Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 24-25 (28.3.1929)
- Date
- 1929-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 156 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24/25, 28. m. 1929 durchaus verständlich, daß eine Jugend, die Aktivität und Streben auch Klarheit besitzt, in ihnen und der durch sie vertretenen Gruppe nicht die geeigneten Führer findet. V. Würde man diesen Weg verlassen, würde man wirklich den Weg des neuen Aufbaues entschlossen gehen, so würde der viel gelästerte Kampf wahrscheinlich auch in Deutschiand stärker entbrennen. Aber bei der Wahl zwischen einem solchen Kampf und dem augenblicklichen Ruhezustand bekennen wir ehrlich, daß wir den Kampf vorziehen. Es kann uns, und mit uns unseren Freunden und Gegnern im zionistischen Lager, nur nützen. Man schrecke uns nicht mit den Bildern aus Polen Nicht daß dort ein Meinungsstreit besteht, ist es, was uns die polnischen Verhältnisse als ungesund und unfruchtbar erscheinen läßt, sondern die Art, wie dieser Kampf geführt wird. Dieses Vertrauen glauben wir zum deutschen Zionismus haben zu können, daß ein solcher Kampf hier anders aussehen würde als dort; ganz abgesehen davon, daß es dort eine Arbeitsgemeinschaft überhaupt nicht gibt, während wir glauben, daß, wenn heute die Umwandlung entschlossen und aktiv in die Hand genommen würde, sie auch gleich mit einer Arbeitsgemeinschaft praktisch in die Erscheinung treten würde. VI. Nun wird gefragt, was dann der Unterschied gegenüber dem heutigen Zustande sei. Wir glauben, daß dieses klar ist. Würde das Wirklichkeit, was wir anstreben, so würde zunächst die Folge sein, daß die Gruppe, die heute den Kern des nichtföderativen Teils der Z. V. t. D. ausmacht — nennen wir sie der Einfachheit halber nach ihrem Exponenten, die Gruppe Blumenfeld — sich ein Programm geben würde, das nicht mehr darauf abzielt, möglichst allen Teilen der Z. V. f. D. gerecht zu werden, sondern das wirklich ihre Eigenart in allen Punkten heraushebt. Daneben würde möglicherweise eine zweite Gruppe der allgemeinen Zionisten stehen, die mit einem anderen Programm in diesen neuen Aufbau hineingehen würde. Ob diese beiden Gruppen organisatorisch eine Einheit bilden oder nicht, ist ihre Sache, leicht möglich, daß sie es tun werden, well nur auf einigen Gebieten Unterschiede zwischen ihnen vorbanden sein werden. Daneben stehen dann die einzelnen Föderationen und, mit einem allmählich ja auch ziemlich klar gewordenen Programm auf den verschiedensten zionistischen Arbeitsgebieten, die Revisionisten. Und nun wird man sich in grundlegenden Aussprachen zunächst für eine bestimmte Zeit darüber klar werden, welche Arbeiten von verschiedenen Gruppen gemeinsam in Angriff genommen werden. Allen Gruppen gemeinsam wird die Arbeit für die Fonds und einen großen Teil der Propagandaarbeit sein. Einzelne Gruppen werden miteinander eine Gemeinschaft eingehen für politische Arbeit, andere für Hachscharah; Kulturarbeit wird gemeinsam oder getrennt geleistet werden usw. Jede Grinpe wird dann ihre zionistische Tätigkeit, ungehemmt von Einflüssen, die jetzt mit ihrer Grundanschauung nicht übereinstimmen, ausüben können, und es wird dadurch eine wesentlich stärkere und tiefere Wirkung sich erzielen lassen als heute, wo jede Arbeit von Rücksichten gehemmt ist. VII. Wird der Gedanke durchgedacht, so gibt es unseres Erachtens nur zwei ernst zu nehmende Einwände ihm gegenüber. Der eine ist die Wirkung nach außen. Man glaubt, die Propagandaarbeit wird erschwert, wenn sie sich von Anfang an nicht auf Gewinnung von Zionisten im allgemeinen, sondern von Zionisten bestimmter Prägung richten müß. Wir glauben das nicht. Schon heute treten in der Propaganda dem Nichtzionisten die verschiedensten Gruppierungen entgegen, und man wird niemanden, dessen Gewinnung einem am Herzen Hegt, im Zweifel darüber lassen, daß die Zionistische Organ!