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Jüdische Rundschau · 1929-03-28 · Heft 24-25 (28.3.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 24-25 (28.3.1929)
Date
1929-03-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr.?4/25 28. m. 1929 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 155 ״Jachin״ Vod unserem palästinensischen Korrespondenten. A. O. Jerusalem, 15. März. Die neuen Orangerien in Palästina stehen seit langem im Mittelpunkt des Interesses. Bei einer Durchfahrt durch die Küstenzone sieht man überall die weiten Flächen, wo gepflügt, Gruben für die Bäume ausgehoben, Brunnen gegraben werden. Und neben diesen noch brachen Flächen ziehen sich weithin die Reihen der jungen ein- oder zweijährigen Bäumchen. Die Anlagen sind nicht gleich in ihrer Art. Verschiedene Arbeitsarten nebeneinander, moderne und unmoderne, sorgfältige und nach Eisige, große, einheitlich bebaute Landstreifen neben anderen, die in kleine Parzellen zerteilt und verschiedenartig bestellt sind. Aufmerksamkeit erregen meist nur die großen Käufe und Anlagen von (Gesellschaften oder kapitalkräftigen Einzelpersonen, die Hunderte von Dunam auf einmal unter den Pflug nehmen. Es gibt aber heute auch eine bedeutende Anzahl von kleinen und ganz kleinen Pflanzern, die der unwiderstehliebe Orangentaumel mitgerissen und veranlaßt hat, ihre Ersparnisse in einem ״Pardess“ anzulegen oder sich eine Anleihe zu beschaffen und damit unter die Pflanzer zu gehen. Wer heute noch nicht so weit ist, macht alle Anstrengungen, im nächsten Jahre so weit zu kommen, einer träumt von zwei, der andere von fünf Dunam und man findet überall Kandidaten für den neuen Beruf. Was vor zwei Jahren vorausgesagt wurde, hat sich bewahrheitet: Palästina ist dem Orangentaumel verfallen. Während man sich darüber klar ist, was das Land dieser Bewegung für seine wirtschaftliche Entwicklung verdankt, was sie für den Arbeitsmarkt, die Einwanderung, den Export bedeutet, erregt bei manchen, die die Arbeit im ganzen und ihre Ausführung im einzelnen übersehen, dieses ungeregelte Vorwärtsstürmen einige Besorgnis. Sie gilt nicht so sehr der Menge des Produktes, die nach vier bis fünf Jahren, wenn die neuen Pflanzungen zu tragen beginnen, stark steigen muß, sondern vor allem seiner Qualität. Der Preis und die Verkaufsfähigkeit der Jaffa-Orange hängt in erster Reihe davon ab, daß sich ihre Marke nicht verschlechtert, und es ist bekannt, daß im vorigen Jahre schlechter sortierte Sendungen auf den europäischen Markt gelangten, was die palästinensische Regierung zu einer Kontrolle der Exportsendungen veranlaßte. Bei einer unsachverständigen oder nachlässigen Anlage neuer Plantagen kann es geschehen, daß die Besitzer später einen großen Ausfall an Exportfrucht haben, wenn sie richtig sortieren oder, wenn nicht, daß der Standard der Ware verschlechtert wird. Wie ein großer Ausfall in den neu angelegten Orangerien wirken muß, besonders bei den ״kleinen Leuten“, die ihre ganze Hoffnung auf ihre Anlage gesetzt, sich vielleicht für sie Tn Schulden gestürzt haben, braucht keiner Erläuterung. Es ist also von besonderer Bedeutung, wie die neuen Plantagen angelegt und gepflegt werden. Die Anlage einer neuen Orangerie geschieht je nach den Umständen auf verschiedene Weise. Die Siedler aus den ״alten Kolonien“ und auch zum Teil in den jüngeren Orten des .,Scharon“ führen die Pflanzungen meist selbst aus. Sie besitzen häufig die genügenden Kenntnisse, um die Arbeit zu leiten und zu überwachen. Einige der alten Kolonisten