiiiiiiiiiuimiiiuimuiutiiiniiiiiiiuiiiiiiiniiiiiimiiiiiitiiinitiimimiitim Alle Verbände, die eine große Zahl von Schekallm verkaufen, erhalten eine starke Vertretun g auf dem Kongreß! Letzter Tag der Schekel ־ Abrechnung ist der 27. Mai 1929. antisemitische Angriffe noch einmal mobil gemacht werden.“ Will man die Sicherheit, den jüdischen Stolz jüdischer Kinder stärken, so lasse man sie die Ehre des jüdischen Namens dort suchen, wo sie in Wahrheit zu finden ist. Das jüdische Volk mit seiner mehr als dreitausendjährigen Geschichte, das in seinen Jugendtagen alle militärischen Ehren errungen hat, die einer tapferen Nation erstrebenswert erscheinen können, das unter den furchtbarsten Verfolgungen weder Religion noch Eigenart aufgab, das, statt wie andere Völker ihren Untergang hinzunehmen, heut daran geht, sich in friedlicher Arbeit m Palästina ein Stück Erdoberfläche zu eigen zu machen, hat MaiÄLÄig,,!ÄmÄpim״A1int«r Bewefe,mfstelto,.»dl antisemitische Hetzer jüdisches Drückebergertum schellen. Man gebe zu, daß es im Weltkrieg unter den Juden wie unter den Nichtjuden Draufgänger und Drückeberger, ,,Helden“ und ״Feiglinge“ gegeben hat. — Man erhalte allen Angriffen unserer Feinde, allen Verteidigungsversuchen unserer ״Freunde“ gegenüber jene reine Form des Heldentums aufrecht, die Carlysle als die einzige bezeichnet, den Mut zur Wahrhaftigkeit, den Willen und die Kraft, komme was wolle, zu sein, was man ist, und zu sagen und zu tun, was man als recht erkannt hat. Will man jüdische Kinder dem Antisemilismus gegenüber wehrhaft machen, so sage man ihnen, daß in einer Zeit, da überall in der Welt das Recht des Starken herrschte, das jüdisehe Volk in seinen besten Vertretern Schutz den Schwachen, Gerechtigkeit und Nächstenliebe gefordert hat. Daß es Jahrtausende vor modernen pazifistischen Bestrebungen an eine Zeit zu denken wagte, in der die Schwerter in Werkzeuge des Friedens verwandelt werden würden. Die jüdischen Kinder werden an das Judentum und an den Wert des Judentums zu flauben lernen, wenn man ihnen zu zeigen versteht, daß im aufe der Geschichte die besten Juden diesen Ideen nicht untreu geworden sind. — Das Wehrbuch wird nicht erscheinen. Der Wehrunterrieht wird nicht stattfinden. Wir brauchen um die Ruhe der jüdischen Gefallenen ebensowenig zu zittern wie um die Seele unserer Kinder. Wir hielten es aber, weil wir an jüdisches Heldentum glauben, für notwendig, einer Furcht, die sich kriegerisch gebärdet, den Spiegel vorzuhalten. Karl Glaser. ״Aul dem Boden des Cenlral-Vereins“ Der Central-Vereln, Ortsgruppe Hannover, versandte am 16. Mä־z nachstehende Einladung: ״Sehr geehrtes Mitglied! Hierdurch laden wir Sie nebst Angehörigen zu einer Mitgliederversammlung, am Donnerstag, dem 21. März, 20Vs Uhr, in die Hansa-Festsäle, Aegidientorpl. ein. Herr Rechtsanwalt Ernst Ludwig P i n n e r - Berlin spricht über das Thema: ״Gibt es eine gesamtjüdische Politik?“ Der Vortragende, dem der Ruf eines vorzüglichen Redners voraufgeht, ist der Verfasser des in den letzten Monaten viel besprochenen Buches ״Los vom Z i o n i s m u s“, in dem er mit einigen Freunden Rechenschaft ablegt über seinen Austritt aus dein Zionismus, dem er jahrelang in vorderer Linie angehört hat. Wir glauben, daß gerade in heutiger Zeit ein derartiges Thema Ihr Interesse finden wird, und erwarten daher allseitige Beteiligung. Einführung von Gästen, die auf dem Boden des Central-Verelns stehen, ist gestattet. Vorher, 20 Uhr pünktlich, ordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Geschäftsbericht und Vorstandswahlen. Mit vorzüglicher Hochachtung Central-Verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E.V., Ortsgruppe Hannover. Der geschäftsführende Ausschuß.