« sattoin ein Mikrokosmos der Qe&amtjudenheit ad, u»djl*| er» deshalb, wie er eine bestimmte Einstellung In der Gesamtjudenheit hat, so auch seinen bestimmten Platz innerhalb der Zionistischen Organisation suchen und finden muß. Es wird die Klarheit und damit die Arbeitsmöglichkeit erhöhen, wenn sich ihm dieses auch organisatorisch sofort dokumentiert. Der zweite ist die Arbeit in den kleinen zionistischen Ortsgruppen. Man sagt, daß die neue Form sich wohl in großen Gruppen, nicht aber in kleinen durchsetzen lassen werde. Das klingt bestechend, ist aber nur sehr begrenzt richtig. Auch in Zukunft soll es ja nicht so sein, daß die fokalen Gruppen sich vollkommen auseinanderleben. Jm Gegenteil. Die Arbeitsgemeinschaften sollen ja dazu führen, daß stärkstes zionistisches Gemeinschaftsleben auf den einzelnen Arbeitsgebieten von denen geleistet wird, die sich auf diesen Gebieten wirklich einander nahe fühlen. Wenn wirklich dann einige wenige Versprengte sind, an den Orten, an denen sonst nur Zionisten anderer Gruppierungen leben, so wird nichts sie zu hindern brauchen, einen Teil der zionistischen Arbeit, der dort ihrer eigenen Einstellung entsprechend geleistet wird, mitzumachen, während sie sich von anderen Arbeiten, die ihnen nicht entsprechen, freihalten. Selbst wenn aber dieser Einwand richtig wäre, wird jeder zugeben müssen, daß man eine Frage, die so große Bedeutung nach allen Richtungen hin hat, unmöglich darauf abstellen kann, ob sie für kleine und kleinste Gruppen auch eine Ideallösung bringt oder nicht. VIII. Klar dürfte hiernach sein, daß es sich bei der ganzen Frage weder um ״zentrifugale, noch um religiöse Beweggründe“ handelt, wie von verschiedenen Seiten im Laufe der Debatten behauptet worden war. Wir glauben, über dc.1 Verdacht erhaben zu sein, daß wir solche Beweggründe, wenn wir sie hätten, verschweigen könnten. Nur absolutes Mißverständnis oder gewollte Verdrehung können sie bei dem vorstehenden Gedankengang, der in seinem Aufbau gleichartig bereits dem Frankfurter Beschluß zugrunde gelegen hatte, hineininterpretieren. Es handelt sich um ein uns allen gemeinsames zionistisches Problem. Wir sind — merkwürdigerweise gerade wir in Deutschland — in einer Organisationsform stecken geblieben, die dem Vorkriegszionismus entsprach, aber nicht dem Zionismus nach der Balfour-Deklaration. Zu einer Zeit, als der Kampf noch um Organisation und Propaganda ging, war die Einteilung nach Ländern die organisatorisch zweckmäßigste. Seit es in mindestens gleichstarkem Maße sich um die Art des Palästinaaufbaues handelt, ist die Gliederung nach ideologischen Gruppen das Naturgegebene geworden. Die Gliederung nach Ländern ist ein Residuum aus früherer Zeit. Will der deutsche Zionismus nicht um einer Form willen stagnieren, sondern unter Zerbrechung dieser Form ein lebendiges Glied der zionistisehen Gesamtbewegung bleiben, so wird und muß er den Weg der Neugliederung, wie er hier