Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 24-25 (28.3.1929)
- Date
- 1929-03-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653087--20667-2678675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 24/25, 28 ÜI. 1029 JUEtMSCHE RUNDSCHAU Sefte 1!® Ein Empfang za Ehren Deedes London, 20. Mira. (J.T.A.) Die etwa SO000 Mitglieder zählende Association of Jewlsh Friendly Societies (Ver* einigung der jüdischen Freundschaftsbünde) und die englische Zionistische Vereinigung haben zu Ehren von Sir Wyndham Deedes als Anerkennung seiner Verdienste um das Jüdische Palästinawerk einen Empfang veranstaltet, der von dem Präs!- denten der Association, Sir Robert Waley-Cohen, ge• leitet war. Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein Schreiben von Lord Melchett verlesen, in welchem es heißt: Die jetzt unternommenen Schritte zur Erweiterung der Jewish Agency in der Weise, daß jeder Teil der Weltiudenheit in ihr vertreten sein soll, leiten eine neue Aera in der Entwicklung Palästinas ein; es ist deshalb besonders erfreulich, daß in diesem Stadium ein so wichtiger Teil der englisch-jüdischen Gemeinschaft, wie er ln den Jewish Friendly Societies vereinigt ist, daran geht, an der zionistischen Sache mitzuarbeiten. Ich vertraue darauf, daß Ihre Arbeit von größtmöglichem Erfolg begleitet sein wird und daß die Verbindung einer so großen Bewegung, wie sie in den Jewish Friendly Societies repräsentiert ist, mit einer so idealistischen Bewegung, wie sie der Zionismus darstellt, zum Segen beider Teile sein wird. Sir Wyndham Deedes ist ein wirklicher Freund unseres Volkes, er hat sich rückhaltlos der Sache des jüdischen Nationalneims gewidmet in einem Schreiben des Reichsrabbiners Dr. J. H. Hertz heißt es: Das Palästinawerk bedarf der Unterstützung jedes Teils der Gemeinde ohne Unterschied von Klasse und Partei. Ich vertraue darauf, daß die Mitarbeit einer so mächtigen Bewegung, wie die der Jewish Friendly Societies, an dem Aufbau von Erez- Israel sich als eine Kraftquelle für alle jene erweisen wird, deren Streben es ist, die alte Herrlichkeit Israels auf seinem ureigenen heiligen Boden wieder herzustellen. Der Präsident Sir Robert Waley-Cohen begrüßte sodann Sir Wyndham Deedes in einer längeren Ansprache. Sir Wyndham Deedes führte in seiner Dankansprache ungefähr aus, er sei an dem Zionismus aus mehreren Gründen interessiert: 1. vom jüdischen Gesichtspunkt, da er davon überzeugt sei, daß allein im Zionismus die Rettung für das Judentum liegt; 2. vom britischen Gesichtspunkt: die Juden erwarten von Großbritannien die Verwirklichung einer einzigartigen Aufgabe; Großbritannien muß sich dieser Aufgabe mit Erfolg entledigen; 3. der Zionismus repräsentiert eine einigende Macht, er verkörpert die Parole: einer für alle und alle für einen, eine Parole, die eine erhaltende Kraft darstellt Wie gerne würde er eine gleiche Kraft im englischen Leben sehen wollen. Er könne nicht verstehen, wie es Juden gäbe, die dem Zionismus widerstreben und der Einigung sich widersetzen. Manche sagen, man kompromittlere sein Engländertum, wenn man für die jüdische Nationalitit ein tritt. Dies ist eine Mißdeutung des Begriffes Natio* nalität. Waliser, Schotten und Juden sind Burger Großbritanniens, auch wenn sie ihre walische, schottische oder jüdische Nationalität