Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 24-25 (28.3.1929)
- Date
- 1929-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite IS8 JUEDI5CHE RUNUiCffÄÜ Nr, 24/25, 28. TU. 1029 Am nächsten Morgen ging ich voll süßer Erwartungen in den Cheder: bald wird die ganze Bande alles erfahren, und Berke kann sich begraben lassen. Als ich aber die Stube betrat, empfing mich die Rebezin händeringend und jammernd: ״Was hast Du mir angetan, Du Lump, Du Halunke!! Du . . .! Unglücklich hat er mich gemacht, der Lümmel! . . . Die ganze Milch. ... Alle meine Forderungen zum Teufel ...!“ was, meint Ihr, war los? — Stellt sich heraus, daß der gleiche Ziegel das ״Hauptbuch'‘ der Rebezin war, wo sie die Forderungen für die an ihre Nachbarinnen verkaufte Ziegenmilch verbuchte“. In ihren alten Tagen hatte ihr Gedächtnis sie verlassen, schreiben konnte sie nicht, also pflegte sie mit einem Nagel Zeichen in die Ziegel einzuritzen: ein kurzes Strichlein bedeutete einen halben Liter Milch, ein langer Strich — einen ganzen Liter, ein Ringelchen — beglichen usw. Nun hatte ich mit meiner ״Malerei“ einen Teil ihrer Buchführung vernichtet. Gewiß hätte mich die Last dieser schweren Beschuldigung noch lange Zeit gedrückt, hätte ich harte Verfolgungen zu erleiden gehabt. Zum Glück aber traten wichtigere Ereignisse ein, die mein ״Verbrechen“ vergessen ließen. Eines Nachts wurde der Ziegenstall vom Wind zerstört, und die Ziege mußte in unserem ״Arrest“, hinterm Ofen, einquartiert werden. Mit den Hörnern tat sie noch ein übriges, die ״Notizen“ noch unlesbarer zu machen. Auch mein Steinschnitt kam nicht ganz ohne Schaden davon. Einige Jahre später, nach dem großen Brand in Kliknischok blieb von meines Rebben Häuschen nur noch ein Häuf• lein Ziegel vom eingefallenen Backofen zurück, dann wurde auch dieses bald verschüttet und dem Erdboden gleich. Und wieder 15 Jahre später, als in Kliknischok die Eisenbahn gebaut wurde, fand der Ingenieur, der die Grabungsarbeiten leitete, eine altertümliche Tafel, bedeckt mit einer geheiinnisvollen orientalischen Schrift. Zur näheren Feststellung wurde sie an die ״Wissenschaftliche Akademie“ gesandt. Karze Zelt darauf las ich In der ״Monatsschrift für Archäologie“: ״Nach langen Bemühungen ist es gelungen, die Schrift der Tafel zu entziffern, die bei Grabungsarbeiten in Kliknisdyok (Oouvernement Kowno) gefunden wurde. Es handelt sich um ein seltenes Dokument aus der altägyptischen Epoche, welches hebräisch abgefaßt ist und folgenden Inhalt hat: ״Ich, Josef, Sohn Jakobs, den die Ehebrecherin Frau Potifar zur Sünde verleiten wollte, wurde durch eine falsche Beschuldigung In den Kerker geworfen. Pharao träumte einen Traum von sieben fetten Kühen und sieben mageren Kühen. Der ״Ssar Hatnasehkim“ erzählte Pharao, daß ich Traumdeuter sei und so bin ich zum Vizekönig ausgerufen worden.“ Sehr interessant — schrieb die Zeitschrift weiter — ist die Abbildung einer der mageren Kühe, welche in den Ziegel eingeschnitten ist. Dieses Bild ist ein wertvoller mitrag zum Studium über die Entwicklung der Stischen Kunst jener Zeit. — Darüber in einem :en Artikel. Der Wissenschaft bleibt noch festzustellen, durch wen und In welcher Zelt dieses Dokument aus Aegypten nach Kliknischofc gebracht wurde.