vorgezeichnet ist, gehen. Me Bewässerung!im Nnrls-Blodt Die große Bewässerungsanlage im Nuris-Block ist jetzt zum größten Teil fertiggestellt. Insgesamt wurden etwa 10 km Betonröhren gelegt und £15 000 aus Mitteln des Keren Haj e s s o d investiert. Die Röhrenanlage wird den Siedlungen Kfar Jecheskel, Ain Charod, Beth Alpha und Chefzibah die Be* Wässerung eines Komplexes von zirka 6000 Dunam Feldern ermöglichen und für die wirtschaftliche Entwicklung der Sied- Jungen eine große Rolle spielen. Zur vollen Ausnützung der neuen Anlage ist jedoch noch der Ausbau des inneren Röhrenaetzes erforderlich, (Ziko.) Um die Verwertbarkeit der Kali- Schätze des Toten Meeres Von Dr. Alfred Marcus, Berlin. Wie an anderer Stelle untere* Blatte* berichtet wird, ist die Frage der Tole-Meer-Konzession Gegenstand einer ernsten Verhandlung an englischen Oberhaus gewesen. Am Anlaß dieser Debatte veröffentliehen wir nachstehenden Aufsatz, ohne uns mit seinem Inhalt einoerstanden zu erklären. Wenn in englischen politischen und finanziellen Kreisen für diese Frage Interesse besteht, so dürften die Ausführungen von Dr. Marcus doch nur als eine unter vielen Meinungen gehört werden. Die Beleuchtung der Frage ist indes vom weltwirtschaftlichen Standpunkt aus interessant und darum sei ihr Raum gewährt. Wir sind jedoch der Meinung, daß nur eingeweihle Fachkreise ein so schwieriges technisches Problem zu beurteilen vermögen. Man soll in zionistischen Kreisen — und das geschieht ja auch in vollem Maße — die ganze Angelegenheit weder überschätzen noch unterschätzen und vor allem nicht ah Sensation behandeln. Dr. Marcus' Schlußfolgerungen kann man sich wohl so lange nicht zu eigen machen, als nicht genaue Berichte über das Tatsächliche des Projektes vorliegen. Red. Das Konsortium Novomejski-Tulloch hat die prinzipielle Genehmigung zur Ausbeutung der Kalischätze des Toten Meeres erhalten, und die transjoraanische Regierung hat sich ebenfalls ״im Prinzip“ damit einverstanden erklärt, daß die Gruppe sich in das Abenteuer stürzt. Denn — weltwirtschaftlich gesehen — handelt es sich hier um ein ausgesprochen abenteuerliches ״Geschäft“ mit außerordentlichem Risiko nicht nur für die unternehmende Gruppe, sondern auch für die jüdische Kolonisation Palästinas und deren Prestige. Das Risiko der britisehen Regierung und das der transjordanischen ist allerdings gering, ihnen kann nichts weiter passieren, als der Fortfall Berliner ZionisiisdieVereinlgung Donnerstag, den 4. April 1929, abends 8 ”, Uhr, im Sckillersaal, Charlottenburg, Biam-rckstr. 110 (am Knie) Ludwig Hardl Ost• and west• indische Dichtung Schalom Asch, Blallk, Per ex, Heine, Börne, Beer -Hofmann, Lasker-Schüler,Kafka,Altenberg. Der Abend wird eingeleitet und beschlossen durch Abschnitte aus der Bibelübersetcung von Buber-Rosenrwelg. Karten in der B.Z.V., Berlin W 15, Meinekestrafie 10 STelefon: Bismarck 7165), bei Bote & Bock, Leipziger traße und Tauentzienstrafie, an den Theaterkassen von A. Wertheim und an der Abendkasse Russen seit einiger Zeit offenbar ernsthaft betrieben wird, wohl unterblieben wäre. Aber die Dinge liegen hier doch anders, als sonst irgendwo in der Welt, anders auch als in Palästina. Erstens hat Rußland einen ungeheuer großen, noch gar nicht aufgeschlossenen Inlandsmarkt für künstliche Düngemittel, aut 'dem die Preise ebenfalls monopolistischen Festsetzungen unterliegen, und der nur solange vom Auslande