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Jüdische Rundschau · 1929-03-28 · Heft 24-25 (28.3.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 24-25 (28.3.1929)
Date
1929-03-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 154 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24/25, 28. m. 1929 kulturelle, religiöse und slaaUbürgerliche Sicherung von großen Massen jüdischer Menschen, d) Die Ansisdlung solchsr Juden im gelobten Lande der Bibel, an der GaburtsstlU« der jüdischen Religion, in dem Lande, auf dessen Boden sieb durch violo Jahrhunderte ruhmreiche jüdische Geschichte abgespielt hat, ist für jeden Juden ein Akt der Ehrfurcht vor den großen Uthnrlioferungen seiner Religion. Die Ueberführung der Verfolgten und Gedemütigten nach Erez-Jisroel bedeutet eine lym- (»lieche Wiederholung der Hinausführung aus dem Lande Mizraiim. e) Da» neue Aufbauwerk in Palästina auf der Grundlage der Balfour-Deklaration und des englischen Mandats hat eine jüdische Gesamtverantwortung für das geschaffen, was in Palästina geschieht. Dar Zusammenbruch der jüdischen Siedlungsarboit muß auf die internationale Wertung der produkliven Fähigkeit aller Juden zurückwirken. Positiv« Leislungen der Juden in Palästina werden allen Juden der Welt zu* gute kommen. Dieser jüdischen Gesamtverantwortung, die hosondere von den Juden Britanniens und der Vereinigten Staaten anerkannt worden ist, können sich besonders diejenigen deutschen Juden nicht entziehen, die nicht wünschen, daß das Palästina- Werk einseitig in die Bahnen der zionistischen ürganisationsarboit gelenkt wird. Auch Bernhard also, der so mutig, positiv und eindeutig für die Verwirklichung der Balfour-Deklaration einzutreten pflegt, hält es für richtig, Begründungen zu suchen, die unseres Erachtens der Größe und Bedeutung des Werkes nicht entsprechen. Die schütz- und heimatlosen Ostjuden müssen wieder einmal herhalten, um den Ausdruck ״national“ zu rechtfertigen. Gleichzeitig bedeutet aber die Ueberführung der Verfolgten und Gedemütigten nach Erez-Israel eine symbolische (was heißt hier symbolische?) Wiederholung der Herausführung aus dem Lande Mizralm, aus dem unseres Wissens einmal das ganze jüdische Volk herausgeführt worden ist, einschließlich derer, die sich nach ihren Kochtöpfen zurücksehnten. Die jüdische Gesamtverantwortung wird nach Ansicht des Referenten nur durch internationale Verträge und nicht durch inneres jüdisches Bedürfnis geschaffen, andererseits besteht aber doch dieses innere jüdische Bedürfnis allerdings nur, um die einseitige Beeinflussung des Palästina- Werks durch den Zionismus zu verhindern. Der Korreferent, Herr Alfred Lichtenberg, Hannover, führte nach dem offiziellen Bericht des C-V. etwa folgendes aus: Die Frag» unserer Stellungnahme zur Jewish Agency se•' keineswegs eine Frage der Taktik, sondern betreffe die Grundlagen des C--V. Nach $ z der Satzungen sei der Zweck dee C.-V., di# den deutschen Juden durch die Emanzipation gegebenen verfassungsmäßigen Rechte zu verteidigen und auszuhauen. Mehr als ein Vierteljahrhundert sei dieses allein seine wesentliche Aufgabe gewesen, und alle Beschlüsse, die er in der langen Reihe der Jahre zur Palästina-Politik in den versehiedenen Hauptversammlungen gefaßt habe, hätten immer wieder diesen Charakter des C.-V. und seiner Arbeit bestätigt. Nach seiner Ansicht würde das Betreten der von Bernhard gewiesenen Bahn einen Wendepunkt in der Geschichte und in der Arbeit des C.