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Jüdische Rundschau · 1929-04-05 · Heft 26-27 (5.4.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 26-27 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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fr. 20/27. 5. rv 1920 jUEDfSCHE RUNDSCHAU Seite 185 Paläsiinafohrt RW, An Bord des ״Carnaro“, 19. März 1929. Das Schiff der neuen Linie des Lloyd Triestlno, die ohne Berührung Aegyptens direkt van Triest—Brindisi nach Jaffa— Haifa führt, hat schon bei der Ausfahrt von Triest einen noch stärker zionistischen Charakter als die Dampfer der Aegypten- Linie (die natürlich nach wie vor weiter verkehren, aber doch auch viele Aegyptenreisende an Bord haben). Nicht mit Unrecht spricht man in zionistischen Kreisen von ״unserer“ Linie. Die Beamten des zionistischen Palästina-Amtes Triest find bei der Abfertigung an Bord, dann setzt sich das Schiff unter den Klängen hebräischer Gesänge in Bewegung. Schon in Triest hört man Klagen. Dies ist begreiflich, da manche Keisende recht hilflos und sehr ängstlich sind, und daher leicht das (jefühl bekommen, daß man nicht genügend für sie sorgt. Das Triester Palästina-Amt wird für mancherlei verantwortlich gemacht, und es ist natürlich auch unangenehm, wenn z. B. bet Ankunft des Berliner Zuges kein Funktionär des Palästina-Amtes zu sehen ist, so daß ein paar alte Juden, die noch Mißgeschi k mit ihrem unbeschreiblich verschnürten Gepäck haben, ohne Sprachkenntnis und verängstigt in der fremden Stadt stehen. Aber die zionistischen Beamten sind festgehalten durch eine neu eingeführte Prozedur der Sanitätspoüzei bei dem eine halbe Stunde früher ankommenden Wiener Zug, die unvorhergesehener Weise eine Stunde in Ansoruch nimmt. Warum diese Prozedur bei dem auf dem andern Bahnhot ankommenden Zug aus Deutschland wegfällt, ist eine der vielen Unbegreiflichkeiten, mit denen man nun einmal in diesen Dingen zu rechnen hat. Das Palästina-Amt ist natürlieh auch abhängig von den jeweiligen Polizei-Vorschriften, die gemäß der Situation variieren (z. B. bei vorgekommenen Krankheitsfällen plötzlich verschärfte Kontrolle usw.). In den letzten zwei Jahren war es relativ still, man bat Beamte entlassen, jetzt wird es wieder lebendig, die Palästina-Reisenden aller Kategorien kommen in größerer Zahl, und die Besetzung des Palästina-Amtes kann den Anforderungen kaum gerecht werden. Es wäre vielleicht gut, über die eingehobenen Taxen irgendwelche Verlautbarungen oder gedruckte Mitteilungen herauszugeben, damit die vom Palästina-Amt behandelten Reisenden nicht das Gefühl bekommen, schlechter gefahren zu sein, als wenn sie auf eigene Faust sich versorgt hätten. Das Mißtrauen ist begreiflich, wenn man bedenkt, daß es schwer ist, in Triest nicht auf Schritt und Tritt übervorteilt zu werden. Wer mit einzelnen Mark rechnen muß, dem ist größte Vorsicht anzuraten. Ein kleines Beispiel: das ״Hotel de Ville“ (in Deutschland als etwa drittklassig einzureihen, aber teurer als erstklassige Hotels in deutschen Mittelstädten) befördert seine Gäste im Hotel-Omnibus zum Schiff und berechnet dafür pro Person 10 Lire. Wer nobel ist und statt mit dem Omnibus in einem eigenen Autotaxi fährt, zahlt (mit Trinkgeld) 5 Lire für den ganzen Wagen ... So geht es in Vielem. Also etwas Mißtrauen ist schon am Platze. Aber endlich sind alle Passagiere doch an Bord untergebracht, man wird bekannt, etwas von Erez-israel-Stimmung ergreift alle, man fährt voll Hoffnungen und Gedanken in die glänzende Sternennacht. Der ״Carnaro“ ist ein kHnes