Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-04-05 · Heft 26-27 (5.4.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 26-27 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653088--20672-2678681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Doppe&tpmmer 0,40 Qotdmwk jüdische Rundschau Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekeatra&e 10. Erschein( jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2»~ Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldstark. A1wl*nd**V»onnen1״eo!« w«>rd«n In d«r Wähnmt der einzelneti Linder Her«rh1»t, Nammer 26/27 | Berlin, 5. IV. 1929 Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundsdtau G.m. b. H., Berlin W15, Melnekeetr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165-70. Ajuetfo^rd« 8 gesp. Neapared&mile Ö.5Ö G.*MJ5t*ltenf«H1cli* 0^6‘M. ABtdfeaseli'aflt Dl acta« und Freite« mehmittiti 4 Uhr Telephon: Binin&rck 7165 * 70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oeeterreich! FmetiiniarJkeeeetiasit Wien, Konto Nr I5603Q. Für laciitchffdawak«i; Poet«parkatsenem 1 Prag, Konto Nr. 59410. Für Polen« Poeteprrkeseenemt Warschau, Konto Nt. 190709. Reciaktionaschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ«ד אדר שני' תרס׳ט | xxxiv. jabrg. Per Zionismus erstreb« fOr das |Qdl»clte Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.» Unsere ihre als Mensdien md Juden Eine Rede Nahum Sokolows, gehalten beim Empfang im Waldorf - Astoria - Hotel in New York am 10. März 1929 1; Meine Botschaft ist heute die gleiche, die ich vor zehn Jahren, am 27. Februar 1018, im Namen des jüdischen Volkes an die Friedenskonferenz in Paris verkündet nabe: Der Weltfrieden wird kommen, wenn Zion wieder aufgebaut sein wird. Das ist nicht nur eine Angelegenheit des Nahen Ostens oder Palästinas oder eine jüdische Angelegenheit, es ist eine Sache, von der der Sieg der Gerechtigkeit und Hu• manität abhängt. Die Erfahrung der letzten zehn Jahre hat die Richtigkeit dieser Botschaft bestätigt. Nun haben wir Frieden, es ist aber nicht der Frieden, dessen Hoffnung uns während der dunklen Tage des Krieges aufrechterhalten hat. Die neue Welt, die wir damals zu schaffen dachten, ist no־h ni'ht geformt, der Geist der internationalen Rivalität und des Mißtrauens ist noch nicht gänzlich verbannt. An Stelle einer Weit, geleitet von der Idee der gemeinsamen Arbeit für das Gemeinwohl, haben wir eine Welt die teilweise durch Eifersucht und Mißverständnisse verwirrt ist. Die Friedenskonferenz war 1918 nicht beendet, sie läuft noch weiter. Sie heißt Genf, Locarno, Kellogg-Pakt. All diese Namen bezeichnen große Meilensteine, aber das Ziel und der wahre Name ist Z i o n. Von Palästina aus wird ein frisches elstiges Leben sich entwickeln um das Oewis en der Mensch• eit umzugestalten. Von Palästina aus geht die ruhmvolle Mission an die ganze Welt. Zionismus ist nicht aussehließlrh ein Ko'onraTomsehema. Er ist eine Wiederauflebung. Die zionistische Bewegung übt eine heilsame Wirkung auf das geistige und intellektuelle Le* ben der Judenheit aus. sie ermutigt die Niedergeschlagenen, sie stärkt die Niedergetretenen, sie lehrt uns Selbstachtung, sie macht uns stolz auf unsere Traditionen und unerschnrken gegenüber unserer Bestimmung. Sie rettete das Judentum in einem tieferen Sinne des Wortes. Manche weisen auf die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten, des Jüdis hen Nationalheimes hin. Wir wissen all dies besser als alle Kritiker. Sr 'St »in' lötaaiftr Versuch ':<ÄBr'׳ISfi'MlSleIi*itsIzieiis ,Vak Ost und West. Unzählige Tausende von Samen müssen zu* gründe gehen, bis eines aufgeht und reif