-V. bedeuten. Deshalb sei nach •einer Ansicht der Hauptvorstand überhaupt nicht kompetent, in diesem Falle einen entscheidenden Beschluß zu fassen, weil ein solcher gegen die grund- legenden Beschlüsse der Hauptversammlungen verstoßen würde. Eine Mitarbeit an der Jewish Agency unterhöhle nach der Leberzeugung des Redners die Basis unserer ganzen Bewegung. Denn allein entscheidend sei der Wortlaut des Artikels k Absatz 1 des!Mandates, wonach eine geeignete jüdische Vertretung als eine *,«die, 'V«v. waltung. «aliatina» :Bat wha JffitaÄii w:ge®lhwlr Aal: tune der jüdischen nationalen Heimstätte; der Absatz 9 des Artikels 4 des Mandatstextes betone demgemäß, daß im Einvernehmen mit der englischen Regierung die Zionistische Organisation die Mitarbeit aller Juden sichern solle, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischnationalen Heimstätte zu helfen. Damit würde also ein Eintreten des C.-V. bzw. seiner führenden Persönlichkeiten nichts anderes als die Beteiligung an einem jüdisehen Parlament bedeuten. Er würde also mitverantwortlich, und mitgarantierend sein für den Aufbau dieser jüdischnationalen Heimstätte unter der Oberherrschaft Englands. Es sei etwas ganz anderes, wenn die nichtzionistischen englischen und amerikanischen Juden in die Jewish Agency einzulreten sich entschlossen hätten, denn sie wahrten damit gerade die nationalen Belange Englands und Amerikas. Für die englischen Juden bedürfe das keiner weiteren Begründung. Aber auch die amerikanischen Juden hätten bei dem weltpolitischen Gegensatz zwischen England und Amerika als Amerikaner das Interesse daran, zu verhindern, daß England allein entscheidend in dem für die Weltpolitik so wichtigen Palästina werde. Ganz anders läge die Sache für uns. Wir könnten unsere Entscheidung nur nach der äugenblicklichen Konstellation der Welt treffen. Danach müsse aber heute festgeslellt werden, daß die weltpolitische Geltung Deutschlands besonders gegenüber England und Amerika noch »o gemindert sei, daß wir irgendeine Bedeutung als Deutsche in einer solchen Vertretung unmöglich gewinnen könnten. Auf der einen Seite übernähmen wir also für die Gesamtjudenheit gleichsam eine Garantie gegenüber England, während auf der anderen Seite die praktische Bedeutung dieser großen Verantwortung ganz verschwindend sein müsse. Es sei dem Redner bekannt, daß gerade die auf dem Boden des C.-V. stehende Jugend aus ihrem jüdischea, Idealismus heraus ein Eintreten des C.-V. in die Jewish Agoncy zu einem sehr großen Teil wünsche. Niemand aber könne mit Sicherheit sagen, wie schon in einigen Jahren diese Jugend sich zum Palästina-Problem stellen werde. Wir könnten und dürften in dieser Grundfrage nur so entscheiden, me es die Goschichte und Arboit des C.-V. nach des Redners Ansicht klar fordere. In der eben erschienenen Schrift Dr. Holländers: ״Deutschjüdischo Probleme der Gegenwart" habe dieser ausgeführt, daß Kompromisse in unseren Hauptfragen niemals geschlossen werden könnten. Um eino Hauptfrage aber gehe es hier. Vor allem auch um deswillen, weil wir durch unseren Beitritt die Einheit des Gesamljudentums bejahen würden. Ein solches Gesamtjudentum habe aber der C.-V. stet» abgelehnt. Wenn er jetzt einen anderen Standpunkt einnehme, so würde damit vor allem unser Kampf gegen die national-sozialistische Bewegung auf das höchste gefährdet. Gerade das Referat des Abgeordneten Dr. Haas am gestrigen Abend habe gezeigt, wie schwer in den nächsten Jahren der Kampf um die Wahrung der Rechte der deutschen Juden sein würde. Dieser Kampf müsse als Grundlage und das allein wesentliche Arbeitsfeld erkannt werden, müsse uns hier leiten. Danach müsse die Entsendung von Delegierten seitens des C.