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Jüdische Rundschau · 1929-03-22 · Heft 23 (22.3.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 23 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 14« JU1DISCHE RUNDSCHAU Nr. 23, 22. ITT, 1029 Das Arbeitslosenproblem von Td-Awiw Von M. Beilinson (Tel-Awlw). Wir geben nachstehenden Ausführungen, die die Stellung der Ar• hciterpartei 10 der Prag» der Arbeitslosenhilfe für Tel-Awhe darlegen, Raum, ohne zunächst auf die an unserem Korrespondenten (auch im Tel-Awmer ArbsUerblnll ״Daiear") geübte Kritik eietugehen, Die Hauptfrage ist, ob der dargelegte Ümngtplan durchführbar ist; 6«onden die Beschaffung der £ 5000 aus einer Rückzahlung der Stadt TeUAwiw scheint um sehr zweifelhaft. Wir werden aber auf dm Pro• Hem noch in anderem Zusammenhang in nächster Zeit zurßekkommen. Red. Der palästinensische Korrespondent der ,,Jüdischen Rund* schau“ bezweifelt, ob der Zeitpunkt zur Liquidierung der Arbeitslosigkeit iu Tel-Awiw jetzt gekommen ist Deshalb ״kann er nicht umhin“ für die diesbezügliche Kampagne der Arbeiter ״politische Gründe anzunehmen . Diese Gründe sind, in seinen Augen, die Neubesetzung des Stadtrats in Tel-Awiw und vielleicht auch die Rückkehr des Herrn Sacher. Ist aber diese Vermutung unrichtig, so war es ״ein taktischer Fehler der Linken, diesen Anschein zu erwecken, indem sie sofort nach der Wahl des neuen Bürgermeisters eine Arbeitslosen* demonstratio« zuüeöen oder vcranlaßten“. Diese Darstellung, die ln der ״Jüdischen Rundschau“ am 1. Februar veröffent* licht war, bedarf einer Korrektur. Seit der Liquidierung der Arbeitslosigkeit vor über einem Jahre sind in Tel-Awiw etwa 600 Arbeitslose geblieben. Größtenteils Familienväter. Teilweise Arbeiter, die die Fähigkelt zur schweren Körperarbeit verloren haben — Invaliden de* Kolonisationskrieges. Die Unterbringung dieses ״Restes“ von großer Arbeitslosigkeit ist seit mehreren Monaten ein brennendes Problem. Nicht nur aus rein menschlichen Gründen (das Los des palästinensischen Arbeitslosen, für den keine Fürsorgeninstiiuttonen sorgen, der keine Unters tützungsgekter bekommt, der keinen Schutz der Arbeitsgesetze genießt, ist schwer vorstellbar), nicht nur aus dem Gefühle der zionistisehen Verantwortung heraus, sondern auch aus Gründen der zionistischen Politik. Diese Arbeitslose sind kein Zeichen der wirtschaftlichen Lage- Sie übersteigen in ihrer Zahl nicht den in allen Lindern als ״normal“ angenommenen Prozent* satz der Arbeitslosen. Körperlich-schwache, durch schlechte Arbeitsverhältnisse oder Krankheiten heruntergekommene Leute gibt es io der blühendsten Wirtschaft Es Ist unzulässig, aus Tatsache dieser 600 Arbeitslosen pessimistische Schlüsse auf die Lagt: im Lande zu ziehen. Aber sie sind da. Man schreibt über sie in den Zeitungen. Sie ״stechen in die Augen“, Und wir leben in einer administrativen Umgebung, die uns alles andere als wohlgesinnt ist Man nützt gerne jede unsere — auch angebliche — Schwächt Wenn war die Unterbrechung des Immigrationsverbotes verlangen, zeigt man mit den Finger auf diese 600. Man sagt uns: ״beseitigt zuerst dieses Uebel“. Und das Uebel Ist ohne durchgreifende Maßnahmen seitens Regierung, Tel-Awiwer Stadtrates und Zionistischer Exekutive nicht zu Beseitigen. Wie üblich, dachten aber diese Faktoren ganze Zeit hindurch an keine