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Jüdische Rundschau · 1929-04-12 · Heft 29 (12.4.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 29 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29, 12. IV 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 181 Im Luitscbifl über Palästina Von Ministerialdirektor Dr. Hermann B a d t. Urner Gatirmunesgenos«« Dr. Bach, »in Toilnckmftr d׳w Zenpehnfluga» nach Palästina. hat die Fahrt in einer ausführlieben Schilderung ffir die Presse beaehrioben. Wir entnehmen dem umfangroiehoo Bericht den nachfolgenden Abschnitt, ,,Wenn der Rückenwind so bleibt, werden wir In einer Stunde und 43 Minuten über Haifa sein“, sagte mir gegen 2 Uhr nachmittags (wir halten unsere Uhren noch nicht umgestellt) der Navigationsoffizier, Herr von Schiller, nachdem er mit einem Zirkel aufs Genaueste die Entfernungen der noch zurückzulegenden Strecke ausgemessen hatte. Dr. Eckener hatte mich eingeladen, nach vorn in den NavigaJonsraum zu kommen, um mich dort auf Grund meiner Kenntnis des Landes erforderlichenfalls zu P^ie zu ziehen. Es ist sdiwer, die Empfindungen zu beschreiben, mit denen ich das Auftauchen der Küste am Horizont erwartete, Empflndüngen, die sich bei der Fahrt über Palästina so steigerten, daß alles in mir vibrierte. Ich war ein Teil des Luftschiffes, bei dem auch bei äußerlich ruhigster Fahrt doch in allen Drähten und Verspannungen das Surren der Motoren mitschwingt. So schwang bei mir auch in dem letzten Nerv der Mo»or des Herzens; ich fühlte das beschleunigte Hämmern der Pulse bis in die Fingerspitzen. Am Horizont erscheinen schneebedeckte Gebirgszüge. Der Gipfel dahinten, das muß der Hermon sein; und ich denke an die herrliche Tour, die mich vor 15 Jahren von der jüdischen Kolonie Melullah aus, vorbei an den Quellen des Jordan, in ly* Tagen auf die Spitze dieses schönen Berges führte. Aber dort taucht ja schon der Karmel auf, die liebliche Bucht von Acco. Herr Dr. Eckener hatte ursprünglich in Aussicht genommen, nach einer Schleife über den Karmel durch das Emek Jesreel nach Nazareth zu fahren, dann in die Jordansenke aufwärts über den Tiberiassee bis zum Meromse«, dort zu wenden, den Jordan abwärts bis zum Toten Meer, von hier aus über Jerusalem, Bethlehem nach Ramleh, wo die Postsäckc abgeworien werden sollten, um zuletzt in Tel-Awiw zu landen. Doch die Sonne stand schon tief, als wir Haifa erreichten. Dr. Eckener meinte, zuerst komme die Pflicht und diese Pflicht bestehe für ihn vor allem darin, die Postsäcke sicher in Ramleh abzuwerfen. Infolgedessen wurde die Route geändert. Erst wurde der Karmel angesteuert. Die deutsche Kolonie hatte sich auf einem großen s •Invarzen Feld — ich las später, es sei der Sportplatz des Makhabi gewesen — versammelt und dort in riesigen weißen Lettern das Wort ״Wi.lkotnmen“ auf dem Boden ausgelegt. Als sich das Luftschiff der Stelle näherte, flutete die Menge Tücher schvven• kend über das Feld. Vergeblich suchte ich am Hadar Hakarmei nach dem schönen Häuschen meines Freundes Hermann Struck, das ich 1926 während des Baues in seiner Anlage bewundert hatte. Deutlich hob sich zwar das Technikum ab, aber Strucks Haus vermochte ich nicht zu finden. So winkte ich denn aut gut Glück meine herzlichen Grüße in diese Richtung. Hoffont- Reh haben sie ihn erreicht. Nach einem kurzen Ausfluge über die Bucht macht das Luftschiff einen eleganten Bogen und fährt dann über die jüdische Kolonie Bath-Galim — (von unten winkten wohl unsere Freunde, bei denen wir im Mai 1926 einen so hübschen Nachmittag verlebt haben, herauf) — die Küste