Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 28 (9.4.1929)
- Date
- 1929-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28, 9. TV.!9» JUEDTSCHE RUNDSCHAU Sdte דדו Am den Gemeinden Sächsischer Gemeindeverband Am 16. und 17. März d. Js. tagte in Dresden der Ausschuß des Sächsischen israelischen Cemeindevcibandes. Die acht sächsisdien Religionsgcmeinden entsandten zu diesem Ausschuß insgesamt 14 Delegierte, und zwar: Leipzig 4, Dresden 3, Chcntnitz 2, und Annaberg, Bautzen, Plauen, Zittau und Zwickau je 1 Delegierten. Die Anzahl der Leipziger Delegierten wurde auf dieser Tagung auf sechs erhöht. Außerdem gehören zutn Ausschuß ein Vertreter der sächsisch-israeü ischen Lehrerschaft, sowie zwei Vertreter des Sächsisch-israeü ischen Rabbiner-Verbandes, von denen aber nur einer Stimme hat Der Ausschuß wählt aus sich einen Vorstand von drei Personen, ln der diesjährigen Tagung wurde unser Gesinnungsgenosse Dr. Levy zum stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandsausschusses gewählt. Die diesjährige Tagung befaßte sich außer mit Etat- und Pensionsfragen in erster Linie mit dem dem inzwischen aufgelösten Landtage zugegangenen Entwurf eines Gesetzes über die öffentlich - rechtlichen Reügionsgesellschaftcn. Da es ungewiß ist, ob und in welcher Form dieser Gesetzentwurf dem neu zu wählenden Landtag wieder zugehen wird, dürfte eine ausführ• liehe Erörterung dieses Gesetzentwurfes zunächst kaum von allgemeinem Interesse sein. Für uns wichtig ist nur, daß auch auf Grund des neuen Gesetzentwurfes und der vorliegenden Entscheidungen in Sachsen ein Austritt aus einer Rehgionsgemeinde identisch ist mit dem Austritt aus dem Judentum. Von unseren Geinnungsgenorsen wurde kriUsierf, daß seinerzeit der Vorstand des Verbandes an die Regierung eine Eingabe gemacht hatte des Inhalts, daß durch diesen Gesetzentwurf festgelegt werden sollte, daß Vorsfandsposten in der Religionsgemeinde nur von deutschen Staatsangehörigen bekleidet werden dürfen. In der Begründung zu dem Gesetzentwurf hatte daraufhin die Regierung ausdrücklich erklärt, daß sie soweit nicht zu gehen beabsichtige. Da in allen sächsischen Gemeinden ein gerechtes demokratisches Wahlrecht nicht besteht und da der Verbandsausschuß wiederum durch Delegierungen aus diesen undemokratisch zusammengesetzten Gemeindevertretungen beschickt wird, ist es selbstverständlich, daß der Ausschuß selbst ein vollkommen falsches Bild bezüglich der Zusammensetzung der sächsischen Judenheit widergibt. Von den bisherigen 14 Gemeinde-Delegierten gehören nur drei, und zwar je ein Vertreter Leipzig, Dresden und Zwickau, der Jüdischen Volkspartei an. Chemnitz ignoriert dis Wünsche und Interessen der gesamten hinter der Jüdischen Volkspartei stehenden Wählermassen vollkommen und wählt sowohl die zwei Delegierten als auch Ersatzdelegierten aus den Reihen der Liberalen. Der Ausschuß selbst tritt im allgemeinen nur einmal jälirlieh zusammen und hat in erster Linie lediglich Verhandlungen mit den Ministerien und Behörden zu führen, bei denen es sich um allgemeine die Religionsgesellschaft als solche berührende Fragen handelt Einnahmen und Ausgaben des Gemeindeverbandes belaufen sich auf 18 600 RM. Die ״Neutralität“ des Düsseldorfer Vorstandes. Auf Weisung des Gemeindevorstands druckte das offizielle jüdische Gemeindeblatt den Artikel des fanatischen Zionistenhassers Rabbiner Dr. Jacob gegen den Keren Hajessod aus der C-V.