Schiff, ohne Luxus, aber bequem und gemütlich. Er fährt in 54י Tagen (d. h. 5 Tagen und 6 Nächten) von Triest bis Jaffa; die Mehrzahl der Passagiere fährt 3. Klasse, die mit Bett und Verpflegung £5 kostet. Man reist also auf diese Weise Berlin—Jaf'a für zirka 163 M., eine geradezu revolutionäre Neuerung, die zweifellos den Reiseverkehr sehr heben wird, wenn noch ein paar unnötige Mängel beseitigt sein werden. Vor allem für Palästinenser ist diese Route eine große Erleichterung, und in der Tat sind auf unserem Schiffe sehr viele palistinensische Rückreisende. Oie 3. K11s־e <jes ״Carnaro“ hat. Kabipen ,zu lO.upd zu ft Bett«,,sJe,.|lett.en4׳sÄ. Vermietung ״angeälejits des'.Präses recht befriedigetid (auf , Wunsch koscher), die Behandlung anständig, die Bedienung ausreichend, und wenn man nicht seekrank wird, so läßt srh die Reise ganz gut überstehen. Freilich, in wessen Kabine ein paar Kranke sind oder schreiende kleine Kinder, für den wird die Freude sehr beeinträchtigt, und in der Tat blieb eine ganze Reihe von Reisenden 3. Klasse später lieber auf Deck, statt in die so gekennzeichneten Kabinen hinabzusteigen. Der Llovd Triestino. dem die Einrichtung dieser neuen Linie sehr zu Dank anzurechnen ist würde sich ein großes Verdienst erwerben und den Reiseverkehr sicherlich sehr heben, wenn Vorkehrungen getroffen werden könnten, wonach schwer Seekranke oder kleine Kinder separiert werden können. Denn wenn man weiß, daß solches Risiko droht, entschließt man sich natürlich schwerer zur Fahrt: es sei denn im Sommer, wo der Aufenthalt auf Deck auch in der Nacht lei'ht möglich ist. — Die Reisenden 2. und 1. Klasse finden natürlich allen Komfort, und auch sie haben den Vorteil, nicht über Aegypten reisen zu müssen, was strapaziös i־t und die Kosten vergrößert (Die Reise 2. Klasse kostet £ 15 bis Jaffa.) Die Gesellschaft auf dem ״Carnaro“ besteht aus den verschiedensten Elementen, die da auf 6 Tage zu einer ״Schrksalsgemeinschaft“ vereinigt sind. Die Christen rind ent'chieden in der Minderzahl. Ein paar österreichische Beamte, ein deutscher Arzt aus Brasilien, zwei junge Engländer, mehrere katholische Geistliche und eine deutsche Ausgrabungs-Exnedition, dazu noch zwei deutsche Wandervogel-Studenten mit Zupfgeige. — das ist wohl alles. Natürlicherweise interesriert man sich für die jüdische Sache, und der deutsche Arzt aus Brasilien, der keine Ahnung hatte von dem, was in Palästina vorgeht, liest mit Eifer den Hold heim, den er in Berlin am Bahnhof Friedrichstraße zufällig kaufte und der nun, die Runde machend, seine vorzügliche informatorische und propagandistische Wirkung erweisen kann. Auch unter den Juden sind einige Ahnungslose, aber die große Mehrzahl ist zionistisch. Hebräisch ist (nach Deuts-h) die meisfgesprochene Sprache des Schiffes. Palästinenser, Chaluzim, Zionisten aus Berlin, Breslau, Wien u. a. Dazu eine kleine Reisegesellschaft der Agudas Jisroel aus Mea Schearim und aus dem Galuth, das ist das Milieu. Dazu ein sehr sympathisches Schriftstellerpaar aus Berlin, das den originellen Plan hat, mit Motorrad und Faltboot durch den ganzen Vorderen Orient zu fahren. Alle finden sich in gutem Humor und mit rechter Harmonie zusammen, auch divergierende Richtungen vertragen sich, Agudist und ״Ketzer“ werden gut Freund: jeder hört und sieht Neues, man spricht vom Lande, gibt Ratschläge, bereitet sich vor auf das Komwende. (Es kann leider nicht verschwiegen werden, daß die unruhige See später die Stimmung sehr wesentlich herabdrückt.) Leider wird die Möglichkeit, Kenntnisse über Paläs'ina