-V. in die Jewish Agency und die Mitarbeit unserer Führer in ihr als nicht zu unserem Aufgabenkreis gehörig abgelehnt werden. Es ist erstaunlich, wie noch immer behauptet werden kann, daß das Eintreten der nichtzionistischen englischen und amerikanischen Juden in die Jewish Agency ganz anders zu beurteilen sei als das Eintreten der deutschen Juden, daß diese Juden gerade die nationalen ״Belange" Englands und Amerikas wahrten. Warum übrigens Amerika? Englandfeind- Schaft Moiv des Palästtina-Interesses! Wirklich, eine edle Einschätzung jüdischer Qualitäten! Und warum ist die vereinigte liberale Synagoge Englands im Gegensatz zur Anglo Jewish Association so unpatriotisch, sich der Mitarbeit an der Verwirklichung der Balfour-Deklaration zu entziehen? Herr Lichtenberg bringt aber ein wirklich neues interessantes Argument. Die Stellungnahme der C.-V.-Jugend für die Jewish Agency sei unerheblich, da doch niemand mit Sicherheit sagen könne, wie diese Jugend in einigen Jahren zum Palästina-Problem stehen wird. in einem Punkt, und unseres Erachtens in dem entscheidensten, hat aber Herr Lichtenberg gegenüber Georg Bernhard völlig recht Das Betreten der von Georg Bernhard gewiesenen Bahn würde trotz aller Klauseln und Einschränkungen einen Wendepunkt in der Geschichte und in der Arbeit des C.-V. bedeuten. Selbstverständlich handelt es sich um die Betelligung an einem jüdischen Parlament, das in der Palästina- Frage die Judenheit in der ganzen Welt vertritt, und selbstverständlich wird man also mitverantwortlich und mitgarantierend für den Aufbau dieser jüdischen nationalen Heimstatte unter der Oberhoheit Englands, wie der Korreferent sagt, unter der Oberhoheit des Völkerbundes, wie es der Wirklichkeit entspricht. Es ist schwer einzusehen, warum gerade deutsche Juden, die angeblich dem Fortschritt und der Völkerversöhnung dienen, immer dann, wenn es sich um Palästina handelt, die Existenz des Völkerbundes verleugnen, dem Deutschland als gleichberechtigtes Mitglied angehört. Ueber den weiteren Verlauf der Aussprache und die Be- Schlußfassung berichtet die C.-V.-Zeitung: ״Die Aussprache berührte folgende Möglichkeiten einer Stellungnähme: Ein Teil unserer Freund« erklärte den C.-V. *einem Wesen und Römern Aufgabenkreis nach als unzuständig, sich mit einem außerdeutschen jüdischen Problem zu befassen. Eine zweite Richtung wünscht aus gesinnungsmäßiger Ablehnung jede» Palästina- Aufbaus auf national-jüdischer Grundlage die ausdrückliche Fest- Stellung, daß dar Eintritt in die Jewish Agency mit der Arbeit im C.-V. unvereinbar sei. Dieser Ansicht entgegengesetzt forderte eine dritte Gruppe die Beteiligung des Vereins als solchem an der Jewish Agency durch Entsandung von Vertretern im geeigneten Zeitpunkt. Zwischen ihnen stand emo in ihrer Abstufung zwar unterschiedliche, irn grundsätzlichen jedoch übereinstimmende Anschauung, die die offizielle Beteiligung des Vereins ablelinte, jedoch den Eintritt von Vereinsmitgliedern als Privatpersonen in die Jewish Agency freistellte. Nach einer von starkem Verantwortungsgefühl «etragenea vielständigen Auseinandersetzung, in der Vertreter aller Richtungen ausführüch zu Worte kamen, lehnte der Hauptvorstand mit 4y gegen דג Stimme» den Antrag Bab: ,Der Centralverein kann seinem Wesen und seiner Organisation nach die Vertretung der deutschen Juden in einem internationalen jüduchen Komitee nicht übernehmen' ab, wobei darauf bingewiesen wurde, daß es auch Fälle insbesondere humanitärer Art geben könne, in denen eine solche Mitwirkung auch im Rahmen der C.-V.