Aktion. Auch diesmal war die Arbeiterorganisation gezwungen, die Initiative zu ergreifen. Vor mehreren Monaten wurde von Ihr ein entsprechender Plan ausgearbeitet. Das ״menschliche Material" wurde durchgemustert und es stellte sich heraus, daß eine gewisse Zahl von Arbeitslosen, mehr als die Hilft«, zur Uebersiedlung in die Kolonien geeignet und bereit ist Diese Uebersiedlung hätte dl« Stadt entlastet und unsere Positionen in den Kolonien ge* stärkt — also keine vorübergehende Erleichterung der schweren bfgc^cMdtni'Ciii• aufbauende Aktion. Allerdings sind dazu MÖfc Mli dJeiwfcCWd* •«Uten■ für die neu« Kolonie-Arbeiter aoiehe Verhältnisse geschaffen, die ihre Unterbringung In den Kolonien wirtschaftlich fundiert hätten. Der Rest der zur schweren Körperarbeit Fähigen, sollte zuerst bei Regierungsarbeiten untergebracht werden. Für diejenigen, die ihre physische Kraft eingebüßt haben, sollte ein spezieller Fürsorge-Fonds geschaffen werden, mit dessen Hilfe ihnen entsprechende Exlstenz-Mög'ichkelten redet-ert werden könnten. Logischerweise hat sich die ArbeHer-Organisaion mit Kolonien-Plan an die Zionistische Exekutive, mit Arbeit«- forderung an die Regierung, mit Fonds-Plan an den Tel- Awiwcr Stadtrat gewendet Die Regierung versprach ihr Möglichstes zu tun. Die Exekutive und der Stadtrat haben, wie üblich, geantwortet: kein Geld da. Auch dies fiel der Arbeiterorganisation zu: die Geldquellen ausfindig zu machen. Sie wurden gefunden. Der Stadtrat von Tel-Awiw schuldet der Exekutive gewisse Summen. Wann sie bezahlt werden, ist ungewiß. Jedenfalls nicht in der nächsten Zukunft. Auch die Regierung, unter deren Aufsicht das Tel»Awiwer Budget steht, widerstrebt ge* wöhnlich den Zahlungen. Die Vertreter der Arbelter-Organisation wandten sich an den Stadtrat mit der Anfrage, 00 er £ .5000 aus seiner Schuld an die Exekutive zu zahlen bereit wärej falls damit die Uebersiedlung einer gewissen Zahl der Arbeitslosen von Tel-Awiw in die Kolonien ermöglicht würde. Die Antwort war bejahend. Die Regierung wurde angefragt, ob sie diesen Plan annehmen könnte. Damals war Herr Sacher in London. Die Mitglieder der Exekutive, die in Jerusalem saßen, nahmen den Plan an. Aber von Herrn Sacher kam ein Veto. Die Sache wurde vertagt — bis zur A.-C.-Sitzung in. Berlin. Dort wurde sie von Miss Szold in einer — nach den Zeitungsberichten sehr eindrucksvollen — Rede darge* bracht. Das Ä.-C. forderte die Exekutive auf, ihr Möglichstes zur Ausführung des Planes zu tun. Die Exekutiv! — und diesmal auch Herr Sacher — kam nach Jerujpleih zurück. Kann jetzt endlich, nach so vielen Verhandlungen und Ver- Schiebungen, die Sache in Angriff genommen werden? Nein. Herr Sacher ist den Buchführungsgrundsitzen treu und diese besagen — so versichern wenigstens Fachleute — daß zurück* bezahlte Schulden nur zur Tilgung der Schulden gebraucht werden können. Diese Grundsätze schweigen vollkommen Über das elende Schicksal mehrerer Hunderte lebender Menschen, sie sagen nichts von der Kompremettierung der zionistischen Sache, von dem deprimierenden Eindruck dieses ewigen unbegründeten ״Nein-Sagens“ von der Oefährdung der Ein- Wanderung. Es wird nach London telegraphiert — nicht nur von der Arbeiterorganisation, sondern auch vom Waad Leumi, vom Tel-Awiwer Stadtrat, von der Tel-Awiwer Gemeinde. Von London kommt eine bejahende Antwort Aber Herr Sacher sagt ״nein“. Der Briefwechsel zwischen London and Jerusalem dauert fort Oie Sache kommt nicht vom Fleck, Inzwischen hungern die Arbeitslosen in Tel-Awlw. Was macht der hungrige Mensch? Er •acht Arbeit Und wenn er keine findet? Er sucht jemanden, der ihm helfen kann. Tag* aus, tage!