entlang. Atlith, Tanturra und die Ruinen von Cesarea sind deutlich sichtbar. Auf der ganzen Strecke bis zu den Eukalyptuswäldern von Chederah wird erkennbar, mit welcher Mühe hier Sumpf und Dünensand in fruchtbares Land verwandelt worden sind. An anderen Stellen bin ich mir im Zweifel; war das dort unten Sichrem Jacob? Lag dort Benjamiaa? Die Orientierung wird erst bei der Mündung des Audscha wieder sicher, und schon erscheint das liebe, viel gelästerte und doch des ״Tohuwabohu“, Gronemnn, mit dein ich Mer zu Purim ein Rendez-vous verabredet hatte. * Und jetzt soll Ich eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen, die einzige übrigens bei dieser Fahrt Dr. Eckener fördert mich auf, die Stelle zu bestimmen, an der das Konfetti abgeworfen werden soll. Das ist gar nicht so einfach, und ich bin etwas unruhig. Noch habe ich eine Frist von wenigen Minuten, denn wir fliegen erst an der Küste entlang über Jana, wenden dort und steuern nun noch einmal über Td-Awhv. Bilde ich mir nur ein, daß die Hedadrufe bis hier herauf dringen? Sehe ich das Schwenken der bau-weißen Fahnen, oder sind es nur Bilder einer erregten Phantasie? Vor allem aber — wo soll das Konfetti hin? Dort auf den Platz vor dem Kasino? Oder auf die Hauptstraße, die eben mit der Illumination beginnt? Nach kurzem Zögern scheint mir das das richtigere zu sein. Von der hinteren Motorengondel meldet k'apitanleutnant von Schiller: ״Konfetti klar zum Abwurf!“ Und in drei Wolken wirbelt der lustige Inhalt der drei gewichtigen Sicke (insgesamt 60 Pfund) als Purimgruß des Luftschiffes herunter auf die feiernde Stadt. Freilich fürchte ich, den Abtrieb durch den Wind nicht ganz richtig berechnet zu haben. Hoffentlich erreichten die Konfettigrüße ihr Ziel. Sonst wage ich nicht, meinen beiden jungens wieder vor die Augen zu treten, die mir noch beim Absdiied in Berlin als wichtigstes nachgerufen haben: ״Vor allem vergiß das Konfetti nicht!“ Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich es doch vergessen hatte, aber als ich das Herrn Dr. Eckener in Friedricnshafen beichtete, gab er umgehend An- Weisung, noch drei Sack Konfetti zu laden. Weiter geht es nun nach Ramleh. Es ist inzwischen ganz dunkel geworden, blutrot und groß geht der Mond auf. Ist es auch wirklich der Mond? Man glaubt einen Sonnenaufgang zu erleben; bald deckt ihn wieder Gewölk. Mit hellem Licht meldet Ramleh schon von weitem durch Morsezcichen zu wiederholten Malen seinen Namen. Wir morsen mit Lichtsignalen zurück, daß wir verstanden haben. Grüne Leuchtkugeln zeigen uns die Mitte des Flugplatzes, und bald werden die vier großen Post sacke, je 25 kg schwer an Fallschirmen befestigt, abgeworfen. Alle Fallschirme entfalten sich und schweben wie große weiße Vögel in die Nacht. Soweit wir das in der Dunielheit verfolgen können, kommen sie teils auf dem Flugplatz, teils an dessen Rande an. Und die Dunkelheit ist es auch, die dem Rätselraten: ״Landung oder Nichtlandung!״ ein Ende machte. Was war alles während dieser zwei Tage darüber diskutiert worden! Alle Passagiere, aber auch die Offiziere des Luftschiffes bestürmten Dr. Eckener, doch auf alle Fälle für einige Stunden niederzugehen. Er war grundsätzlich gar nicht abgeneigt. Freilich, es gab da gewisse Schwierigkeiten. Die Mandatsregierung hatte zwar die Erlaubnis zum Ueber fliegen des Landes gegeben; eine ausdrückliche Genehmigung, un'.er Umständen auch landen zu dürfen, hatten jedoch die deutschen Regierungsstellen gar nicht erbeten. War denn aber eine solche Genehmigung überhaupt nötig? Es war Herrn Dr. Eckener bekannt, daß man in den