Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 182 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 29, 12. IV. 1929 Neo-AnUsemiUsmus ln Sowjetrnßland In Malmysch ist der ״Komsotftolez“ (Mitglied der Organ!■ sation kommunistischer Jugend) Rochliu zu einem Jahre GetSngnis verurteilt worden. Er seil ein Attentat auf den Arbeiter der städtischen Bauwerke Owssejenko verübt haben. Auf die Frage des Richters nach den Motiven der Tat, hatte der Junge nur eine Antwort: Er bat mich gereizt Mehr konnte »an *ua ihm nicht herausbringen, immer wieder gab er, am schmalen, kraftlosen Körper zitternd, ein und dieselben *Worte zur Antwort, man habe ihn gereizt Was hat sich aber in Wirklichkeit zwischen den beiden abgespielt? Ein ganzes Jahr hindurch ist gegen Roehlin eine systematische Hetze betrieben worden. Owssejenko fuhr ihm wiederholt mit einem in Farbe getauchten Pinsel übers Gesicht, unternahm mit einem Zirkel Messungen an seiner Nase. Tag. täglich drang er mit einer Menge Rowdies in die Werkstatt, wo Roehlin beschäftigt war, und sprach wichtigtuerisch: ״Na, zeig mal, wie Dein Jerusalemer Buckel wächst I" Roehlin wurden die Hände auf den Rücken gebunden und Owssejenko begann, indem er den Kopf des Knaben an den Haaren nach hinten zerrte, seine Messungen. Er stach hierbei mit den Spitzen des Zirkels Roehlin in die Stirn, Lippen, Wangen, Haarbüschel blieben in seiner Hand zurück. ,,Aha!" schrie <-r enter wüstem Ergötzen der Zuschauer, ״sie wächst! Vom vuugen Sehabbes an hat sie sich um fünf Zentimeter verlängert.“ Versuchte Roehlin zu schreien, sich zu sträuben — schlug man auf ihn ein, wollte er sich verstecken — jagten sie ihm nach, und hatten sie ihn gefaßt, so rieb ihm Owssejenko zur Strafe die Lippen mit Schweinespeck ein. Die Hetze ging in aller Oeffentlichkeit vor sich, aber niemand kam dem Knaben zur Hilfe. Roehlin verfiel allmählich in Schwermut und Erbitterung, klagte jedoch nicht, denn überall begegnete er spöttischen oder böswilligen Blicken. Endlich hielt es der Junge nicht mehr aus, Und als eines Tages Owssejenko mit Zirkel und Speck in seine Werkstatt trat, stürzte er sich auf seinen Feind mit einem Messer in der Hand. Roehlin ist, wie wir wissen, verurteilt worden. Das Gericht erblickte in dem Tatbestand ein Ueberschreiten der Grenzen der zulässigen Notwehr, indessen der Hetzer und Peiniger Owssejenko sich der Freiheit erfreut Eine Gruppe Studenten dos Charkower Geodät!- sehen Instituts, darunter auch mehrere Kommunisten, vorfolgten den jüdischen Kollegen Sch. Die Verhöhnungen und Mißhandlungen nahmen kein Ende. Sie begossen ihn, während er schlief, mit kaltem Wasser, schlugen ihm mit ihren schmutzigen Galoschen ins Gesicht, stachen ihm mit den Zirkelspitzen in die Fußsohlen, hielten einen geladenen Revolver vor seine Nase und schrien: ״Röhr Dich nur, Du JudenfratzeI" Sch. schwieg, ohwohl ihn seine Verfolger dem Wahnsinn nahe gebracht hatten. Erst auf Anordnung der Aerzte verließ er das Institut. Ala neues Opfer wählten sich diese Rowdies die schwangere Studentin Tech aus. Spaßeshalber stießen sie ihr mit den Füßen in den Bauch.... Dies geschah wiederum vor aller Augen und niemand nahm daran Anstoß, geschweige denn, daß jemand die Hilflose beschützte. Als die Sache endlich herauskam, und der Sekretär der kommunistischen Zelle Kirnossof mit der Untersuchung betraut wurde, berichtete er schmunzelnd auf einer Studentenversammlung: ״Na ja, und wenn schon. Ich kann es nicht