bcibehajten. Die vor einigen Wochen begründete Seventh Dominion League liefert einen Beweis dafür, daß das Volk Englands erwartet, daß die Juden zu 100 °/0 Anteil am Zionismus nehmen. Die Juden haben in den letzten 10 Jahren den klaren Beweis erbracht, daß der Wiederaufbau Palästinas durchführbar sei; es besteht für niemand mehr ein Recht oder ein Grund, mit seiner Unter- Stützung dieses Werkes zurückzuhalten. Es ist sicherlich wahr, daß die Palästina-Regierung den Aufbau Palästinas nicht in vollem Maße unterstützt Er, Redner, sei überzeugt, daß dies hierin seinen Grund habe, daß der Regierung noch nicht der Beweis geliefert worden sei, daß die 15 oder 16 Millionen Juden in der Welt hinter diesem Werke stünden. Würden die englischen juden die britische Regierung davon überzeugen, da0 es dem Judentum wirklich ernst um die Sache ist, so würde die britische Regierung notgedrungen dem Werbe ihre volle Unterstützung an gedeihen lassen müssen. Zoll au! IHazzoth Die Sowjetregierung hatte dem Berliner Zentralkomitee für die Versorgung der russischen Judenheit mit Mazzoth zu den kommenden Peßach-Feiertagen die Einfuhr von 50 Wag• gons Mazzoth gestattet. Kurz darauf teilte die Regierung einem Komitee von Rabbinern in Moskau mit, sie gestatte die Einfuhr von Mazzoth aus dem Auslande in jedem Umfange, man sei an ein bestimmtes Quantum nicht gebunden. Hauptbedin• gung wäre nur, daß die Einfuhr auf der Basis der Wohltätig• Reit und nicht des Geschäftes vor sich gehe. Als nun aber an der lettländischen Grenze die ersten fünf Waggons mit Mazzoth anlangten, um in das Innere Rußlands geführt zu werden, wurden von den sowjetrussischen Zollbehörden so hohe Zollford erungen gestellt, daß die ganze Aktion ins Wasser zu fallen drohte. Die Zollbehörden deklarierten Mazzoth nicht als Brot, sondern als Bis q ui ts und forderten statt eines Brotzollcs von 5 Kopeken pro Kilogramm einen Luxuszoll von 220 Kopeken (4,40 M.) pro Kilogramm. Prominente jüdische Persönlichkeiten Berlins wandten sich an die Moskauer Regierung mit der Bitte, für Mazzoth den gewöhnlichen Brotzoll gelten zu lassen. Daraufhin wurde der Mazzoth-Zoll auf 80 Kopeken pro Kilogramm festgesetzt. Auch dieser Zollsatz übersteigt die Kosten der Mazzotnherstellung um das Donpelte und machte die Weiterführung der Aktion unmöglich. Ein neuerliches Gesuch, den Zoll auf ein erträgliches Maß herabzusetzen oder doch wenigstens die Einfuhr von Mehl zum normalen Zoll zu gewähren, wurde damit beantwortet, daß der Mazzoth- Zoll endgültig auf 80 Kopeken pro Kilogramm festgesetzt und die Mehieinf uhrnichtgewährtwerd e. Inzwischen war viel kostbare Zeit verstrichen. So entschloß sich denn das Mazzoth-Komitee, sofort 13 Waggons Mazzoth teils nach Moskau für Zentralrußland, teils in die Ukraine abzuschicken (die Transporte sind bereits unterwegs) und im übrigen die Gelder, die in verschiedenen Ländern für die Mazzoth-Aktion gesammclt wurden, in Barbeträgen nach Rußland zu schicken, wodurch die ärmere Bevölkerung in die Lage versetzt werde, sich an Ort und Stelle Mazzoth zu beschaffen, wofür immerhin die Möglichkeit besteht. Die Zarengeseizc In Polen Warschau, 25. März. (J.T.A) Die Verfassungskommission des Sejm hat den Antrag auf Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden gesetz'lchen Beschränkungen