“ * Als ich die Photographie des ״Dokumentes“ sah, die die Zeitschrift der Abhandlung beigefügt hatte, erwachten in metsem Herzen süße Kindneitsennneningen: ich erkannte die Ringelchen und Strichlein meiner Rebezin und die Reproduktion meines Jugendkunstwerkes ~ das liebe Bild von meines Rebben Ziege. Aus dem Jüdischen von Chanah Jurmmnn. Krieg gegen die Geographie Lia Rosen, die erschütternde Tragödin des Wiener Burgtheaters, kam von Amerika und ließ sich in Tet-Awiw nieder. Eines Tages machte sie einen Ausflug nach Kairo und betrat nichtsahnend ein Restaurant. Ei« deutsches Restaurant, wo man Bier trinkt, das ״nicht in lächerlichen Weinpokalen, sondern in riesigen Bierkrügeln serviert wird“. Plötzlich aber — was geschient? Großmann, Schech Stefan Ihn Großmann, taucht auf, das heißt: ״sitzt hingelümmelt in einer Ecke der erquickenden Kneipe“, mit ״herumreisendem Blick“ notabene, und sieht ״zwei graphitglänzende, schwarz-feurige, etwas japanisch gestellte, trunkene Kohlenaugen“. Und schon reißt er, im Gedanken an die Neue Freie Presse, die am 5. Februar erscheinen wird, den Bleistift aus dem Gürtel, der Hadji Großmann, stößt, bezugnehmend auf den Schauplatz, seinen Kriegsruf ״Die Erde hat uns wieder, die deutsche Erde“ aus und stürzt auf die Lia Rosen zu. Die arme Lia Rosen: groß, unerhört groß, erschütternd groß als Künst- Ierin, zwang sie durch ihre Kunst Tausende und aber Tausende Menschen zum ergriffenen Aufhorchen — und nun muß sie kapitulieren vor Großmann und läßt ihn notieren. Was sie sprachen auf diesem Stück pilsener-deutscher Erde in Kairo ist unbekannt, bekannt ist nur, was Großmann sie nachher in der Neuen Freien Presse, die richtig am 5. Februar erschien (auch im Berliner ״Tempo“, Red.), sprechen ließ. Und dies, o lieber Leser, ist pures Edelblech, das״ da der Rosen in den Mund gelegt wird, das in Palästina datm ein fröhliches Lächeln hervorrief. Aber dann, daß et sie fragen laßt: ״Waren Sie schon im Yemen?“ wie man einen etwa fragt ״Waren Sie schon in Garmisch-Partenkirchen“ und behauptet, daß sie dann weitergesagt habe ״Haben Sie die Juden im Yemen gesehen? Es sind die einzigen Juden, die Palästina nie verlassen haben“, das ist für jeden geduldigen Menschen, besonders wenn er ein Verehrer der Rosen ist, zu viel. Denn, an allgemein bekannten Verhältnissen gemessen, würde dies etwa heißen: ״Waren Sie schon in Australien? Haben Sie die Hamburger dort gesehen? Es sind die einzigen Hamburger, die Deutschland nie verlassen haben.“ Dazu ist noch zu bemerken, daß sich der Weg von Palästina nach Yemen etwa zwei Monate auf der Karawanenstraße hinzieht und daß inan die Europäer, die im Yemen waren, an einer Hand aufzählen kann. Daß Herr Großmann Frau Rosen bemüht, wenn er der Geographie den Krieg erklärt, ist nicht schön. Aber in einem hat er recht; nämlich wenn er sagt: ״Nach Palästina gehen, heißt, sich ins jüdische Problem stürzen.“ Einmal hat er's getan, der Reiseschriftsteller Großmann und das, bitte, sind die Folgen: Yemen in Palästina.“ M. Y. Ben-Gavriel, Jerusalem. Me nächste Hummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint wegen der christlichen Feiertage in ▼erstärktem Umfange als Doppelnnumer am Freitag, dem 9. April. Die Landeskunde Max Band und der Aufbau Paüstinas Von Professor Dr. Max Blanckenhorn, Mitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. Wer die Palästina-Literatur aufmerksam verfolgt, muß staunen, wie wenig die Judenschaft zur Erforschung dieses Landes ihrer Vergangenheit und der angestrebten Zukunft desselben beigetragen hat. Wenn