-Zeitung ah. Die letzte Repräsentantenversammlung beschäftigte sieb mit dieser Angelegenheit Der Vorsitzende de* Vorstand«,Felsenthal, der in der ersten Nummer ds BJ#tt« ^Öffite.NeA’aHtll *Mrf hatte,. Mfin» ÄÄ«*• recht für den Varstandin Anspntelr, .dafür athle ־er 4e« Her* ausgeber Ja den Gemeindezuschafl. Der Aufsatz Jacobs sei neutral. Zum Beweise verlas er ihn. Fast jeder Satz wurde von seinen Freunden durch Beifallsrufe unterstrichen. Man muß verstehen, daß die Weisung des Vorstandes an den Redakteur erging, nachdem in Düsseldorf eine große Kundgebung des Keren Hajessod mit Oskar Wassermann stattgefunden und die Werbearbeit eingesetzt hatte. Neutral ist es also, zu sagen, Palästina habe noch Zeit; den Keren Hajessod-Samtnlern müßte ihre Tätigkeit untersagt werden, wenn sie nicht den gleichen Betrag für Zwecke ablieferten, die den Herren Jacob und Felsenthal gefallen, während die diesen genehmen Sammler nichts für den Keren Hajessod abzuliefern brauchen! Neutral sind die hämischen Unterstellungen, der Keren Hajessod verschleudere das eingesamraelte Geld für Festessen, intime Tees, interessante Gesellschaftsreisen usvv.! Herr Felsenthal tat so, als verstände er nicht, daß Jacob und die C-V.-Zeitung nichts anderes als die strengste Boykottierung des Keren Haiessod beabsichtigten. Die jüdische Öeffentlichkeit wird sich mit dieser merkwürdigen Auffassung des Begriffs Neutraütät nicht zufrieden geben. Man ist nicht überrascht, daß der Vorstand auch diesmal wieder mit zweierlei Maß mißt, wie er jahrelang gegen das Gesetz die Ostjuden unter Ausnahmerecht gestellt hat, wie er auch bei der Be* tnessung der Steuern die einzelnen Juden verschieden behandelt, und anderen diejenigen Lasten auflädt, die er den mit Austritt drohenden reichen Liberalen erläßt. Aus der Dresdener Gemeinde. Seit den am 20. Januar d. J. durchgeführten Wahlen zum Vorstand und Gemeinderat der Isr. Religionsgemeinde Dresden befand sich diese Körperschaft in einer ernsten Krise. Die Liberalen und die ״Volksvereinigting für jüdische Interessen“ waren, wie erinnerlich, gegenüber der ״J üd. Volkspartei“ eine Listenverbindung eingegangen, wobei sich die Liberalen verpflichtet hatten, dem Gemeindegottesdienst nach altem Ritus die Signatur ״Adass Jeschurun“ und den Vertretern der Volksvereinigung den Vorsitz in der orthodoxen Kultuskommission und in der Kaschruth-Kommission zu geben. Die Volksvereinigung hat aber statt erwarteter 350 Stimmen nur 120 Stimmen aufgebracht und im Vorstand kein Mandat, im Gemeinderat nur zwei Mandate erzielt Die ״Jüdische Volkspartei“, die zwei Vorstaudssitze und sechs Gemeinderatsmandate errang, wollte sich hiermit nicht einverstanden erklären. Die Liberalen erkannten schließlich diesen Protest an, und in der letzten Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, dem Gemeindegottesdienst nach altem Ritus seinen alten Namen zu belassen. An der Spitze der orthodoxen Kultuskommission verblieb der bisherige Vorsitzende Dr. John Levy (Volkspartei). Den Vorsitz in der Kaschruth-Kommission übernahm Rabbiner Professor Dr. Winter. Braunschwelg. In einer öffentlichen Versammlung sprach Dr. Kollenscher über öeraeindefragen. Der Abend zeigte wiederum aufs deutlichste, daß unserem