her beliefert werden kann, wie dies der russischen Einfuhrkontrolle paßt. Eine Rentabilität im privatwirtschaftlichen Sinne ist hier nicht unbedingt erforderlich, wahrscheinlich auch nicht gegeben. Bei dem palästinensischen Experiment dagegen wäre sie unbedingt zu fordern. Zweitens: der russische Export von Bodenschätzen hat ebenfalls nicht in der Hauptsache die Rentabilität im Auge, sondern vor allem die Tatsache des Exportes überhaupt. Hierfür gibt es Beispiele. Es kommt den Russen Im wesentlichen auf die Beschaffung von Devisen, die Entlastung ihrer Außenhandelsbilanz und derartige gesamtwirtschaftliche Gesichtspunkte an. Sie können daher — vielleicht! — in einiger Zeit Kali im Kampf gegen die dentsch-elsässische Konvention exportieren. Ob sie es tun werden, ist eine andere Frage. Eine private palästinensische Gruppe, die ganz anders rechnen muß, als die russischen ״Sojuse“ kann es deshalb noch lange nicht! Die Aussichten für einen gewinnbringenden Absatz palästinensischen Kalis in nennenswertem Umfange sind daher außerordentlich schlecht. Aber selbst wenn sie besser wären: es müßte in jedem Falle davor gewarnt werden, die wirtschaftliche Bedeutung des Versuchs zu überschätzen. Der Gesamtwert des deutschen Kaliabsatzes, der zirka 70 q0׳ des ganzen Weltverbrauchcs einschließlich des ungeheuer großen deutschen Verbrauches deckt, hat im Jahre 1923 rund 220 Millionen Mark betragen. Hierbei muß aber noch die Tatsache berücksichtigt werden, daß wir in Deutschland künstlich hochgehaitene Preise haben. Der Weltmarkts wert des deutschen Absatzes dürfte ebenfalls 180 Millionen Mark betragen, aber auch er wird noch durch die deutsch-eisässische Konvention künstlich erhöht. Aut einem freien Markt, oder bei Kampfpreisen, wie sie das Auftreten palästinensischen Materials unbedingt mit sich brächte, würde dieser Wert wahrscheinlich noch ganz wesentlieh sinken. Es ist notwendig, diese Dimensionen einmal festzustellen, um den ganz unmotivierten, z. T. phantastischen An• sichten über den möglichen Wert einer palästinensischen Kali- Produktion und -Ausfuhr im Rahmen der palästinensischen Gesamtwirtschaft eine Grenze zu setzen. Milliarden sind hier nicht zu holen, Millionen aber auch wohl kaum zu verdienen, selbst wenn man für eine etwaige Kaliproduktion Ziffern ansetzt, die mit denen der deutschen überhaupt vergleichbar sind. Die Berechtigung hierzu muß aber nach dem oben gesagten doch wohl stark angezweifelt werden. Eine palästinensische Kaüproduküon nennenswerten Um• fanges könnte nur dann mit einiger Aussicht auf Erfolg aufgenommen werden, wenn cs gelänge, den Verbrauch der Welt über die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie hinaus erheblich auszuweiten. Diese Möglichkeit scheint nicht gegeben zu sein. Das Hauptinteresse der internationalen Landwirtschaft liegt längst auf dem Gebiet der stickstoffbetonten Düngemittel, nicht mehr auf dem der kalibetonten. Seit 1913 ist aer Verbrauch der Welt an den fraglichen Düngemitteln beim Stickstoff um 121 «/o, beim Kali aber nur um 36 0/0 gestiegen, trotz der Aufschließung großer tropischer und subtropischer Märkte. Man darf sich also auch in dieser Beziehung keine Illusionen machen, zumal — wie mehrfach erwähnt wurde — die vorhandenen und längst auf Erinnerungsposten abgeschriebenen, stilliegenden Schichte in Deutschland eden eintretenden Neubedart sofort mehr als reichlich decken