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Jüdische Rundschau · 1929-04-05 · Heft 26-27 (5.4.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 26-27 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 168 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 26/27, 5. IV. 1029 w>)׳2)F . rrrrr^pau.yt^U 4-7 ׳4 fl• 1J0• MC** kfi*n-nu oto -/re K<?/• f-'Wiil'Ue>-//€-oho tj'//?hMet-krt-tu* &'-/ro •?o -//־£ - Jjo r/r/-#L . —■ .“"**9• 1 * ׳ «**•«J* fr. J■»iuetse-gjo U׳fc /Hu, /tilif-fu - ־Hf£ al te-litifa. &€-c- ׳?&*/! •) Rasumni war der berühmteste Artist enter den Kantoren des vorigen Ja! f'.underts nudl ist in seiner Art bis beute unersettt jebliebtti. Unser ״E10h*t*u® ist besonders ctardh sein *Wtaher Ubbeau“ berühmt geworden. ft!mmm1m111fn!n1t111!MtiHH1!11111tHiit1(11t1H1!t1Hf}1!it(11i!!t1f11i^ nun In denjenigen Partien geglückt, in denen die Diskrepanz der beiden Klangsysteme bewußt künstlerisch ausgenutzt wird, in dem Chor, Orgel und Harfe einen diatonischen Hintergru nd ergeben und das tonisch ganz andersartige Solo den Vordergrund. (Es scheint überhaupt für Phonogramme geeignet zu sein, den Zeitablauf der Musik in etwas ״Räumliches“ umzusetzen, während Versuche in plastischer Riehtung — etwa durch starke Crescendi oder decrescendi — meist katastrophal wirken.) Trotz aller Einwände, die man z. B. gegen die europäischharmonikale Ausdeutung dieser orientalisch anmutenden Melodien haben kann, ist hier doch etwas ganz Neues und Außergewöhnliches entstanden. Etwas, das von den sonstigen Bearbeitungen jüdischer Kultmusik wesentlich abweicht. Besonders schön klingt das ״Anna a d o n a j“ mit dem begleitenden Frauensummchor und dem ,,Bam, bam, bam“ des Männerchors (das noch etwas schärfer herauskommen dürfte); dann das ״Awinu malkenu“ mit dem rezitativischen Violinsolo. (Ueberhaupt ist die Violine durchweg sehr reizvoll verwandt.) Sehr interessant ist das spaniolische ״Jigdal“: in dqn Sechsachtel-Partien ist spanischer Einschlag, in den Dreiviertel- Perioden christlicher Kirchengesang zu spüren. Der Bearbeiter hat hier den Wechsel von Solo, Minnerchor, Frauencher und Orgel apart zu nutzen verstanden. Auf Odeon 0—6687 gibt es eine sehr merkwürdige Aufnähme: ״T i k a n t o S c h a b b o s“ von Chemja W in awer (auch unter seiner Leitung vom Chordes Friedenstempels gesungen). Die Komposition ist zwar nicht ganz frei von Anklängen an übliche westeuropäische Kultmusik, weist aber in der unkonventionell-freien und leidenschaftliehen, oft bis zur äußersten Aufgipfelung inbrünstigen Struktur der rezitativischen Melodie auf osteuropäische Lieberlieferungen. Auf derselben Platte ist In gleicher Besetzung eine hochinteressante ״H a w d a 1 a h“ von S i 1 b e r t s zu hören. Die Behandlung des Chor- und Orgelsatzes ist absolut neuartig. Auf Columbia-Rekord erschien eine sehr prächtig und repräsentativ aufgemachte Chorbear beitu 11g des Kol Nid re, mit machtvollem Sologesang Si rotas , begleitet von Almau. Technisch eine der best gelungenen Aufnahmen. A. J.