übernehmen auch für andere die Anlage von Plantagen. Daneben geht die Menge der kleinen Leute, die oft die Arbeit nicht kennen, sich Rat und Hilfe suchen, wo sie diese finden und so meist schlecht und recht ihren Plan durchführen. Die Gesellschäften, die für ihre Aktionäre in großem Stile pflanzen, halfen sich meist eigene Fachleute, die im Lande, oft auch in Kalifornien geschult sind und für eine sorgfältige Pflanzung die Verantwortung tragen. Diese Oesellscharten arbeiten häufig in großem Maße, mit modernsten Methoden, untel־ Verwendung, von modernen Bewässerungssystemen und Maschine«. * ״ Vor zwei Jahren wurde von der Arbeiterschaft aus etn Versuch gemacht, durch Gründung einer besonderen Abteilung der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation, die Anlage neuer Plantagen an sich zu ziehen. Die leitende Idee war, große Aufträge für landwirtschaftliche Arbeiten zu übernehmen und zwar nicht durch Vermittlung von Unternehmern, sondern direkt. So entstand ,Jach» n“, eine ״kooperative Gesellschaft für landwirtschaftliche Arbeiten mit bes״hränkter Haftung“. Praktisch hat diese Gesellschaft hauptsächlich mit Orangenpflanzungen, in kleinem Maßstabe mit Bananen zu tun, obwohl sie theoretisch für alle landwirtschaftlichen Arbeiten gedacht war. Sie begann Ende 1926 fast ohne jedes Kaoital. Die zionistisehe Exekutive gewährte eine Anleihe von £ 330 für einen Traktor, die bereits zurückgezahlt ist. im ersten Jahre bearbeitete die Gesellschaft fast 230 Dunam, im Jahre 1927 hatte sie bereits Aufträge für 1000 Dunam und im letzten Jahr, also 1928, für 1530 Dunam. ״Jachin“ arbeitet hauptsächlich in dem sich rasch entwickelnden Block des ״Scharon“ und in Ness- Zionah. Ihre Aufträge stammen in der Hauptsache vom Auslande, also von Leuten, die sich hier Plantagen anlegen wollen, entweder, um sie später zu übernehmen oder auch dauernd durch Treuhändler bewirtschaften zu lassen. Das charakteristische Merkmal der Oesel's haff, das sie von anderen ihrer Art zum Beispiel den ״Jaffa Plantations“ unterscheidet, ist, daß die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation hier als Unternehmer auftritt. Es liegt hier derselbe Gedanke zugründe, der seinerzeit zur Bildung des ״Solei Boneh“ führte. Soweit man nach der verhältnismäßig kurzen Arbeitsperiode — zwei Jahre — urteilen kann, hat dieses neue Unternehmen eifrig aus den Fehlern des Solei Boneh gelernt. Die Leitung bemüht sich, die Arbeit auf eine rein geschäftliche Grundlage zu stellen. Sie beschäftigt heute 253 Arbeiter, davon 130 ständig, von denen ein Teil in Gruppen organisiert ist. Die Arbeit wird im Akkord geleistet und von einem Stab von Fachleuten und Vorarbeitern überwacht. Es ist interessant, daß bei ״Jachin“ als Grundlage des Arbeitslohns 20 PT. gerechnet werden — der durchschnittliche Tageslohn für Juden in den Kolonien beträgt 171/a PT — und daß in der Akkordarbeit Löhne von 23—28 PT. erreicht werden. Das deutet darauf hin, daß die Orangenplantagen eher als Industrie denn als Landwirtschaft zu betrachten sind, die imstande ist, entsprechende Löhne zu zahlen. Nach den Berechnungen des ״Jachin“ stellen sich ihre Anlagen bei den angegebenen Löhnen nur um £5 pro Dunam höher als bei Ver- Wendung arabischer Arbeit (in beiden Fällen mit modernen Methoden), was nicht mehr als 5—6 «/# ausmacht. Die Gesellschaft bedeutet in der heutigen Entwicklungs- Periode, wo alle Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, in den neuen Plantagen billige Arbeit auszuschalten, ein starkes Bollwerk der