Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1929)
- Date
- 1929-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653091--20700-2678712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 188 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 16. IV. 1929 hat seine besondere Ethik. Hieraus ergibt sich ein weiteres: wenn die Lebensprinzipien eines jeden Volkes durch sein Land entscheidend beeinflußt werden, so bedeutet die Bildung des Begriffes ״Palästinenser“ eine lebendige Neuschöpfung, eine Umwertung, insbesondere eine Schöpfung, was den neuen jüdischen Menschen angeht. Denn der Jude bleibt nicht einfach Jude, wenn er Palästinenser wird; vielmehr liegt in dieser Umwandlung Z11kunft3trächtigstes beschlossen. Nicht umsonst sagt der Talmud: die Luft Palästinas macht weise! Nur der Zionist, der diesen Zusammenhang einsieht und seine ganze Persönlichkeit für eine solche Umwandlung einsetzt, vermag die Bedeutung der Verknüpfung von Volk — Juda — und Land — Erez-lsrael — in ihrer ganzen Tiefe zu ermessen. Hier hat noch eine Betrachtung einzusetzen, dis nicht direkt mit dem Thema zu tun hat, sondern sich als Schluß* folgerung ergibt: Der nüchterne Realist bleibt hinter der Idee zurück, die int Palästinagedanken liegt. Für ihn sind zwei Mauern errichtet, die er nicht zu übersteigen vermag. Einmal: der irrationale Kern einer jeden Idee. Man wird wissenschaftlich nie beweisen können, daß das Zukunftsträchtigste in der innigsten natürlichen Verknüpfung eines Volkes mit seinem Lande begründet ist. Wie sollte man das beweisen? Handelt es sich doch um einen inneren Vorgang, der jeglicher Kontrolle entzogen ist. Hier beginnt das Ideenhafte; hierzu gehört der Glaube. Die zweite Mauer wird errichtet durch die Nichtrealisierbarkeit einer jeden Idee. Das ist es ganz besonders, was den nüchternen Realisten abschreckt, sich mit einer Idee zu befassen. Er sagt nämlich mit Recht: man kann zwar der Verwirklichung einer Idee immer näher und näher kommen, aber dennoch bleibt das Ziel in unendlicher Ferne. Das haben wir im letzten Jahrzehnt in Europa besonders deutlich erlebt. Man kann davon abschen, daß in den sogenannten westlichen Demokratien, zu denen doch auch Spanien und Italien gehören sollen, nichts von dem verwirklicht worden ist, wozu sie angeblich — Spanien scheidet hier nur durch einen Zufall aus — in den Weltkrieg gezogen sind; aber wir In Deutschland und die Menschen des Sowjetstaates warten vergeblich auf die Verwirklichung der Ideen des Liberalismus und des Sozialismus. Wann jemals und an welchem Punkte der Erde ist der Liberalismus zu verwirklichen? Wann jemals und an welchem Punkte der Erde beginnt man wahrhaft mit der Verwirklichung des Sozialismus? und so steht es mit allem Ideenhaften. Deshalb brauchen wir Zionisten uns des Eingeständnisses nicht zu schämen, daß es einen vollendeten Zionismus weder jemals gegeben hat, noch jemals geben wird. Das Entscheidende ist die Tendenz, während die Verwirklichung immer im Grauen, im Unvollkommenen, im Irdischen stecken bleibt. Deshalb ergibt sich aber auch die Notwendigkeit, daß wir den für die Durchsetzung der Idee des Zionismus erforderliehen Mut nur durch einen Aufruf zum Idealismus einflößen können: die praktischen Aufgaben und Arbeiten des Zionismus oder besser noch die Art ihrer Ausführung haben sich nach seiner Idee zu richten; nicht umgekehrt! Es bleibt nur ein Weg: erziehen wir unser jüngstes Geschlecht, das sich so sehr seiner nüchternen Sachlichkeit rühmt, wieder zu Idealisten, und wir werden