positiven Programm, wie es Dr. Kollenscher vortrug, von gegnerischer Seite nur Deklamationen entgegengehalten werden können. Das Wichtigste an dem Abend war die Tatsache, daß der Gemeinde* Vorstand und die Repräsentanten rieh überhaupt mit uns auseinanderzusetzen suchten. Wir dürfen festhalten, daß von seiten des Gemeindevorstandes zugegeben wurde, daß eine zehnjährige Karenzzeit ebenso ungerecht sei, wie die Beschrankung der Zahl der ostiüdischen Repräsentanten auf zwei Vertreter. Wenn diese Erklärungen auch nach dem Willen der Diskussionsredner nur für ihre Person, und nicht für das Amt, das de bekleiden, abgegeben wurden, hegen wir doch die Hoffnung, daß die wiederholt gemachten Reformversprechungen nun endlich in Angriff genommen werden. Friedensbewegung and Judentum (Brief ata Duisburg.) Die Zionistische Vereinigung Duisburg ver* anstalteie einen Diskussionsabend über das Thema ״r r i e - densbewegung und Judentum“. Herr Max Heimann und Herr Max Levy jun., Duisburg, beide gute Kenner dieser Materie, hielten die einleitenden Referate. Max Heiroann betonte, daß das mosaische Gesetz ״Du sollst nicht töten“, den Juden von jeher den Krieg verboten habe. Die Juden, die von den anderen Völkern zu einem unkriegerischen Dasein gezwungen wurden, mußten Furcht und Abscheu vor dem Kriege empfinden, der für sie stets Elend und Verfolgungen heraufbeschwor. Es sei daher kein Zufall, daß viele führende Juden auch führend in der Friedensbewegung seien. Man sollte die ehrliche Konsequenz ziehen, den Krieg zu ächten und als das zu kennzeichnen, was er sei, ein Massenmorden der Menschen untereinander. Man solle aber auch die andere Konsequenz ziehen, nämlich alles vermeiden, was nach einer Kriegsverherrlichung aassähe, keine Trauergottes¬ Berliner Zionistische Vereinigung 6r0ße zionistische Kundgebung Donnerstag, den 11. April, abends 82/ז Uhr in der Stadthalle Kl asten! tr. (Untergrundhahnhof Klosters!!׳.) judensGtM und Palästina“ Referenten: Benrion Fett, Ministerialrat Haas Goslar, Dr. Alfred Klee, Professor Heinrich Loewe, Dr. Max Soloweitschik, Redakteur Moses Waldmann u. a. dienste, keine Ehrentafeln, kein ewiges Anfuhren der 12000 tefalienen luden. Max Levy ergänzte diese Ausführungen ahingehend, daß er von dem Verhältnis der deutschen Juden der Gegenwart zu ihren christlichen Mitbürgern sprach.. Man dürfe nicht verwechseln Heimatliebe und Patriotismus. Die staatliche Gleichberechtigung der Juden stand nur auf dem Papier und sie glaubten, sich diese Gleichberechtigung erkämpfen zu müssen durch eine besondere Betonung ihres guten Staatsbürgertums. Daher sei auch erklärlich, aaß verhältnismäßig viel jüdische Kriegsfreiwillige sich stellten. Das seien heroische Opfer, aber leider nutzlose, die zu bedauern seien. Den Vorträgen folgte eine Aussprache, die Einhelligkeit ergab, da unsere nichtzionistischen Freunde wie gewöhnlich die Veranstaltung mit dem immer noch nicht aufgehobenen Boykott belegt hatten. R.-A. Simon und Dr. Epstein wiesen auf den Zusammenhang zwischen Friedensbewegung und Zionismus hin. Der Zionismus habe das Glück, ein Aufbauwerk zu verrichten, das alle Mitarbeiter einspanne in die Bewegung zur Herbeiführung des ewigen Friedens. Was xric wollen, läßt sich bei ernster Arbeit nur-auf dem Boden des Tfl«eni\uni gufel1 Eide'führen: Man könne rieh keine Idealere ‘ Vereinigung großer Ideen denken als die positive Arbeit für den Aufbau des jüdischen Landes und für die Herbeiführung des dauernden Friedens. Aus diesem Grunde hätte auch die Zionistische Vereinigung die Berechtigung, einen Diskixssionsabend über dieses Thema zu veranstalten. Es wurde weiter in der Diskussion hervorgehoben, daß man nicht, wie der C.