Kreisen der englischen Regierung auf Grund der privaten Anfrage Dr. Eckeners an Herrn Dr. Baruch, Tel-Awiw, mit der Möglichkeit einer solchen Landung rechnete. Da nun die Mandatsregierung weder dagegen protestierte, noch weh nur wegen dieser Möglichkeit eine Anfrage an die deutsehe Regierung gerichtet hatte — wenigstens war nichts davon bekannt geworden — so konnte Herr Dr. Eckener wohl ohne weiteres annehmen, daß gegen eine solche Landung für wenige Stunden keine Bedenken bestünden. Um ganz sicher zu gehen, hatte er am Tage vor der Abfahrt von Friedrichshafen noch einmal telegraphisch die Bitte nach Berlin gerichtet, für den Fall, daß irgendwelche Umstände eine Landüng erwünscht oder notwendig machen sollten, die Genehmigung hierzu von der Mandatsregierung einzuholen, falls das Auswärtige Amt eine solche Genehmigung überhaupt für erforderlich halte. Es ist also nicht richtig, wie es in mehreren Zeitungen zu lesen war, daß die englische Regierung die Landung verboten hatte. Und es ist auch schwer ei nzu sehen, mit welchen Gründen sich ein solches Verbot hätte rechtfertigen lassen. Es kam noch ein Grund hinzu, der gerade am 26. März für eine kurze Landung sprach. Einer der Passagiere, ein Ministerialdirektor aus dem Reichspostministerium, hatte sich wenige Tage vor der Abfahrt beim Skilaufen eine Verletzung des Fußes zugezogen. Es war nicht ganz klar, ob es sich um einen Bruch oder eine Verstauchung bandelte, der Fuß schwoll jedenfalls bedrohlich an und verursachte dem Patienten große Schmerzen. Gern hätte er in Ramleh oder Tel-Awiw einen Arzt konsultiert, und man hatte, daher schon erwogen, einen Funkspruch nach Ramleh des Inhalts zu geben, daß leichtes Unwohlsein eines Passagiers eine Landung für einige Stunden zwecks Konsultation eines Arztes erwünscht mache. Aber, wie gesagt, die Dunkelheit ließ eine Landung nicht opportun erscheinen. Ein bis zwei Stunden früher hätte ZWISCHEN PURIN UNP PESSACM ÜBERALL DIE AKTION FDR DEN EINSTEIN-WALD! Dr. Eckener sie schon des Patienten wegen sicher unternommen. So aber meinte er nach reiflicher Ueberlegung doch davon Abstand nehmen zu wollen. Es war eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Würden die freiwilligen Haltemannschaften in der Dunkelheit alle Weisungen, die von dem Luftschiff aus durch ein Megaphon hätten gegeben werden müssen, richtig ausführen? Waren genügend Scheinwerfer vorhanden, um, ohne die Haltemannschaften zu blenden, die riehtige Beleuchtung sicher zu stellen? Das waren nur einige von den Fragen, die man sich überlegen mußte, und die schließlieh dazu führten, daß das Luftschiff zum großen Leidwesen der Passagiere, die sich schon auf die Teilnahme am Purimtreiben gefreut hatten, das Schiff weiter nach Jerusalem fahren zu lassen. Bald ist dieses Ziel erreicht. Aber auch hier mindert die Dunkelheit den Eindruck. Nur ungefähr ahnt man, wo Kotei Maarawi und Omar-Moschee,, wo der Palast des High Commissiorter und die Universität liegen müssen, und schon geht es hinab zum Toten Meer. Ab und zu dringt der Mond durch die Wolken. Das sanfte Hinabgleiten, das Schweben über der mondbeglänzten Fläche des Sees wird zum unvergeßlichen Erlebnis. Durch den Abwurf einer Lotbombe und durch Echolotungen wird festgestellt, daß wir uns genau 15&m unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres befinden. Dr. Eckener gibt Anweisung, einige Flaschen des Palästinaweines zu entkorken, den das Präsidium des deutschen Keren Häjessod auf Anregung von Dr. v. Weis! ihm für diese Fahrt geschenkt hatte. Glaser werden gebracht, wir begeben uns zu den anderen