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Jüdische Rundschau · 1929-03-19 · Heft 22 (19.3.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 22 (19.3.1929)
Date
1929-03-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile!40 JUEDTSCHE RUNDSCHAU Nr. 22.!9. m. 1929 Ein neues Arbeiiervieriel bei Chederah Von unserem palästinensischen Korrespondenten. ^as Problem der jüdischen Arbeit, besonders in den i flanzungsKoIonien, ist heute in Palästina wieder ungewöhlich aktuell. Die Tatsache, daß die Plantagen, die vor Beginn der vierten Alijah ein paar Hundert jüdisaier Arbeiter beherbergtcn, jetzt gegen 6000 beschäftigen, hat bei vielen die Erkennt- 111s dämmern lassen, daß jüdische Arbeit in Palästina nicht nur notwendig, sondern auch — gewisse psychologische und Ökonomische Bedingungen vorausgesetzt — möglich ist Die Ausbreitung der Orangenpflanzungen und der Aufschwung der Siedlungen hat dazu beigetragen, das Interesse der Oeffenthenk eit auf die jüdische Arbeit in den Orangerien zu lenken. Die Presse befaßt sich in letzter Zeit wieder eifrig mit der Frage. Was dagegen fehlt ist zweierlei: eine wissenschaftliche, auf Zahlen und Tatsachen gestützte Bearbeitung der Frage, die unter anderem einen Vergleich zwischen dem jüdischen und dem arabischen Standard of life umfassen müßte (Index') und einen ungefähren Durchschnitt der jüdischen und arabischen täglichen Arbeitsleistung zu geben hätte. Und zweitens die Zusammenfassung der bisher auf diesem Gebiete gemachten Erfahrungen und eventuell die Ausführung einiger fehlender praktischer Versuche in kleinem Maßstabe, die dann •als Grundlage für große Aktionen dienen können. Beide Versuche müssen selbstverständlich einander koordiniert werden, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Daß eine wissenschaftliche Erörterung des Problems der jüdischen Arbeit und neue praktische Versuche auf diesem Oebiete wichtig sind, wird heute von allen Seiten zugegeben, da man erkannt hat, daß eine Durchführung der zionistischen Anfrage im Lande ohne jüdische Arbeit tme Unmöglichkeit ist Man weiß seit bald zwei Jahrzehnten, daß die wichtigste Stütze jüdischer Arbeit die H i 1 f s wi rt scha f t ist, der kleine landwirtschaftliche Betrieb, der dem Juden dem arabischen Konkurrenten gegenüber — der in vielen Fällen sein kleines Stück Boden besitzt — einen gewissen Halt gibt Man hat auch bereits Versuche in dieser Hinsicht gemacht, von denen in der Hauptsache zwei — fast die einzigen t von Interesse sind: das eine war die Oründung der Siedlungen Ejn Ganim und N achlath Jehudan, die den Arbeitern von Petach-Tikwah und Rischot» Lezion einen Rückhalt geben sollten und sich dann nach vielen Schwierigkeiten zu besonderen Kolonien von Kleinbesitzern entwickeiten *). Der zweite war die Unterstützung der Arbeiter* gruppen in den Kolonien durch die Zionistische Exekutive, die vor vier und drei Jahren an verschiedenen Stellen Baracken zur Unterkunft baute, ein paar Pferde, ein paar Kühe gab und auch gelegentlich, wenn es gar nicht mehr anders ging, die anschwellenden Defizite der Gruppen deckte. Beide Versuche haben eines gemeinsam. Sie hatten keine normale Entwicklung. Der Werdegang von Ejn Chaj und Nachlath Jehudah wurde durch verschiedene Faktoren — vor allem durch den Krieg — schwer gefährdet. Die Anleihen der Zionistischen Exekutive an die Gruppen wurden zu einem Teil einfach für die Beschaffung von Lebensmitteln aufgebraucht, wenn Not am Mann war, so daß nur ein Teil des Geldes wirklich zur *Investition gelangte, und mit dem Bcginn der Krise und der Sperrung der Einwanderung begannen sich die Gruppen zu zerstreuen, so