jüdischen Arbeit in den Kolonien. Die vorsichtige Kalkulation, eine sorgfältige Durchführung der Aufträge*) haben ihr bereits einen guten Namen im Lande gemacht. Die Arbeit von Fachleuten gibt gute Perspektiven für die Zukunft der von ihr angelegten Pflanzungen und die Arbeiter werden nicht nur anständig, sondern auch pünktlich bezahlt, so daß bisher keine Störungen des Betriebes durch Geldmangel verursacht wurden. Nimmt man noch dazu, daß diese Unternehmung ohne jedes Budget aufgebaut worden ist und daß sie dieses Jahr £1000 Verdienst buchen konnte, so scheint das ein erfreulicher Anfang zu sein, der beweist, daß die Arbeiter- Schaft aus früheren Fehlern erheblich gelernt hat. Für die Existenz einer solchen Gesellschaft, die ihre Arbeiten unter voller Verantwortung mit einem geschulten Stab von Arbeitern durchführt, ein bedeutendes Plus. *) In einer durch ״Jachin“ angelegten großen Plantage bei Herzliah findet man des kalifornische Bewässerungs y tem, das sonst nur an zwei Stc.ien im Lande (in Mikweh Jisrael und in Rabeäh) eingeführt ist Der Zeppelin Uber Palästina Dienstag, den 27. d. M., überflog das Luftschiff ״Oraf Zeppelin“ Palästina. Nachstehend geben wir telegraphische Berichte über dieses Ereignis wieder: Die ״Vossische Zeitung*‘ meldet: Das Luftschiff ״Graf Zeppelin“ wurde um 18.13 Uhr Berliner Zeit über Jerusalem gesichtet. Es umkreiste die Stadt int völligen Dunkel Nur fünf ziehende Laternen am Nachthimmel waren sichtbar und das tiefe Motorengebrumme hörbar. Dann flog der ״Zeppelin in Richtung auf Syrien davon. Vorher, noch bei Tageslicht, erreichte das Luftschiff vom Meere herkommend, Haifa, wo ihm von den versammelten deutschen und hebräischen Kolonisten begeistert zugejubelt wurde. Es zog in hundert Metern Höhe vom Karmel aus über der jüdischen Kolonie Bath Galim an der Meeresküste entlang südwärts. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichte es Tel- A w i w , wo gerade das jüdische Purim-Fest seinen Höhepunkt erreicht hatte. Der hell erleuchtete ״Zeppelin“ umkreiste in der Dämmerung und niedrig die Stadt. Tausende von Einwohnern umsäumten die Straßen. Auch alle Dächer waren voll besetzt. Die Bevölkerung brachte auch hier dem deutschen Luftschiff begeisterte Ovationen dar. Telephonisch wurde sofort die Auffindung des ersten Postsackes des Ullstein-Nachrichtendienstes gemeldet. Der Gemeindebeamte Jakob Rimon war der glückliche Finder. Der zweite Sack wurde von dem Apotheker Roitmann in Tel-Awiw entdeckt und beide per Auto «ach Jerusalem gesandt. Das ״B. T.“ berichtet: Das Luftschiff ״Graf Zeppelin“ isf, nachdem es um 4.25 Uhr Haifa überflogen hatte, nach einem halben Tage größter Spannung um 7 Uhr abends in Jerusalem eingetroffen. Der Anflug erfolgte vom Meere aus. Alle Verbände, die eine große Zahl von Schekalim verkaufen, erhalten eine starke Vertretung auf dem Kongreß! Letzter Tag der Schekel - Abrechnung ist der 27. Mai 1929. Wegen starker Gegenwinde hatte das Schiff 61/2 Stunden Verspätung. Es kreiste mit verlangsamter Geschwindigkeit über der Stadt und flog so niedrig, daß man mit bloßem Auge jedes Fenster, die Kabinen und den Namen ״Graf Zeppelin“ deutlich erkennen konnte. Ke Stadt war für ein paar Minuten außer Rand und Band und in bester Karnevalstimmung. Die Straßen waren vorübergehend von einer gewaltigen Menschenmenge verstopft. Tausende von Touristen von Südafrika bis Kanada brachen in Jubel rufe aus und klatschten in die H#de ballten" sich ftf den SirlßeB, wo dis Elftschiff am besten sfclifbar war. Der angekündigte