begreifen, daß man solche Lappalien derartig aufbauscht. An dieser Sensation sind nur dk Zeitungen, der Boulevardgeist, schuld.... Selbst wenn dar schwangeren Jüdin einige Fußtritte erteilt worden sind, so soll man m doch als kleine Uebung zu den bevorstehenden F ußball Wettspielen auffassen..." Es kam niemand in den Sinn, gsgeo;|Üse witzteT Atisflhrupgen des Genossen Kirnossof zu dag Auditorium folgte animiert seiner Rede und belohnte ihn am Schluß mit Beifall. Vor kurzem erzählte die Sowjetpresse von dem Moskauer Lehrer Dr uschkoff, der seine Schüler darüber aufklirte, wie und wann die Juden Christenblut für die ״Märze“ gebrauchen... < Es ist oft berichtet worden von Feindseligkeiten Juden gegenüber, wo man ihnen auch begegnete: in der Straßen- und Eisenbahn, im Kino, im Theater und in den Geschäften. Die hier als Beispiel angeführten Exzesse waren auf eine leichte Bewegung an der Oberfläche des Volkslebens im Lande. Von einer ernsten Progromwelle wurde aus Dagestan, aus der Krim und aus Weißrußland berichtet. Die Sowjet• presse bezeichnet diese Erscheinungen ala Erbschaft der Vorgangenheit, sie weist auf die provokatorische Arbeit der gewesenen zaristischen Spitzel, auf die Roheit und Ignoranz der Massen hin. Darin steckt ein gut Teil Wahrheit Tatsächlich sind ge» wftsene zaristische Agenten unter die Kommunisten gegangen. In der gefürchteten G. P. U. und an anderen wichtigen Stellen soll es ihrer nicht wenig geben. Auch die Behauptung, daß die russischen Massen, trotz der forcierten Bekämpfung des Analphabetentums, trotz der Lehren der kommunistischen Fibel, in Univissenheit verharren und den Leninschen Satz ״Schande dem, der Feindschaft gegen die Juden sät“ noch nicht begriffen haben, bedarf keiner besonderen Beweise. Ist es doch bekannt, daß die breiten Volksschichten als Juden alle Nichtchristen, alle Fremd• stämmigen bezeichnen. Ferner, daß während der Bekämpfung der Opposition, die Machthaber sich nicht gescheut haben, die Ignoranz der Massen als Kampfmittel zu wählen. Die Regierung«, agenten erzählten in den Wahllokalen, daß an der Spltzeder Opposition Juden, Trotz k i, Sinowjew, K a - menieff u. a. stehen, und so, auf ihre Weise, die Wähler über den Sinn der Opposition aufklärend, trugen sie den Sieg davon. Dies alles sind mehr oder weniger bekannte Tatsachen, sie reichen aber nicht aus, unv die gegenwärtigen Unruhen in Rußland zu erklären. Wäre es tatsächlich früher jemals möglich gewesen, daß in den Fabriken in Orechoff, St^w, Petersburg, Odessa, Bobrujsk jüdische Arbeiter und sogar Arbeiterinnen (z B. der Fall Barschaj) bestialisch mißhandelt werden konnten, ohne daß die Arbeitermasse irgendeinen Einspruch dagegen erhoben hätte? Manche sind geneigt, darin einen Umschwung in der Psychologie der breiten Arbeiterschiehten zu erblicken. Nicht ganz zu Unrecht, obwohl der Umschwung primär als politisch taktisch und erst Ln zweiter Linie als psychologisch zu werten kt. Zur zaristischen Zeit waren die Arbeiter in aggressiver Op;'׳o:iti־n, der jeder Anlaß genügte und die von oben insze nierten Progrome waren Anlaß genug —, um einzugreifen, zu protestieren, zu revoltieren. Jetzt sehen die Arbeiter in den Pro• grömen keine Regie, sondern eine gewöhnliche Milieuerscheinung, nicht selten nur einen derben Spaß. Weit «her kann man von einem psychologischen Umschwung bei den russischen Intellektuellen sprechen. Die völlige Um• Schichtung ihrer psychischen Struktur *eit der Oktoberrevolution hat dazu geführt, daß wir die Intellektuellen zur Zeit auf einer antisemitischen Position vorfinden, die sie vorher bewußt und konsequent bekämpft hatten. 