״ kommen diese verhungerten Leute ins Arbeit»• büro von Tel-Awiw, zum Exekutiv-Komitee der Arbeiterorgani* sation. Manchmal gehen sie auch zum Stadtrat Wir sind doch am Ende in der ״ersten jüdischen Stadt“. Diese Leute sind doch Tel-Awiwer Bürger. Trotz dem großen Elend ist noch nie zu einer Arbeitslosendemonstratioh, za einem Kra* wall gekommen. In Palästina haben die Leute gelernt, geduldig zu sein. Auch diejenigen, die monatelang hungern — sie und ihre Frauen und Kinder. Jetzt kann man die Zweifel und die Vermutungen dee palästinensischen Korrespondenten der Jüdischen Rundschau“ zerstreuen. Wäre es auch wahr, daß der Zeitpunkt für die ״Kampagne“ absichtlich gewiltit wurde, »0 wjre «r vollkommen Berechtigt Die Ankunft des neuen Gbcrkomniisaärs und der Anbruch der neuen Einwanderung verlangten die vollkommen« Liquidierung aller Reste dar große» Arbeltaloslg* keit Diese 600 Leute standen und stehen als ein schwer* wiegendes — politisch und menschlich — Hindernis auf dem Aufbamveee. Es ist aber vollständig aus der Luft gegriffen, daß die ״Kampagne“ aus politischen Gründen jetzt eingesetzt wurde. Die Sache wurde vor mehreren Monaten in Angriff fenotnmen (wie hätte sie anders in der A.-C.-Sitzung zur prache kommen können?). Sie hat allerdings erst jetzt einen scharfen Ausdruck in der Oeffentlichkeit gefunden — und dies im Zusammenhang mit der scharf ablehnenden Haltung des Herrn Sacher. Es ist falsch, daß eine Arbeitslosendemonstra• tioa in Tel-Awiw stattgefunden hat Eine Abordnung von Arbeitslosen war allerdings zwei* oder dreimal bei dem neuen Bürgermeister, genau so wie sie bei seinem Vorgänger war, und Jedenfalls viel seltener als sie ltn Arbeitsbüro und im Exekutive-Komitee der Arbeiterorganisation war. Es Ist falsch, daß die augenblicklichen finanziellen Schwierigkeiten der Exckutlvc den Zeitpunkt für die Lösung der Frage ungeeignet machen. Die Sache ist ohne Barauslagen seitens der Exekutive zu machen. Nichts aber wird unternommen, um ein schweres Uebel aus unserem Leben zu beseitigen. Weder menschliche noch politische Argumente haben irgend — eine Kraft Es sind Arbeitslose in Tel-Awiw? Sollen nur bleiben. Kein Weg wird gesucht Nicht die geringste Anstrengung wird gemacht Die vorgebrachten Wege werden grundlos abgeschlagen. Alles — die Initiative, die Ausarbeitung der Pläne, die Verhandlungen, die Ausfindung der Geldquellen — alles fällt auf die Arbeiterorganisation. Auf den Kongressen wird man sich dann über ״die Linke“ beklagen, weil sie ״alles“ im Lande beschlagnahmt haben. Una am Ende — wenn alles geordnet ist und die Möglichkeit da Ist, das Uebel zu beseitigen — wird alles durch abstrakte ״Buchführungs-Grundiätze“ vereitelt Nicht nur Palästina, auch die zionistische Bewegung hat gelernt, geduldig zu sein. Import and Export Pallstinas im Jahre 1928 Der Import nach Palästina betrug im Jahre 1928 £ 6 787 867, der Export £ 1 509 459. Gegenüber dem Vorjahre ist der Im* port um mehr als £ 600 000 gestiegen, der Export dagegen hat um £ 300 000, d. i. fast 20 fo, abgenommen. Der