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Jüdische Rundschau · 1929-04-16 · Heft 30 (16.4.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 30 (16.4.1929)
Date
1929-04-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30, 16. IV. 1929 IUEDJSCHE RUNDSCHAU Seite 189 Brief aus Rumänien Die zionistischen Fonds. — Die indische Landespolitik. Von unserem Korrespondenten. — h. Bukarest, 8. April 1929. Die schwere ökonomische Krisis, von der ganz Rumänien schon seit einigen Jahren heimgesucht wird, ist nach erfolgter Stabilisierung der üeldwährung noch viel drückender geworden, und es ist klar, daß unter ihr die jüdische Bevölkerung ganz besonders leidet. Die Frage der Geldaufbringung für die beiden zentralen Fonds hat daher in diesem Jahre ganz besonders an Bedeutung gewonnen, ln Transsylvanien, wo eine ganze Delegation unter Führung von Dr. Jehuda W i 1 e n s k y arbeitet, wird infolge dieser ganz besonderen An• strengung wohl ein besseres Ergebnis als in den früheren Jahren erzielt werden, in Alt-Rumänien und in der Bukowina wird man froh sein, die Resultate der letzten Jahre zu halten, während in Beßarabien wegen des dort herrsehenden außerordentlichen Notstandes die Ergebnisse sicherlieh stark unter dem Normalmaü sinken werden. Hierzu kommt noch die Unsitte der Sonderfondsammlungen, die sich allmählich zu einem Krebsschaden in unserer Bewegung auswächst. Es ist beinahe schon zu einer Gewohnheit geworden, daß viele zionistische Institutionen im Galuth oder in Palästina, wenn sie Geld für ihr Budget notwendig haben, — und wann hätten sie es nicht notwendig? — ihre Emissäre nach Rumänien schicken und hier im Namen Palästinas besondere Geldsam melaküonen veranstalten. Es ging so weit, daß die Arbeit für die zentralen Fonds durch diese wilden Aktionen ernstlich bedroht wurde, so daß sich der Oberste Zionistische Rat gezwungen sah, besondere Maßregeln zu ergreifen, um dem beginnenden Chaos zu steuern. Zu bedauern ist nur, daß es weder dem Zionistenkongreß noch dem Aktionskomitee bisher gelungen ist, diese Anarchie zu meistern und daß die zionistischen Landesorganisationen in Rumäniens zu einer Art von Selbsthilfe schreiten mußten, nur um eine ernstliche Schädigung der Geldaufbringungsarbeit für die zentralen Fonds zu verhindern. Zu allen diesen Schwierigkeiten kommt noch die durch den Notstand in Beßarabien geschaffene besonders drückende Lage in diesem Teile Rumäniens. Abgesehen davon, daß hierdurch z. B. auch die finanziellen Sorgen der Chaluz- Organisation sich in hohem Maße gesteigert haben, hat der Notstand in der letzten Zeit die Weitenührung des hebräisehen Schulwerkes überhaupt in Frage gestellt. Denn die Bevölkerung, die bisher immer unter besonderen Opfern die nationalen Schulen erhalten hatte, ist hierzu in diesem Jahre außerstände. Es wird also neben der allgemeinen Rettungsaktion auch, und dies sehr bald, eine besondere Aktion für die Erhaltung des hebräischen Scbuiwerkes unternommen werden müssen, wenn man nicht will, daß das seit vielen Jahren so mühselig aufgebaute Schulwerk zugründe geht. Hinsichtlich der politischen Lage der Juden im Lande und ihrer Stellung gegenüber der Regierung gibt es nicht viel Neues. Die Regierung, die bis vor kurzem mit der großen Anleihe und mit den Stabilisierungsmaßnahmen für die Valuta vollauf beschäftigt war und jetzt die Gesetzgebungsmaschine mit Volldampf arbeiten läßt, hat bisher noch keine Zeit gefunden, sich mit den jüdischen Forderungen — aber auch nicht mit den Forderungen der anderen Minoritäten, — ernstlich zu beschäftigen. Also heißt es warten. Io der letzten Zeit mehren sich die Meldungen, welche neuerlich von verschiedenen Aus- .