daß ihr Eigentum in andere Hände überging, die Baracken heute zum Teil von anderen bewohnt werden usw. Diese Art der Hilfeleistung hat also fast nirgends — Petach Tikwah und vielleicht noch ein oder zwei andere Punkte ausgenommen — zur Kolonisation ge* .föhrt, augh nicht ü$, A« s a t ן für. eine Kolonisation gedient ■ Dagegen haben diese GeWer zweifellos dazu beigetragen, die Tausende, die vor vier und drei Jahren in die Kolonien strömten, dort zu halten. Die Leute fanden in diesen Gruppen eine erste Unterkunft, in den Hilfswirtschaften ein Minimum an Arbeit, sie!ernten hier die Bedingungen kennen und die notwendigen Arbeiten ausführen. Ob diese Resultate die ln* vestition so großer Summen rechtfertigen (Zehntausende von Pfunden!) ist eine andere Frage, die hier nicht berührt wer* den solL Die Summe der theoretischen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen, die uns heute zur Verfügung stehen, beweist, daß zugleich mit der Ausbreitung der Privatwirtschaft* liehen Kolonisation eine Arbeiterkolonisation stattfänden muß, damit der Siedler die nötigen Arbeitskräfte zur Stelle hat und nicht gezwungen ist, auf billige Arbeiter zurück* zugreifen, im Gegenteil durch die Anwesen* heit der jüdischen Arbeiter am Orte davon zurückgehalten wird. Diese Erkenntnis und der Hunger nach Kolonisation, der heute im Lande herrscht, haben es bewirkt, daß im Laufe des letzten Jahres die ״Irgunim Intensiviim“ (das heißt, Organisation von Arbeitern, die sich für die Kolonisation fm Pfianzungsgebiete vorbereitend wie die Pilze aus der Erde geschossen sind. Während von verschiedenen Seiten Pläne gemacht worden sjnd, wie derartige Projekte durchzuführen seien, ist in diesem Jahre in aller Stille ein Versuch ausgeführt worden, der in mancher Hinsicht interessant ist In Chederah, der am raschesten aufblühenden Kolonie Samarias, hat die ״Palestine Economic Corporation“ eine Häuslersiedlung angelegt, die jetzt beendet worden ist. Es sind hier vierzig Familien zusammengekommen, einige aus Chederah, andere aus Jerusalem und Tel-Awiw. jede Familie erhielt zweieinhalb Dunam Boden, Kuh- und Hühnerstall — beide sehr billig und primitiv — ein Beton-Wohnhaus von 4nem Zimmer, Küche und kleiner Veranda, eine arabische Kuh und ein paar Hühner. Auf diese Weise kostete die Ansiedlung pro Familie mit Boden gegen £, 150 (Boden- und Wasserinstäilation einbegriffen). (Sollte der Keren Kaienieth den Boden übernehmen, wozu gewisse Hoffnungen bestehen, so würden sich die Kosten 11m £ 20 für Boden und £ 30 für Wasser verringern). Jeder Siedler mußte £ 25 eigenes Geld mifbringen, die Rück- Zahlung der Kredite erfolgt in kleinen Raten im Laufe von 12—15 Jahren. Wollte man diese Festsetzung von Familien in Chederah als Kolonisation betrachten, so wäre es zweifellos Stückwerk. Von zweieinhalb Dunam, einer Kuh und ein paar Hühnern kann man nicht leben. Aber diese Siedlung ist keine Kolonisation, sondern ein Rückhalt für den Arbeiter in der Kolonie undim besten Falle ein Sprungbrett zur Kolonisation. Das biCchen Boden zusammen mit dem bescheidenen lebenden Inventar und dem Haus geben einen Schutz vor unmittelbarer Not und die Möglichkeit, mit einiger Sicherheit die Arbeit®- feiegenheiten der Kolonie auszuwerten. Mehr soll eine solche iedlung nicht sein. Dagegen ist zu ihrem endgültigen Gedeihen eine Perspektive erforderlich. DerSiedler muß wissen, daß mit dem Moment, wo er seine zweieinhalb Dunam unter Bearoeitung hat und seine Einkünfte aus der Arbeit ihm eine bessere Basier u n g gestatten, er mehr Boden zu einem erschwinglichen Preise erwerben kann. Ohne eine Bodenreserve ist einsolchesUnternehmenwiedasvonChederah 