und das jüdische Aufbauwerk aut dem Schiff zu verbreiten, gar nicht ausgenützt. Weder eine Karte von Palästina, noch Tnformationsmaterial, Flugblätter, Routenzusammenstellungen gibt es an Bord, obwohl dafür ein ausgesprochenes Bedürfnis auf Seite der Reisenden besteht. Hier müßte der Zionistische Propagatidadienst oder wenigstens der Pales'ine Lloyd eingreifen. Da die Linie ausschließlich dem Palästina-Verkehr dient, würde die Schiffsgesellschaft sicher der Auslegung von derartigem sachlich interessanten Material keine Schwierigkeiten bereiten. Es sei noch erwähnt, daß die neue Linie an landschaftlichem Reiz reich ist. da sie (seit unserer Fahrt) jetzt regelmäßig mitten durch Griechenland dar hfährt also fast zwei ganze Tage zwisehen Land, erst durch die Enge zwishen Korfu und den schneebedeckten albanischen Bergen, dann zwischen Nord- und Südgriechenland (Golf von Patras, Golf von Korinth) und schließlich durch den tiet eingeschnittenen Kanal von Korinth, etwa 5000 Meter durch dis enge Schlucht zwischen steil ansteigenden Felswänden; aus der Ferne eröffnet sich dann der Blick auf die Akropolis. Das klassische Ebenmaß der griechischen Landschaft verdämmert im Abend. * Es gibt schon einen Vorgeschmack palästinensischer Problematik. Das Land der jüdischen Zukunft -*-• wird es der Abbröckelune des Judentums Einhalt tun? Ein reicher russischer Jude erzählt von seinen Kindern, die in Deutschland schnell assimiliert wurden. Die Tochter war vor 5 Jahren mit ihm in Palästina, wurde schnell zur Bourgeois-verachtenden Genossin, lernte dort hebräisch, als Vierzehnjährige; heute als Studentin der Medizin in Deutschland, steht sie den Vorschlägen des Vaters, ihr in Tel-Awiw ein Haus einzurichten, kühl gegenüber. Der Vater gibt ihr einen Monatswechsel von 1000 M. und ist ängstlich besorgt um ihre Bildung und ihr Wohlergehen; aber wird sie auch jüdisch das halten, was er *rsehnt? Der merkwürdige Riß, der durch die Generationen geht, wird hier leibhaftig fühlbar. Der Alte pflanzt Plantagen in Erez- Israel, aber wer sind seine Erben? — Ein anderes Bild: ein Chalukka-Jude, geboren in Jerusalem, erzählt mit viel Humor eine Geschichte aus seinem eigenen Leben, nur 20 Jahre zurückliegend und doch so fern scheinend wie das graue Mittelalter des russischen Ghettos. Er und sein Freund, beide Empfänger einer Chalukka von 2 Napoleon (zirka 53 Frcs.), lassen sich von einem Juden die Herrlichkeiten des Gebirgsdorfes Pekiin (bei Akko) schildern, wo man für »/» Napoleon im Ueberfluß leben könne, so daß sie da Geld sparen und es sich obendrein gut gehen lassen können, statt in der dunkeln Jeschiwa lerusa- Tems zu sitzen. Wie die beiden ausziehen, von ihren Frauen Abschied nehmen, sich durchfragen zu den ״roten Jideloch“, XVI. Zionisten-Kongrefl Willst Du mttbestlmmen, mußt Du mitwählen! Willst Du das Wahlrecht haben, mußt Du den Schekel kaufen! Letzter Tag der Schekel- Abrechnung am 27■ Mai 1929 mit verschiedenen Schiffen und Diligen״en fahren, um schließlieh, mit ihren Packeln beladen, vor der trostlosen Armseligkeit des Dorfes Pekiin zu stehen (und natürlich umzukehren) — das ist eine so fraopante, in die lebende Wirklichkeit unserer Gegenwart (oder fast Gegenwart!) übersetzte Variante der Geschichte Benjamins HI. und Senderls, so ganz im Stile Mendeles und Scholem Alechems. daß man daraus mehr jüdischen Volkscharakter lernen kann als aus vielen Abhandlungen und theoretischen Analysen. So ist das Volk, so sind die Typen, — heute fährt man nicht mehr mit der Diligence sondern mit dem Auto, und die