Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 22 (19.3.1929)
- Date
- 1929-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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» Nr. 22. 19. ÜI.!929 JUCDTSCHE RUNDSCHAU Seite 141 Einkehr der akademischen Jugend Von Ernst Hatitzki, Berlin. Die akademische Jugend, einst überall Träger freiheitlicher Ideale, ist heute der Vortrupp aller Reaktion und so auch des Antisemitismus. Zwei Faktoren allein lassen hier gegenwärtig eine neue Beurteilung zu. Einmal die in alle» Ländern erneut wachsende sozialistische Studentcabcwegung. die in Deutschland, Deutsch-Oesterreich und Frankreich schon eine bedeutungsvolle Stärke erreicht hat und gerade die geistig wertvollsten Kräfte dem akademischen Antisemitismus entzieht Noch stärker aber als die.se politische Entwicklung scheint sich hier dip von wirtschaftli:hen Motiven getragene, in immer größerem Maße hervortretendc Tendenz auszawirken, im Gegensatz zu Vorkriegsjahren von /*lfang an das Studium mit größtem Ernst aufzunehmqp, ohne sich Zeit für studentischen Korporationsbetrieb zu lausen, der früher doch den wesentlichen Teil der Studienzeit ausfüllt(» Immerhin ist es heute noch völlig unklar, ob die eben geschilderten Ansätze neuer Entwicklung schon stark genug sind, die große Menge der Studierenden zu einer neuen, weiteren Grundeinstellung gegenüber politischen, ■sozialen und kulturellen Problemen zu veranlassen, und es ist durchaus Zweifelhaft. ob man schon heute von einer grundsätzlichen Neu- Orientierung der akademischen Jugend sprechen kann. So war es von besonderem Interesse an einer vor einiger Zeit ten dem Weltstudentenwerk bei Paris veranstalteten Konferenz teilzunehmen. die allein zu dem Zweck einberufen war, sich mit der jüdischen Frage an den Hochschulen Europas zu beschäftigen. Sehr interessant schon, daß das Weltstudentenwerk, die Internationale Zusammenfassung aller studentisch soziale« Organisationen, die Dringlichkeit dieser Frage in vollem Umfang erkannt und sich zur Einberufung dieser Konferenz entschlossen hatte. Interessanter aber noch war es, hier die Repräsentanten der verschiedensten studentischen Richtungen der verschiedensten Länder zu sprechen und ^ch mit ihnen über ihre Stellung zu dem jüdischen Problem an den Hochschulen Europas, also vielmehr über Rire Stellung zu dem jüdischen Problem schlechthin auseinanderzusetzen. So waren neue Erkenntnisse über die Stärke und die zukünftige Entwkklung des akademischen Antisemitismus zu gewinnen, und damit neuer Einblick in den Geist der akademischen Jugend Europas von heute. Das eine sei sofort gesagt: der erste VeDsuch, den diese Konferenz von Zionisten una Assimüantan, von Antisemiten und Philosemiten darstellte, mußte einen dilettantischen Charakter tragen. Die Dabatte ging so, uneingeschränkt durch zwei sehr gute, nur allzusehr mit Zahlenmaterial belastete Referate, vom unwissenschaftlichen, Gefühlsmäßigen aus. Es war gut, daß jeder frei und unbeschwert seine Meinung sagte, oft sehr primitiv und kindlich, aber immer eindeutig und aufschlußreich. So konnte man leicht ein deutliches Bild gewinnen und einige prinzipielle Erkenntisse für sich erneut bestätigen. Und das sei nun kurz im folgenden mit der Wiedergäbe einiger rhetorischer Vorkommnisse dargestellt. Ein Sekretär des Weltstudentenwerk*|6, Organisator dieser Konferenz, Nichtjude, Engländer, sprich* von seiner Stellung zum Judentum. Er schätzt es wegen seiner kulturellen Intensätat, seine Verehrung gilt den Juden als dem Volk der Bibel, auf der sich die