11 u r h a I b e A r beit. Es ist jedoch fraglich, ob es die Aufgäbe einer solchen Gesellschaft wie der Palestine Economic *) Hierhin gehört auch die Gründung von Kfar Saba, die jedoch mit Besonderen Komplikationen zu kämpfen hatte und später eine andere Entwicklung nahm. Corporation sein kann, auch noch für diese Bodenreserve za sorgen. Ihre Aufgabe ist unter normalen Bedingungen mit dem Kredit an die Siedler erschöpft. Normale Bedingungen, das heißt aber, daß das Institut, aas für die Bodenpolitik in Palästina verantwortlich ist, nämlich der K. K, L, die nötige Reserve bereithält oder daß die Kolonie selbst, die an einem Stamm seßhafter einheimischer Arbeiter Interessiert sein muß., In die Bresche springt. So zeigt der Fall Chederah wieder einmal sehr deutlich die Notwendigkeit, Boden bei den Kolonien für die Arbeiter bereitzustellen. Außerdem empfiehlt sich die Anlage solcher Siedlungen besser auf nationalem Boden, um einen raschen Besitzwechsel der Parzellen zu vermeiden. Das Unternehmen von Chederah ist Im Grunde nichts anderes als die Wiederaufnahme des alten Gedankens der Hilfs- Wirtschaft. Jedoch zeigt die Art der Ausführung einj״e neue Züge. Zuerst einmal ist die Arbeit ungewöhnlich billig gemacht worden. Die Bauten sind mit der äußersten Sparsamkeit ausgeführt (das Wohnhaus kostet £ 56), Bodenfläche und Inventar wurden auf das Minimum beschränkt. Gerade die Billigkeit hat im Lande bei manchen gewissen Verdacht erweckt. Die recht winzigen Häuser und das geringe Bodenmaß wurden verurteilt. Es ist aber bisher noch nicht bewiesen, daß diese sehr billig gebauten Häuser nicht die von ihnen geforderten Dienste tun — im Gegenteil, sie haben bisher die sehr starken Winterregen dieses Jahres gut überstanden und es ist nicht bewiesen, daß zweieinhalb Dunam für eine Hilfswirtschaft — und mehr soll es fürs erste nicht sein — zu wenig sind, in jedem Falle ist dieser sehr billige Versuch ein wichtiges praktisches Experiment. Eine weitere Neuerung Ist die Ansiedlung städt 1• scher Elemente, die liier vorgenommen wurde. Die Famiiien, die in die Kolonie gebracht wurden, stammen zum größten Teil aus den Arbeitslosen der Städte, aus Jenen sie durch die Gemeinderäte mit Unterstützung des Kolonierates von Chederah ausgewählt wurden. Es wird sehr interessant sein, festzustellen, wie sich diese Typen in der Siedlung einleben, wie sie mit der Arbeit in der eigenen Wirtschaft und beim Bauern fertig zu werden vermögen. Für sie alle bedeutet dieser Umschwung eine ungeheure Verbesserung, da sie vorher keine geregelte Beschäftigung hatten und jetzt einen neuen Start erhalten. Schließlich hat hier zum erstenmal die Leitung der Kolonie tätigen Anteil an der Schaffung einer Arbeitersiedlung genommen. Die Palestine Economic Corporation wurde in ihrer Arbeit durch ein Komitee der Leitung Chederahs tatkräftig unterstützt. Es scheint hier den Pflanzern langsam klar zu werden, daß sie durch eine solche Aktion nicht nur den Arbeitern, sondern auch sich selbst einen Dienst leisten, da sie die Kolonie erweifern, ständige Arbeiter bekommen, den Konsum heben usw. Bisher hat man kaum je eine Aktion für die Verwurzelung des jüdischen Arbeiters in der Kolonie mit der offiziellen Hilfc der Pflanzer durchführen können. In Chederah ist es gelungen, den Damm zu brechen. So stellt sich dieser Versuch der Palestine Economic Corporation als eine neue Variante des alten Gedankens der Hilfs- Wirtschaft für Koloniearbeiter dar. Es ist zu früh zu entscheiden, ob der eingeschlagene Weg in allem richtig gewesen ist. Es ist sogar wahrscheinlich, daß auch dieses System den oder jenen Fehler