vollendete Anhänger des Palästinagedankens gewinnen. Federation 01 Synagogaes and Agency-Konlerenz London, 10. April, (j.T. A.) in der Sitzung des Aus* Schusses der Federation 0f Synagogue«, die den religtös-konser•* vaäveo Teil d«r englischen Juden repräsentiert, empfahl der Präsident der Federation, M. H. Davis, den Delegierten, der Einladung Am Board of Deputies zur Teilnahme an der an» 31, Anr:: ■:jaitfir.dsndti: Kor..Uve0z d-' «ngii»chefl iude״,- i»der die englischen Vertreter im tlichtzionisiischen Teil der Agency gewählt werden sollen, Folge zu leisten. Er erklärte, er habe aie Frage sorgfältig erwogen, die nicht gerade einfach zu lösen sei. Die Zionisten wünschen, daß Palästina ein wirkliches Nationalheim werde. Nun geht man daran, eine Agency aus Zionisten, lauen Zionisten, und gar Antizionisten zu bilden, immerhin ist eine gewisse Bürgschaft in der Tatsache vorhanden, daß die Agency zu 50 ״/o aus Zionisten bestehen wird. Wenn die Mitglieder der Federation, einer orthodoxen Körperschaft, die sich stets mit dem Zionismus identifiziert hatte, sorgfältig die Vorteile und die Nachteile einer Teilnahme an der Agency-Konferenz abwlgen, müssen sie zu dem folgenden Schlüsse kommen: So sehr es erwünscht gewesen wäre, eine hundertprozentige zionistische Agency zu haben, so gebiete diejüdischeund die zionistische Pflicht der Federation dennoch, nicht beiseite zu stehen, sondern Delegierte zu der Konferenz zu ent senden. Auf Antrag von M. H. Davis wurden die folgenden zehn Delegierten für die Agency-Konferenz der englischen Juden gewählt: D. Barnett, I. M. Shochct, L. Segalow, J. M. Libgott, N. Fisher, J. Kahan, A. E. Mögen, B. Simons, I. Cohen und M. Churner. Der Präsident M. H. Darts selbst ist einer der Vertreter des Board of Deputies für die bevorstehende Kon* ferenz. London, 12. April. (J. T. A.) Die Ehrenbeamten (Exekutive) der Londoner United Synagogue haben sich in der letzten Sitzung mit der an die United Synagoge seitens des Jewish Boara of Deputies ergangenen Einladung zur Teil* nähme an der Jewish Agency-Konferenzderenglisch en Juden befaßt und den Beschluß angenommen, dem Rat zu empfehlen, dieser Einladung im Hinblick auf die der Tätigkeit der United Synagogue in ihren Statuten gezogenen Grenzen nicht Folge zu leisten. Gleichzeitig wurde betont, daß kein Einwand dagegen erhoben werden soll, daß die 12 Herren, die die United Synagogue beim ^»ard of Deputies vertreten, an der Agcncy-Konferenz teilnehmen. Der Rat der United Synagogue hatte sich nun in einer im Jews׳ College unter dem Vorsitz von Sir Robert Waley Cohen abgehaltenen Sitzung "mit diesem Beschluß seiner Exekutive zu befassen. Nach längerer Aussprache stimmte der Rat dem Beschluß der Exekutive bezüglich der Nichtteilnahme der United Synagogue an der Agency-Konferenz zu. J. de V. Roos in Berlin Am 12. d. M. statteten namens der Z. V. f. D. Dr. M. Bi- 1 eski und Dr. Kanowitz dem vorübergehend in Berlin weilenden Justizminister von Südafrika, J. de V. Roos, einen Besuch ab und unterhielten sich mit diesem bewährten Freunde der zionistischen Sache ausführlich über den gegenwärtigen Stand der Aufbauarbeit in Palästina und über die Lage der zionistischen Bewegung in Deutschland. Herr de Roos gehört zu jenem Kreise südafrikanischer nichtjüdischer Notabein, die es nicht verabsäumen, bei jeder Gelegenheit sich in den Dienst der zionistischen Sache zu stellen. Im September 1928 erließ Roos gemeinsam mit anderen führenden Persönlichkeiten in Südafrika eine Sympathieerklärung für den Zionismus״ in welcher