-Arbeit liegen könne. Darauf nahm der Haupt- Vorstand in namentlicher Abstimmung mit 48 gegen 35 Stimmen folgende Entschließung Lichtenberg und Genossen an: Für den Centraloerein ist die saUungsmAßige wesentliche Aufgabe die Vertretung unserer ideale und unserer Interessen in der deutschen Heimat. Allem voran steht uns deshalb die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Juden für diese Ziele. Die Tatsache allein schon, daß das Palästina-Werk im Kreise der deutschen Juden nicht einheitlich beurteilt wird, und daß weil» Kreise die Mitarbeit hieran seiner national-jüdischen Bedeutmg und Wirkung wegen ablehnen, — diese Tatsache allein schon bestimmt den Haupbioretand, unbeschadet aller anderen Gründe, von einer Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency ahiusehen. * Weitere Entschließungen, die •iah für eine Mitarbeit an der Jewish Agency aussprachen, waren damit abgelehnt. Bei der Begründung der angenommenen En uehließungea war erklärt worden, >z!i1-®|age»-:eb1..Äzel^e Jkttel!ä|}e1v Jfle.,!AM JPaä&fciJßS» Agency beitreleh können, »ei dalnil nicht SteUuhg ge»mmM. Wie uns ausdrücklich mitgeteilt wird, sind nur die Mitglieder des Präsidiums durch den angenommenen Beschluß gebunden. Alle anderen Mitglieder des C.-V., auch die Mitglieder des Hauptvorstandes, können nach eigenem Ermessen zur Frage der Jewish Agency Stellung nehmen. Die Ab- Stimmung war namentlich. Wir nehmen an, daß im ausführliehen Protokoll die Namenliste veröffentlicht wird- Aber schon die Tatsache reicht aus, daß folgende Persönlichkeiten zur Minorität gehört haben: Justizrat Brodnitz, der Vorsitzende des C.-V.. Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des C.-V., Dr. Alfred Wiener, de Syndikus des C.-V., Rabbiner Dr, Leo Baeck, Professor Georg Bernhard, Dr. Eugen Strauß-Augsburg, Krombach-Essen, Dr. Berlack, R.-A. Haase, R.-A. Dr. Katzenstein- Cassel, Rabbiner Dr. Hahn-Essen, R.-A. Dr. Foerder-Breslau, Landgerichtsrat Erich Hirschberg-Oppeln, die Vertreter der C.-V.-Jugend Dr. Friedrich Brodnitz und Dr. Ludwig Tietz. Auch der vorsichtigste Beobachter darf die letzte Haupt- Vorstandssitzung des C.-V. als Beweis für den unaufhaltsamen Fortschritt des Palästina-Gedankens in Anspruch nehmen. Qualität und Quantität der Minoritätsgruppe sind 80 beachtlich und die Tatsache der effektiven Freigabe der persönlichen Stellungnahme so wesentlich, daß der Kreis der deutschen Juden, die bereit sind, ln Anerkennung der zwischen der Zionistischen Organisation und der Marshall-Gruppe ge- *•offenen Abmachungen, innerhalb der Jewish Agency mit- 2uarbeiten, erheblich größer geworden ist. Der Palästina- Gedanke hat einen starken Erfolg erzielt. Man soll sich aber hüten, diese Schicht von Jewish Agency-Freunden im C.-V. irgendwie als prozionistisch anzusprechen. Sie hält sich wirklich nicht für einen Teil des jüdischen Volkes und sie befindet sich von uns aus gesehen im ersten Stadium moderner jüdischer Entwicklung. Entsprechend der von uns immer festgehaltenen echten Bündnispolitik, das heißt einer Kooperation auf dem Boden von Aufrichtigkeit und Wahrheit, wollen wir nicht in den Fehler verfallen, den Palästinafreunden im C.-V. Gesinnungen zuzuschreiben, die sie nicht haben und ihrer ganzen jüdischen Haltung nach nicht haben können. Wir glauben allerdings, daß die Auseinandersetzung mit Nichtzionisten, die ernsthaft am Aufbau Palästinas mitarbeiten und durch die Tat beweisen, daß Erez-Israel auch für sie eine Realität in ihrem eigenen jüdischen Leben bedeutet, schöner und befriedigender werden wird. Diesen Juden wird man die Erforderlichkeit des Zionismus deutlicher und überzeugender nachweisen können als den in der alten C.-V.