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Jüdische Rundschau · 1929-04-05 · Heft 26-27 (5.4.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 26-27 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 164 JUEDI5CHE RUNDSCWaO Nr. 26/2T7, S. TV. 1929 als Verletzung bestehend« Recht* ,anderer Natlonifltiten“, andererseits als unvereinbar mit den Bestimmungen des Art. 23 der Völkerbundsatzung dar. Um dies *u beweisen, greift der Vatikan zu genau denselben haltlosen Argumenten, derer sich seinerzeit, und teilweise heut« »och, die nationalistischen Moslems Palästinas bedienen. ... E> muß hierbei bemerkt werden, daß das damalige Auftreten des Vatikans gegen die Schaffung der Nationalen Jüdischen Helmstitte In Pallitin* — alle zivilisierten Staaten hatten die Balfourdeklaratlon befflrwortet -־ vereinzelt daitani. Der Vatikan erklärte nicht «־*•־ denn die« klar zu machen wäre wohl unmöglich —, Inwiefern die Schaffung der Jüdischen Nationalen Heimstätte In Palästina die Interessen der Christenheit bedrohen könnte, sondern flb«r» nahm die Rolle eines Verteidigers der fast ausschließlich moha־ mcdanischen eingeborenen Bevölkerung, von der man jeden» falls kaum behaupten kann, daß sie dem Christentum näher steht und freundlicher gesinnt ist als die zionistischen Juden oder das christliche England. Was den zweiten. Punkt des Memorandum» Kardinal Qaiparrl» anbetrifft — und nur hierin war der Vatikan ganz in »einer Rolle — סי wandte er sich gegen die Fassung des Ar{. 14 des englischen Entwurfes des Palstlnamandales. Der Vatikan erklärte nicht damit «Inverstanden »e|n zu können, dnß die katholischen Vertreter der In Aussicht genommenen Kommission durch die Mandatarmacht und nicht durch Ihre ״kompetenten hierarcWuchen Behörden'1 ernennt werden »ollen und erklärte weiter, auch darauf nicht eingehen zu können, daß einer auf diese Welse ernannten Kommission das Recht rustehe, die Auswahl der ״besonders verehrten" Heiligen Stätten zu treffen. Das Memorandum be■ zeichnet deshalb Art. 14 «1• ״unannehmbar" und schlägt *einer» seit* vor, daß die Kommission au• den Im Heiligen Lande akkreditierten Konsuln der im Rat« vertretenen Mlcht* bestehen •oll, (Bei der damaligen Zusammensetzung des Rates wäre auf diese Welse eine kstho• llsehe Mehrheit in der Kommission erreicht worden,) Pie englische Regierung widerlegte in einer längeren an den Rat gerichteten Note zunächst alle Im Memorandum des Vatikans enthaltenen Elnwände gegen die Schaffung der Jüdi• sehen Nationalen Heimstätte und schlug weher, unter Berück» sichtigung der arrt Art. 14 geübten Kritik, eine neue Fassung dieses Artikel» vor. Die hauptsiehllchiten, laut dieser *wehen Fassung, vorgenommenen Aenderungen bestanden darin, daß einerseits die endgültige Zusammensetzung der Kommission von der Zustimmung de» Völkerbundrates abhängig gemacht und daß andererseits der Bericht der Kommission über die strittigen, die Auswahl der Heiligen Stätten betreffenden Fragen ebenfalls dem Vftlkerbundrat zur Entscheidung vorgelegt wer* den »eilte, Die britische Regierung erklärte •Ich überdies be« reit, die Ernennung der Mitglieder der Kommission suf Grund einer Liste vorzunehmen, die ihr entweder von der Völker» bundverssmmlung oder vom Völkerbundrat oder vom Vor* sitzenden des Oberaten internationalen Gerichtshöfe» vorgelegt worden ist. Zur Londoner Tagung des Völkerbundratea, Ende Juli 1322, — anläßlich