gegen Religionsgemeinschaften, Insbesondere gegen Juden, angenommen. Der Regierungsvertreter erklärte, das Justiraiiisterium halte ein solches Gesetz für überflüssig, wolle sich aber dessen Annahme nicht widersetzen. Demgegenüber wies Abg. Grünbaum darauf hin, daß das Oberste Verwaltungsgerieht sich fortgesetzt auf den Standpunkt steif, daß die Zarengesetze so lange gelten, als sie nicht durch ein besonderes Gesetz als aufgehoben erklärt werden und daß demnach diese Gesetze sehr häufig zum Schaden der iüdisehen Mitbürger und der jüdischen nationalen und religiösen Interessen angewendet werden. Grünbaum illustrierte seine Behauptungen durch zahlreiche dokumentarisch belegte Tatsachen. Das Gesetz wird erst in der kommenden Session des Sejm zur dritten Lesung gelangen. Jubiläumsfeier der V.J.J.D. In einer Reihe von Veranstaltungen feierten In den letzten Tagen der ״Jüdische Jugendbund“, Berlin und der ״Verband der jüdischen Jugenavereine Deutschlands“ (bekannter als der .,neutrale‘1) ihr 20jlhriges Jubiläum. Diese Feiern dienten offenbar zugleich dem Zweck, nun auch in Berlin stärker Fuß zu fassen, nachdem es in den letzten Jahren gelungen ist, in Westdeutschland und in den Kleingemeinden erhebliche numerische Erfolge zu erzielen. Eine Freitagabendfrier im eigenen Bundesheim, drei gleichzeitige Werbeveranstaltungen am Sonnabend, (man hatte Berlin doch zu viel zugemutet) eine von diesen Werbeveranstaltungen mußte wegen zu geringer Beteiligung ausfallen), am Sonntag Vormittag ״Festakt*“ mit musikalischer Umrahmung und Begrüßungsreden und abends noch ein ״Festabend“ mit ״Programm“ und anschließendem Festball, weil ja ״die Jugend bekanntlich zu ihrem Recht kommen muß“. — Dies die dichte Abfolge der Jubiläumsfeierlichkeiten. Die Festreden unter dem Gcsamttitel ״Der Verband im Leben der deutschen Judenheit“ brachten nichts, was im wesentlichen über die in letzter Zeit dargelegten Zielsetzungen des Verbandes hinausging. Bemerkenswert vielleicht, daß Herbert Felsenthal, ein Nichtzionist, unter den praktischen Konsequenzen der von ihm geforderten ״Gesamtjüdischen ־**V BAUMSPENDE rf ולדמיוח-־עצחם ■M SCHON 2000 BÄUME Der zweite Hain Im Elnstelnwald vollendet! FOLGENDE ORTE ARBEITEN MIT: Atahafhnburg, Bambarg, Beuthan, Brailau, Braman, Caaaal, Crallahalm, Chtmnliz, Danzig, Dasaau, OOaaaldorf, OOrkhalm, ClbaHald, Eaaan, Erfurt, EydMcuhnan, Porst, Frankfurt a. Main, Fulda, Qotha, GBttlngan, Uralt, Malbaratadb Hallt, Hamburg, Hanau, Homburg v, d. H., Idar, Kottbua, Konitanz, Kial, KBIn, KBnlgabarg, Landabarg, Ulnaburg, Leipzig, Magdtburg, MUnchan, Mallrlehatadt, Northslm, Nürnberg, Offenbaal«, OanabrQok, Plauen, Rotlbar, 8altera, Saarbrücken, Stettin, Stuttgart, Stargardt, Ulm, Wdrzburg, Wie«baden. BIS PESSACH AUS ALLEN ORTEN: 10. OOO BAUME, EINSTEINS WALD! mm ׳BAUMSPENDE 'חרר מרח;י ז י יי׳ Haltung*' an erster Stelle die Arbeit für Palästina nannte — was hoffentlich nicht nur gesagt wurde, ohne an praktische Konsequenzen zu denken. — Der Verbandsvorsitzende Dr. Hahn stellte die Aufgabe des Verbandes sachlich klar und unter ziemlich deutlicher Ablehnung verschleiernden ideologisehen Drucks im Gebiet des jüdisch-pflegerischen; Helferischen. Eine Selbstbesinnung der Verbandsinstanzen auf dieses eigentliche Arbeitsgebiet, auf dem eine großzügige