Pa«Ö!pjyn*. wieder, &rta|Äete®v|pe|||^t -y״fce# derFanrt über Jerusalem nattea.w im Speisesaal versammelten Passagiere spontan das Licht abgedreht — und Wern diese denkwürdigen Stunden. Zum ersten Male wohl seit Bestehen der Welt befindet sich ein lenkbares Luftschiff so tief unter dem Meeresspiegel. Wir stoßen an, Dr. Eckener halt eine kleine Ansprache, in der er glücklich Ernst und Schmerz vermengt. Der Wein findet ungeteilten Beifall. Die Gräfin Brandenstein-Zeppelin, die Tochter des alten Grafen Zeppelin, stößt mit Dr. Eckener an und meint dabei, in diesem Wein sei die fanze Sonne Palästinas eingefangen, er tränke sich wie flüssiges onnengold. Alle stimmten ihr zu. Ich habe jedem meiner drei Kinder eine von diesen Flaschen mitgenommen; auf das Etikett schrieb ich: ״Diese Flasche wurde vom Präsidium des deutschen Keren Häjessod für die erste Palästinafahrt des Luftschiffes ״Graf Zeppelin“ gespendet; sie wurde 156 m unter dem Meeresspiegel am Purimtage des Jahres 5689 (26. März 1929) im Luftschiff ״Graf Zeppelin“ geleert.“ Darunter befinden sich der rote Stempel des Luftschiffes und die Unterschriften der drei Führer: Dr. Eckener, Kapitän Flemming und Kapitän Lehmann. Als ich später den anderen Passagieren diese Flaschen zeigte, begann ein eifriges Suchen nach den übrigen Flaschen, weil noch andere sich cm gleiches Andenken sichern wollten. Aber es stellte sich heraus, daß man die Fahrt über dem Toten Meer dazu benutzt hatte, um allen überflüssigen Ballast (leere Konservenbüchsen, alle Flasehen usw.) abzuwerfen. So werden diese drei Flaschen wohl die einzigen ihrer Art bleiben, bis man bei den hoffentlich bald beginnenden Arbeiten zur Ausbeutung der Schätze des Toten Meeres auch diese ,Schätze“ wieder heben wird. Wir wenden und sind in kurzer Zeit wieder über Jerusalem. Vorn von der Führergondel aus sendet Knud Eckener^ der treffliche Sohn Dr. Eckeners, mit einem Scheinwerfer Grüße nach unten und im Speisesaal beibt diesmal das Licht brennen; wir leeren ein letztes Glas Palästinawein. Als ich mit Weisl anstoße, bin ich ganz erstaunt, daß er mein ,Je ehajim“ ebenso erwidert. Nach strenger revisionistischer Observanz hatte er als überzeugter Revisionist bekanntlich mit .Je Wladimir“ ant- Worten müssen. Ich bin indiskret genug, diesen historischen faux pas für die Nachwelt festzuhalten. Weis! wird es mir hoffentlich nicht allzu sehr verargen, und Jabotinsky wird ihm maucliel sein. Wir haben Rückenwind. Mit großer Schnelligkeit nimmt das Luftschiff Kurs auf Port-Said. Bald sind wir wieder über dem offenen Meere. In allen Gesprächen klingt noch das Palä sfina-Erlebnis nach. Der Vergleich liegt nane, Dr. Eckener habe, wie einst Moses, wenn auch in einer anderen Dirnen sion, uns nur nahe an das gelobte Land gebracht, ohne daß wir es diesmal schon betreten und unsere Freunde begrüßen konnten. So müssen wir das, was wir von Mund zu Mund nicht sagen konnten, durch Funksprüche nachholen. Dr. Eckener sendet an den Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoff, der Passagiere und Besatzung des Luftschiffes telegraphisch eingeladen hatte, das PurimTest in Tel-Awiw mitzufeiern, folgen des Telegramm: ״,Rosch Waad Hair Tel-Awiw. Adon Dizengoff. Passa giere und Besatzung des Luftschiffes ״Graf Zeppelin“ dan fcen für freundliche Purimeinladung; bedauern nicht landen zu können und wünschen gut Purim. Dr. Eckener.“ Die Antwort via Transradio lautet: ״Gruß Purimwünschc Bevölkerung besonders kundgegeben. 8D0C0 Fe t.errammel e bewcnJe ten danken! präch tigen Rundflug. Post Konfettisendung erhalten. Wünsche wei teren Sieg. Schalom. Dizengoff.