welcher der Text des Palästfnamsndates durch den t Rat endgültig bestätigt wurde — erschien als besonderer plpst* lieber Gesandter der Pariser Nuntius Mgr, Gerettl und brachte dem Vorsitzenden des Rate• das Ansuchen vor, vom Rate offiziell empfangen und gehört zu werden,- Der Vatikan war durch die Antwort juntf .dfe, Vörielälge der. jiifltlifJtefl.. Regierung, nicht zufriedengestellt und wollte seinen Standpunkt »och «bW mal vor dem versammelten Völkerbundrat zur Geltung brln» gen, Diesem Ansuchen des Vatikans wurde Jedoch damals nicht stattgegeben. Nicht nur Lord Balfour, auch Vivlenl, der Vertreter Frankreichs, machten den Rat darauf aufmerksam, daß der offizielle Empfang des päpstlichen Ver» treters einen bedenklichen Präzedenzfall darstellen und die Vertreter anderer religiöser Gemeinschaften *U einem ähnlichen Ansuchen, dem man bitiigerwelse Rechnung tragen müßte, berechtigen würde, (Heute, nach Anerkennung des päpstlichen Staate«, könnt« eine solche Begrün* düng wohl nicht mehr stichhaltig sein, da es sich nunmehr nicht um den Vertreter einer religiösen Gemeinschaft, sondern um den eines Staates handeln würde und zwar eines Staates, der als Nleht-MItglled des Völkerbundes zu diesem, In recht* lieber Beziehung, In dem gleichen Verhältnis steht wie *. B. die Vereinigten Staaten. An diesem Beispiel kann man einen Interessanten Punkt der praktischen, völkerrechtlichen Trag* weite der Verträge von Latran feststellen.) Auf der Londoner Tagung konnte Art- 14 des Palästinamandates weder In seiner ersten noch in seiner zweiten Fassung die Einstimmigkeit des Rates erlangen und wurde schließlich, auf Drängen Lord Ba!» teure — der auf die Beunruhigung der öffentlichen Meinung wegen der Verschleppung der Bestätigung des Mandats hinwies — In seinem jetzigen Wortlaut angenommen. Er lautet folgen» dermaßen: ״Der Mandatar soll eine besondere Kommission er» nennen, die die auf die Heiligen Stätten bezüglichen Rechte und Forderungen, welche die verschiedenen Glaubensgerndnden Palästinas betreffen, zu prüfen und zu regeln hat. Die Bestimmungen über die Art der Ernennung dieser Korn» mission, über ihre Zusammensetzung und ihre Funktionen, sollen dem Völkerbundrat zur Genehmigung vorgelegt wer» den und die Kommission soll ohne Genehmigung des Rates weder ernannt werden, noch ihre Tätigkeit beginnen.“ Die Frage der Kommission für die Heiliget( Stätten wurde also offen gelassen und sollte auf einer für den 31■ August 1922 berufenen außerordentlichen Tagung des Rates endgültig geregelt werden. Die englische Regierung hatte zu dieser Tagung den Mitgliedern des Rates ein in alle Einzelheiten gehendes, ausführliches Projekt der Art der Ernennung der Kommission, ihrer Zusammensetzung und ihrer Funktionen vor» gelegt, doch begegnete dieses Projekt, hauptsächlich, weil es als Vorsitzenden der Kommission einen (protestantischen) Amc* rikaner in Aussicht nahm, dem einmütigen Widerstand aller katholischen Mächte und mußte von Lord Balfour zurückge» zogen werden. Zur Vorlage eines Gegenprojektes kam es nicht, da die interessierten katholischen Mächte sich in vielen rein kathcT.cchen Fragen untereinander nicht einigen und auch wegen der von England energisch verlangten Vertretung der orthodoxen Kirche in der Kommission zu keiner einheitlichen Auffassung kommen konnten. Auf diese zwei Schwierigkeiten wies Lord Balfour hin, als er das so heftig angegriffene Projekt der