Zusammenarbeit Notwendigkeit ist und allein — wenn irgend etwas — Erfolg haben kann, wird auch die Spannungen zwisehen ״Verbandsjugend" und ״hündischer Jugend“ lösen, von denen Lubinski (auch sonst den Rahmen üblicher Begrüßungsreden durch erfreuliche Offenheiten sprengend) sprach. Elsbeth Capell, eine junge rheinländische Zionistin, sprach für die Junggruppen. Unter den Begrüßenden sind außer dem schon erwähnten Dr. Lubinski noch zu nennen: Dir. Kareski, Maximilian Stein, Prof. Türk. Zum Festabend einige Worte: es ist an der Zeit, daß jene Art ״jüdischen“ Witzes auf deren abstoßende Erbärmlichkeit nun schon seit Jahren immer wieder hingewiesen wird, und die an diesem Abend durch Max Ehrlich vertreten war, vom Programm jüdischer Veranstaltungen, die etwas auf sich halten, verschwindet! Deborah Dimant (Düsseldorf) las hebräisch und deutsch aus der Bibel. Ihr durch geräuschvolle Unaufmerksamkeit Unverständiger gestörtes Debüt ließ den Wunsch nach näherer Bekanntschaft mit dieser Sprecherin in angemessenerem Rahmen wachwerden. Mos. Einsteins Entlarver Der ״Berliner Börsen-Courier" berichtet: ״Man wundert sich nicht, wenn man zufällig erfährt, daß es einen Verein zur Entlarvung Einsteins gibt. Man müßte sich vielmehr wundern, wenn es einen solchen Verein in Deutschland nicht gäbe. Die Feindschaft gegen den großen Mathematiker wäre an sich durchaus begreiflich, und keineswegs anrüchig. Aber daß diese Feindschaft sich sogleich in Satzungen niederschiägt, einen Präses, einen Schriftführer und einen Kassierer wählt, das ist das Uebel. Ein Gelehrter, der anderen mißliebig ist, wird nicht widerlegt, nein: er wird entlarvt; und nicht durch eine Einzelperson, sondern durch ein anonymes Kollektivum.“ Kleine Nachrichten Jerusalem, 21. März. (J.T.A.) Die palästinensischen Kommunisten haben in der letzten Zeit ihre Propaganda unter den arabischen Feilachen bedeutend verstärkt. Diesmal richtet sich die Propaganda insbesondere gegen Bodenerwerb seitens der Zionisten. In einer soeben verbreiteten Flugschrift werden die arabischen Fellachen aufgefordert, eine allpalästinensische Konferenz einzuberufen, die dem Bodenproblem gewidmet sein und die über Maßnahmen gegen Erwerb von palästinensischem Boden durch Juden beraten und beschließen soll. Jerusalem, 22. März. (J.T.A.) Baron Edmond de Rothschild hat der Hebräischen Universität eine Anzahl archäologisch wertvoller Gegenstände geschenkt, die vor einigen Jahren von Professor Capuain Raymond Weil im Aufträge von Baron Rothschild auf der Stätte der Davids-Stadt und in Gezer ausgegraben worden sind. Henry Mond, der Sohn von Lord Melchett, wurde bei einer der jetzt notwendig gewordenen Ergänzungswahlen als konservativer Kandidat in das .Unterhaus gewählt Gefahren des füdisdien Sports Von Heinrich Kuhn, Charlottenburg. Die jüdische Oeffentlichkeit ist in der letzten Zeit erheb• lieh am jüdischen Sport Interessiert. Sie freut sich seiner Er• folge, die in hervorragenden Einzelleistungen die Ehrentafel des jüdischen Volkes bereichern und in einer allgemeinen gesunden Lebensweise der jüdischen Jugend neue Lebenskräfte zuführen. Aber die Gefahren vermag sie nicht zu sehen, da sie zu weit ab vom Aktionsradius der Bewegung steht und nur die Rolle des wohlwollenden Zuschauers hat Und cs gibt Gefahren. Die wesentlichste besteht