in Ausdrücken höchster Bewunderung für das Werk des Wiederaufbaus in Palästina sowie für den Gedanken des jüdischen Nationalheims geworben wird. Jerusalem, 9. April. (J. T. A.) in Palästina fanden gestern die Wahlen in die Arbeiterrate statt. Die Partei Achduth Haawoda (palästinensische Poaie Zion) konnte allein 60 °/0 der abgegebenen Stimmen auf ihre Listen vereinigen. Aut die Liste der Hapoel Hazair (Hitachduth) wurden 20 »9 der Stimmen, die restlichen 20 Vo wurden auf die Listen des Hapoei Hamisrachi und der extrem Unken Arbeiterparteien abgegeben. Entwirrung Von Isaak Feuerring. Der 15. Zionistenkongreß fand eine andere Konstellation der Gruppen vor als die vorgehenden Kongresse. Wie soll, wie wird das Gesicht des 16. Kongressen sein? — Schon auf dem 14. Kongreß in Wien war die Notwendigkeit einer zeitweiligen Umstellung der Arbeit in Palästina erkannt worden. Daß allen denen, die mit dem palästinensischen Siedlungswerk verbunden sind, eine Steigerung des Tempos dieser Arbeit am Herzen liegt, braucht nicht betont zu werden, daß aber ein bestimmtes Tempo auf die Dauer nicht gleichmäßig sein kann und zu sein braucht, daß auf Zelten störmischen Vorwärtsdrängens auch ruhigere Zeiten der Konsolidierung des Geschaffenen und des Ausbaus der erreichten Positionen 1 11 ׳ müssen, ist eine Wahrheit, deren Erkennt* nis wir anscheinend mit schweren Opfern bezahlen mußten. — Der Wiener Kongreß stand unter dem Eindruck der vierten Alijah. Es gehörte nicht viel Voraussicht dazu, zu verstehen, daß gegenüber der Stärke dieser Einwanderungswelle seitens der zionistischen Instanzen einerseits ein rechtzeitiges Bremsen erforderlich war, um zu vermeiden, daß von dieser Welle Elemente ins Land gespült wurden, deren wirtschaftliche Verknüpfung mit dem Lande aussichtslos erschien — und daß andererseits alles rechtzeitig getan werden mußte, um denjenigen Teil der Immigranten, die das Land mit genügender Hilfe absorbieren konnte, dem Lande zu erhalten. Diese Voraussicht besaßen wir nicht; weder unternahmen wir wirkliehe Schritte, um denjenigen Teil der Einwanderer zurückzuhalten, der wirtschaftlich dort Schiffbruch erleiden mußte, noch waren Mittel oder Initiative vorhanden, um dem anderen Teil der Immigranten, der dem Lande zu Nutzen gereichen konnte, dort zur Installation zu verhelfen. Kein Wunder, daß die Krise unvermeidlich wurde! Diese Krise hat zu einer Entfremdimg eines großen Teils des allgemeinen Zionismus, speziell aber des deutschen, von der Arbeiterschaft geführt. Bedauerlicherweise — denn (wie von uns bei den verschiedensten Gelegenheiten hervorgehoben) es waren nicht zionistische Axiome, die uns von der Arbeiterschaft trennten, sondern lächerlich einfache, allgemein gültige, wirtschaftliche Wahrheiten, die uns zur Durchsetzung bestimmter Forderungen zwangen. Die Forderung nach Konsolidierung, nach Balancierung des Budgets, der Gedanke, daß auf stürmische Zeiten des Kibbusch Zeiten der ruhigeren Ausbauarbeit kommen müssen, der Wunsch nach Schaffung einer gewissen Reserve, die der Exekutive die Operationsfähigkeit ermöglicht — alles das sind keine speziell kapitalistischen, antisozialistischen Forderungen. In der Tat fand die Durchsetzung dieser Forderangen denn auch nicht nur die Gegnerschaft der Arbeiterschaft, sondern der palästinensischen Vertreter sämtlicher Gruppen. Daß aus diesen Forderungen Kampfnarolen zwischen links und rechts wurden, ist beinahe unbegreiflich — Ist jedenfalls nicht die Schuld der deutschen Zionisten. Es ist zu hoffen, daß diese Forderungen