Konfettiabwurf ist leider nicht geglückt. Der ״Graf Zeppelin“ fuhr nach dem Flugplatz Randeh weiter, wo die Post abgeworfen wurde. Die Stadte-Antonomie in Palästina Die Regierung veröffentlicht, wie wir bereits kurz mitgeteilt haben, in der ״Official Gazette“ vom 16. März den Entwurf einer Verordnung, die einschneiden.le Aenderungen der Munizipil-Verfassung in Palästina vorsieht. Die Rechte des High Commissioners gegenüber den Stadtverwaltungen sol'en nach der Verordnung außerordentlich erweitert werden. Die wesentlichen Bestimmungen der Verordnung, die auf Stadt- und Gemeinde-Verwaltungen (Municipaülies and Local Coundis) Anwendung finden, sind folgende: 1. Der High Commissioner hat das Recht, jeden Beschluß einer lokalen Verwaltungsbehörde, des Bürgermeisters, einer städtischen Kommission usw. aufzuheben und ihn durch einen anderen Beschluß rechtskräftig zu ersetzen. Er kann ferner Bürgermeister oder Mitglieder des Stadtrates, sowie Beamte einer lokalen Verwaltungsbehörde bd ausreichenden G ünden entlassen und an ihre Stelle andere Personen ernennen. 2. Gefährdet nach Ansicht des High Commissioners die lokale Verwaltungsbehörde die Interessen der Steuerzahler durch unverständige Finanzpolitik, so kann er tinen Beamten mit der Einziehung der städtischen Einkünfte, sowie mit der Kontrolle der Ausgaben beauftragen. Ohne Bestätigung dieses Bevollmächtigten darf dann keine Summe verausgabt, noch ohne seine Gegenzeichnung ein Vertrag abgeschlossen werden. 3. Entzieht sich nach Ansicht des High Commissioners eine lokale Verwaltungsbehörde der Ausübung ihrer Pflichten, die ihr laut Gesetz obliegen, so kann der High Commissioner von ihr fordern, diesen Pflichten bis zu einem bestimmten Termin nachzukommen. Geschieht dies nicht, so kann er auf Kosten der Stadt eine Person mit der Ausführung der gesetzlichen Bestimmungen betrauen. 4. Versieht eine Stadtverwaltung nach Ansicht des Higb Commissioners ihren Dienst nicht oder unzureichend, so kann er die Mitglieder dieser Verwaltung entlassen und an ihrer Stelle andere Personen für die Dauer eines Jahres ernennen und ihre Anstellung stets wieder auf ein halbes Jahr verlängern 5. Verausgabt ein Mitglied des Stadtrates oder ein Beamter der Stadtverwaltung Mittel, die nicht ln dem vom High Commisstoner bestätigten Etat enthalten waren, oder verschuldet er durch Nachlässigkeit oder dergleichen Geldverluste, so ist er für diese Beträge soweit haftbar, wie der High Commissioner es bestimmt. (Zlko.) * Jerusalem, 24. März. (J.T.A.) Der Stadtrat von Jaffa hat eine Konferenz aller palästinensischen Stadträte einberufen, die gegen die jüngste Regierungsverordnung, wonach die Regierung Berechtigt sei, gewählte Stadtverwaltungen aufzulösen und durch eigene Beamte zu ersetzen, sowie Beschlösse der Stadtverwaltungen zu annullieren und sie durch Maßnahmen eigenen Ermessens zu ersetzen, protestieren und den Gedanken der Autonomie der Gemeinden energisch vertreten soll. London, 21. März. (J.T.A.) Lord Melchett hat, wie das Londoner Keren Hajessod-Komitee der j. T. A. mitteilt, in diesem Jahre einen Keren Hajessod-Bcitrag von 5000 Pfund geleistet. Landesorganisaiion oder Territorialverband Von Dr. A. Barth- Berlin. Der Delegiertentag des deutschen Misrachi in Leipzig Ist vorüber. Der Beschluß, den Umbau der Z. V. f. D. in eine territoriale Arbeitsgemeinschaft in Angriff zu nehmen, ist aufgehoben, und es könnte verwunderlich erscheinen, daß gleich wieder ein dieses Thema behandelnder Aufsatz geschrieben wird. Es soll aber in folgendem