“ * Wir wollen davon absehen, daß ein Verlassen der zionistisehen Reihen dem Centralverein genügt, um den Ausscheidenden zu einem ״vorzüglichen Redner“ zu machen, der in den ״vordersten Reihen“ des Zionismus gestanden hat Interessanter ist, daß der Centralverein bei der Besprechung derartiger Themen unter sich bleibt. Er will nicht einmal die Möglichkeit heraufbeschwören, daß ein selbständig denkender, nicht ganz auf dem ״Boden des Centralvcreins stehender“ Jude seine Meinung Vorbringen könnte. Und gerade in Central-Vereins-Kreisen beklagt man sich über den Boykott rechtsstehender Parteien gegenüber Andersdenkenden. Aus den Gemeinden Wohllon ond Politik In Chemnitz, deren Judengemeinde das reaktionärste Wahlrecht in ganz Deutschland hat, und wo 60«/« aller Wähler und aller bei den letzten jüdischen Gemeindewallien abgegebenen Stimmen durch vier Repräsentanten und die restlichen 40 <>■״׳ durch 17 Repräsentanten vertreten sind, — in Chemnitz, der Domäne des Resolutionärs Georg Mecklenburg, wurde eine Sondersammlung der Zentralstelle der israe.itisehen Wohlfahrtsvereine, mit dem Ziele 1001:0 RM. aufzubringen, reranstaltet. Der betreffende Aufruf war von der Zentralstelle der Wohlfahrtsvereine, von der Clicwra Kadischah, der Notsfandsküche, von dem jüdischen Unterstützungsverein und vom Rabbiner Dr. Fuchs unterschrieben. Dieser Aufruf wurde an die Oemeindemifglieder verschickt. Rabbiner Fuchs erhielt daraufhin von Georg Mecklenburg nachstehendes Schreiben: Chemnitz, den so. März igag. Sehr geehrter Herr Doktor! Sie 1 iahen mich im Namen der Zentrale der Wohltätigkeitjvereine am einen Beitrag zur Pesachsprnde gebeten, die in der Hauptsache nur Unterstiitmng ostjüdischer Gemeindemitglieder verwendet, wird. Ich muß diesn Bitte zu meinem Bedauern mit folgender Begrün* düng ablehnen: Die Ostjuden wählen seit. Jahren als ihre Vertreter in der Gemeinde und Wortführer in Zirkularen Herren, die un* deutsche Juden in gröblichster Weise beschimpfen, wie z. R. durch den Vergleich mit NcgerslSmraon. Ich muß es für die Folge ablehnen, Ostjuden ru unterstützen, so lange mich die von ihnen gewählten Vertreter beleidigen. Die für die Spende bestimmten Beträge will ich nicht sparen, sondern werde dieselben einem Fonds ruführen, der bei Acnderung dieser Zustände den Bedürftigen zu geführt werden soll. Ich habe den Auftrag, diese Erklärung Ihnen im Namen weiter Kreise unserer Gemeinde abzugeben. Hochachtend ger. Georg Mecklenburg Eine Kopie dieses Briefes an Dr. Fuchs sandte Georg Mecklenburg an eine ganze Reihe von Chemnitzer Juden mit folgendem Begleitbrief: Chemnitz, den 33. Märe tgeg. Sehr geehrter Herr! Ich gehe Ihnen Kenntnis von beifolgendem Schreiben: Die Aktion hat das Ziel, die skandalösen Zustände in unser« Gemeinde dadurch zu bessern, daß bestimmte radikale Personen aus dem öffentlichen Gemeindeleben au'geschaliet werden. Falls Sie sich dieser Aktion anschließen, wollen Sie unter Borufurig auf das beiliegende Schreiben die Beteiligung an der Pesachspende ablehnen »md der! zu ged achten Betrag mir für den Ililfs-Fond* überweisen. Hochachtend gez. Georg Mecklenburg. Ein Wort der Kritik hinzuzufügen, ist überflüssig. Georg Mecklenburg hat sich mit seinen Briefen genügend charakterisiert. Die religiösen Organisationen im Ausland Moskau, 14. April. (J. T. A) Das Zentral-Exekutiv- Komitee der Sowjetunion veröffentlichte soeben ein neues Gesetz, das die Rechte und Funktionen religiöser Organisationen in der Sowjetunion umgrenzt. Danach behalten religiöse Körperschaften, die mindestens 20 Mitglieder im Alter von über 18 Jahren zählen, ihre Rechte wie bisher, diese sind aber jetzt *girier definiert In dem Gesetz ist auch ■genao