-V. cs immer in seinem Blatte tue, versuchen solle, bei den unpassendsten Gelegenheiten mit den gefallenen Juden des Weltkrieges Reklame zu machen. Besonders zu verurteilen sei der Vorschlag des C.-V., den nur zwei Mal in der Woche stattfindenden Religionsunterricht zu kürzen zu Gunsten eines Wehrunterrichtes, in dem den Kindern Themen nahegebracht werden sollen wie die folgenden: Juden im Flug* zeug und Unterseeboot. Waren die Juden Drückeberger? Feldpostbriefe usw. Das sei ein aus Unfreiheit fließendes Beweisenwollen des ,.Mehr als seine Pflicht tun“. Zu verwerfen seien die aufdring'ichen, oft zu rück gewiesenen Einladungen des jüdischen Frontbundes an den Stahlhelm. Es wurde ferner von Herrn Greif, Düsseldorf, angeregt, zu versuchen, einen Zusammenschluß zu einer jüdischen Friedensgesellschaft zu erreichen. Jn seinem Schlußwort wies Max H eimann darauf hin, daß dieser Vorsch’ag nicht annehmbar sei, sondern daß alle Juden, die für den ewigen Frieden wirken wollten, ihre Kräfte In den Organisationen dafür einsetzen sollten, denen 8fe angehören, da sie dadurch der Sache mehr nützen könnten, als durch einen Zusammenschluß untereinander. s. a. , Die Synagogenvereine Osten und Lichtenberg veranstalten am Mittwoch, dem 10. April, abends 8 Uhr, Im großen Saal der Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Alke 48, eine Kundgcbtmg, die den Zweck haben soll, die jüdische Gemeinde in Berlin zur Errichtung eines jüdischen Zentrums im Osten Berlins zu veranlassen. Das Referat hat R.-A. Dr. Alfred Klee übernommen. m11mm111u1ummm1mmn1mm1nmntm111m1mmm1mnnnr1nmmmn1n11״M1(>1 am 20. und 71. April in Berlin, MeiaeVestr. 10. Beginn: Sonnabend, den 20. April, abends 9 Uhr. Referat: Dr. Siegfried Kttnowitzi ״Der Stand der zionistischen Argumentation“ Sonntag, den 21. April, vorm. 9!/8 Uhr. Referate: Dr. O. Wolfsberg, Dr. Georg Landauer■ ״Erez Israel und seine Bedeutung Hir das Judentum“ nachm. 3‘/3 Uhr. Referat: Dr. Max Mayer: ״Jüdische Entwicklungsmöglichkeiten in der Gallith" Teilnehmerkarten sind bei der Z. V. f. D-, Meinekeatr. 10, zu beantragen. UUUUUUIUUUWIlUIIIUlIHNIIIUIIUIIUIMUmUinMlIIIIUIUIIIIIIMUlHUIIlUIHmiUHIH Vortrag ProL David Kolgen ״Der geschieht«־ und religionsphilosophische Gedanke im Judentum." Bereit« in seinem umfangreichen Werke ״Ideen zur Philo- »ophie der Kultur, Der Kulturakt,“ (München iqto) hatte David Koigen *ich als scharfsinniger geschichUphiloaophucher Kopf erwiesen, der den geschichtlichen Prozeß der Kulturontwiekhing bis auf sein Knochengerüst bloßzulegen verstand, und dessen Arbeit innerhalb des Gesaintbereich* der Philosophie am besten mit der des Anatomen innerhalb der Medizin verglichen werden kann. Koigen philosophiert weniger ״mit dem Hammer" (Nietzsche) ab mit Messer und Skalpell und mit diesem, bei ihm allerdings manchmal üherscharfen Werkzeug hat er zum Teil ganz hervorragende Forschurigsergebnisse erzielt. Es ist nun besonders zu begrüßen, daß Koigen auch mit der Betrachtung und Durchdringung der jüdischen Geschichte begonnen hat, und man darf wohl von dieser Arbeit, die tiefer dringen kann, als di!