2ur Illustration folgendes: In Moskau steht an der Spitze der großen Akademischen Staats• oper der Dirigent Golowanoff. Er ist ein bedeutender Musiker, stolz auf sein Können im vollen Bewußtsein seiner Ueberlegen• heit über die heutigen Stümper. Dieser Mann hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Kunststätte vor jüdischen Eindringlingen zu schützen. Er äußert offen seine Entrüstung darüber, daß t. B. ein ״Jüd“ die Oper ״Boris Godunofft* dirigieren darf... Vor kurzem begegnete dem Schreiber dieser Zeilen ein alter Schweizer Emigrant, Professor gewesener Freund Plechanoffs und Lenins, der (er kehrte gerade aus Rußland, wo er als Ehren• east der Sowjets geweilt hatte, zurück) mit unverkennbarem Unwillen von den vielen jüdischen Gesichtern im heiligen Moskau, sowie von den jüdischen Schildern an den Häusern erzählte. Dies alles zeigt, daß die gegenwärtigen Ereignisse und Stirn* mungen ganz anderer Natur sind, als die frühere offizielle Juden• fresserei Man kann daraus schließen, irgendetwas muß im Staate, in seinem Gesamtleben nicht stimmen. Die Lage der Juden in den Oststaaten galt von jeher als Barometer der allgemeinen Lage dieser Länder. Dies gilt auch für den heutigen Zustand. Die Schwierigkeiten des Sowjetstaates sind zur Genüge be■ kann». Sie sind größtenteils in dem System selbst begründet Näher darauf einzugehen, erübrigt sich. Gesagt sei nur, daß in Rußland eine Atmosphäre des neuen Klassenkampfes, richtiger des Kampfes aller gegen alle, entstanden ist. Der arme Bauer kämpft gegen den ״Kulaken", das Dorf gegen die Stadt, die mit dem Dorfe verbundenen Saisonarbeiter gegen die itidti• sehen Proletarier, die Proletarier gegen die ,,Spez'Meute usw. Die innerhalb der Partei sich vollziehenden Kämpfe sind nur Spiegelung der hier angedeuteten Verhältnisse im Lande selbst Dies ist aber auch die Atmosphäre, die für das Emporwuchern des Antisemitismus günstig ist. Wie kaum in einem anderen Lande stoßen in Rußland die Klassen■ und Rassengegensitze hart aufeinander. Die Sowjetregierune gedenkt dieser neuen Gefahr auf administrativem Wege, mittels Strafexpeditionen, beizukom• men. Ob sie die Geister, die sie gewissermaßen heraufbeschworen, auch wird bannen können, bleibt allerdings abzuwarten. ״FRÜHLING IN PALÄSTINA“ Schon SO Orion, fast SO OOO Menschen wurde der neue Film bereits gezeigt, * Weitere Aufführungen Im April: 14. Ratibor, Magdeburg. Frankfurt a, O.. Eibarfeld, 19. Hanau, SO. Berlin, 81. Kottbua, Jülich, Hallbronn, SS. Beuthan, Oppeln, Braunschweig, MQnohen, Plauen Charakteristisch kt, daß die letzten Vorgänge in Rußland neue Hoffnungen in die russischen Emigrantenkrtke gebracht haben. Es rühren sich die offenen und heimlichen Antisemiten. Der berüchtigt« W. W. S c hu lg In, der gewesene Führer der Nationalisten in der Reichsduma, läßt ein Buch erscheinen unter dem Titel; ״Was uns an euch nicht gefällt“. Darin diktiert er der Judenschaft in ihrer Gesamtheit die Bedingungen des Wai* fenstillstandest ״Die Juden verpflichten *Ich, in Rußland keine sozialen Revolutionen zu machen, die Russen ~ keine Progrome. Wenn die .Juden ihre Schuld nicht anerkennen wollen, bleibt alles beim Alten.