Religion seines eigenen Volkes aufbaut. Oelassen, in sich sicher, kulturell arriviert, ist es ihm möglich, andere anzuerkennen, zu tolerieren, zu verehren. Ein Rumäne, Sekretär der Universität Bukarest, wie man sich erzählt, in Rumänien sehr gemäßigter Antisemit, bringt Erregung ü» die Debatte. Schatten tnittelaltertictien Geistes tauchen au#: der ewige, uneriöste Jude,- das -fflutr Christi, .das jüdische anä* nationale Paneuropa werden heraufbeschworen, um Amtlseräitismus zu begründen und glaubhaft zu machen. Es ergib* sich em klares Bild: der Engländer, der Rumäne, zwischen ihnen der Jude. Was unterscheidet hier Engländer und Rumänen? Nichts weiter als das Kntturniveau ihres Landes. Der Rumäne, der heute vielleicht am Beginn seiner eigenen Kultur steht, muß den Juden, den schwachen Juden, übermächtig durch seine jahrtausendalte Kultur, fürchten. Ein altes Gesetz des Antisemitismus wird von neuem klar. Eine aridere Situation: Professor Oualid hat sein Referat über die Lage der Juden in Europa beendet. National- Ökonom an der Sorbonne, brachte er es in glänzender Form, mit vielem Material. Er ist Jude, guter Sohn Frankreichs, steht der Alliance Israeiite nahe. Die Debatte setzt ein, eine Französin spricht, allgemein geliebt, weil sie ihre ganze Kraft an die Idee des Friedens und der Völkerverständigung setzt Sie fragt Oualid, wie er als Jude zu Frankreich stene, sie glaube, daß sein Verhältnis zum Lande doch im letzten ein anderes sein müsse afcetwa das ihre. OuaUd weicht aus, beruft sich auf die französische Revolution, die alle Gegensätze ftn voraus ausgeglichen habe. Die Französin wird dringlicher, fragt ganz klar: Wenn Sie in einen Konflikt kommen, in dem Sic zwischen Frankreich und Judentum zu wählen haben, was werden Sie tun? Nach kurzem Zögern die Antwort: Ich werde Frankreich wählen. Die zahlreichen jungen National- Juden sind entsetzt, die anderen erstaunt und ungläubig. Ein neues Bild: Dar Vertreter des K. C. der Deutschen Studenten jüdischen Glaubens, unser engerer Gegner, spricht ln der Debatte. Ich ahnte schon, was er sagen könnte, meine Freunde aus Oesterreich, Polen, England, Amerika sind erwartungsvoli. Er sprach über das Heranwachsen des deutschen Staates vom frühen Mittelalter, sprach lange von der Staatsauffassung Friedrich des Großen und von dem Begriff des Gottesgnadentums. Das jüdische Problem? — Wie heißt doch die juristische Formel? Mangels Masse wurde der Konkurs nicht eröffnet. Ich hatte Not, meine Freunde zu beruhigen. Das offizielle Ergebnis der Tagung war dies: Man braucht eine von allen Seiten anerkannte, umfassende und objektive Darstellung der Situation in den einzelnen Ländern. Eine Kornmission von Juden und Nichtjuden wird sich dieser wichtigen Aufgabe unterziehen und so eine neue Konferenz für 1930 vorbereiten. Wir begrüßen diesen Entschluß, denn wir brauchen nur tatsächliches Material, um der Welt zu beweisen, welches Unrecht der jüdischen Intelligenz Im Osten Europas angetan wird. Das persönliche Ergebnis? Kulturelle, wirtschaftliche,!