-L. Jüdische Musik in Berlin Armi. d. Red. — Unlängst fanden in Berlin an drei aufe. in anderfolgen den Wochentagen drei Vorträge über jüdische Musik statt. Ucber zwei dieser Veranstaltungen (״Ostjüdisches Volkslied“ und ,jSynagogale Musik“) wurde vor kurzem, in der ,Jüd. Rundschau“ referiert. Der Bericht über die dritte wird hiermit nachgetragen: Prof. Adolf Weissmann über moderne jüdische Musik Vor einem Auditorium, dem viele erstrangige Fachgenossen und Musiker beigesellt waren (Prof. Schönemann, Prof. Klaus und Heinz Pringsheim, Dr. Hugo Leichtentritt, Rudolf Kästner, Karl Westermeyer, Arno Nadel, Erich Walter Sternberg, Leo Kopf, Dr. Heinz Unger, Michael Taube usw.I hielt Professor Adolf Weißmann einen Vortrag über ״Moderne jüdische Musik“ zu dem Herr und Frau Dr. Bernhard Kahn für das ״Komitee zur Förderung des Musikwesens in Palästina" in den ״Kaiserhof“ eingeladen hatten. Der Vortrag behandelte keineswegs in erster Linie das Vorgesetzte Thema, d.b. den gegenwärtigen Stand der jüdisehen Musik, dem Weißmann etwas skeptisch gegenübersteht. Zunächst nahm der Redner diejenigen Komponisten jüdischer Rasse unter die Lupe, die der allgemeinen Musikhistorie angehören: Mendelssohn; Meyerbeer; Offenbach; Mahler; Arnold Schönberg, den er den ״Talmudisten unter den jüdischen Komponisten" nannte; Komgold; Toch; Weill. Bei allen Kamponisten jüdischer Abstammung stellte er als gemeinsames Charakteristikum eine Synthese aus contemplaiiver, abstrakter, metaphysischer Veranlagung einerseits und eine Tendenz zu äußerlichem Virtuosentum und Materialismus andererseits fest Als zweite Kategorie behandelte Prof. Weißmann diejenigen jüdischen Komponisten, denen die Absicht, jüdische Musik zu schreiben, innewohnt. Er erwähnte Bloch, Milhaud, Nadel, Sternberg, Sandberg sowie die beiden Gruppen der Moskauer und Leningrader Komponisten: Milner, Achron,Ssaminsky, Gtiessin, Weprik und die Kreins, die eine russisch-jüdische Synthese in der Musik erstreben, bestärkt durch das Faktum,daß es m der Musik in Rußland nie einen Antisemitismus gegeben habe. Der Vortrag klang in den Wunsch aus, daß. Palästina, das den starken Trieb nach Musik habe, die Möglichkeiten einer solchen auch erhalten möge. In einem Nachwort betonte Arnold Zweig, daß erst dann eine großformatige jüdische Musik entstehen könne, wenn in der palästinensischen Gemeinschaft das soziologische Aufnahmeorgan entstanden sein wird. Den Vorträgen ging ein Konzert voraus, das trotz der ausgezeichneten Interpreten Oolland, Szreter, Rostal leider keine rechte Vorstellung von dem geben konnte, was moderne jüdische Musik ist, da es außer drei kleinen und nicht repräsentativen Klavierstücken von Krein und Michael Lewin nur ein paar längst bekannte Werke enthielt (״Ad ana adonaj" von Milner, ״Kaddisch“ von Rjvel, ״Drei Chassidim-Stimmungen“ von Bloch). A. J.-L. Jüdische Musik in der Schule der Jugend Die Musikkurse der Schule der jüdischen Jugend arbeiten bereits zwei Trimester. Im ersten Trimester wurden einige moderne volkstümliche Lieder von Joel Engel und A. Weprik durchgenommen und im Chor gesungen. Zugleich wurde durch Erklärung, Schallplatten und Erläuterungen am Klavier eine Einführung in das Wesen alter und neuer jüdischer Musik begonnen und im zweiten Trimester in einem besonderen Vorbereitungskurs fortgesetzt und vertieft, die es sich im wesentlichen zur Aufgabe machte, durch spezielle Systematik die gehörmäßigen Grundlagen für jüdische und moderne Musik zu erarbeiten. Orientalisch-jüdische Nigunim wurden zugrunde gelegt Es wurden auch Melodien improvisiert und vom Chor gesungen. Ferner erarbeitet: die chroma- '■׳«syMf'(.