enthält, der mit der Zeit ausgemerzt werden muß. In jedem Falle aber ist diese kleine Siedlung ein interessantes und wichtiges Experiment. Gerade heute, wo wir vor einer Kolonisation der Arbeiter in den Pflanzungskoionien in größerem Maßstabe stehen, ist die Arbeit der P.E.C. ein recht gesunder und mutiger Vorläufer. Ceofral-Verein und Jewfah Agency km 23. und 24. März findet in Berlin eine Tagung des Hauptvorsfandes des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Olaubens statt, die sich vor allem mit der politischen Lage unter besonderer Berücksichtigung des Nationalsozialisraus und mit der C.-V.-Stellung zur Jewish Agency be* schattigen wird. Neben dieser Tagung finden zwei Sitzungen des Arbeitsausschusses sowie eine Besprechung der Beamten des Central-Vereins statt Ueber das Programm der Tagung schreibt die ״C.-V.-Zeitung“ 0. a.: Nach dem Völkerbundsmandat für Palästina ist die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, die unter der Mandatarmacht Englands stehende Verwalterin der durch die Balfour-Deklaration garantierten nationalen Heimstätte (national home), solange nicht für diesen Zweck eine besondere Jewish Agency geschaffen ist Infolge einer zwischen Professor w eizmann und Louis Marshalt (New York) getroffenen und von der Zionistischen Exekutive nach lebhaften Erörte* rungen vorbehaltticn der Genehmigung des Zionistenicon gross es angenommenen Vereinbarung, so״ nunmehr die Alleinvenvaltung der Zionisten durch die Jewish Agency, das ist eine Körperschaft, abgelöst werden, in der auch Nlcntzionisien 50 ״/o der Sitze nach dem Beschlüsse der Zionistenkongressc elngcräumt werden sollen. Zum ers.en Mal ist also damit die Mög* Bchkeif gegeben, daß Nichtzionisten gleichberechtigt mit Zio* nisten Palästina mitverwalten können. Der Vertrag Marshall- Weizmann stützt sich auf die Balfour-Deklaration. Aber keinem der nichtzionisfischen deutschen Teilnehmer darf es verwehrt sein, seine Auffassung von der unerschütterlichen Bindung zwischen Judentum und Deutschtum, wie sie der Central- Verein vertritt, ohne jede Abschwächung aufrecht zu erhalten. Der Erörterung der Fragen, inwieweit diese unsere Stellungnähme durch Beteiligung der deutschen Juden an der Agency gefährdet wird, wird den Hauptvorstand beschäftigen. Maßgebende nichtzionistische ameri'-ariische Juden unter Führung von Louis Marshall und Felix M. War bürg haben sich für den Eintritt in die Jewish Agency ausgesprochen. Die englische judenheit, an der Spitze der Jewish Board of Deputies, wird ebenfalls der Agency beitreten. In Deutschland hat bisher die Jüdisch-liberale Vereinigung den Eintritt abgelehnt. Referate von Professor Georg Bernhard (Berlin) und Rechtsanwalt Alfred Lichtenberg (Hannover), sowie rechtzeitig verschickte Materialunterlagen werden den Mitgliedern des Hauptvorstandes Gelegenheit geben, eine leidenschaftslose sachliche Prüfung vorzunefimen. Die Keren Ha Jessod-Eingänge im Februar Jerusalem, 15. März. (J.T.A.) Bei den Eingingen für den Keren Hajessod im Monat F e b r u a r ist ein beträchtliches Ansteigen gegenüber den früheren Monaten zu verzeichnen. Im , Februar gingen beim Hauptbüro des Keren Hajessod 37158 Pfund ein. Im Januar betrugen die Eingänge 33090 Pfund. Im Dezember v. J. gingen 34 100 Pfund, im November 27 682 Pfund, im Oktober 21661 Pfund ein. Landesvorsiand der Z. V. LD. Der Geschäftsführende Ausschuß der Z. V. f. D. hat beschlossen, den Landesvorstand für Sonntag, den 24. März, nach Berlin einzuberufen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Bericht Über die Lage der Bewegung; 2. Kon* stitulerung der Jewish Agency ln Deutschland; 3. Andsledlung