>011tische Faktoren des Antisemitismus zugegeben. Der tiefe Grund liegt im Menschlichen, iiegt darin, dal die anderen vor uns in einer geschichtlichen Situation keine Achtung besitzen, die sie selbst herbeigeführt haben. Und so werden alte Erkenntnisse von neuem bestätigt: Normalisierung des jüdischen Volkes brauchen wir ,e י n Argument gegen au diesen Haß müssen wir uns schaffen: die meßbare, von niemand zu leugnende jüdische Leistung, den Aufbau Palästinas. Einkehr der akademischen Jugend? Einkehr aller Bö»- willigen? — Wieviel Zeit werden Wir zum Aufbau Palästinas brauchen? Die Oberrabbiner von Palästina Rabbi Kuk, Rabbi Jacob Meir und Rabbi Chaim Sonnenfeld haben Aufrufe zu Spenden zwecks Versorgung der russischen Juden mit Mazzoth erlassen. Die Aktion ist im Qange. Jerusalem, 17. März. (J.T. A.) Im Alter von 60 Jahren verstarb in Haifa der Mufti Ahmed Mur ad. Er war Vize- Präsident des moslemitischen Obersten Rates und einer der führenden Antizionisten. Zionismus ln der französischen Schweiz Umw Ganfor Mitarbeiter *chrabt um: In der französischen Schweiz, ln der der zionistische Oedanke bisher noch nicht in allzu großem Umfange Fuß gefaßt hatte, ist es dank den Bemühungen von Herrn Walter Sam u e I, Delegierten des Keren Hajessod-Direktoriums Jerusalern, jetzt gelungen, durch Gründung einer Zionistischen Ortsgruppe in Lausanne einen neuen Stützpunkt zu erobern. Der Vortrag von AJm£ Palliare, der fast von der ganzen Gemeinde besucht war, hatte bereits den Boden vorbereitet. Ein Vortrag von Herrn Dr. Victor Jacobson. Delegierten der Zionistischen Organisation beim Völkerbund, vor einem geladenen Kreis jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten, sowie die Aufführung des neuen Palästinafilms bewirkten, daß Sich die dort gewonnenen Freunde zu einer Ortsgruppe zusammenschlossen. In Genf wurde von Herrn Walter Samuel dieser Tage eine Aktion für den Keren Hajessod durchgeführt, mit besonderer Unterstützung seitens der Herren Dr. Abraham (Bern) und Dr. Kahany (Genf). Hier, wo bisher nur gelegentlich einige Beiträge für den Keren Hajessod eingingen und eine systematische Arbeit nicht stattgefunden hatte, gelang es, von einem wesentlichen Teil der Genfer Juden Beiträge, darunter recht ansehnliche Summen, zu erhalten. Die Aktion, die noch nicht ganz abgeschlossen ist, erbrachte bisher schw. Frcs, 11000. Frankfurter Brief Nach den Ereignissen der Zionistischen Woche haben eine Reihe interner Veranstaltungen der verschiedenen Gruppen sowie der Frankfurter Zionistischen Vereinigung selbst stattgefunden. Wir erwähnen insbesondere einige, die politischen Charakter trugen. In der Zionistischen Jugeiidgruppe sprach Dr. Mlllner über ״Pa rt ei-Pol 1 ti k“; in der Zionistischen Vereinigung Herr Dr. Arnsberg über ״Für den Judenstaaf, gegen den Bindestrich-Zionismus“, sowie Herr Richard Lichtheim über die ״Allgemeine Läge im Z i o n i s m u 8“. Sämtliche Veranstaltungen waren stark besucht und die rege Diskussion läßt auf starken Widerhall schließen. Letzten Endes erörterten sämtliche Redner den Revisionismus bzw. die Frage des reinen Nationalismus gegenüber den anderen Gruppierungen innerhalb der zionistischen Bewegung. Dr. Mülner faßt das Problem mehr theoretisch. Seine Gedanken- Ränge waren: Politik ist überhaupt nur in Form von Parteipolitik möglich; sie wird nicht im luftleeren Raum getrieben, sondern ihre notwendige Verknüpfung mit der Realität zwingt stets, das ״Wie“ der Politik zu erörtern. Daraus folgt aber, daß jede politische Betätigung einen Inhalt haben muß und demgemäß ein ״monistischer Zionismus“ mit seinem politischen und wirtschaftlichen Programm nur Deklaration ist und so aus sich heraus einen Widerspruch bedeutet Der Inhalt der Ausführungen von Dr. Arnsberg ergibt sich aus der Themenstellung: ״Für den Judenstaat, gegen den Bindestrich-Zionismus“, liierunter faßte er einerseits den Brlth Schalom, den er als eine zionistische Verirrung darstellte und andererseits den starken einheitlich gerichteten nationalen Willen, der sich auf der Wiener Revisionisten- Konferenz gezeigt