sich innerhalb von zwei Jahren in allen Kreisen durchgesetzt haben, obwohl die finanzielle Entwicklung während dieser Zeit für Ihre praktische Durchführung nicht viel Raum ließ. Zwar ist das von den deutschen Zionisten auf dem letzten Kongreß gegebene Budgetversprechen eingelöst worden; seitens anderer Landesorganisationen ist das leider nicht geschehen. Es wäre müßig, auf die Gründe hier einzugehen; es genügt, festrustellen, daß erst die nächste Budgetperlode die •praktische Durchführung׳ dieser Forderuitgen ermöglichen wird. Die Hoffnung scheint berechtigt, daß der Verwirklichung dann seitens aller Oruppen Schwierigkeiten nicht mehr gemacht werden. — , In wichtigen Punkten zionistischer Auffassung hatte früher zwischen der Arbeiterschaft und einem großen Teil des allgemeinen Zionismus, speziell des deutschen, Uebereinstimmung bestanden. Es schien zeitweise, daß starrer Dogmatismus die Wiederherstellung dieser Uebereinstimmung für immer unmöglich machen würde. Um so erfreulicher ist es, die Erstarkung der gegenteiligen Tendenzen festzustellen. — Bei der überragenden Bedeutung des palästinensischen Kolonisationswerks für die Scheidung der zionistischen Gruppen wird die Methode dieser Arbeit In den nächsten Jahren zweifellos das Schibboleth bleiben. — Wenn auf der Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina als die drei Hauptpostulate der Arbeiterschaft genannt wurden: das Gemeineigentum an Grund und Boden, die Selbstarbeit und das freie Bestimmungsrecht der Siedler in bezug auf die soziale Form der Siedlung, so scheint es uns, daß damit der Weg der Verständigung gegeben ist. Von jeher gehörte Gemeineigentum an Grund und Boden zu unseren besten Traditionen aus Herzlscher Zeit. Es war daher keine Taktik, es entsprach vielmehr Innerster Ueberzeugung, wenn bei der Sitzung des Aktions-Comitäs im letzten Sommer in diesem Punkte unsere Vertreter mit aller Schärfe der gegenteiligen Ideologie des Berichts der Joint Survey Commission entgegentraten. — Auch in der Frage der Selbstarbeit hat es niemals Meinungsverschiedenheiten über das als notwendig erkannte Prinzip, sondern nur über den Umfang der praktischen Durchfünrbarkeit gegeben. Niemals konnte es das Ziel irgendeiner zionistischen Gruppe sein, die als verderblich erkannten Methoden der alten Kolonien zu adoptieren, die geeignet waren, reiche jüdische Plantagenbesitzer mit arabischer Lohnarbeit zu schaffen, nicht aber den von uns gewünschten Typ des jüdisehen Kleinsiedlers. Daß die Forderung der Selbstarbeit im praktischen Leben allerdings auch in ihrer starren Vertretung verderbliche, die Entwicklung störende Konsequenzen haben kann, ist inzwischen auch von Arbeiterseite erkannt und zugegeben worden. (Siehe die aufschlußreichen Ausführungen von Kaplansky ״Zeitschrift Palästina, Jahrgang 1928, Seite 477“ und den Aufsatz von Zwi Sajit im ״Kuntres“ vom 26. Adar.) Noch ringt die Arbeiterschaft mit der praktischen Angleichung des Prinzips an die Forderungen der täglichen Arbeit. Es ist aber kein Zweifel, daß ein Ausgleich zwischen den Lebensnotwendigkeiten und dem gesunden Kern dieses Prinzips, dessen Durch- Setzung allein die dauernde Verknüpfung des Juden mit dem Boden verbürgt, gefunden wird. — Bleibt das ״freie Bestimmungsrecht des Siedlers in bezug auf die soziale Form der Siedlung!