diese Tatsache zur Zeit der Türkenherrschaft noch einigermaßen zu begreifen war, so Ist es im letzten Jahrzehnt der gesteigerten zionistischen Arbeit nicht mehr der Fall. Landeskunde zu ־treiben und zu fördern ist die Ehrenpflicht einer jeden Kultumation in ihrem Gebiete. Und wenn heutzutage In Palästina zwei (jüdische) hochschulartige Anstalten, die Universität in Jerusalem und das Technikum in Haifa, bestehen, so hätte die Landeskunde schon längst eine Stätte ernster Pflege finden müssen. Denn Landeskunde hat weit mehr als einen rein theoretisch-wissenschaftlichen Wert, sie ist die unentbehrliche Grundlage für jede groß angelegte wirtschaftliche Tätigkeit. Palästina und ganz Vorderasien sind den einwandernden Juden nicht weniger fremd als uns Deutsehen Osteuropa oder der Balkan. Es müßte daher ein Institut begründet werden mit der doppelten Aufgabe der Forschung und der Verbreitung der wissenschaftlichen Kenntnisse. Landeskunde ist ein sehr weitgespannter Rahmen und kann vieles unter dem gemeinsamen Gesichtspunkt fassen, ■wie es auch in kleinen Provinzhauptstädten geschieht. Ich möchte fürs erste drei Gebiete zur Berücksichtigung vorschlagen: Geologie, Klimatologie und Geographie bzw. Erd- und Landeskunde im engeren Sinne. Diese drei Disziplinen könnten mit geringen Mitteln unter einem Dach und unter einheitlicher kollegialer Leitung betrieben werden. Im Laufe der Jahre könnten neue Fächer hinzukommen und Spezialgebiete allmählich sich abzweigen. Ueber die Bedeutung der Geologie für das Wirtschaftsleben bedarf es keiner weiten Ausführungen. Die Zionistische Organisation, so manche Privatgesellschaft und viele Kolonisten haben bei Tiefbohrungen von Brunnen an ungeeigneter Stelle, um nur Tel Arad zu erwähnen, recht viele Tausende Pfund verloren. Ein erfahrener Geologe könnte hier oft viel helfen. Erfahrung muß sorgfältig systematisch gesammelt werden. Da genügt nicht die einmalige Entsendung von Fachleuten, wie die vorbereitende Kommission der Jewish Agency es gemacht hat. Dazu gehört eine geologische Anstalt oder, wie wir es für die erste Zelt Vorschlägen, eine geologische Abteilung an einem Institut für Landeskunde. Die Zionistische Organisation unterhält landwirtschaftliche Versuchsstationen im Lande. Ohne geologische und klimatologische Forschung tasten diese oft im Finstern. Das Netz der meteorologischen Stationen müßte ausgestaltet und einheitlich geleitet werden. Die Bodenkonfigttratioti Palästinas und seine Lage an der Grenze der Wüste bedingen eine sehr ungewöhnlich große Mannigfaltigkeit der klimatischen Verhältnisse. Das metcorologische Netz müßte daher sehr eng angelegt werden. Jedes Jahr der Versäumnis bedeutet einen uneinbringlichen Schaden. Nicht unwichtig wäre es, die meteorologische Zentralstelle (in dem Institut für Landeskunde) mit seismogriphischen Apparaten zu versehen. Den Wert der Erdbebenforschung für Palästlna hat uns das letzte Jahr gelehrt Auf dem Gebiete der Geographie müßten vor allem Wirt- Schafts- und Verkehrsgeographie sowie auch Kartenkunde betrieben werden. Schon verbindet das Automobil rasch und bequem Palästina mit ganz Vorderasien, schon verkehren Autobusse bis nach Teheran. Wenn Palästina seine viel gepriesene Brückenstellung zur Vermittlung zwischen Kontinenten und Ozeanen ausnutzen will, so muß seine Jugend mit den Verhältnissen der Nachbarländer gut vertraut werden. Der palästinensische Jude soll