hat Die Jewish Agency, die notwendigerweise die Bedeutung des Kongresses entwerte und auf der anderen Seite eine Notabeln-Organisation herbeiführe, sei der Ausdruck der nicht mehr auf die nationale Kraft vertrauenden Exekutive, die nach außen paktiere, sowie der Schwäche der Fraktionen, die mit Irgendwelchen anderen Ideologien pak* Herten; Richard Lichtheim schließlich, der anläßlich des Kartelllages sprach, begründete die Forderung des Revisionismus aus den bisherigen Fehlern der zionistischen Leitung und versuchte zu beweisen, daß ein Aufbau-Plan der Zionistischen Exekutive überhaupt nicht vorliege und daß allein das Programm der Revisionisten im Zusammenhang mit dem ״Kolonlsat i 0 n s - R e g f m e“ den wirklichen nationalen Aufbau des Landes verbürge. In den Diskussionen zu diesen Vorträgen sprachen Blatt, Fränkel, Dr. Mlllner und Kurt Blumenfeld, die von ihrem Standpunkt aus Stellung nahmen und die ״Jewish Agency“ gerade aus dem Glauben an die Kraft der Zionistischen Organisation und den nationalen Willen von Erez-Israel und ins- Besondere der dortigen Arbeiterschaft begründeten. Anläßlich des Kartelltages des K. J. V. hielt Im großen Logensaal Dr. Goldmann einen Vortrag über die ״Aufgaben una Probleme des jüdischen Akademikers“, der einen starken Eindruck hinterließ. Die Zionistische Frauengruppe veranstaltete einen musikalisch-deklamatorischen Abend zur Erhaltung des hebräischen Kindergartens, der sehr gelungen war. Seminare tttr Propagandisten Die Z. V. f. D. veranstaltet gemeinsam mit der B. Z. V. ln Berlin am 20. und 21. April ein Propagandasemtnar, an dem alle diejenigen Gesinnungsgenossen teilnenmen sollen, die aktiv in der Propaganda und in der zionistischen Erziehungsarbeit stehen. Es werden in dem Seminar folgende Fragen bearbeitet werden: 1. Der Stand der zionistischen Argumentation. 2. Jüdische Entwicklungsmöglichkeiten in der Galuth. 3. Erez-Israel und seine Bedeutung für das Judentum. Die Leitung des Seminars wird ln den Händen von Kurt Blum e n f e I d liegen. Anmeldungen sind sofort zu richten an das Sekretariat der Z. V. f. D. (Propagandaabteilung), Berlin W15, Meinekestr. 10. Wir mache« nochmals auf die Informationen für Propagandisten aufmerksam, die unseren Mitarbeitern auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden. Das llileii gegen Halsmann annulliert Der Oberste Gerichtshof der österreichischen Bundesrepublik hat auf Grund des § 345 der Prozeßordnung das Urteil des Innsbrucker Schwurgerichts gegen den jüdischen Studenten Philipp H a I s m a n n aus Riga aufgehoben und die Durchführung eines neuen Prozesses durch das Innsbrucker Schwurgericht angeordnet. Der Antrag des Verteidigers Halsman ns, Dr. Preßburger, den neuen Prozeß vor dem Wiener Landesgericht stattfinden zu lassen, wurde abschlägig beschieden. Die Kassation des Innsbrucker Urteils erfolgte mit der Begründung, daß verschiedene Anträge des Verteidigers, die für das Verfahren wesentlich waren, zurückgewiesen wurden. Diese Entscheidung gibt die Möglichkeit, den schweren Justizirrtum zu korrigieren. Der Verteidiger Halsmanns, Dr. Preßburger, erklärte Pressevertretern, er hoffe, man werde Halsmann bald aus dem Gefängnis entlassen, ohne daß es noch zu einem neuen Prozeß vor dem Innsbrucker Schwurgericht kommen werde. Wahrscheinlich werde die Innsbrucker Staatsanwaltschaft gar nicht wieder die Mordanklage gegerf Halsmann erheben. Die Zionistische Organisation Südslawiens (S. H.S.) hält ihre Jahreskonferenz am 31. März und 1. April in Belgrad ab. Neue» von Minkowski Maurice