“ Nur völliges Nichtverstellenwollen konnte uns zu grundsätzlichen Gegnern bestimmter Siedlungsformen stempeln- Vorhandene Stimmungsgegensätzlichkeiten sollen nicht verkleinert weiden. Wir bekennen uns offen als Skeptiker der Kwuzah, können aber mit völliger ZWISCHEN PURIN UND PESSACH OBERAU DIE AKTION FOR OEN EINSTEIN-WAID! Ueberzeugung für das freie Bestimmungsrecht des Siedlers in bezug aut die Form der Siedlung eintreten, wenn diese Forderung mit dem Korrelat verknüpft wird, das nur die Form der Siedlung auf die Dauer aufrecht erhalten werden kann, die ihre Rentabilität erweist. Trotz etwa fünfzehnjähriger ziouistischer Siedlungsarbeit ist das Problem der geeigneten Siedlungsfortn bis heute völlig ungeklärt. Wer etwa erwartet hatte, daß der Bericht der Joint Survey Commission etwas positiv Entscheidendes und Klärendes in bezug auf diesen Punkt bringen wird, hat ein Recht, enttäuscht zu sein. Eine vernünttige zionistische Finanzpolitik hätte jeder Siedlungsform von ihrer Entstehung bis zu ihrer Vollendung durch Ueber- Weisung geeigneten Bodens, rechtzeitige Bereitstellung der Gebäude, des lebenden Inventars, usw. den Nachweis für ihre Rentabilität im Laufe der letzten Jahre ermöglicht. Leider ist dieser Weg nicht beschritten worden, und wir können nur hoffen, daß die nächsten Jahre die Klärung bringen werden. — Wir alle erwarten von der Konstituierung der Jewish Agency eine Beendigung der Konsolidierung in raschem Tempo und eine großzügige Wiederaufnahme der neuen Kolonisation und der Immigration. In dieser Hoffnung wissen wir uns einig mit dem gesamten Jischuw. Für den kommenden Kongreß bleibt als Aufgabe aie Schaffung der zionistischen Einheitsfront, die allein eine reibungslose Kooperation mit dem nichtzionistischen Teil der Jewish Agency verbürgt. Die Losungen dieser Einheitsfront werden sein: Kolonisatorische Neuexpansion in Stadt und Land, Stärkung des Einflusses der Zionistischen Organisation im Lande, Neuaufbau und Belebung der zionistischen Propaganda in der ganzen Welt. — Wir hoffen, gezeigt zu haben, daß die positiven Grundlagen für ein gemeinsames Auftreten derjenigen Gruppen, die mehr durch Irrungen und Nichtverstehenwollen, als durch Verschiedenheiten zionistischer Grundauffassungen getrennt waren, gegeben sind. Die Forderung der Stunde ist, daß schon die Wahlvorbereitungen zum Kongreß in einem Geist erfolgen, der Entwirrung und nicht neue Irrungen bringt. — ßeßarabiea Die Hungersnot. — Die Tätigkeit des Hilfsvereins. Me Nachrichten über die Notlage der jüdischen Bevölkerung Beßarabiens sind erschütternd. Beßaraoien, dieser Bezirk jüdischer Massensiedlung, wird von 300 000 Juden bewohnt, die 10«/o der Gesamtbevolkerung bilden; dort sind die südlichen Distrikte in schwerster Weise von einer Reihe von Mißernten betroffen worden. Me Periode der Mißernten erstreckt sich nun schon über drei Jahre. Me Mißernte des vergangenen Jahres ist ganz besonders schwer gewesen und hat im Zusammenhang mit den vorangegangenen Noijahren Wirkungen katastrophaler Art gehabt. Seit September leiden etwa 400C0 jüdische Familien, d. h. 160 000 Personen im buchstäblichen Sinne des Wortes Hunger. Es fehlt ihnen alles, selbst das Brot, um in notdürftigster Weise ihr Dasein zu fristen. Hilfe kann nur durch eine großzügige Hilfsaktion gebracht werden. Es ist berechnet worden, daß ein Betrag von einer Million Mark notwendig ist, wenn die 40039 jüdischen Familien in kümmerlicher Weise ihre physische Existenz bis zur nachsten Ernte erhalten sollen. Amerikanische Hilfsorganisationen haben bereits eingegriffen, auch von rumänischen jüdischen Organisationen ist Hilfe gekommen. Es sei erwähnt, daß sich auch nächtjflÄsehe Wohltatigkeitsorgaaisa Ionen dfr jüdischen i.Bevpwiaig־ Beflarabftna' § i|it