Rückgang der Ausfuhr ist fast ausschließlich auf die Ausfälle ln aer TandwlrtschaftMiea Produktion zurückzuführen, die durch die MIßernte des Jahres 1928 verursacht wurden. Auch die Orangenernte war Im Jahre 1928 weit geringer als 1m Jahre 1927. Bei einer Reihe von industriellen Erzeugnissen sind dagegen erhebUchc Ausfuhrsteigerungen zu verzeichnen. — Im ״Commercial Bulletin“ wird eine interessante Aufstellung über den Export der wichtigsten palästinensischen Industrieprodukte in den fahren 1920—1928 veröffentlicht. Von besonderem In* teresse ist dabei der Anteil, den die Produktion der jüdischen Fabriken in Palästina einnimmt Zu den Artikeln, die vorwiegend in jüdischen Unternehmungen erzeugt werden, gehören Zement, Mazzoth, Schokolade und zuckerwaren, Oel, Strümpfe und Leder. Das fällige RitaalmorÄmärebe8 Wie alljährlich in der Zeit vor den Peßaeh-Tagen ist auch in diesem Jahre In Polen die Ritualmordlegende auf getaucht Diesmal war Wilna der Schauplatz. Eh» christlich« Frau namens Wojtowlez Ueß Ihr kleines Mädchen In dem Laden des jüdischen Kaufmanns Gerszkern In der Dentin!* : kaner-Oass« zurück. Gerszkorn führte das wttaende Ktad*׳am. '■ dem‘Lai# bte’uftd'lers ׳:-l»Jdel Vvtgmmt■■ verbreitete sich das Gerücht, daß Juden da Kind verschleppen wollen, um es zu Ritualzwecken zu schichten. Eine große Menschenmenge versammelte sich vor dem Laden und schickte sich an, denselben zu stürmen. Dabei wurde ein Jude schwer mißhandelt Auch der inzwischen zurückgekehrten Mutter des Mädchens gelang es nicht, die Menge zu beruhigen. Erst die herangekommene Polizei, die ein Protokoll aufsetzte, konnte die Menge zum Auselnandergehen bewegen, * Brünn, 17. März. (J.T.A.) In Boskowitz in Mähren kam es infolge einer Ritualmordhetze zu einem Zwischenfall, der leicht zu ernsten Folgen für die jüdische Bevölkerung der Stadt hätte führen können, aber dank dem schnellen Eingreifen der Polizei rechtzeitig bclgelegt wurde. Das Dienstmädchen des Boskowitzer Rabbiners war an den Folgen einer Leuchtgas* Vergiftung gestorben. Antisemitische Hetzer verbreiteten das Gerücht, das christliche Mädchen sei, jetzt vor den Pessach- Tagen, zu rituellen Zwecken getötet worden. Eine erregte Menge belagerte das Haus des Rabbiners und nahm eine dro* liende Haltung ein. Die rechtzeitig benachrichtigte Polizei zerstreute die Menge. Gegen die Urheber der Demonstration wurde die gerichtliche Verfolgung eingeleitet. SCHON 15 0 0 BÄUME 1 חר־ומו־ס Der zweite Hain Im Einsteinwald wird dieser Tage vollendet! Die Aktion bla Purim schaffe 10.00 0 BÄUME, EINSTEINS WALD! BAUMSPENDE :חרימית :עצים Nortfn Bober in Berlin Schon einmal wurde an dieser Stelle darüber berichtet, wfe Martin Bub er, die gedankenreiche Einsamkeit seines stillea Hause« an der Bergstraße verlassend, hier in der ״Schule der jüdischen Jugend“, die auch ihm verheißungsvoll und wichtig dünkt, In einer Arbeitsgemeinschaft eine große Schar von Lernenden in das Wesen der Bibel, vom Buche der Richter ausgehend, einführte. Diesen Abenden engerer Zu* samraenarbeit, denen die Teilnahme einer großen Anzahl von Hörern vom ersten bis zum letzten Worte freu blieb, gesellten sich nun Aussprachen und Vorträge Bubers in größerem Kreise: eine Aussprache über Erziehungsfragen, von der Jüdl* sehen Waisenhilfe einberufen, und end-ich als Schluß und — wie mancher Hörer