könnten. mi^lSrea';׳f tnb¥ז•«•«• bei. ׳־״׳'- Es hat gar keinen Sinn, die Frage des PalästinakaBs unter palästinensischen Gesichtspunkten zu betrachten. Denn das Kali (bzw. seine zahlreichen Verbindungen, die für Düngezwecke Verwendung finden können) ist ein Weltmarktsartike!, und ebenso wenig, wie etwa der palästinensische Iniandsverbrauch an Orangen die Entwicklung der dortigen Orangenkultur rechtfertigen würde, ebenso wenig könnte die Schaffung der notwendigen Anlagen für die Gewinnung von Kalisalzen aus dem Toten Meere und für deren Transport durch den Absatz innerhalb Palästinas auch nur einen Bruchteil der Amortlsationskosten verdienen. Der Kaliweltmarkt nun wird bekanntlich von der deutschen und der elsässischen Produktion beherrscht. Die deutsche Produktion hatte im vergangenen Jahre einen Reinkaligehalt von rund 1,4 Millionen Tonnen, die elsässische einen solchen von rund 480 000 Tonnen. Mit diesen rund 1,9 Millionen Tonnen wurde der Weltbedarf im wesentlichen gedeckt, denn die ganz geringen Produktionen Polens, Amerikas und Indiens (bei den beiden ietzgenannten Ländern handelt es sich, wie in Palästina, um Kalisalze, die nicht bergmännisch gewonnen werden, sondern durch Eindampfen natürlicher Laugen) spielt bei der Deckung dieses Bedarfes gar keine Rolle. Wichtig für die Beurteilung der Zukunftsentwicklung ist aber die folgende Feststellung: Die deutsche Produktion beläuft sich nur auf einen Teil der Leistungsfähigkeit aller deutschen Schächte. Im Verlauf einer außerordentlich rigorosen Rationalisierung hat die deutsche Kali-Industrie im Laufe der Jahre 1924 bis 1927 nicht weniger als 54 von 126 Kali fördernden Betrieben mit den dazugehorenden Schächten stillgelegt, im Jahre 1913 arbeiteten im jetzigen Reichsgebiet sogar 142 derartiger Betriebe, also genau doppelt soviel, wie im Jahre 1927. Der Grund hierfür liegt darin, daß trotz der auf Grund des Kali- Wirtschaftsgesetzes von 1919 ausgebauten, aber schon lange vor dem Kriege begonnenen straffen Syndizierung der deutschen industrie die Produktion nicht nur auf einer Anzahl von Schachten zu teuer, sondern vor allem viel zu hoch geworden wäre, um sie am deutschen Markt und am Weltmarkt unterbringen zu können. (1928 wurden 61®/0 der deutschen Produktion 1m ln lande und 39 ס/י׳ im Auslande abgesetzt.) Dabei wird die Stel• lung der deutschen Industrie gegenüber ihrem Hauptverbraueher, der deutschen Landwirtschaft, noch besonders durch ihren gesetzlich festgelegten, monopolartigen Charakter bestimmt, der jede Unterbietung in Deutschland oder gar die Einfuhr von außen ebenso unmöglich macht, wie das Entstehen ״wilder“ Schächte außerhalb des Syndikates. Mit der elsässischen ln■ dustrie, die heute rund 30 ״/o der deutschen Produktion liefert und deren erste Entwicklung noch in die Vorkriegszeit fällt, hat man sich vor einigen Jahren verständigt, indem man die Märkte nach einem bestimmten Schlüssel untereinander aufteilte. Diese Konvention ist sehr fest gefügt und beherrscht, wie gesagt, den Weltmarkt. Gegenseitige Unterbietungen sind hierdurch ausgeschaltet. Die eigenartige Stellung der deutschen Kali-Industrie als halb staatlich, halb privatwirtschaftlkh fundiertes Inlandsmonopol sichert ihr am deutschen Markt einen Preis, dessen Höhe in gewissem Sinne als Funktion des am Weltmarkt erzielbarer. KaUpreises anzusehen ist. Eine Senkung des letzteren infolge des Auftretens eines Außenseiters mit