in ganz Vorderasien nicht weniger heimisch sein als ein gebildeter Deutscher in Mitteleuropa. Dann heißt es aber forschen und lehren. Dazu muß das Institut für Landeskunde die Möglichkeit bieten. Ein gut ausgestattetes Institut für Landeskunde mit einer entsprechenden Bücherei, Kartothek und mit landeskundlichen Sammlungen hätte auch dem Bibel- und Altertumsforscher viel zu bieten. Es würde so manchen vor einseitigen Textstudien bewahren durch den innigen Kontakt mit der Landesnatur. Es würde so manchen auf den Weg führen, den der bewundernswerte Professor Dalman, derzeit zu Greifswald, betreten hat: literarische Forschung mit offeijen Augen für die lebendige Wirklichkeit des modernen Palästina. Ein Institut, welches auf diese Welse die Kenntnisse Palästinas vermitteln würde, hätte eine große Anziehungskraft für junge Zionisten aus dem Westen. Zwei Semester am Institute mit anschließenden kleinen Exkursionen und einer großen Studienreise durch das Land — wieder schweben mir als nachahmenswerte Muster Dalmans Reisen vor — würden sicherlich viel mehr bieten als langjährige literarische Studien im Auslände. Welcher Nutzen für die zionistische Bewegung durch Vertiefung der Ausbildung zukünftiger Führer! Wenn das Institut gedeihen und auf westeuropäischer Höhe stehen soll, muß es von vornherein dem Getriebe der Politik, sowohl der großen zionistischen wie auch der lokalen entzogen werden. Ein Kuratorium von europäischen und amerikanischen Fachgelehrten als oberste Behörde und Kontrollorgan wäre wohl unentbehrlich. Männer von wissenschaftlichem Namen und Ruf als Kuratoren wären auch die beste Gewähr für die Mäzene der Anstalt. Diese würden über den administrativen Anschluß des Instituts für Landeskunde, ob an die Universität oder an das Technikum oder gar eine selbständige Stellung zu entscheiden haben. Darüber zu urteilen liegt mir ohne Kenntnis der betreffenden Anstalten fern. Wenn die Jüdische Gemeinde in Berlin daran geht, in Palästina eine neue Lehrstätte oder ein Institut zu gründen, so könnte keines nützlicher sein als das für Landeskunde. Deutschland ist das klassische Land der Landeskunde und hat auch für seine Nachbarländer, besonders für die östlichen, Vorzüg- Heftes geleistet. Ein von Deutschland gegründetes und von deutschen Gelehrten ins Geleise gebrachtes Institut für Landeskünde in Palästina hätte die besten Aussichten auf Erfolg. Der ordentliche Professor für Mathematik an der Universität Kiel, unser Gesinnungsgenosse Dr. A. F r a e n k e I, hat die Berufung auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Jerusalem, als Direktor des neubegründeten mathematischen Instituts, zunächst für die Jahre 5090 und 5691 angenommen. Das preußische Kultusministerium hat ihm vom Herbst 1929 bis Herbst 1931 Urlaub erteilt. Znr Ausstellung in der Galerie Casper. Der litauische Maler Max Band, der 1924 in der Galerie Heller (siehe ״Jüd. Rundschau“, Oktober 1924) mit außergewöhnlicher Vehemenz an die allererste Stelle der jungen jüdisehen Begabungen vorschnellte, beweist in der Ausstellung in der Oalerle Casper, daß die vielfältig angezeigte Entwicklung nicht bloßes Versprechen geblieben ist. Die gegenwärtige Aus- Stellung zeigt auf dieser neuen Stufe nicht nur sachliche Erfüllung, sie weist ein neues, auf gültige, objektive Vollendung gerichtetes Ziel, den wahrscheinlich nicht vergeblich erstrebten Platz in der Reihe der internationalen