Minkowski, der jüdische QeschlchtsmaletO großen Stils, wird im Frühjahr einige der Gemälde, die wir von der Ausstellung der Galerie Wasservogel in Erinnerung haben, in London zeigen, außerdem ein halbes Hundert neuer Aquarelle von seiner letzten Reise in Polen. Diese Aquarelle haben eine stille Sicherheit und Wahrheit und darüber -hinaus Inniges Oefühl und schlichtes Klingen und Singen aus der Tiefe des Volkes, mit dem er so sehr verbunden ist. Sie wurden in Berlin noch nicht gezeigt. Ich sah sie, als ich einer Einladung in sein Atelier folgte. In den Aquarellen zeigen sich ursprünglieber als in den fixierten großen Gemälden die treibenden Kräfte. Die Gemälde, gehalten, ruhig bei aller inneren Dramatik, sind Historie, Zeugen einer weitgespannten unaufhaltsam schaffenden Gestaltungskraft. Ruhig wie der Hintergrund weiten Landes. Die Aquarelle zeigen die Hinneigung zum Genre, sie zeigen Mal* und Fabulierfreudigkeit, sind Rcisereportage, farbiger Berieht, höchst lebendige Sprache. Wo die Luft, der Himmel, der Frühling, der erst kommt, kurz: ״Stimmung“ fcstgehaltcn wird, ist alles hell, und diese hellen Atjuarclle sind präzis gemalter fast artistischer Impressionismus. Zuweilen ist er mit 3er Vercintachung des Hintergrundes im Aeußerlichen Expressionist. (Munch wandte den Expressionismus im Porträt so an, als er im. Technischen Expressionist war.) In den dunklen Aquarellen Ist; grüngelb die herrschende Farbe, aber sic deckt nicht alles wm bei jankel Adler und gelegentlich bei Rahel Szalit, die durch, Dynamik, breite Bodenständigkeit und vielfache Humore die Farbe zeichnerisch wieder hineintragt. Auch bei Minkowski drückt die Dunkelheit Willen zur Konzentration aus, aber es hebt sich nur die eine oder die andere Gestalt liebevoller gezeichnet hervor, die dunklen Bilder sind Schilderung, Kul^r- Schilderung, sie begleiten das Leben des Volkes bei seinem Alltag. Ein Familienbild, Eltern und Kinder am Abend um den erleuchteten Tisch, oder ein alter Mann beim Thora Studium, die Hausmutter legt die Bardies auf, oder Tische mit Sabbatlichten in der freundlich hellen Stube eines armen Ehepaares, wo das Bett noch als zweiter Tisch herhalten muß durch eine aufgelegte Rretterplatte, sind zufälliges äußeres Motiv zu dem häufigeren inneren in anderen Bildern: ergreifende Ergebenheit in trübes Schicksal und alte Menschen in deren schlichten unverbildeten Zügen man die Geschichte des Lebens und Leidens mühelos abliest. Es sind unter diesen Aquarellen, man kann es nicht oft genug betonen, wahre malerische Kostbarkeiten, und darüber hinaus sind sie jüdische Dokumente, gerade durch die schlichte Darstellung. Man sieht eindringlich nah die Schätze von Liebe und Innigkeit des Zusammenhalts der Familien, Größe und Schönheit, der die Armut nichts anhaben kann. * Nachzuholen ist die Ausstellung in der Galerie Wilts ch e k. Sie galt zwei begabten jüdischen Künstlern- Der Frankfttrter Maler Hans Feihusch ist bekannt durch sein optinristisches Selbstbildnis mit dem Blumentopf. Feibusch erfüllt die Erwartungen solider Tiefe in seinen großen Gemälden. Grün ist auch weiterhin die beherrschende Farbe, ein sonnenbeschattetes Grün mit blauen Tönen. Das Gemälde, der Bergsee, mit dem Boot durchquert, zeugt wieder von dem gesunden, vom rein körperlichen Wohlbefinden hergeleiteten Optimismus. Ein Karneval ist sehr gut gemalt, beschwingt, mit Rhythmus, federnd, und blank In den Färben. Mit ihm stellt zum erstenmal eine beachtliche Zeichnerin aus: Alice Cohn. Sie stellt sich neu vor Jeden Menschen und bringt wirklich Gesichter