%rid'׳dieL:öähztonleifef; Or-' gelpunkt, Basso ostinato, Notenabsingen (auch von rechts nach flnks und in verschiedenen Schlüsseln), */4-, %-, 4/«*Takt. In der Singstunde wurden einstimmige und mehrstimmige Chöre una Sologesänge aus A. Honegger’s Orator i u m ״König David“ gesungen, die Orchesterpartien am Klavier gespielt, die drei Marsche Improvisatorisch instramentiert (Fagott, Geige, chines. Fell-Tora-Toms und Klavier). Erstrebt wird auch in den nächsten Trimestern eine vertiefte Auffassung und Kenntnis des Wesens der jüdischen Musik. Für die nächsten Trimester wird beabsichtigt: ein Kurs über Volkslieder, eine Orchesterstunde und eine Vorbereitungsstunde für« ״Unmusikalische“ und für ״Uranfänger“. — Musikabende. Leitung der Kurse: Alice Jacob-Loewenson. Konzert Leo Kopf Unter der Leitung ihres Dirigenten Leo Kopf veranstaltete die ״Jüdische Orchester-Vereinigung“ mit Unterstützung eines gemischten Chores und vortrefflicher Solisten einen Abend im Konzertsaal der Hochschule für Musik, der vielseitiges Interesse hervorrief. Wenn man bedenkt, unter welchen Schwierigkeiten Herr Kopf arbeitet, muß man ihm zu dem Erfolg der vorzüglich vorbereiteten Veranstaltung gratulieren. Die gute Vorbereitung war besonders aus der Wiedergabe des uraufgeführten Kol nidre von Erich Walter Sternberg ersichtlich. Diese Komposition unternimmt es, unsere bekannte Kol-nidre-Weise voll und bedeutsam innerhalb ihrer düsteren Sphäre mit modernen Orchesterklängen zu untermalen. Und es gelingt dem Komponisten, ein Werk von internationalem Gepräge zu schaffen. Alle Üntertöne, Nebengefühle und alle hebräischen Melodien, die in der Seele am Kol-nidre-Abend lauschen und weben, verbinden sich hier zu einem aufregenden, farbigen, und dennoch klaren und harmonischen Ganzen, das lange nachtönt und das wir gern sofort noch einmal gehört hätten. Die jüdischen Konzerte größeren Stils, und nicht nur diese, haben wieder eine Nummer von Rang. Iso Golland von der Staatsoper sang wie ein Chasan und Künstler und kämpfte mit Glück gegen das anstürmende, von Kopf ausgezeichnet geleitete Orchester. Als eine Bereicherung unserer synagogalen Tonkunst kann man auch die Spaniolische Synagogenmusik von Leo Kopf bezeichnen. Namentlich die Nummern ״Im afess“, ״Jedej raschim“ und ״Jigdal“ sind von melancholischem, holdem Zauber. Leo Gollanin, der in letzter Minute für den Anreger dieser sfardischen Stücke, für Herrn Albert Plnkas, einsprang, ließ wieder in allen Stücken, besonders aber im hochgelegenen, dunkelfarbigen, das Maurisch-Jüdische stark zum Ausdruck bringenden sogenannten ״Jigdal“ seine_ eigenartige Kunst leuchten. Ebenso die glänzend sich einfühlende Geigerin Grete Eweler, der prächtige Harfenist Kammermusiker Julius F o t h, der führende Cellist Vici M r 0 s und der immer unserer jüdischen Musik in Treue dienende Organist Arthur Z e p k e. Der Chor leistete Vorzügliches, una das Orchester weckte, namentlich durch die Wiedergabe der Ecksätze der Italienischen Symphonie von Mendelssonn, die schönsten Hoffnungen auf gewiß bald folgende neue Abende dieser jungen Vereinigung. Arno Nadef. Jüdische Musik in Wien Jede Musikkultur bildet sich zwischen dem Musikschaffen und dem Musikgenießen, aus der Wechselwirkung dieser beiden Faktoren. Nicht nur Achtung und Anerkennung, sondern eine innere Verbundenheit mit der Musik befruchtet und beeinflußt die Entwicklung und Erstarkung derselben. In bezug auf die ״jüdische Musik“ die im Laufe eines Vierteljahrftunderts einen überraschenden Aufstieg genommen hat, sehen wir vorläufig, daß ihr eine große Zuhörergemeinde noch fehlt. Die jüdische Musik zählt eine ganz kleine Gruppe für sich und eine große Mehrheit von Zweiflern* Verneinern und Gleichgültigen gegen sich. In dieser Richtung ist es In Wien nicht anders, als in den übrigen großen Städten. Man stößt überall auf gleiche