£yktfli«.9£ÖT.gegenü,bfi.r;t Juden zu erzählen wissen. Dabei ist bei einem gewissen Teil der Presse deutlieh das Bestreben erkennbar, aus diesen Meldungen für sich politisch Kapital zu schlagen. So hat der berüchtigte antisimitische ״Universul“, das Blatt des früheren Liberalen Justizministers Stelian Popescu mit einem Male sein judenfreunaliches Herz entdeckt. Aber Ausschreitungen sind faktisch vorgekommen, und die jüdisch-nationalen Abgeordneten, welche bisher bereit waren, der national-zaranistischen Regierung einen großen Vorschuß von Vertrauen zu gewähren, werden sorgsam darauf achten müssen, mit aller Schärfe von der Tribüne der parlamentarischen Körperschaft einzugreifen, wenn derartige Ausschreitungen noch weiter anhalten sollten. Denn man kann keinen Grundsatz prägen, daß eine antisemitische Bewegung nur dann bestehen kann, so lange die Regierung sie will und sie im Geheimen fordert, ohne diesen Grundsatz folgerichtig auch auf die gegenwärtige Regierung anwenden zu müssen. Wir wollen aber doch hoffen, daß diese Regierung, die eigentlieh die große Hoffnung auf ein freiheitliches demokratisches Regime bedeutete, nicht in dem gleichen Maße enttäuschen wird, wie die früheren Regierungen. Was die jüdischen Forderungen anbelangt, die von den jüdischen Abgeordneten in einer Reihe von Konferenzen mit den verschiedensten Ressortministern formuliert wurden, liegt ein Versprechen der Regierung vor, sie in den nächsten Monaten zu erfüllen. Es handelt sich, um nur einige Punkte zu %ennen, vor allem um das neue Staa tsbürgerschaft 8gesetz, welches das Unrecht, das früher vielen Tausenden von jüdischen Familien angetan wurde, wieder gut machen soll, um die A u s gest a 11 un g und Forderung des jüdischen Volksschulunterrichtes, um die Errichtung eines staatlichen Lehrerseminars für die Heranbildung von Lehrern für die jüdischen Volksschulen, um die Reaktivierung von hebräischen Gymna• s i e n , die bereits bestanden haben und von den früheren Regierungen geschlossen wurden, sowie um die Subventionierung der jüdischen Gemeinden und verschiedener jüdischer Studenteninstitutionen aus staatlichen Mitteln. Die Regierung soll den jüdischen Parlamentariern ein bindendes Versprechen gegeben haben, diese Fragen in den nächsten Monaten in einer für die Juden befriedigenden Weise zu lösen. Die jüdischen Parlamentarier haben nicht gezögert, dies der Öffentlichkeit mitzuteilen. Sie werden nur sorgsam darauf achten müssen, die Meinung nicht aufkommen zu lassen, als hätten sie sich leichtgläubig düpieren lassen. Kort BlnmenleM in Danzig und Kowno Eingeladen von der Zionistischen Organisation Danzigs, sprach Kurt Blumenfeid am 6. und 7. April vor überaus stark besuchten Versammlungen über die gegenwärtige Lage im Zionismus und die Ausblicke für die Zukunft Kurt Blumenfeid wurde bei seinem Eintreffen in Kowno auf dem Bahnhof von den Führern der zionistischen Arbeitegemeinschsft, des Keren Hajessod, des Stadtrats und der jüdischen Bewegung empfangen. In der ״Y d i s c h e n S t i mV‘ widmet Dr. A. Rosenfeld dem Gast einen Begrüßungsartikel, in welchem die Entwicklung Blumenfelds aus den Reihen der jüdischen Jugendbewegung zu einem Führer und Organisator des Weltzionismus dargestelH wird. Der Zionismus in Deutschland, heißt es ln dem Artikel, blieb ständig jung, weil er ira Zeichen geistig-ethischer Prinzipien, die für die Jugendbewegung charakteristisch sind, gekämpft hat. Ueber den Verlauf der Veranstaltungen und über den Inhalt der gehaltenen