großem Angebot zu niedrigen Preisen könnte, im Rahmen der Gesamtrentabilität der deutschen Kaliwirtschaft stets durch eine im Inlande mit seinem mengenmäßig höheren Absatz nicht so sehr fühlbare Preiserhöhung ausgeglichen werden. Es dürfte daher außerordentlich schwierig sein, die deutsche Industrie am Weltmarkt zu unterbieten, selbst wenn ein Außenseiter mit nocli so niedrigen Preisen an den Markt käme. Man wird hier vielleicht einwenden, daß unter diesen Umgtäsdea. die Entwicklung der ßolikamsker Lager! die von den Die Absatzfrage bietet ,demnach für palästinensisches KaH, wnW»l ." Wem für die Produktiönsutid Die Zukunft des russischen Zionismus Jm ״H a p 0 e 1 H a z a i r“ bespricht R i w 1 i n den Be- Schluß des englischen BoardofDeputles, wonach keinerlei Schritte zur Besserung der Lage der russischen Juden Im Augenblick Aussicht auf Erfolg hätten. Der Verfasser zweifelt, ob trotz der außerordentlichen Schwierigkeit des Problems, die vor allem darauf beruhe, daß die Notlage der russischen Juden die Folge einer bestimmten Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung sei. ein solcher Beschluß resignierter Verzweiflung zulässig sei und ob wirklich das iüdlscne Volk berechtigt sei, auf einen so wichtigen Zweig des Volkstums zu verzichten. Noch bedauerlicher aber sei, daß auch die Zionistische Weltorganisation dieselbe verzweifelte Ansicht in bezug aufdieZukunftdesZionismuslnRußland zu haben scheine. Gäbe es irgendwo eine zionistische Institution, die die Sorge für den russischen Zionismus als ihre Aufgabe empfinde? Dürfe man wirklich sagen, daß alle erdenkbaren Schritte geschehen seien und nichts mehr zu tun übrig bieibe? Und wenn es selbst in bezug auf politische Hilfe für den Zionismus in Rußland völlig aussichtslos stehen sollte, so bleibe bestimmt ein Gebiet übrig, und zwar die m a - terieile Hilfe für die Opfer der Zionistenverf olgungen. Es sei fast nicht zu glauben, daß nur das in Palästina bestehende ״Vereinigte Komitee zur Hilfe für die zionistischen Gefangenen in Rußland“ sich dieser Arbeit annehme und in den Jahren seines Bestehens gewisse begrenzte Erfolge erzielen konnte, während es nirgendwo in der Diaspora eine entsprechende Organisation gäbe, obwohl sich das palästinensische Komitee mehr als einmal mit der Forderung an die zentralen Institutionen gewandt habe, die Organisation ähnlicher Komitees in änderen Ländern in die Hand zu nehmen. Auf dem letzten Kongreß habe eine gesonderte Zusammenkunft von lntcressenten für diese Frage stattgefunden, dort sei die Gründung einer Weltorganisation beschlossen worden, deren Leitung Leo Motzkin übernommen habe. Geschehen sei aber nichts. Notwendig sei die Gründung einer Art ״Roter Magen David“. Die Chaluzim in Rußland Moskau, 24. März. (J.T. A.) 15 Chaluzim, die sich f" י־ ' — —L —״-־-־- «׳־- Pässe zur Reise nach Palästina. Weitere 65 Chaluzim, die sich in Provinzstädten aufhalten, haben sich ebenfalls um Palästinapässe beworben und harren der Entscheidung des Zentral-Exekutiv-Komitees. Die Führer der aufgelösten Chaluzim-Organisatlon, Altscbuler und Zerubabel, haben soeben eine dreijährige Gefängnishaft absolviert und werden im Etappenwege nach Swertlowsky gebracht, wo man sie über ihr weiteres Schicksal aufklären wird. Es Ist möglich, daß die beiden Chaluz-Führer in die Verbannung werden gehen müssen. FESSACH-SAMMLtJNG IN BERUH 802• den EINSTEIN •WALD am 14. und 21. April