■ der reinen Historiker, manches Wertvolle erwarten. In einem Vortrag ״Der Aufbau der historisch•n Welt im Judentu m“, den Prof. Koigen vor etwa einem Jahre in der ״Hochschule für dio Wissenschaft des Judentums" hielt, ging er von dem Godankcn aus, daß die Struktur der jüdischen Geschichte der Struktur der Geschichte überhaupt koagruent ist. In einem im ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur" au» 1(!. Mürz igaq gehaltenen Vortrag über den ״geschichts- und rchgionsphilosophischen Gedanken im Judentum" führte er diesen Gedankengsng weiter. Aus geltend von den pessimistischen Theorien moderner ’Geschichtsphilosophen wie Oswald Spengler, wonach u. a. die weltgeschichtlichen Kulturen im Vergleich zu den primitiven Örkulturen als reflektorische ״zweite Geistigkeit" erscheinen, versuchte der Vortragende den Nachweis zu führen, daß bereits dio ehemalige nationale Kultur der Hebräer (ungefihr von 3800—:400 v. Chr. und weiter bis zur endgültigen Invasion in Kanaan und Kolonisation des Landes und bis zur Begründung der Stadt-Staaten der Richter) die vorbiblischo tolemistisch-tabuistische religiöse Gemeinschaft überwindet und dio Grundlage zu eigenem schöpferischen Schaffen legte: die Bundes-Gemeinschaft (״Br1th‘*) trat an Stello der vorbiblischen Verwandschaft«- (der Blut«-)Gemeinschaft. Dem Gott dieser historischen Bundesgemeinschaft, entstanden durch einen neugearteten religions geschichtlichen (Jrakl, entspricht soziologisch die Urnation als Trägerin der umationalen geistigen Bindung, durch dio erst die Stimme und Geschlechter in t!ino Volksgemeinschaft umgewandelt wurden. Der Inhalt des Israelitischen Glaubens ist dementsprechend auch die Treue und das Zugehörigkeilagofühl Gott und Volk gegenüber, der besondere kultische und sozialpolitische Ritus, und in ethischer Beziehung tritt m die Stelle der bei dem anderen Völkern üblichen Blutshaftung die sittliche Gesamtverantwortung. Da« Volk der Genossen des ״Bundes" wird abgelöst durch das ״Volk dar Berufenen", das durch dio Prophetie, die Umwertung der früheren Geschichtstreue und des Staats- und Machtbugriffs charakterisiert ist. In diesem Stadium kommt bereit* das Probier» der Theodizee auf, und dessen Lösung wird versucht. Dar Kolonisiomngstrieb wandelt sich in einen Mission»- trieb. — Nach dem staatlichen Zusammenbruch beginnt in dem Begriff dns ״Haust» Israel“ dio Unterscheidung zwischen der Gemomdo und dem Einzelnen. Im pharisäisch-lalmudischen Judentum entwickelt sich eine vertikale, jenseitig-diesseitige (Iranszendent-immanentc) Geschichtshindling des Individuums. Kultische Gebote und dio Mizwoth bilden (be Leiter zwischen ״dieser“ und ״jener“ Welt. — Ein völlig neues Bild zeigt erst wieder die Aufklärung»- epocho mit ihren beiden Hauptströmungen, der chassidischen Mystik und der rationalen Wissenschaft. — Das sind in kurzen Zügen die Grundlinien des gedankenvollen Vortrags, der an die Zuhörer bis weilen nicht geringe Anforderungen stritte, wenn sie den tiefgründigen Ausführungen Prof. Koi^ens auch in ihren sdm*riMr«n '’ '* t~‘r, ■■'■ז' •' .־'* .. —St.p.