Widerstände, ähnliche Schwierigkeiten, auf eine unerscn&tter• liehe Indifferenz allen kulturbildenden Bestrebungen gegenüber. Wiederholt Versuchte Wan in Wien einen ״Verein zur Förderung jüdischer Musik“ ins Leben zu rufen. Stets blieben diese Versuche in ihren Anfängen stecken, oder es kam eine einzelne Veranstaltung zustande, die jedoch keine Vorstellung vom musikalischen Schaffen der heutigen Generation jüdischer Musiker vermitteln konnte. Mit der Gründung des neuen zionistischen Blattes ״Die Stimme“ (Januar 1928) und Schaffung einer ständigen Rubrik ״Jüdische Musik“ unter Leitung des Schreibers dieser Zeilen trat eine merkliche Wandlung ein. Durch eine Reihe von Aufsätzen und Berichten auf aas Musikschaffen unserer heutigen Musiker aufmerksam gemacht, setzte spontan ein regeres Interesse für die jüdische Musik ein. Heute ist jeder kleine oder große Verein bemüht, bei seinen Veranstaltungen ein Programm jüdischer Kunst zu bringen. In diesem Zusammenhange konnte neuerdings unter dem Patronat der Loge ״Massadah“ und mit Unterstützung der Humanttätsvereme B’nai Brith ein ״Verein zur Förderung jüdischer Musik“ gegründet werden. Der Aufgabenkreis ist von ganz besonderer Prägung. Es gilt, die neue Entwicklung in der jüdischen Musik aufzuzeigen, alles Werdende und Neue, sofern es echt und künstlerisch hochwertig ist, zu fördern, weiteste Kreise mit den Werken bekannt zu machen. Nie waren in Wien so viele Werke jüdischer Musik zu hören wie in diesem Winter. In einigen internen Abenden und in einem öffentlichen Konzert (veranstaltet vom Keren Kajemeth und der Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs) wurden folgende Werke aufgeführt: Alex. Krein (Klarinettenquintett, neue Lieder, Klavierstück), Weprik (Chant rigoreux für Klarinette, Volkstänze für Klavier), Achron (Lieder, Hebräische Melodie für Cello und als Hauptereignis die Kindersuite für Sextett, die einen ungewöhnlich starken Anklang und Beifall fand), M. Milner (Gesänge), Emest Bloch (Drei Stücke), Rudolf Reti (Hebräischer Tanz), J. Stutschewsky (Eli, Eli, Dweikuth, M’chol Kedem) für Cello, Wolfsohn (Paraphrasen über altjüdische Volksweisen) und Volksmusik für Gesang und instrumentaler Bearbeitung. Wir dürfen nicht übersehen, daß wir uns bei alledem in der ״Sturm und Drang“- Periode befinden, wobei noch viele zersplitternde Momente — Fehlen einer Ueberlieferung, des einigenden Fluidums eines eigenen Landes u. a. m. — daran Schuld haben, daß nicht genügend reife Werke entstehen. Wir kämpfen heute um den eigenen, künstlerischen Ausdruck, für einen neuen jüdischen Stil in der Musik. Jüdische Musik im Gegensatz zur Musik von Juden! Neben der Tätigkeit des Vereins ist noch die des ״Wiener jüdischen Gesangvereins“ hervorzuheben, der unter Leitung seines neuen Chormeisters A. Dzimitrowsky, eines zlelbewuBten Musikers und gründlichen Kenners der jüdischen Musik, in der letzten Zeit zu einer neuen Aktivität erwacht ist. Im Vordergrund des Interesses stehen vorderhand die Veranstaltungen aes Vereins, die auch immer stärker besucht werden und allseits volle Anerkennung finden. Das ProgTamm wirbt hier ebenso Intensiv wie die Ausführenden. Joachim Stutschewsky. Jüdische Musik in Leipzig In Leipzig wurden durch Hermann Scherchen Im Rahmen des ״Allgemeinen Arbeiter»Bildungsinstitutes“ die ״Lieder und T&nze aas dem Ghett# von Alexander Weprik, Moskau, mti starkem künstlerischen und großem Publlkumserfolg uraufgeführt. Weprik, 1899 in Lodz geboren, studierte von!909—14 am