“ Ich gestehe offem.daß an diesem Teicgra ו: ר nicht die Tat sache den stärksten Eindruck auf mich machte e $0 010 Men• sehen, also das Doppelte der gewöhnlichen Einwohnerzahl, *um Purimfest in Tel-Awiw versammelt waren, das wichtigsie war mir, daß die Konfettisendung anscheinend doch richtig ihr Ziel erreicht hat Hoffentlich hat auch die zweite Botschaft die Adressaten erreicht. Es ist das ein hebräischer Brief, gerichtet von uns sozialdemokratischen Teilnehmern dieser denkwürdigen Fahrt an die Histraduth Hapoalim in Tel-Awiw, unterschrieben vom Präsidenten des deutschen Reichstags Löhe, vom Reichstagsabgeordneten früherem Württembergisdien Minister Keil, vom Präsidenten des württembergischen Landesparlaments Pflüger, von dem Leiter des sozialistischen Pressedienstes Chefredakteur Alfringhaus, von der Reiehs'agsabgeordneten Frau Sender, meinem Kollegen Ministerialdirektor. Staudinger und mir. Unseren sozialistischen Grüßen schlossen sich einige prominente NicbtsozhlUten an, so Dr. von We 1 s f, ferner der frühere Reichsverkehrsminis.er, der Zen rumsabgeordnete von Guörard und sein Fraktionskollege der Reichstagsabgeordnete J o ß , die Gräfin Brandenstein-Zeppe- 1 i n und Dr. Eckener. Hoffentlich macht dieses Schreiben den Adressaten ebensoviel Freude wie unser Luftschiff mit seinen surrenden Motoren, das den 80 010 Festteilnehmern in Tel-Awiw als großer ״Hamanklapper“ die Festesfreude erhöhte, allen, die an dieser unvergeßlichen Fahrt teilnehmen durften. Presse-Schau Die Aprilnummer des ״Nationaldeutschen lu* d e n“, mit dem wir uns sonst nicht gern befassen, veröffentlicht einen Aufsatz unter dem Titel ״Was ich in Palästina sah“ von K. Schlesinger. In der redaktionellen Vorbemerkung zum Aufsatz wird der Verfasser als Chaluz bezeichnet. Mit der Person des Verfassers i-t den nationaldeutschen Juden ein Malheur passiert. Schlesinger war der ״Führer“ einer Gruppe von Arbeitslosen, die in Jerusalem Unruhen gegen die Zionistischs Exekutive veranstalten wollten und auch im Demonstrationszug zum Regierungsgebäude in Jerusalem gezogen sind. Hier stellte es sich heraus, daß gerade die Wortführer Personen waren, die es zum Teil verschmäht hatten, ihnen angcbotene Arbeit anzunehmen, die Arbeitslosenunterstützung bezogen und nur aus politischen Gründen demonstrierten. Bei einem zweiten Versuch, politische Demonstrationen zu veranstalten, wurde die Gruppe Schlesinger verhaftet. Die Zionistische Exekutive hat sich um die Verhafteten bemüht und ihnen Anwälte angeboten. Die Leute haben jedoch jüdische Anwalte zurückgewiesen und arabische verlangt. Das Vorgehen der Regierung fand seine Aufklärung damit, daß diese in der Lage war, nachzuweisen, daß es sich um von der kommunistisehen Zentralstelle aus bestellte und bezahlte Unruhen handelte. Schlesinger ist heute Gewährsmann der nationaldeutschen Juden und seine Ausführungen bieten ihnen ״in sachlicher Hinsicht sehr Interessantes“. Schlesinger schreibt, daß die Chaluzim Tel-Awiw ״Tel-a-BSuff“ nennen. Es ist ebenso unwahr wie eine Beleidigung der Chaluzim. Vollkommen unsinnig ist die Behauptung, der Arbeiter würde in Tel- Awiw ״von einer Stelle nach der anderen gejagt“, um nach Arbeit zu fragen. Es gibt nur einen einzigen Arbeitsnachweis, bei dem die gesamte Arbeitsvermittlung zentralisiert ist. Die Behauptungen über die Landarbeitergruppen, über den Kauf jüdischer Häuser durch Araber, über Kindererziehung und über die Tätigkeit der Zionistischen Exekutive sind falsch und sinnlos. Ganz besondere Zurückweisung aber verlangen die Verdächtigungen, die Schlesinger