das Verfahren umschrieben, das bei Schließung von Gotteshäusern angewendet werden soll. Vorgesehen Ist auch die Bildung von Gläubigen-Gruppen mit weniger als 20 Erwachsenen in einem Orte. Das Zentral-Exekutivkomitee hat eine Kommission zur Ueberwachung der Handhabung des neuen Religionsgesetzes eingesetzt. Budapest, 14. April. <J. T. A.) Das Munizipium von Budapest hat das Budget für 1929 veröffentlicht, dem folgende Daten zu entnehmen sind: Als Subvention für die israelitischen Kultusgemeinden wurden 165 000 Pengö notiert, darunter für Tempelbau der orthodoxen Gemeinde 200T0 Pengö, welcher Betrag voraussichtlich no:h weitere vier Jahre im Budget eingestellt wird. Weiterhin für verschiedene jüdische soziale Vereinigungen 60 030 Pengö. Außerdem erhielt der orthodoxe Volkstisch für täglich 100 Personen gratis Naturalien, der orthodoxe Frauenverein nebst 3000 Pengö Jahressubvention, als separate Osterhilfe drei Waggon Kartoffel, der orthodoxe Land&s-Biknr-Cholim-Verein 6000 Pengö. Der Hanna-Verein 3000 Pengö Jahressubvention und für täglich 120 Kinder Naturalien. Insgesamt beziffern sich die im Budget unter verschiedenen Posten angeführten Unterstützungen nahezu auf eine halbe Million Pengö. Dieser Betrag stieg seit drei Jahren von Jahr zu Jahr. Belgrad, 14. April. (J. T. A.) Das vor einigen Tagen mit dem Justizministerium vereinigte Kultusministerium hat einen Entwurf eines besonderen Gesetzes über die jüdische Religionsgemeinschaft ausgearbeitet Das Gesetz soll die volle Gleichberechtigung der jüdischen Re- Ilglon und die bisher bestehende Autonomie der jüdischen Kultusgemeinden garantieren. Vor der letzten Redaktion dieses Gesetzentwurfs haben bei dem Kultusminister die Delegierten des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden, ferner Delegationen des Rabbiner- und Kan’o-enverbandes vorgesprochen. Die legitime Vertretung der jüdischen Religionsgemeinschaff in Jugoslawien soll nach dem Entwurf der Verband der jüdischen Kultusgemeinden sein, wogegen der allerdings nur eine kleine Anzahl der Gemeinden vertretende Verband Orthodoxer Gemeinden Einspruch erhebt. Die Kultusgemeinden werden wie bisher das Recht der Be- Steuerung ihrer Mitglieder haben. Der Entwurf wird nicht früher Gesetz werden, als bis das interkonfessionel'e Gesetz proklamiert wird, das im Zusammenhang mit der Frage des Konkordatsabschlusses steht. Rom, 6. April. (J. T. A.) Gemäß ihrer neuen Politik hat die italienische Regierung beschlossen, eine Modifizierung der gesetzlichen Verfügungen bezüglich der Juden, die noch vor der Bildung des vereinigten italienischen Königreichs in Kraft getreten waren, vorzunehmen. Zu diesem Zweck wird eine Sonderkommission eingesetzt, der drei Juden, unter ihnen der Oberrabbiner von Rom, und drei Nichtjuden angehören. Aufgabe dieser Kommission wird es sein, den Entwurf einer Neuregelung des Status der jüdischen Gemeinden herzustellen. Es ist wahrscheinlicher, daß ein rabbinischer Rat, ähnlich einem Beth-Din, als oberste rabbinische Landesbehörde eingesetzt werden wird. Professer Türk 70 Jahre. Am 28. April d. J. vollendet Professor Dr. Moritz Türk, einer der Führer des liberalen Judentums in Deutschland und der Berliner Reformgemeinde, sein 70. Lebensjahr. Seit Jahrzehnten steht Professor Türk im Mittelpunkt des jüdischen öffentlichen Lebens Berlins. Als Vorsitzender der liberalen Fraktion in der Repräsentantenver- Sammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin ist Professor Türk meistens der Wortführer der Liberalen Im Kampfe gegen die Jüdische Volkspartei. Am 8. April tagte in Berlin unter dem Vorsitz von Dr. Alfred Klee der Subventionsausschuß d« Preußischen Landesverbände• jüdischei Gemeinden.