englischen Regierung zurückzog, und erklärte gleichzeitig, daß die britische Regierung absolut gewillt ist, die Frage der Kommission der Heiligen Stätten einer gerechten, alle interessierten Religionen befriedigenden Lösung zuzuführen und jederzeit bereit ist — sobald die katholischen Machte sich untereinander geeinigt haben — die Verhandlungen in dieser Frage wieder aulzuadiraen. Englind wartet nach lmm*z. Mnahe siebtn Jihrw gbid •eit jener Zelt verflossen und niemand hat bisher die Schaffung der Kommission für die Heiligen Stätten wieder verlangt. Im?roßen und genzen - abgesehen von einigen unbedeutenden usemmenstößen *wlichen Franzlikanermönchm und Ortho* doxen und von viel ernsteren, aber die kethoüeche und ehriat* liehe Welt nicht berührenden Vorfällen an der Klagcmaüer — hat es England verstanden eine musterhaft« Ordnung in den Heiligen Stätten •ufreehtzuerhalten und 10, stillschweigend, allen seinerzeit von katholischer Seite erhobenen Befürchtungen den Röckhnlt zu nehmen, Wenn nun der Vatikan heute, was nicht eusgesehloMen ist, die Frage der Kommission für die Heiligen Stätten wieder zur Diskussion bringen wollte, so könnte er natürlich nicht mehr sein« alten, schon damals, in für sie viel günstigeren Umständen, völlig (entgehenden und mißglückten Argumente hervorholen. Auch für uns, Juden, Ist die Regelung der Frage der Heiligen. Stiften, sowohl mit Rücksicht auf unser« religiösen ־״• unsere eigenen Heiligen Stätten! — als such besonders auf unsere politischen Interessen in Palästina von großer Wichtigkeit Pallsfin* Ist, wie es schon einst Lord Balfour sagte, einerseits das Heilige Land, und zwar für alle christlichen Konfessionen, für die jüdische und für dl« moha־ medaniseh« Religion, und andererseits Ist t$ das England vom Völkerbund anvertraute Mandatsgebiet mit dem Jüdischen Nationalen Hein». Diese Grenze muß von uns selbst — aber auch von allen an Palästina geistig-religiös interessierten Konfessionen immer genau beachtet werden. . K»y• * Jerusalem, 29, März, (T.T, A.) Das lateinische Pi» triarehat In Palästina bereitet die Herausgabe einer Denkschrift mit einer erschöpfenden statistischen Ueber$|:ht über die Hel- Ilgen Stätten und d|t katholischen Besitztümer In Palästina vor. Das Patriarchat fordert die Zurückgabe vieler wichtiger Be» fitztiimer, die ehemals In katholischen Händen waren, dann In protestantische und andere Hände gerieten, und spricht die Hoffnung aus, daß die Kommission für di« Heiligen Stätten bald an die Prüfung der Dokument! herangelien und die Katho» Uken in ihre alten Rechte einsetzen wird, 11» der Denkschrift wird auch darauf hingewiesen, daß allein ln den letzten zehn Jahren Mitglieder der 0rie!!tali5eh»ebristü her» Kjr he und Mos» fern* den Status quoin 10 Fällen zu Ungunsten der Katholiken verletzt haben. Der Zeppelin Sb«־ TeKUvIw Tel- Aw|w, fr. März. (J.T.A.) Ala der ״Graf Zeppe* Hn“ über TeI7wiw kreiste, sandte der Bürgermeister Dizen» gof f einen Funksprueh an Dr. Eckener und lud Ihn ein, ln Tel-Awiw zu landen, er, seine Besatzung und die Fahrgäste können des herzlichsten Empfanges gewiß sein, Dr. Eckener erwiderte durch Radiosprueh, ea sei ihm zu seinem lebhaften Bedauern unmöglich zu landen, und er witeaehe, auch Im Namen der Besatzung und der Passagiere, der Einwohnerschaft von TebAwiw: ״Gut Purlm“, Dizcngoff funkt# ein *wel» tesmal an Dr, Eckener und erklärte, die Einwohnerschaft von TebAwiw, die