Namen. Schon 1924 war seine Begabung in seltenem Maße harmonisch bei aller Verschiedenheit im Einzelnen. Die Landschaft, das Stilleben, der Mensch, waren Angehörige eines einheitlichen geistigen Kreises. Man ging damals nicht fehl, wenn man Ihn einen magische» Kreis nannte. Der Mensch, es war meist der geistige Mensch oder der Mensch in einem bestimmten seelisch utnzirkten Augenblick, war die höchste Ordnung, er konnte das Stilleben im Spiel mit dem Raum beherrschen, die Landschaft aber war der Traum, das Gelöste. Ich nannte die Landschaften damals: ,Gedichte über Landschaft“. Der heutige Max Band, in der Entwicklung von fast fünf Jahren, ist soweit wir ihn in der kleinen Auswahl sehen können, ein anderer und doch derselbe. Die Ghettoknaben sprechen nicht mehr zugleich ihre Weltanschauung, ihre Biographie, die Porträts: zwei Damen sind zwar in ein seelisches Blickfeld gestellt, aber Gegenstand der Darstellung ist die Dauer, das für eine lange zeit Bleibende und der ״litauische Fleischerjunge in Paris“ ist im obiektiven Aufriß kritisch gesehen und zugleich Gestaltung der dop- . des Großstadtjungen. Das Käppchen zwar ist noch da, därunter aber fehlen die Schläfenlocken. Die schwarzen Träumeräugen stehen im Gegensatz zu den großen schweren Arbeitshänden, die, wie nicht dazugehörig, an der Schürze herabhängen, die eine lose herangezogen durch die Henkelrundung des großen Korbes. Im Porträt hat Max Band schon 1924 nicht allzu viel hinzulernen müssen. Er verstand es schon damals, der Masse die Schwere zu nehmen. Den letzten Glanz, der diesem genialen Ansatz der ״Frau mit dem Brief“ die Weichheit des Lebens noch um einige Grade mehr verlieh, hat er anscheinend schnell dazu gelernt. Seine Knabenporträts sind gemalt mit dem weieben Schimmer Und dem Glänzen der Zärtlichkeit dem jungen treibenden Leben gegenüber, ln diesem Sinne meisterhaft ge* malt ist das Porträt seines kleinen Sohnes, der Kleine mit den verschränkten Armen. Und von derselben Zartheit des Gefühls lebt das größere Gemälde ״Mutter und Kind“: der Kleine auf dem Arm der Mutten zart, angeschmiegt, die Augen schwarze, lebende, feuchte Flecken, die Mutter herb, kräftig, rassig, ohne Fülle, mit hoher Stirn, das Haar fällt schwer nach hinten. Es ist in diesem Bild eine tiefe Innigkeit, die aus der Gestalt herauswächst, die nicht offen zu Tage liegt, sondern in der Geschlossenheit wirkt wie die Kraft in einer Knospe, doppelt überzeugend durch die scheinbare Sachlichkeit. Alle diese Gemälde sind außerordentlich sorgfältig gemalt, kein Hinhauen aus dem genialen Wurf, ein schönes stilles Wachsen. Die Farben sind gedeckt. Auch ״Der Fleischerjunge" mit der weißen Schürze und ״Die Mutter“ mit der hellen Wauen Bluse haben in Hintergrund Und Untergrund viel braun, grünblau... der Fleischerjunge auch dunkelrot. Gedeckte Farben, aber in kostbarer solider Malweise fesseln doch alle Bilder zu elngeh«j-;der• :Betractatw!l#£Pbl#6hI' ft1UNI!beni»1L der Pfälzer׳ Crffii ׳1:11%•»־mit südlich •heller: ÜahdscWft-'toikC־ •UIe־lahds־m1«n von Max Band locken nicht minder. Es sind Bilder aus Korsika und Südfrankreich. Auf fast allen sieht man einen eigenwillig geformten Gipfel mit herausgereckter Felskuppe, sonst: an den Abhängen: Kastenhäuser — neroische Landschaft — oder breite rote Dächer mit Giebeln. Alle haben auch die welchen Bäume, die zumeist Oliven sind oder wenn sie nur so aussehen ״Sapins“ die