‘‘ Diese Leute haben anscheinend, trotz Revolution, Not und Verbannung, nichts vergessen und nichts hinzugelernt. G rigori Fuchs-G reil. Noch ein Ludwig Hardt-Abend w teuer einmal war eine groae uememae um aas rodium versammelt (diesmal im Rahmen der B. Z. V.), von dem Ludwig Hardt Dichtung vermittelte, Worte, Verse, Rhythmen Größer und Größter Gestalt werden ließ. Zuerst Heine. Wieder wie so oft verwandelten wir uns vom Hund mit hündischen Gedanken zu Menschen, tu Königen de* Lebens, ließen mit entzücktem Behagen und Ver* stand den Schalet der Prinzessin Sabbat langsam auf der Zunge zergehen und erlitten *ehmerzdurduuekt die Stunde der Rück« Verwandlung, die mit langen gespenstischen Schattenbeinen kam. Und die anderen jüdischen Motive Heineseher Lyrik! Salomo, von sechstausend schwertgegürteten Engelgestalten vor träumendem Leide beschützt, mit der sehnsüchtigen Wer« bung um seine Herzens-Königln Sulamith, dann ״Sirason“‘‘. der Siegfried der Juden, voll urzeitlicher Kraft, waren neben Peter Altenbergs anekdotischen Arabesken die Höhepunkte des Abends. Zu Hardts Lieblingsdichtern gehört ja auch Altenberg, dieser Aufzeichner kurzer Augenblickseinfälle, der 3S Jahre lang. warten konnte, ehe er schrieb, und dann nicht etwa ״Kunst" Im Sinne einer blassen Aestnetlk schuf, sondern das Leben mit seinen Punkten, Gedankenstrichen und Ausrufung*• Zeichen aufs Papier bannte. Seine Dichtung machte nicht erst die Metamorphose zur Kunst durch, sondern blieb Leben, wie es dieser Liebhaber und Ekstatiker des Lebens sah. Hardt las ״Zwei Dichterinnen“, ״Eine Landpartie” und anderes mit seiner großen Fähigkeit der einfühlsamen Wiedergabe eines dichte* rischen Erlebnisinhaltes. Der Abend sollte neben ״westjüdischer" auch ostjüdische Dichtung bringen. Die Verteilung war ungleichmäßig. Wir hörten Pftre* und Asch, jene beiden, die dem Schicksal vieler ״Klassiker" nicht entgangen waren: Bücherschrank-Dichter des guten Hauses zu sein. Ostjüdlsdie Dichtung: Wir hätten gern Mendele gehört in der schönen Uehersettung von Menaenea Birnbaum, den herrlichen Schoiem Aleichem, Stücke aus Josef öpatoschus Romanen, Perez dtassidlsche oder musikalische Novellen und etwas von dem jungen und jüngsten liierarischen Nachwuchs Amerikas und Sowjetrußlanda. Zuletzt las Hardt aus der Buber-Rosenzweägschen Bibel• Übersetzung. Aber hier versagten wir ihm unsere Qefolgschaft Zu sehr hatte er uns durch den Abend in jagendem Tempo zu allen Höhen und in alle Tiefen mltgerfssen, mit allen Nuancen unserer Gefühlsskala spielend, als daß uns — schon gegen 11 Uhr — noch ein geruhsames Verweilen bei biblischer Epik möglich gewesen wäre. So hörten wir wie aus weiter Feme den Mythos von der Weitschöpfung. Wieder danken wir diesem Zauberer Hardt für das Geschenk dieses Abends und dafür, wie er diese subtilste aller Künste behandelt: immer Ist er Medium, immer Diener *einer Dichter. Anja Aachkenasy. * Ludwig Hardt spricht auf vielfachen Wunsch Donnerstag, den 18. April, 84י Uhr, Scbillereaal (Knie), JüdischeDichter deutscher Sprache: Heine, Börne, Else Las'ter- Schüler, Peter Altenberg, Franz Kafka. Es werden die Dichtungen nachgeholt, die beim ersten Abend nicht mehr ins Programm aufgenommen werden konnten. Jüdische Dichter dar Menschlichkeit Ernst Friedrich, der verdienstvolle Gründer und Bewahrer des viel zu wenig bekannten Antikriegsmuseums in der Parochialstraße, ׳ist selbst ein bekannter proletarischer Dichter und Schriftsteller. Bekannt Ist er aber vor allem als Snreeher Forderungen ihrer Zeit anerkannt haben. Und den bekanntesten Vorkämpfern dieser Generation galt der Abend. So war