Vorträge werden wir noch ausführlich berichten. —W.1■״״■■■י Adolf Sonnenihal Zum 20. Todestag am 4. April. Von S. Meiseis, Wien. Das Rollenfach Adolf Sonnenthals am Wiener Burgtheater umfaßte so ziemlich alles, was die Sprechbühne an aramatfsehen Oattungen besitzt Er spielte Clavigo, Carlos, später den Posa, Faust, Hamlet, Romeo, Ferdinand (in ״Kabale und Liebe“), Fiesco, Rudolf von Habsburg (in Grillparzers ״König Ottokars Glück und Ende“), Othello, Macbeth, Lear, wallenstein, den Prinzen (in ״Emilia Galotti“), den König (in Grillparzers ״Esther“), den Ollendorf (in den ״Journalisten“), die Titelrolle in Ibsens ״Volksfeind“, ebenso in Raimunds ״Verschwender“ — und wohl noch an die hundert andere Rollen. Die Größe Sonnenthals als Schauspieler drückte sich in der Tatsache aus, daß er sich dauernd auf der Höhe hielt. In jeder Gestalt, die er auf der Bühne verkörperte, zeigte er den Meister. Noch die kleinste Rolle vermochte dieser begnadete Künstler zu eines Abends Unvergeßlichkeit zu machen. Auch bei Künstlern, deren Leistungen ohne Unterschied einen Hochstand aufweisen, gibt es Gipfelpunkte. Bei Sonnenthal 'gab es deren mehrere: das Gewaltigste war sein Lear, das Vollendetste sein Wallenstein, das Höchste sein Uriel Acosta, das Edelste sein Nathan. ״Nathan“ und ״Uriel Acosta“, das waren die zwei großen Judenrollen, die Sonnenthal mit unübertrefflicher Meisterschaft spielte. Von den drei klassischen Judenrollen die eine, die Sonnenthal nicht gespielt hat, war der Shylock. (Den Shylock spielte hn Burgtheater Friedrich Mitterwurzer.) Aber mit den anderen zwei Judenrolien feierte er, kann man sagen, seine höchsten Triumphe. Selten ist ein Bühnenkünstler von der Kritik so vorbehaltlos anerkannt, so uneingeschränkt gelobt, so über die Maßen gefeiert worden wie Sonnenthal als Uriel Acosta, wie Sonnenthal als Nathan. Ueber Sonnenthals Uriel Acosta liegt das Urteil eines weltberühmten Mannes vor, nämlich Professor Nothnagels, ein Urteil, das uns eine lebendige Vorstellung gibt von depi gewaltigen Eindruck, den der Sonnenthalsche Uriel auf die Zuschauer gemacht hat. in einem vom 30. November 1888 datierten Brief schreibt Professor Nothnagel an den Künstler: ״Gestern habe ich Ihren Uriel Acosta gesehen. Ja, fürwahr, Ihnen hat ein Gott verliehen, zu erschüttern, zu rühren, zu erheben, und zugleich der Darstellung ergreifender Empfindüngen den Stempel des Schönen aufzudrücken. Wie edel, wie maßvoll und harmonisch bringen Sie die gewaltigsten Affekte zum Ausdruck. Bewunderte ich früher Ihre Menschendarstel!ung\ heute, nachdem ich Sie eine der erschütterndsten Gestalten der dramatischen Schöpfung habe verkörpern sehen, bin ich hingerissen . . . Nur der selbst imstande ist, den Adel der Ueberzeugung sich rein zu erhalten, vermag nicht nur den Uriel Acosta lebenswahr wiederzugeben, vermag auch allen Gestalten der Kunst lebendigen Atem einzuhauchen, — darum können Sie spielen, wie Sie spielen.“ Mehr als durch alle Lobeshymnen der Fachkritik wird durch diesen Brief des hervorragenden Mediziners bezeugt, mit welcher hinreißenden Kraft Sonnenthal den Uriel Acosta gespielt hat. Indes, das Meisterstück darstellerischer Kunst bot Sonnenthal mit seinem Nathan. Diese Rolle erfordert höchste Kraft der Gestaltung, denn hier gilt es vor allem, tiefstes menschliches Wesen in Sichtbarkeit zu heben. Der Nathan ist nicht auf zündende Leidenschaft oder auf fortreißendes Pathos eingestellt; er entbehrt aller jener Affekte, die stürmisch nach außen wirken. Im Nathan bewundern wir einen stillen Juden, der ein weiser Mann ist und ein guter