in dieser Stunde das fröhliche Fest des Purim begeht, bewundere dit Taten des Zeppelin und wünscht dem Luftschiff, »einem Führer Dr, Eckener und der Besatzung web tere Erfolge und tag* Ihnen ein herzliches ,3 c b s 10 nr, ',.’Als''sich "der zteöBistfjl'iflb'i*. ־Jirufa|i1ökljitänjä,r ttee&tiiffc Dr, Eckener den Fahrtteilnehmern Paläslina-Weln. den der deutsche Keren Hajessod zu diesem Zwecke nach Friedrichs* hafen geschickt hatte. Die Teilnehmer der Fahrt, von denen wir In Berlin einig« zu sprechen Gelegenheit hatten, betonen, daß der Höhepunkt der Stimmung aller Pestgäste während des Fluges über Palästina erreicht war, Ungeheueren Eindruck machten auf alle Reisenden sowohl die landschahliehen Schönheiten der Hai 18» Bucht und de* Karmel wie auch da* ganz moderne Tei*Awlw, Man kann ohne Uebertrqibung behaupten, daß alte Teilnehmer der Fahrt sozu* sagen aus der Vogelschau begeistert« Bewunderer dea neuen jüdischen Palästina geworden sind, Eine Fabrik der ״WMnewer Manufaktur״ In Haifa Jerusalem, 1. April. (J.T.A.) Der Inhaber der be־ rühmten ״Wldzcwer Manufaktur“ In Lodz, Oskar (Ascher) Kohn, der gegenwärtig In Palästina weilt, besuchte da» Halfaer Technikum und die großen Industrieanlagen Palästinas und erklärte bei dem Empfang, den die aus Polen stammen» den Hörer des Technikums ihm zu Ehren veranstaltet haben, er habe tiefe Eindrücke von der Industriellen Entwicklung Pall» gtinas empfangen und habe beschlossen, eine große TextUfabrlk in Haifa zum Andenken an seinen vor kur» zem in Lodz ermordeten Sohn zu begründen. Er werde zwei Monate, wenn nötig, länger Im Lande verweilen, um alle Vor» bereltungen für de» Aufbau des neuen Unternehmens zu treffen, Italienische Jadenhell and Jewish Agency Mailand, 2, April. (J.T.A.) Der Qeneralrat des Konsistoriums der jüdischen Gemeinden Italiens, der das reprlgentative Organ der italienischen Judenheit ist, beschloß in seiner in Mailand abgehaltencn Tagung, mit den Vertretern der zionistischen Förderatlon Italiens wegen Ernennung eines Vertreters des Konsistoriums für den lilchtzionistlschen Teil der Jewish Agency In Verhandlungen zu treten. * New York, 25. März. (J.T.A.) Die Union Orthodoxer Kongregationen Amerikas hielt im New-! orker Jeschiwah- College eine Konferenz ab, der Vertreter von 653 orthodoxen jüdischen Kongregationen aus ganz Amerika beiwohnten. Nach einer lebhaften Aussprache über die Frage des Palästina- Aufbaues nahm die Union eine Resolution an, in welcher der Plan der Erweiterung der Jewish Agency gebilligt und eine proportioneile Vertretung der Union und der anderen orthodoxen Körperschaften Amerikas In der Agency gefordert wird. Der Konferenz wohnte Nathan Straus bei. ln einer Ansprache an die Mitglieder der Konferenz führte *r aus, er gehöre zwar einer aer ersten Reformkongrcgatloncn von Amerika an, er sei aber über die Leistungen der zweiten Generation der jüdischen Reformbewerung enttäuscht Nur eine intenrive Iüaische Erziehung In orthodoxem Sinne könne die jüdische Jugend für das Judentum begeistert. Es sei wichtig, daß alle drei religiösen Gruppen des amerikanischen Judentums, Reformisten, Konservative und Orthodoxe, diesem Ziele zustreben. Der vor kurzem In Jassv verstorbene jüdische Bankier Wachtel hinterließ 10 Millionen lei für jüdische Wohlfahrtszweeke, davon 1000 Pfund für das jüdische Arbeiter* hospital in Palästina. Purim In Tel-Awiw Von unserem Korrespondent««. Ttl-A