wird. Es ist vielleicht das schwerste Unternehmen in der menschii'hen 0es־hicl1?e, weil es die größte und edelste Eingebung ist, das wirkliche messianische Werk. Ich möchte nicht von seinem Erfolg snrechen. Erfolg ist eine Bezeichnung, zu einfach für Ideale. Der Zionismus will e i n e n S i e g erringen. Daß er zur Macht gelangen wird, ist unausbleiblich, so wie der Tag der Nacht folgt. Wir sind erst am Anfang eines langen Weges. So ist es mit dem Weltfrieden, so ist es mit Zion. Ich glaube, wir sind sogar ein wenig mehr vorgeschritten im Zionismus als im Weltfrieden. Wir erstreben die Vollkommenheit beider. Zionismus ist keine Isolierung. Er ist die Erfüllung des prophetischen Judentums. Palästina ist der klas־i־che Boden des Friedensideals Jesajas, der Hintergrund der Psalme. Unser Volk hatte seit jeher die historische Rolle, Vermittler zu sein für die großen internationa'en Ideale der Moral, der Wissenschaff, des Rechts und der Philosophie. Eine Vereinigung dieser beiden Faktoren, Palästina und Juden, ist nicht nur eine göttliehe, sondern eine logische und moralische Voraussetzung für den Weltfrieden. Wir müssen deswegen vor allem Frieden ln unserem elgenen Hause haben. Jüdischen Frieden. Ich betrachte die jewish Agency als ein Symbol des Jüdischen Friedens, und Ich gratuliere Euch, amerikanische Juden, zu diesem wun* dervolien Beginn. Die beste Vorbeugung gegen Militarismus ist ein Buch, von einem Soldaten geschrieben, der den Krieg durchgemacht hat. ich habe solch einen Krieg mein ganzes leben hindurch mit Antizionisten durchgemacht — bede kt mit Wunden — und ich kann Ihnen sagen, daß nichts Gutes aus diesem Kampf herausgekommen ist. Denn in Wirklichkeit war es kein Kampf, sondern Absonderung und GleichgüLhkeit. Gott sei Dank, eine neue Aera beginnt Nicht Kompromisse, sondern guter Wille von allen Seiten. Das ist das wesentlichste Aktivum. Dafür it eine platonische Sympathie nicht genug. Wir müssen uns alle zu der fortwährenden Anstrengung vereinigen, das Vorbild an Arbeit, Freiheit und Frieden, weiches ״das Jüdische Nationalheim“ heißt, zu schaffen. Die amerikanische Judenheit voran, die anderen werden folgen. Der Hauptteil des jüdischen Volkes ist mit uns. Es gibt einige ״Anti s", die Schatten nachjagen und die Substanz übergehen. Mit welch tiefer Bitterkeit muß man bemerken, zu einer Zeit, wo die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Weit auf Palästina gerichtet ist, wo von den Uppen der größten Führer der Nationen und großer politischer Parteien der ganzen Welt edle Worte des Respekts, der Beachtung und enthusiastischen Anerkennung für unser nationales Ideal, für unsere Anstrengungen und Oofer im Zusammenhang mit der Wiederaufrichtung unseres Jüdischen Na'.ionalheims verkündet werden, — daß es Juden gibt, die bereit sind, all dies bloßzustellen und sich als unverbesserliche Nörgler und Unzufriedfße erweisen, unfähig die Disziplin der Einigkeit 4M wahren. tiifätih •v ׳׳■ ״ .־ der geschluckt werden muß von Jenen, welche beladen sind mit der Mission der Führung und die nieJ1t *urüeks h/s־He." dürfen vor ihrer, RfiichterfüHupg, ohne ejne andere irdische Genugtuung^ als das Bewußtsein, ihre Pflicht getan zu haben. Sie sind immer Ausnahmen gewesen., Stolz auf eine- Vergangenheit, die einzig ist in der Weltgeschichte, sind wir uns vpll bewußt des schweren Gewichts der Verantwortung, die wir mit der Friedenskonferenz und dem Mandat auf uns genommen haben. Wir haben die größte Mög* lichkeit auf Erden. Wir können gleichgestellt und geehrt sein. Hier ist nichts, was uns stört. Der Weltfrieden kann errichtet werden durch den gleichen messianisrhen