empfand — als Krönung seines Berliner ״Lehrauftrags“ Bubers Vortrag ״Der Wille zur Gemeinschaft und das Leben der Gegenwart“, der am Dienstag Abend im überfüllten Hörsaal der Kunstbibllothek In der Prinz-Albrectit- Straße stattfand. Frauen aller jüdischen Parteien und Schattierangen hatten zu diesem Vortrage eingeladen: Jüdischer Frauen * Bund. Frauen *Arbeitsgemeinschaft für Palästina, Schwestern - Verband der Logen U. O. B. B., Groß * Berliner Frauengruppen des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jfidi* scheu Glaubens. Schon diese Einheit der Einberuferinnen, selten und fast unerhört iu unserer zerklüfteten Zeit, erschien wichtig und bedeutsam. Als öb sie alle fühlten: hier ist, was uns alle bindet. Vorwegnahme eben jener Gemeinschaft im eigentlichen Sinne, von der Buber sprechen wollte. In bewußter Selbstbescheidung umgrenzte der Redner zunächst den Kreis der Probleme des Abends. Denn Probleme sind es, um die es sich hier handelt: Fragen, Kapitel-Ueber* Schriften. Gemeinschaft Ist ihm ihrem Wesen nach: Verbundenheit einer Vielheit von Menschen, zwischen denen eine mindestens potentielle Beziehung denkbar ist; die aber muß diese Menschen in ihrer Ganzheit, muß sie lebensmäßig ergreifen, Urbild der Gemeinschaft ist die echte Gemeinde, die hier nicht nur in Ihrer freilich höchsten Form, der religiösen Ge* meinde, verstanden wird. Auch die Gemeinde besteht nicht aus Einzelnen, sondern aus kleineren lebendigen Einheiten, den Familien; aus den Gemeinden setzt sich dann das Gemeinwesen zusammen; erst aus der Einheit der Gemeinwesen ersteht die wahre Gemeinschaft der Menschheit Immer war diese Gemeinschaft Ziel menschlicher Sehnsucht — freilich zumeist ein Ziel, das als du ״bequemes Ideal“ über den Häuptern der Menschen schwebte, ohne in ihr tlr* liehe« Leben einzugreifen. Verwirklichung gilt es; ,.wenn nicht heut — wann denn?“ Darum faßt Buber als Thema nicht das Ideal der Gemeinschaft, sondern den Willen zur Gemein* schaft — eigentlich den Glauben an sie in seinem eigentlichen Sinne. Denn Glaube bedeutet ihm das Stehen des Menschen in der Verantwortung — jetzt und hier, in jeder Stunde — mit aller Kraft Als Hauptelawand gegen diesen Willen trat Ihm entgegen: Ist das Romantik? beißt das Rückschritt za primitiven Lebens* formen, un möglich in unserer mechanisierten Zeit? — Buber verneint die Frage: nicht am eine Gemeinsamkeit der Adlnliehen handelt es sich, sondern gerade um einen Zusammen- Schluß aller Unähnlichen, weil Eigengesetzlichen. Es gilt ein Einbauen echter Gemeinschafts-Elemente und ein Umbauen der heutigen Gesellschaft Denn der Staat der Gegenwart ist keine Gemeinschaft, obwohl er die Möglichkeiten zu Ihr wie etwa den Parlamentarismus in •Ich birgt Wirkliche Gemein* schaft war die freilich sonst brüchige, weil aut dem Gedanken der Sklaverei aufgebäute griechische Polls, wo jeder Bürger mitverantwortlich die Angelegenheiten der Gesamtheit mit beriet Davon blieb bei uns kaum «ta Rest: das System der Verttetepif kauft dtenJUnselaeB 10* von unmittelbarer ,Teil* > '«* WalfiiÄ1־ tot und unlebendig wurden. Als Forderung tritt dem gegen* Über: Schaffung einer Front der Wahrheit innerhalb der Parteien, Gewiß!;eine Diktatur, weder von recht« noch von links. Sowohl Rußland wie Italien zeigen die Gefahren solcher Bestrebung. — Ferner: Befreiung von der Ursünde