deutscher Chaluzhn; 4. die Tätigkeit unserer Vertreter Im Hilfsverein und im ״Ort“; 5. Etat der Z.V.f.D. für 1929. Die Sitzung findet vormittags 10 Uhr im Sitzungssaal, Meiaekestiaße lü, statt Einsteins Geburtstag I Professor Einstein hat anläßlich seines Geburtstages aus de! I gesamten Welt Tausende von Glückwünschen bekommen. Ara I herzlichsten klangen die Grüße von jüdischer Seite. Besonders I eindrucksvoll waren die Wünsche des Jlschuw in Palästina und I der Zionistischen Exekutive. Vorstand und Reprisen• I tantenverSammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde richteten I an Prof. Einstein ein besonders herzlich gehaltenes Begrüßung®• I schreiben. Auswärtige wissenschaftliche Institute und Akade* I rnien beeilten sich, dem großen Gelehrten ihre Huldigung dar- I zubringen. Reichsregierung, der preußische Kultusminister und I die Stadtgemeinde Berlins befanden sich gleichfalls unter den I Gratulanten. Es fiel nur auf, daß seitens des Reichspräsidiums, I das sonst bei Flügen und anderen Gelegenheiten rasch mit An* I erkcunungsschreiben bei der Hand ist, eine Aufmerksamkeit für I Prof. Einstein gefehlt hat. I ♦ London, 15. März. (J. T. A.) Die Exekutive der Zloj nistischen Organisation sandte Einstein das folgende Telegranun: Die Exekutive sendet ihnen tief empfundene Glückwünsche zu Ihrem 50. Geburtstag und hofft, daß Sie noch | viele Jahre in Gesundheit Ihre hervorragende Tätigkeit im Dienste der Judenheit «nd der menschlichen Erkenntnis fortführen werden. Der britische Reichsrabbiner, Dr. Hertz, sandte als Sprecher der britischen Judenheit einen Glückwunsch, der den Segenspruch enthält ״Baruch schenatan mechochmato le• bassar wedam“ (״Gelobt sei Er, der mit seiner Weisheit einet Sterblichen bedachte“). Das Telegramm schließt mit ״ad raeali weesser schanlm“. * In! ״Berliner Tageblatt״ widmet Emil Ludwig der Per• sönlichkeit Einsteins einen großangelegten Aufsatz. Darin er• zählt er: ״Ueberhaupt gilt seine Toleranz den Unterdrückten, Rathenau erzählte, wie Einstein, ermüdet von endlosen Ge.• sprächen über Entente- und Friedensprobleme, ihm auf die Frage, was ihn den« in der Welt draußen besonders interessierte, mit einem Lächeln erwidert habe: ,Die Juden‘. Die hat er ln Palästina besucht.“ Um den Einstein ״Wald Auf den Aufruf des Komitees für den Einstein-Wald riehtete, wie wir bereits vermerkt haben, der liberale Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde, Moritz Rosenthal, an Prof. Ismar E1 b 0 g*e n einen Brief in der ״Jüdisch-Liberalen Zeitung“, in welchem er mit Rücksicht auf die Notlage deutschjüdischer Institutionen es amehntc, sich an der Pflanzung eines Einstein-Waldes in Palästina zu beteiligen. Prof. Ismar Elbogen gab darauf Herrn Rosenthai in der Jüdisch-Liberalen Zeitung nachstehende Antwort: Berlin, io. März 1939 TvW 87, Altona er Straße 1/ן. Hochverehrter Harr RoscnthaJl Als Sie Ihren Offenen Brief an mich richteten, konnten Sie nicht ahnen, daß ich bereit» unaufgefordert zu den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Jacob Stellung genommen hatte. Der Kern meiner Ein- .Wendungen ist der, daß aueäi, bevor dar Keren Hajessod Samm» 'kmgap yenmstsltete, unsere- KoctofthuW .und ander« jüdiseh-kulhirelie Einrichtung«! nicht garado durch die Freigebigkeit unserer Glaubensgenossen verwöhnt wurden, daß wir stete nur durch eine mühsame und aufreibend® Propaganda unsera Bedarf notdürftig decken konnten, und daß 09 auch heute noch zahlreiche vermögende Glaubensgenossen gibt, die jeden Beitrag für Palästina weit von sich weisen, aber trotzdem für jüdisch-kulturelle Institute in Deutschland nicht» übrig haben. So