wrw, den 27, Mir* 1m Der groß« Ramevalumzug Ist vorüber. Noch dringt von der streß« hier und da der Schall «Ines Im Chor wohnten Ton der Meeresbrahdung. Vor einer halben Stunde waren die Hauptstraßen der Stadt bunt übersät von einer nicht endenwollenden Menschenmenge, von Tausenden und zehntausenden, die sich drängten, um den großen Umzug zu sehen. Nur In der Mitte der Straß» wurde mit Mühe di« Gasse für dm Karneval freigehalten. Die ganze kilometerlange AJIenbystraße hinunter sah man die Menge Kopf an Kopf; Auf den Balkons hingen die Zuschauer In ganzen Trauben, die Dächer, die Balustraden, die Geländer ein einziges Menschenmeer. Tel-Awiw hatte sich in den zwei Tagen ln seiner Einwohnerschaft fast verdoppelt. Jerusalem leerte »ich, aus Haifa, aus den Kolonien, aus allen Teilen des Landes brachten Autos und Eisenbahn Schub auf Schub, Am Tage vor Besinn des Festes wurden an der Station In Tel-Awiw 27 S0110erzöge •bgefertlgt, und jetzt nach Schluß des Karnevals bringt eine unendlich® Reihe von Autos und zahlreiche Extraziige die Besucher wieder nach Hause. Jedes Hotel war überfüllt, jedes Privathaus beherbergte Gäste. Und zu den nach Zehntausenden zählenden Besuchern aus dem Lande gesellten sich die zahlreichen Touristen, die ihre Reise so eingerichtet hatten, daß sie Purim In Tel-Awiw verleben konnten. Die Purimfeiern In Tel-Awiw scheinen Jede« Jahr an Ausdehnung zu wachsen. Jedenfalls hat die Staat noch rlemals ein solches leben gesehen wie In diesem fahre, Der Karneval begann an» Montag Abend, nach den Böller* schössen der Raketen, die In großen Spiralen über die Stadt stiegen, mit einem Fackelzug der Sportve״eine und den» Empfang der ״Königin Esther“ beim Bürgermeister und Ihrem feler'iehen Umtug durch die Straßen. Am Abend waren sämtliche großen Säle der Stadt in Ballsäle um ge* wandelt, wo die Teste bis In den Morgen dauerten. Am Dienstag früh begann das elgent’lehe Volksfest. Es war der Tag der Kinder. Am Morgen sah man alle Kindergärten der Stadt in d־en verschiedensten Anzügen und im bunten Schmuck durch dl« Stadt ziehen, bis zu einem freien Platz, wo allerhand Spiele tfattfanden, gesungen und getanzt wurde. Man sah es den zahlreichen Gruppen an, daß die Kindergärten seit Wochen für diesen Tag gearbeitet und jeder Trupp sich bemüht hatte, etwas besonde׳! Schönes zustande zu bringen. Die ganze Tel-Awlwer Bevölkerung nahm diese Parade ihrer Kleinen ab, und jedes neue Orflpp* chen wurde mit Begeisterung begrüßt Don ganzen Vor* mittag war das Streßenblld von kostümierten Kinder״ he» herrscht und nachmittags tauchten üb«־a!1 geschmückte Klarier» wagen auf und wandten sich in der Richtung nach dem Rothschl'd-Boulcvard. Hier kon.de man die Btbies von Tel* AwKv sehen, die hier In ihrem Kinderwagen zu einer Preis* Konkurrenz zusammen gekommen waren, ottreut von Ihren sehr aufgeregten und sto'zen Müttern. Dazwischen pb es Sportspiele der verschiedensten Art und den ganzen Tag drängte sich dl« Menge auf den Straßen, vor den Ständen des Natlona'fonds, wo man all« mög'lchen großen und kleinen Bachen gewinnen konnte, was besonders aut dis Kinder eine unwHersteh’fehe Anziehungskraft »nsübte. Den Höhepunkt des Festes bildete der dritte Tag, wo der groß* Umzug stattfand. Automobil. Wagen, E*e1, Pferds, Kamele I# langer Reihe auf dl» verschiedenste Wels« n. schmückt. . Reklamegruppen der Inpnd ausländischen In* duitrte, :׳ Orubwu ':,tm.;dir;.vgfÄftpm *g M-״; zwischen Masken der vers-htedensfen Art .'