der politi* sehen Abstraktheit Entpersönlichung der Oeffentlichkeit Ist vermeidbar durch Schaffung lebendiger Mittelglieder zwischen den Menschen: gemeindehafter Autonomien, in diesem Sinne ist ein Bürgermeister so viel wert wie ein Kanzler, wenn er es wirklich ist. — Schließlich: Ersetzen des politischen Mittels durch das erzieherische Mittel, das allein erlaubt Ist, weil es als einziges den Menschen nicht als Mittel, sondern als Zweck betrachtet, well es ihn ganz aufschließen will und an die Möglichkeit seiner Entfaltung glaubt AH« hängt da* von ab, ob dies erzieherische, das gläubige Mittel in unse» Politik einzubeziehen ist Die Ratio soll humanisiert werden: Staatsvernuft soll von ihrer Abstraktheit befreit Wer* den und menschliches Antlitz erhalten. — Dazu aber Ist keine radikale Aufhebung der Situation notwendig, sondern allein Vergegenwärtigung d« Mitmenschen. Dann wird unser aller Leiden aufhören, aas Leiden ohne Sinn, das sich unser bemächtigt, sobald wir den Flucht-Apparaten der Gegenwart entfliehend, zur Besinnung kommen. Dazu aber gehören nicht große Grundsätze, sondern der Wille zur Antwort nicht mit dem Munde: mit der Tat; jetzt und hier; so viel unser aller Kräfte vermögen. Kaum einer war im Saale, wie die Leiterin des Abends, Frau Falkenberg, nachher bemerkte, der sich dem Eindruck solcher Worte hätte entziehen können, den diese Worte nicht mitten ins Herz trafen. Beifall der Jungen wie der Alten wollte nicht schwelgen. — Die nun folgende Diskussion brachte zunächst Enttäuschung. Frau Wronsky sprach von der Bereitschaft der jüdischen Frau besonders zur Mitarbeit in den Oemeinden, G. Landauer von Palästina-Arbeit und ihrem Wesen, Frau Dr. Klausner verteidigte als Politikerin den Begriff des Parlamentarismus, den Buber gar nicht angegriffen hatte. Für die Verengung des Gesichtsfeld«, die sich In diesen Ergänzungsreden manifestierte, entschädigten jedoch die schritt- Rehen Fragen, die einzelne Hörer und Hörerinnen auf den Wunsch der Leitung an Buber gestellt hatten und die er nun beantwortete. Hier bot sich erwünschte Gelegenheit, einreine Begriffe, wie etwa die ״Vergegenwärtigung des Mitmenschen“ näher zu beleuchten. Und vor allem bot die letzte der Fragen, die sich mH der Palästina-Arbeit beschäftigte, Martin Buber den Anlaß, noch einmal in monumentalen Worten den verpflichtenden Oemeinschaftscharakter aitiüdischer Gesetzgebung zusamraenzufassen, für die eine Welt, die unter dem römischen Rechte steht, noch immer nicht reif wurde, den sozialen Ausgleich d« Freiheit».Jahr«, wo jeder Knecht in die Freiheit zurückkehrt, wenn or!rieht freiwillig das Los d« Knecht» erwählt: and die allumfassende Einrichtung des Jobel-Jahres, d« Hefmholer*Jahres, wo jede Hufe Ackers und jede Scholle Land« zurückkehrte zum ursprünglichen Besitzer. Im Geiste dieser wahrhaften Gemeinschaftsarbeit wird und muß die Zukunftsarbeit Im Lande Israel vollzogen werden. Bertha Badt-Strauß. London, 17. März. (J.T.A.) Am 15. März tagte in London der von der zweiten ln Berlin abgehaltenen liberalen Weitkonferenz gewählte Hauptvorstand des Weltverband« für das liberale Judentum. Es wurden Beschlüsse über die Vorbereitung der dritten Weltkonferenz des Welt- 1 :rbandes für das liberale Judentum getroffen, die ha Sommer 1930 statttadett wfrd

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