- Ideologie der Ablehnung der jüdischen Gesamtverantwort- Hchkeit beharrenden Gruppen, Wir hoffen, die Ergebnisse der Hauptvorstandssitzung werden dazu beitragen, unserer innerjüdischen Auseinandersetzung einen ernsteren und tieferen Charakter zu geben, wobei nur bemerkt werden soll, daß der beste Begleiter wahrer Sachlichkeit die leidenschaftliche Durchglühtheit für eine Sache ist. Weizmanns Palästinareise Die Zionistische Exekutive teilt mit, daß die Besserung des Gesundheitszustandes Dr. Weizmanns weitere Fortschritte gemacht hat, und daß es darum sehr wahrscheinlieh geworden ist, daß Dr. Weizmann die für April d. Js. geplante Palästinareise antreten wird, ׳ Anglo Jewish Association und Jewish Agency London, 25. März. (J. T. A.) Mit 11 Stimmen gegen die des Chachara Dr. Moses Gaster, beschloß der Rat der Anglo-Jewish Association in seiner am 24. März abgehaltenen Tagung, der Einladung zur Entsendung von Delegierten zu der am 21. April stattfindenden Konferenz der englischen Judenheit Folge zu leisten und an den Vorbereitungen zur Schaffung einer Vertretung der englisch-jüdischen Gemeinschaft im Rat der Jewish Agency teilzunehmen. Die Delegierten der Association für die engiiscn-jüdische Konferenz sind Sir Matthew Nathan, Sir Meyer S pi e 1 m a n , Elkan Adler und Harry R. Lewis. Im Verlauf der Aussprache erklärte der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard Q. Montefiore, er persönlich könne sich nicht entschließen, eine aktive Rolle in der Agency zu spielen, obwohl er mit dem Palästinawerk, das er während seines Besuches im Heiligen Lande studiert habe, sympathisiere, ja es bewundere. Palästina genieße die Liebe vieler Menschen, die sonst vom Judentum abgewichen wären; die Leistung für den Keren Hajessod sei für manche das letzte Glied, das sie an den jüdischen Glauben bindet. Aber Zionismus stellt nur einen Teil, und nicht den größeren, der gesamten jüdischen Bemühung dar, und es gäbe gewichtige Gründe für die Ansicht, daß die Gemeindearbeit ein so weites und vielgestaltiges Gebiet darstellt, daß einige der Gemeindemitglieder nicht neue Verantwortung auf sich laden sollten. Er stimme aber vollkommen der Meinung zu, daß die Association der geplanten Konferenz nicht fernbleiben dürfe. Kein Mitglied des Rates wolle leugnen, daß die Entwicklungund aas Wohl Palästinas auch die Association angehe. Dabei müsse man sich aber vergegenwärtigen, daß die Nichtzionisten nicht etwa ihrer schönen Augen oder ihres politischen Einflusses halber eingeladen werden, in die Agency einzutreten. Hauptzweck ist die Verbreitung der Basis der Sammlungen für den Keren Hajessod und andere zionistischeFonds. Wenn einer der vier Vertreter der Association auf der Konferenz zu einem Mitglied der Agency gewählt wird, so wird dies die Association verpflichten, an der Keren Hajessod-Sammlung teilzunehmen. Joseph Prag wies auf die bisherige Tätigkeit der Association in Palästina (Evelyna de Rothschild-Schule usw.) hin und erinnerte daran, daß die Association schon 1923 eine positive Stellung zur Frage der Erweiterung der Jewish Agency eingenommen und beschlossen hatte, zwei Delegierte zu einer Beratung zu entsenden, um die erhabene Idee in der jüdischen Geschichte Ereignis werden zu lassen. Dr. M. Gaster sagte, als er vor 25 Jahren in der Association über Zionismus sprach, habe er eisige Aufnahme gefunden. Als er dann seine Propaganda über das ganze Land trug, begegnete er stärkster Opposition, und sogar seine Position als Chacham war gefährdet. Nun werde durch die erweiterte Agency der Gedanke einer nationalen jüdischen Auferstehung fallen gelassen und der Zionismus zu einer Sache der Philantropie und der Mildtätigkeit gemacht. Er wünscht nicht, daß der Dollar oder der Sovereign ihre Herrschaft im Zionismus antreten. Er würde seine Lebensarbeit verleugnen, wenn er einer Politik zustimmte, die die Ideale des Zionismus zerstört Rabbi Dr. D a i c h e s wandte sich in längeren Ausführungen sowohl gegen die zaghafte Art, mit der sich Leonard u. Montefiore dem Gedanken des Palästinawerks nähere, als auch gegen die überspannte Art des Dr. Gaster, der Gefahren sieht, die nicht existieren. Der Zionismus ist nicht derselbe wie vor der Balfour-Deklaration, er ist jetzt eine Bewegung der Tat und suche sein Werk auf der breiten Basis des ganzen udentums aufzubauen. In dem gleichen Sinne sprach Miss ,ettfc Adlex%.