gezeigt werden, daß auch dieser Beschluß das Kommen der erstrebten Umwandlung nicht aufhalten kann, und es soll vor allem gegenüber den falschen lntrepretationen, die während der ganzen letzten Monate dem Frankfurter Beschluß und dem Leipziger Beschluß zuteil geworden sind, mit einer authentischen Darstellung entgegengetreten werden. I. Die Z. V. f. D. ist die einzige größere zionistische Landesorganisation, die noch den Aufbau hat, der sie in der Vorkriegszeit hatte. Bei allen anderen hat sich die Einteilung der Gesamtorganisation in Föderationen so durchgesetzt, daß diese untereinander innerhalb eines bestimmten Landes überhaupt keine oder nur noch sehr geringe organisatorische Bindüngen haben. Der oberflächliche Beurteiler ist geneigt, den Zustand, wie er in Deutschland ist, ohne Prüfung für den besseren zu halten, weil er eine stärkere Bindung der Zionisten eines ganzen Landes miteinander schafft und weil, wie man gern annimmt, auch die Intensität der zionistischen Arbeit dadurch wachsen muß. II. Nähere Betrachtung zeigt, daß dieses unzutreffend ist. Die Aufgaben, die eine Landesorganisation hat, sind propagandistischer, organisatorischer, politischer und kultureller Natur. Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem heute in Deutschland bestehenden Zustand und dem von meinen Freunden und mir erstrebten ist nun nicht der, daß diese samtliehen Aufgabengruppen statt von einer einheitlichen Organisation von einer Reihe von Gebilden geleistet werden. Vielmehr geht unsere Forderung dahin, die Zwangsgemeinschalt, die heute auch nur auf dem Papier steht, wie unten dargetan werden soll, aufzuheben, die Landesorganisation der einzelnen Gruppen zu verselbständigen und sie zu freiwilligen Gebilden zusammenzuschließen zur Erfüllung derjenigen Aufgaben, die wirklich mehreren Verbänden getneinsam sind. Hl. Es sei zunächst an einigen charakteristischen Beispielen gezeigt, daß tatsächlich auch heute bereits diese Zwangsgemeinschaft keine Realität mehr ist. Nach dem rein satzungsmäßigen Aufbau der Z. V. f. D. ist sie, wie die zionistlsche Gesamtorganisation, ein demokratisches Gebilde, bei dem die jeweilige Mehrheitsbildung über die Haltung, die auf den einzelnen Gebieten einzunehmen ist, entscheidet. In praxi ist diese Form in allen wesentlichen Fragen längst aufgegebeit, weil man sich klar darüber ist, daß die Gruppen, die zum großen Teil ihrerseits interterritorial zu Einheiten zusammengeschlossen sind, nur schwer innerhalb Deutschlands sich in einer Frage majorisieren lassen könnten, die von ihren eigenen Weltorganisationen in anderem Sinne behandelt wird. Man mag es bedauern, oder man mag es begrüßen, man kommt über die Tatsache nicht hinweg, daß in der Z. V.f. D. schon seit langer Zeit an die Stelle des Prinzips der demokratischen Entscheidung, das Prinzip eines Ausbalancierens getreten ist, bei dem das gesuchte, wenn auch keineswegs immer erreichte Ideal ist» Neutralität zu wahren in allen den Fragen, die als stritff ln#«rij»lb ,der, vesscWedenea.1&־ippieM«ge11 .*mtetem*.