korsikanischen Bergtannen. Wunderschön ist diese eine Landschaft mit dem abschließenden Berg und dem Doppelkreis der weichen Bäume; Olivenwälder am Abhang, im Vordergrund die ״Sapins“ im kaum begonnenen zweiten Kreis. Neben ihnen rote Büsche, und dunkle Baumschatten entfernterer Bäume. Ebenso schön ist die südlich helle Landschaft mit den roten Dächern und dem blauen heißen Himmel oder die Land- Schaft ״Dergraue Tag“ mit dem hängenden grauen Regenhimrael über dem feuchten Dunkelgrün der Baumiand- Schaft, Olivenwäldchen hingestreut über sanfte Hügel. Die schönste Landschaft aber ist eine ganz weiche, grüne Bergkuppe mit schmalem Dunkelblaurand. Gelbgrün, grüngrau, dunkelgrün, rosaviolette Töne, eine wunderschöne Harmonie wie von einer Riesenhand hingestrichen über einen Abhang frühlingsgrüner Wälder. Nichts, nur Himmel, Berg, Bäume, Abhang. Nicht wichtig, ob ein Haus ״die Landschaft belebt“! Wo zufällig eine Ziege steht, gehört sie zu diesem Boden, ist in Kontakt mit ihm wie auf dem Bild mit den zwei Bergen. Die Landschaft ist für M a x B a n d immer neu: Ueberraschung an Farbe, Stimmung, Weite, Gewalt, Größe, Oeffnung zu überraschend em Ausblick, und sie scheint in der gegenwärtigen Epoche so beherrschend wie ehemals die seelische Landschaft des Menschen. Um ein Beispiel aus der Literatur zu geben: Der Dichter Stenzei steht so taufrisch vor dem Erlebnis Natur, so bereit zum Tasten, zum Schmecken in dem kleinen Hund ״Waldi“, dem er sein schönstes Gedicht gewidmet hat. Max Band hat jetzt die Technik der großen französischen Malkultur. Er kann fast zu viel, werden Skeptiker sagen: Porträt, Landschaft und Stilleben, ein Könner! Max Band kann; kann jetzt viel, aber er ist nicht bloß ein Könner, er fühlt! Seine Stilleben sind diesmal vielleicht das technisch voUkommenste, die Landschaften aber sind schöner, obwohl das größere Stilleben: j,Die Granatfrüchte“ (ohne die Trauben!) schon seine Qualitäten hat, ebenso das ganz kleine mit den Birnen. Und weil er fühlt, malt er auch Blumen. Seine hellen ״rosa Tulpen“ sind die schönsten, die man sich gemalt wünsehen kann, leicht und mit allem Schimmer, diesem, der Schwere nehmen kann und zugleich Stoff empfinden läßt; gelernt in früh geübter Kunst kommt die Technik dieser ״Frau mit dem Brief“ jetzt diesem kleinen Meisterwerk zustatten. Die fühlende Ueberempfindlichkeit des Juden macht die jüdischen Maler für die subtilsten Aufgaben geeignet — wir wissen es seit den Impressionisten. Max Band treibt dies Fühlen gegenwärtig zur Natur. In einem Topf dunkelroter Tulpen malt er sogar die schwarze, lockere und zugleich fettige Erdkrume. Max Band ist in Paris nicht zum Routinier geschliffen worden. Das zeugt schon von Kraft, er ist in einem nicht von außen bestimmten und darum guten Schaffen. So gewann er jetzt den breiten Weg. __ Ruth Morold. Ludwig Hardt-Abend Der bekannte und anerkannte Rezitator Ludwig Hardt spricht auf Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung am Donnerstag, dem 4. April, abends 81/1 Uhr, im Schillersaal, Bis■ marckstr. 110, über ״Ost- und westjüdische Dichtung/‘. Dem Berliner jüdischen Publikum ist Ludwig Hardt kein Fremder. Seine große Kunst hat Ihm viele Freunde des kunstliebenden Berliner Publikums gewinnen lassen. Wir weisen auf den Abend ״Ost- und westjüdische Dichtung“ besonders hin und freuen uns, daß Hardt einen ganzen Abend jüdisehen Werken widmet (Siehe Inserat.)