der Start mit 5 PS. Kurt Tucholsky gewidmet, glühend, schneidend, hämmernd, mit jedem Wort der Vorkämpfer, der hier ganz anders als im Konzertsaal Führer war: mit Volk. An sein Gedicht ״Kopf ab zum Gebet“ schlossen steh zwei Szenen aus Wolfensteins Drama: ״Die Nacht vor dem Beil“. Dieses Drama gegen die Todesstrafe wurde in diesen Tagen Zum ersten Mate aufgeführt. Aus den Szenen, die Ernst Friedrich las, konnte man erkennen, daß Wolfenstein als Dichter mit glühendem Mitleid für die soziale Not an den Stoff heranging. Es ist übrigens auch hier das Etzel Andergast-Motiv: der junge Sohn des verurteilenden Richters besucht den zum Tode Verurteilten in der Zelle und ringt nachher mit dem Vater um den Begnadigungsgang und die Einsicht, daß Todesurteil gleich Mord ist auch vom Richter, der verurteilt, und daß der Rtehter, der zum Tode verurteilt, auch von Rechts wegen selbst Henker Sein müßte I Wir wollen uns aber nicht täuschen, daß sowohl Wassermanns Etzel Andergast wie Wolfensteins Sohn keine Verallgemeinerungen heutiger Jugend sind. Im Gegenteil: es ist eher zu befürchten, daß die Bürgersöhne von deutsehnatio* Arno N a d e 1 $ Gedichte aus dem Band ״Heiliges Proletariat“ sind Proben einer unromantischen Sachlichkeit die allerdings genug von Arno Nadels Skepsis enthalten. Ein Meisterwerk dieser Art Satire ist die Parabel von den Menschenfressern, vorgetragen von Nadel im asiatisch feierlichen Sprachgewand mit fast satanisch-faunisch erhobener Vernichtung im Spott. Di״se Gedichte kommen ausnahmlos aus echtem sozialen Gefühl und dem Willen zu helfen. Ernst Friedrich las Arno Nadel So, daß keine Pointe verlören ging. Von Friedrich selbst hörten wir ein Kapitel aus seinem autobiographischen Roman: ״Mensehen im Käfig“. Er schildert darin die Zustände in Kriegstefängnissen. Ernst Friedrich lernte diese Gefängnisse als riegsdienstverweigerer und praktischer Pazifist wiederholt kennen. R. M. Zionistische Buchgemeinschaft (Z.B. G.). Um dem seit Jahren empfundenen Mangel an zionistischer Literatur abzuhelfen, wurde im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive vom Jüdischen Verlag in Berlin (W 30, Budapester Str. 11) eine zionistische Buchgemefnsehaft gegründet, die den Zweck hat, durch Sicherung eines festen Abnehmerkreise* die Herausgabe zionistischer Bücher zu billigen Preisen zu ermöglichen. Die Zionistische ßuehgemeinsehaft (Z.B.U.) bietet den Abonnenten gegen einen Betrag von 18 M. jihr- Uch vier zionistische Bücher Im Umfange von durch« sehniitüch je 20 Bögen (320 Seiten), gedruckt auf holzfreiem Papier und in Leinen gebunden, außerdem eine Reihe anderer erheblicher Vorteile, die bet einer genügenden Anzahl von Teilnehmern noch vermehrt werden sollen. Sie wird sowohl Originalwerke führender Geister zur *ionistischen Ideologie herausbringen, als auch Werke zionistischer Denker, die dem deutschlesenden Publikum bisher unzugänglich waren, aus anderen Sprachen, insbesondere aus dem Hebräischen, übersetzen. Ferner sollen hervorragende Werke der zionistischen Literatur der letzten 50 Jahre, auf denen die zionistische Ideologie noch heute fußt, die aber leider dem Bewußtsein der meisten Zionisten, Insbesondere der Heranwachsenden Generation nicht gegenwärtig sind, in deutscher Sprache veröffentlicht werden. Die Z. B. G. untersteht einer literarischen Leitung, In der auch die Zionistische Exe« kutive vertreten ist Professor Theremins AdfcerweBen*Mn5ik Die drei Konzerte mit Therwnin-Apparaten, die