Leipziger Konservatorium und ist seit 1923 Professor am Moskauer Staatskonservatorium. Seine ״Lieder und Tänze aus dem Ghetto“ sind das erste Orchesterwerk des nachrevolutionären Rußland, das wir bisher in Deutschland gehört haben, ln seinem Orchesterwerk benutzt Weprik die Melodien und Motive, die noch zur Zeit des Ghetto in Rußland an Hochzeiten und Festtagen gesungen und getanzt wurden. Er enthebt sie ihrer Alltaglichkeit und ihrer reinen Zweckmäßigkeit, indem er sie zu einem poetischen Ganzen umformt und auf ein hohes irmsikalisches Niveau bringt, so daß sie sowohl vom rein künstlerischen und musikalischen Aspekt aus, wie auch für diejenigen, die in diesen Melodien die alten, unter den Chassidim bis heute gehüteten und gesungenen wiedererkenuen, zum Erlebnis werden. Die Mittel, mit denen Weprik sein Orchester zum Klingen bringt, sind auch zum Teil aus rein jüdischem, volkstümlichem Kolorit gewonnen; Anlehnung an die instramentalen Gruppen der jüdischen Volksmusikanten bei lustigen und bewegten Tanzrhythmen; kontemplativer Klang der menschlichen Trauer una des Elends . . landschaftliche Oede und Einsamkeit. Als Vertreter der heutigen, durchaus lebensbejahenden und realistisch eingestellten sowjetrussischen Jugend hält sich Weprik mehr an das Klare, Humorvolle, manchmal Groteske und meidet . die exaltierte Ekstatik, das Synagogale und das Ritualistische Seine musikalischen Inspirationen sind auch auf ihren Höhepunkten poetischer Art, die ihm erlaubt, immer im Rahmen des rein Musikalischen zu bleiben. Sein Orchesterklang ist farbig, mit scharfen Akzenten, die Mittel sind zwar aus der improvisatorischen Eigenart und den Elementen der Volksmusik hervorgegangen, sind aber zu Kunstgriffen um gewandt, orchestral umgedeutet, und darum künstlerisch vollwertig. Beispiel nationaler Musik Zoltän Kodäly: Psaltnus Hutigarieus Das erste Konzert des Hochschulchors, unter Alexander von Zemlinsky, brachte zwei Erstauffühnmgen. Die ״Festliche Messe“ des großen Tschechen Leos J a u a c e k ist ein ganz phantastischer Koloß von aufrührerischer Religiosität und pomphafter kirchlicher Repräsentation. Näher steht uns der nicht minder revolutionäre ״Psalmus Hungaricus“ von Zojtän Kodäly, eine Chor- Komposition bedeutendsten Ausmaßes, der eine altungarische Umdichtung des 55• Psalms zuzrundeliegt. Die Form des Werkes weist weit über die in Europa üblichen Gestaltungen religiöser Musik hinaus: es ist ein großaufgebauter epischer Wechselgesang zwischen Chor und Tenorsolo, mit orchestralen Zwischenspielen. Wie sein Zeit• und Stammesgenosse Bela Bartok dankt Kodäly grundlegende Tendenzen seiner schöpfe־ rischen Impulse seinem tiefen Eingedrungensein in das Wesen der ungarischen Volksmusik. So zeigt auch die Melodik des ״Psalmus“ charakteristische Wesenszüge dieser Kultur. Besonders auffällig ist das an jüdisch-kultische •Rezltative gemahnende, weitausgesponnene Parlando, das ebenfalls, vom ungarischen Volkslied herkommt. Mit dem ״Psalmus Hungaricus“ ist wohl eine der ersten Kompositionen geschaffen, die nation^Itendenziös und eminent aktuell und dabei doch von außerordentlicher musikalischer Qualität ist. Man kann dem jüdischen Volk einen nationalen Stil derartigen Ranges nur wünschen. An dem großen und berechtigten Erfölg des Abends waren die Solisten Käte Heidersbach, Lusta Hammer, Arthur Cavara, Deszö Ernster, Fritz Kleiner sowie das Philharmonische Orchester in höchstem Maße beteiligt. A. J.-L

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