״Den Höhemmkf de« Zuge» bildeten die V״*n«nlten. die sieh diese» Mal I!» großer Zahl beteiligten. Eine Reihe geschmückter Kamel« zog vorüber und iedes trug eine ganze Faml'i« mit den Kindern In der heimischen Tracht. Auf großen bunt her* gerichteten Lastautos saßen die Qrunoen in Ihren Orients» fischen Gewändern und führten ihre Tänze auf. Dieser Teil des Zuges war der eigentlich originellste und charakteristischst«. Es war nichts Künstliche» dabei, alles war vollkommen in Farben, Formen und Bewegungen. Die politische Satire, di! sonst in den Purimumzügen stark zu spüren war, fehlte diese» Mal fast gänzlich Sie batte sich auf die verschiedenen WitrMltter beschränkt, die sm Vorabend de» Paste» in großer Zahl In der Stadt zu finden waren. Am zweiten Tag des Festes kurz nach sechs Uhr erlebt« die von Festesstimmung durchweht« Stadt ihre größte Sen* satten. Am gerade dämmernden Himmel erschien wie ein großer Walfisch die Silhouette des Zeppelin, Er kam von Norden aus Half» herunter, machte einen großen Bogen über die Stadt nach Jaffa zu, kehrte zu-flek und um' relste die Stadt, Der Plug wurde ganz niedrig ausgeführt, so daß man die Gondeln und Lichfsignaie genau erkennen und die Aufschrift lind Nummer mit Leichtigkeit lesen konnte. Von Tel-Awiw wandte er sich ostwärts nach Jerusalem zu. in der Stadt wurde ein Postpaket abgeworfen, mit der Aufgchrift, Post für Deutschland, via Tel-Awiw, Dle_ Palästina- Schiffes waren Straßen, DJWier, Fernster und Ba'kons schwarz von der Menge, die dem Schiffe zujubelte und Tücher schwenkte. Und noch Stunden nachher snrach man nur von dem Zeppelin, ״am Himmel von Tel-Awiw". Die Stille, die sich jetzt über die Stadt legt, ist nur der Auftakt zu neuen Unternehmungen, auf die sich Tel-Awiw vorbereitet. Denn schon stürzt sich alles in die Arbeit für die Vorbereitung der .,Ausstellung und Messe des Nahen Ostens“, die Anfang April eröffnet werden soll. Ans den Siedlungen fn der neuen Siedlung ״R a b ia h“ bei Benjaminah sind Mitte März die e rs t e n Sie d I e r eingezogen. Die neue Kolonie ist 7 km von Benjaminah und 8 km von Chederab gelegen. Sie soll nach ihrem Ausbau 530 Häuser enthalten, darunter 50 Arbeiterhäuser. Die Fläche der Siedlung beträgt 30000 Dunam. Die Kwuzah ״Schilier“, die den Namen des versterbenen zionistischen Pioniers Schlomoh Schiller trägt, ist einer der iüngsten Siedlungspunkte Im Pflanzungsgebiete nahe bei Reehoboth. Sie besteht aus 34 erwachsenen Mita׳ jedem und sechs Kindern. Die Ansiedlung der Kwuzah ,,Schiller“ ist noch nicht im Kolonisations-Budget der Zionistischen Exekutive vorgesehen, so daß ein großer Teil der Angehörigen der Kwuzah außerhalb landwirtschaftliche Lohnarbeit verrichtet Trotzdem ist es der Kwuzah bereits gelungen, auf dem vom Keren Kajemeth zur Verfügung gestellten Boden einige landwirtschaftliche Kulturen zu entwickeln. So sind bereits ein Orangengarten von 16 Dunam, eine Bananenpflanzung und zwei Baumschulen für Orangen angelegt. Die Kwuzah verfügt ferner über einen Brunnen und eine komplette Wasser- Versorgung, die vom Keren Kajemeth eingerichtet wurde. Der Tierbestand der Kwuzah ist infolge ihres kurzen Be- Stehens noch gering. Sobald die Kwuzah ein Budget erhalten wird, wird mit der definitiven Durchführung des Siediungs- Programms begonnen werden, (Ziko).

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