Geist, durch welchen Zion jetzt errichtet wird. Beide haben einen wundervollen und begeisternden Beginn. Von beiden hängt unser Leben ab, unsere Ehre als Menschen und Juden. Menschheit und Judenheit schauen auf Eu'h. luden von Arnerika, mit Achtung und Hoffnung, vertrauensvoll, daß Ihr große und größere Dinge tun werdet für die Verwirklichung unseres herrlichen menschlichen und jüdischen Ideals. Der Agency-BesehlnB des Central-Vereins Die J.T. A. hat Rabbiner Dr. Ba e ck gebeten, sich über die Agencv-Resolution des Central-Vereins zu äußern. Dr. Baeck tat 'das in der folgenden Form: ״Wenn Sie mich über die offenbar inzwischen bekanntgewordene Resolution des Hauptvorstandes des C.-V. befragen, so möchte ich, unbeschadet aller Möglichkeit der Einzelbcurteilung ihrer Sätze, eines vor allem hervorheben: die Resolution hat unzweifelhaft ihr Positives; sie hat ihre Friedenstendenz. Sie will von der unbestreitbaren Tatsache ausgehen, daß es unter den deutschen Juden, die im C.-V. zusammengeschlossen sind, Zustimmende und Ablehnende gegenüber der besonderen Aufgabe des Palästina-Aufbaus gibt. Sie will daher weder den einen noch den anderen den freien Platz in der Gesamtorganisation behindern. Sie gibt dam it offensichtlich die Stellungnahme in der Palästinafrage frei. Es darf daher die Hoffnung gehegt werden, daß diese Resolution zur Befriedung der deutschen Judenheit beitragen wird. Ihr Positives entsoricht dem Wunsche auch einer sehr großen Anzahl der liberaien Juden Deutschlands.“ Die J. T. A. hat auch Kurt Blum enfefd gebeten, sieh zu den folgenden Fragen zu äußern: 1. Halten Sie die Ergebnisse der Hruptvorstandssitzung des C.-V. für befriedigend? 2. Welche Wirkungen werden diese Ergebnisse auf die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland haben? 3. Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhänge die negativen Beschlüsse der jüdisch-liberalen Vereinigung? Kurt Blumenfeld erwiderte: 1״. Der Verlauf der Sitzung des Hauptvorstandes des C.-V. zeigt einen überraschend großen Fortschritt des Paiästina-Gcdankens. Zwar ist mit 48 gegen 35 Stimmen eine offizielle Vertretung des C.-V. in der Jewish Agency abgelehnt worden, nach allgemeiner Auffassung und nach einer offi’ielkn Interpretation hedeulet dieser Beschluß aber eine Freigabe der Stellung der einzelnen Mitglieder des C.-V., auch der Haupt- Vorstandsmitglieder, zur Jewish Agency- Es gibt also im C.-V. tn Zukunft keine Möglichkeit mehr, palästinafreundliche Mitglieder an aktiver Betätigung zu hindern- Entscheidend ist neben dein sehr interessanten Stimmenverhältnis die Zusammensetzung der Minorität Ihr gehören die führenden und wichtigsten Persönlichkeiten des C.-V. an. So sind Justizrat Brodnitz, Dr. Hel',ander. Dr. Alfred Wiener und die Vertreter der C-V.-Jugend für die Beteiligung an der Jewish Agency eingetreten. Vor kurzem also noch eine Keren Hajessodfeindliche Mecklenburg-Resolution, heute auch bei vorsichtigster Beurteilung Feststellung eines unaufhaltsamen Fortschritts des Palästina-Gedankens. 2. Der C.-V. hatte ebensowenig wie eine andere jüdische Organisation eine Einladung zur Teilnahme an der Jewish Agenev erhalten. Erstrebt wird nicht die Mitgliedschaft von Organisationen, sondern von aFen deutschen Juden, die auf dem Boden der zwischen der Zionistischen Organisation und der Marshall-Gruppe getroffenen Abmachungen stehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Reihe hervorragender Mitglieder des C.