neuerding* im Renaissance-Theater stattfanden, gaben wieder einmal Gelegenheit, featzustellen. daß et *ich hier um eine Er* flndung .handelt, deren Möglichkeiten ungeheuer groß Sind! wenngleich man de durch die unzureichenden Vortührtings* Programme hindurch nur ahnen konnte. Da man auf dem Theremin-Jnstrument, das einen wunderbaren Klang hat und dabei sicherlich noch vieler Verbesserungen fähig ist, jede Tonschwbgun? hervorbringen kann, wird es gerade für die Reproduktion derjenigen Musiken, die sich nicht in den üblichen europäischen Tonsystemen bewegen, also z. B. für außereuropäische Volksmusik (insbesondere für orientalische und also auch für jüdische) sowie für Vierte 1 ton kompositiönen usw. hervorragende Bedeutung erlangen. Am ersten Abend fden Ich leider nicht hören kormlcV wurden Ll-Tal-Pe-Lieder für Sopran, Harfe, Harmonium. Klavier und Theremin-Apparate ven M i c h a e 1 L e w 1 n uraufgeführt, die Rahel Kaufmann gesungen hat. Alice Jacob- Locwenson. Die Zahl der Parlmgästa in Tel-Awlw. Nach einer Mitteilung des stellvertretenden Direktors der palästinensischen Eisenbahn, Mr. Campigli, an die Stadtverwaltung Tel-Awlw betrug die Zahl der während der Purimtage verkauften Fahrkarten nach Tel-Awiw 10315, von denen auf Jerusalem 5 977, auf Haifa 2 4S5 entfallen. Die Einnahmen der Eisenbahn aus dem Purim-Verkehr werden auf 2003 Pfund geschäht. Außer den mit der Eisenbahn beförderten Reisenden dürften etwa 15 003 Personen per Auto und zu Fuß nach Tel-Awiw gekommen sein, so daß die Oesamt-Bcsucherzahl mit 25 003 nicht zu hoch gegriffen ist. (Ziko.) Die Ansprache Ussischklns bei der vom Keren Kajemeth veranstalteten Lehrer-Zusammenkunft in Ben Schemen wurde seinerzeit übersetzt und in verschiedenen Sprachen publiziert. Ein prominenter Nichtzionist in Deutschland, der nicht genannt werden will, hat nach der Lektüre der Ausführungen von Herrn Ussischkin dem deutschen Keren Kajemeth-Buro M. 2000 (£ 100) ״als Zeichen des tiefen Eindruckes auf den Spender“ überwiesen. (Ziko.) Schweizer Komitee für die Hebräische Universität. Unter der Führung des Professors der Züricher Universität, Arthur Wreschner, wurde in der Schweiz ein Komitee für die Hebräische Universität in Jerusalem gebildet, dem sich bisher Prof. Bruno BloCh, Prof, Adolf Stern, Prof. M. Minkowsky und eine Reihe anderer angesehener Gelehrter angeschlossen haben. Das Komitee wird nicht allein die Universitätsbibliothek t'ördem, sondern auch für die Aufwärtsentwicklung der verschiedenen Univeriitäteinstitute sorgen. Vor kurzem erschien da* vierte Heft de* fünften Jfahrg*nge* dar von der Jfldisnhen National« und l'uiversiätabibliöihak harausgegebsnen bibliographische® Viertcljahrsschriit »Kirjath Saphir“ mit foigendem Inhalt: Na eh rieht«® dar Bibliothek. Bibi 10• David Arulai. Aus de a Handschriften der Bibliothek: ß. Sehaehetmann: Aua der Korrespondenz Aehad Haams. Hiermit isl der fönfte Jahrgang von ,.Kirjath Sepher" abgeschlossen. Neue Abonnements für den sechsten Jahrgang werde® von der Jödischen National« und Universitätsbibliothek in Jerusalem in Empfang genommen. Der Abonöemen!*preis beträgt 10 engl, *h pro Jahr. ln Anbetracht der kommenden KongreßwaWen tordert der Landesverband der Zionisten * Revisionisten in Deutsch'and alle Gesinnungsgenossen, Freunde und Interessenten auf, welche rieh außerhalb Berlins befinden, sich unverzügli'h mit dem Landesverbandsbüro, Charlottenburg, Stuttgarter Plate 5, in Verbindung za setzen. -