Schlaraffenherrlichkeit von Pekiin kann heute selbst dem in finsterster Chalukka-Abgeschiedenheit aufwachsenden Jerusalemer Juden nicht mehr imponieren. Die Zeiten . ^«L caläSj-iuemisclief• Meudele hätte sie,- die Reste solcher Romantik zusammenzuklauben, ehe es zu spät ist Vom Hinterdeck ertönt der Gesang der Chaluzim , . , Tel-Awiw, 20. März. Bei der Landung in Jaffa müssen die Passagiere 3. Klas-e eine lästige Quarantäne durchmachen, von der die l. und 2. Klasse frei sind. Kleider und Gepäck werden desinfiziert. Man fragt sich vergeblich, wozu das nötig ist, wenn nicht der geringste Verdachtsgrund vorliegt. Die Passage 3. Klas־e (und damit für viele überhaupt die Reisemöglichkeit) wird durch solche Maßnahmen stark entwertet. Verantwortlich dafür ist der Bürokratismus der Palästina-Regierung, auf die die Bevölkerung des Landes ohne jeden Einfluß ist. Der Widersinn springt in die Augen, wenn man bedenkt, daß bei der Einreise über Aegypten keinerlei Untersuchung stattfindet. Wer in Alexandria landet, fährt unbehindert mit der Bahn bis Jerusalem. Warum also zweierlei Maß? Man müßte eine individuellere Behandlung fordern, zumal bei Schiffen wie ״Carnaro“ in der 3. Klasse nur anständiges Publikum fährt, dessen Stand und Art leicht kontrollierbar sind. Warum muß das Betreten des Bodens des Landes, das im Morgenlicht vor dem bezauberten Auge daliegt, mit einem derartigen Mißton beginnen? Ein Tbeodor-Herz1*Denknal Wien, 2. April. (J. T. A.) Hervorragende jüdische und nichtjüdische Schriftsteller, Gelehrte und Wirtschaftsführer in Wien, Berlin und in anderen Kulturzentren haben sich als Herzl-Gedächtnis-Komitee konstituiert und ve öffentlichen einen Aufruf zur schnellen Aufbringung eines Fonds, damit das Komitee in die Lage versetzt werde, das geplante Theodor- Herzl-Denkmal an Herzls 25. Todestag, dem 3. Juli, enthüllen zu können. Die ״Neue Freie Presse“, deren Redaktionsstab Herzl viele Jahre lang bis zu seinem Tode angehört hat, eröffnete eine Zeichnungs'iste für den Herzl-Denkmal-Fonds. Von den jüdischen Persönlichkeiten, die in dem Aufruf Unterzeichneten, sind besonders zu nennen: Professor Albert Einstein, Jakob Wassermann, Franz Werfel, Stefan Zweig, Ludwig Fulda, Max Brod und der Maler Lesser Ury. in dem Appell wird gesagt, Herzl habe den zionistischen Gedanken gleich einer brennenden Fackel in die Welt geschleudert, und in dem Vierteljahrhundert seit seinem Tode ist eine Idee Gemeingut der zlvi'isierten Welt geworden, in dem Appell wird auch auf Herzl’s Leistung a’s Schöpfer einer besonders reizvollen Feuilleton-Form hingewiesen. Me Mission!0 Palästina Jerusalem, 2. April. (j.T.A.') Wie die JTA. erfährt, läßt die Jerusalemer Bnei Brith-Loge dem Zentralrat des U. O. B. B. in Cincinnati ein Memorandum überreichen, in welchem die Notwendigkeit betont wird, der Tätigkeit der christlichen Mission in Palästina durch geeignete Maßnahmen entgegenzuvvirken. Ein Mitg'ied der Je usalcmer Loge, D u c h e n oegibt sich demnächst nach Cincinnati zur persönlichen Berichterstattung vor dem Zentralrat. im Zusammenhang mit der ökonomischen Krisis in Pa'ästina hat sich die Missionstätigkeit in diesem Lande verstärkt. Verarmte Eltern senden ihre Kinder in die Missionsschulen, wo kein Schulgeld zu zahlen ist und wo die Kinder mit Kleidern usw. unterstützt werden. Die Tote-Meer-Konzession Wt> haben in der vorigen Nummer über die Debatte da eng, Hachen Oberkauset in Angelegenheit der Tote-Meer •KonzesaUm berich• let. Nachstehend geben wir nach dem amtlichen Protokoll dm Ober, hautet die Hede