-V., die bisher diese Entscheidung vermieden haben,, jetzt bereit sind, in das Initiativkomitee für die Er- Weiterung der Jewish Agency einzutreten. Die Mitglieder des Präsidiums sind naturgemäß durch den Beschluß des Häuptvorstandes verhindert, persönliche Konsequenzen aus ihren Anschauungen zu ziehen. Man wird also zum Beispiel die Herren Brodnitz und Holender zu unserem lebhaften Bedauern nicht in das Initiativkomitee einladen können. Der Kreis der deutschen Juden, die für die Verwirklichung der Balfour-Dekiaration eintreten wollen, ist jedoch unzweifelhaft erheblich erweitert worden. Gab es bisher im C.-V. nur eine kleine Gruppe, die trotz aller Parteibeschlüsse mutig für Palästina eintrat, so kann man sich aus dem Absiimmungsergehnis errechnen, auf welchen Zuwachs wir bei der Er- Weiterung der Jewish Agency in Deutschland zu hoffen haben. 3. Die negative Haltung der lüdisch-’iberalen Vereinigung wird durch die Ergebnisse der Hauptvorstandssitzung für die von uns erwarteten praktischen Ergebnisse recht irrelevant. Zahlreiche liberale Juden, unter ihnen gerade die Führer von Weltgeltung, fühlen sich durch die Jüdisch-’iberale Vereinigung nicht vertreten. Der ablehnende Beschluß der Liberalen ist besonders nach dem Ergebnis der Hauptvorstandssitzung des C.-V. praktisch unerheblich, da der C.-V. objektiv von viel größerer Bedeutung für die politischen Entscheidungen des außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden Teiles der deutschen Juden ist“ Der Vatikan und Palästina Von unserem Genfer Berichterstatter. Verschiedenen aus römischer Quelle s'ammenden Nach* richten zufolge wird in den diplomatischen Kreisen des Vatikans der Gedanke erwogen, in nächster Zeit die Frage der Heiligen Stätten in Palästina zur internationalen Diskussion und Lösung zu bringen. Auch die vor kurzem erfolgte Unterstellung Palisiinas, der in englischer Einfiußzone liegenden Judikatur de» Apostolischen Delegierten in Aegypten, wird mit den erwähnten Absichten des Vatikans in Zusammenhang gebracht. Diese Nachrichten, die weder eine Bestätigung noch ein Dementi von offizieller Seite erhalten haben, müssen natürlich mit entsprechender Vorsicht und Zurückhaltung aufgenommen werden. Nichtsdestoweniger kann ihnen in den, durch die Anerkennung des Kirchenstaates geschaffenen neuen Umstanden, die eine Belebung der diplomatischen Aktion des Heiligen Stuhls auf allen Gebieten gewiß zur Folge haben werden, ein starker Wahrscheinlichkeitswert nicht abgesprochen werden. Es wird also nicht unzeitgemäß sein, der Frage der Heiligen Stätten und der früheren Einstellung des Vatikans zu dieser Frage einige Worte zu widmen. Schon Art. 95 des Friedensvertrages von S&vres (der in seinem ersten Absatz die Uebergabe Palästinas a’s Mandat an eine der verbündeten Hauptmächte beschließt und dieser Macht gleichzeitig die Pflicht auferlegt, die in der Balfourdeklaration enthaltenen Bestimmungen zur Ausführung zu bringen! verpflichtet die Mandatarmacht ״in allerkürzester Zeit“ eine besondere Kommission zu ernennen, welche ״alle, die verschiedenen Olaubensgemeinden betreffenden Fragen und Forderungen prüfen und regeln soll“. Bei Zusammensetzung diescr Kommission soll — gemäß Art, 95 des Friedensvertrages von Sevres — ״den in Frage kommenden religiösen Interessen Rechnung getragen werden“, und ihr Vorsitzender soll vom Völkerbundrat ernannt werden. Von den Heiligen Stätten ist also im Friedensvertrag von Sfevres nicht ausdrücklich, sondern nur andeutungsweise die Rede. Die britische Regierung hielt es jedoch für angezeigt, den Forderungen der katholischen Mächte sowie gewissen Beftrchtungen des VaTcans Rechnung zu tragen und schieß deshalb in den dem Välkerbundrat van ihr untet breiteten Entwurf der Mandatssatzung für Palästina Sjmtdtre, •dfe Wtlllgbi Ijiith?