׳ — Ais ,markantestes Beispiel ist mehrfach bereits der jetzt hinter uns liegende jahrelange Kampf in der Frage der Agency bezeichnet worden. Die verschiedenen Gruppen in Deutschland haben hierzu jede ihren klaren oder weniger klaren Standpunkt. Die Z. V. f. D. als Ganzes hat es niemals riskiert (und nach ihrer ganzen Struktur nicht riskieren können!), in dieses lange Zeit beherrschendste Problem der zionistischen Arbeit irgendwie aktiv einzugreifen, weil dann sofort ein Zerfall der Organisation zu befürchten gewesen wäre. Ebenso steht es um die anderen Fragen, die jeweils die bewegenden Fragen der Organisation waren. Man lese die Nummern der Rundschau aus den Monaten vor und den Monaten nach zionistischen Kongressen oder anderen zionistischen Tagungen. Mit mehr oder weniger Erfolg wd angestrebt, die Probleme ohne eigene Stellungnahme von den verschiedenen Gruppen behandeln zu lassen, der Erfolg ist natürlich der, daß wenn aus äußeren oder inneren Gründen dabei eine Gruppe nicht zu ihrem Recht kommt, sie sich (nunmehr mit Recht) darüber beschwert, daß man ihr gegenüber die Neutralität verletzt hätte. Die Gemeindearbeit — der augenblicklich sicher wichtigste Zweig der Diasporafätigkeit — wird schon heute organisatorisch durchaus nach dem Prinzip der Arbeitsgemeinschaff, nicht nach dem der Landesorganisation, behandelt, denn es treten mit den anderen in Betracht kommenden Verbänden (Ostjudenverband, Gemeindeverein usw.) nicht etwa die Z. V. f. D. als solche in ein Bündnis, sondern in manchen Orten alle Grurmierungen, die innerhalb der Z. V. f. D. vereinigt sind, an manchen Orten nur ein Teil derselben, jedenfalls bilden überall die Einzeigruppferungen afs solche die Bündnisgruppen, ohne daß von vornherein die doch noch formell zu Recht bestehende Zwangsgemcinschaft der Z. V. f. D. für alle ihr angeschlossenen Gruppen zu verhandeln berechtigt wäre.!V. Diese Beispiele, herausgegriffen aus der großen Zahl der im täglichen zionistischen Lebm sich bietenden Fälle zeigen bereits, daß das P-oblem nicht so steht, wie es äußerlieh den Anschein hat. Es ringen nicht mehr die alte Organisationsform und die neue miteinander, sondern die alte hat sich in vielen Beziehungen gewandelt, um noch den Schein ihrer früheren Existenzform aufrecht zu halten, und diesem Schein wird das Ideal einer neuen, in Form und Inhalt homogenen Gliederung entgegengesetzt. So kommt es. daß wir behaupten können, die neue Lösung werde uns zionistisch weiterbringen, weil sie Fesseln abstreift, die keine Realität mehr in sich tragen. Wir behaupten, daß diese Neutralität, die man ansfrebt, um das Äusei״anderfal'en zu vermindern, vief unge- Sünder ist, als ein Aufbau auf neuer, andersartiger Grundläge. Eine Organisation von der Bedeutung der deutschen kann nicht in wichtigen ziomsh'sehen Fragen ״iteutral“ sein, sie muß in die Geschicke der Zionistischen Organisation aktiv eingreifen, sonst erfüllt sie weder ihre. PfUcht, noch hat sie die Möglichkeit. ihren eigenen Mitgliedern zionistisches 1 eben zu vermitteln. Wir glauben auch, daß dieses der tiefste Grund ist, durch den es der Z. V. f. D. in den letzten Jahren unmöglich wurde, eine Jugendbewegung zu schaffen oder zu c-halten. Es ist doch eine merkwürdige Erfahrung, daß die Oüederorganisationen Ju״endbewe״n1ngen haben und daß die Z. V. f. D. als solche, trotz aller dafür angewandten Mühe, seit kurz nach Kriegsende eine solche nicht mehr hat schaffen können. Wir glauben, daß dieses im wesentlichsten auf dem erwähnten Grunde beruht. Die Führer der Z. V. f. D. sind an sich zweifellos Persönlichkeiten, die fähig sein müßten, auch die Jugend zu begeistern und zu bewegen. Wenn sie aber ihre eigene Ideologie dauernd einer erzwungenen Neutralität zuliebe verbergen müssen, wenn sie nicht in der Lage sind, ein zionistisches Pro״ramm zu entwickeln, weil sie schon damit die Fiktion aufheben würden, daß es für die Z. V. f. D. als Ganzes ein einheitliches zionistisches Programm gab, so ist

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