in einer Ueberschitzung der jüdischen Leistung des sportlichen Erfolges, d. 11. in dem Miß- Verhältnis, in dem sich der äußere Wert des Sieges zu den inner-jüdischen Werten der Sieger befindet. Wie auf allen Gebieten für uns Juden besondere Bedingungen gelten, so ist nämlich dies auch auf dem sportlichen der Fall. Am Sieg des nichtjüdischen Sportmannes hat vornehmlich er allein teil, sodann sein Klub. Die Leistungsfähigkeit seiner Volksgemein- Schaft wird ohne weiteres anerkannt, und selbst die internationale Olympiade drückt nur eine feinere Wertnuancierung aus, ohne rin absolutes Werturteil zu fällen. Der jüdische Sieger aber gilt als Exponent, als Repräsentant seiner Gemeinschaft. Schon dadurch, daß die Blicke der jüdischen Sportgemeinde und weiter Kreise auf ihn konzentriert sind, wird er auch in der Oeffentlichkeit als solcher angesehen. Jüdische Organisationen und Körperschaften wetteifern an allen Orten auswärtige Mannschaften und Einzelkämpfer zu bewillkommnen, befinden sich zusammen mit der jüdischen Bevölkerung in freudiger Erregung über die repräsentative sportliehe Leistung una sind bei näherer Bekanntschaft mit so manchem Sieger überrascht — über das Minus an jüdischen Gehalten, das ein großer Teil besonders der großstädtischen Sportsleute repräsentiert Der Sport ist Selbstzweck geworden, Eigenbezirk, hat sich wie in der ganzen Welt auch bei uns von den übrigen Kulturgebieten abgesondert und verselbständigt Was aber nutzt dann der Sport der jüdischen Kultur, wenn er keine Be- Ziehungen zu ihr hat? Ist ein Jüdischer Sportsieger Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft, wenn er diese Gemein- Schaft nicht bewußt in sich trägt oder wenn gar sein Sport dahin tendiert, die Kulturwerte dieser Gemeinschaft zu entwerten? Oder wirkt er nur seine sportliche Tat, die mit um in keinem wesentlichen Zusammenhang steht? Die Losung der jüdischen Turn- und Sportvereine heißt: Durch Sport zur jüdischen Leistung. Solange aber der Sport bei uns im Rekord- und Wettkampfgedanken kulminiert, wird er beim ersten stehen bleiben und das zweite nicht erreichen. Höchstleistung darf nicht zur beherrschenden Tendenz unserer Vereine werden! Unsere Aufgabe muß es sein, in die breiten jüdischen Massen den Willen zu einem körperlichen Vollkommenheitsideal zu tragen, das ein Korrelat zum Jüdischen Kulturideal ist; nicht mehr und nicht weniger. Höchsterfolge sind Begleiterscheinungen (Akzidenzien) nicht Wesen (Sub• stanz) der jüdischen Sportbewegung. Nicht der Rekordmensch, sondern der jüdische Mensch ist Ihr Ziel. - Ais Gegenbeweis darf man weder einen Vergleich mit dem internationalen Sport heranziehen noch Nützlicnkritsmomente finanzieller Art geltend machen, wie es oft geschieht Der Sport bei den anderen hat bereits in der Ueberspitzung des Rekordgedankens zum offenen oder verkappten Professionalismus geführt Wenn wir also das Recht der Analogie für uns beanspruchen, so hätten wir ja konsequenterwefse schöne Aussichten. Müssen wir denn alle Torheiten der anderen nach- .mache«?., ... . •׳-.