Mensch. Weisheit gepaart mit Güte — das war auch der Nathan, wie ihn Sonnen»; thal gestaltete. Ueber seine Auffassung des Nathan hat rieh Sonnenthal selbst einmal geäußert ״Die Weisheit Nathans“, sagte er, ״hat ihren Sitz vor allem im Herzen, nicht bloß im Kopfe. Fast jede der Personen, die sich im Stücke über Nathan äußern, nennt ihn auch den ,Guten‘. Diese echt menschliche Güte, das große Wohlwollen gegen Freund und Teind, das ihn beseelt und worin mir seine größte Weisheit zu liegen scheint, zum Ausdruck zu bringen, war ich bestrebt.“ — Und so spielt er ihn auch: Nathan den Weisen und den Guten. In der Tat entspricht diese Auffassung vollkommen dem wahren Wesen Nathans; so schuf ihn der Dichter, so wollte er ihn aufgefaßt wissen. In den ersten Entwürfen zu ״Nathan dem Weisen“ setzte Lessing folgenden Schluß: Saladin: Du sollst nicht mehr Nathan der Weise, du sollst nicht mehr Nathan der Kluge — du sollst Nathan der Gute heißen. Zweimal hat Lessing diese Schlußworte Saladins in seinem Nathan-Entwurf aufgezeichnet, und sie aber dann doch nicht in das Drama aufgenommen. Warum? Wohl nur aus dem einfachen Grunde, weil es ihn überflüssig und undramatiseh dünkte, die Hauptgestalt, deren Wesen im Verlauf des Stückes durch Tat und Handlung völlig aufgeschlossen erscheint, zum Schluß noch einmal mit Worten zu charakterisieren. Und eben dadurch, daß Sonnenthal ganz im Sinne des Dichters Nathan den Weisen und den Guten spielte, war die Wirkung seines Spiels überwältigend. Die Wiener Kritik feierte Sonnenthals Nathan als größtes theatralisches Ereignis. Sie stellte wohl hier und da Vergleiche an, aber sie kam doch zu dem Ergebnis: Sonnenthal als Nathan ist unvergleichlich. Sie gab sich redlich Mühe, sein Spiel in Worten festzuhalten. Sie verzeichnete treulich jede Geste, jeden Ton, jede Bewegung dieses Schauspielers, und fand alles an ihm rühmenswert. Sie rühmte die Vornehmheit seiner Haltung, die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen, die Wandlungsfähigkeit seiner Baritonstimme; sie rühmte vor allem die Natürlichkeit seines Spiels und die Genialität im Herausarbeiten der Figur zu einer lebendigen Gestalt. Es wird erzählt, eine österreichische Fürstin habe nach einer Nathan-Aufführung im Burgtheater Sonnenthal beglückwünscht und ihm ihre Bewunderung für seine Glanzleistung ausgesprochen; darauf soll Sonnenthal erwidert haben: ״Diese Glanzleistung hat nicht der Künstler, sondern der Jude in mir vollbracht“ ~ Vielleicht war wirklich der Nathan Sonnenthals deshalb so groß, so echt, weil hier der Jude den Juden darstellte! Denison Roß Aber die hebräische Universität L 0 n d 0 n, 8. April. (J. T. A.) Sir Denison Roß, Direktor der School of Oriental Studies in London, veröffentlicht im ״Observer“ einen Reisebericht, in welchem es heißt: ״in Palästina galt mein Hauptinteresse der Hebräischen Universität auf dem Skopus-Berge. Feh hege für diese Institution höchste Bewunderung, Ihre Möglichkeiten sind enorm. Es gehören ihr Professoren von großem Wissen an. Sie besitzt eine ausgezeichnete Bibliothek mit Sondersamralungen, wie z. B. der ehemaligen Bibliothek Professor Goldziehers. Sie leistet glänzende Arbeit, um eine Uebersicht über die arabische Poesie zu schaffen. Es war für mich und meine Frau ein eigenartiges Erlebnis, mit Jungen und Alten beiderlei Oeschlechtes zusammenzusitzen und Zeugen zu sein, wie arabische Literatur in modernem Hebräisch erklärt wird. Professor Roth aus Manehester, der sich vor kurzem nach Palästina begab, um eine Reihe Vorlesungen an der Jerusalemer Universität zu halten, versicherte