gegen die jüdischen Mädchen in Tel- A w i w vorbringt. Die Unterstellungen, daß jüdische Mädchen , massenweise als Dirnen zu den Arabern gegangen wären, verdienen,;B»cht’'ei»n»l'־.eineTWidertegnn«, ־ Die :VifflffenfliehBi«■'4 Wo** Ä$Ä«s «iMIrtWildfflarfcÄIÖfe fpift« JHP» tioiialdertSehen ■|udfe«5;-״ie¥ bä' dfen wenigen Juden m fMifMfc *י land, die dieses Organ möglicherweise lesen, einen für Palästina ungünstigen Eindruck hervorrufen will. In der ,.W e 11 b ü h n e" erschien ein Aufsatz über die Personalpolilik der vom Vater Walther Rathenaus, Emil Rathenau und dem jüngst verstorbenen Felix Deutsch begründeten AEG. Nach der Ermordung Walther Ralhcnaus, dem Tode Felix Deutsch und dem Ausscheiden von Paul Mamrolh wurde an Stelle des Generaldirektor» Felix Deutsch ein Direktorium geschaffen, in dem kein Jude sitzt. Das neue Direktorium betreibt eine ausgesprochen antisemitische Personalpolitik. Die höheren jüdischen Angestellten 'werden in ihrem Einfluß mrückgedrängt, die suballernen jüdischen Angestellten unbarmherzig entlassen, wenn sie nicht zufälligerweise langjährige Anstellungsverträge haben. So schickt sich die von Juden geschaffene AEG an, in die Reihe der zahlreichen deutschen großinduslriollert Unternehmungen zu treten, die absolut judenrein sind. In der ״Weltbühnc“ vom a. April untersucht General von Schocnaich das Problem, wer in Deutschland die Judenhetze leiahlt. Er kommt rum Schluß, daß die Nationalsozialisten ,.von den Industriekreisen unterstützt werden, die ein Interesse daran haben, Zwietracht in die antikapitalistischen Gewerkschaften zu tragen. An der Judenhelzo selbst liegt, diesen Leuten vermutlich gar nichts. Sie ist nur der Schleier, hinter dem die wahren Ziele verborgen worden“. — Gerade in dieser Feststellung liegt die ganze. Tragik des jüdischen Schicksals. Die Juden werden einfach als quantitA nägügeable behandelt. 5, 500 and 5000 Jerusalem, 8. April. (J. T. A.) Vor kurzem gingen Nachrichten durch die Presse der Welt, daß Wahabiten einen Angriff auf den Howeit-Stamtn an der Grenze Transjordantens ausgeführt und dabei 530 Angehörige desStammes (in manchen Zeitungen war sogar von?003 die Rede) getötet haben. Wie nun die arabische Presse feststellt, handelte es sich hier um geringfügige Geplänkel, bei welchen iin ganzen fünf Angehörige des Howeit-Stammes getötet worden waien. Dieser Stamm war mehrere Jahre hindurch den Wahabiten tributpflichtig, im letzten Jahre verweigerte er die Tributzahlung. woraufhin der Angriff der Wahabiten als Strafmafinahme erfolgte. Kanpeßabzeicheo Bekanntlich wurde von der Exekutive vor einigen Monaten ein Konkurs zur Erlangung von Entwürfen für ein Abzeichen des 16. Kongresses ausgeschrieben. Auf Grund dieses Au- Schreibens sind bei der Exekutive 21 Entwürfe eingeiangt Sie wurden zur Beurteilung einem von der Exekutive eingesetzten Preisgericht vorgelegt, welches aus folgenden Personen bestand: Mrs. M. D. Eder, Dr. B. Feiwel, P. Horowitz, Dr. L Lauterbach und F. Rosenblüth. Das Preisgericht hat im Sinne der von der Exekutive festgelegten Bedingungen beschlossen, zwei gleiche Preise von je 60 M. zu verteilen und zwei weitere Entwürfe zu beloben. Die zwei Preise wurden folgenden Entwürfen zugebilligt: 1. Entwurf ״Hebräische Schwabacher“ von Rachmiel Schechter, Berlin. 2. Entwurf ״Isch“ von Otto Wallisch, Prag. — Die belobende Anerkennung wurde folgenden zwei Entwürfen zugebilligt, und zwar: I. Entwurf ״Kennzeichen“ von Rachmiel Schechter, Berlin. 2. Entwurf ״Paschut u'maassi“ von Symacha Binnem Votka, Berlin.

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