־. . . * Nun behauptet man in den jüdischen Sportkrelsett, daß Förderer und Gönner nur durch Gipfelleistungen veranlaßt werden können, die erforderlichen Mittel kur Verfügung zu stellen. Unsere Entwicklung widerlegt dies. Wir hatten früher mehr Förderer, die mit regelmäßigen Beiträgen unsere Etats balancierten, als heute. Wodurch hatten wir diese? Durch unsere jüdische Leistung! Wir boten weitesten Kreisen ein Leben in einem jüdischen Milieu und gewannen uns damit das Wohlwollen der jüdischen Oeffentlichkeit Es ist wohl richtig, daß wir durch sensationelle Erfolge neue Freunde gewinnen, und niemand ist gegen den Erfolg. Die Gefahr besteht aber darin, daß in der Jagd nach Erfolgen die so gewonnenen Freunde sich bald durch die ,,Starbevorzu<mng“ vernachlässigt fühlen und wieder verloren gehen. Ein jüdischer Großverein z. B. hat im Jahre 1928 ca. 350 Anmeldungen und ca. 300 Abmeldungen und Streichungen von Mitgliedern, die das Interesse verloren hatten. Videant consules! In der jüdischen Sportwelt sind diese Fragen nicht neu. Seit fahren ringen die Gegensätze miteinander. Die Praxis, beweist daß die Gruppen, die neben der körperlichen noch eine geistig-jüdische Arbeit betreiben, nicht nur in sich geschlossen sind, sondern auch zu gleichen oder ähnlichen Gruppen in lebendiger Verbindung stehen, während sie dem Nur-Sportler eine gewisse Reserviertheit entgegenbringen. In einigen Vereinen hat man zwar die jüdische Tendenz wenigstens theoretisch anerkannt; in anderen überwiegt die technische Richtung; wenige sind zu einer harmonischen Lösung des Problems vorgedruncren. Es ist an der Zeit, dieses Pro- Wem aligemeingfiitig zu lösen. An einer reinen Sportbewegung ist die jüdische Oeffentlichkeit nicht interessiert ״Es ist nicht ein Körper und es ist nicht ein Geist, den wir erziehen, sondern ein Mensch“, sagt Montaigne. Wir fordern von der jüdischen Sportwelt, ganz gleich welcher Richtung, zur körperiich-technischen die jüdisch-kulturelle Leistung! Aus dem Oemelndeleben Der Vorstand der auf genossenschaftlicher Grundlage stehenden Volksbank I \v r i a in Berlin veröffentlicht soeben den Bericht über das erste Geschäftsjahr. Mit Befriedigung wird festgestellt, daß das junge Unternehmen seine Existenzberechtigunpbewiesen hat. Der Gründung der Genossenschaft lag der Gedanke zugrunde, jüdischen Kaufleuten und Handwerkern. insbesondere kleineren und mittleren Existenzen, diefertige finanzielle Förderung ihrer Arbeit zuteil werden zu lassen, die Ihnen von den großen Banken versagt ist. 175 Mitglieder erhielten Kredite von 100 RM. bis 30OCX) RM. im! Einzelfalle. Die Summe der diskontierten Wechsel beträgt am Jahresultimo 620 477.06 RM. Am Eröffnungstage, 26. März 1928, betrugen die eingezahlten Geschäftsguthaben 42 250 RM. und stiegen bis auf 122 997 RM. am Jahresultimo. Die Oeschäfte lassen sich auch im neuen Jahre gut an. Die einge״ zahlten Geschäftsguthaben haben zur Zeit den Betrag von 140 000 RM. bereits überschritten. Paris, 15. März. (J. T. A.) Der bekannte französisehe Politiker, der Deputierte Charles Lambert, ein Nichtjude, veröffentlicht einen offenen Brief an den Außenminister Aristide Briand. in welchem er ihn dringend ersucht, den 80000 Juden von Tunis Erleichterungen bei der Naturalisation zu gewähren. Als naturalisierte Bürger, schreibt Lambert, werden die Juden von Tunis den etwa 100 000 Italienern der Stadt ein erwünschtes Gegengewicht bieten. Die Juden, schließt Lambert, sind ein fleißiges und intelligentes Element und würden als französische Bürger eia Gewinn für die ,Nation sein.