mir, daß es in der modernen Philosophie nichts gibt, was nicht im modernen Hebräisch vollkommen ausgedruckt werden kann. Ich glaube an die große Zukunft der Hebräischen .Universität in Jerusalem. Palästina - Jugendfahrt 1929 ״Jährliche Wiederholung“ war die Forderung, die wir bei der Durchführung der ersten Pnlästina-Jugendfahrt Im: Herbst 1928 aufstellten, um diese Einrichtung zu einer ständigen Erscheinung Im Leben der jüdischen Jugend Deutschlands zu machen. Das außerordentliche Interesse an der vorjährigen Reise und ihr Erfolg haben bewiesen, daß eine solche Palästina- Reise, die es vor allem jüngeren Menschen gestattet mit den geringen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Palästina zu kommen, einem vorhandenen Bedürfnis entspricht Die Erfahrungen des Vorjahres haben gezeigt, daß der Versuch, eine solche Reise in der Form einer Jugend-Reise zu unternehmen, richtig war. Auch in diesem Jahre soll es sich vornehmlich um eine Ferien-Reise für Menschen handeln, die an Körper und Seele gleich jung, die Schönheiten und die Fülle neuer Lebensformen Palästinas als großes Erkbnis in sich aufnehmen wollen. Diese Reise, die nach der festen Absicht der Veranstalter auch weiterhin regelmäßig jährlich wiederholt werden wird, soll gleichzeitig einen direkten Erziehungsfaktor in der jüdischen Jugend Deutschlands und seiner Nachbarländer darstellen, wie auch immer mehr eine wirklich lebendige Verbindung zwischen den Menschen Palästinas und dem Leben ihrer täglichen Arbeit und den Freunden im Galuth und deren Aufgabenkreis schaffen. Auf den Erfahrungen des Vorjahres fußend, sollen in diesem Jahre zwei große Verbesserungen in der äußeren Gestaltung der Reise durchgeführt werden, nämlich: Der Aufenthalt in Palästina selbst wird um eine Reihe von Tagen verlängert, so daß jeder Einzelne Gelegenheit hat, an Gebieten seines besonderen Interesses länger zu verweilen, Freunde zu besuchen, Spezial-Ausflüge zu machen, kurz, einen tieferen Eindruck zu gewinnen, als es bei der doch immerhin raschen Vorüberfahrt der gesamten Gruppe möglich ist. Die zweite Verbesserung betrifft die Schiffsreise. Im vergangenen Jahre war der prinzipielle Versuch gemacht worden, auf billigste Weise unter Benutzung der untersten noch gerade möglichen Schiffsklasse die Keise durchzuführen. Den Initiatoren der Reise schwebten hierbei die Fahrten jugendlicher Wandergruppen vor. Es hat sich herausgestellt, daß von Teilnehmern einer solchen Reise, die sich nicht nur aus aktiven Mitgliedern von Wandergruppen zusammensetzen und die auch im gewissen Maße eine Ernolungsreise unternehmen wollen, eine bessere Schiffsklasse benutzt werden muß. Die Reise wird daher in diesem Jahre auf der Hinfahrt in der regelrechten dritten Klasse eines der besten Schiffe des Mittelmeeres, ,.Mariette Pacha“, und auf der Rückfahrt in der vereinfachten dritten Klasse der direkten Palästina-Linie des Lloyd Triestino durchgeführt, die nach allen bisher gemachten Erfahrungen den berechtigten Anforderungen voll und ganz entspricht Es gelang trotzdem, die Preiserhöhung, die mit diesen beiden entscheidenden Verbesserungen notwendigerweise verbunden ist, verhältnismäßig niedrig zu halten. Die Reise selbst führt zunächst über Marseille nach Alexandrien. Dort steht das Schiff zwei Tage, so daß bequemste Gelegenheit gegeben ist, einen Ausflug nach Kairo una zu den Pyramiden zu machen, dann mit Schuf weiter bis nach Jaffa-Tel-Awiw. Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Tel- Awiw und Umgebung fahren die Teilnehmer nach Jerusalem, bleiben dort und in der Umgebung der Stadt fünf Tage, worauf die Fahrt, wie im Vorjahre, in das Emek, nach Afule, am nächsten Tag von Afule nach Tiberias weiterführt. Von Tiberias geht es dann zurück über Saffed nach Haifa; von dort wird Nahalal und Chederah berichtigt, bis schließlieh die Einbootung in Haifa erfolgt Der Weg fahrt dann mit Schiff über Brindisi nach Triest ׳' - -־ ״'־■ — ׳•—'׳*.•־* Die Reise beginnt am 3. September 1929 ln Marseille und endet am 2. Oktober 1929 in Triest. Der Aufenthalt in Palästina dauert vom 10. September bis zum 26. September. Das Programm mit seinen notwendigen Einzelheiten liegt vor und wird, wie im Vorjahre vom Palästina Lloyd G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2, Joachimsthaler Straße 38, verschickt Wir sind sicher, daß die Pallstina-Jugendfahrt 1929 in diesem Jahre dem gleichen freudigen Interesse begegnen wird wie im Vorjahre. Yelradi Menahin Man war zuerst gar nicht so fasziniert; man war vielmehl starr, wie ein solches Kind ein Bach-Konzert so großformatig und ein Beethoven-Adagio mit derartig lückenloser innerer Vollendung hinstellen kann. Dabei ist Menuhin gar nicht der typische Bachspieler und auch kein eigentlicher Romantiker; aber gerade den Kern von allem hat er dadurch. Daß er ganz unpersönlich spielt, nur Organ ist für das Werk — das werden manche vielleicht bedenklich finden. Es ist aber hier nichts Unkindliches, sondern natürliches Gewachsen- und Entfaltetsein. (Als wenn eine Blume einen Reifeprozeß aus irgendwelchen Gründen in einem Drittel der gesetzmäßigen Zeit durchmaclit) Wichtig an diesem wunderbaren Kind ist: daß es ihm ge- Iungen ist, Tausende von heutigen Juden, die — mit tiefster Skepsis gegenüber den Möglichkeiten ihres eigenen Wesens geladen — zu ihm kamen, dazu zu bringen, daß diese Skepsis mit einem Schlage von ihnen abfiel; daß sie — gelöst, glücklich und stolz — nur das eine Gefühl hatten: Seht, das ist unser Sohn. Eschütternde Ueberreinheit des Tongesangs; von Generationen ererbtes Wissen um die tiefsten Geheimnisse der Werkgeburt; adäquates Organ sein Können für die Gipfelmomente der Weltmusik: all das gibt dieser kleine jüdische, unbeholfen aussehende Körper mit den Ahnungsmöglichkeiten einer erst zwölfjährigen Jünglingsseele her. AficeJacob-Loewenson. Negerjuden und Negersynagogen. In New York existiert eine Kongregation von Negern jüdischen Glaubens, die sich ״Bnei Brith Abraham“ nennt. Die Kongregation erwarb vor kurzem im Zentrum des Negerviertels von New York zwei Häuser und baute sie in eine Synagoge und eine Schule um. Der Einweihung der Synagoge wohnte ein Neger-Herrscher aus Westafrika, PrinzGora Amaa bei. Vor der Feier wurden das Mincha- und das Maariw-Gebet gemeinsam verrichtet. Es fand dann eine Seelenandacht nach verstorbenen Negerjuden statt, wobei der Rabbiner der Negergemeinde, Rabbi Ford, ein Neger, das Kaddisch-Gebet sprach. Fürst Gora Amaa hielt eine Ansprache, in der er die kulturell hochstehenden Mitglieder der Gemeinde aufforderte in sein Reich nach Afrika zu kommen, wo sie als Lehrer des Volkes an der Erlösung Afrikas mitarbeiten sollen. Rabbi Ford führt in seiner Rede aus, die schwarzen Juden seien für den Aufbau von Erez-Israel und für die Befreiung Afrikas. Mit dem Gesang der ״Hatikwah“ schloß die Feier. — Die jüdische Negergemeinde setzt sich aus Negern zusammen, die oder deren Eltern erst in Amerika zum Judentum übergetreten sind. Wohl gibt es in Amerika Neger, die behaupten, einem uraltem jüdischen Negerstamm anzugehören. Diese Behauptung hält aber der Prüfung nicht stand.

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