gebt cs nicht nur uns, sondern, wie Sie wissen, zahlreichen anderen großen oder alten Institutionen — ich möchte hier nur den Hiifsverein für jüdische Studierende nennen, der seit Jahren schwer zu kämpfen hat. Das Problem ist oben nicht mit der Antithese Deutschland-Ausland gelöst, sondern es handelt «ich um den Gegensatz zwischen Gleichgültigkeit und Interesse, zwischen Freigebigkeit und Hartherzigkeit. Dezember >933 wurde ich in Cincinnati Oh. über die Briefe Berliner liberaler Organisationen gefragt, die damals von der Union ׳ of American Hebrew Congregations eine Beihilfe erbaten. Ich schilderte den dortigen Herren alle Schrecken der Inflation und schlug eine Beihilfe von 3000 Dollar vor, di« verhindern sollte, daß die betreffenden Organisationen gezwungen würden, infolge der Geldnot ihre Tätigkeit einzugtelJen. Ich mußte meine Worte schriftlich geben, sie wurden sogar gedruckt, aber der Antrag wurde vom Vorstand abgelehnt, ״weil man nicht Geld nach dem Ausland schicken konnte". Wahrscheinlich haben die Herren vom Vorstand sich ihres Beschlusses hinterher geschämt, so daß sie nach der Sitzung unter sich eine Sammlung veranstalteten, die aber nur zwei Fünftel des von mir angeregten Betrages erbrachte. In Amerika hörte man damals nichts von Elend, viel von ethischem Univorsalismus, aber für die Not des ״Auslande*" waron die Kassen verschlossen. Sie ermahnen mich zu Sammlungen für die jüdische Not im Inland. Mil vollem Recht: denn man kann auf diesem Gebiet« nicht genug tun. Mancherlei tue ich wohl nach dieser Richtung; aber ich muß Ihnen gestehen, daß ich mit der Zeit mürbe werde, weil ich zu häufig das Schicksal habe, als Dreizehnter zu Tische zu kommen. Das heißt, wenn ich mich an wohlhabende Glaubensgenossen wende, so sind sie zumeist gerade immer in den Tagen vor Ankunft meiner Bitte furchtbar und über ihre Kräfte in Anspruch genommen worden. Mitunter klingt das so rührend, daß ich am liebsten aus meiner Tasche etwas für die bedauernswerten Opfer hergäbe, wenn ich nicht dann zufällig hörte, daß alle Ueborlastung den Ankauf kostbarer Luxusgegenstände nicht ausschließt. In Berlin liegen die Dingo schlimmer als anderwärts, da der Zusammenhang mit der Gemeinde außerordentlich locker ist. Nicht ״das Ausland" ist dor Feind, sondern die Hartherzigkeit und die Selbstsucht unserer Reichen — und hier eröffnet sich für das liberale Judentum eine sehr verheißungsvoll© Erziehungsarbeit. Was den Spezialfall Einstein anbatrifft, so pflegt man Geburtstagsgeschenke so auszusueben, daß sie dem damit Beehrten eino Freude machen. Di« Sammlung ist eine rein private Angelegenheit und, wer nicht zu ihr beitragen will, dem wird keinerlei Vorwurf gemacht. Aber Sie, verehrter Herr Rosenthal. werfen die Frage von Einsteins Weltanschauung auf, und da möchte ich mir eine Erinoerung erlauben. Als treuem Mitarbeiter de» unvergeßlichen Saatlätarate Bradt Ist es Ihnen sicher bekannt» daß die Akademie für di« Wissenschaft des Judentums über die schwersten Jahre nur dadurch hinweggekommen ist, daß sie Werbebriefe ausschicken konnte, unter denen der Name Albert Einstein stand. Damals hat niemand gefragt, ob Einstein ein National- oder ein Reiigionsjude ist: damals hat sein Name uns Nutzen gebracht, heut» wollen wir ihm zu Ehren ein Opfer bringen. Sio werden mir zugestehen, daß man manche Frage von verschiedenen Seiten her betrachten kann, und ich gebe mich der Hofftumg hin, daß wir in klarer Aussprache uns auch weiterhin zu gemeinsamer fruchtbringender Arbeit fi1»״.*n werden. ln ausgezeichneter Hochachtung Ihr ganz ergebener J. Elbogen.

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