wieder, die Lord M eiche 11 za dieser Frage ge, halten hat. Er führte am: Ich würde in die Debatte nicht eingegriffen haben, wenn ich nicht vielleicht etwas mehr über das Tote Meer und die chemische Industrie wüßte als manche der edlen Lords, die sich an das Haus gewandt haben. Ich glaube, es ist eine sehr gefährliche Sache, daß Feststellungen in dem Hause gemacht werden, welche später von manchen nicht zu gewissenhaften Gründergesellschaften und Finanzgruppen dazu benutzt werden könnten, Unvorsichtige durch die Idee zu ködern, daß in dem Kali des Toten Meeres ein goldener Schatz vergraben sei. Es ist eine sehr große Uebertreibung, sowohl was das Monopol des Kali als auch die Seltenheit desselben betrifft Kali, das ist eine Tatsache, ist ein Mineral, von welchem sich in der Welt ein großer Ueberschuß befindet. Nur dank der sehr großen Einschränkung und Reduktion der Produktion des deutschen Kali (heute auf etwa 53°0), wird der Preis auf einer einigermaßen mäßigen Höhe geha'ten. Darum muß derjenige, welcher die Absicht hat, Kali zu produzieren und irgendeinen Teil der Erde damit zu beliefern, Europa oder sonst wen, angesichts der Konkurrenz des deutschen Kali sich vor Augen halten, daß, wenn irgend eine ernste Konkurrenz einsetzt, der Preis wahrscheinlich auf mindestens 2 Pfund pro Tonne fallen würde, und was als ein profitables Oeschäft erschien, würde sich kl einen Verlust verwandeln. Es gibt große Lager von Kali in Frankreich und in Spanien, für die man mich zu interessieren versuchte, und es gibt große Lager in Polen, welche erst jetzt ernsthaft entwickelt werden. Daher ist die Schilderung des deutschen Kali- Monopols eine Uebertreibung. Nachdem ich das ausgeführt habe, möchte ich sagen, daß das Tote Meer eine interessante Sache darsle'lt. Ich bin dort wiederholt gewesen und habe diese Angelegenheiten mit Experten diskutiert, die dort manche Arbeit geleistet haben. Ich kenne Herrn Nowonte jski, und ich habe diese Sache mit deutschen, französischen und eng'ischen Exoerten erörtert Keiner von ihnen empfiehlt, daß große Finanzgruppen in dem Kali des Toten Meeres Investionen machen so'iten. Es mag merkwürdig erscheinen, daß wir ziemlich viel von dieser Konzession hören, und doch nicht eine wichtige Finanzgruppe in der ganzen Welt es für wert gehalten hat, eine Konzession zu fordern. Die edlen Lords haben erlaubt, daß ihnen Informationen unterbreitet werden, von denen sie vielleicht keine persönliche oder technische Kenntnis haben mögen. Ich sage, das ist gefährlich. Diese Schilderungen, in einem Prospekt niedergelegt, können Leute mit ungenügender Kenntnis dazu bringen, sich in — ich muß sagen — ziemlich spekulative Unternehmungen einzulassen, ich kenne die Gruppe nicht, auf die sich der edle Graf bezieht Ich habe niemals von ihr gehört, obgleich viele Leute an mich wegen dieser Sache herangetreten sind und obgleich viele Finanzfreunde in vielen Ländern mich gefragt haben, ob ich der Meinung bin, daß sie diese Sache aufgreifen sollen. Der Angriff des edlen Grafen gegen Herrn Rutenberg ist ziem'ich unfair. Zufällig bin ich ein Direktor innerhalb einer Gesellschaft, die gebildet wurde, um Palästina mit billiger Elektrizität zu versorgen. Warum wurde diese Kon- Zession diesem Herrn erteilt? Sie wurde gegeben, weil er ein ganz kompetenter Elektro-Ineenieur war, der darum ersucht hat Der edle Graf kann keine Kenntnis haben von den Jahren voller Schwierigkeiten, die wir hatten, um das »ölige Kapital tu Waden und davon, -welcher Dank Herrn Rutenberg von den drei erfolgreichen High