« "Iwtreffpiijfe Jjest!1«Bmftg1n»it1, '1tt -,tte PalSstinamamlates wird ׳•dH -gesamt* •Vtftiltwortung ״für die Aufrechterhaltung bestehender Rechte, .für die Sicherung freien Zuganges zu den •Heiligen, Stätten, reib giösen Qebäuden und Plätzen und־ für die freie Ausübung des Gottesdienstes'( der Mandatarmachtübertragen,, die in al'en hiermit ve bundenen Ange'egcn' ei en ausschließ'hh dem Völkerbund verantwortlich Ist. Der Mandatar ist beredttigt, mit der Palästinaregierung Vereinbarungen zu treffen, die die Ausübung dieser Vorschriften erleichtern, doch ist es ihm hierbei ausdrücklich untersagt, in das Gefüge oder die Verwaltung der musulmanischen Heiligtümer einzugreifen, deren Immunität — zum Unterschied der ״geheiligten Stätten, anderer Konfessionen des Palästinamandates — besonders garantiert ist Art. 14, in seiner ursprünglichen Fassung, rief die durch Art, 95 des Friedensvertrages von Sfcvres vorgesehene besondere Kommission ins Leben. Die Mitglieder dieser Kommission — deren Zahl nicht näher festgesetzt wurde — sollten durch die Mandatarmacht und der Vorsitzende durch den Välkerbundrat ernannt werden. Außer der im Vertrag von Sbvres erwähnen Pflicht ״alle, die verschiedenen G’aubensgemeinden betreffenden Fragen und Forderungen zu prüfen und zu regeln“, sollte diese Kommission ״die Unterstellung gewisser Heiliger Stätten, religiöser Gebäude und Plätze, die von den Anhängern der einzelnen Glaubensgemeinden besonders verehrt werden, einer ständigen Kontrolle von entsprechenden, repräsenta'iven, aus den Vertretern der fraglichen Religionen bestehenden Körperschäften sichern ‘. Die Wahl dieser ״besonders verehrten“ Heiligen Stätten sollte zwar der Kommission ob'iegen, jedoch einer Genehmigung der Mandatarmacht erheischen. Die Bestimmungen des Pal.lslinamandates wurden nun von katholischer Seite stark angegriffen: der Vatikan hätte am liebsten eine Art von Exteritorialität für die Heiligen Stätten und ihre volle Eximierung aus der Oberhoheit des protestantische» Englands erreichen wollen, England hingegen lag es eben besonders daran, daß, unter dem Vorwand des Schutzes der Heiligen Stätten, es nicht zur Schaffung einer unabhängigen internationalen und unter besonderem katholischen Einfluß stehenden Körperschaft käme, welche sich mit der Zeit eine bedeutende politische Rolle in Palästina ausbauen könnte. Der Vatikan begnügte sich nicht damit, einen starken D.mc: auf die damals im Völkerbundrat vertretenen katho'ischen Machte (Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Brasilien) auszuüben, sondern griff auch zu direkten Mitteln, indem er sich mit einem offiziellen Memorandum an den Völkerbund wandte. Dieses Memorandum — dem man eine historische Bedeutung beimessen muß — darf bei einer Besprechung der Politik des Vatikans Palästina und dem Zionismus gegenüber niemals vergessen werden. ״Der Heilige Stuhl“ schrieb Staatssekretär Kardinal Gasparri ״hat nichts dagegen einzuwenden, daß di« Juden in Palästina dieselben bürgerlichen Rechte haben sollen, wie andere Nationalitäten oder Konfessionen, aber er kann sich nicht damit einverstanden erklären, daß: 1. den Juden eine privilegierte und vorherrschende Siellung im Vergleich mit den anderen Nationalitäten und Konfessionen eingeräumt wird und daß 2. die Rechte der christliehen Konfessionen nicht genügend geschützt seien“. Als diese besonderen Rechte und Privilegien der Juden führt das Memorandum fast alle die Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte betreffenden Bestimmungen — besonders die Art. 2, 4, 6, 7 und 11 —• des Mandates an und stellt sie einerseits

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.