n _ ■1WuBSdh haben werden, mit 'der ,GisamthSt'׳ des juaentgms ihrem brüderlichen Solfdarltltsempflnden für die hungernden Juden Beßarabiens durch tatkräftige Hilfe Ausdruck zu geben. Der nächste und wirkungsvollste Weg hierfür kann in der Beteiligung an der vom Hlifsverein der deutschen Jude« eingeleiteten Hilfsaktion gesehen werden. Der Hilfsvercin hat sich der Aufgabe mit Energie angenommen und bereits erhebliehe Summen aufgebracht. Seine Tradition ist eine Gewähr für zweckmäßige Verwendung der aufgebrachten Mittel. Seine refche Erfahrung wird ihn die Zentren der Not und die wirksamsten Wege der Abhilfe erkennen lassen. Der Hilfsverein kann heute wie immer als die Organisation angesehen werden, die berufen ist, das deutsche Judentum auf dem Gebiete der Hilfstätigkeit gegenüber dem Gesamtjudentum zu repräsentieren. Me beßarabische Hilfsaktion des Hilfsvereins, der die besten Erfolge zu wünschen sind, ist als eine Aktion in dem neuen Abschnitt stärkerer Aktivität in der Geschichte des Hilfs- Vereins zu registrieren. In ähnlicher wirkungsvoller Weise hat der Hilfsverein vor kurzem im Interesse der von den Erdbeben f' .. ־ ׳" ' ' ' " ־'- ״ _ der Hilfsverein regelmäßig fort, und er hat auch in diesem Zusammenhänge Gelegenheit gehabt, Auswanderer nach Palästina in beträchtlicher Weise zu unterstützen. Ein regelmäßiger Teil des Arbeitsprogramms ist die Unterstützung ostjüdischer Studenten, und auch die Unterstützung jüdischer Schulen in den verschiedenen Ländern wird neuerdings wieder in ver• stärktem Maße aufgenommen. Mese verschiedenen Tätigkeitsf" ‘ ' . . *־'־־י*’ Beteiligung an gelegentlichen Aktionen beschränken, sondern in dauernder Form zum Ausdruck kommen sollte. Wenn aus zionistischen Kreisen die Mitgliederzahl des Hilfsvereins verstärkt wird, so würde damit am besten das Verständnis der Zionisten für die wichtige Hilfstätigkeit des Hilfsvereins zum Ausdruck kommen. Es ist auch ein zionistisches Bedürfnis, daß der Kreis des zu Zwecken der gegenseitigen Hilfstätigkeit organisierten Judentums vergrößert und verstärkt wird. \uisehwnng der jüdischen Zentralbank Litauens K a u n a s, 9. April. (J. T. A.) Die Aktionäre der litauischjüdischen Zentralbank, der 86 auf genossenschaftlicher Grundläge stehenden Volksbanken in ganz Litauen angeschlossen sind, hielten in diesen Tagen in Kowno die Jahresversammlung ab, in der T. S c h a p i r o auf die erfolgreiche Arbeit der Bank Im verflossenen Jahre hinwies. Dr. K r e v e r gab einen Ueberblick über die Wirtschaftslage Litauens und stellte fest, daß das jüdische Kreditkooperativwesen sich im vergangenenjahrekonsolidiert und gut entwickelt hat. Das eigene Kapital der Volksbanken betrug am 1. Januar 1928: 1 634000, am 1. Januar 1929: 1 824 090 Lit. Me Sparernlagen betrugen am 1. Januar 1928: 4 526 000, am 1. Januar 1929: 7 448 000 Lit. Der Umsatz der Volksbanken und der Zentralbanken betrug im Jahre 1927: 199 545 000, im Jahre 1928: 240 410 000 Lit Der Reingewinn aller 86 Volksbanken betrug im Jahre 1928: 400000 Lit Der Umsatz der Zentralbank Ist von 44/ Millionen Lit im Jahre 1926 und 800 Millionen Lit. im Jahre 1927 auf mehr als eine Milliarde Lit. im Jahre 1923 gestiegen. Der Bruttogewinn von 1928 beträgt 333 311 Lit. Nach allen Abschreibungen auf Amortisationen, Reserve usw. konnten 150 000 Lit für eine fünfprozentige Dividende ausgeworfen werden. Der Budgetvoranschlag für das Jahr 1929 beträgt 1 371 880 Lit. (10 Lit. 1 ־־־ Dollar). Der Bericht der Zentralbank hat im ganzen Lande den besten Eindruck gemacht