Commissioners ausgedrückt wurde. Ich glaube, er würde diese Art des Ausdrucks, den er gebraucht hatte, wieder zurückziehen. Darf ich fragen, ob kein palästinensischer Bürger eine Konzession in Palästina haben darf, weil beide, Nowomejski und Rutenberg, palästinensische Bürger sind. Um eine Konzession itt Palästina zu bekommen, muß man scheinbar Bürger einer andern Nation sein. Sicherlich kann eine derartige Forderung nicht gerechtfertigt werden. Es ist Zeit, daß man anerkennt, daß es so etwas gibt, wie eine palästinensische Nation. Es ist nicht richtig zu sagen, daß Herr Rutenberg ein russischer Jude ist. Er ist ein palästinensischer Juda Ich muß einen Protest erheben gegen die Bestrebungen, Verurteile gegen Männer hervorzurufen, welche hingingen, um Palästina zu entwickeln. Ich trete nicht dafür ein, daß eine Konzession irgend jemanden erteilt werden soll. Ich persön'ich habe kein Interesse an irgend jemandes Konzession — ich möchte dies klarstellen — aber ich muß Protest erheben und fragen, wie können wir in Himmels Namen vor der Mandats- Kommission in Genf erscheinen und ihr ernsthaft erklären, daß alle Mitglieder des Völkerbundes völlig unfähig s״kn, etwas gerecht zu verwalten, mit Ausnahme von uns selbst Was für einen Empfang würde der edle Lord haben, wenn er zum Völkerbundrat gehen und solch eine Behauptung aufseilen würde. Solch eine Feststellung kann nur gemacht werden innerhalb dieser heiligen Mauern, aber sie würde von einer so schwierigen Körperschaft, wie die Vö’kerbunds Mandats-Kommission es ist, nicht mit Beifall aufgenommen werden. Palästina ist uns als Mandat anvertraut, es ist nicht ein britisches Dominion. Aus vielen Gründen wünschte ich, es wäre eines, aber Sie müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß es Mandats-Territorium und und diese Konzession der Mandats-Kommission vorzulegen ist Die Palästina - Regierung hat zur Zeit die größten Schwierigkeiten, und ich weiß, es sind in letzter Zeit Schwierig* keiten entstanden durch die Bestrebungen, nich's zu erlauben mit Ausnahme der freiesten internationalen Konkurrenz für jeden Kontrakt, für jedes Angebot oder jede Konze.-s'on in diesem Lande. Zu sagen, daß eine Konzession nur an bri ische Finanzgruppen gegeben werden soll, würde heißen, etwas Unmögliches zu verteidigen. Der edle Lord weist darauf hin, daß, wenn diese Konzession erteilt wird, sie ernstlich den Preis des Kali in Großbritannien beeinflussen würde. Sie können nicht Kali vom Toten Meer zum Mittelmeer und von dort in unser Land zu einem billigeren Preise bringen, als wir es in Deutschland bekommen. Die Deutschen sve-den darauf achten, daß dies nicht geschieht Ich habe dieses Problem von Grund auf studiert. Das Problem ist nicht so schwierig und ich bin ganz sicher, daß die Regierung die Resolution nicht mit den Bedingungen, die aufgestellt wurden, akzeptieren kann. Sie hat weder die Macht noch die Autorität so zu handeln. Ich hoffe, daß falls diese Konzession jemandem gegeben wird, darauf, geachtet wird, daß sie Lernen gegeben wird, welche finanziell fähig sind, sie aus׳־uFühren und welche msehen werden, daß sie nicht nur in d'r Schwebe bleibt, sondern auch richtig ausgeführt wird. Das ist ein sehr wichtiger Punkt Im übrigen ist die Position der Regierung ganz klar. Es ist gut bekannt, wofür wir verantwortlich sind als Sachwalter; es ist eine ganz andere Fra״e, wie weit wir verantwort'ich sein können in bezug auf die Bedingungen der Konzession, die Details ihrer Leitung und Ausführung.

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