von Intuition unterstützt Des verstorSenen Malers und Zeichners öppler ist schon gedacht wor- 4' ־ä: Efe״Mäsfef jäBtär *panischen *Rjäütschale und Jet virtu&iett' Ballettszenen softe nur ein dauerhafteres Gedenken bekommen als freundliche Worte: Mappen zur Lehre für die junge Generation und zur Freude der Kenner. Ruth Morold. In eigener Sache In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde von! 14. d. M. nahm der liberale Repräsentant Moritz Rosenthal anläßlich der Begründung der liberalen Interpellation wegen der Palästina-Nummer des Jüdischen Gemeindcblattes Bezug auf eine Briefkastennotiz der Jüdischen Rundschau vom 12. d. M. ln dieser Noäz war zum Ausdruck gebracht worden, daß man es sich versagen müsse, mit Hern! Rabbiner J a c o b aus Dortmund wegen seines Briefes an die C.-V.-Zeitung und mit Moritz Rosenthai wegen seines Schreibens an die Jüdisch-Liberale Zeitung in der Nummer der Jüdischen Rundschau zu polemisieren, in welcher Einstein gefeiert und über die große Keren Hajessod-Kundgebung berichtet wird. Am Schluß der Notiz hieß es: ״Ueber die Nebet}-. ateichten beider Briefe sind wir uns . . . völlig klar.“ Moritz Rosenthai, der, wie er selbst zugab, gewußt hat, daß Ich der Verfasser der fraglichen Notiz bin. bezeichnete in meiner Cte' cenwart diese Notiz als ״Perfidle“. Ich kann nicht, wie ein anderer jüdischer Journalist in einem Falle, der keineswegs so schwerwiegend war. Protestschreiben an die Reprasentantcnversammlung wegen dieser schweren Beleidigung richten und den Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung ersuchen lassen, mich in Schutz zu nehmen. Als Mitglied der Kepräsentantenversammluiig steht mir die Möglichkeit offen, mich allein zur Wehr zu setzen. Mit dem Worte Nebenabsichten III R>lll U1H AH L-Il vilw• atu fjvbv .! * erste Stelle gerückt sehen möchten, sondern auch darum, der Zionistischen Organisation etwas am Zeuge zu flicken. Moritz Rosenthal hat in der Sitzung der Repräsptantenversammjung, :ür seine Person, diese Auffassung bestätigt, und sie nur dahin ■ichtiggestellt, daß die Schädigung des Zionismus bei ihm iauptabsicht gewesen sei. Es ist mir also unverständlich, vie er in der Briefkastennötiz der Jüdischen Rundschau eine ’erfidie (er meinte wohl eine kränkende Unterstellung) erdicken konnte. Herr Rosenthal und andere liberale Repräsentanten,״ geielen sich außerdem in der Sitzung vom 14. Marz darin, die Redaktion der Jüdischen Rundschau mehrmals anzugreife■» Rechtsanwalt Dr. K1 e e trat diesen persönlich zugespitzten An- «riffen kräftig entgegen. Unsererseits bleibt nur die Pflicht :u erklären, daß wir nach wie vor uns durch derartige Angriffe md Beleidigungen nicht veranlaßt sehen werden, unsere Haiung hinsichtlich unserer liberalen Gegner weder na h der Riehung besonderer Rücksichtnahme noch nach der Richtung grölerer Schärfe zu ändern. Moses Waldmann. Kammergerichterat Leo Wolff, früherer Vorsitzender, rtzt erster stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Oeleinde Berlin, Vorsitzender des Preußischen Landesverbandes idischer Gemeinden und der Rcichsarbeitsgemeinschaft der andesverbände wurde von einem Auto zu Boden geschleudert 11d so schwer verletzt, daß er in bewußtlosem Zustande 111 ie Charite übergeführt werden mußte. Doch ist in dem Benden von Kammergerichtsrat Wolff eine erfreuliche Besseupg zu verzeichnen. Die Gehirnerschütterung ließ in ihren /frKUngen nach, der Verletzte ist auch schon wieder bei vollem iewußtseiu. Man hofft, daß Kammergerichtsrat wolff bald ueder ganz hergestellt sein wird. * -