׳'? Zionistische JageatUagang In Köln Am IT. März fand in Köln eine von der Z. V.v'*'. und den Oruppenverbänden Linksrheinland und RechtsrV tniand- Westfalen veranstaltete Jugendtagung statt, die zunächst durch die große Beteiligung bemerkenswert war. Zirka 250 Jugendliehe Teilnehtner, die dem K. J. V., Kadiinah, Zeire Misrachi, Bar Kochba, J. J. W. B. angehörten, waren vertreten. Die Vormittagssitzung war ausgefüllt von einem Referat von Rabb. Dr. Grü newald, Mannheim, über: ״Aufgaben und Grenzen der Jüdischen Gemeinde“. Er kennzeichnete das Wesen der Gemeinde durch drei Tendenzen: 1. der Autonomie, 2. der Solidarität und 3. der Säkularisierung. Als Aufgaben der Gemeinde nannte er folgende: 1. Kampf gegen die Vereinsbildung (die Gemeinde soll alle Bedürfnisse ihrer Mitglieder von sich aus befriedigen), 2. eine richtige Vertretung (Männer, die Opfer zu bringen bereit sind und auch über das nötige jüdische Wissen verfügen), 3. das Streben, aus der Enge der lokalen Aufgaben herauszukommen und die ^großen jüdi« sehen Aufgaben zu erfüllen (Palästinaaufbau, Forderung der Chaluriuth, jüdischen Lehrern sollen Palästinareisen ermöglicht werden). Im allgemeinen forderte er Erneuerung des Ethos und Veränderung der jüdischen Lebenshaltung. In der Diskussion wurde es als ein Manko dieses Referats empfunden, daß die Gemeindearbeit nicht in das System zionistischer Arbeit überhaupt eingegliedert, sondern als etwas für sieb alleinstehendes betrachtet wurde. Es wäre notwendig gewesen, über die positiven Zielsetzungen der Gemeindearbeit überhaupt noch nachzuweisen, wie weit die Mitarbeit an der Gemeinde eine Aufgabe des jungen Zionisten ist und welche Möglichkeiten jüdischen Lebens und jüdischer Erneuerung innerhalb der Gemeinde liegen. Am Nachmittag sprach Dr. Max Mayer über ״Die Position des jungen Zionisten innerhalb der jüdischen Jugend“. In der Diskussion kamen die verschiedenen zionistischen Anschauungen zum Ausdruck. Es sprachen von den Bünden u. a. Dr. Leibowitz für die Zeire Misrachi, Ernst Bloch für den J. J. W, B., als Vertreter des jungen K. J. V. Hans Ca pell. Ueber die Stellung des jungen Zionisten innerhalb der neutralen Jugendbewegung sprachen Studienrat Levy Wolff und Manfred Vöhl. In der Nachmittagsdiskussion sprach nochmals Dr. Grünewafd. Er betonte, daß es Aufgabe der Zionisten sei, mit dem Willen zur Verantwortung in der Gemeinde mitzuarbeiten. Der jugendliche Zionist müsse sich für die Verwirklichung des sozialistischen Aufbaus Palästinas einsetzen. Als positives Ergebnis der Tagung ist die Gründung des Jugend - Führerseminars zu werten, an dem sich sämtliche zionistischen Jugendverbände beteiligen werden. Diese Tagung trug als einen ersten Versuch noch manche Mängel in sich. Var allen Dingen fehlte ein inhaltlicher׳ Mittelpunkt, eine zentrale Frage, um deren Lösung man rieh dort hätte gemeinsam bemühen können. Sinn solch einer Jugendtagung ist die Ueberwlndung der Fremdheit und des Mißtrauens innerhalb der zionistischen Jugend, die Bekundung des Gedankens der Solidarität der zionistischen Jugend und die Schaffung gemeinsamer Arbeitsgebiete. Diesen Aufgaben ist diese erste Tagung nur zum Teil gerecht geworden. Hoffen wir, daß cs nur ein Anfang war und daß man bei weiteren zionistischen Jugendtagungen ein Stück weiter vorwirts kommt Als erste Begegnung nach vielen Jahren der Auseinanderentwicklung war schon diese Tagung für alle Teilnehmer anregend und bestärkend.