■ ״׳,. •,*»״,׳״ ,Af, «#יי■ liberale Synagoge nnd die Jewish Agency London, 25. März. (J. T. A.) Die Liberale Jüdische Synagoge hat in einer abgehaltenen Konferenz den Beschluß gefaßt, der vom Board of Deputies an sie ergangene Einladung Delegierte zu der am 21. April in London stattfindenden Konferenz zur Wahl von Vertretern der englischen Judenheit im Rate der Jewish Agency zu entsenden, nicht Folge zu leisten. Mit 28 gegen 6 Stimmen stimmte die General- Versammlung dem Entwurf eines Antwortschreibens an den Board of Deputies zu, der von dem Präsidenten, Claude G. Montefiore, abgefaßt wurde und u. a. besagt: Ich bin ermächtigt, Ihnen für die an meine Congregation ergangene Einladung zur Entsendung von Delegierten für die am 21. AprU stattfindende Konferenz, in der der Wunsch der englischjüdischen Gemeinschaft demonstriert werden soll, an der Verwirklichung des britischen Mandates für Palästina mitzuarbeiten und sich mit anderen bedeutenden jüdischen Gemeinschaften in der Jewish Agency zusammenzuschließen, zu danken. Ich bin ferner beauftragt, Ihnen zu sagen, daß meine Congregation, obwohl sie gerne, um die Einheit der englisch-jüdischen Gemeinscliaft zu demonstrieren, die Einladung angenommen hätte, dennoch der Ueberzeugung ist, daß das Ziel der Konferenz unsere Teilnahme als Congregation ausschüeßt. Unsere Congregation nimmt gegenüber dem Mandat wie gegenüber der zionistischen Bewegung eine Haltung konsequenter Neutralität ein. Es bleibt noch hinzuzufügen, daß, wenn wir auch in der Frage der Jewish Agency wegen ihrer Zusammenhänge eine offizielle Haltung nicht einnehmen können, wir gerne an jeder von der englischen Judenheit gemachten Anstrengung den Juden in anderen Ländern dazu zu verhelfen, ihre wirtschädlichen Möglichkeiten zu nutzen und ihre politischen und kulturellen Rechte, auf die sie Anspruch haben, zu sichern, teilnehmen würden. Dr. Claude G. Montefiore, der wegen einer Influenza die Versammlung nicht leiten konnte, empfahl in einem besonderen Schreiben der Versammlung, dem Entwurf des Antwort- Schreibens an den Board of Deputies zuzustimmen. Unter den Mitgliedern der Congregation, heißt es in dem Schreiben weiter, gäbe es Zionisten, Halbzionisten, Nichtzionisten und Antizionisten; sogar unter den Geistlichen sind die Ansichten geteilt. Die Congregation als solche sei deshalb nicht in der Lage, daß Mandat und die Balfour-Deklaration zu billigen oder zu mißbilligen. Man müsse sich einer offiziellen Stellungnähme hierüber enthalten, ob der Zionismus oder die Balfour- Deklaration oder die Verwirklichung des Mandates eine gute oder eine nicht gute Sache sei, ob sie ein Vorteil für das Oesamtjudentum oder für das liberale Judentum im besonderen sei. Aus diesem Grundsatz der strikten Neutralität heraus müsse die Congregation es ablehnen, Delegierte zu einer Konferenz, die eine Agency-Vertretung schaffen soll, zu entsenden. In der nun folgenden Aussprache erklärte sich Rabbi Dr. Mattuck für strengste Neutralität. Harry R. Lewis stellte den Gedanken des Aufbaus Palästinas als eines gesamtjüdischen Werkes in den Vordergrund. L. P, Jacobs führte aus, der Oedanke der Neutralität würde am besten durch Teilnahme an der Konferenz gewahrt sein. Miß M o n t a g u e führte aus, man sei •im Irrtum, wenn man glaube, man sei eingeladen, um eine Meinung zu äußern; man sei eingeladen, um den Wunsch nach einem Nationalheim zu demonstrieren. Es sei deshalb unfair, dorthin zu gehen und zu sagen: Ich habe diesen Wunsch nicht

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